Test: Restek Stereo-Set: Vorstufe "Editor", 2 x Mono-Block "Extract", CD-Player "Epos"

04.07.2005 (cr) 

Einführung

Aktuell feiert das Hören in Zweikanal-Stereo eine "Wiederauferstehung", welche sich nachvollziehbar in deutlich steigenden Verkaufszahlen von Stereo-Produkten ausdrückt. Es hat sich wieder herumgesprochen, dass hoher akustischer Genuss nicht nur mittels einer Surround-Lösung möglich ist, sondern auch, ganz konventionell, mit einer altbekannten Stereo-Lösung. Prinzipiell gibt es verschiedene Wege, die zum Stereo-Genuss führen. Der simpelste und bekannteste Weg ist der Griff zum Vollverstärker, an dem man zwei Lautsprecherboxen anschließt, hinzu kommt noch ein CD-Spieler, und schon kann es losgehen. Allerdings fängt für viele anspruchsvolle Hörer der wirkliche Stereo-Hörgenuss erst mit einer besonders hochwertigen Gerätekombination an. Diese hochwertige Kombination besteht aus einem Vorverstärker, welcher durch einen kompromisslos auf beste Akustik - ohne Rücksicht auf die Kosten für die edlen Baugruppen - getrimmte Auslegung überzeugen muss, und am besten aus zwei Mono-Endstufen. 

Jeder dieser beiden Endverstärker versorgt somit separat einen Kanal. Diese Konzept bietet verschiedene Vorzüge. Zunächst einmal kann durch den modularen Aufbau gezielt optimiert werden und z.B. die Vorstufe durch ein nochmals exklusiveres Exemplar ersetzt werden. Weitere Upgrades werden bei der Einheit, die sich für diese Test bei uns eingefunden hat, aber kaum von Nöten sein. Der weitere, elementar wichtige Vorzug besteht in der komplett getrennten Stromversorgung und in den komplett voneinander getrennten Baugruppen. So findet dann jedes Gerät optimale Arbeitsbedingungen vor und gegenseitige Beeinflussungen können durch die Unterbringung in verschiedenen Gehäusen vermieden werden. 

Damit ist schon einmal ein Problemfall, der sich bei einer integrativen Lösung ergibt, nämlich dass alle Baugruppen sich in ein und dem selben Gehäuse befinden, schon gelöst. Dadurch, dass bei einer hochwertigen Stereolösung auch traditionelle "Handwerkskunst" in Bezug auf den durchdachten Aufbau und auf eine erlesene Materialverarbeitung gefragt ist, kommen gerade hier kleinere, besonders sorgfältig und liebevoll arbeitende Unternehmen besonders zum Zug. Da wir nicht nur dem "Mainstream" folgen, sondern gerade bei Stereo-Komponenten auch kleineren, dafür umso engagierteren  Unternehmen gern eine Chance geben, haben wir uns diesmal bewusst für Stereo-Highend-Produkte des deutschen Herstellers Restek aus Fuldabrück bei Kassel entschieden.  Restek ist genau DAS Besondere, das viele Hörer mit ihrem Hang zum Individualismus suchen, dies belegen viele Faktoren. 

Der Beweis: Handarbeit aus Deutschland. Überzeugt die Qualität der Restek-Komponenten auch in unserem Praxistest?

Mit einer Restek-Komponente verhält es sich ähnlich wie mit einem Porsche: Denn wie man schon aus verschiedenen Werbekampagnen des Stuttgart-Zuffenhausener Sportwagenherstellers lernen konnte, befindet sich der größte Teil aller jemals gebauten Porsche noch auf den Straßen.  Ähnlich sieht es bei Restek aus, denn viele Komponenten aus der Highendmanufaktur in der Nähe von Kassel leisten beim erfreuten Besitzer auch nach sehr langer "Partnerschaft" noch tagtäglich beste Dienste. Dass Restek-Besitzer gar keine Veranlassung zum Markenwechsel sehen, liegt in der Unternehmensphilosophie begründet, die einen Support auch für Komponenten z.B. aus den 70er Jahren beinhaltet. So können auch ältere "Schätzchen" jederzeit einer sorgfältigen Generalüberholung unterzogen werden, sollte der Eigner den Wunsch nach einer "Frischzellenkur" für sein Gerät verspüren. Dies ist eine äußerst lobenswerte Philosophie in unserer heutigen "Wegwerfgesellschaft", in der ständiger Upgrade- und Feature-Wahn grassiert - die Folge sind Komponenten, die in manchem Fall gar nicht mehr für eine lange Haltbarkeitsdauer augegelegt sind, sondern, nur für einen vergleichsweise kurzen Einsatz - schließlich kauft sich der Konsument mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach einigen Jahren spätestens wieder ein neues Modell mit aktualisierter Technologie. Restek setzt diesem Treiben ein wohltuendes Gegengewicht entgegen und bietet hochklassige Technik in Kombination mit langer Haltbarkeit an.

