Test: Pioneer PDX-Z9 - Was kann der stereofone Medienkünstler für 1.000 Euro ?


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(28.Januar 2010 - Autor: Lars Mette )

Pioneer versucht mit dem PDX-Z9 das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: der Stereovollverstärker ist nicht nur für akustische Wohltaten konzipiert, sondern soll seinem glücklichen Besitzer auch das alltägliche multimediale Leben erleichtern. Zu diesem Zweck zeigt sich der PDX-Z9 äußerst kontaktfreudig: neben dem integrierten CD/SACD-Laufwerk, steht eine USB-Buchse genauso zur Verfügung, wie eine Ethernetschnittstelle, die für DLNA-Netzwerkwiedergabe sowie Internetradio sorgt. Analoge Ein-/Ausgangsschnitten, ein AM/FM Tuner und eine iPod Anschlussmöglichkeit runden das Ausstattungspaket gekonnt ab. Für die Verstärkung sorgen zwei Class-D Endstufen mit jeweils 50 Watt maximaler Ausgangsleistung. Damit auch das Auge nicht zu kurz kommt, darf sich das zweikanalige Universaltalent mit einer trendigen Hochglanzoptik inklusive TFT-Display schmücken. Angesichts der optischen und funktionellen Opulenz erscheint die unverbindliche Preisempfehlung in Höhe von 999 Euro schon fast als Freundschaftsangebot, so dass wir dieses Gerät mit hohen Erwartungen unter die Lupe nehmen. 

Verarbeitung/Design:

Die Kombination aus puristischem Design und dem Materialmix aus schwarz lackierten Aluminium- und Kunststoffelementen beschert dem PDX-Z9 eine technokratisch-kühle Optik. Trotz seiner vielen Funktionen verfügt das Gerät über eine klar gegliederte Front ohne wilde Tasten- oder LED Ansammlungen. Für die Steuerung der Grundfunktion steht ein berührungsempfindliches Panel auf der rechten vorderen Seite des Gehäusedeckels zur Verfügung. Hinsichtlich der Abmessungen orientiert sich Pioneer's Entertainer nicht am gängigen 43cm Hifi Gardemaß, sondern verpackt das Gerät in ein 38,6cm breites Gehäuse.



Im rechten Bereich übernimmt ein hochwertiges OED-Display die Informationsübermittlung zum Anwender. Hierbei setzt Pioneer eine hochauflösendes Matrix mit weißer Schrift ein, welche über eine exzellente Schärfe verfügt und sich stets hervorragend ablesen lässt. Eine fünfstufige Dimmfunktion, inklusive Komplettabschaltung und Auto-Regulierung, sorgt ebenso für Komfort wie die mehrzeilige Anzeige der aktuellen Betriebszustände. Nach einiger Zeit wechselt das Display in einen invertierten Modus, damit keine Verschleißerscheinungen auftreten.



Pioneer-typisch begeistert die Integration der Laufwerksschublade mit einer sorgfältig integrierten Schaumstoffschicht, womit die mechanischen Geräusche bei der Laufwerksbetätigung minimiert werden. Die Laufwerkslade weist das dasselbe Hochglanzfinish wie die restliche Frontplatte auf. Die sorgfältige Oberflächenverarbeitung ist ein wahrer Augenschmaus, zumal Pioneer durch die Anordnung der Bedienelemente schlauerweise auch verhindert, dass Fingertapser die elegant glänzende Gerätefront beeinträchtigen. 



Hier greift man gerne zu: der Lautstärkeregler besteht aus poliertem Aluminium und punktet nicht nur durch taktile Genüsse, sondern überzeugt auch hinsichtlich seiner mechanischen Integration. Alternative Farbvarianten bietet Pioneer beim PDX-Z9 übrigens leider nicht an, so dass Freunde einer weißen oder silbernen Optik auf schwarz umsatteln müssen.



Absolute Bestnoten verdient sich Pioneer (abgesehen vom Display) ganz besonders für zwei Details: die hochglanzlackiertem Kunststoffseitenteile weisen nicht nur dieselbe Materialbeschaffenheit wie die Frontplatte auf, sondern sind außerdem durch verdeckte Schrauben auch noch recht elegant verbaut. Das zweite Lob holt sich der PDX-Z9 für seine massiven Aluminiumdeckel ab. Dank dieser beiden Details gehört der schwarzglänzende Klanglieferant zu den wenigen Geräten (speziell in dieser Preisklasse), die man auch aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann, ohne optische Beeinträchtigungen zu erkennen.



