Test: DVD-Audio-Player Kenwood DVF-R9030

Finish, Features und Anschlüsse

Der Kenwood DVF-R9030 ist zur Zeit (fast) einzigartig auf dem deutschen Markt: So ist er der einzige 5er DVD-Wechsler, der auch DVD Audio-Software abspielt. Nur sein "kleiner Bruder" DVF-R7030 kann es auch. Doch dies sind nicht die einzigen Besonderheiten des 2499 DM teuren Geräts: So ist der Player mit überdurchschnittlich vielen Anschlüssen ausgestattet: Zweimal Scart mit RGB, zweimal S-Video Hosiden, dazu kommt noch ein Komponentenausgang - da ist für jeden der richtige Ausgang mit dabei. Nur Progressive Scan gibt der Kenwood nicht aus - was bei der momentanen Situation (kein PAL Progressive Scan) aber verzeihlich ist. Die sonstige Ausstattung gefällt mit einem Video-Equalizer und einem umfangreichen Setup für den integrierten DD/DTS-Decoder. 

Ebenfalls überdurchschnittlich auch die Verarbeitung des Geräts: Eine massive Aluminium-Frontplatte sowie dicke Seitenwangen in Klavierlack-Finish ergänzen sich zusammen mit dem progressiven Design perfekt und ergeben ein schon fast extravagant zu nennendes Äußeres. Dazu passt die futuristisch gestylte Fernbedienung, deren Qualität ebenfalls keinen Grund zur Klage liefert. Dass die Verarbeitung auch der mechanischen Bauteile einwandfrei ist, beweist der während des gesamten Testbetriebs völlig problemlos laufende Karussell-Wechsel- Mechanismus. Vorteil dieser Technik ist, dass man neue DVDs oder CDs einlegen kann, während eine Scheibe weiter läuft. Leise kommt die sehr gut gelagerte Karussell-Lade herausgefahren und beweist damit vielen Kritikern, die einen Single-Player einem Wechsler wegen der oftmals klapprigen Mechanik vorziehen, dass man mit einem hohen Aufwand auch bei einem Wechsler zu einwandfreien Resultaten kommt.

Alles funktionierte so reibungslos, dass man nur die Vorteile bemerkte: Seine Lieblings-DVDs oder CDs für den gesamten Musik- oder Filmabend schon im Voraus im Gerät zu installieren zum Beispiel. Ein Schönheitsfehler ist es allerdings, dass der Kenwood (da auf Panasonic-Technologie basierend - Besserung bringt erst die gerade in den USA vorgestellte neue Player-Generation) keine CD-Rs liest, was in dieser Preisklasse zu den Selbstverständlichkeiten gehören sollte. Trotzdem - auch wegen des tadellosen Preis-/Leistungsverhältnisses ein hervorragendes Ergebnis in dieser Disziplin.

Bewertung


Bedienung

Die Bedienung des Kenwood-Wechslers gestaltet sich unproblematisch. Die zunächst etwas merkwürdig aussehende Fernbedienung liegt tadellos in der Hand und ist perfekt auch einhändig zu bedienen. Durch die grafisch attraktiv gestalteten Menüs (Pansonic-Basis - sehr gut gelungen) navigiert man problemlos, trotz der umfangreichen Einstellmöglichkeiten nebst erstklassigem Decoder-Setup ist das Gerät schnell komplett betriebsfertig justiert. Die Fernbedienung hat nicht zu viele Tasten, über einen an der Seite oben links angebrachten Schalter kann man die jeweils aktivierte Funktionsebene einstellen (farblich gekennzeichnet). Nach kurzer Eingewöhnung geht alles leicht von der Hand.

Die Fernbedienung ist schön kompakt, liegt gut in der Hand  und hat nicht zu viele Bedienelemente

Der Kenwood verfügt zudem über ein DOT-Matrix-Display mit feiner Auflösung, das dem Benutzer alle Informationen über das gerade laufende Medium anzeigt. Wird eine DVD Audio abgespielt, gibt es noch zwei blau leuchtende LEDs, die signalisieren, ob ein 96 kHz- oder ein 192 kHz-Track läuft.