Kommen wir nun zu unseren Testkandidaten. Wir entschieden uns für zwei Monoblöcke "Extract" (jeweils 1.650 €), den Vorverstärker "Editor" (3.600 €) und für den CD-Spieler "Epos" (3.400 €). Zusätzlich bietet Restek noch einen hervorragenden Tuner namens "Ergo" (UVP 2.450 €) an, der eine exzellente Empfangs- und Klangqualität bietet. 

Technik und Aufbau Vorverstärker "Editor"

Gestatten: "Sir" Editor, Mission: Edelste Stereo-Vorstufe im Testraum

Beginnen wir unsere Ausführungen mit dem Vorverstärker Editor. Er kommt im typischen "Restek-Outfit" daher,  will heißen, die überdimensionale Frontplatte steht im Vergleich zum eigentlichen Gerätegehäuse in Bezug auf die Breite ein gutes Stück über. Der Begriff "Massivität" wird vom Editor, aber auch von allen anderen Restek Testkomponenten auf eine ganz eigene Art und Weise interpretiert. Denn das, was hier angeboten wird, ist wirklich eine dicke, massive Frontplatte, mit der "Editor" erfolgreich kokettiert. 

Massive Verarbeitung der "Editor"-Frontplatte

Auch das übergroße Gerätedisplay, welches das einnehmende Element auf der Frontplatte ist, sorgt für einen unverwechselbaren Eindruck. Der Begriff "Ablesbarkeit" wird hier völlig neu definiert.

Das Bild gibt nur unvollkommen wieder, wie das riesige Display in der Realität wirkt

Liebevolle Details begeistern den Restek-Besitzer, so der schicke Namenszug im Display. Solche kleinen Faktoren sorgen für große Exklusivität

Etwas "dünnhäutig" wirkt nur der Gehäusedeckel von "Editor" und auch von den anderen Komponenten, hier wäre ein nochmals aufwändigerer mehrlagiger Deckel mit massiverer Verschraubung (die kleinen Inbusschrauben sind nicht allzu vielversprechend) wünschenswert - dies ist jedoch nur minimale Kritik am Rande. 

Sehr schwere, massive Fernbedienung

Sehr dick, aber auch sehr robust - echte Handwerkskunst und kein lieblos zusammengesteckter Bedienriegel

Hervorragende Verarbeitung auch auf der Rückseite der Fernbedienung

Dass eine vernünftige Fernbedienung kein klappriger "Bedienriegel" aus Plastik sein darf, dies scheint bei den Restek-Entwicklern tief verwurzeltes Gedankengut darzustellen. Der schwere Restek-Brocken ist zwar nichts für zarte Hände,  beeindruckt aber mit unerschütterlicher Solidität bis ins kleinste Detail. Beschwingte Eeeganz geht diesem IR-Controller mit beispiellosem Materialaufwand zwar praktisch gänzlich ab, dies wird durch die extreme Wertigkeit und Robustheit aber absolut aufgehoben. Noch nie ist uns eine Fernbedienung mit einem besser verarbeiteten Gehäuse untergekommen, bereits der Materialwert hier dürfte den Preis von zwei Einstiegs-DVD-Playern bei weitem übersteigen. Ergonomisch ist die "Director" getaufte Fernbedienung kein Meisterwerk, die kleinen, allesamt gleichförmigen, runden Tasten sehen zwar gut aus, sind aber extrem unübersichtlich bei der Suche nach der richtigen Funktion. Zudem besteht gerade für große Hände, die aber wiederum für richtigen "Halt" des "Remote-Monuments" aus dem Hause Restek von Nöten sind, die Gefahr, gleich mehrere Knöpfe gleichzeitig zu drücken. Ebenso fehlt eine Beleuchtungsmöglichkeit - alles Punkte, die echte Stereoliebhaber aber kaum ernsthaft verschrecken dürften. 

Diese unerschütterliche Solidität wird auch beim inneren Aufbau der Editor-Vorstufe jederzeit deutlich, und auch beim Blick auf die Geräterückseite strahlt das Gesicht des Zweikanalliebhabers.  

Erstklassig verarbeitetes Anschlussterminal, natürlich gibt es einen Kaltgeräte-Steckeranschluss (links)

Cinch-Verbindungen in Referenzqualität

Hommage an die Profitechnik: Mini-XLR-Terminals in dreipoliger Ausführung

Der Editor verfügt über 9 hochpegelige Eingänge. Vier dieser Eingänge sind als symmetrische Mini-XLR-Eingänge ausgelegt, fünf als asymmetrische Eingänge mit extrem hochwertig ausgeführten Cinchbuchsen ausgelegt. Mit dieser Bestückung führt der Editor professionelle (XLR) und consumer-ausgerichtete (Cinch oder RCA) Buchsentechnik zusammen.  Übrigens: Für einen kompletten Anschluss liegen der Editor verschiedene hochwertig ausgeführte XLR-Kabel bei. 

