Test: DVD-Player Onyko DV-S939

Finish und Features

Auf der einen Seite werden DVD-Player immer preisgünstiger, gute Markengeräte gibt es schon zwischen 600 und 700 DM. Am anderen Ende des Spektrums aber machte sich Onkyo daran, eine neue Referenz für den finanzkräftigen Musik- und Filmfreund zu erbauen - nun ist der DV-S939, Preis 5999 DM, DVD Audio/Video-Player mit THX Ultra-Zertifikat, bei uns im Hardware-Test, um seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Technisch verwandt ist der DV-S939 mit dem sehr gut getestenen Toshiba SD-900E - die schon beim Toshiba tadellosen verwendeten Komponenten wurden aber einer sehr aufwendigen Überarbeitung unterzogen, den Audio-Teil gestaltete Onkyo nach eigenen Kriterien .Das wahlweise in den Gehäusefarben silber oder schwarz lieferbare Gerät überzeugt bereits direkt nach dem Auspacken durch die extrem hochwertige Verarbeitung: Der DV-S939 sieht so aus, als würde er den Großteil der anderen Gerätschaften, die man sonst noch zu Hause im Einsatz hat, bezüglich der Haltbarkeitsdauer locker überleben. Die Frontplatte mit den massiv ausgeführten Bedienelementen überzeugt restlos, das Design ist elegant und zeitlos. An jedem Detail erkennt man, dass hier aus dem Vollen geschöpft werden konnte, ohne Rücksicht auf das Budget. Auch das Innenleben bestätigt dies: Hier ist alles vom Feinsten, mit getrennten Trafos für die digitalen und die analogen Sektionen des Players. Von hoher Qualität sind die Anschlusspaneele für die Audio- und Videoanschlüsse, das Chassis ist aufwendig und dick - Vibrationsarmut garantiert. 

Hochwertig bis ins Detail: Die Cinch Audio/Video-Anschlusspalette auf der Geräterückseite von innen aus betrachtet

Passend zum Referenzanspruch: Die fast lautlos herausgleitende DVD-Lade dokumentiert ebenfalls Hochwertigkeit. Sauber verarbeitet präsentiert sich die Fernbedienung, die aus sehr hochwertigem Plastik besteht und sogar lernfähig ist. Leider fehlt eine Beleuchtung. Die Ausstattung mit Anschlüssen ist so umfangreich, dass es dazu auf Seite 2 des Tests eine eigene Rubrik gibt. Ansonsten ist alles, was möglich ist, mit dabei: Ein Videoequzalizer mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten, ein Abschalter für die Videosektion im DVD Audio-Betrieb und eine RS-232-Schnittstelle.

Das Laufwerk erfreute mit einem leisen Laufgeräusch und mit ordentlicher Schnelligkeit. Unsere Test-SVCD nahm es ebenfalls sofort an. Bei unserer neuen Fehlerkorrektur-Test-DVD allerdings kam der Onkyo nur bis bis Track 19, was keine überragende Leistung darstellt. Schon ab Track 15 begann der Player, sehr deutlich sichtbare Artefakte zu bilden. Da schon Player in der Preisregion um 700 DM in der Disziplin Fehlerkorrektur herausragende Laufwerke besitzen (beispielsweise der Panasonic DVD-RV31 oder der JVC XV-S40), ist dies wahrhaftig kein ruhmreiches Abschneiden für einen 6000 DM teuren Player. Daher sollte man seine DVDs mit großer Vorsicht behandeln, um Kratzer zu vermeiden, und dem edlen Stück das Abspielen von Videotheken-Material tunlichst ersparen - was die Besitzer des Players aber auch sicherlich beides tun werden.

Fehlerkorrektur/ Laufwerk

Sonst kann der DV-S939 mit Spitzen-Verarbeitung und einem großen Ausstattungspaket punkten.

