Microsofts XBox als DVD-Player (US-Version)

07.12.2001 (ks)

Das Testgerät wurde uns zur Verfügung gestellt von
www.digital-x.de

Einleitung

Ebenso wie bereits die Playstation 2 von Sony ist auch Microsofts XBox in der Lage, Spielfilme auf DVD wiederzugeben. Damit enden aber auch bereits die Gemeinsamkeiten, denn während die Playstation 2 bereits "out of the box" DVDs abspielt, ist dies bei der XBox nicht ohne das separat zu erwerbende "DVD Movie Playback Kit" möglich, dass aus einer Infrarotfernbedienung von Microsoft und einem Infrarotempfänger besteht. Dieses kostet 49.99 EURO, wenn die Konsole ab dem 14. März in Europa verkauft wird. Der Empfänger übernimmt nicht nur die Funktion, die Infrarotdaten in entsprechende Steuerungsbefehle für die Konsole umzusetzen, sondern dient gleichzeitig auch als Dongle. Denn während im Vorfeld der Markteinführung der Xbox immer zu hören war, dass die DVD-Player-Software vom Cinemaster-Hersteller Ravisent noch über eine mitgelieferte CD installiert werden sollte, ist diese jetzt bereits von vornherein auf der XBox installiert. Nutzen kann man diese allerdings wirklich nur dann, wenn der Infrarotempfänger an die XBox angeschlossen ist. Selbst wenn man den Empfänger während des Wiedergabebetriebs wieder entfernt, stoppt die Wiedergabe mit einem entsprechenden Fehlerhinweis. Im Gegensatz zur Playstation 2 kann man den Infrarotempfänger beliebig an einen der vorhandenen vier Ports an der Front der Konsole anschließen. Die Fernbedienung besitzt auch einen sehr großzügig bemessenen Aktionsradius.


In der Xbox steckt ein spezielles 5 x DVD-ROM-Laufwerk von Thomson. Ähnlich wie bei Standalone DVD-Playern, die mit einem DVD-ROM-Laufwerk arbeiten, hat dies den Vorteil, dass das Laufwerk über einen ausreichenden Datenpuffer verfügt, in dem die Videodaten zwischengespeichert werden. Bemerkbar macht sich dies vor allem beim Layer-Wechsel. Dieser ist bei der XBox gar nicht als solcher zu bemerken. Der Wechsel zwischen den beiden Informationsschichten einer DVD verläuft nahtlos ohne eine Pause oder kurzzeitiges Ruckeln. Auch die Zugriffszeiten sind gut. Das Einlesen der DVDs erfolgt zügig. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Kapiteln ist noch schneller und geht ohne auffällige Geräusche vonstatten. Selbst Kapitelwechsel, die quer über die gesamte DVD erfolgen, werden innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde erledigt. Neben DVDs können prinzipiell auch CD-Rs abgespielt werden, allerdings zeigt sich die XBox hier sehr pingelig: Mit vielen CD-Rs kommt sie nicht zurecht. Selbst bei CD-Rs des gleichen Typs kann es passieren, dass sie mal abgespielt werden und mal nicht. Beim Check mit einigen Typen kam die XBox z.B. mit den ALDI-Rohlingen TEVION CD-R80 zurecht, wobei auch hier die Erfolgsquote insgesamt recht niedrig war. VCD, SVCD oder MP3-CD werden nicht unterstützt. Dafür gibt es bei Musik-CDs als undokumentiertes Feature einen visuellen Analyzer wie man ihn auch z.B. von den Winamp-Plugins kennt. Um diesen nutzen zu können, muss man im Musik-Auswahl-Menü entweder auf der Fernbedienung INFO drücken oder auf dem Gamepad kurz hintereinander Y,X drücken.

Technisch ist die amerikanische XBox in der Lage, Bilder auch in Progressive Scan wiederzugeben. Diese Möglichkeit steht bei DVDs allerdings nicht zur Verfügung, sondern nur bei Spielen - sofern diese das unterstützen auch in höheren Auflösungen als 480p. Die XBox verfügt über das übliche Regionalcodemanagement und ist bei der US-Box entsprechend auf Regionalcode 1 fest eingestellt. Code 2-DVDs verweigert sie die Wiedergabe, doch selbst die US-Version der XBox gibt zumindest regionalcodefreie PAL-DVDs wieder, was bei DVD-Playern in den USA nur selten möglich ist. Allerdings konvertiert die amerikanische XBox PAL-DVDs in NTSC, eine Funktion, die wahrscheinlich eher ein Nebenprodukt ist, denn die Wiedergabe ist sehr ruckelig, da die XBox nur mit einem sehr einfachen Mechanismus die Anpassung der unterschiedlichen Bildwechselfrequenzen von PAL und NTSC vornimmt. Die Downkonvertierung von 576 auf 480 Zeilen sieht hingegen recht gut aus und fällt nicht durch unregelmäßige Konturen oder Treppenmuster auf.