Hochwertigkeit vermittelt der PDX-Z9 aber auch im Detail, wie bei den oben abgebildeten Lautsprecheranschlüssen. Abgesehen von der Tatsache, dass die Buchsen vergoldet sind, bestechen die Bananenstecker tauglichen Terminals durch eine exzellente Mechanik, mit denen das Verkabeln zur reinen Freude wird. Kleine Kunststoffisolierungen auf der Rückwand helfen dabei, Kurzschlüsse zu vermeiden.



Unterhalb des Laufwerks findet sich der Standby-Button, sowie USB-Buchse und zwei Klinkensteckeranschlüsse. Die Schnittstellen sind sauber integriert, weisen durch ihre Positionierung aber nicht unbedingt die beste Zugänglichkeit auf. Hier musste Pioneer einen Spagat zwischen Ergonomie und Optik betrieben, um die einheitliche Gerätefront zu erhalten. Der Sockelbereich, indem sich die Front-AV Anschlüsse befinden, ist auch matten anthrazitfarbenem Kunststoff gefertigt und fügt sich unauffällig sowie harmonisch in das Gesamtbild ein.


Die stark gerundeten Seitenteile weisen eine genauso überzeugende Kantenverarbeitung auf, wie auch die anderen Bauteile. Pioneer demonstriert beim PDX-Z9 eine hohe Fertigungsgüte, wo auch die Bodenplatte einen sauberen Abschluss zur Rückwand aufweist. Die Standfüsse fallen sehr spartanisch aus: die 3 Millimeter starken Gummipads sollen wahrscheinlich ganz bewusst für eine niedrige Silhouette sorgen.



Wie sorgfältig der PDX-Z9 im Detail konstruiert ist, zeigt sich beim Öffnen des Gehäuses. Die hier gezeigte Form eines mehrschichtiges Chassisaufbau erinnert an die hochwertigen Blu-Ray aus demselben Hause und ist ansonsten bei Allround-Geräten der 1.000 Euro Klasse nicht zu finden.



Der Gehäusedeckel begeistert nicht nur durch seinen hochwertigen Aluminiumüberzeug auf der Oberseite, sondern gefällt auch durch innere Werte. Spezielle Versteifungen (Hartplastikfolie im rechten Bereich) bzw. Bedämpfungen (schwarzes Moosgummi in der Mitte) sorgen in Kombination mit der zweilagigen Grundkonstruktion für Resonanz- und Vibrationsarmut.

Fazit Verarbeitung/Design: Das futuristische Design, des ausschließlich in schwarz lieferbaren Gerätes, muss nicht Jedem gefallen, dürfte aber größtenteils positiv aufgenommen werden. Wer auf klassisches HiFi-Design mit den typischen gebürsteten Aluminiumfrontblenden verzichten kann, erhält mit dem PDX-Z9 ein qualitativ höchst überzeugendes Produkt, welches nicht nur bei einer oberflächlichen Kontaktaufnahme begeistert, sondern selbst beim Gehäuseaufbau mit überraschend viel Liebe zum Detail überzeugt.

technischer Aufbau und Features


Das Innenleben präsentiert sich aufgeräumt und (auch ohne fetten Ringkerntrafo) überraschend dicht besiedelt für ein Zweikanalgerät. Die signalverarbeitenden Baugruppen befinden sich in zwei Stockwerken im rechten Gehäusebereich. Fast der komplette Datenaustausch zwischen den Sektionen erfolgt mit Hilfe von kurzen, penibel verlegten Flachbandkabeln. Die wichtigsten Vorgänge der Stromaufbereitung erfolgen in direkter Nähe zum Euro-Stecker Eingang (hinten rechts) auf derselben Platine, wo sich auch die analoge Signalbearbeitung befindet. Über das dick geschirmte schwarze Kabel an der rechten Gehäuseseite werden Laufwerk, Endstufen und Front-Display gespeist, welche sich größtenteils im linken Gehäusebereich finden.



