SPECIAL: Dolby X Teufel - Das Dolby Atmos-Event in Berlin mit vielen Infos zu Dolby Atmos Music

In Berlin hatten wir die Möglichkeit, an einem exklusiven Dolby X Teufel Event teilzunehmen, in dessen Verlauf es viele interessante Informationen rund um das Thema Dolby Atmos Music gab. Das Event fand in zwei Locations statt - einmal im Genelec Experience Center - hier konnte man sich informieren, wie Dolby Atmos Music Tracks gemischt werden und wie sie sich in einem professionellen Abhörraum, ausgestattet mit Genelec Profi-Lautsprecher-Equipment, anhören. Zweiter Teil war dann eine Hör-Session mit von Apple Music zugespielten Dolby Atmos Music-Titeln im Teufel Kino, das sich im Teufel Flagship Store im Bikini Berlin, Budapester Straße, befindet. 

Immersive Lab - DIE Experten für Dolby Atmos Music

Im Genelec Experience Center in der Berliner Münzstraße standen zudem gleich zwei Experten Rede und Antwort (oben im Bild: Links Daniel Grunenberg, rechts Eric Horstmann): Daniel Grunenberg, seines Zeichens Sänger und Keyboarder der bekannten Band Glasperlenspiel, und Eric Horstmann, "Mr. Dolby Atmos Music" in Deutschland, der schon mehr als 450 Titel in Dolby Atmos Music abgemischt hat und demnach auf einen reichen Erfahrungsfundus zurückblicken kann. Eric Horstmann ist Geschäftsführer von Immersive Lab und kennt nahezu jedes erdenkliche Detail rund um Dolby Atmos Music. In seiner zweiten Funktion betreut er zudem das Genelec Experience Center, in dem wir, wie beschrieben, zu Gast waren. Die Abmischungen werden im Studio in Berlin-Alt-Buch durchgeführt, dort vor Ort hat Horstmann ideale Bedingungen für seine anspruchsvolle Arbeit. 

Große Auswahl an Genelec-Boxen

Unter den bereits erwähnten 450 Abmischungen befinden sich Titel völlig unterschiedlicher Genres. Natürlich Glasperlenspiel, aber auch Helene Fischer, Cro oder die Berliner Elektronik-Formation Moderat, um einige deutsche Größen aufzuführen. Viel arbeitet Horstmann mit Universal Music zusammen, und hier wird der Hörraum des Genelec Experience Centers in der Münzstraße 10 gern genutzt. Aber auch Abordnungen der Deutschen Grammophon sind öfters vor Ort. 

Hier ein Blick aufs Lautsprecher-Layout im Abhörraum

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Daniel Grunenberg ist mittlerweile auch ein absoluter Kenner der Materie rund um Dolby Atmos Music. Der bekannte Sänger & Keyboarder weiß genau über die Vorzüge von Dolby Atmos Music Bescheid: „Dolby Atmos schenkt uns Künstlern Dynamik“, erläutert er, man hat vielfältige Möglichkeit, das musikalische Geschehen umfassender und lebendiger zu machen. Im Vergleich zu einer Stereo-Version gibt es aber deutliche Unterschiede. "Die Hörgewohnheiten müssen für Atmos angepasst werden“, erklärt Grunenberg, „Atmos ist im Gegensatz zu Stereo weniger laut, dafür enorm dynamisch.“

Seitliche Lautsprecher

Subwoofer

Decke des Hörraums

Wie nun wird ein Dolby Atmos Titel abgemischt? Horstmann und Grunenberg berichten, dass es am besten ist, wenn das File, welches es zu bearbeiten gilt, in normalem Stereo angeliefert wird. 

Wer bietet denn Dolby Atmos Music Titel an? Im Fokus steht hier Apple Music, ganz klar. Wer den Streaming-Dienst per Abonnement verwendet, weiß, dass es auch zahlreiche dedizierte Dolby Atmos Music Playlisten gibt, in verschiedenen Genres natürlich. Und die Tracks machen viel Freude, wir selbst hören oft Musik in Dolby Atmos Music über iPhone und kompatible AirPods. Natürlich ist nicht "jeder Schuss ein Treffer", aber zahlreiche Titel beeindrucken bereits bei der Darstellung via TWS durch enorme Lebendigkeit und Räumlichkeit. 

