TEST: Huawei Y6S - Praktischer Allrounder zum Einstiegspreis?

Wie viel Smartphone bekommt man 2020 bereits für 150 Euro? Huawei hat mit dem Y6S hierfür eine Antwort parat, allerdings musste man ganz schön tricksen. Und ganz generell lautet die Frage: Quo vadis Huawei? Durch den Handelsstreit mit den USA bleibt allen neuen Smartphones der Zugang zu vielen wichtigen US-Apps verwehrt. Der Konzern greift daher tief in die Trickkiste und legt alte Modelle einfach neu auf, um so eine neue Zertifizierung mit empfindlichen Einschränkungen zu umgehen. Nutzer der 2020-Version des Huawei Y6S haben somit weiterhin Zugang zu Google & Co.

Rückseite mit Kamera

Das Huawei Y6s gibt es den Farbvarianten Blau und Schwarz, wobei beide Versionen eigene optische Akzente aufweisen. Die blaue Farbvariante ist auf der Rückseite zweigeteilt, wodurch der matte Bereich weniger anfällig für Fingerabdrücke ist. Die glitzernden Partikel des schwarzen Modells sollen an einen Sternenhimmel erinnern. An der Rückseite gibt es ein neu gestaltetes Kameramodul im Vergleich zum Y6 (2019), das nun eine größere, runde Einfassung für die Kameralinse und einen separaten LED-Blitz beinhaltet. Neu ist auch der Fingerabdrucksensor an der Rückseite, doch dazu später mehr. Gut: Das Kamera-Objektiv wurde gegenüber dem Vorgängermodell aufgewertet und schließt nahezu bündig ab.

Für ein Smartphone der günstiegen Einstiegsklasse erstreckt sich der Touchscreen groß über die Frontseite. Nur unterhalb des Displays gibt es eine größere Aussparung. Der Notch für die Selfie-Kamera fällt hingegen sehr klein aus. Dass die Qualität des 6 Zoll großen Y6S dem Preis entsprechend eher untere Mittelklasse ist, wird bereits durch die geringe Auflösung klar, denn 1.560 x 720 Pixel sind nicht wirklich mehr State of the Art. Dennoch passen die Schärfe und Lesbarkeit. Die Farbwiedergabe ist hingegen recht mau. Dennoch bietet diese Huawei-Komponente in diesem Bereich insgesamt ein solides Preis-/Leistungsverhältnis.

Aufgenommen mit dem Huawei Y6S

Gegenüber der 2019-Version hat sich im Bereich Ausstattung leider kaum etwas getan, vermutlich hätte es sonst Probleme bei der Zertifizierung gegeben. So schlimm ist der Stillstand allerdings nicht, denn die Single-Kamera mit 13-Megapixel schlägt sich im Alltag recht wacker. Tageslichtaufnahmen erreichen sogar Fotoalbum-taugliche Schnappschüsse mit einer gesunden Schärfe bis zum Rand und natürlicher Farbwiedergabe, was auch durch einen dezenten Software-Einsatz erreicht wird. Sobald das Licht schwächer wird, muss der Knipser allerdings erwartungsgemäß schnell kämpfen. Dennoch: Für einen 150 Euro Funker sind die Ergebnisse ebenfalls noch zufriedenstellend. Auf Features wie Bokeh-Effekte muss der Nutzer aus Preisgründen zwar verzichten, doch dafür gibt es zumindest einen Panorama-Modus, HDR-Einsatz sowie manuelle Einstellungen für experimentierfreudige Fotografen.

Die Selfie-Kamera arbeitet mit einer 8-Megapixel-Linse und liefert ebenso wie der Camcorder mit maximal in 1080p und 30 fps befriedigende Ergebnisse. Zeitlupe & -raffer sind nicht an Bord.

Rückseite gesamt

32 GB interner Speicherplatz sind in dieser Preisklasse mehr als angemessen und bei den Slots ist der Chinese sogar luxuriös aufgestellt, denn ein Dual-SIM-Betrieb ist möglich, wenn die microSD-Karte eingelegt ist – selbst in der Luxusklasse ist das nicht immer der Fall. Bei den Datenschnittstellen gibt es durch die Bank weg gedrosseltes Tempo und NFC ist nicht implementiert.

Android 9 - ein Update auf 10 wird es wohl nicht geben

Das klassische Android 9.0 sorgt für das gesamte App-Management, und man darf davon ausgehen, dass es kein Update auf 10 geben wird. Insgesamt ist die Menüführung sehr abgespeckt, denn es gibt keinen App Drawer und keine Google-Startseite. Alle installierten Apps werden einfach auf der Startseite platziert, was es ein wenig unübersichtlicher macht. Auch das Fehlen von Kurzmenüs trägt nicht unbedingt zum Bedienkomfort bei.

Gesamtansicht

Gut gelöst ist der rückseitige (neue) Fingerprintsensor, denn er wurde ergonomisch sinnvoll platziert und entsperrt das Smartphone schnell und zuverlässig. Der Nutzer kann den Standby-Modus zudem auch per Gesichtserkennung deaktivieren. Das geht ebenfalls sehr schnell über die Bühne, und wenn man die Streichfunktion deaktiviert, gelangt man sogar noch schneller zum Startbildschirm.

Da es sich nur um eine Neuauflage handelt, ist der Prozessor selbst in dieser Preisklasse nicht mehr ganz zeitgemäß. Der MediaTek Helio P35 wird aber immerhin von 3 GB Arbeitsspeicher unterstützt, sodass im Alltag nur gelegentlich Ruckler und Bedenkzeiten auftreten. Dass er bei aufwändigen 3D-Games und Multimedia-Aufgaben schnell überfordert ist, liegt in der Natur der Sache.

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Seitenansicht

Ein ganzes anderes Bild bei der Akkuleistung, denn im Praxistest ist eine volle Woche Rufbereitschaft drin, wenn man sich mit der Nutzungsintensität etwas zurückhält. Rund 12,5 Stunden bei Dauernutzung sind ebenfalls eine Top-Leistung.

SuperSound nennt der Hersteller die Kombination aus Speaker und der verbauten Audiohardware, die in dieser Preisklasse für einen ordentlichen Klang sorgen soll. Und tatsächlich: Der Mono-Speaker spielt erstaunlich voluminös auf und bietet sogar griffige Tiefen. Nur bei höherer Lautstärke wird es unsauber und kratzig.  Da auch die Stimmenübertragung überdurchschnittlich gut ist, präsentiert sich dieser Funker bei den Messwerten für einen schmalen Euro überaus prächtig.

Fazit

Huawei Y6S

Nur ein neuer Aufguss? Trotz eingeschränkter Möglichkeiten gelang es Huawei ein überaus solides Smartphone zum Kampfpreis auf die Beine zu stellen. Dank Fingerabdrucksensor und mehr Speicherplatz gehört die Neuauflage nicht zum alten Eisen. Okay, bei der Prozessorleistung gibt es Grenzen, doch Käufer haben ohnehin nicht den Anspruch, in dieser Preisklasse auf höchstem Niveau zu performen. Dafür punktet das Y6S durch eine Top-Akkuleistung und guten Smartphone-Klang. Dennoch bleibt die entscheidende Frage: Was macht man als Huawei nun, denn allein durch Updates kann der Smartphone-Markt nicht mehr attackiert werden.

Auch die Neuauflage des Einsteiger-Smartphones kann überzeugen

14.03.2020

Test: Ulf Schneider
Datum: 14.03.2020

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