Unter den beiden silbernen Abschirmungen auf der blauen Platine befinden sich die Hauptschaltkreise für die zwei Endstufen. Der PDX-Z9 profitiert diesbezüglich von den Erfahrungen, die Pioneer im Digitalbereich gesammelt hat und verfügt über moderne Class-D Endstufen. Die maximale Ausgangsleistung pro Kanal wird vom Hersteller mit 40 Watt bei 1% Klirr zwischen 20-20.000 Hz bei 4Ohm angegeben, was in Anbetracht der Produktphilosophie absolut angemessen erscheint, jedoch schnell verdeutlicht, dass der PDX-Z9 kein Kraftwerk sein will. Der Analogtuner (silberner Kasten in Bildmitte) arbeitet im UKW und MW Bereich, ist RDS-fähig und speichert bis zu 30 Stationen. 



Das integrierte Laufwerk liest neben CDs auch SACD-Medien und akzeptiert (neben den hierfür notwendigen WAV und DSD Standards) auch die Formate MP3 sowie WMA. Die Fehlerkorrektur befindet sich zusammen mit den Einlesezeiten auf einem sehr guten Niveau. Auch mechanisch kann die Konstruktion größtenteils überzeugen, da die Lade gleichmäßig und stabil herausfährt. Die Schlittenbewegungen erfolgen fast geräuschlos, allerdings dürfte die Lade durchaus noch ein wenig weiter herausfahren, damit der Plattenteller komplett zugänglich ist. Auf eine gekapselte Laufwerkskonstruktion muss man bei der Preisklasse des PDX-Z9 logischerweise genauso verzichten, wie auf extrem hochwertige Detaillösungen hinsichtlich Servomotoren oder Laser-Einheiten. Absolute High-End Freaks finden in diesem CD-Laufwerk daher nicht unbedingt die Komponente ihrer Träume, doch für den angestammten Einsatzzweck (und die Preisklasse) bekommt die Bestückung von uns ein grünes Licht.



Für einen multimedialen Entertainer hätten wir ein paar Anschlüsse mehr erwartet, so dass wir dementsprechend überrascht waren, wie karg sich die Rückseite des PDX-Z9 präsentiert. Sicherlich kann man über die Vielfalt nicht meckern, da sich neben Netzwerk, Tuner und iPod sogar noch ein Phono-Anschluss findet, doch speziell in Hinblick auf konventionelle Anschlüsse gibt sich das Gerät recht spartanisch. Jeweils ein Satz Stereo-Cinch steht einmal als Line-In sowie Line-Out zur Verfügung. Obwohl der PDX-Z9 eigentlich dafür prädestiniert wäre, sucht man außerdem auch coaxiale oder optische Digitaleingänge vergeblich. Und da der soeben angesprochene Line-Out Ausgang mit einem fixen Ausgangspegel arbeitet, kann man den PDX-Z9 nur sehr bedingt als Vorstufe betreiben, oder einen Subwoofer direkt per Cinch anschließen.

Für die Netzwerkintegration kann man Pioneer hingegen nur mit Lob überschütten: die Funktionsvielfalt und -weise des DLNA-kompatiblen Clients kennt man zwar schon von dutzenden AV-Receiver, doch im PDX-Z9 funktioniert jene Funktion derart stabil, schnell und alltagstauglich, wie wir es vorher noch nie (!) erlebt haben. Obwohl man meinen könnte, dass Pioneer in seinen Produkten auf dieselben Bausteine zurückgreift, so arbeitet die Media Gallery im PDX-Z9 deutlich flotter als z.B. beim SC-LX90. Die Medienkompatibilität der DLNA Musikwiedergabe brachte bei unseren Tests sowohl mit WAV, MP3, WMA, AAC sowie FLAC Dateien keinerlei Probleme. Dasselbe lässt sich ebenfalls auf die Wiedergabe per Internetradio übertragen, deren Favoritenliste sich auch bequem vom PC über VTuner konfigurieren lässt. Das Abspielen von Medien, die sich auf USB-Sticks und Apple-Geräten befinden, bereitet dank angenehmer Fernbedienbarkeit, informativen Displayanzeigen und zügigem Handling großen Spaß. Es ist erstaunlich, wie unkompliziert der PDX-Z9 mit der modernen Medienvielfalt zurechtkommt, ohne durch Bugs oder Lags negativ aufzufallen. Da Pioneer das iPod Steuerkabel gleich mit in den Karton legt, sind nachträgliche Zubehörkäufe nicht nötig, sofern man keine Lust verspürt, auf die optional angebotene große Dockingstation aufzurüsten. 

