Test: Isophon Comet - der wunschlos-glücklich Rearspeaker ?

(LM - 16.Februar 2007)

Der Schlüssel zu einer perfekten Heimkinoperformance liegt zweifellos in einer konstant hohen Qualität aller verwendeten Komponenten, sowie deren bestmögliche Abstimmung untereinander. Doch bezogen auf die Lautsprecher fristen speziell die Rearspeaker (selbst bei vielen High-End Anlagen) oftmals eher ein Nischendasein und stehen im Schatten von Centerspeakern, Frontlautsprechern und Tiefton-Boliden.

Diese Denkweise mag dabei zunächst sogar durchaus logisch erscheinen: bis zu 80% aller Toninformationen gelangen über die vorderen Lautsprecher in das Auditorium, so dass hier nachvollziehbarer Weise jeder einzelne Euro als sinnvolle/angebrachte Investition erscheint. Wer nun aber den Fehler begeht, dieses hohe Niveau nicht auch bei der rückwärtigen Beschallung zu fahren, wird unter Umständen eine böse Überraschung erleben. Nämlich dann, wenn er erstaunt feststellt, dass manch deutlich günstigere AV-Anlage wegen ihren ausgewogeneren Schallwandlern insgesamt sogar die etwas bessere Surroundperformance umsetzen kann. Rearspeaker haben nämlich die wichtige Aufgabe, die Raumtiefe - und damit das eigentliche Surroundfeeling, im Heimkino zu bewerkstelligen. Hierbei gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren, die über die Eignung eines Lautsprechers als Rearspeaker entscheiden. Das wohl wichtigste Kriterium ist die Homogenität mit den restlichen Schallwandlern: wenn bei einer Verfolgungsjagd der Fluchtwagen auf einmal nicht mehr nach hubraumstarker Luxuslimusine klingt, sondern eher an einen koreanischen Kleinwagen mit dem Charme eines überdimensionierten Rasenmähers erinnert, verliert der Film dramatisch in Glaubwürdigkeit und somit auch in Intensität.

Die renommierte High-End Lautsprechermanufaktur Isophon im schwäbischen Renningen, ist sich schon seit Jahren den vielfältigen Anforderungen im Mehrkanalbereich bewusst, und hat neben hochklassigen Centerspeakern, Subwoofern sowie Satelliten auch im Bereich der Rearspeaker einen hohen Entwicklungsaufwand getrieben, um ein absolutes Ausnahmeprodukt anbieten zu können.

Der Isophon Comet verdankt seinem Namen der Astronomie: zusammen mit den auf Meteor getauften Satellitenspeakern, darf er um das Herz eines jeden Systemes kreisen. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass die Isophon-Centerspeaker Solaris bzw. Helios jeweils die Sonne assoziieren. Wer sich ein Paar Comet in sein Heimkino installieren will, sollte aber zu den etwas besser Verdienenden auf dieser Erde zählen, denn mit einem Stückpreis von (ab) 1950 Euro dürfte der Comet für einen mittelgroßen Krater auf dem Bankkonto seines Besitzers sorgen.

Wer diesen finanziellen Einschlag verdaut hat (man bedenke die Kosten bei einer 7.1 Umgebung..), bekommt Technik von Feinsten: Isophon hat es sich nicht nehmen lassen, viele technische Innovationen in dieses Rearspeaker einfließen zu lassen und spendierte diesem Lautsprecher gleich zwei komplette Hoch-/Mitteltoneinheiten aus der EuropaII-Reihe inklusive Zeitverzögerungsplatine und extrem aufwendigen Frequenzweichen. Per Kippschalter lässt sich der Comet sowohl als Dipol, als auch Direktstrahler betreiben. Eine (laut Hersteller) beispiellos komplexe Konstruktion erlaubt dem Comet, in beiden Betriebsmodi höchste Klanganforderungen zu erfüllen. In Kombination mit einem wandgerichtetem 20cm Bass-Chassis soll er dabei als vollwertiger Lautsprecher fungieren, und gleichzeitig einen ortbaren Grund- und Bassbereich bieten, ohne dabei die dipol-typische Luftigkeit und Weiträumigkeit bei hohen Frequenzen zu vernachlässigen.

