AREA DVD Standlautsprecher-Mastertest 

14.03.2005 (lm) (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER für das Bereitstellen der Hörräume

Overview 

Für viele Musikliebhaber führt akustisch immer noch kein Weg am hochwertigen Standlautsprecher vorbei. Doch wie definiert sich der Begriff "hochwertiger Standlautsprecher" ? Sind erst Lautsprecher mit Stückpreisen ab 1.000 € in der Lage, Musikgenuss ohne Reue zu ermöglichen? Gibt es überhaupt einen Lautsprecher, der durch sein generell hohes Niveau fast allen Anforderungen gerecht wird, oder gibt es nur Spezialisten, die z.B. die Liebhaber einer überragenden Detaillierung oder aber die Liebhaber eines souveränen Bassbereichs glücklich machen ? Wie viel muss für welchen Anspruch investiert werden? Alles Fragen, die wir versuchen wollen, im Rahmen dieses Tests zumindest zu einem beträchtlichen Teil zu beantworten. Sieben Standlautsprecher zwischen 500 und 4000 € (UVP) bzw. zwischen 350 bis 3.500 € (Marktpreise) sind gegeneinander im Direktvergleich angetreten, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen.  Bevor wir jedoch in den eigentlichen Test einsteigen, wollen wir noch einige Punkte, die unkommentiert für Unklarheiten sorgen könnten, beleuchten.

Lautsprecher-Anforderungen

Fest steht: Der Lautsprecherkauf ist eine komplexe Sache, und zwar aus verschiedenen Gründen. Zum einen hat der verwendete Lautsprecher maßgeblichen Einfluss auf den Klang, mehr noch als der Verstärker oder Receiver bestimmt die Box das akustische Endergebnis. Zum anderen ist das Zusammenspiel Lautsprecher-Hörraum nicht unbedingt einfach. Darum sind auch Tests mit absolut objektivem Inhalt unmöglich. Unser Testraum hat zwar sehr gute Bedingungen - weder akustisch tot noch zu lebendig, nicht zu viel, aber auch nicht gar keine Möbelstücke - aber vollkommen verallgemeinern kann man solche Ergebnisse nie. Schon eine etwas andere, vielleicht sogar ungewöhnliche Aufstellung kann das Klangbild verändern. Doch das ist noch nicht alles - auch die Anforderungen der Käufer sind vollkommen verschieden. Die einen bevorzugen einen neutral abgestimmten Lautsprecher, die anderen wollen lieber einen etwas wärmer oder einen etwas analytischer klingenden Schallwandler. Natürlich hängt die Wahl des richtigen Lautsprechers neben den Hörgewohnheiten auch von den Fähigkeiten und der Abstimmung des übrigen Equipments ab. Daher sollte man eines berücksichtigen: Für den Lautsprecherkauf benötigt man Zeit - in einer halben Stunde sollte hier nichts entschieden sein.

Lautsprecher-Sounding

"Ein Lautsprecher darf selber kein Sounding aufweisen -  nur die Quelle selbst, d.h. die CD oder DVD mit den Musikstücken, soll den Klang bestimmen, Verstärker und Lautsprecher haben nur zur Aufgabe, den Klang völlig unverfälscht und neutral wiederzugeben". Mit dieser Aussage beziehen einige Technikorientierte und einige Highender klar Stellung gegen jegliches Sounding von AV-Komponenten. Sounding als Merkmal minderwertiger Komponenten, die nicht in der Lage sind, einen authentischen, klaren Klang zu erzeugen? Wir sehen es gänzlich anders: Schließlich sind nur ein sehr geringer Teil der CDs und DVDs, die sich auf dem Markt befinden, so gut abgestimmt, dass man ohne akustische Nachbearbeitung den Klang wirklich genießen kann. Fade Bässe, nur eine ausreichende Dynamik, schmaler Raumeindruck - viele Tonträger schreien förmlich danach, dass man ihnen in Bezug auf den Klang auf die Sprünge hilft. Es muss ja nicht so sein, dass die CD oder DVD nur noch aus überzüchteten, verzerrten Bässen besteht - oftmals reicht schon eine verhältnismäßig bescheidene Anhebung der unteren Frequenzen, um das Klangbild wirkungsvoll zu optimieren. Und: Hat man sogar einen Tonträger in seiner Sammlung, der akustisch exquisit ist - vielleicht führt eine leichte Anhebung der oberen Frequenzen sogar noch zu einem brillanteren Klangbild. Nicht vergessen darf man auch den Einfluss des Hörraums, ein abgestimmtes Sounding kann (auch wenn dies viele Experten abstreiten) kleine akustische Ungereimtheiten zumindest teilweise kompensieren.  Übrigens: Selbst bei einer gut aufgenommenen CD oder DVD kann es vorkommen, dass ein absolut neutral abgestimmte Box für eine gewisse Klientel Schwächen offenbart: Sie betätigt sich als talentierter Analytiker, aber nicht als guter Entertainer, der Hörspaß hervorragend vermittelt. 

Praxis- oder Labortest?

Öfters kommt Kritik an unseren Tests auf - meist hat dies damit zu tun, dass, hier in diesem Fall, Lautsprecher unter alltäglichen Praxisbedingungen getestet werden und wir nicht mit unter Laborbedingungen ermittelten Werten aufwarten können. Natürlich, das geben wir unumwunden zu, sagen präzise Messungen einiges über die Qualitäten eines Lautsprechers aus - aber, siehe Sounding-Abschnitt, die Interpretation der ermittelten Messwerte ist wieder zu einem gewissen Teil subjektiv, denn es kommt darauf an, was man von einem Lautsprecher erwartet.  Und ein ganz wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang: Ein Lautsprecher, der im Messlabor einen hervorragenden Eindruck hinterlässt, muss im praktischen Einsatz z.B. im heimischen Wohnzimmer nicht automatisch der Sound-Imperator schlechthin sein. Daher gibt es sogar Firmen, die die Boxen absichtlich so abstimmen, dass sie vielleicht im Labor an der möglichen Bestleistung vorbeischrammen, dafür aber in der Praxis überzeugen.  Also bleibt als Fazit: Es ist nicht nur schwer, es absolut und für jeden richtig zu machen, sondern es ist schlichtweg unmöglich. Wir wollen in unserem Test versuchen, ein möglichst klares Profil der Testkandidaten herauszuarbeiten - aber niemand sollte gerade Lautsprecher aufgrund eines Testberichtes kaufen. Bitte - tun Sie sich einen Gefallen und hören Sie selber Probe. 