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Wir wollten natürlich auch wissen, wie Dolby Atmos Music beim Endkonsumenten ankommt. "Der Endkonsument hat die Thematik noch nicht ganz verstanden", sind sich Horstmann und Grunenberg einig, "aber die Wahrnehmung ist durchweg positiv." Problem ist derzeit noch, dass es nicht für jeden Anwender verständlich ist, z.B. bei TIDAL, wie er es nun tatsächlich schafft, Titel in Dolby Atmos Music zu Gehör zu bekommen. Das gibt es derzeit noch einige Kompatibilitäts-Hürden und keine klare Kommunikation seitens einiger Anbieter. Sehr gut funktioniert es im Apple-Universum. Praktisch ist hier auch, dass es Playlisten mit normalen Stereo-Files und Dolby Atmos Music-Titeln gibt, sodass hier direkt verglichen werden kann. 

Bewegung von Audio-Objekten bei Dolby Atmos

Was ist bei der Abmischung nun zu bedenken? Zunächst steht fest: Jeder Track wird individuell verarbeitet.  Der „richtige Hall“ ist wichtig. Rein „objektbasierter Hall“ ist möglich und stellt vielfältige Optionen hinsichtlich einer fesselnden Wiedergabe sicher. Natürlich ist es auch stark vom Genre abhängig, wie ausgeprägt mögliche Dolby Atmos-Effekte ausfallen. Bei HipHop oder Rap ist die Basis ein sehr kleiner Raum, sodass man hier zwar auch ein erweitertes Hörerlebnis bieten kann, wenn man eine Atmos Abmischung anfertigt, dieses aber nicht so intensiv ausfällt wie z.B. bei Lounge-Musik mit enormer Räumlichkeit und vielen Möglichkeiten. Dolby Atmos bietet natürlich auch einen enormen Mehrwert für große klassische Orchesterstücke. Real existierende Räume (Berliner Philharmonie, Metropolitan Opera) werden zudem exakt vermessen für den passenden Raumeindruck, sodass man keine akustischen Nachteile wie z.B. ein übertriebener Hall durch die Atmos-Abmischung erhält. Wichtig ist auch: Man sollte die Beziehung von Instrumenten zueinander immer an der gleichen Position behalten, nur so bekommt man später ein realistisches, stimmiges Gesamt-Hörerlebnis. Dass der Anwender - nicht der Toningenieur - zudem noch selbst Anpassungen vornehmen kann, das wird bei Apple, so wie es sich derzeit anhört, bei iOS 16 unter dem Oberbegriff "Personalized Spital Audio" kommen. 

Beeindruckende Demonstration

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Interessant in diesem Zusammenhang ist auch: Apple Music verlangt von A-Level Artists zwingend ein Atmos Mix, dadurch wächst natürlich die Anzahl der Tracks rasant. Dolby Atmos Music Tracks liegen bei Apple Music mit einer Daten-Übertragungsrate von 768 kbit/s vor. 

Eric Horst mann nutzt die Software Pro Tools (Digital Audio Workstation für professionelle Anwender), die Atmos-Renderersoftware ist hier nicht enthalten, sondern wird zusätzlich benötigt. Horstmann arbeitet zudem mit rein objektbasiertem Atmos, das sogenannte "Bed", das als Basis gilt, verwendet er gar nicht mehr. Hauptgrund: Bei der Kopfhörer-Reproduktion klingt ein rein objektbasierter Track akkurater als mit Bed. Wieviele Spuren bei der Abmischung insgesamt dabei sind, unterscheidet sich je nach Interpret, Art der Anlieferung des Files etc. massiv.  Bei SOS  - Glasperlenspiel sind es 35 - 40 Spuren, bei Titeln von Max Mutzke waren es auch schon mal 170 (!) Spuren. Horstmann schafft im Schnitt zwei Titel im Dolby Atmos Mix pro Tag, natürlich ist auch das Genre-abhängig, daher kann man auch einmal ein bis zwei Tage für einen einzigen Titel benötigen. 

Maximal ist es bei Dolby Atmos möglich, 118 Objekte simultan zu verwenden, oft sind es in der Praxis 30 bis 60 Objekte, die simultan agieren. Wichtig ist stets der Faktor der Authentizität: Dolby Atmos darf das musikalische Werk nicht zerstören. Das Master bei einer Dolby Atmos-Abmischung bietet bis zu 128 Spuren in 48 kHz/24-Bit. Aus dem Master wird dannn ein sogenanntes ADM-File erstellt, und aus diesem dann Streaming-konforme Versionen, die nicht vom Datenvolumen her zu groß sind. 

