Test: ASW Genius 5.1 Surroundsystem


Dieser Artikel wurde auf PCs von Origen-AE verfasst.

(18. April 2011 - Autor: Lars Mette )


Der deutsche Lautsprecherhersteller ASW begann Ende 2010 damit, seine beliebte Genius Serie zu erneuern. In diesem Zusammenhang haben wir bereits den Kompaktlautsprecher Genius 110 getestet und aufgrund seiner Klangeigenschaften sowie Verarbeitung gelobt. Nachdem die Lautsprecherschmiede aus dem Münsterland nun auch Stand- und Centerspeaker vom Technologietransfer der hauseigenen High-End Modelle profitierten, wurde uns für diesen Testbericht ein Surroundsystem zur Verfügung gestellt. Obwohl die technische Bestückung (u.a. hochwertige Chassis und Gehäuse) auf sehr hohem Niveau liegt, bleibt die Genius Serie ihrer preislichen Heimat in der (oberen) Mittelklasse treu. Die Transfersumme für unser 5.2 Testsystem liegt bei ca. 6.200 Euro (abhängig von der gewählten Oberfläche) und besteht aus folgenden Modellen:

Die Genius 410 (ab 1599 Euro/Stück) ist die größere der beiden Standboxen aus der neuen Genius Serie. Sie verfügt über einen symmetrischen Aufbau auf Basis von zwei speziellen 180mm Holzfaser Membranen und wird über zwei Bassreflexöffnungen ventiliert. Die 4Ohm Konstruktion soll einen linearen Frequenzgang zwischen 35 und 30.000 Hertz bieten und besitzt eine Nennbelastbarkeit von 160 Watt.

Der Filmspezialist des ASW-Ensembles trägt die Bezeichnung Genius 210 (ab 749 Euro/Stück). Der symmetrisch aufgebaute Centerspeaker arbeitet nach dem 2-Wege Bassreflex Prinzip. Die Holzfaser Membranen im TMT-Bereich fallen mit 150mm minimal kleiner aus und werden 200 Hertz später getrennt, als bei der Genius 410 - der 25mm Keramikhochtöner ist hingegen identisch. Nennbelastbarkeit sowie Grenzfrequenz sorgen mit 120 Watt bzw. 50 Hertz für hohe Erwartungen.

Auf den Surroundkanälen sorgen zwei Kompaktlautsprecher vom Typ Genius 110 (ab 599 Euro/Stück) für Beschallung. ASW hat großen Wert auf erwachsene Klangeigenschaften gelegt, so dass die bassreflexbeatmete Box auf einen -3db Punkt von 43 Hertz kommt und 80 Watt Nennbelastbarkeit aufweist. Der verbaute 180mm Tiefmitteltöner sowie der Hochtöner sind in dieser Konstellation auch in der Genius 410 zu finden. 


Derzeit arbeitet ASW noch an einem neuen Genius-Subwoofer, doch damit unserem Testsystem auch jetzt schon ein hervorragender Tiefbassbereich zur Verfügung steht, lieferte ASW zwei Subwoofer vom Typ Cuby 150 (ab 549 Euro/Stück). Dieses Modell ist als Downfire Woofer mit Bassreflexunterstützung konzipiert, verfügt über eine hochwertige Endstufe mit 150 Watt Sinusleistung und spielt bis 30 Hertz hinunter.

Verarbeitung:


Gegenüber der Vorgängerserie weist die neue Genius Generation eine völlig neue und andersartige Formensprache auf. Wo früher eine nüchtern-kantige Erscheinung in schlanker Statur geboten wurde, setzen die neuen Modelle auf ausladende Rundungen. Die charakteristische Wölbung auf der Oberseite kennen wir schon von den High-End Modelle Magadis und Chelys. Einzig die beiden Subwoofer fallen diesbezüglich natürlich etwas aus der Rolle und sind in klassischer Kastenform gehalten. In Bezug auf die Verarbeitungsqualität bleibt alles beim Alten - und das ist gut so: sämtliche Lautsprecher bestechen mit exzellenten Gehäuseübergängen und Chassiseinpassungen. Unser Testsystem wirkt zugegeben etwas zusammengestückelt, soll Ihnen aber die Vielfalt im Hause ASW vermitteln: neben den hier gezeigten Versionen in Mattlack, unbehandelten sowie hochglanzlackierten Echtholzfurnier sind auch Klavierlackoberflächen genauso lieferbar, wie fast jedes Furnier oder RAL-Farben Lackierung. Dank einer kompletten Fertigung inkl. Lackierung in den eigenen Werkshallen in Vreden ist ASW sehr flexibel und kann sogar ausgefallene Wünsche relativ günstig realisieren. Besonders gut haben uns die hochwertigen Anschlusspanels mitsamt den tadellosen Kabelbrücken gefallen. Die Genius 410 wird durch einen schwarzen Sockel optisch aufgewertet und für hervorragende Klangeigenschaften sorgen die mitgelieferten Soundcare Superspikes. Für Anwender mit Teppichböden legt ASW zusätzlich noch klassische Spikes bei. Wer will, kann alle Lautsprecher mit einem schwarzen Stoffrahmen schützen, der über klassische Aufnahmelöcher befestigt wird. Und für markentreue Musikliebhaber kommt der Centerspeaker noch mit einer kleinen ASW-Plakette zum Selbst Aufkleben. Fazit: Optisch geht die aktuelle ASW Serie neue Wege, die Verarbeitung ist auf gewohnt hohem Niveau und gehört zum Besten, was man in der vorliegenden Klasse bekommen kann.
Technik:

Der technische Aufbau aller der Genius 410 basiert auf einem 2-Wege Konzept mit symmetrisch angeordneten Treibern mit Bassreflexunterstützung. Das Gehäusevolumen ist nicht getrennt und steht beiden Chassis gemeinsam zur Verfügung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lautsprechern befindet sich die Frequenzweiche bei der Genius 410 nicht auf der Rückseite der Anschlusspanels, sondern ist auf der Höhe des unteren Tiefmitteltöners platziert. Die Frequenzweiche basiert auf dem ausgeklügelten Layout der größeren Chelys und trennt Tiefmittel- und Hochtöner bei 1800 Hertz. Dabei wird der Tiefmitteltöner nach oben mit 6db/Oktave sanft ausgeblendet, während der Hochtöner eine Flankensteilheit von 18db/Oktave aufweist. Diese ungewöhnliche Lösung hat ihren Ursprung in zahlreichen Hörtests und bietet laut Chefentwickler Willi Nienhaus eine exzellente Harmonie zwischen den verwendeten Treibern.


Der Tiefmitteltöner im Detail: der Treiber kommt von Tymphany, genauer gesagt aus der NE-Line unter der Peerlees Platinum Serie. Es handelt sich hier um eine spezielle 8 Ohm Version mit 180mm Membran aus Papierholzfaser, die dank einem angeschnittenem Konus sowie asymmetrischer Sicke ein hervorragendes Verhältnis aus Leichtigkeit und Steifigkeit besitzt. Ein verwindungssteifer Aluminiumdruckgusskorb mit schlanken Streben sorgt für hervorragende Arbeitsbedingungen bei geringem Luftwiderstand. Abgerundet wird das High-End Chassis von einem starken Neodym Eisen Boron Magnet als Antrieb, sowie einem Schwingspulenträger aus Titan. Dieser Tiefmitteltöner kommt in selber Form auch bei der Genius 110 zum Einsatz, beim Centerspeaker ist das Chassis 30mm kleiner, aber ansonsten identisch.