Unverbindliche Preisempfehlungen und Marktpreise

Oft klaffen die unverbindlichen Preise der Hersteller und die tatsächlichen Marktpreise ein gutes Stück auseinander - daher: Sich nicht sofort von der UVP abschrecken lassen, sondern erst einmal nachschauen, was der Wunschlautsprecher tatsächlich kostet. Wir haben gängige Marktpreise unten zusammengetragen. Und nun viel Spaß beim Lesen!

Unsere Kandidaten

Canton ist mit der Karat M90DC (links) und mit der Vento 809 (rechts) beim Mastertest vertreten

Weitere Kandidaten (von links nach rechts): KEF Reference 205, Pioneer S-V810H und Quadral Platinum M, hier in auffälligem Ferrarirot

Das Testfeld wird abgerundet durch die Magnat Quantum (links) und die Infinity Beta 50 (rechts)

Die Preise:

  • KEF Reference 205: UVP Stückpreis/Paarpreis: 3.999/ 7.998 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 3.500/7.000 €

  • Magnat Quantum 908: UVP Stückpreis/Paarpreis: 1.749/3.498 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 1.500/3.000 €

  • Quadral Platinum M: UVP Stückpreis/Paarpreis: 1.699/3.398 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 1.300/2.600 € 

  • Canton  Karat M90DC: UVP Stückpreis/Paarpreis: 1.000/2.000 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 550/1.100 €

  • Canton Vento 809: UVP Stückpreis/Paarpreis: 1.200/2.400 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 1.000/2.000 €

  • Pioneer V-S810H: UVP Stückpreis/Paarpreis: 799 €/1.598 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 700/1.400 €

  • Infinity Beta 50 UVP Stückpreis/Paarpreis 499/998 €, Marktpreis (Stand 14. März 2005) ca. 350/700 €

Technische Daten (Werksangaben):

Lautsprecher KEF Reference 205 Magnat Quantum 908 Quadral Platinum M Canton Vento 908
Belastungswerte in Watt Empfohlene Verstärkerleistung 50 bis 300 Watt Nenn 320, Musik 560 Nenn 160, Musik 250  180 Nenn, 340 Musik
Frequenzgang  Frequenzgang (Messung +/- 3 dB axial und 15° seitlich): 45 Hz - 55 kHz 
Untere Grenzfrequenz (bei -6 dB) 35 Hz 
18 Hz bis 75 kHz 23 Hz bis 60 kHz 20 Hz bis 40 kHz
Wirkungsgrad (2,83 V @ 1 m) 90 dB 91 dB 90 dB 88,5 dB
Impedanz Min. 3,2 Ohm, bis 8 Ohm 4 bis 8 Ohm 4 bis 8 Ohm 4 bis 8 Ohm
Bestückung 4-Wege-System, 2 x 200 mm Tieftöner,  165 mm Tiefmitteltöner,  25 mm Hochtöner, 19 mm Superhochtöner 3-Wege-System, 3 x 170 mm Tieftöner, 2 x 170 mm Mitteltöner, 25 mm Hochtöner 3-Wege-System, 2 x 180 mm Tieftöner, 2 x 135 mm Mitteltöner, RiCom-Hochtöner 3-Wege-System, 2 x 200 mm Tieftöner, 180 mm Mitteltöner, 25 mm Hochtöner
Konstruktive Besonderheiten KEF Uni-Q (Hochtöner im Mitteltöner integriert), auf dem Gehäuse montierter Superhochtöner (Hyper Tweeter) Massive Bodenplatte und hochwertige Spikes im Lieferumfang RiCom-Hochtöner spezieller Sockel mit integrierten Shock Absorbern, Canton  DC-Technologie
Lieferbare Farben Ahorn, Esche schwarz und Kirsche Echtholz-Furnier, Silber Schwarz, Kirsche, Buche Rot und Schwarz lackiert Kirsche, Lack silbern

Teil 2

Lautsprecher Canton Karat M90DC Pioneer V-S810H Infinity Beta 50
Belastungswerte in Watt Nenn 180, Musik 300 Musik 130 Nenn 150, Musik 250
Frequenzgang 22 Hz bis 40 kHz 35 Hz bis 100 kHz 30 Hz bis 40 kHz (- 6 dB)
Wirkungsgrad (2,83 V @ 1m) 88 dB 89 dB 91 dB 
Impedanz 4 bis 8 Ohm 6 Ohm 8 Ohm
Bestückung 3-Wege-System, 260 mm-Tieftöner, 160 mm Mitteltöner, 25 mm Hochtöner Vier-Wege-System, 2 x Tieftöner 130 mm 130 mm Mitteltöner, 25 mm Hochtöner + Superhochtöner (Riffel type)  3-Wege-System, 25-mm-Hochtöner, 13-cm-Mitteltöner, zwei 20-cm-Basschassis
Konstruktive Besonderheiten Bass seitlich abstrahlend, DC-Technologie  Durch Bändchenhochtöner Frequenzgang bis 100 kHz Durch C.M.M.D-Hochtöner bereits für SACD und DVD-Audio geeignet
Lieferbare Farben Kirsche, Buche, Lack Silbern, Lack Graphit Buche Hochglanz Schwarz, Kirsche, Buche

Wer die Tabelle liest, wird feststellen,  dass jeder Hersteller andere Schwerpunkte setzt und andere Wege geht, um eine optimale akustische Performance sicherzustellen. Caton vertraut auf die selbst entwickelte DC-Technologie („Displacement Control“). Diese verhindert, dass die Membran des Basslautsprechers bei tiefen Tönen unkontrolliert auslenkt. Dazu unterdrückt sie subsonische (d.h. nicht hörbare) Schwingungen und lässt die Bässe gleichzeitig spürbar straffer und präziser klingen. Zudem sind die Basstreiber der Karat seitlich installiert, was bei korrekter Aufstellung für eine sehr gute Basswiedergabe sorgt. 