Wir haben "SOS" von Glasperlenspiel gehört - faszinierend in Dolby Atmos. Sehr weritläufig, mit ordentlich akustischer Bewegung im Raum. Die Audio-Objekte sind genau definiert, präzise umrunden sie das Auditorium, und vokale Anteile ertönen präzise sowie klar ortbar. Bei "Doom Hype" von Moderat erfreuen wir uns ein weiteres Mal an der "Macht der Objekte": Dynamik auf hohem Level, ein hoher Erlebnisfaktor, aber trotzdem wirkt alles exakt und sauber ausbalanciert. Horstmann ist eben nicht nur Dolby Atmos Music Experte, sondern ein wahrer Künstler, wie seine Mixes belegen. Laurells Charthit "Habit" hat Horstmann bereits 2021 bearbeitet in Form einer Atmos-Version - damals noch mit dem "Bed" als Basis. Aus heutiger Sicht stellt er fest, dass sich nur wenig bewegt im Vergleich mit aktuell abgemischten Titeln, so entwickelt man sich ständig weiter. Uns gefiel die Atmos-Habit-Variante trotzdem, gerade um den Refrain herum war doch einiges los im Atmos-Universum. 

Dolby Atmos bei Teufel

Anschließend ging es gleich in die Budapester Straße zum Teufel Flagship Store. Teufel-CEO Sascha Mallah sieht in Dolby Atmos Music ebenfalls eine große Chance, hochwertiges Hören von Musik wieder klar in den Fokus zu rücken. Daher stand es für ihn außer Frage, dass sich Teufel zusammen mit Dolby für das neue Format stark macht. Im Teufel Kino stand ein Set aus zwei Definion 3 (Front L/R), dem Definion Center, und der Definion 3S als Rear-Lautsprecher. Zusammen mit dem aktiven Subwoofer T10 gibt es diese Kombination auch als Set. Bei uns im Teufel Kino agierten allerdings vier S 6000 SW sehr gekonnt und nachdrücklich im Bassbereich. 4 x der Lautsprecher "Reflekt" an der Decke des Raums sorgten für eine lebendige dritte Hörebene.

Star Wars - Main Title

An Titeln war die Auswahl reichhaltig. Andreas Stumpner von Dolby Germany führte uns engagiert durch die Hör-Beispiele und wählte als Tracks aus:

  • Star Wars: A New Hope, Main Title
  • Yello, Waba Duba
  • Elton John, Rocket Man
  • Elton John & Dua Lipa - Cold Heart (PNAU Remix)
  • Kraftwerk, Boing Boom Tschak (Live)
  • Rammstein, Zick Zack
  • Nils Wülker & Rundfunk-Orchester München, Continuum
  • George Michael, I Want Your Sex
  • Beatles, Let It Be

Wir waren "deeply Impressed" - vor allem, was aus dem alten Katalog-Titel "Rocket Man" gemacht wurde, war im positiven Sinne überraschend. Aber auch "Let It Be" erfreute uns durch eine hohe atmosphärische Dichte. Beim Main Titel aus Star Wars war die enorme räumliche Weitläufigkeit frappierend, auch die Tiefe der Darbietung. Hier fühlte man sich tatsächlich als "Bestandteil der Musik". Von Effekten "lebende" Titel wie Waba Duba oder Boing Boom Tschak führen ebenfalls in eindrucksvoller Manier vor, was man mit präzise platzierten Autio-Effekten alles erreichen kann. 

Fazit

Dolby Atmos Music, diese Prognose wagen wir, wird hinsichtlich Akzeptanz und Bedeutung weiter massiv steigen. Immer mehr Menschen werden von der neuen Form,zu hören, beeindruckt sein. Natürlich erfordert es einen gewisse Umgewöhnung, doch dieser Prozess ist schnell abgeschlossen. Mehr Raum, mehr Bewegung, mehr "mittendrin": Dolby Atmos bietet viele Vorteile. Und wenn sich Könner mit der Abmischung beschäftigen, gibt es auch keine übertriebene Effekt-Ausgestaltung - vielmehr bleibt der ursprüngliche Charakter des Musiktitels in vollem Umfang enthalten, wird nur noch intensiver und bietet einen deutlich höheren Erlebnisfaktor fürs Audiotorium. Was wir uns allerdings wünschen, ist eine einfachere Handhabung hinsichtlich aller praktischen Anwendungen, sodass es für den Hörer keine Hürde mehr darstellt, Tracks in Dolby Atmos Music auf komfortablem Wege genießen zu können.

Special: Carsten Rampacher
Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 02. Juli 2022

 

 

 

 


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