Test: Yamaha YSP-1100 - macht der Soundprojektor günstige 5.1 Systeme überflüssig ? 

(26.Juli 2007 - LM)

Wenn Ihnen Pizza besonders gut schmeckt und ihr Lieblingsauto aus Zuffenhausen kommt, kennen sie Problematik sicherlich: gerade die schönsten Dinge im Leben sind fast immer mit großen Schattenseiten verbunden. Was bei fetthaltigem Essen das Cholesterin und schnellen Sportwagen die Alltagstauglichkeit darstellt, findet man in abgewandelter Form auch bei Lautsprechersystemen: guter Surroundklang geht fast immer Hand in Hand mit großen, teuren Lautsprechern, einem immensem Verkabelungsaufwand und nicht selten sind auch die Anforderungen an technischem Grundverständniss sehr hoch.

Elektronik-Spezialist Yamaha möchte diesen Zustand ändern und ein Gerät anbieten, welches eine narrensichere Installation mit einen geringem Platzbedaerf vereint, dabei preislich im Rahmen bleibt und Surroundsound auf hohem Niveau realisiert. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein ...

Zu einer UVP von 1100 Euro wechselt diese Surroundsystem seinen Besitzer. Doch wer nun denkt, diese Komponenten würde lediglich die Funktion eines einzelnen Schallwandlers übernehmen, der liegt gleich doppelt falsch: zunächst besitzt der YSP-1100 ganze 42 kleine Breitbandlautsprecher, um Mit Hilfe von Reflektionen eine raumfüllende Wiedergabe zu erreichen. Außerdem beinhaltet dieser Soundprojektor einen vollwertigen Surround Verstärker mit mehreren Audio/Video-Eingängen, kompletter Endstufenbestückung und Fernbedienung. Selbst an eine Einmessautomatik mitsamt On-Screen-Display wurde gedacht, so dass der YSP-1100 schon einmal mit einer guten Ausstattung punkten kann. Lediglich ein DVD-Player wird noch als Zuspielung benötigt.

Wir haben uns den Yamaha YSP-1100 genau angeschaut (bzw. angehört) und möchten Sie im nachfolgenden Test über sein Leistungsvermögen informieren. 

Verarbeitung:

Mit einer Breite von 103cm dürfte es schwierig sein, den YSP-1100 im Hörraum zu verstecken - er ist eben auf die Breite von 42´´ Bildschirmen ausgelegt. Trotzdem: im Vergleich zu einem kompletten Surroundsystem mit mehreren Lautsprechern, weist er selbstverständlich eine sehr große Wohnraumfreundlichkeit auf. Das Design zielt darauf ab mit modernen Flachbildfernsehern zu harmonieren, da die Gerätetiefe lediglich bei knapp 12 cm liegt. Der YSP-1100 ist darauf ausgelegt, sowohl unter- als auch überhalb der Bildfläche positioniert zu werden. Yamaha liefert diesen Soundprojektor sowohl in der oben gezeigten silber/schwarz Ausführung, als auch komplett in schwarz. Andere Farben stehen leider nicht zur Auswahl, was sich jedoch verschmerzen lassen dürfte, wenn man die farbliche "Vielfalt" bei Flachbildschirmen in Betracht zieht.



In der Mitte des Gerätes befindet sich ein einzeiliges Dot-Matrix Display und informiert den Benutzer über gewählte Quelle, Surroundmodus sowie die aktuelle Lautstärke. Das Display kann in mehreren Schritten gedimmt werden und verdient sich ein Lob - schließlich löst es sauber auf und ist auch bei typischen Entfernungen von ca. 2-3 Metern ohne Probleme ablesbar.



Der seitliche Abschluss besteht aus mehreren Elementen, die passgenau zusammengefügt sind und einen wertigen Gesamteindruck vermitteln. Auffallend ist zudem, dass Yamaha hier sehr viele kleine Schrauben verbaut, anstelle von Klips, was der ebenfalls ein Indiz für eine hochwertigen Aufbau zu verstehen ist.