Ungewöhnlich weitreichend für ein Stereogerät erweisen sich auch die Klangregelungsmöglichkeiten, die mit vielen kleinen Bedienungsdetails für eine enorme Flexibilität bzw. Komfort sorgen. Der PDX-Z9 bringt 12-fach verstellbare Bass- und Höhenregler mit (+- 6db), verfügt über einen digitalen Rauschfilter und bietet darüberhinaus eine zuschaltbare Loudness-Funktion. Dazu gibt es noch eine integrierte Uhr mit Sleep-Timer bzw. Timer Modus.

Abgerundet wird die insgesamt exzellente Vorstellung des PDX-Z9 von einer erstklassigen Fernbedienung. Das hochwertige Finish vermittelt haptische Hochwertigkeit, während klar angeordnete Tasten für einfache Bedienbarkeit sorgen. Die Quellenauswahl erfolgt über vier oben platzierte Buttons und das mittig platzierte Navigationskreuz liegt gut in der Hand. Die Funktionen für Laufwerkssteuerung, Titelanwahl und Klang-/Lautstärkeregelung sind sinnvoll gruppiert und daher leicht zu finden. Ganz perfekt ist aber auch der Pioneer-Controller nicht, denn eine Hintergrundbeleuchtung wäre genauso wünschenswert, wie eine Lernfunktion sowie etwas größere Knöpfe. Bilanzierend betrachtet, geht die Fernbedienung für ein 1.000 Euro All-In-One Gerät absolut in Ordnung.

Fazit Technik: Der Pioneer PDX-Z9 glänzt mit einer zielgerichteten Konzeption und wartet mit vielen Highlights auf. Was sich beim aufwändigem Chassisaufbau schon abgezeichnet hat, zieht sich durch fast alle weiteren Baugruppen wie ein roter Faden. Speziell in den Kategorien Medienvielfalt, DLNA-Integration und Bedienungsfreundlichkeit punktet das Testgerät mit exzellenten Leistungen. Erfreulicherweise hat Pioneer auch eine solide Grundkonstruktion der Audio Baugruppen integriert, wenngleich man von den Endstufen und der Netzteilsektion keine Wunderdinge erwarten darf. Mit konventionellen Digitalschnittstellen und Vorstufenausgängen könnte man hier durchaus von einer nahezu perfekten Technikbestückung sprechen, doch auch wenn der PDX-Z9 daran letztendlich dann doch knapp vorbeischrammt, reicht das Gebotene immer noch zu einer ausgezeichneten Zensur.

Die wichtigsten technischen Daten in der Übersicht:

Gerät / Preis Pioneer PDX-Z9 / 999 Euro
Aufbau Stereo Retriever mit Class-D Endstufen und CD/SACD Laufwerk
Leistung Musikleistung 2x50 Watt
besondere
Features
DLNA Wiedergabe von Musikdaten im Netzwerk
Wiedergabe von Internetradiosendern
spielt Inhalte von USB-Sticks und Apple Mobilgeräten ab
AM/FM Tuner
CD/SACD Laufwerk
Audioschnittstellen 1x Netzwerkanschluss RJ45
1x AM/FM Tuner
1x USB-Schnittstelle
1x iPod Port
1x Klinkensteckerausgang (Kopfhörer)
1x Klinkensteckereingang (zB. MP3-Player)
1x Cinch Stereo Phono
1x Cinch Stereo Line-In
1x Cinch Stereo Line-Out
Formatkompatibilität WAV, MP3, MPEG4-AAC, FLAC, DSD, WMA
Abmessungen 38,6 x 8,8 x 34,7  (B,H,T)
Gewicht 5 Kilogramm
Testumgebung:


Der Pioneer PDX-Z9 kam unter anderem auch in unserem Referenzstudio zum Einsatz, wo er unter raumakustisch optimierten Bedingungen an hochwertigen Schallwandlern all seine Qualitäten voll ausspielen konnte. Selbstverständlich haben wir das Gerät auch unter normalen Wohnraumbedingungen mit günstigen Lautsprechern kennengelernt, um typische Anwendungsgebiete abzudecken.