Finish/Features


Bedienung

Die Bedienung des DV-S939 gestaltet sich im wesentlichen sorgenfrei. So gefällt die Fernbedienung mit einem leicht steuerbaren Cursor/Enter-System, hier ist die Umsetzung der Steuerbefehle leichter als beim Toshiba SD-900E, der zwar die gleichen On Screen-Menüs besitzt, aber eine andere Fernbedienung. Die des Onkyo gefällt wesentlich besser, lässt aber eine Beleuchtung vermissen, wie schon oben beschrieben. Diese wäre aber aufgrund der zahlreichen Tasten in der Dunkelheit durchaus nützlich. Dafür gab man sich bei Onkyo Mühe, den Tasten eine unterschiedliche Form zu geben, was die Bedienung erleichtert. Die Beleuchtung vorhanden ist dafür bei den wichtigsten Bedienelementen an der Gerätevorderseite, die zudem mit einer sehr guten Haptik aufwarten können.

Mit leicht bedienbarem Navigationskreuz: Hochwertiger IR-Controller des Onkyo DV-S939

Das Display des Onkyo, bernsteinfarben bei silbernem Gehäuse, grün bei schwarzer Gehäusefarbe, brilliert: In feiner DOT-Matrix-Darstellung und in der richtigen Größe wird es dem High End-Status des Gerätes voll gerecht.

Bewertung

Die Anschlüsse

Hier ist der Onkyo DV-S939 besonders gut gerüstet, denn bis auf die Tatsache, dass es nur eine (selbstredend RGB-taugliche) Scartbuchse gibt, ist alles im Überfluss vorhanden:

Hier findet alles Anschluss: Links die RS-232-Schnittstelle, darüber der THX- typische DB24-Sechskanalausgang - zu verwenden, wenn man beispielsweise den Onkyo TX-DS989 als Receiver nutzt oder THX-Endstufen direkt an den DV-S939 anschließt. Oben der "normale" Sechskanal-Ausgang, daneben 2 x Cinch- Zweikanal- Downmix. Unten finden sich links in doppelter Ausfertigung Komponenten-Ausgänge, daneben, ebenfalls je 2 x, FBAS-Cinch und S-Video- Hosiden.

Auch an digitalen Ausgängen wird einiges geboten: Zwei optische und zwei koaxiale Anschlussmöglichkeiten stehen hier zur Verfügung. Darunter die Scartbuchse.

Bild

Das Bild des Onkyo ist schlichtweg überragend - kein Wunder bei der Basis: Schon der Toshiba SD-900E konnte in dieser Disziplin vollauf überzeugen. Auch wenn das Gerät die Bildsignale nicht via Progressive Scan-Bildausgabe, die über den Komponentenausgang bei NTSC-DVDs möglich ist, ausgibt, begeistert das Ergebnis bereits. 

Verantwortlich dafür zeichnet sich als Herzstück der aufwendigen Videoelektronik der 10-Bit/54 MHz-Video-Encoder und beim edlen DV-S939 die streng selektierten Baugruppen. Die Folgen sind bei jeder Software sichtbar, und das ist wirklich beeindruckend: Der 6000 DM-Player verfährt nämlich nicht nach der Devise, bei erstklassigen DVDs ein ebensolches Bild zu bieten und bei weniger guter Software die Fehler deutlich zu zeigen, sondern es hat den Tester wirklich überrascht, was der Onkyo auch bei durchschnittlichen DVD-Titeln zu leisten vermag. Beispiel Top Gun: Kleine Unruhen in den Kanten der dargestellten Objekte bügelt der DV-S939 problemlos aus, sehr natürlich die Farbwiedergabe, mit minimal mehr Kontrast zeigt der Player wirklich alles, was sich irgendwo in den "Grauzonen" des Bildes verbirgt. Auch im "Progressive Scan"-Modus ist das Ergebnis bei "Top Gun" überzeugend: Die Jet-Szenen hoch oben in den Lüften kommen ruckelfrei und mit sehr flüssiger Bewegungsdarstellung auf unseren Projektor. Dabei verwischt der DV-S939 keinen der abgestuften blauen Himmelsfarbtöne, sondern schafft ein sauberes Bild und holt tatsächlich alles aus der DVD heraus. Bei "The World Is Not Enough" (via YUV-Progressive Scan) begeistert der DV-S939 zu Beginn bei der Boot-Verfolgungszenen auf der Themse mit rund ablaufenden Bewegungen, der Player neigt nirgendwo zum Pixeln.Dazu gestellt sich eine sehr gute Bildschärfe und der große und fein abgestufte Kontrastumfang. Punkten kann der Onkyo auch mit seiner sehr plastischen Farbwiedergabe, die die vom Ausgangsmaterial beabsichtigte Wirkung auch perfekt wiedergibt. Brillant auch die Leistungen des DV-S939 bei "Galaxy Quest" (gesehen in Progressive Scan): Hier ist es wieder der Kontrastumfang, der neben der großartigen Detailtreue hervorsticht.