Ob der klangvolle Rearspeaker uns im Hörtest mit überirdischen Klangqualitäten überzeugen kann, oder ob dem isophonischen Comet ein Verglühen in der Erdatmosphäre bevorsteht, ehe er bei anspruchsvollen Heimkinoliebhabern voll einschlagen kann, möchten wir mit unserem Test klären.

Verarbeitung:



Die Formensprache dieses Schallwandlers gibt sich recht unkonventionell. Im Normalfall ist die rautenförmige Konstruktion für eine Wandmontage vorgesehen, doch auch auf einem Ständer fühlt sich der Comet wohl. Durch die geringe Tiefe sollte er in vielen Hörräumen relativ einfach zu integrieren sein. Wie Sie anhand des dahinterliegenden CD-Regales sehen, stellt der Isophon Lautsprecher jedoch sicherlich auch keine Kompaktlösung dar und kann durchaus als "erwachsener" Rearspeaker bezeichnet werden.



Standardmäßig wird der Comet ohne Bohrungen für ein Schutzgitter geliefert, was der Optik sehr zu Gute kommt. Ein weiteres Merkmale der Basis-Version sind Holzfurniere in Esche schwarz/weiß - die oben gezeigte Ausführung in geriffeltem Aluminium kostet pro Stück ca. 250 Euro Aufpreis. Kleine Kritik müssen wir übrigens in Bezug auf die Einpassung einer der beiden Aluminiumblende üben: sie ist nicht ganz mit dem Korpus bündig und auch nicht perfekt mittig eingesetzt.



Hinsichtlich der Kantenverarbeitung zeigt sich hingegen wieder das gewohnte Bild: Isophon demonstriert mit absolut sauberen Kanten eine hohe Handwerkskunst.



Dieser Umschalter übernimmt die Selektion beider Betriebsmodi und erfreut sich dabei nicht nur einer tadellosen Einpassung, sondern zugleich auch einer recht hochwertigen Machart.



Leider ist der Comet nicht bi-amping fähig, aber immerhin finden sich sehr hochwertige Anschlussbuchsen auf der Rückseite. Die versenkten WBT-Terminals erlauben den Anschluss per Bananenstecker und nehmen auch große Kabel klaglos auf.



Ohne Aufpreis liefert Isophon den Comet mit Aluminiumblenden in den Farbgebungen natur (weiß) und schwarz aus. Gegen Aufpreis sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: nicht nur die Bestückung mit Wunschfurnieren ist möglich, sondern auch die Blenden können in fast jeder Farbe lackiert werden.



Die mit Abstand edelste Variante (und unserer Meinung nach, absolut empfehlenswert) stellen die verchromten Blenden dar, die jedoch einen Aufpreis von satten 400 Euro abverlangen. Der gesamte Lautsprecher wirkt dadurch deutlich hochwertiger und strahlt zeitlose Eleganz aus. Leider haben wir kein Bild zu Verfügung, um Ihnen ein Modell mit Klavierlack und Chromblenden zu demonstrieren, denn während die Standardversionen nicht unbedingt aufsehenerregend daherkommen, könnte man bei einer solch hochwertigen Ausführung spontan ins Schwärmen geraten.

Handwerklich betrachtet, bieten die Cometen keinen Grund zu Beanstandung, sondern unterstreichen sogar noch das hohe Fertigungsniveau des Herstellers. Trotzdem können diese Schallwandler (besonders in der hier vorliegenden Version) wohl keine Design-Awards mehr nach Renningen bringen. Isophon ist nicht darauf aus, mit einem exklusiven Materialmix um die Gunst der Käufer zu buhlen - hier steht eher die Technik und die Funktion im Vordergrund. Angesichts des stolzen Preises vergeben wir daher "nur" 8 Punkte in dieser Disziplin - wer jedoch optisch höhere Ansprüche hegt, darf sich seine Cometen mit Chromblenden, Klavierlack oder Wunschfurnieren veredeln und sich dann auch gerne die fehlenden 2 Punkte hinzuaddieren.