Bewertung

Bild

Das Bild des Kenwood ist über jeden Zweifel erhaben. Schärfe, Kontrastumfang und Detailtreue ergänzen sich zu einem harmonischen Gesamteindruck. Bei den 16:9-Testbildern der Burosch-Referenz-DVD zeigte  der DVD-Wechsler eine Leistung, die ihn eindeutig ins visuelle Spitzenfeld der bei AREA DVD getesteten DVD-Player verweist: Eine sehr natürliche und angenehme Farbwiedergabe und eine fehlerfreie Detailtreue (Beispielbilder "Früchtestillleben", "Seeadler" , "Erdbeeren", "Hochhäuser") untermauerten eine Spitzenvorstellung: Die Farbdekompression ist erstklassig, und das fein gezeichneten Bild, das auch kleine Details scharf und exakt wiedergibt, wirkt sehr plastisch, so dass der Betrachter den Eindruck bekommt, die gezeigten Gegenstände wären zum Greifen nah. Dieser positive Eindruck bestätigt sich auch bei Filmsequenzen aus der "Mumie" (Code 2):  Exzellente Bildschärfe und eine gelungen Wiedergabe der kräftig gesättigten Farben waren die Merkmale. Auch mit aufgrund des schon etwas betagterem Master nicht perfekter Software kommt der Kenwood prima klar: So zeigte er bei "Top Gun" (Code 2) ein gefälliges Bild. Insgesamt muss sich der DVF-R9030 mit dieser Leistung nur minimal dem Pioneer DV-737 geschlagen geben, einen visuellen Vorsprung besitzt weiterhin der Toshiba SD-900E. Aber der Letztgenannter ist deutlich teuer, und der Pioneer kann keine DVD Audio-Software wiedergeben - gemessen am Preis-/Leistungsverhältnis bietet der Kenwood ohne Einschränkung eine sehr gute Leistung. 

Schon die normale Werkseinstellung überzeugt - zusätzlich aber kann der Benutzer das Bild noch mit vorprogrammierten Einstellungen verändern  oder sich aber selber ans Werk machen: Kontrast, Bildschärfe, Farbgebung und die Bildhelligkeit können individuell justiert werden. Dazu gibt es noch eine digitale Rauschunterdrückung (Digital Noise Reduction, DNR). Diese hat gegenüber bei vielen Playern verwendeten, sehr grobschrittigen DNRs einen entscheidenden Vorteil: In 15 Stufen kann die Anpassung vorgenommen werden, die ersten davon sind bei manchen DVDs auch brauchbar. Doch darüber ist Vorsicht geboten: Das Bild verschwimmt, wird unscharf, und gerade kleine Details sind dann nicht mehr sichtbar. Dazu gesellen sich Nachzieheffekte. Besonders für viele LCD-Projektorenbesitzer ist ein weiteres Feature des Video-Equalizers interessant: So bietet der DVF-R9030 auch eine Gamma-Korrektur, wo die Helligkeit in den dunklen und hellen Bildbereichen eingestellt werden kann.  An vorprogrammierten Einstellungen gibt es "Kino", "Fein" und  "Weich". Bei sehr guter Software kann auch mal "Fein" angewählt werden, da zum Beispiel detaillierte Muster (wie ein Holzmaserung, Hautporen o.ä.) noch genauer wiedergegeben werden.

Dass "Nobody Perfect" ist, zeigt sich aber auch beim Kenwood DVF-R9030: Denn beim Layerwechsel besteht noch Verbesserungsbedarf. Ein deutlich sichtbares Stehen bleiben des Bildes sowie ein Tonaussetzer (Test-DVD: Top Gun Code 2) sind nicht dem sonstigen Niveau des Geräts angemessen. Aber viele Konkurrenten auch im mittel- und hochpreisigen Segment  können das auch nicht besser und müssen sich von Einstiegsplayern zeigen lassen, wie ein anständiger Layerwechsel auszusehen hat.

Bewertung


Ton

DVD Audio: Anschluss 

DVD-Audio oder die Renaissance der Cinch-Kabel: Hochwertige Cinch-Kabel sind - zumindest vorerst - wieder gefragt. 192 kHz/24 Bit-Aufnahmen oder Musikstücke, die in 96 kHz/24 Bit-Fünfkanaltechnik aufgenommen werden, können beim Anschluss des Players via optischem oder koaxialem Digitalkabel nicht entsprechend wiedergegeben werden, denn: Das Maximale, was über ein optisches oder koaxiales Digitalkabel übertragen werden kann (mehr ist erst via IEEE1394 drin), ist 96 kHz/24 Bit-Zweikanal. Und auch das setzt voraus, dass der Verstärker oder Receiver dann echte 96 kHz/24 Bit-Digital/Analogwandler besitzt. Wer also höchste Klangqualität bei DVD Audio genießen möchte, schließt seinen DVD Audio-Player mit denen schon vom Anschluss eines DVD-Player mit internem Decoder her bekannten sechs einzelnen Cinch-Kabeln an einen Verstärker/Receiver mit 5.1-Eingang an. Und dieser Eingang am Verstärker/Receiver sollte 100 kHz-tauglich sein, um auf die 192 kHz Abtastfrequenz bei DVD Audio-Aufnahmen vorbereitet zu sein. 