Unsere Referenz-Hardware in der Übersicht:

Stereo
Lautsprecher
Isophon Arabba mit Diamanthochtöner (ca. 38.000 €)
Monitor Audio PL300 (ca. 8.000 €)
ASW Chelys (ca. 8.000 €)
Monitor Audio Silver RX-8 (ca. 1.600 €)
Elektronik Audionet AmpVII  (ca. 10.000 €)
Audionet PreG2 + MapV2 ( ca. 10.000 / 6.000 €)
Cinemike AVP-A1HDA (ca. 13.000 €)
Pioneer SC-LX90 (ca. 7.000 €)
Quellgeräte Cinemike DVD-A1HD (ca. 7.000 €)
Pioneer BDP-LX91 (ca. 2.500 €)
Peripherie Sim2 C3X1080 mit Cinemike Tuning (ca. 30.000 €)
Image iMasque vollmaskierbar, akustisch transp. (ca. 18.500 €)

AREADVD Baden-Württemberg arbeitet hauptsächlich mit Kabeln von: Mogami (Lautsprecher), 
German High-End (NF), Silent-Wire (HDMI), Supra (Subwoofer-XLR) und Audionet (Netzkabel).

Das Referenzstudio wurde von der Firma RTFS akustisch optimiert.

Höreindrücke:

Auf die Hörtests waren wir nicht zuletzt auch wegen der Abstimmung von den Air Studios London sehr gespannt. Jenes Studio zeichnet sich nicht für die reizvolle Klangabstimmung bei vielen anderen Pioneer Geräten verantwortlich, sondern erlangte auch durch das Mixing viele bekannter Blockbuster (zB. die Herr der Ringe Trilogie) große Bekanntheit in der Branche.

Beim PDZ-9 fällt zunächst eine grundsätzlich neutrale Tonalität auf, so dass weder angehobene Kickbässe oder übermäßig abgebildete Höhen für Verdruss sorgen. Abgesehen von dem Umstand, dass die untersten Lagen noch etwas mehr Nachdruck und Substanz vertragen könnten, erfolgt die Basswiedergabe aufgrund einer guten Differenzierung durchaus reizvoll. Der PDX-Z9 ist in der Lage, gleichzeitig schnell zu modellieren und dabei die spezifischen Charakteristiken verschiedener Bassimpulse an die Lautsprecher weiterzugeben. Auf diese Weise hält der Pioneer Verstärker selbst gegenüber reinrassigen Stereoverstärkern den Anschluss, da hier zwar größtenteils eine größere Körperhaftigkeit geboten wird, jene Konkurrenzgeräte aber nicht selten zugleich auch einen grobschlächtigeren Auftritt aufs Parkett legen. Außerdem besteht beim PDX-Z9 über die Klangregler noch die Möglichkeit einer Bassanhebung, womit man dem tendenziell eher dünnen Tiefbassbereich etwas auf die Sprünge helfen kann. Ähnliches lässt sich über die Umsetzung des Hochtonbereiches festhalten: auch an diesem Ende der Frequenzskala ist der Pioneer Verstärker nicht ganz mit der Ausleuchtungsfreudigkeit unterwegs, den man von puristischen Stereogeräten kennt. Die gebotene Detaillierung ist dabei gar nicht mal schlecht und sorgt bei strahlungskräftigen Aufnahmen für einen klar gezeichneten Hochtonbereich ohne blechernen Beigeschmack, wobei ein Tick mehr Brillanz dennoch wünschenswert wäre (kann aber per Klangregler ebenfalls etwas nachgebessert werden). Im mittleren Frequenzspektrum haben wir den Pioneer Entertainer als gewissenhaften Zeitgenossen kennengelernt, der verschiedene Stimmprofile mit angemessener Differenzierung erfasst. Selbst feingeistigere Hörer werden diesbezüglich zufriedengestellt,  und vermissen lediglich das letzte Quäntchen Transparenz bzw. Klangtiefe von "richtigen" Hifi-Anlagen aus Einzelkomponenten. In Anbetracht der verbauten Digitalendstufen vermag der PDX-Z9 eine respektable Feinfühligkeit aufzubringen und ist auch in der Lage feindynamische Nuancen treffsicher einzubinden. Bei heftigen Lautstärkeschwankungen wachsen die beiden 50 Watt Verstärker förmlich über sich hinaus, so dass sogar monumental-wirkende Musik mit dem vermeintlich schwachbrüstigen Entertainer durchaus lebendig aus den Membranen ertönt.