Technischer Aufbau:

Isophon Entwickler Dr. Roland Gauder hat vor der Entwicklung sehr viele Hörtests mit unterschiedlichen Eigen- und Fremdkonstruktionen durchgeführt. Nach kurzer Zeit stand fest, dass sein neuer Rearspeaker die Vorteile von Direktstrahlern (Neutralität), Dipole (Diffusfeld) und Bipolen (Richtungsortung) miteinander verbinden sollte, unter Umgehung der prinzipbedingen Nachteile. Beispielsweisee löscht sich bei einem Dipol automatisch der Mittel- und Bassbereich komplett aus, was ein kraftloses Klangbild zur Folge hat. Ein weiteres Ziel war eine möglichst gute Bassperformance, um nicht mehr auf ein externen Bass-Management seitens der Vorstufe abhängig zu sein.


Grundlegendes Merkmal des Cometen ist zunächst der Aufbau in Form einer Raute, dessen kurze Seiten jeweils die Hoch-/Mitteltoneinheit beheimaten. Weil dieser Lautsprecher für eine Kombination mit großvolumigen Frontboxen konzipiert ist, stellt auch der Comet alles andere als eine zwergenhafte Konstruktion dar. Mit seinen Abmessungen, die in etwa DIN-A3 Format aufweisen, sollte er jedoch bei anspruchsvollen Heim- bzw. Wohnraumkino durchaus noch als optisch erträgliche Variante durchgehen und gegenüber weiteren Standlautsprechern eine deutlich einfachere Integration ermöglichen. Der Comet ist als wandhängender Lautsprecher ausgelegt, der zwischen 1m und 1,8 m Höhe an der Seiten- oder Rückwand aufgehängt werden sollte. Der Bass sitzt auf der Gehäuserückwand und strahlt damit gegen die Wand.

Je ein Mittel-Hochton-System des Isophon Schwestermodells Enigma sitzt auf den schrägen Seitenwänden. Per Schalter kann von Direktstrahler auf Dipolstrahler umgeschaltet werden. In der Stellung "diffuse" laufen beide Mittel-Hochtoneinheuten bis 400 Hz gleichphasig, also wie ein Bipol. Dadurch verstärken sie sich und klingen wie ein großer Lautsprecher. Ab 400 Hz wird die Phase der hinteren Einheit gedreht und der Comet wird zum Dipol. Der Abstand der beiden Einheiten ist so ausgelegt, dass er deutlich größer als die Wellenlänge bei 1000 Hz ist, ab der der Comet vollständigen Dipolcharakter hat. Mit dieser Einteilung erreicht man ein gutes Diffusfeld bei gleichzeitig vernünftiger Stimmwiedergabe. Stimmen können geortet werden, was ja auch sinnvoll ist, lediglich diffuse Geräusche werden auch weiträumig wiedergegeben. Diese Konstruktionsart stellt die große Delikatesse des Comet dar, denn fast alle vergleichbaren Rearspeaker fungieren entweder als klassischer Bi- oder Dipol und weisen die dementsprechenden Nachteile auf. Die Schalterstellung "direct" schaltet die rückwärtige Mittel-Hochtoneinheit komplett ab, so dass der Comet bei Bedarf auch als konventioneller Direktstrahler musizieren kann.


Ein Blick in das Gehäuseinnere erlaubt uns, einen Teil der opulent bestückten Frequenzweiche zu bestaunen. Isophon gehört zu den Firmen, deren Philosophie es ist, jedes einzelne Lautsprecher-Chassis durch bestmögliche Filterung möglichst perfekt anzusteuern - auch wenn dies auf Kosten des Wirkungsgrads geht.

Der 20-cm-Bass wird von Isophon speziell für den Comet gefertigt. Er besitzt einen starken Antrieb  sowie eine hochbelastbare 50-mm-Schwingspule. Dank Hochpassgefilterung sollen auch auch härteste Bassattacken kein Problem für den Comet darstellen und ihn trotz des kleinen Gehäusevolumens zu einer sehr potenten Basswiedergabe befähigen. 