Mittig auf der Oberseite prangt dieses Kunststoffelement mit eingearbeitetem Yamaha Logo.



Die Anschusssektion des YSP-1100 überzeugt ebenfalls durch eine qualitativ ansprechende Integration. Hier wackelt nichts, jede einzelne Buchse erfeut sich einer langlebigen, kontaktsicheren Machart. Auch an dieser Abbildung können Sie sehr schön erkennen, dass der YSP-1100 über sehr viel geschraubte Elemente verfügt, denn alleine die oben gezeigte Metallblende wird mit insgesamt 8 Schrauben befestigt.



Als Lautsprecherabdeckung fungiert dieses silberne Lochblechgitter. Es lässt sich zwar leider nicht abnehmen, dafür bietet es einen sicheren Schutz gegen Beschädigungen der 42 Lautsprecher. 



Pro Seite sorgen zwei kleine Kunststoff-Füsschen für einen sicheren Stand. Unserer Meinung nach, würden dem YSP-1100 etwas massivere Lösungen besser stehen.



Die Betriebsspannung gelangt per Kaltgerätebuchse in den YSP-1100. 



Wer will, kann den Soundprojektor auch direkt an der Wand befestigen. Hierfür sind insgesamt 4 M6 Gewinde auf der Rückseite vorgesehen, doch bevor das edle Teil unter dem Plasma-TV hängt, muss erst noch die passende Halterung bei Yamaha geordert werden.



Die Logo-Show rechts neben dem Display macht neugierigen Blicken schnell klar, dass der YSP-1100 ein High-Tech Produkt ist und sich weit von einem simplen Lautsprecher unterscheidet.

Fazit Verarbeitung: der YSP-1100 ist dafür designed worden, mit Flachbildschirmen eine gute optische Figur zu machen. Dementsprechend darf es auch nicht verwundern, dass dieser Lautsprecher sich eher mit Materialien kleidet, die auch bei Bildwiedergabegeräten wiederzufinden sind (Kunststoff, Spritzguss-Metall). Auch wenn ein edles Holzfurnier in ästhetischer Sicht sicherlich etwas attraktiver gewesen wäre, so macht die hier gezeigte Verbeitung bzw. das Design absolut Sinn. Außerdem hat Yamaha (wie eigentlich immer) eine sehr wertige Detailverarbeitung walten lassen. Man kann den YSP-1100 anpacken, wo man will: nirgendes klappert, knirscht oder knarrzt etwas. Wirkliche Schwächen können wir dem YSP-1100 daher nicht ankreiden, so dass wir ihm eine hervorragende Zensur in dieser Rubrik geben. Gesamtnote Verarbeitung: ausgezeichnet.

technischer Aufbau:

Zunächst möchten wir Ihnen die grundlegende Arbeitsweise dieses Gerätes vorstellen. Der Blick hinter die Abdeckung offenbart die große Besonderheit dieser Konstruktion: insgesamt 42 Lautsprecher übernehmen die Schallerzeugung und sind für den Klang verantwortlich. Die zwei äußeren, 110mm Chassis übernehmen dabei die Wiedergabe von tieferen Frequenzen, die sowieso kugelförmig abstrahlen und deswegen nicht zu orten sind. Ihre Aufgabe ist es auch, den Protagonisten ein ausreichendes Stimmvolumen zur Verfügung zu stellen, so dass der altehrwürdige dunkle Zauberer Saruman (Herr der Ringe) nicht klingt wie Harry Potter in seinem ersten Schuljahr. Die restlichen 40 Breitbandlautsprecher (Chassidurchmesser 40mm) sind so angeordnet, dass Soundstrahlen für alle 5 Hauptkanäle erzeugt werden können, die über Wand und Deckenreflektion an den Hörplatz gelangen. Yamaha bietet mit dem YSP 800 und 900 auch günstigerer Modelle an, die sich in der Anzahl der verbauten Chassis unterscheiden. Nur der YSP 1100 weist eine Chassisbestückung mit 3 Reihen auf und ist damit in der Lage die Soundstrahlen der einzelnen Kanäle auch über Decken zu reflektieren. Die Ausrichtung der Soundstrahlen wird über aufwendige Rechenprozessoren berechnet und über Zeitverzögerungen gesteuert. Damit die Reflektionen auch in jedem Raum nach Heimkino (und nicht nach Badezimmer) klingen, verfügt der Soundprojekor über eine ausgeklügelte Einmessprozedur mitsamt leistungsfähigen Equalizern und DSP-Modi. Mehr dazu im weiteren Verlauf dieses Tests.