Alica Keys, Songs in a Minor, Titel: How Come you don't call me'

Starten wir direkt mit der klassischen CD-Wiedergabe und füttern den PDX-Z9 mit Soul-Musik von Alica Keys. Beim Song "How Come AYou Don't Call Me" zeigt das Testgerät eine distinguierte Stimmwiedergabe inklusiver voll zufriedenstellender vokaler Detailausarbeitung. Auch die Klavierbegleitung im Hintergrund kommt gut zur Geltung und kommt fast an die Transparenz und vielschichtige Darstellung manch puristischer Stereo-Komponenten heran. Die räumliche Tiefe bzw. Bühnenstaffelung spielt preisklassenüblich (in Bezug auf All-in-One Systeme), so dass das einsetzende Schlagzeug seinen eigenen Platz bekommt, aber durchaus noch eine etwas schärfere Lokalisationsgenauigkeit vertragen könnte. In Bezug auf die Lebendigkeit fehlt zwar der letzte Druck bei den Anschlägen, doch insgesamt gefällt der PDX-Z9 durch eine authentisch-anmutende Umsetzung, bei der lediglich die Hi-Hats minimal zu stumpf klingen. Choralen Elementen widmet sich der PDX-Z9 mit einer guten Klangfarbenvielfalt. In den laut gesungenen Passagen ab Minute 1:45 geht der PDX-Z9 schön mit und beweist Offenheit sowie Temperament, agiert jedoch speziell mit hohen Pegeln nicht mit extremer Sanftmütigkeit. Die Gesamtwiedergabe ist jedoch zu keinem Zeitpunkt davon bedroht, in eine lästige Spielweise zu kippen, sondern lässt stets ein gesundes Grundniveau an Klangkultur erkennen.

Dire Straits, Brothers in Arms SACD, Titel: Money for Nothing

Dieses mehrfach preisgekrönte Kult-Album verfügt über eine exzellente Aufnahmequalität, welche insbesondere bei der vorliegenden SACD zur Geltung kommt. Erfreulicherweise macht der PDX-Z9 von den klanglichen Möglichkeiten jenes Mediums viel Gebrauch und bringt die Vorteile gegenüber der CD-Version klar zur Geltung. Die ersten 60 Sekunden von "Money for Nothing" agiert Pioneer's Entertainer mit der notwendigen Sensibilität, um den unterstreichenden Gesang mitsamt der sphärischen Instrumentalklänge in fast schon audiophiler Manier umzusetzen. Auch die Drums bei Minute 1:13 sorgen für zufriedene Gesichter (bzw. Ohren) und überzeugen durch knackig-rhythmische Impulse. Dem PDX-Z9 gelingt es hier (dank guter Instrumentaldynamik) vortrefflich, das Schlagzeug in prägnanter Weise im Klanggeschehen einzubetten und nebenbei auch die Stereobühne zu öffnen. Beim darauffolgenden E-Gitarren Intro punktet das Testgerät mit klar herausgearbeiteten Klangfarben sowie Anschlägen. Auch das Auflösungsvermögen verdient sich ein Lob. Im unteren Frequenzbereich arbeitet der PDX-Z9 zwar nicht extrem antreibend, gefällt dafür aber durch eine trockene und differenzierte Spielweise. Da auch die rhythmisch Gesamtcharakteristik von "Money for Nothing" mit gutem Timing eingefangen wird, können wir der SACD eine rundum überzeugende Performance bescheinigen. 

Eisbrecher, Sünde, Titel: Kann denn Liebe Sünde sein (SITD-Remix), zugespielt über iPhone