Die Anbringung an die Wand ist denkbar einfach gelöst: zunächst wird eine Halterung angebracht und anschließend muss man dort lediglich die Metallschiene einhängen. Zwei kleine, je 2cm messende Abstandshalter sorgen für einen gerade Lage des Comet, zumal man mit dieser Lösung auch sehr bequem an den Umschalter zwischen den beiden Betriebsmodi herankommt.
Testumgebung/Kombinationsempfehlung:

Wenig überraschend, haben wir die beiden Cometen selbstverständlich mit unseren sowieso schon vorhandenen Isophon Lautsprechern kombiniert. Das 7.0 Setup bestehend aus EuropaII, Solaris und 4 Stück Galileo, stellt schon seit Monaten unangefochten die absoluten Speerspitze aller jemals bei uns getesteten Surroundsysteme dar. Bei zahlreichen High-End Berichterstattungen (zB. Audionet VipG2 DVD-Player) haben uns diese Lautsprecher quasi als Lupe gedient, um die Eigenschaften von Elektronikkomponenten aufzudecken. Unabhängig davon, welcher Hersteller uns einen seiner High-End Lautsprecher zuschickt: die EuropaII dient uns aufgrund ihrer natürlichen und höchst detaillierten Wiedergabe, als absolute Referenz und muss sich vor kaum einem anderen Produkt fürchten.  

Obwohl es weder für manche Elektronikhersteller, noch für Isophon eine erfreuliche Nachricht darstellt, möchten wir an dieser Stelle mit aller Entschiedenheit unterstreichen, dass eigentlich nur hochwertige Vor-/Endkombinationen das Potential eines Comet komplett abrufen können. Es macht schlichtweg keinen Sinn mit einem 1500 Euro Receiver solch hochpreisige Lautsprecher zu betreiben, die nicht in der Lage sind, deren Qualitäten auch nur ansatzweise freizulegen. Um den hohen Anforderungen an das Detaillierungsvermögen und Pegelfestigkeit (geringer Wirkungsgrad) zu genügen, sollte ein leistungsstarker AV-Bolide als Minimum angesehen werden. Hierbei wäre es von großem Vorteil, kein Gerät mit einer sehr prägnanten Bassdarstellung (zB. Pioneer VSA-AX10Ai-S, Harman Kardan AVR-745) einzusetzen, sondern stattdessen zu einem Onkyo TX-NR5000E zu greifen, dessen ausgewogener und souveräner Klangcharakter mit den schonungslos direkten Isophon-Speakern besser harmoniert.

Besser gehts nicht: die Kombination aus Audionet MapV2, EPS, AmpIIG2 und Amp7 kostet satte 25.000 Euro und realisiert mit den Isophon Lautsprechern eine atemberaubend natürliche Akustik. Wer Leistung im Überfluss in Kombination mit unerreichter Klangkultur erleben will, kommt um eine Investition in die Bochumer Meisterstücke nicht umher. Selten haben wir Komponenten unterschiedlicher Hersteller erlebt, die miteinander derart verschmelzen, wie es bei Isophon Lautsprechern und Audionet Elektronik der Fall ist.

Wer nicht gleich die Anschaffung eines kleinen Kompaktfahrzeugs wegen dem Kauf einer Audionet Vor-/Endstufenkombination streichen möchte, der hat mit hervorragenden Produkten wie den Advance Acoustic MAA-705 Monoendstufen (Stückpreis 949€) oder der Audiolab 8000er Serie (5.1 System ca. 4000€) günstigere Alternativen, die ebenfalls großen Hörspaß garantieren. In unserem zweiten High-End Studio haben wir uns sogar gleich 5 Stück dieser MAA-705 in Kombination mit einer Audionet Map1 Vorstufe (ca. 3.750 €) fest installiert, was die Cometen ebenfalls zu einer faszinierenden Spielweise antrieb.

nochmal Audionet: Vip - Vip,  Hurra ... der letztes Jahr erschienene VipG2 Universalplayer schlägt mit einem Kaufpreis von ca. 7.000 € in die gleiche Kerbe, wie die restlichen Audionet Komponenten, bietet dafür aber einen technisch kompromisslosen Aufbau mit feinster Technik und traumhaften Klangeigenschaften. Wer seinen VipG2 noch per SDI modifzieren lässt und einem cinemateq Picture Optimizer das Skalieren und De-Interlacen überlässt, wird seine Medien kaum mehr wiedererkennen.