Im Testfeld einzigartig: Nach der Seite abstrahlender Bass bei der Canton Karat

Garant für SACD-Tauglichkeit: Bändchenhochtöner der Pioneer S-V810H

KEF platziert den Superhochtöner bei der Reference 205 auf dem Boxengehäuse

Kennzeichen der KEF Reference ist nicht nur der verchromte Superhochtöner, der außerhalb des Gehäuses platziert ist und so für ein unverwechselbares Erscheinungsbild sorgt, sondern auch die UNI-Q-Technologie, bei der der Hochtöner im Mitteltöner untergebracht ist. Die Vorteile dieser Technik: Da alle Membranbestandteile des Mitteltöners in einem Stück gefertigt werden, gibt es keine nicht-linearen Verzerrungen des Hochtons. Da nur der Frequenzbereich des Mitteltons verarbeitet werden muss, sind die Membranauslenkungen des UNI-Q-Treibers so gering, dass praktisch kaum noch Verzerrungen bei der Interaktion mit dem Hochtöner auftreten. Quadral hingegen schwört auf den "RiCom"-Hochtöner, ebenfalls eine Eigenentwicklung.  Er arbeitet folgendermaßen: Quadral verwendet eine sehr leichte, flache, ringförmige  Biegeschwingermembran, die im Gegensatz zu Kolbenschwingern (wie z.B. Kalotten) weniger Luftmasse vor sich herschieben muss, um Schall zu erzeugen. Klanglich sind eine besonders ausgeprägte Klarheit und eine hohe Transparenz die hörbaren Folgen. Hier steht der RiCom-Hochtöner dem Bändchenhochtöner, so Quadral, sehr nahe. Doch auch gegenüber dem Bändchenhochtöner besitzt die Quadral-Technologie Vorteile: Denn wo der Einsatzbereich des Bändchenhochtöners bereits aufhört, kann der RiCom-Hochtöner weiter verwendet werden, aufgrund seiner Membran aus flexiblem Seidengewebe ist prinzipiell ein Einsatz bis in den Mitteltonbereich möglich. Magnat setzt bei der Quantum 908 auf hochwertigen Neodym-Antrieb und auf reichhaltige Chassisbestückung. Pioneer verwendet für einen brillanten Hochtonbereich einen Bändchenhochtöner, Infinity stattet bereits die preisgünstige Beta 50 mit einem SACD- und DVD-A-fähigen Hochtöner aus. 

Gehäuseverarbeitung

Sauber: Gehäuseverarbeitung der Canton Karat

Elegant: Formgebung der Canton Vento

Prima fürs Geld: Die Infinity Beta ist ordentlich verarbeitet

Verbesserungswürdig: Kantenverarbeitung der Magnat Quantum

Die Passung der einzelnen Bauteile könnte bei der Quantum auch noch besser sein

Sehr penibel: Das Finish der Quadral Platinum M

Noble Erscheinung: Die Pioneer S-V810H

Bei der Bewertung der Gehäuseverarbeitung gab es innerhalb des Testfeldes deutliche Unterschiede. Mit hervorragendem Finish konnten sich beide Canton-Lautsprecher in ein sehr gutes Licht setzen. Die Karat besticht durch aufwändige technische Details, die allesamt hochwertig umgesetzt sind, die Vento durch ihre raffinierte Gehäusegestaltung. Auch auf den zweiten und dritten Blick bleibt der ausgezeichnete Eindruck erhalten, die Cantons geben sich keine Blöße. Zur erstklassigen Verarbeitung kommt noch hinzu, dass beide Lautsprecher sehr formschön sind und damit auch verwöhnte Augen glücklich machen. Mit einer für den Kaufpreis perfekten Verarbeitung meldet sich die Pioneer S-V810-H zu Wort. Schon das Hochglanz-Buche-Finish sorgt für viel Noblesse auch im eleganten Wohnzimmer. Durch den in schwarzem Klavierlack abgesetzten Teil auf der Gehäuserückseite wirkt die Pioneer-Box nochmals exklusiver - sie ist ein echter "Eyecatcher" und steigert den Wohnwert, anstatt ihn durch plumpes Design zu senken. Ob man das Design der Magnat Quantum mag oder nicht, ist reine Geschmackssache. Fest steht, dass optisch mal etwas ganz anderes geboten wird. Was aber leider auch fest steht, ist, dass die Quantum im Detail Verarbeitungsmängel hat. So prima das Finish auf den ersten Blick wirkt, hier wird eine hohe Produktqualität suggeriert - wer genau hinschaut, entdeckt, dass die Kantenverarbeitung eher lieblos wirkt und dass die Passungen (z.B. von der vorderen Wand, in der die Chassis verbaut sind, zum Korpus der Box) zu ungenau sind. Hier darf man in der Preisklasse der Quantum entschieden mehr erwarten. Die Quadral Platinum M mutet optisch sehr konservativ und barock an und ist nicht unbedingt dazu angetan, bei Schönheitsfanatikern für einen gesteigerten Adrenalinausstoß zu sorgen. Doch bei objektiver Betrachtung muss angemerkt werden, dass die Verarbeitung des Gehäuses sehr sorgfältig ist und mit Liebe zum Detail vorgegangen wurde. Auch die Optik der Infinity Beta ist nicht eben dazu angetan, Designpreise einzuheimsen. Die Form folgt hier ganz klar der Funktion, was zur Folge hat, dass die Gestaltung sehr nüchtern und wenig aufregend ist. Die Verarbeitungsqualität jedoch verdient sich die Note "gut". Zu guter Letzt kommt noch die KEF Reference an die Reihe: Die Optik mag man oder mag man eben nicht, den außen befestigten, verchromten Superhochtöner sehen manche als optisch gelungenen Beweis für eine highendige Technologie, für andere Betrachter hingegen nimmt die Form durch diesen "Fremdkörper" einen anorganischen Charakter an. Summa summarum ist die Optik extravagant, die Gehäuseverarbeitung ist ansonsten aufwändig, was man bei einem solchen "Luxusliner" auch erwarten kann.