Bei den 16:9-Testbildern der Burosch-Referenz-DVD (Interlaced auf Studiomonitor) bot der Player eine Spitzenvorstellung, die minimal sogar den Toshiba SD900E trotz gleicher Ausgangsbasis toppt: Hier zieht der Onkyo an allen anderen bislang getesteten Playern vorbei und beweist in punkto Bildschärfe und Detailtreue seine Extraklasse. Die Farbwiedergabe ist mit einem Wort zu umschreiben: Perfekt. Bei den Testbildern, in denen reine Blau- ,Grün- oder Rottöne im Mittelpunkt stehen, ist die Wiedergabe absolut fehlerlos. Das Rot erscheint satt und ohne störende Beimengungen anderer Farben, kein Farbrauschen trübt das Vergnügen. Ebenso arbeitet der Player Farbverläufe, wie beispielsweise beim Real-Testbild mit dem Heißtlufballon, sauber heraus. Seine über jeden Zweifel erhabene Bildschärfe und seine Detailtreue kann man auch gut beim Testbild mit den Skyscrapern betrachten. Gleiches gilt für das Früchte-Stillleben, das mit einer schon fast dreidimensionalen Wiedergabe die Obstsorten zum Greifen nahe bringt. Die Poren der Haut beim Testbild mit dem hübschen schwarzen Mädchen sind ebenso genau sichtbar wie die Textilstruktur ihres in kräftigen Rot gehaltenen Wollpullovers.

Wer das Bild noch seinen individuellen Wünschen anpassen möchte, kann zum gut bestückten Video-Equalizer greifen. Für Interlaced- und Progressive-Modus stehen jeweils drei Speicherplätze zur Verfügung (so kann man die Bildeinstellungen für herkömmlich gedrehte Spielfilme und für digital produzierte Animationsfilme wie zum Beispiel "Toy Story" getrennt abspeichern):

Die Bildeinstellmöglichkeiten (wie bei Toshiba SD-900E) im Vollbild-Modus  im Überblick:

Kontrast: Abhängig von der Software, bringt leichtes Aufdrehen des Kontrastes verbesserte Ergebnisse. (Erste Stufe nach der Mitteleinstellung sogt für eine noch feinere Darstellung diffiziler Übergänge)
Helligkeit
Farbe
Farbton
Schärfe: Der Einsatz des Schärfereglers ist in einigen Fällen ratsam, führt in anderen Fällen aber auch zu einem wenig überzeugenden Resultat. Auf jeden Fall kann man nicht globalisieren, wann ein Einsatz sinnvoll ist und wann nicht. Generell zu sagen, bei qualitativ weniger überzeugender Software die vielleicht nicht zufrieden stellende Software durch Hochziehen der Bildschärfe zu optimieren, kann zu Resultaten führen, die das Bild noch schlechter aussehen lassen als zuvor. Leichte Doppelkonturen kommen noch hinzu, zudem wirken die Objektränder merkwürdig digitalisiert. Vorsichtiger Einsatz des Schärfereglers (ein oder zwei Stellungen über der Werkseinstellung maximal) kann aber bei mancher visuell aufgrund von einem nicht allzu scharfen Bild nicht überzeugender Software auch zu einem sichtbar besseren Bild führen. Ähnlich verhält es sich bei sehr guter Software: Bei einer schon sehr guten DVD ist durch Nachschärfen u.U. ein noch besseres Resultat zu erzielen. Dies ist besonders bei sehr guten DVDs mit minimalem Hang zum Weichzeichnen der Fall. Bei sehr guten DVDs mit sowieso schon gestochen scharfem Bild sollte man in der Regel besser den Schärferegler nicht verwenden, da sonst ein unnatürlich digitalisiert wirkendes Bild erzeugt wird.
Schwarzwert (Nur NTSC-Wiedergabe)
Gamma-Korrektur: Besonders wichtig für Besitzer von LCD-Projektoren. Dieser Projektortyp hat Schwierigkeiten mit dem Erzeugen eines richtig schwarzen Bildes. Generell einzusetzen ist die Gamma-Korrektur bei zu weißlichem oder zu dunklem Bild
Y/C-Zeitkorrektur: Korrigiert horizontale Farbverschiebungen, die durch unterschiedliche Laufzeiten des Y- oder des C-Signals entstehen
Kantenverbesserung ein/aus: Der Kantenverbesserer ist durchaus eine in manchen Fällen nützliche Funktion, auch hier beim Test des Onkyo ergab sich beim Burosch-Referenz-DVD 16:9-Testbild mit dem gelben Fisch mit schwer darstellbarem Muster bringt der eingeschaltete Kantenverbesserer zum Beispiel ein noch exakteres Bild.