Einen separaten Verstärker brauchen Sie übrigens nicht - der YSP-1100 besitzt eine integrierte Endstufensektion, die 40x 2 Watt und 2x 20 Watt leistet. Das Einzige, was Sie zum Heimkinogenuss noch benötigen (neben einem Bildausgabegerät) wäre ein DVD-Player. Wenn wir von wirklichem "Genuss" sprechen, müssen wir jedoch eigentlich auch noch einen Subwoofer hinzuzählen. Hierfür bietet der YSP-1100 bereits einen speziellen Ausgang.



Der Lieferumfang entpuppt sich als sehr großzügig. Abgesehen vom Soundprojektor selbst, purzelt eine umfangreiche Dokumentation, mehrere Kabel, die Fernbedienung sowie das Messmikrofon samt Pappständer aus der Verpackung. Selbst ein optisches Digitalkabel liegt dem YSP-1100 bei. Diese Beigabe dürfte den Hersteller zwar kaum etwas kosten, aber im Vergleich zum geizigen Lieferumfang anderer Geräte immerhin mal eine schöne Ausnahme.


Einen Sonderpreis für Höchstleistungen in Bezug auf extravagantes Design wird dem beigelegten Controller höchstwahrscheinlich niemals vergönnt sein. Er verströmt ungefähr denselben Charme wie eine silberne Mercedes-Benz C-Klasse. Das sehr konservative Layout wirft zwar keine Fragen auf, wirkt aber im Detail nicht besonders mitreißend. Bei einem Heimkinogerät der >1000 Euro Klasse würden wir uns zumindest über eine Beleuchtungs- oder Lernfunktion freuen. Beides ist bei diesem Gerät leider nicht der Fall. So muss man nicht nur hoffen, im Dunkeln die richtigen Knöpfe zu ertasten, sondern hat auch vorher aufregende Momente, wenn sich herausstellt, ob TV-Gerät und DVD-Player über die vorprogrammierten Herstellercodes überhaupt halbwegs brauchbar funktionieren. 


Die Videosektion erinnert an einen AV-Receiver Ende der 90iger Jahre: 2 Component Eingänge sowie dieselbe Anzahl an Composite-Schnittstellen machen schnell klar, dass sich der YSP-1100 nicht als Videozentrale verstanden wissen will und solche Aufgaben nur im größtem Notfall übernimmt. Eine Wandlung zwischen beiden Formaten findet nicht statt, das OSD wird sowohl über Composite, als auch dem Component Ausgang zur Verfügung gestellt. Die Videoeingänge lassen sich frei zuordnen. 


Die Audioeingänge treten auch nicht gerade in Garnisonsstärke an, um sich der Flut von Zuspielern zu stellen. Es reicht immerhin für einen DVD-Player sowie eine Spielkonsole nebst TV-Receiver. Der YSP-1100 ermöglicht nicht nur die freie Zuordnung der Digitalschnittstellen, sondern ebenfalls auch die Benennung der insgesamt 3 Geräteinputs.


Informationsfreudig: das mehrsprachige On-Screen-Menü weist eine klare Gliederung auf. Hier sollte sich jeder Anwender mühelos zurechtfinden. Auf grafische Elemente hat Yamaha hingegen leider verzichtet, so dass die optische Anmutung etwas karg bzw. trist erscheint. 