Lautsprecher-Anschlussterminals

In der Bewertung der Anschlussterminals leistet sich keine Box einen kompletten Flop. Das hochwertigste Anschlussfeld hat der teuerste Lautsprecher im Testfeld, die KEF Reference. Doch die Canton Vento ist ihr dicht auf den Versen. Auch die Pioneer S-V810H sowie die Magnat Quantum überzeugen mit sorgfältig gestalteten Terminals. Ordentliches, aber nichts Überdurchschnittliches wird bei der Canton Karat, der Quadral Platinum sowie der Infinity Beta geboten. 

Ordentlich: Bi-Wiring-fähiges Terminal der Canton Carat. Sehr gut sind die flexiblen Brücken, wenn man kein Bi-Wiring betreibt

First Class: Das Anschlussfeld der Vento lässt keine Wünsche offen

Für die Preisklasse absolut in Ordnung: Bi-Wiring-Connections der Beta 50

Die teuerste Box hat auch das luxuriöseste Terminal: KEF Reference 205

Auch die Magnat Quantum überzeugt mit einem schön gemachten Anschlussfeld

Höchst beachtlich: Die S-V810H überzeugt mit einem ausgezeichneten Bi-Wiring-Anschlussbereich

Mit geschraubter Plexiglas-Abdeckung: Quadral-Terminal

Testequipment
  • Verstärker: Marantz PM-11S1

  • SACD/CD-Player: Marantz SA-11S1

Für die exzellente Stereowiedergabe gerüstet: Unser elegant illuminiertes Marantz-Duo

Klang

Unsere Hörtests förderten teilweise Verblüffendes zu Tage - das Teuerste muss nicht immer das Beste sein, und auch eine von vielen Testern hochgelobte Box muss sich nicht immer gut schlagen - also gehen wir ins Detail und fangen bei der Canton Karat an.

Diesem Modell können wir bilanzierend sehr gute Leistungen attestieren, vor allem dann, wenn sich der günstige Marktpreis in der akustischen Bewertung niederschlägt. Der schicke und, wie bereits beschrieben, ausgezeichnet verarbeitete Lautsprecher eignet sich auch akustisch vortrefflich für den Aufbau im eleganten Wohnzimmer, macht er doch bei normalen Pegeln den Einsatz eines zusätzlichen aktiven Subwoofers gerade im Musikbetrieb fast schon überflüssig. Bei korrekter Positionierung sorgen die seitlich angebrachten Bassmembranen für ein raumfüllendes Bassfundament mit gutem Aufbau. Was die Raumwirkung bei normalen bis leicht gehobenen Pegeln angeht, können wir der Karat generell ein gutes Zeugnis ausstellen. Auch findet lobend Erwähnung, dass die Box angenehm und gefällig klingt, ein Lautsprecher, dem man den ganzen Tag zuhören kann, ohne dass die Nerven dadurch belastet werden. Prima ist auch die Struktur, die die Karat auch differenzierten Musikstücken mit auf den Weg zum Hörer gibt. Die Übergänge zwischen dem unteren Mittelton- und dem Bassbereich sind praktisch nahtlos, was für ein homogenes Klangbild sorgt. Nicht absolut begeisternd ist die Pegelfestigkeit, bei großer Lautstärke wird aus dem eigentlich wohltemperierten Bass dann eine zum Durchschlagen neigende Wiedergabe, die dann die Grenzen der akustischen Souveränität aufzeigt. Für optisch und akustisch stilvollen Musikgenuss im heimischen Wohnzimmer - in dem eher selten in Partylautstärke gehört werden dürfte  - hinterlässt die Karat hingegen einen rundherum  harmonischen, passenden Eindruck. Für den fairen Marktpreis eine besondere Empfehlung der Redaktion.

Von der Canton Vento haben wir bereits viel Positives gelesen, so dass auch wir voll freudiger Erwartung in diesen Test gingen und leider eine Ernüchterung erlebt haben, denn so sehr uns die Karat überzeugt hat, umso weniger war die Vento dazu angetan, mit außergewöhnlichen Leistungen im Testraum aufzutrumpfen. Es geht hier nicht um subjektive Präferenzen, sondern um tatsächlich feststellbare Faktoren - so z.B. wirkt der Hochtonbereich unausgewogen. Er tritt etwas zu dominant in Erscheinung und bietet keine überdurchschnittliche Struktur. Bei hohen Pegeln wirkt er leicht gequält, was zu einem Souveränitätsverlust führt. Für diesen ist aber auch der Bassbereich verantwortlich, der schon bei normalen Lautstärken nicht so raumfüllend wie bei der Karat wirkt, der man hier nichts vorwerfen kann. Die Karat bringt auch eine bessere Struktur im Bassbereich zustande. Ein ausgeprägter Hang zu einer sehr dynamischen Darstellung ist der Vento ebenfalls nicht nachzuweisen. Sie spielt zwar nicht schleppend, aber auch nicht überdurchschnittlich reaktionsschnell und lebendig. Vielmehr wirkt das Gesamtergebnis etwas formlos. Die Stimmwiedergabe klingt aufs erste Hören hin gut, wenn man es ganz genau nimmt, fehlt es aber an tiefgründiger Darstellung. So bleibt der Gesamteindruck zwiespältig: Aufs Ganze gesehen ist die Vento sicherlich keine schlechte Box, in diesem hochkarätigen Teilnehmerfeld jedoch kann sie keine Glanzlichter setzen. 