Zusammenfassend kann man die Ansprüche der Isohon-Speaker getrost als "hoch" einstufen. Doch wer sich für einen fünfstelligen Preis ein edles Surroundset in das Auditorium stellt, wird angesichts ähnlich dimensionierter Elektronikpreise wohl kaum Tränen in die Augen bekommen, sondern eher darin interessiert sein, dass Maximum aus seinen Möglichkeiten zu machen.

Klang:

Ob der Comet sich nicht nur rein namentlich, sondern auch akustisch im Weltraum beheimatet fühlt, haben wir mit Hilfe verschiedener Science-Fiction DVDs erörtert. Im weiteren Verlauf unserer Hörberichts stehen hingegen musikalische Anwendungen im Vordergrund. Den Anfang machen wir mit Star Wars Episode 3, wo die beiden Isophon Speaker eine bemerkenswerte Leistung abliefern und eine weitläufige - jedoch stets auch von Nachdruck und Ortbarkeit gekennzeichnete - Surroundkulisse aufbaute. Bemerkenswert ist hierbei, dass der Comet wie kein anderer Dipolstrahler die Gegensätze zwischen dem "frischen" und "agilen" Abbilden im Hochtonbereich und einem dennoch harmonisch ganzheitlichen Klangbild vereint. Fast immer klingen ähnlich aufgebaute Rearspeaker sehr verfärbt und bevorzugen bzw. benachteiligen einzelne Frequenzbereiche - Besitzer eines Isophon Comet bleiben hiervon hingegen verschont. Rein von der Tonalität betrachtet ähnelt dieser Lautsprecher dem hervorragendem Regallautsprecher Galileo, welcher von uns im letztjährigen Oberklasse-Vergleichstest als Masterpiece gekrönt wurde. Doch zurück zu unserer Star Wars DVD. Schon direkt nach der Titelmelodie geht es bei Episode 3 richtig zur Sache und die beiden Comet sind mittendrin: die einsetzenden Beckenschläge innerhalb der Hintergrundmusik sind zwar hauptsächlich auf Front und Rears, enthalten aber auch recht viele Anteile auf den rückwärtigen Kanälen, was die Isophon-Speakern gekonnt und mit präzisen Bässen umsetzen. Schon wenige Sekunden danach zischen Obi-Wan's sowie Anakin's Jedi Starfighter von den Rearkanälen nach vorne. Hier zeichnen sich die hinteren Schallwandler durch eine hervorragende Dynamik aus, ohne dabei aufdringlich oder gar scharf zu klingen. Das hohe Maß an Souveränität ist sowieso eine der zentralen Begeisterungsfaktoren, da es den beiden Comet absolut keine Probleme bereitet, gleichzeitig den orchestralen und vielschichtigen Score wiederzugeben und währenddessen die zahlreichen Triebwerks-, Laser- und sonstige Kampfgeräusche in die akustische Darbietung einzuflechten. Selbst als wenig später (fast) alle Protagonisten zum Laserschwert greifen (und Count Dooku in die ewigen Jagdgründe eingeht), wahren die Comet ihre Contenance und bieten eine erstaunliche Homogenität zu den vielfach größeren Frontboxen. Doch all diese Eigenschaften waren (bzw. sind) wir schon sowieso schon von unserem Isophon Surroundset gewohnt gewesen, als noch Direktstrahler für die Anregung des Trommelfells verantwortlich waren. Was macht der Comet anders - bzw. besser ? Nun - wie eingangs schon kurz erwähnt, besitzt dieser Lautsprecher die sehr seltene Gabe, trotz Dipol-Charakteristik weder topfig oder anderweitig verfälschend zu agieren. Bass- sowie Mitteltoneffekte bleiben in ihrer vollen Kraft erhalten und sind klar lokalisierbar, während zB. Regen-/Feuereffekte (also hochfrequente Schallanteile) auch weit um den Lautsprecher herum präsent gemacht werden. Gedanklich möchte man bei Sequenzen wie der Friedhofsszene in "Dare Devil" am liebsten einen Regenschirm aufspannen, angesichts der ungemein realistischen Klangabbildung um den Hörplatz herum. In Bezug auf die Pegelfestigkeit macht der Comet übrigens keinen Hehl aus seiner teutonischen Herkunft und steckt auch heftige Attacken locker weg. Vorbildlich ist ebenfalls die Sauberkeit, mit der schnelle Bassläufe auch mit hohen Lautstärken ertönen. Dieser Lautsprecher eignet sich sowohl für den Feinschmecker, als auch für Anwender, die am liebsten jede Explosion in Originallautstärke wahrnehmen wollen. Der limitierende Faktor ist in solchen Fällen meist eher die Elektronik (Endstufen), als dass ein Isophon-Lautsprecher anfängt, unsauber bzw unkontrolliert zu klingen. 


Völlig andere Tugenden sind bei der musikalischen Eignung im Vordergrund. Sicherlich ist auch in diesem Anwendungsfall eine Nutzung als Dipol sehr interessant - speziell in Fällen, wo hauptsächlich Puplikumseffekte auf die Rears gegeben wurden. Wir möchten jedoch wissen, wie sich dieser für Filmton entwickelte Lautsprecher als Direktstrahler in anspruchsvollen Mehrkanalanwendungen schlägt. Als Messlatte nehmen wir wieder die Isophon Galileo: preislich etwas niedriger angesiedelt, jedoch im Mittel-/Hochtonbereich fast identisch bestückt und mit einer vollkommen unterschiedlichen Gehäuseformen stehen sich die beiden Isophon-Geschwister Chassis an Chassis in unseren Testraum gegenüber. Zu unserer Überraschung können die Comet sehr gut mithalten, wobei die Galileo insbesondere im erzielbaren Tiefbass einen klaren Vorsprung herausspielt. Hier ist deutlich zu hören, dass der Direktstrahler prinzipbedingt auch als Standalone-Lautsprecher ein überzeugendes Fundament bieten soll, während der Comet bei ca. 80Hz an einen Subwoofer angebunden werden möchte. Andererseits zeichnet sich die Galileo dafür nicht ganz mit derselben hohen Pegelfestigkeit aus und fängt etwas früher an, Basseffekte zu komprimieren. Generell muss aber gesagt werden, dass dies ein Kampf auf sehr hohem Niveau ist, denn nicht wenige vergleichbare High-End Schallwandler erreichen nicht einmal ansatzweise die Belastungswerte der Isophon Modelle. Abseits von Bass und Pegel zeichnet sich die Comet durch fast dieselbe holografische Abbildung und Natürlichkeit aus, die schon der Galileo unsere Anerkennung einbrachte. Facettenreiche und anspruchsvolle 5.1 SACD-Streams (unsere Empfehlung: Porcupine Tree, In Absentia) blühen mit den Comet auf, wie mit keiner anderen Dipolkonstruktion. Feingliedrige Musikereignisse bereiten dem Dipol-Duett (und natürlich auch dem Hörer) genauso viel Spaß wie das Gitarrensolo eines Manowar-Konzertes. Dass die Cometen musikalisch eine gute Figur machen und Instrumente glaubhaft sowie gekonnt umsetzen, kommt dabei selbstverständlich nicht nur dedizierten Musikanwendungen zu Gute sondern wertet auch die Scores in Hollywood-Produktionen nachhaltig auf. 

Unsere Beobachtungen / Tipps bezüglich der Aufstellung des Comet

- Dipole profitieren grundsätzlich von einer etwas erhöhten Montage. Sie sollten zwar nicht direkt unter der Decke kleben, aber mit einem Maß von 1,5 Meter macht man nichts falsch. Direktstrahler (zB. Galileo) spielen ihre Vorteile eher bei einer Aufstellung aus, die sich an den Frontspeakern orientiert. Auschlaggebend ist die Lage des Hoch-/Mittentonbereiches.

- Wenn möglich montieren sie den Comet so, dass die "primäre" Seite auf den Sitzplatz gerichtet ist und im Idealfall zwischen 0,5 und einem Meter hinter die Sitzplätze versetzt ist. Sollte die Rückwand näher als einen Meter von den Rearspeakern entfernt sein, raten wir dazu, Rearspeaker und Hörplatz etwas nach vorne zu verlagern.