Die Basswiedergabe dieser tanzflächen-kompatiblen Elektro-Hymne zeigt wieder einmal, dass der PDX-Z9 tiefe Frequenzen überaus gewissenhaft aber nicht unbedingt brachial umsetzt. Aufgrund der sauberen Wiedergabe mit solidem Nachdruck wird aber dennoch genügend Punch mobilisiert, um die Gesamtwirkung von massiv abgemischter Musik glaubhaft zur Geltung zu bringen. Außerdem zeichnet sich das Gerät durch eine gute Klangbalance auf, indem das Klangbild trotz basslastiger Impulse auch in den restlichen Effekt- bzw. Frequenzebenen genügend Aufmerksamkeit erhält. Die Hochtonausarbeitung bei den schnell gemixten Synthie-Effekten ab Laufzeit 2:24min. harmoniert aufgrund der prägnanteren Abmischung mit der vorliegenden Musikrichtung deutlich besser, als beim Soul-Titel von Alica Keys, zumal der PDX-Z9 seine flinken Modellierungskünste besser zur Geltung bringen kann. In Bezug auf die Pegelfestigkeit vermögen die digitalen Endstufen angesichts der niedrigen Leistungsangaben zwar Überraschendes zu leisten, sind aber nicht instande richtiges Disko-Feeling mit diesem Titel aufkommen zu lassen. Der PDX-Z9 kommt mit gehobenen Lautstärken gut zurecht und bleibt lange seiner dynamischen sowie präzisen Spielweise treu, ist aber für wirklich brachiale Pegel jenseits der 100db nur bedingt geeignet. Anwender, die mit ihrem Pioneer Gerät auch jenseits der nachbarschaftlichen Toleranzschwelle in den Genuss von straffen Bässen und unangestrengter Hochtonwiedergabe kommen wollen, sollten vorzugsweise auf Lautsprecher mit einem besonders günstigen Wirkungsgrad ausweichen.

In Extremo, Kein Blick zurück - Best of, Titel: Ai Vis Lo Lop

Die mittelalterlichen Klänge von In Extremo stellen den PDX-Z9 vor große Herausforderungen, da wir die komplexen Arrangements aus (z.B.) Hackbrett, Drehleier, Schlagzeug und verschiedenen Zupfinstrumenten in Form einer 256 kb MP3 Datei über einen USB-Stick zuspielen. Doch zu unserer Überraschung brilliert das Gerät gleich von Anfang an mit einem hochauflösend gespielten Dudelsack und versieht auch die restlichen Akteure mit einer großen Portion feingliedriger Klangkunst. Sicherlich kann man hier keine makellose Detailausarbeitung auf dem Niveau einer CD-Wiedergabe über ein High-End System erwarten, doch die Art und Weise, wie z.B. die schnell gespielten E-Gitarren modelliert werden, liegt näher an diesem Level als wir vorher für möglich gehalten hätten. Auch die raue, kernige Stimme von Michael Robert Rhein alias "Das letzte Einhorn" setzt das Testgerät mit glaubhaftem Volumen und guter vokaler Akzentuierung um. Die gute Trennung gegenüber den instrumentalen Elementen beschert der Wiedergabe eine gute Durchhörbarkeit. Darüberhinaus behält das Gerät auch bei langgezogenen Tönen eine hohe Klangruhe und zeigt viel Souveränität. Selbst die verschiedenen Dynamikebenen stellen den PDX-Z9 nicht vor unlösbare Aufgaben, sondern werden ebenfalls recht gut erfasst. Da sich auch das Klangbild sehr gut von den Lautsprechern löst, können wir zusammenfassen, dass die MP3-Wiedergabe definitiv eine der absoluten Schokoladenseiten von Pioneer's Universalgerät darstellt. Wir sind gespannt, ob sich diese Erkenntnis auch auf die Netzwerkwiedergabe übertragen lässt.

Pearl Harbor Soundtrack, Titel: Tennessee

Als letztes Musikbeispiel nehmen wir die Fernbedienung in die Hand und starten die FLAC-Datei des Titels "Tennessee" vom Pearl Harbor Filmsoundtrack. Dieses Lied bedarf einer gefühlvollen, sanften und schwermütigem Umsetzung, damit sich die emotionale Wirkung voll entfalten kann. Hierfür bedarf es einer glaubhaften Generierung von Klangvolumen und Feindynamik in den zahlreichen Flügel- und Geigenpassagen. Dies gelingt dem Gerät erfreulichweise sogar ausgesprochen gut ! Gegenüber der CD-Wiedergabe generiert der PDX-Z9 bei Netzwerkzuspielung noch etwas mehr Konturen, Brillanz und Durchzeichnungsvermögen. Die Tastenanschläge werden klar herausgearbeitet, und auch die wellenförmige Dynamik mit den teilweise recht großen Pegelsprüngen gelangen in ansprechender Weise auf die Lautsprechermembranen. Sicherlich geht es diesbezüglich bei dedizierten Stereovollverstärkern über hochwertige CD-Spieler immer noch ein wenig besser, doch für die Preis- und Gerätekategorie leistet der PDX-Z9 definitiv Bemerkenswertes! Von erstaunlicher Güte ist außerdem auch die Eigenschaft, das Klanggeschehen recht gut von den LS lösen zu können und einen umspannenden Klangteppich auszulegen, bei dem sogar die Lokalisationsschärfe auf einem überdurchschnittlichem Niveau liegt. 