Schlimmer wie manche Ehefrau: die automatische Einmessung verweist uns des Wohnzimmers um seine Ruhe zu haben. Wegen der Einbeziehung von Reflektionen ist es sehr wichtig, dass keine Personen die Messwerte verfälschen. Nach dem zweiminütigen Vorgang hat der YSP-1100 alle Paramater einwandfrei justiert. Hierbei werden sowohl die Grundparameter (Distance, Level etc.)  jeder der 5 Kanäle aufeinander abgeglichen, als auch zusätzlich per Equalizing gematcht, um eine  gleichmäßige Tonalität zu erreichen. Diese Ergebnisse lassen sich in 3 Speicherbänke ablegen bzw. laden, um verschiedene raumakustische Umgebungen (zB. zugezogener Vorhang zu später Stunde) bequem berücksichtigen zu können.

Mit seinen 42 Lautsprechern kann  der YSP-1100 5 getrennte Kanäle ansteuern, in Kombination mit einem extern angeschlossenen Subwoofer ist sogar 5.1 möglich. Deswegen hat Yamaha auch verschiedene DSP-Modi in seinen Surround-Projektor integriert, damit die Anwender zwischen verschiedenen Programmen bzw. Effekt auswählen können.

Die vorhanden Wiedergabearten in der Übersicht:

5 Beam Nutzung der Lautsprecher zur Erzeugung eines Klangfeldes mit 5 getrennten Kanälen im Sinne einer klassischen Mehrkanalaufstellung. Erlaubt native Dolby Digital und DTS Ausgabe.
Stereo + 3 Beam die vorderen linken und rechten Kanäle werden nicht an die Wände reflektiert und somit breiter dargestellt, sondern strahlen direkt zum Hörer. Zusätzlich sorgen Center und Reareffekte für Räumlichkeit
Stereo Stereoausgabe über linke und rechte Lautsprecher, ohne Erzeugung von Reflektionen
3 Beam Erzeugung einer räumlichen Frontkulisse über Center und Frontkanäle mit Raumreflektionen
myBeam komplette Umkehr des Prinzips: keine Reflektionen, dafür Bündelung des Klanges auf eine bestimmte Stelle im Raum, um  außerhalb des Sitzplatzes möglichst wenig Geräusche zu erzeugen. Lässt sich horizontal und vertikel in 1 Grad Schritten per Fernbedienung ausrichten.Lässt sich manuell horizontal in 1 Gradschritten auf die Sitzposition ausrichten, oder einfach die Taste My BEAM für 2 Sekunden gedrückt halten, dann richtet sich der My Beam automatisch auf die Fernbedienung und die damit verbundene Sitzposition aus.

Kurze Erläuterung des my-Beam Modus:

Er hat zum Ziel, dass eine Person im Soundstrahl sitzt und damit alle Toninhalte klar und deutlich mitbekommt. Weitere Persionen im Raum werden hierdurch nicht deutlich weniger gestört und können nebenher Telefonieren etc. Durch die Bündelung aller Soundstrahlen zu einem monoralen Soundstrahl erhält dieser eine sehr hohe Energie. Dies wird zusätzlich noch die eine sehr intensive Fokussierung auf den Sitzplatz noch weiter erhöht. Dadurch kann der Lautstärkepegel außerhalb des Hörbereiches deutlich reduziert werden. Somit hören die Personen, die nicht am Filmerlebnis teilhaben wollen, sämtliche Toninformationen sehr leise und stark bedämpft - wie etwa durch einen Vorhang.