Die Bildeinstellmöglichkeiten im Progressive-Scan-Modus im Überblick:

Kontrast
Helligkeit
Farbe
Farbton
Kantenverbesserung

Insgesamt eine Vorstellung, die dem Onyko DV-S939 die Spitzenposition unter allen bislang bei AREA DVD getesteten DVD-Playern einbringt -daran kann auch der nicht preisklassengemäße Layerwechsel nichts ändern. Ein Stehen bleiben des Bildes und ein Tonaussetzer sollte sich ein 6000 DM-Gerät trotzdem zukünftig nicht mehr erlauben.

Bewertung


Ton

DVD Audio: Anschluss 

DVD-Audio oder die Renaissance der Cinch-Kabel: Hochwertige Cinch-Kabel sind - zumindest vorerst - wieder gefragt. 192 kHz/24 Bit-Aufnahmen oder Musikstücke, die in 96 kHz/24 Bit-Fünfkanaltechnik aufgenommen werden, können beim Anschluss des Players via optischem oder koaxialem Digitalkabel nicht entsprechend wiedergegeben werden, denn: Das Maximale, was über ein optisches oder koaxiales Digitalkabel übertragen werden kann (mehr ist erst via IEEE1394 drin), ist 96 kHz/24 Bit-Zweikanal. Und auch das setzt voraus, dass der Verstärker oder Receiver dann echte 96 kHz/24 Bit-Digital/Analogwandler besitzt. Wer also höchste Klangqualität bei DVD Audio genießen möchte, schließt seinen DVD Audio-Player mit denen schon vom Anschluss eines DVD-Player-internen Decoders her bekannten sechs einzelnen Cinch-Kabeln an einen Verstärker/Receiver mit 5.1-Eingang an. Und dieser Eingang am Verstärker/Receiver sollte 100 kHz-tauglich sein, um auf die 192 kHz Abtastfrequenz bei DVD Audio-Aufnahmen vorbereitet zu sein. 

Wie sind die 100 kHz-Tauglichkeit und die 192 kHz Abtastfrequenz in Einklang zu bringen? Des Rätsels Lösung liegt im Zusammenhang zwischen Abtast- und Nutzsignal: Nach dem Abtasttheorem des Mathematikers Shannon kann man mit einer bestimmten Abtastfrequenz höchstens ein Nutzsignal codieren, das keine höheren Anteile als die Hälfte der Abtastfrequenz in sich trägt - sonst treten schwerwiegende Fehler auf: Im Falle einer 192kHz-Aufzeichnung heißt das, dass fehlerlos Tonfrequenzen mit maximal 192 : 2, also mit 96 kHz, wiedergegeben werden können, die dann via Cinch in den Analogeingang des Receivers hineinströmen. Somit sind Verstärker/Receiver mit 100 kHz-tauglichen Eingang für alle DVD Audio-Formate geeignet.