Wie sind die 100 kHz-Tauglichkeit und die 192 kHz Abtastfrequenz in Einklang zu bringen? Des Rätsels Lösung liegt im Zusammenhang zwischen Abtast- und Nutzsignal: Nach dem Abtasttheorem des Mathematikers Shannon kann man mit einer bestimmten Abtastfrequenz höchstens ein Nutzsignal codieren, das keine höheren Anteile als die Hälfte der Abtastfrequenz in sich trägt - sonst treten schwerwiegende Fehler auf: Im Falle einer 192kHz-Aufzeichnung heißt das, dass fehlerlos Tonfrequenzen mit maximal 192:2, also mit 96 kHz, wiedergegeben werden können, die dann via Cinch in den Analogeingang des Receivers hineinströmen. Somit sind Verstärker/Receiver mit 100 kHz-tauglichen Eingang für alle DVD Audio-Formate geeignet.

DVD Audio: Im Test verwendete Software

Technics DVD Audio-Edition 1: Jazz Festival Hamburg 1999 (Hybrid-DVD: DVD Audio und DVD Video-Teil. Für DVD Audio standen folgende Formate zur Verfügung: 48 kHz 24 Bit 5-Kanal sowie die höchste Qualitätsstufe: 3 Tracks in 192 kHz/24 Bit Stereo)
Technics DVD Audio-Edition 2: Technics Jazzport 2000 (Hydrid-DVD: DVD Audio und DVD Video-Teil. Für DVD Audio standen folgende Formate zur Verfügung: 48 kHz 24 Bit 5-Kanal, 96 kHz 24 Bit Stereo, 96 kHz 24 Bit Fünfkanal, 192 kHz/24 Bit Stereo
Teldec DVD Audio: Ludwig van Beethoven. Symphonien 4 & 5, Format 96 kHz 24-Bit 5-Kanal

Der Kenwood DVF-R9030: DVD Audio-Klang/CD-Klang über eingebauten D/A-Wandler

Hier kann man dem Kenwood ein erstklassiges Niveau bescheinigen: Bei Ludwig van Beethovens vierter und fünfter Symphonie begeisterte der DVF-R9030 mit seiner feinfühligen Detailtreue und seiner harmonischen Klangzeichnung: Obwohl nie ein Detail unterschlagen wurde, war das gesamte Klangbild nirgendwo von zu spitzen Höhen, sondern immer von natürlicher Präzision geprägt. Rund und voll der Orchestereinsatz, exakt herausmodelliert die Soli. Großartig: Der gebotene Dynamikumfang. 

Für Jazzfreunde ist der Kenwood aber auch erste Wahl: So brillierte der Wechsler bei Pat Methenys "All The Things You Are" (192 kHz/24 Bit Stereo) mit brillanter Herausarbeitung der Instrumente. Nicht nur, dass auch feinste Nuancen hörbar gemacht werden - dies ist bei diesem Aufnahmeformat nichts allzu besonderes. Das Angenehme beim Kenwood ist die Gesamtharmonie, das runde und doch differenzierte Klangbild. Das zeigt sich auch bei "Deep Waters" von "Incognito" (192 kHz/24 Bit Stereo), wo der Kenwood mit großer Leichtigkeit einen detaillierten Stereo-Klangteppich über den Hörraum legt. 

Doch auch bei herkömmlichen Audio-CDs weiß der Kenwood mit überdurchschnittlichen Leistungen aufzuwarten: Bei der DDD-CD "Königin der Nacht: Cheryl Studer singt Mozart" beweist der DVF-R9030, dass mit einem entsprechend hochwertigen Wandlerteil auch die traditionelle Audio-CD noch nicht zum alten Eisen gehört. Auch hier fiel der gelungene Spagat zwischen höchst präziser Wiedergabe und einem harmonischen Klangbild auf. 