Genau dies konnte die Quadral Platinum M, die mit ganz erstaunlichen Leistungen aufwartete. Der Bassbereich gefällt mit viel Substanz, fein differenziert werden alle Bassanteile wiedergegeben. Gleichzeitig aber bietet die Platinum auch den nötigen Nachdruck, um auch ohne den Support eines zusätzlichen aktiven Subwoofers mit einer ausgezeichneten Bassperformance zu glänzen. Ganz gleich, ob subtiler Tiefbass oder harte Kickbassattacke - die Quadral lässt sich nicht beeindrucken, sondern bleibt souverän und signalisiert immer: Es geht noch mehr. Sie wirkt wie ein großvolumiger V8-Motor, der die Leistung lässig aus dem Ärmel schüttelt.  Doch nicht nur mit Bässen kommt die Platinum bestens zurecht, auch ihr Mittel- und Hochtonbereich ist außerordentlich gut gelungen. Stimmen werden plastisch und sehr schön von der Box losgelöst dargestellt, was für einen luftigen, zugleich aber präzisen Klangeindruck sorgt. Bei Instrumenten arbeitet die Box Details sehr klar heraus, das Ganze geschieht aber in rasender Geschwindigkeit - die Platinum ist die dynamischste Box im gesamten Testfeld. Sie kommt dem Vorbild eines universell einsetzbaren Lautsprechers am nächsten: Klar und frisch bei sehr differenzierter Musik, mit Verve und Schwung gibt sie die Spielfreude der Musiker blendend wieder, gleichzeitig durch den souveränen, nachdrücklichen Schub auch bei Rockmusik oder bei Trance/Techno eine hervorragende Wahl.  Zudem ist auch noch der Wirkungsgrad sehr gut, so dass man keine utopisch hohen Beträge für einen Highend-Verstärker ausgeben muss. Ein sehr guter Verstärker/Receiver der oberen Mittelklasse reicht hier bereits aus. Wirklich auf dem "falschen Fuß" kann man die Platinum kaum erwischen, was belegt, dass bei Quadral sehr praxisorientiert entwickelt und gebaut wird. Dabei ist die Platinum M kein "Lehrbuchlautsprecher" im traditionellen Sinne, sondern bewusst auf Ausstrahlung, Kraft und Dynamik ausgelegt. Dadurch ist sie ein Lautsprecher, der in der Praxis für viel Hörvergnügen sorgt, zumal das Sounding nicht übertrieben ausfällt, so dass man der Platinum keine unpassende Überbetonung gewisser Frequenzbereiche nachsagen kann. Insgesamt siegt die Quadral mit beeindruckender Souveränität in der Klangwertung und distanziert, das ist das Ernüchternde für die Konkurrenz, selbst ohne Berücksichtigung der Preis-/Leistungsrelation in der Summe ihrer klanglichen Eigenschaften die teureren Konkurrenten von Magnat und KEF. 

Kommen wir zum nächsten Kandidaten - der Reference 205 von KEF, der mit Abstand teuersten Box im Testfeld. Besonders hervor sticht die Detailtreue auf Referenzniveau, hier profiliert sich die KEF als ein Lautsprecher, der wie prädestiniert ist für die Wiedergabe von komplex aufgebauter Musik. Sie schafft es zudem sehr schön, die Stimmen und Instrumente von der Box zu trennen und räumlich akkurat in den Raum zu stellen. Durch den hochwertigen Superhochtöner meistert sie auch SACDs mit Bravour und bietet eine sehr feine Höhenauflösung. Für audiophile Detailliebhaber mit entsprechendem finanziellem Potential ist die Reference 205 ein ausgezeichneter Lautsprecher - aber die Zeit bleibt nicht stehen. Konnte der Lautsprecher in einem Test vor knapp 2 Jahren mit dem "Referenz"-Prädikat eindrucksvoll in Szene setzen, ist dieser Testlauf etwas ernüchternd. Für sich betrachtet ist die KEF immer noch ein dynamischer Lautsprecher, der ein luftiges Klangbild mit herausragender Präzision erzeugen kann. Sehr natürlich und nahe am Original kommt sie dem traditionellen Ideal des Schallwandlers als akustischer Übermittler, der aber nicht im Sinne eines Interpreten in den Signalweg eingreift, nach wie vor sehr nahe. Aber: Im direkten Hörvergleich spielt die preislich viel günstigere Platinum M von Quadral dynamischer auf. Der Direktvergleich zeigt auch auf, dass die KEF trotz ihrer ausladenden Abmessungen im Bassbereich kein Mittel gegen die druckvolle Quadral findet. Doch es kommt noch schlimmer, denn bei moderaten Pegeln schlägt auch die preiswerte Canton Karat ohne Gnade im Bassbereich zu und weist die edle KEF in die Schranken. Wer also gern Rock- oder Popmusik sowie andere, Nachdruck erfordernde Musikarten hört, ist mit der KEF nicht optimal bedient. Sie wendet sich eher an die Liebhaber eines analytischen, streng linearen Sounds, und an audiophile Käufer, am liebsten klassische Kammerkonzerte und Jazz-Musik hören. Ein sehr hochwertiger Verstärker ist Pflicht für das Zusammenspiel mit der KEF. Dieser Amp sollte allerdings nicht auf gnadenlos hohe Spitzenpegel ausgelegt sein (die KEF hat sowieso einen recht guten Wirkungsgrad), sondern eher durch klangliche Reinheit bestechen. Eins bleibt noch festzuhalten: Die KEF ist einfach extrem teuer - trotz des Leistungsprofils sollte die Preispolitik vielleicht neu durchdacht und der Marktsituation angepasst werden. 

Die Magnat Quantum 908 sorgt allein schon durch ihre schiere Größe für Respekt - die imposanten Abmessungen zeigen in Verbindung mit dem bescheidenden Wirkungsgrad (trotz der eigentlich guten Werksangabe, diese konnten wir im Test nicht bestätigen) auch auf, dass hier am besten eine auf maximale Leistung und maximalen Druck ausgelegte, bärenstarke Verstärkereinheit zum Einsatz kommen sollte. Audiophile Feingeister als Verstärker sind hier fehl am Platze, denn die Quantum giert nach Leistung. Bekommt sie genug davon, sorgt sie für mächtigen Bassdruck und ein sehr gutes Raumgefühl. Beides jedoch fällt gerade im vergleich mit der Platinum M, die mit deutliche kleinerem Gehäuse antritt, nicht so viel besser aus wie es die gigantischen Abmessungen suggerieren. Trotzdem: Wer es gerne richtig krachen lassen möchte, auch vielleicht bei einer Privatparty im Partykeller, ist mit der großen Quantum gut bedient. Kommen wir zu den weiteren Höreindrücken: Der Hochtonbereich beginnt verhalten, bei hohen Pegeln jedoch wird kräftig nachgelegt. Besonders bei Dance-/Techno-Tracks begeistert die Quantum mit discoähnlicher Wiedergabe, der aggressive Touch ist gewollt. Außerdem verliert die Quantum nie den Überblick und ist schwer an ihre Leistungsgrenze zu bringen. Der audiophile Hörer wird sich von der 908er hingegen weniger angesprochen fühlen, denn das hohe Feingefühl, das hier gefordert wird, kann die Quantum nicht in allen Belangen bieten. Sie vermittelt dafür gerade bei feinen Details zu wenig Tiefgang und bleibt akustisch zu nahe an der Oberfläche. Spitzenmäßig hingegen wieder die Stimmverständlichkeit: Auch bei hohen Pegeln sind Stimmen noch problemlos verständlich, wo weniger pegelfeste Konkurrenten schon am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind und zu verzerren beginnen. Was die maximal mögliche Dynamik angeht, muss sich die Magnat-Box der Platinum M geschlagen geben, die aufgrund ihrer herausragenden, selten anzutreffenden Allround-Talente auch klar das Rennen gegen die druckvolle und pegelfeste Qunatum macht. 

Der nächste Test-Lautsprecher, der Pioneer S-V810H, ist bereits seit geraumer Zeit bei uns im Einsatz, allerdings als Bestandteil eines 5.1-Surround-Sets. Die Pioneer-Schallwandler  haben mit einem herausragenden Testergebnis schon für Aufregung beim Establishment gesorgt (Test Pioneer S-H810V, S-C80 und S-W250). In diesem Test nun muss sich die schlanke, höchst attraktive Box alleine behaupten, der S-W250 darf nicht tatkräftig im Bassbereich mithelfen. Das hat Folgen, denn in Bezug auf die Basskraft tut sich aufgrund des säulenartigen Aufbaus und des vergleichsweise geringen Gehäusevolumens wenig. Das weiß auch Pioneer und rät, zum Erreichen einer kräftigen Basswiedergabe den S-W250 mit zu ordern. Ansonsten begeistert die 810er Box auch hier mit außergewöhnlichen Qualitäten: Die ernorm  hohe Präzision und die Brillanz bei der Stimmwiedergabe sorgen für eine ausgezeichnete Vorstellung. Kleine Details arbeitet der Pioneer-Standlautsprecher effizient und stimmig heraus. Die gebotene Dynamik ist sehr gut und für die Preisklasse alles andere als selbstverständlich. Hinzu kommt der sehr offen und frisch klingende Hochtonbereich, durch den extra Superhochtöner werden auch SACDs sehr klar und lebendig wiedergegeben. So ist der Schallwandler bilanzierend für preisbewusste Ästheten, die Wert auf eine sehr gute akustische Brillanz legen, eine sehr gute Wahl. Der Wirkungsgrad ist in Ordnung, aber nicht überdurchschnittlich gut, dadurch, dass im Bassbereich jedoch nicht so viel Leistung nachgefragt wird, muss der verwendete Verstärker kein wahrer Leistungsriese sein, sondern sollte konstant über den gesamten Pegelbereich, auch bei hohen Pegeln, verzerrungsfrei aufspielen. Die Pegelfestigkeit der S-V810H ist übrigens ausgesprochen gut.  

Bleibt die günstigste Box, die Infinity Beta 50. Schon der Einzeltest, in dem sich die Box in einem 5.1/7.1-System bewähren musste (Test: Infinity Beta-Serie) zeigt: Die Beta 50 ist eine ausgezeichnete Box mit herausragendem Preis-/Leistungsverhältnis. Mit vielen Eigenschaften kann sie sich auch hier profilieren: Sie ist sehr pegelfest, der sehr kräftige Bassbereich mit bewusstem Sounding macht viel Spaß. Problemlos kann man die Beta 50 auch ohne aktiven Subwoofer betreiben. Durch den hervorragenden Wirkungsgrad ist die Beta 50 auch für den Einsatz zusammen mit günstigeren Amps geeignet. Auch sonst kann man gerade in Anbetracht der sehr günstigen UVP- und erst recht des Marktpreises - wenig kritisieren: Die gute Tiefenstaffelung und und die ansprechende Auflösung werden ergänzt durch die ordentliche Transparenz. Neben der Canton Karat DER Preis-/Leistungstipp in diesem Test. Im direkten Vergleich mit der Carat tritt die Beta 50 noch dynamischer an und bietet mehr Bassdruck, die Carat kontert mit der feineren räumlichen Auflösung und einer noch besseren Homogenität. Somit kann man die Lautsprecher sehr gut einordnen: Für junge Leute, denen Design nicht so wichtig ist und die es richtig krachen lassen wollen, ist die "Spaßbox" Beta 50 sehr gut geeignet und hat kaum Konkurrenz. Für etwas ältere Jahrgänge, die einen runden, stimmigen und im höchsten Maße angenehmen Sound genießen und dies alles mit hervorragender Optik und Haptik kombinieren möchten, ist die Karat die Nummer 1.  

Fazit

Quadral Platinum M

Unser Standlautsprecher-Mastertest hat einen souveränen Gesamtsieger hervorgebracht: Die Quadral Platinum M ist zwar auf den ersten Blick alles andere als ein Schnäppchen, mit ihren beeindruckenden akustischen Leistungen ist sie jedoch jeden Cent ihres Kaufpreises Wert. Besonders imponiert hat uns, dass die Platinum M die einzige Box im Testfeld ist, die praktisch alles kann: Sie spielt detailliert auf und bietet eine klare Struktur, was für ein tiefgründiges und nicht oberflächliches Klangbild sorgt. Sie erreicht die besten Dynamikwerte, ist sehr pegelfest und schiebt auch bei großer Lautstärke im Bassbereich nachdrücklich an. Sie klingt extrem angenehm, klar und ausgewogen, so dass man ihr stundenlang zuhören kann. Das etwas barock anmutende Design mag nicht jedermanns Fall sein, die Verarbeitung aber ist hochwertig, die Baugruppen sind sorgfältig ausgewählt. Insgesamt ein großer Sieg, denn auch ohne Berücksichtigung des Preis-/Leistungsverhältnis stellt die Platinum M die beste Box des Testfeldes dar. Nimmt man noch den in Anbetracht der Leistungen sehr fairen Kaufpreis hinzu, gewinnt die Quadral mit deutlichem Vorsprung. 

Mit überragenden Ergebnissen in jeder akustischen Disziplin siegt die Platinum M souverän gegen starke Konkurrenz
Oberklasse

Mastertest-Gesamtsieger

Canton Karat M90DC

Der zweite Sieger kommt aus dem Hause Canton und hört auf den Namen Karat M90DC, der Lautsprecher mit (Marktpreis, nicht UVP!) dem besten Preis-/Leistungsverhältnis im Testfeld. Schon die Optik und die Verarbeitung überzeugen ohne Einschränkung, und in Anbetracht des edlen, mit feiner Technik ausgestatteten Gehäuses wirkt der Marktpreis wirklich rekordverdächtig niedrig.  Aber auch akustisch enttäuscht die Karat in keiner Disziplin. Sie ist nicht so dynamisch und nicht so pegelfest wie unserer auch weitaus teurerer Testsieger, mit ihrem gut aufgelösten, harmonischen Gesamtklangbild spricht sie aber genauso wie die Platinum M einen breiten potentiellen Käuferkreis an. Insgesamt können wir die Karat preis-/leistungsbewussten, aber gleichzeitig technik- und optikorientierten Heimkinofans nur wärmstens empfehlen - denn mehr Box fürs Geld wird sich schwer finden lassen. 

Exklusive Optik und ausgewogene Akustik zum hochinteressanten Preis

Obere Mittelklasse

Mastertest 2. Platz

Noch zwei weitere Lautsprecher verdienen sich besondere Empfehlungen der Redaktion: Die Infinity Beta 50 und die Pioneer S-V810V.

Beide Lautsprecher sind zwar völlig unterschiedlich ausgelegt, aber in der Summe ihrer Eigenschaften sehr reizvoll. Besonders der sehr gute Wirkungsgrad, die hohe Pegelfestigkeit und der hervorragende Bassdruck sprechen für die Infinity Beta 50. Die Optik ist sehr nüchtern, die Verarbeitung sorgfältig, wenngleich sich keine besonders liebevollen Details finden. Hervorragende Box für Stereo- und Multichannel-Einsteiger mit konsequentem Qualitätsdenken. Das im Vergleich zum 5.1/7.1-Einzeltest andere Testergebnis resultiert aus der Tatsache, dass hier nur die Qualitäten der Beta 50 als Stereo-Lautsprecher bewertet wurden.

Die schlanke, erstklassig verarbeitete Pioneer S-V810H zielt in eine gänzlich andere Richtung. Hier begeistern besonders die immense Spielfreude im Hochtonbereich, die ausgezeichnete, auch in höheren Preisklassen nicht selbstverständliche Präzision und absolut erstklassige, aufwändige Verarbeitung. Zusammen mit einer höchst attraktiven, edlen Optik kommen hier preis-/leistungsbewusste Ästheten voll auf ihre Kosten. Wer zusätzlich noch auf Bassdruck Wert legt, kommt allerdings um die Anschaffung eines aktiven Subwoofers nicht herum, da bauartbedingt im Bassbereich keine Großtaten möglich sind.  Daraus resultiert auch die unterschiedliche Einstufung im Vergleich zum kompletten 5.1-Set.

Infinity Beta 50:

Mit kräftigem Bassbereich und hervorragendem Wirkungsgrad ist die Beta 50 eine Box mit vielen Qualitäten

Mittelklasse

Tipp der Redaktion für qualitätsbewusste Ein- und Aufsteiger

Pioneer S-V810H:

Hohe akustische Brillanz paart sich mit exklusiver Optik und erstklassiger Verarbeitung

Obere Mittelklasse

Tipp der Redaktion für akustisch anspruchsvolle Ästheten

Der Rest des Testfeldes in alphabetischer Reihenfolge:

Canton Vento 809:

Praktisch überall hochgelobt, waren wir sehr gespannt auf das Abschneiden der Canton Vento 809. Unsere Testreihen jedoch endeten mit einem eher als mittelmäßig einzustufenden Ergebnis, was zeigt, wie groß die Unterschiede bei einem Lautsprecherhersteller sein können: Einerseits die Karat, die in diesem Test ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt bekam, andererseits die Vento, die für sich betrachtet sicherlich kein schlechter Lautsprecher ist - überdurchschnittliche akustische Qualitäten, zur Durchsetzung in diesem hochklassigen Teilnehmerfeld unbedingt von Nöten, konnten wir allerdings keine ausmachen. In der Verarbeitungsdisziplin kann die Vento mit ihrem herausragenden Anschlussterminal und der liebevollen, sorgfältigen Gehäuseverarbeitung sich noch weit vorn platzieren. Durch den nicht wirklich unter die Haut gehenden Klang, dem bei hohen Lautstärken nicht absolut souveränen Bassbereich und der etwas zu dominanten Hochtonwiedergabe verliert sie hier an Boden.

Die perfekte Verarbeitung spricht für die Vento - akustisch sind die Leistungen befriedigend

Obere Mittelklasse

KEF Reference 205

Mit ihrer Fähigkeit, im höchsten Maße präzise zu detaillieren und auch komplexe Musik hundertprozentig exakt aufzubauen, offeriert die Reference 205 ohne jeden Zweifel außergewöhnliche Qualitäten. Für finanzstarke HiFi-Puristen, die einen klaren, neutralen Klang über alles schätzen, ist die extravagante, mit sehr hochwertiger Technik ausgerüstete KEF eine ausgezeichnete Wahl. Der Bassbereich legt eher Wert auf allerhöchste Präzision als auf Druck und Volumen - eine ernste, reife Box und kein gesoundeter Spaßmacher. Das Testurteil fällt in diesem Vergleich schlechter aus als beim Einzeltest, den wir vor geraumer Zeit durchführten. Hauptgrund dafür ist der exorbitant hohe Preis und die weitaus stärkerer Konkurrenz, die zudem mit sehr günstigen Marktpreisen punkten kann. Natürlich, die aufwändige Konzeption und Konstruktion machen es unmöglich, ein Schnäppchen aus der 205er werden zu lassen - das soll sie auch gar nicht sein, denn Qualität hat ihren Preis. Ein Pricing roundabout 2.500 € wäre aber weitaus realistischer, diesen - immer noch extrem hohen und für viele Hörer unerreichbaren - Betrag wäre sie ohne weiteres Wert. 

Detailverliebt und perfekt auflösend, ist die teure KEF eine Ausnahmebox für audiophile Feingeister

Highend-Klasse

Magnat Quantum 908

Rein optisch schon flößte uns die Quantum mächtig Respekt ein - mit ihrer sehr hohen Pegelfestigkeit, dem immensen Bassdruck und dem hervorragenden Volumen ist sie auch akustisch keinesfalls zu verachten. Aber: Der Wirkungsgrad könnte besser sein, die Feinauflösung ebenfalls. Akustisch ist die Quantum dennoch eine interessante Alternative für denjenigen, der auch einmal bei Privatparties für Furore sorgen möchte und viel Rock- oder Popmusik am besten mit einer bärenstarken Vor-/Endstufen-Kombi hört. Nur unter diesen Aspekten hätte die Quantum hier mit einem "sehr gut" abgeschlossen. Dass es nur zu einem "befriedigend" reicht, liegt an der nicht preisklassengemäßen Verarbeitung - oder, anders gesagt: Die teure Quantum müsste deutlich günstiger sein, dann bekäme man viel Lautsprecher fürs Geld und könnte auch mit einer nur ausreichenden Verarbeitung gut leben. Wenn Magnat bei der Verarbeitung nachbessert oder den Preis senkt, könnte sich die Quantum eine bessere Positionierung erarbeiten.

Sehr pegelfest aufspielend und nachdrücklich darstellend, verspielt die Quantum ein besseres Testergebnis durch Verarbeitungsmängel

Obere Mittelklasse
Bilanz der Tester

Bevor nun ein Aufschrei durch die Leserschaft geht, möchten wir das endgültige Testergebnis nochmals kommentieren. Dass die Platimum M aus dem Hause Quadral gewonnen hat, liegt nicht an der Willkür der Tester, sondern daran, dass mit der Quadral-Box die am flexibelsten einzusetzende Lösung gewonnen hat. Wer sehr viel Geld für einen Lautsprecher ausgibt, kann im Idealfall erwarten, dass der Schallwandler einfach alles sehr gut kann - und die Platinum kommt diesem Ideal am nächsten. Sicherlich, eine KEF Reference detailliert noch besser, eine Magnat Quantum drückt noch mehr im Bassbereich  - aber das sind einzelne Glanzlichter, die in ein gesamtes Leistungsprofil eingearbeitet werden. Diese Glanzlichter werden durch andere Minuspunkte erkauft. Und genau hier liegt die Stärke der Quadral: Minuspunkte lassen sich keine ausmachen, die vorbildliche Ausgewogenheit sichert ihr den verdienten Sieg. 

Thema Canton. Ohne Zweifel baut Canton ausgezeichnete Lautsprecher, dies sieht man schon alleine daran, wie viele Leser aus unserem Forum auf diese Lautsprechermarke vertrauen. Wer sich die Karat M90DC angehört und angesehen hat, weiß auch, warum das so ist. Die Karat bietet unter Berücksichtigung des Marktpreises eine erstklassige Synthese aus edler Optik, hervorragender Haptik, feiner Technik und homogener Akustik.  Kurzum, die Karat zeigt genau auf, wieso Canton-Lautsprecher einen so starken Stand haben. Der Vento hingegen mag das weniger gut gelingen, was für sich betrachtet kein Beinbruch ist. Gerade ein Anbieter wie Canton, der eine sehr breite und vielfältige Produktpalette hat, kann es unmöglich schaffen, ein überall gleichbleibendes Leistungsniveau zu bieten. Bei jeder Firma mit größerem Produktsortiment gibt es erstklassige Offerten, aber auch Angebote auf einfach normalem Level. Also kein Grund zur Panik, zumal die Vento nicht schlecht ist - nur ist sie eben auch nicht überdurchschnittlich gut. 

Pioneer und Infinity haben beide ihre Hausaufgaben sehr gut gemacht und absolut vorzeigbare Standlautsprecher hier zum Test vorbeigeschickt, denen man eigentlich gar nichts vorwerfen kann. Preis und Verarbeitung stimmen, die Ausrichtung beider Kontrahenten ist grundverschieden. Bei solchen überzeugenden Offerten wird sich die Marktposition bestimmt weiter verbessern. Tipp für Pioneer: Die 810er mehr in den Mittelpunkt stellen, die Box ist so gut, dass sie viele etablierte Konkurrenten locker schlägt. Gerade diese Noblesse kann sonst kaum ein anderer Schallwandler in dieser Preisklasse bieten. Unbedingt (!!!) erforderlich für einen durchschlagenden Erfolg ist aber die Aufnahme weiterer Gehäusefarben ins Sortiment.

An die Adresse von KEF ist eigentlich nur ein einziger Kritikpunkt zu richten: Die Reference 205 ist einfach exorbitant teuer. Dass man es hier mit einem außergewöhnlich guten Lautsprecher zu tun hat, wird an vielen Einzelheiten deutlich. Zu nennen wären die Detaillierung auf Weltklasseniveau und die aufwändige, sorgfältige Konzeption.  Magnat sollte sich Gedanken darüber zu machen, die Quantum mit einer liebevolleren Verarbeitung auf Kundenfang zu schicken. Die "Erbanlagen" der bassstarken und höchst pegelfesten Box sind ausgezeichnet. 

14. März 2005
Testteam: Lars Mette, Carsten Rampacher

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