DVD Audio: Im Test verwendete Software

Technics DVD Audio-Edition 1: Jazz Festival Hamburg 1999 (Hybrid-DVD: DVD Audio und DVD Video-Teil. Für DVD Audio standen folgende Formate zur Verfügung: 48 kHz 24 bit 5-Kanal sowie die höchste Qualitätsstufe: 3 Tracks in 192 kHz/24 bit Stereo)
Technics DVD Audio-Edition 2: Technics Jazzport 2000 (Hydrid-DVD: DVD Audio und DVD Video-Teil. Für DVD Audio standen folgende Formate zur Verfügung: 48 kHz 24 bit 5-Kanal, 96 kHz 24 bit Stereo, 96 kHz 24 bit Fünfkanal, 192 kHz/24 bit Stereo
Teldec DVD Audio: Ludwig van Beethoven. Symphonien 4 & 5, Format 96 kHz 24-bit 6-Kanal
Teldec DVD Audio: Ludwig van Beethoven. Symphonie Nr. 3, Format 96 kHz 24-bit 6-Kanal
Panasonic/Technics: DVD Audio-Einführung mit Musikbeispielen
Panasonic/Technics: DVD Audio-Sampler mit klassischen Musikstücken sowie Jazz&Pop-Beispielen

Der Onyko DV-S939: DVD Audio-Klang

Hier schlägt die Stunde des DV-S939 bei 192 kHz/24 Bit-Stereo-Klängen : Mit unglaublicher Dynamik bringt der Player Incognitos "Deep Waters" von der Technics  Jazzfestival Hamburg 1999- DVD zum Zuhörer, arbeitet die Gesangsstimme so heraus, dass die virtuelle Bühne vor dem geistigen Auge des Hörers in allen Details sichtbar wird. Die Stimm- und Instrumentalwiedergabe ist ungemein detailliert und spritzig, die Spielfreude der Musiker wird ungefiltert in den Hörraum getragen. Fein nuanciert mit einer sehr prägnanten Wiedergabe des voluminösen Basses zu Beginn gibt der DV-S939 das Stück "North Africa" von Vertu wieder. Man spürt förmlich, wie der Musiker sein Instrument bearbeitet, sieht die Bewegungen genau vor sich. Eine Herausforderung an jedes Wiedergabegerät ist die charakteristische Stimme von Sandy Dillon  - das Stück "I Am Just Blue" auf der Technics Jazzport 2000-DVD Audio ist bestens zu Testzwecken geeignet. Mit einer plastischen Herausarbeitung der Stimme - trotzdem stimmen die Instrumentalanteile und gehen nicht unter - beweist der DV-S939 erneut seine Klasse und begeistert wiederum mit einem ungemein klaren und transparenten Hochtonbereich. 

Ein lebendiger und fein gezeichneter Pianoklang mit erstklassig herausgearbeiteter Anschlagdynamik war bei Ludwig van Beethovens Pianokonzert Nr. 4 von der Panasonic/Technics DVD Audio-Einführungs-DVD mit Musikbeispielen zu vernehmen. Doch auch der schwungvolle Orchestereinsatz kam mit ungeheuerer Kraft, aber immer gepaart mit Präzision und Leichtigkeit zum Zuhörer. Dieser Eindruck fand seine Fortsetzung bei Claude A. Debussys "Clair de Lune" vom Panasonic/Technics Demo Sampler, wo der große Dynamik- und Detaildarstellungsvorsprung, den die DVD Audio gerade im bestmöglichen Aufzeichnungsformat gegenüber der normalen Audio-CD hat, optimal zur Geltung gebracht werden konnte. Für den Musikliebhaber bietet der Onkyo selbstverständlich die Möglichkeit, zur Vermeidung etwaiger störender Einflüsse die Videosektion komplett abzuschalten, was wir bei der DVD Audio-Wiedergabe auch taten. 

Tragen ihren Teil zu den extrem guten Leistungen des DV-S939 bei: Die beiden sehr hochwertigen Transformatoren, getrennt für die digitale und die analoge Sektion des DVD-Spielers