Bei den Gehäusen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: die gerundeten Gehäuseelemente minimieren stehende Wellen im Inneren und damit die Konstruktion auch mechanisch belastbar ist, bestehen sämtliche Elemente aus 20mm starken MDF Platten. Zusätzlich finden sich im Inneren noch zwei dieser Streben, deren Gestaltung und Positionierung durch aufwändige Messungen mit Beschleunigungssensoren ermittelt wurden. Der 25mm Hochtöner mit feinauflösender Keramikmembran sitzt in einer geschlossenen Aluminiumkammer und kann daher ungestört musizieren.



Der Genius 210 Centerspeaker basiert ebenfalls auf einem 2-Wege Bassreflexsystem. Membran- , Gehäuse- und Frequenzweichenphilosophie orientieren sich an der Standbox und unterscheidet sich nur in zwei Punkten vom größeren Modell: die Tiefmitteltöner fallen mit 150mm Chassis etwas kleiner aus und übergeben 200 Hertz später an den Hochtöner. Bei Betrachtung der technischen Daten wie zB. den 120 Watt Nennbelastbarkeit oder den -3bb Punkt von 50 Hertz wird schnell klar, dass ASW hier einen absolut vollwertigen Lautsprecher auf den Weg gebracht hat.



Regelmäßige AREADVD Leser kennen dieses Modell bereits sehr gut, denn die Genius 110 haben wir ja bereits einzeln als Stereopaar schon getestet. Dieser Kompaktlautsprecher greift auf denselben 180mm Tiefmitteltöner zurück, den wir Ihnen bei der 410er schon vorgestellt haben. Auch beim Hochtöner treffen wir einen Bekannten, denn der 25mm Keramiktreiber findet sich auch bei den beiden zuvor gezeigten Modellen wieder. Ein praktisches Detail der Genius 110 sind die beiden Schraubgewinde auf der Unterseiten, dank denen die Box sicheren Halt auf den Stativen von ASW findet. Weitere Informationen zur Genius 110 finden Sie in unserem Testbericht vom 30. November 2010.



Last but not least, werfen wir natürlich auch einen Blick auf die Tieftonmeister unseres Testensembles. Der Cuby 150 ist als wohnraumfreundlicher Kompaktsubwoofer konzipiert und verfügt über eine Downfire Anordnung mit Bassreflex Schlitz. Der 200mm Langhub Tieftöner weist eine äußerst steife Membran mit hoher Belastbarkeit auf, die Aufhängung ist ebenfalls relativ hart geraten. Elektronikseitig spendiert ASW seinem Cuby ein sauber aufgebautes Netzteil. Der integrierte Verstärker leistet 150 Watt Sinus und kann auf 20.000 Mikrofarad Siebkapazität zurückgreifen. Ein Ausstattungswunder ist der Cuby aber leider nicht - er beschränkt sich auf die wichtigsten Features, wie Crossover und Volume Regelung und verschiedene Chinch Eingänge. Die Phase kann leider nicht stufenlos justiert werden. Und wer auf DSP oder Equalizer Funktionen Wert legt, wird im Cuby sowieso nicht den richtigen Partner finden. Dafür verspricht ASW einen präzisen, kraftvollen und vor allem tiefreichenden Klang. Bis knapp unter die 30 Hertz Marke soll der kleine Tieftonjongleur spielen, so dass wir voller Spannung auf die kommenden Hörtests blicken. 
Testumgebung:

Das ASW Cantius System kam vorwiegend in unserem High-End Referenzstudio zum Einsatz. In Kombination mit erlesener Elektronik sowie einer optimierten Raumakustik konnte es die ca. 55m² nach besten Kräften beschallen, ohne durch äußere Einflüsse beeinträchtigt zu werden. Zusätzlich mussten die Schallwandler aber auch in normalen Wohnräumen ihr Können unter Beweis stellen. Durch diese Doppelinstallation lernen wir einerseits das komplette Potential der Schallwandler kennen, sammeln aber auch Erfahrungen unter praxisgerechteren Bedingungen. Als Absolutreferenz dient ein 7 Kanal System mit Keramik-/Diamantbestückung von der süddeutschen Manufaktur Isophon im Wert von ca. 81.000 €. 

Unsere hauptsächlich eingesetzte Hardware in der Übersicht:

Endstufen Audionet AmpVII 7ch Endstufe (ca. 10.000 €)
Audionet Amp (Monoblock a ca. 4.000 €) 
Cinemike POA-A1HD 10ch Endst.(ca. 12.000 €) 

Vorstufen

Audionet PreG2 + MapV2 (ca. 10.000 / 6.000 €)
Cinemike AVP-A1HDA (ca. 13.000 €)
Cinemike Marantz AV-7005 (ca. 3.000 €)
Quellgeräte Cinemike DVD-A1UD (ca. 7.000 €)
Cinemike DPB-4010UD (ca. 3.000 €)
Accustic Arts TubeDacII + Drive II (CD-LW/W.Kombi ca. 14.000€)
Cinemike Panas. DMP-BDT300 3D BD (ca. 700 €)
Anzeige
geräte
Sim2 C3X1080 mit Cinemike Tuning 3 Chip DLP Proj. (ca. 30.000 €)
Image iMasque vollmaskierbar, akustisch transp. (ca. 19.000 €)
Panasonic P65VT20E 3D Plasma-TV (ca. 5.000 €)

AREADVD Baden-Württemberg arbeitet hauptsächlich mit Kabeln von: Mogami (Lautsprecher), 
German High-End (NF), Silent-Wire (HDMI), Supra (Subwoofer-XLR) und Audionet (Netzkabel).

Das Referenzstudio wurde von der Firma RTFS akustisch optimiert.

Praxiseindrücke:

Bei den Hörtests brauchen die ASW Lautsprecher nicht lange, um sich in unsere Gunst zu spielen. Abgesehen von der ganzheitlich harmonischen Abstimmung mit einer detailorientierten, audiophil-angehauchten Spielweise, erobern die Genius Schallwandler besonders wegen ihrer famosen Raumabbildung große Sympathien. Sämtliche Modelle tragen das Klangbild schlichtweg GRANDIOS gelöst in den Raum -  sicherlich wird jenes Attribut auch anderen Lautsprechern der vorliegenden Preisklasse zugesprochen, doch selbst gegenüber den dichtesten Verfolgern, können sich die ASW-Testprobanten durch ihre exakte Lokalisationsschärfe nochmals etwas absetzen. Die Kombination aus sphärischer, weitläufiger Spielweise und der gezielten Platzierung sämtlicher Schallereignisse erinnert uns an einige (diesbezüglich referenz-setzenden) Lautsprecher aus dem Hause Isophon. Ähnlich wie bei dem schwäbischen High-End System in unserem Referenzstudio (siehe Testumgebung) bieten somit auch die ASW Lautsprecher einen großen Sweetspot ohne das innere Gefüge in Bezug auf Platzierung sowie Ortung in Mitleidenschaft zu ziehen (wie wir es speziell von einigen LS-Modellen mit Doppelhochtönern kennen - z.B. die DALI Mentor Serie).  

Unserem vielfach teureren Referenz-Setup Obwohl können die Genius Testkandidaten in Bezug auf das Auflösungsvermögen sowie Klangtransparenz naturgemäß nicht das Wasser reichen. Doch sie fallen diesbezüglich erfreulicherweise weniger ab, als dies in Anbetracht der Preisunterschiede zu erwarten ist. In Relation zu ihren direkten Mitbewerbern zeichnen sich die ASW Lautsprecher sogar durch ihre besonders feinsinnige/audiophile Abstimmung aus! Der Mittel-/Hochtonbereich spielt sehr schnell, wirkt dabei aber niemals hektisch oder überfordert. Insgesamt klingen die Schallwandler sehr "offen" bzw. "luftig". Als übertrieben scharf bzw. unangenehm prägnant haben wir die ASW Lautsprecher dabei niemals empfunden - ganz im Gegenteil: die feine Auflösungsgabe, gepaart mit einem tendenziell eher seidigen Akzent, erinnert uns ein weiteres Mal an unser Referenz-System. 

Der mittlere Frequenzbereich wird harmonisch und gut ausbalanciert wiedergegeben. Besonders die Genius 410 punktet dabei mit einer tiefen, vielschichtigen Ausleuchtung. Trotz der hohen Klangtransparenz sind die Lautsprecher immer noch in der Lage, der Klangwiedergabe ein adäquates Maß an Druck sowie Volumen einfließen zu lassen. Diesbezüglich versagen nicht wenige (auf audiophil getrimmte) Mitbewerbermodelle in der oberen Mittelklasse, indem ein durchsichtiger, filigraner Klangcharakter oft mit Einbußen der Klangfülle in den unteren Mitten "erkauft" wird.

Die tonale Abstimmung ist grundsätzlich recht neutral gehalten, wobei sämtliche Modelle ein kleines Maß an zusätzlichem Hochtonglanz mitbekommen. Der hörsensible Mitteltonbereich zeichnet sich über den kompletten Bereich durch eine hohe Linearität aus. Im Bassbereich verfolgt ASW eine sehr ehrliche Spielweise, so dass die Lautsprecher vergleichsweise zurückhaltend klingen, wenn man sie mit den vielen Mitbewerbern vergleicht, die durch eine entsprechende Überhöhung einen massiveren, "fetteren" Sound bieten (z.B. die RX8 von Monitor Audio). 

Wenn Sie sich bis hierhin bereits gefragt haben, warum wir fast sämtliche Klangattribute auf das komplette Set beziehen, können wir Ihnen nun eine äußerst erfreuliche Nachricht geben: die konzeptionelle bzw. klangliche Abstimmung innerhalb der Fullrange-Modelle ist nämlich erfreulicherweise deutlich homogener gehalten, als dies allgemein üblich ist. Abgesehen von Unterschieden im Bassbereich (mehr dazu im nächsten Absatz) verfügen sowohl Stand-, Center- als auch die Kompaktlautsprecher über dieselbe (sehr gelungene) Klangcharakteristik in Bezug auf Detaillierung, Präzision sowie Tonalität. Zusammen mit der herausragenden räumlichen Darstellung ergeben sich somit exzellente Eigenschaften für den Mehrkanalbetrieb. 

Steigen die ASW Lautsprecher in den Frequenzkeller hinab, so haben vornehmlich Anwender mit dem Wunsch nach einer präzisen und maßvollen Basswiedergabe Grund zur Freude: keiner der Fullrange-Modelle weist die Neigung auf, untenrum aufzudicken oder besonders vordergründig zu agieren. Die ASW Lautsprecher streben eindeutig nach Differenzierung und Präzision, was Ihnen auch anstandslos gelingt. Außerdem zeichnet sich jedes Modell durch einen überraschend guten Tiefgang aus. Als absolute Bass-Spezialisten würden wir die Testkandidaten dennoch nicht uneingeschränkt kategorisieren: obwohl sich ihr hohes Maß an tieffrequentem Differenzierungsvermögen (für audiophil ausgerichtete Ohren) wohltuend vom Großteil des Marktes absetzt, können die ASW-Lautsprecher ihre vergleichsweise kleinen Membranflächen nicht völlig kaschieren. Eine Canton Vento 890DC ist (gegenüber der Genius 410) mit ihren zwei dedizierten 200mm Tieftönern ist schon rein physikalisch wesentlich potenter, tieffrequente Kost mit mehr Druck und Entschlossenheit in den Hörraum zu liefern. 

Solange der Lautstärkeregler eher im linken Bereich beheimatet ist, merkt der Anwender von der vergleichsweise geringen Membranfläche nichts: die Genius Modelle liefern präzise Basskost ohne störende Ventilationsgeräusche aus den BR-Öffnungen und bieten eine überdurchschnittliche Leistung. Selbst die gebotene Klangdynamik verdient sich Bestnoten - ganz speziell im feindynamischem Bereich. Doch sobald kilometerlange Raumschiffe oder wildgewordene Riesenaffen in Pegelregionen jenseits der 90 db Marke über die Leinwand huschen, können die Lautsprecher in Bezug auf Bassdruck und Grobdynamik nicht mehr ganz im selben Maße zulegen, wie es für eine perfekt ausgeglichene Wiedergabe wünschenswert ist. Da wir hier jedoch schon in Bereichen sind, die sich sowohl typischen Wohnzimmerverhältnissen, wie auch den (üblichen) nachbarschaftlichen Toleranzgrenzen entziehen, kommt dieser Aspekt "lediglich" für pegelhungrige Heimkino-Enthusiasten mit "Freifahrtsschein" in Betracht. 

Anwendungsbeispiele:

Star Wars Episode 1 , dt. Dolby Digital Ton.

Beim wohlbekannten Podrace in Kapitel 20 konzentriert sich das ASW System nicht nur auf die prägnanten/brachialen Effekte, sondern bietet eine gesamtheitlich ausgewogene Performance auf hohem Niveau: die Bassintensität beim Anlassen der Motoren gelingt den beiden Subwoofer druckvoll und präzise - gleichzeitig darf sich der Hörer aber auch über eine gute Sprachwiedergabe (z.B. gute Abstufung des Sprachvolumens beim Gespräch zwischen Qui Gon und Padme beim Betreten der Zuschauerbühne) sowie der Detailausarbeitung (z.B. Klang + Nachhall des Gongs bei 57:29 min. // Elektronikgeräusche der Podrenner) erfreuen. Der Start von Sebulba wird grobdynamisch gut herausgearbeitet, wobei typische "Krach-Bumm-Systeme" diesbezüglich bei höheren Pegeln noch mehr Intensität vermitteln. Die ASW Lautsprecher kontern hingegen mit einer exzellenten(!) Räumlichkeit der Splitsurround-Effekte. Auch das Panning zwischen den einzelnen Lautsprechern gelingt den homogen abgestimmten Lautsprechern vorbildlich. Den jeweils eher kurz einsetzenden Tiefbass während den Rennsequenzen meistern die Subwoofer mit einer nuancierten und gut getimten Wiedergabe. Für ihre Preis- sowie Volumenklasse spielen sie recht tief, wobei einige Extremszenen(zB. Einsetzen der Turbine bei 58:25 min. ) mit manchen Subwoofern aus höheren Klassen (erwartungsgemäß) noch mehr Hosenflattern produzieren. Die Motorgeräusche während der Fahrt durch die Canyon-Landschaft sind mehrheitlich auf den Frontlautsprechern platziert, wo sie (gegenüber aufdickenden Systemen) nicht übermäßig voluminös, dafür aber differenziert erklingen. Fazit: insgesamt klingt das ASW System mit diesem Filmbeispiel nicht spitz und aggressiv, lässt aber auch keinen Zweifel an seiner auflösungs-/detailbezogenen Spielweise. Anwender, die ihr akustisches Wohl primär an der Klangwucht ausmachen, werden mit anderen Lautsprechern wahrscheinlich glücklicher. Wer hingegen auch in Actionsequenzen ein hohes Maß an Klangkultur zu schätzen weiß, dürfte besonders an der tonal höher gewichteten Mittel-/Hochtondarstellung großen Gefallen finden. Die beiden ASW Subwoofer demonstrieren dabei wieder einmal eindrucksvoll die immensen Vorteile beim Einsatz von zwei Tieftonlieferanten (bei korrekter Ein- und Aufstellung). Neue Bestwerte hinsichtlich Präzision, Druck oder Tiefgang werden zwar nicht aufgestellt, doch sie bieten für ihre Klasse eine sehr gute Gesamtbalance und fügen sich hervorragend ein. 

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1, engl. DTS-HD Master Audio

Das neueste Abenteuer in der Welt des weltweit bekanntesten Zauberers setzt akustisch andere Schwerpunkte als das vorangegangene Beispiel aus dem Star Wars Universum: mehr subtile Arrangements, dafür weniger Bombast-Sound. Wir steigen gleich zum Filmbeginn ein, wo feine Geräusche innerhalb einer sphärischen Kulisse klar durchgezeichnet werden müssen, kurz bevor ein sanftes Glockenspiel sowie schrille Ambient-Sounds das akustische Repertoire mitsamt einem bedächtig/bedrohlichen Subwoofer-Einsatz spannen. All dies beherrschen die ASW Lautsprecher mit einer vorzüglichen Klangtransparenz und Ausgeglichenheit, ohne beim gleichzeitig langsam zunehmenden Pegel Ungleichmäßigkeiten in Bezug auf die tonale Balance oder Durchzeichnung zu offenbaren. Auch der abrupte Cut-Off mit anschließender hochdetaillierter Sprachwiedergabe (Rede des Zaubereiministers) gelingt den Lautsprechern hervorragend. Bill Nighys Stimme gelangt speziell in den oberen Mitten mit einem ausgezeichnetem phonetischem Differenzierungsvermögen in das Auditorium, zumal auch die feindynamische Herausarbeitung als exzellent einzustufen ist (gut zu hören bei der Betonung des Satzanfangs beim zweiten Satz). Trotz der eher kompakten Lautsprecherabmessungen des Genius 210 bleibt auch der sonore tief-raue Charakter mit seinem großem Stimmvolumen in seiner Grundcharakteristik gut erhalten. Die additiven Schallanteile auf den Rears sind bei den Genius 110 in guten Händen, da sie mit jenen Effekten aufgrund ihres Timings, der Detailherausarbeitung sowie Feindynamik einen sehr guten bzw. realistischen Raumeindruck generieren. Der unterstreichend einsetzende LFE-Kanal wird vom ASW System nicht entfremdet und wird wohldosiert mit guter Pointierung in das Geschehen integriert. Trotz der reduzierten Effekttiefe bei gleichzeitig tiefer Frequenz, sind von den Subwoofern in der Praxis keine Strömungsgeräusche am Hörplatz zu vernehmen. Beim Umschwenk auf die zweite Filmszene (nach ca. 1 Minute) beweisen die Lautsprecher bei der Umsetzung eines Gewitters (vornehmlich auf den Rearspeakern), wie gut Sie das Klanggeschehen von den Membranen lösen und zwischen den Kanälen räumlich bewegen können. In besonderen Maße ist im weiteren Verlauf dieser Sequenz noch die generelle Klangtransparenz sowie das Auflösungsvermögen zu loben: während der Score sehr feingliedrig inszeniert wird, bleiben die weiteren Klangebenen (z.B. der prasselnde Regen oder diverse Dialoge) deutlich heraushörbar. Fazit: mit dieser Abstimmung trifft der Film exakt die akustische Schokoladenseite der Genius-Lautsprecher, was zu einer tiefgreifenden und vielschichtigen Akustik höchster Klasse führt. Viel besser können es selbst viele der teureren Lautsprechersysteme nicht umsetzen, während effekt-/bassorientierte Konkurrenzprodukte mit diesem Film einen (kleinen) akustischen Offenbarungseid abgeben und wesentlich oberflächlicher agieren. 

Kurzvergleich mit einigen Referenzen als Hilfe zur akustischen Grobeinordnung:

Monitor Audio Gold GS Serie Die MA-LS unterscheiden sich tonal durch ihre Anhebungen im Bass sowie Hochtonbereich. Dadurch klingen die ASW-LS in den Mitten etwas voller, untenrum aber weniger substanzvoll. Die Basspräzision ist bei beiden gleichermaßen gut, in den oberen Frequenzen spielen die MAs schärfer und direkter; die ASW-LS wirken bei ähnlicher Auflösung kultivierter. Pegelfestigkeit und Dynamik gehen an Monitor Audio, dafür überflügelt ASW den Mitbewerber auf hohem Niveau in Bezug auf Gesamthomogenität, außerdem ist die Raumabbildung gelöster bzw. weitläufiger.
Nubert nuVero Serie Die selbsternannten High-End LS aus dem Schwabenland sind eine harte Nuss für die ASWs - dies kann man im Bassbereich sogar wörtlich nehmen, wo die nuVero in ihrer Klasse die Maßstäbe in allen Belangen setzt (Tiefgang, Druck, Präzision, Pegelfestigkeit, Grobdynamik) und auch die Genius-LS distanziert. Auch die variable Tonalität (Kippschalter) verdient Applaus. Im HT-Bereich detaillieren beide Serien ähnlich hervorragend (gute Detaillierung ohne Aufdringlichkeit), allerdings wirken die ASW-LS insgesamt "offener" und luftiger. Dies ist zum Wesentlichen am transparenteren Mitteltonbereich, sowie der besseren Räumlichkeit begründet.
Dali Mentor Serie Bei den dänischen Lautsprechern kümmern sich gleich zwei Hochtöner um die oberen Frequenzen - doch obwohl die Räumlichkeit auf dem extrem guten Niveau der ASW LS liegt, sind die Konzepte nicht vergleichbar. Die Dali Schallwandler bieten keine vergleichbare Ortungsgenauigkeit. Tonal sind sich beide Serien sehr ähnlich (kein aufdickender Bass, minimale Betonung der Höhen) und auch hinsichtlich der Pegelfestigkeit begegnen sich beide auf Augenhöhe. In in Bezug auf Durchzeichnung und Präzision liefern die ASW-LS die audiophileren, "feineren" Leistungen und setzen sich daher in unserer Gunst klar ab. 
Fazit:

Raumwunder gibt es nicht nur im Klein-/Kompaktwagensegment, sondern spätestens seit ASW's neuer Genius Serie nun auch innerhalb der Lautsprechermittelklasse: was Chefentwickler Willi Nienhaus hier vollbracht hat, wird besonders Mehrkanalliebhaber mit Wunsch nach audiophiler Klangdetaillierung ein Strahlen ins Gesicht zaubern. In der oberen Mittelklasse ist uns eine solch gelungene Kombination aus weitläufiger Raumabbildung, hohem Auflösungsvermögen sowie tonaler Homogenität bislang noch nicht begegnet! Damit empfehlen sich die Lautsprecher für ein breites Einsatzspektrum, wobei wir insbesondere die Eignung als klangstarkes Wohnzimmersystem für musikalisch veranlagte Hörer herausstellen möchten. Lediglich Anwender, die ein Lautsprechersystem primär durch den Bassdruck bei hohen Pegeln bewerten, sind bei Modellen mit größerer Membranfläche womöglich besser aufgehoben. Der Technologietransfer aus den ASW High-End Modellen beschert der Genius Serie somit glücklicherweise nicht nur eine gute technische Basis, sondern resultiert auch in entsprechenden Klangeigenschaften. Und wo andere Anbieter ihre Lautsprecher zunehmend in Osteuropa oder Asien fertigen lassen, schreinert ASW in Vreden seine eigenen Gehäuse selbst - ohne dabei an preislicher Attraktivität zu verlieren. Ganz im Gegenteil: der Käufer darf sich nicht nur über eine erstklassige Verarbeitung freuen, sondern kommt sogar in den Genuss von individuellen Oberflächenvariationen zu moderaten Konditionen, sowie 10 Jahren Garantie. Insgesamt lautet daher unser Schlussfazit, dass die neue ASW Genius Serie in vielerlei Hinsicht Maßstäbe in ihrer Klasse setzt und daher mit dem Referenzprädikat gewürdigt wird.


ASW Cantius Surroundsystem
Preisbereich: obere Mittelklasse
Grundpreis des Systems: 6.200 Euro
Test: 18.4.2011

Website des Anbieters. www.asw-lautsprecher.de


Unser Partner für hochwertige Audiomöbel:


Text: Lars Mette