Der Kenwood DVF-R9030: Dolby Digital/DTS-Decoder und Digitalklang

Neben dem von der Rechenleistung her weitaus aufwendigeren DVD Audio-Teil hat der DVF-R9030 auch einen Dolby Digital/DTS-Decoder integriert. Dieser schließt nahtlos an die Kenwood-Tradition an, DVD-Player mit sehr guten internen Decodern zu produzieren. Zwar darf gerade im Bassbereich, das zeigen die Test-DVDs "Die Mumie" (Code 2), Independence Day (Code 2) sowie die THX EX Demo DVD deutlich (hier wird dem imposanten Bass vor allem bei Independance Day viel von seiner Durchschlagskraft genommen), nicht mit dem Volumen gerechnet werden, das ein guter Mittelklasse-Verstärker bietet, aber in den Punkten Effektpositionierung und Dynamik im Hochtonbereich schneidet der Kenwood sehr ordentlich ab: Nie erscheit das Klangbild belegt, immer ist es angenehm klar und differenziert.  Besonders vorteilhaft wirkt sich diese Auslegung bei DVDs mit mehrkanaliger klassischer Musik aus, wo einen zu kraftvolle Basswiedergabe sowieso eher unerwünscht ist. Bei Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" (Code 0, Sony Classical DVD) zeigte der Kenwood erneut, dass er gerade für Liebhaber klassischer Musik ein passender Partner ist: Die Violinen-Soli überzeugten mit feinfühliger Brillanz, der Orchestereinsatz mit wohl dosiertem, natürlichem Volumen.

Der Digitalton weist keinerlei Schwächen auf und glänzt mit transparentem Klangbild und einer stets akkuraten Wiedergabe, die dem Klassik- wie auch dem Filmfreund gleichermaßen gefallen dürfte. Das spricht für die Hochwertigkeit des Aufbaus und die Qualität der verwendeten Baugruppen.

Bewertung



Fazit

Die Konkurrenz muss sich warm anziehen - denn eins zeigt dieser Test deutlich: Mit dem Kenwood DVF-R9030 ist ein neuer Stern am DVD-Player-Himmel aufgegangen. Mit superben Audio-Qualitäten, einer exzellenten Verarbeitung, gepaart mit schickem, innovativem Design, einem tadellosen Bild, das in jeder Einzeldisziplin überzeugt, und einem erfreulich klaren Bedienkonzept inklusive praktischem Wechsler-Karussell zeigt der Kenwood vielen anderen DVD-Playern die Grenzen auf. Visuell muss er sich dem Referenz-Gerät von AREA DVD, dem Toshiba SD-900E zwar geschlagen geben, ebenso auch knapp dem Pioneer DV-737 - aber audioseitig bietet der Kenwood derart überragende Qualitäten, dass man sich in Anbetracht des mehr als fairen Kaufpreises nur die Augen reiben kann. 

Ein lupenreiner, differenzierter Klang, von ungeheuerer Detailtreue und Lebendigkeit geprägt, ist in dieser Preisklasse sonst nicht zu finden. Selbst die Wiedergabe normaler Audio-CDs wird zu einem Erlebnis, und weitaus teurere CD-Player können hier nicht mithalten.  Daher ein Novum: Auch wenn der Toshiba SD900E in der Summe seiner Eigenschaften nicht eingeholt wird - mit überragenden Audio-Qualitäten und einer überzeugenden Verarbeitung sprengt der Kenwood die üblichen Grenzen. Aus diesem Grunde ist der DVF-R9030 neben den genannten Konkurrenten der dritte DVD-Player, der die Referenz-Auszeichnung erhält. 

AREA DVD-Tipp: Zu dem Preis ist der DVF-R9030 zur Zeit außer Konkurrenz und vor allem im Audiobereich überragend

Pro & Contra

Erstklassige Audioeigenschaften
Überdurchschnittliche Verarbeitung
Sehr gute Ausstattung
Hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis
Keine CD-R-Wiedergabe
Layerwechsel noch verbesserungsfähig

Technische Daten

DVD-Audio/Video-Player mit 24-Bit/192 kHz D/A-Konvertern
Eingebauter Dolby Digital/DTS-Decoder
6-kanaliges 24 Bit D.R.I.V.E. II-System
Anschlüsse Audio: 1 x Sechskanal-Cinch-Out, 1 x Zweikanal-Cinch-Out, 1 optischer, 1 koaxialer Digitalausgang
Anschlüsse Video: 1 x Komponentenausgang (vollbildfähig), 2 x SCART (RGB-beschaltet), 2 x S-Video Hosiden, 2 x FBAS Video Cinch
Videoequalizer mit umfangreichen Justagemöglichkeiten und drei vorprogrammierten Einstellungen
Farbe: alusilber/schwarz
Maße (B x H x T in mm): 474 x 127 x410
Gewicht: 7,4 kg
Preis: 2499 DM

15. Januar 2001

Test: Carsten Rampacher

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