Bei den DVD Audio Mehrkanalaufnahmen (A. Dvorak, Symphony Nr. 9, "From The New World", 96 kHz 24 Bit-Fünfkanal) setzte der Onyko DV-S939 seine einwandfreie Vorstellung fort und beeindruckte mit einer extrem präzisen Darstellung des ersten großen Dynamiksprungs gleich zu Beginn der Symphonie. Mit perfekter Miteinbeziehung der weiteren Lautsprecher schuf der DV-S939 dem Zuhörer einen großartigen virtuellen Konzertsaal und konnte die Faszination der "Neuen Welt" - diese Symphonie Dvoraks ist nicht umsonst die berühmteste von allen - im vollen Spektrum übertragen: Das Geheimnisvolle, das Gewaltige und das Melancholisch-Liebliche: Alle Elemente des vielschichtigen Werks wurden mit großer Ausdruckskraft wiedergegeben. Im gleichen Format (96 kHz 24 Bit 5-Kanal) musste sich der DV-S939 mit einem sehr diffizil darstellbaren Instrument abgeben: Der Orgel. In diesem Falle ist das Stück von Johann Sebastian Bach: Die Toccata und Fuge in D-Moll, Bachwerkeverzeichnis Nr. 565, sowieso schon schwer zu spielen und noch schwerer angemessen wiederzugeben, da der äußerst große klangliche Umfang der Orgel, von den kristallklaren Höhen bis hin zum abgrundtiefen Bass, hier vom fähigen Organisten und letztlich dem Wiedergabegerät optimal zur Geltung gebracht werden soll. Während der hervorragende Organist aus dem "soll" ein "ist" macht, bleibt es beim Wiedergabegerät oftmals beim "soll", denn das tatsächliche Ergebnis ist in verschiedenen Fällen eher jämmerlich. Doch der Onkyo beweist auch hier, mit welcher Mühelosigkeit er mit allen Registern einer Orgel zurechtkommt: Jeder noch so feine Zwischenton wird nicht nur ohne das berüchtigte "Verwischen" wiedergebeben, sondern zugleich auch noch mit besonderer Detaillierung fein abgebildet - und das Ganze mit einem sehr weiträumigen Klangeindruck, gepaart mit hoher Gesamtpräzision.

Kein Stereo-Liebhaber hätte sich noch vor kurzem erträumen lassen, dass die aufgrund ihrer bislang nicht absolut überzeugenden Präzision und Klangbrillanz von ihm verpönte Surround-Wiedergabe mittels DVD Audio und solcher Wiedergabegeräte wie dem DV-S939 ein derart hohes Maß an musikalischer Exaktheit und Klangtreue mitbringen kann. Dass dem so ist, beweist sich auch bei Beethovens 3. Symphonie aufs Neue, die, vom Onyko DV-S939 wiedergegeben, mit hoher Gesamtharmonie sowie einem spritzigen, leichtfüßigen Antritt gefällt.

 

Der Onyko DV-S939: Dolby Digital/DTS-Decoder und Digitalklang

Wie alle DVD Audio-Player bringt der Onkyo auch einen internen Decoder mit. Obwohl Musik- und Filmliebhaber, die sich einen DVD-Player in der Preiskategorie des Onkyo DV-S939 leisten, sicherlich den eingebauten Decoder zum Filmgenuss nicht benötigen, erscheint es doch unverständlich, wieso Onkyo, gerade bei der hochwertigen Technik, die das Gerät sonst auszeichnet, auf die DTS-Decodierung verzichtet hat und lediglich einen DD-Decoder verbaut. Dies wird vom Tester als, zugegebenermaßen kleiner, Minuspunkt angesehen. 

Der DD-Decoder zeigte sehr gute Leistungen und bot bei Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" (H. von Karajan/Berliner Philharmoniker, DD 5.1 Sony Classical-DVD) ein tadelloses Hörerlebnis mit sehr harmonischer und doch detaillierter und transparenter Wiedergabe. Dieser Eindruck bestätigte sich bei der Ouvertüre zu Guiseppe Verdis Oper "Nabucco" (auf der DVD "Berliner Philharmoniker, Waldbühne in Berlin 1996: Italian Nights unter Claudio Abbado), die fein abgestuft erklang und mit klarer, aber nie spitzer Charakteristik der Streicher gefiel.

Im Filmbetrieb überzeugte der Decoder ebenfalls mit seinen prima Leistungen - umso betrüblicher, dass der DV-S939 keinen DTS-Decoder mitbringt. Bei "Independance Day" war das Ansprechverhalten tadellos, die Effektortbarkeit ebenfalls sehr gut - und mit der großen Bassgewalt des Alien-Spektakels kam der Onyko ebenfalls gut zurecht, wenn auch hier in der Wiedergabequalität noch eine Lücke zu einem, zugegebenermaßen sehr guten, AV-Verstärker oder -Receiver offenbar wird. 