 

DVD-Player-Features

Ebenso wie der DVD-Player der Playstation 2 erreicht der XBox DVD-Player nicht ganz den Bedienungskomfort, den man von einem normalen DVD-Player gewohnt ist. Die Fernbedienung ist auf die wichtigsten Basics reduziert. So ist es z.B. nicht möglich, Sprache oder Untertitel direkt über eigene Tasten mit diesen Funktionen umzuschalten. Dies geht nur über das sehr elegante und auch bei der amerikanischen Konsole in deutscher Sprache verfügbaren On Screen-Menü, welches sich im unteren Bereich des Bildes einblenden lässt. Elementare Features wie Dolby Digital und DTS-Tonausgabe werden von der XBox natürlich unterstützt. Die Tonausgabe erfolgt via Lichtleiterkabel, dass an das separat erhältliche AV-Pack angeschlossen wird. Die Fernbedienung ist zwar alles andere als eine Augenweide, liegt aber gut in der Hand und verteilt die Tasten übersichtlich um das zentrale Navigationskreuz im oberen Bereich der Fernbedienung. Für die direkte Kapitelanwahl steht auch eine Zehner-Tastatur zur Verfügung. Die Bedienung ist recht simpel, negativ fiel lediglich auf, dass man aus einem DVD-Menü heraus nicht einfach durch Druck auf die Menü-Taste zurück in den laufenden Spielbetrieb zurückkehren kann, was bei DVDs, die nur über das Menü die Änderung von Sprache und Untertiteln erlauben, nützlich wäre und eigentlich bei den meisten DVD-Playern auch üblich ist. Nicht selbstverständlich ist hingegen die eingebaute Zoom-Funktion, die in mehreren Stufen bis zu einer zehnfachen Vergrößerung möglich ist und in diesem Modus bereits die Blockstruktur des MPEG 2-Encodings sehr deutlich erkennen lässt. Ebenfalls vorhanden ist eine Zeitanzeige, die im oberen Bildschirm erscheint. Die "spacigen" Schriftfonts sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber dennoch gut abzulesen.

 

Bildqualität

In der Qualität der DVD-Wiedergabe braucht sich die Xbox vor normalen DVD-Playern nicht zu verstecken. Durch die PC-Architektur der Konsole sollte man sich nicht in die Irre leiten lassen. Denn die Probleme, die öfters bei Software-Playern auftreten können, kennt die XBox nicht. Die Rechenpower erlaubt eine störungsfreie Wiedergabe selbst bei schnellen Bewegungsabläufen. Die Bilder sind sehr plastisch und kantenscharf und verfügen über eine neutrale Farbwiedergabe. Die Detailwiedergabe von DVDs wie "The Fifth Element" oder "Contact" ist ordentlich. Hochwertige DVD-Player bieten hier allerdings noch ein wenig mehr Feindarstellung. Bei keiner DVD gab es indes konkreten Anlass zur Klage, nur ab und zu bekommt man bei ganz genauem Hinsehen den Eindruck, als ob das Bild ein wenig unruhig wäre. Das DVD-Kit kann man sich also bedenkenlos zulegen, allerdings spielt ebenso wie bereits bei der Playstation 2 die Lautstärke der Konsole eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die XBox ist mit gleich zwei Lüftern ausgestattet, zu deren Geräusch sich das sonore Summen der Festplatte gesellt. Insgesamt ist die XBox etwas lauter als bereits die PS2, das Geräusch ist aber auch gleichzeitig niederfrequenter und geht daher in der Geräuschkulisse von Filmen eher unter. Zumindest während reiner Dialogsequenzen von Filmen lässt sich die XBox aber nicht überhören.

 
Bewertung 

 

Fazit

Nur wegen der DVD-Wiedergabe wird sich sicherlich kaum jemand die XBox kaufen. Gerade die "Early Adopter" dürften ohnehin bereits einen DVD-Player haben. Aufgrund der späteren Markteinführung der XBox und inzwischen billigen Preise für Standalone DVD-Player spielt die DVD-Wiedergabe auch nicht mehr eine ganz so wichtige Rolle wie noch bei der Markteinführung der PS2. In dieser Hinsicht ist die Entscheidung von Microsoft, den Erwerb der zur DVD-Wiedergabe erforderlichen Fernbedienung und Infraroteinheit, die quasi als Lizenzschlüssel für die DVD-Software fungiert, von der reinen Spielekonsole unabhängig zu machen, gar nicht so abwegig. Aufgrund des hierzulande höheren Preises der XBox gegenüber der Playstation 2 will diese Argumentation natürlich trotzdem nicht unbedingt einleuchten. Spielefreaks, denen Spielfilme weniger wichtig sind und die nicht extra einen DVD-Player kaufen möchten, kommen so aber zumindest auf einfachem Wege an einen DVD-Player mit guter Bildqualität, der zwar nicht ganz den Komfort eines normalen DVD-Players bietet, dafür aber sogar schnelle Zugriffszeiten ermöglicht und einen sauberen Layer-Wechsel durchführt, der so nahtlos selbst bei teuren DVD-Playern immer noch nicht selbstverständlich ist.

 

Gesamtnote:
Pro:
  • Gute Bildqualität

  • Schnelle Zugriffszeiten

  • Sauberer Layer-Wechsel

Contra:
  • Hoher Gesamtpreis für Konsole und Zubehör

  • Lauter Lüfter

  • Probleme mit CD-Rs

  • Progressive Scan nur für Spiele

Weitere Infos sowie Bezugsmöglichkeiten für XBox Hard- und Software finden Sie bei www.digital-x.de

Verantwortlich für den Test: Karsten Serck

07.12.2001