Folgende DSP-Modi unterstützt der YSP-1100:

Dolby Digital , DTS 2.0 und 5.1 Streams
Music Video,
Concert Hall
Jazz Club
spezielle Programme zur Optimierung von Musik
Sci-Fi
Spectacle
Adventure
spezielle Programme zur Optimierung von Filmen - funktioniert ebenfalls bei 5.1 Streams
Sports DSP-Modus für Sportereignisse
Dolby PL2
DTS Neo:6
klassische Surroundaufpolierer für die Wiedergabe von 2kanaligem Material auf 5.1 Wiedergabe und somit Alternative zu den Yamaha-DSP Modi
Klang:

Zugegeben: etwas skeptisch waren wir beim Aufbau des YSP-1100 schon, schließlich ist es nicht das erste Sytem, welches sich Wand-/Deckenflektionen bedient, um einen Surroundklang zu erzeugen. Eine richtig überzeugene Lösung haben wir bis dato leider noch nicht zu Hören bekommen: stark verfärbte Klangeigenschaften sowie diffuse, unpräzise Raumeffekte sorgten dafür, dass dieser Gerätegattung kein besonders guter Ruf innerhalb der AREADVD-Redaktion vorrauseilt.

Zu unserer Überraschung enttäuschte der YSP-1100 keineswegs und profilierte sich gleich auf Anhieb mit seiner ausgewogenen Tonalität. Die Mittel- und Hochtonausarbeitung klingt sehr erwachsen sowie harmonisch. Verschiedene Klangeffekte überlagern sich nicht gegenseitig, sondern werden mit einem hohen Differenzierungsvermögen herausgearbeitet. Selbst die feinfühlige transparente Darstellung subtiler Details gelingt dem Projektor auf eine sehr überzeugende Art und Weise.

Die gezeigte Bass-Performance reicht hingegen allenfalls für das Betrachten von Daily-Soaps: der YSP-1100 bietet kaum mehr Tiefgang und Antritt als integrierte Lautsprecher innerhalb diverser Flachbildfernseher.  Es wäre daher schlichtweg falsch, Ihnen an dieser Stelle irgendwelche Hoffnungen zu wecken: für Filmspaß ist ein Subwoofer unabdingbar und unerlässlich. Es mag sicherlich Anwender geben, die auch ohne Tieftonbolide glücklich werden könnten, aber wer etwas Hörerfahrung besitzt, wird sich bei fast jeder Actionsequenz mit Wehmut eine tiefffrequente Unterstützung für den YSP-1100 wünschen. Nachdem wir einen Nubert AW-1000 hinzugezogen haben, konnte man wirklich von Heimkino-Sound sprechen: der Sound-Projektor bindet den Subwoofer sehr harmonisch in die Gesamtwiedergabe ein und bietet dann selbst für anspruchsvollere Hörer eine überzeugende Darbietung, die zu keinem Zeitpunkt nach Kompromiss- oder gar Notlösung klingt. 

Dass der YSP-1100 nicht gerade in der Lage ist, die stampfenden Dinosaurier aus Jurassic Park in einer derart infernalischen Lautstärke wiederzugeben, als dass sich auch die umliegenden Nachbarn in der Kreidezeit wähnen, verzeiht man dem Soundprojektor gerne. Für eine intensivere Gangart ist er zwar durchaus geeignet, doch richtig hohe Pegel setzt er nur mit Mühe und recht stark komprimierender Dynamik um. Selbst im Verbund mit einem Subwoofer kann der YSP-1100 nicht kaschieren, dass er kein Pegelchampion ist. Im Hochtonbereich geht er etwas stechend und unbeherrscht zu Werke, wenn man sich überhalb seines Limits bewegt. Laut unserem Messungen sind immerhin knapp über 90db ohne Einschränkungen möglich. Für die eigentliche Zielgruppe eine sicherlich absolut ausreichende Leistung, aber mit herkömmlichen Sub-/Sat Sets definitiv nicht vergleichbar.

Bestnoten heimst sich unser Test-Probant in Bezug auf die Surroundkulisse ein. Anstelle von einer "aufgeblasenen" und auf Effektlastigkeit getrimmten Wiedergabe, verwöhnte er unsere Ohren mit einer klar ortbaren und detaillierten Abbildungsgenauigkeit. Doch damit nicht genug: die lückenlose Raumabbildung überholt sogar viele hochpreisigere klassische Surroundsysteme ! Besonders im Rearbereich agieren 5.1 Systeme in vielen Fällen etwas stockbeinig und haben Probleme, eine wirklich weitläufige Klangverteilung umzusetzen. Einzelne Split-Surroundeffekte wie zB. Pistolenschüsse kann fast jedes Mehrkanal-Setup gut im Raum positionieren, doch die souveräne feinfühlige sowie allpräsente Einbindung von Score-Elementen (zB. bei Gladiator) macht dem YSP-1100 kaum ein anderes Lautsprecher-System nach. Die dramatische Musikuntermalung wird losgelöst in den Raum gestellt und entfaltet somit seinen wichtigen akustischen Beitrag für die klangliche Atmoshäre. Generell ist uns aufgefallen, dass die rückwärtigen Kanäle auf eine recht kino-/filmorientierte Wirkung ausgerichtet sind, was sich in einer etwas erhöhten Positionierung der Effekte äußert. Es scheint so, dass Yamaha zum Ziel hat, die hinteren Lautsprecher mit einer Aufstellungshöhe von ca. 1,8 Meter umzusetzen. Was bei diversen Filmeffekten (Hubschraubergeräusche, Regenplätschern etc.) von Vorteil sein kann, entpuppt sich hingegen bei manchen Konzert-DVDs als etwas abträglich, was die musikalische Kohärenz betrifft.

Streng genommen ist dies jedoch nicht einmal schlimm, denn für musikalische Höhenflüge ist der YSP-1100 unserer Meinung nach, sowieso nur bedingt geeignet. Obwohl die Atmosphäre bei Konzert DVDs sehr gut eingefangen wird (zB. Peter Gabriel Growing Up) und auch die Stimmwiedergabe recht authentisch und überzeugend wirkt, sorgt die Bass-Performance für einen Abzug. Selbst mit einem guten Subwoofer fehlt im wichtigen Kickbassbereich noch etwas Harmonie, um auf das Niveau preislich vergleichbarer 5.1 Systeme zu gelangen. Und wer den YSP-1100 im Zweikanal-Modus für eine klassische Stereowiedergabe nutzen möchte, wird recht schnell feststellen, dass konventionelle Lautsprecher diesen Part nach wie vor mit großer Überlegenheit ausfüllen können. Hier kämpft der YSP-1100 (abgesehen von der Bassdarstellung) mit zwei Problemen: zunächst einmal wird er nur in den seltensten Fällen auf Ohrhöhe montiert sein, so dass sich das Klanggeschehen ohne Zuhilfenahme von Soundprojektionen zu niedrig abspielt. Außerdem gelingt es ihm wegen der geringen Basisbreite ebenfalls nicht, eine gute Stereoabbildung und Raumwirkung zu erzielen und klingt nicht viel besser, als eine Mono-Wiedergabe über den Centerspeaker eines "normalen" Surroundsystems. Sehr schade, aber konzeptionell kaum anders möglich.

Unsere weiteren Beobachtungen in der Kurzform:

- Erfreulicherweise funktionierte der YSP-1100 in jedem(!) unserer Tesrräume hervorragend. Nach der automatischen Einmessung fand er jedes Mal die passenden Mittel, um selbst in den unterschiedlichsten Umgebungen eine gleichbleibende Surround-Performance zu erreichen - selbst in Fällen mit komplett unterschiedlicher akustischer Beschaffenheit pro Raumseite (zB akustisch harte Wand vs. offene Seite)  oder unseem Testraum mit installierten Absorbern. Der Grund hierfür scheint genauso effektiv wie einfach zu sein: die Nutzung von gezielten Deckenreflektionen scheint eine sehr große Auswirkung zu besitzen. Mangels entsprechender Lokalität konnten wir es leider nicht überprüfen, aber es bleibt zu vermuten, dass ein Einsatz in sehr hohen Räumen (zB. offene Galerie unter Dachstuhl) mit einem Verlust der Surround-Effektivität verbunden sein könnte. Ansonsten aber können wir Ihnen versichern, dass der YSP-1100 überraschend wenig aufstellungskritisch ist und somit in fast allen Fällen hervorragend funktioniert.

- Die zuschaltbaren integrierten Yamaha-DSP Funktionen erlauben zwar eine Feinjustage des Klanges, wirken sich aber längst nicht so stark aus, wie wir es in Kombination von AV-Receivern mit konventionellen 5.1 Systemen her kennen. Die Raumakustik besitzt beim YSP-1100 einen derart übergeordneten Einfluss, dass jegliche weitere Klangjustagen an Effektivität und Wirkung etwas verlieren. 

- Als großen Vorteil kann der YSP-1100 für sich verbuchen, dass er einen großen "Sweetspot" besitzt. Der Platz direkt in der Mitte ist zwar nach wie vor die optimale Sitzposition, aber auch außerhalb kann man die Surroundeffekte sehr schön wahrnehmen. Besonders im Vergleich zu einer kompakt aufgestellten 5.1 Anlage ein klarer Vorteil, zumal der Sound-Projektor auch mit Sitzpositionen direkt vor einer Wand sehr gut zurechtkommt und bei Reareffekten dem Auditorium nicht direkt ins Ohr "schreit".

- Per Fernbedienung lässt sich die Anhebung der Bass-Wiedergabe während der Vorführung bequem einstellen. Die sogenannte "Tru-Bass" Funktion leistet in der Stellung "mid" gute Dienste und sorgt bei Zimmerlautstärke für eine angenehm füllige Wiedergabe im oberen Bassbereich. Dieser Modus hat uns mit Abstand am besten gefallen und konnte sich gegen die beiden Alternativmöglichkeiten "Off" sowie "deep" klar durchsetzen. Die letztgenannte Variante bewirkt zwar zunächst noch mehr Volumen, ist aber schon bei Gesprächslautstärke überfordert und sorgt schon bei dezenten Tiefbasseinlagen für gelegentliches Anschlages der Chassis.

- Wer sich mit den vielen manuell einstellbaren Funktionen des YSP-1100 auseinander setzt, wird dort massig Werkzeuge finden, die Musikperformance nachhaltig zu steigern. Die Auto-Einmessung generiert zwar ein fulminantes Klangerlebnis, begünstigt aber eindeutig die typischen Filmeffekte. Mit manuellen Hilfsmitteln lassen sich hingegen Klangfarben oder die Surround-Charakteristik (diffus/direkt) dahingehend ändern, dass auch Musik-DVDs in einer bestechenden Akustik abgebildet werden können.

Die Klangwertungen im Einzelnen:

Tonalität 9 / 10
Hochton-Performance 8 / 10
Mittelton-Performance 8,5 / 10
Bass-Performance 3 / 10
Raumabbildung 10 / 10
Klanghomogenität zw. den Kanälen 10 / 10
Dynamik bei wohnzimmerüblicher Lautstärke 7 / 10
Pegelfestigkeit 6 / 10

(sämtliche Wertungen beziehen sich auf einen Vergleich zu 5.1 Lautsprechersystemen der 800-1000 Euro Klasse.)

Fazit:


Der YSP-1100 kann zwar sicherlich nicht zaubern und die Grenzen der Physik aushebeln (Stichwort Bassvolumen, Pegelfestigkeit) , aber er stellt weit mehr als einen faulen Kompromiss dar und präsentiert sich als ausgereiftes, leistungsfähiges Gerät. Bei Filmmaterial läuft er zur Höchstform auf und überraschte die gesamte Redaktion mit seiner natürlichen und räumlich fast greifbaren Darbietung. Wer dem YSP-1100 einen guten Subwoofer zu Seite stellt, hat weit mehr als nur eine Notlösung, und darf sich an akustisch ansprechenden Kino-Abenden erfreuen. Obwohl der Yamaha Soundprojektor auch durchaus ordentlich musizieren kann (speziell die Einbindung von Score-Elementen liegt ihm sehr gut), dürften anspruchsvolle Stereohörer den YSP-1100 ungefähr so scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Wir empfehlen dieses Gerät daher nicht als universelle Beschallungslösung für jedes Wohnzimmer, sondern möchten den potentiellen Kundenkreis etwas spezifizieren. Auch wenn der YSP-1100 gegenüber konventionellen 5.1 Surround-Systemen in Einzelpunkten einen akustischen Vorteil verbuchen kann: einem gutem 1000 Euro-Set muss es insgesamt dennoch das Wasser reichen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass zum recht günstigen Kaufpreis des Soundprojektors noch ein Subwoofer hinzu addiert werden müsste, sofern man ernste Heimkino-Ambitionen hegt. Dies lässt den preislichen Vorteil gegenüber Einzelkomponenten (6 Lautsprecher + Receiver) weiter schmilzen. Doch trotzdem möchten wir dem YSP-1100 ein sehr positives Preis-/Leistungsverhältnis ausstellen. Unabhängig davon, ob er nun mit oder ohne Subwoofer betrieben wird, erfüllt er nämlich seine primäre Aufgabe mit Bravour und weist eine stimmige Ausstattung mit einfacher Bedienung auf. Die Zielgruppe dieses Soundprojektors bekommt genau das richtige Gerät zu einem fairen Preis. Viele Leser von AREADVD begegnen dem Hobby Heimkino mit großem Enthusiasmus und sind nicht selten dazu bereit, räumliche, finanzielle und zwischenmenschliche Resourcen zu belasten, um dem ungetrübtem Heimkinogenuss Stück für Stück näher zu kommen. Doch nicht jeder Leser ist gewillt, dutzene Meter Kabel zu verlegen und sich mehrere hundert Kilo Equipment in die Wohnung zu stellen. Ein Großteil der in Deutschland installierten Flachbildschirme wird sogar lediglich mit den internen Sound-System betrieben ! Nicht - weil deren Besitzer keine Lust auf Klangerlebnisse haben, sondern weil es schwierig bis unmöglich ist, wirklich praktikable Surroundlösungen zu finden. Genau hier setzt der YSP-1100 an, und spricht diese Marktnische mit sehr großem Erfolg an. Wir sind uns sehr sicher, dass Yamaha mit dem YSP-1100 vielen kompromissgeplagten Ehemännern einen großen Dienst erwiesen hat und dafür verantwortlich ist, dass Luke Skywalker und Co. nun endlich auch dort mit kinoähnlicher Akustik den Einzug in die gute Stube erhält.

Der YSP-1100 projeziert sich in die Herzen von Heimkino-Anwendern, die keine Lust auf klassische 5.1 Systeme haben. In Kombination mit der eingängigen Bedienung, einer guten Ausstattung und dem fairen Preis schnürt Yamaha ein rundherum gelungenes Paket.

 
Yamaha YSP-1100 - Test 26.Juli 2007
Soundprojektor Preis 1100,- Euro
Preis-/Leistung: 

+ hervorragende Surroundkulisse mit nahtlosen Übergänge
+ tonal sehr ausgewogen und harmonisch 
+ dank guter Einmessung funktioniert das Prinzip fast in jedem Raum
+ umfangreiche Ausstattung
+ einfache Bedienung
+ fairer Kaufpreis
+ gute Verarbeitung

- verbesserungswürdige Bass-Performance. Subwoofer ist dringend zu empfehlen
- eignet sich hauptsächlich für Filme und weniger für Musik
- keine HDMI Unterstützung
- etwas wenig AV-Eingänge


Raumakustische Optimierung unserer Studios mit Wallpanels und Absorbern von:



Dieser AREA DVD High-End Test wurde durchgeführt mit Kabeln von:

Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:

 

Text: Lars Mette