Der Digitalton ist genauso Spitzenklasse: Mit vollkommen transparentem Klang, der unglaublich natürlich und luftig wirkt, setzt der DV-S939 hier Glanzpunkte (Anschluss via BUROSCH-Koaxialkabel).  Besonders bei klassischer Musik fällt auf, wie befreit und originalgetreu der Onkyo DV-S939 aufspielt. Hier machen sich die aufwendigen Baugruppen und die hochwertigen verwendeten Teile bemerkbar und sichern dem Player einen seinem Preis angemessenen Spitzenstatus. 

Bewertung



Fazit

Der Onkyo DV-S939 ist sündhaft teuer - aber das viele Geld, was der Besitzer für ihn ausgegeben hat, auch durch seine akustischen und visuellen Premiumeigenschaften wert. Das Bild ist erstklassig und schafft sogar den schwierigen Spagat zwischen perfekter Wiedergabe bei tadelloser Software und angemessener Wiedergabe bei nur durchschnittlichen DVDs problemlos: Der DV-S939 bietet immer ein Optimum an Bildqualität, und zwar in allen Einzeldisziplinen. Besonders die Plastizität und die Detailtreue des Bildes sind zu loben. Was die tonalen Eigenschaften angeht, spielt der DV-S939 in einer neuen Liga: Es ist schlichtweg begeisternd, was er zu leisten vermag, und diese Feststellung ist unabhängig vom eingelegten Medium: Die DVD Audio-Wiedergabe wird dem High-End-Anspruch des Gerätes voll gerecht, aber auch der interne DD-Decoder überzeugt voll und ganz. Auch normale Audio-CDs klingen, vom hochwertigen internen D/A-Wandler gewandelt, superb. Schließt man den DV-S939 digital an einen hochwertigen AV-Verstärker oder -Receiver an, so zeigt sich, dass auch der Digitalklang top ist. Das Gleiche gilt für die Verarbeitung, die innen und außen das Machbare demonstriert. Die Bedienung ist insgesamt recht problemlos. Die Nachteile des Onkyo: In erster Linie die bescheidene Fehlerkorrektur des ansonsten überzeugenden Laufwerks. Ebenfalls zu nennen wäre der nicht integrierte DTS-Decoder und die unbeleuchtete Fernbedienung - das aber ändert nichts an der Tatsache, dass der DV-S939, mal abgesehen von preislich in anderen Regionen spielenden modularen DVD-Playern wie dem Proceed PMDT (18000 DM) vom Bild und vom Ton her der beste DVD-Player ist, den man derzeit kaufen kann. 

Visuell und akustisch der beste DVD-Player, den AREA DVD bislang getestet hat 


Highend-Klasse

Pro & Contra

Akustische Eigenschaften der Extraklasse
Referenzbild
Meisterliche Verarbeitung
Große Anschlussvielfalt
Kein DTS-Decoder
Fehlerkorrektur des Laufwerks nur befriedigend

Technische Daten

DVD-Audio/Video-Player mit 24-Bit/192 kHz D/A-Konvertern
Eingebauter Dolby Digital-Decoder
10-Bit/54 MHz Video D/A-Konverter, Progressive Scan-fähig (nur NTSC)
Anschlüsse Audio: 1 x Cinch-Sechskanal-Cinch-Out, 1x DB24-Sechskanal-Out, 2 x Zweikanal-Cinch-Out, 2 optische, 2 koaxiale Digitalausgänge
Anschlüsse Video: 2 x Komponentenausgang, 1 x SCART (RGB-beschaltet), 2 x S-Video Hosiden, 2 x FBAS Video Cinch
Videoequalizer mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten und jeweils drei Speicherplätzen für Halb- und Vollbildwiedergabe
RS-232-Schnittstelle auf der Geräterückseite
HDCD-Decoder
Gibt CD-Rs und  CD-RWs wieder
Farben: schwarz, silber
Maße (B x H x T in mm): 435 x 122 x 334
Gewicht: 11 kg
Preis: 5999 DM

16. Mai 2001

Test: Carsten Rampacher

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD