TEST: Honor 7c - Leistungsfähiger Einsteiger mit Dual-SIM und Dual-Kamera?

Selbst bei günstigen Geräten wird mittlerweile viel geboten. Im Windschatten des großen Bruders Huawei hat sich Honor mit preisaggressiven Smartphones bereits einen Namen gemacht – und das birgt durchaus Gefahren. Je mehr Leistung der Käufer nämlich für wenig bekommt, desto größer wird der Kannibalisierungseffekt. Zu einem Online-Preis von unter 130 Euro gibt es das Honor 7c und wir waren überrascht, wieviel Performance im Gerät zu diesem günstigen Preis steckt.

Rückseite

Seitliche Ansicht

Die erste Überraschung: Statt Hartplastik weist das Smartphone eine Rückseite aus Metall in schickem Dunkelblau auf. Ebenfalls positiv: Die Dual-Kamera schließt nahezu eben ab, was in dieser niedrigen Preisklasse nicht obligat ist.

Weniger spektakulär ist die Frontseite. Rund um das Display gibt es deutliche Ränder – ein Fullfront-Display scheint bei diesem Budget noch nicht machbar zu sein. Auch die Auflösung mit 1.440 x 720 Pixel ist eine preisliche Entscheidung. Dafür wird der Touchscreen aber durch ein 2,5D-Glas sehr effizient geschützt. Selbst ein stärkerer Druck löst keine schwarzen Stellen aus – sehr gut! Überhaupt macht das Honor 7c haptisch einen sehr guten, robusten Eindruck. Der Materialeinsatz wirkt sehr solide und die Materialübergänge sauber.

Das IPS-Display mit 5,6 Zoll scheint insgesamt in Ordnung, sorgt aber aufgrund unterdurchschnittlicher Helligkeit bei Sonneeinstrahlung für Probleme. Schwarzwert und Farbbrillanz lösen keine Jubelschreie aus, sind aber ok. In Anbetracht des Preises darf man auch nicht zuviel erwarten.

Integrierte Kamera

Sehr gut finden wir die Integration einer (abgespeckten) Dual-Kamera. Abgespeckt deshalb, da die Linsen nicht unabhängig voneinander nutzbar sind. Bei dem Tandem handelt es sich um Hauptlinse mit 13 Megapixel und eine Hilfslinse mit 2 Megapixel, die einen dezenten Bokeh-Effekt ermöglicht. Ansonsten ist die Ausstattung geradezu spartanisch. Fotos lassen sich aufhübschen und der Blendenumfang vergrößern, das wares dann aber.

Aufgenommen mit dem Honor 7c

Wenig Komfort, viel Qualität? Leider nein, denn es handelt sich um eine reine Schönwetter-Kamera. Selbst bei Tageslicht wirken die Farben flau und häufig ist das Motiv zu hell ausgeleuchtet. Bereits in geschlossen Räumen tritt dann das unschöne Bildrauschen auf und bei schwachem Licht kann auch der Blitz nicht mehr viel retten. Annehmbare Selfies sind ebenfalls nur bei optimalen Lichtverhältnissen möglich. Videos lassen sich dafür immerhin in Full-HD und mit 30 fps in einer ordentlichen Bildschärfe aufzeichnen.

Bei den Datenschnittstellen gibt es erwartungsgemäß nicht das schnellste Tempo. So fehlt auch die 5-GHz-WLAN-Unterstützung. Dass es nur unter Bluetooth 4.2 arbeitet, lässt sich dafür verschmerzen.

Der interne Speicherplatz beläuft sich fast schon erwartungsgemäß auf 32 GB, wobei dem Nutzer davon rund 26 GB zur freien Verfügung stehen. Das ist schon ordentlich, und wer möchte, kann die microSD-Karte mit bis zu 256 GB weiter aufstocken. Sehr komfortabel: Es lassen sich gleich zwei SIM-Karten und die microSD gleichzeitig nutzen. Das können selbst viele Premium-Smartphones nicht.

Screenshot

Software neuester Stand? Bei solch günstigen Smartphones darf man das nicht erwarten. Und auch hier kommt "nur" Android 8 als Betriebssystem zum Einsatz. Das EMUI Interface bietet viele vorinstallierte Apps mit ein paar Extras. Was dabei allerdings nervt:  Der User wird fast schon genötigt die vielen vorinstallierten Free2Play-Spiele und sogar Werbe-Apps zu deinstallieren, um den Speicherplatz nicht zu stark zu belasten. Das eigene Backup-System und die vielen Gestaltungsmöglichkeiten sind hingegen nette Goodies.

Äußerst positiv ist zudem der Umstand, dass der günstige Chinese sogar über einen einwandfreien Fingerprintscanner und eine Gesichtserkennung verfügt. Der Fingerabtaster ist zwar nicht der flotteste, doch arbeitet dafür sehr zuverlässig. Fast noch besser schlägt sich die Gesichtserkennung zum Entsperren des Smartphones, denn das erfolgt in der Regel binnen weniger Augenblicke. Allerdings sind dafür gute Lichtverhältnisse notwendig. Dennoch: Eine absolut annehmbare Leistung für diese Preisklasse.

Bei der Handhabung verfolgt das Honor 7c weitestgehend die bekannten Pfade inklusive einem Google-Startbildschirm. Auf ein übersichtliches App-Sammelbecken wird aber verzichtet, sodass alle Anwendungen auf den Startbildschirmen verteilt sind.

Rückseite

Auch in dieser billigen Preisklasse werkelt ein Achtkerner. Der Snapdragon 450 ist aber natürlich nicht mehr der taufrischste und die Taktung von 1,8 GHz zudem nicht sonderlich hoch. Obendrein packten die Macher noch die Grafikeinheit Adreno 506 und immerhin 3 GB RAM unter die Haube. Positiv ausgedrückt gibt es derzeit wohl kaum ein Smartphone in dieser Preisklasse, das im Bereich Performance besser aufgestellt ist. Im Praxistest zeigt sich aber, dass bei weitem nicht alles locker von der Hand geht. Apps öffnen sich nichts sofort und auch beim Surfen in sozialen Netzwerken ruckelt es manchmal.

Ausgezeichnet schlägt sich der fest verbaute 3.000 mAh Akkublock. Im Härtetest pendelt sich die Rufbereitschaft bei knapp fünf Tagen ein. Sicherlich kein Bombenwert, doch gerade in der Einsteigerklasse gibt es hin und wieder Ausfälle. Mit rund 11,5 Stunden Dauereinsatz liegt die Nonstop-Belastung ebenfalls über den Durchschnitt. Intensivnutzer brauchen daher erst nach zwei Tagen wieder ein Netzteil aus der Schublade ziehen. Der Akkuvorgang dauert allerdings seine Zeit, da kein USB-C unterstützt wird.

Der Rotstift wird immer wieder gerne beim Sound angesetzt – so auch hier. Lediglich ein Mono-Lautsprecher an der Unterkante sorgt für die Beschallung auf einem niedrigen Klangniveau. Alle Soundfiles klingen so metallisch, dass man fast zwangsweise die Lautstärke niedrig hält. Immerhin: Der Speaker kann sich dezibelstark bemerkbar machen und fungiert daher auch als zuverlässiger Wecker, der krächzende Klang macht garantiert putzmunter.

Telefonate unterliegen qualitativen Schwankungen. Manchmal gibt es keinerlei Probleme in beide Senderichtungen, manchmal klingt der Gesprächspartner aber auch sehr dumpf und auch verzerrt, wenn man eine hohe Lautstärke wählt. Einen positiven Aspekt gibt es aber im auditiven Bereich noch: Der Kopfhörer lässt sich auch via 3,5-mm-Buchse koppeln.

Fazit

Honor 7c

Sicherlich kann man dem Honor 7c einiges ankreiden, doch das wäre unfair, denn bei einem Online-Preis von gerade einmal 130 Euro muss man fair bleiben. Das Gerät weist sogar Stärken auf, die selbst in der Mittelklasse noch nicht obligat sind. Am besten gefällt dabei der zuverlässige Fingerprintscanner und die flotte Gesichtserkennung sowie der große Akkublock! Käufern sollte allerdings bewusst sein, dass aufwändiges Zocken genauso wenig möglich ist, wie ein lupenreines Multimedia-Erlebnis. Dafür ist das Honor 7c einfach zu schwach auf der Brust im Bereich Displayqualität und Performance. Auch die fotografischen Ergebnisse sind eher suboptimal. Im direkten Konkurrenzvergleich hat dieses Spar-Smartphone jedenfalls ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt.

Starke Performance im unteren Preisbereich

05.02.2019

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 05.02.2019

 

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