- Sollten Sie bereits über Absorber verfügen (zB. Wallpanels) beachten Sie bitte, dass diese die Aufgabe haben, Reflektionen zu schlucken und die Arbeitsweise von Dipolen daher beeinträchtigt wird. Dies ist grundsätzlich nicht schlimm, nur oftmals ist dann eine Aufstellung exakt auf der Hörachse die beste Lösung.

- Obwohl der Comet auch Fullrange eine gute Figur abgibt, wäre eine Subwoofer-Ankupplung zwischen 80 und 90Hz ratsam, um die Homogenität zu steigern. Bitte jedoch ebenfalls bei der Einpegelung der Subwoofer berücksichtigen, da oftmals durch übermäßige Subwooferlautstärke ein Ungleichgewicht bei kreisenden Basseffekten zu hören ist. Hochwertige Geräte wie die Audionet Map1 oder MapV2 können den LFE-Mix getrennt vom Subwoofer-Pegel einstellen.

- Und zu guter Letzt: Experimentieren Sie !! Jeder Kinoraum und auch die Hörpräferenzen sind unterschiedlich. Viele Leser berichten uns von exotischen Aufstellungen, die ihnen akustisch besser gefallen haben, als eine schulbuchmäßige" Verteilung der Lautsprecher im Hörraum. Besonders bei Dipolen, die mit Reflektionen arbeiten sollte man sich die Zeit nehmen und viel experimentieren.

Fazit:

Wer jetzt innerlich denkt, dass der Isophon Comet ja eigentlich schon fast zu schade für einen Einsatz als Rearspeaker erscheint, hat die eigentliche Intention dieses Produktes wahrscheinlich nicht ganz verstanden - schließlich würde man bei einem hochwertigen frontgetriebenem PKW ja auch nicht auf die Idee kommen, bei den hinteren Reifen zu sparen. Doch allen Qualitäten dieses Produktes zum Trotz - die grundlegende Diskussion um den Sinn und Zweck eines Dipol-Lautsprechers kann selbstverständlich auch der Comet nicht beenden. Unserer Meinung nach kann eine Dipol-Konstruktion besonders bei 5.1 Systemen in kleinen und mittelgroßen Räumen nach wie vor eine große Bereicherung darstellen, um eine zu punktuelle Abbildung im Rearbereich verhindern. Für solche Anwendungen gibt es wohl keinen besseren Rearspeaker als der Isophon Comet, denn den vielfältigen Anforderungen in Bezug auf Detailauflösung, Bassvermögen, Pegelfestigkeit begegnet er mit Bravour. Seine einzigartige Marktstellung erreicht er aber durch die gleichzeitige Ortbarkeit/Griffigkeit im Bass- und Mitteltonbereich, während hochfrequente Effekte mit betörender Leichtigkeit einen ungemein großen Raum erschaffen. Gleichzeitig eignet sich der Comet trotzdem noch hervorragend für Musikmaterial, harmoniert nicht nur mit Isophon Lautsprechern sehr gut und lässt sich auch als Direktstrahler betreiben. Isophon ist dank hervorragender Mehrkanalkomponenten schon lange als arrivierter Surroundspezialist inmitten der High-End Branche zu betrachten und beweist mit dem Comet aufs Neue, dass man den Trend zur DVD ernstnimmt und auf höchstem Niveau umsetzen kann. 


Isophon Comet, Stückpreis ab 1849 Euro 
Surroundlautsprecher absolute High-End Klasse
Test: 17.Februar 2007 Preis-/Leistung: 

+ hervorragender Klang , der sowohl für Film- als auch Musikanwendungen geeignet ist
+ gute Pegelfestigkeit
+ zwischen Diffus- und Direktmodus umschaltbar
+ große Auswahl an Oberflächen bzw. Ausführungen
+ handwerklich sehr solide umgesetzt

- hohe Anforderungen an Elektronik
- hoher Kaufpreis, speziell in Kombination mit den empfehlenswerten Chromblenden


Raumakustische Optimierung unserer Studios mit Wallpanels und Absorbern von:



Dieser AREA DVD High-End Test wurde durchgeführt mit Kabeln von:

Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:

 

Text: Lars Mette