Fazit: bei der MP3-Wiedergabe per USB-Stick und der Zuspielung via iPhone lässt der PDX-Z9 sein Potential bereits erahnen, doch über die Netzwerkschnittstelle legt der Pioneer Entertainer richtig los. Die CD-Wiedergabe fällt in Bezug auf Klangtransparenz und Auflösung ein wenig ab, wobei SACDs wiederrum sehr überzeugend klingen. Insgesamt kann der PDX-Z9 seine funktionsorientierte Konzeption zwar klanglich nie völlig verbergen, doch in Relation zu den nominell eher schwachen Endstufen überrascht das Gerät mit erwachsenen akustischen Leistungen. Dabei reiht er sich (grob formuliert) zwischen den stereophonen Künsten von preislich ähnlich dimensionierten AV-Receiver-, sowie Stereo-Kombinationen inklusive entsprechenden Quellgeräten ein. Als ideale Spielgefährten empfehlen wir wirkungsgradgünstige Standlautsprecher mit lebendiger, präziser Akustik, wie z.B. die Klipsch RF-83 oder Monitor Audio's Silver RX-8. 

Fazit:

Was Pioneer hier für 999 Euro an den Start bringt, ist aller Ehren wert: der PDX-Z9 verbindet optische Noblesse, umfassende Medienvielfalt sowie Bedienkomfort wie kein anderes Stereogerät vor ihm. Er zelebriert den Brückenschlag zwischen zweikanaliger Musikwiedergabe und den Möglichkeiten des digitalen Zeitalters in nahezu perfekter Manier. Wer diesen wertvollen Begleiter für den modernen Hifi-Alltag einmal kennengelernt hat, wird ihn zweifelsfrei nicht mehr hergeben wollen. Daran ändern auch seine Endstufen nichts, die im Vergleich zu reinrassigen Stereovollverstärkern der 700 Euro Klasse in Bezug auf die Leistung nicht ganz den Anschluss halten können. Wer dem schwarz glänzendem Entertainer die richtigen Schallwandler zur Seite stellt, bekommt solide akustische Leistungen ohne nennenswerte Abstriche. Dass Pioneer's multimedialer Klanglieferant nicht antritt, um audiophile Detailsezierungen im Sinne von klassischen Hifi-Komponenten durchzuführen, zeigt sowohl das Produktkonzept, als auch der technische Aufbau. Trotz der Fokussierung auf eine möglichst umfassende Medienkompatibilität, ist den Entwicklern in Zusammenarbeit mit dem Air Studios London, eine untadelige Klangabstimmung gelungen. Die meisten Anwender werden in Kombination mit typischen Lautsprechern der 1.000 Euro Klasse vollauf zufrieden sein und selbst für anspruchvsolle Ohren genügt das Maß an Differenzierung und Klangnatürlichkeit, um den PDX-Z9 als adäquate Musikquelle in Büro oder Schlafzimmer in Betracht zu ziehen. 

Der Pioneer PDX-Z9 bietet moderne Vielseitigkeit
in seiner schönsten Form, gepaart mit solider Akustik.

Pioneer PDX-Z9
Stereo Vollverstärker mit Digitalsektion
und CD/SACD Laufwerk
Preis 999 Euro
Test: 28.Januar 201

+ solide akustische Leistungen mit harmonischer Tonalität
+ Detaillierung, Auflösung und Präzision speziell bei datenreduzierten Formaten erstaunlich
+ besonders gute Wiedergabe per Netzwerkstreaming
+ ansprechendes Design, sowie gute Detailverarbeitung
+ sauberer Innenaufbau
+ hochwertige Fernbedienung

- Pegelfestigkeit nicht auf Rekordniveau
- keine alternative Farbausführungen lieferbar

Website des Anbieters. www.pioneer.de

Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:


Text: Lars Mette