Alle erforderlichen XLR-Kabel legt Restek bei

XLR-Kabel werden z.B. in der Studiotechnik und für Bühnen-Aufbauten genutzt, wenn professionelle Endstufen beispielsweise mit verschiedenen Peripheriegeräten verbunden werden. Vorteile der XLR-Verbindung: Wenn man sich im Vergleich einen Cinch-Stecker anschaut, so ist der XLR-Stecker deutlich fester in seinem Terminal arretiert, was für eine optimale Kontaktsicherheit sorgt. Mittels XLR-Kabeln lassen sich auch lange Verbindungen ohne großartigen Qualitätsverlust überbrücken, ein für Profi-Aufbauten unerlässlicher Vorzug. Es gibt 3 bis 7-polige XLR-Stecker und entsprechende XLR- Kupplungen. Am gängigsten sind die 3-polig ausgeführten Anschlüsse, mit denen ein symmetrisches Signal gesendet wird. Dieses symmetrische Signal (engl. sprachig: "balanced", daher werden XLR-Ausgänge auch gern als Balanced Out" bezeichnet) besteht aus dem normalen Signal und dem gleichen Signal mit negativen Vorzeichen (z.B. bei Zeitpunkt +1V und -1V). Da lediglich die Differenz der beiden Signale verarbeitet wird, haben Störungen wenig Chancen, da diese direkt von außen auf beide Signale wirken und sich so, da es um die Differenz zw. den Signalen geht, aufheben. Die Bezeichnung "XLR" kommt aus dem Amerikanischen und hält die Abkürzungsbuchstaben für eine symmetrische Kabelführung: in seinem Kürzel: "X"ternal, "L"ive, "R"eturn, dies entspricht in Deutsch "Masse", "heiß", "kalt" bzw. "Masse", "+", "-". Hierzulande ist es jedoch Gang und Gäbe, die drei Leiter in der Reihenfolge "heiß", "kalt", "Masse" aufzuzählen. 

Reslink-Anschlüsse zur Geräteverbindung aktueller Restek-Komponenten

Zwei Reslink-Kabel liefert Restek ebenfalls mit

Zurück zum "Editor". Ein Cincheingang als RIAA-Phono-Eingang kann optional umgerüstet werden. Ebenfalls findet sich auf der Geräterückseite ein besonders interessanter Part, nämlich die beiden "Reslink"-Anschlüsse. Mit diesen Terminals und dem dazugehörigen Kabel können aktuelle Restek Komponenten miteinander verbunden werden (z.B. Verbindung zum CD-Spieler). Mittels Reslink können Systemeinstellung synchron für alle angeschlossenen Komponenten getroffen werden (z.B. Displayhelligkeit, "an" oder "aus"). Durch die vier Remote-Anschlüsse wird eine Ferneinschaltung z.B. von Endstufen durch ein entsprechendes Ferneinschaltkabel ermöglicht. Dies geschieht durch  Zuschaltung von einer + 10 V-Spannung. 

Edle Technik und sorgfältige Verarbeitung dokumentieren auch im Geräteinneren des "Editors" die liebevolle Entwicklung bis ins Detail

Ringkerntrafo in der Vorstufe "Editor"

Der Stand der Dinge: Welche Version des Editors man nutzt, ist im Geräteinneren deutlich zu erkennen

Sehr sorgfältiger Platinenaufbau

Intern besteht der Editor aus zwei getrennten, symmetrisch aufgebauten Mono-Vorstufen, mit je zwei Lautstärkereglern, also insgesamt acht Potentiometern. Ein Potentiometer, auch oft nur als "Poti" bezeichnet, ist ein stetig regelbarer elektrischer Widerstand. Potentiometer werden  daher häufig zur Steuerung von elektrischen Geräten eingesetzt wie beispielsweise für die Lautstärkejustage eines Verstärkers, wie in diesem unseren Fall.  Bei vielen aktuellen AV-Receivern und -Verstärkern erfolgt die Lautstärkereglung aber nicht mehr auf diesem althergebrachten Weg, sondern auf digitaler Ebene. 

Mimik hinter dem großen Drehregler für Lautstärke und Set-Up von Innen betrachtet

Die Eingänge werden über hochwertige Signalrelais beim Editor umgeschaltet, wobei die Masseverbindung der nicht geschalteten Eingangsbuchsen getrennt wird, um störende Brummschleifen zu eliminieren. Die Eingangsempfindlichkeit des jeweils ausgewählten Eingangs kann in einem Bereich von +/- 6 dB angepasst werden, um Lautstärkeunterschiede zwischen einzelnen Quellen auszugleichen. Mittels der Lautstärkereglung kann das Signal bis zu + 10 dB verstärkt werden. Die beiden getrennt voneinander regelbaren Ausgänge können in einem Bereich von +/- 6 dB gegeneinander eingepegelt werden und auf Wunsch auch synchron zueinander eingestellt werden.

Die Ausgangstreiber des Vorverstärkers Editor stellen die Verbindung zu den beiden Extract-Monoblöcken her, wer hier ein Verfechter aktiver Studiomonitore ist, kann selbstverständlich, sollte er denken, dass diese Aktivmonitore der erlesenen Qualität der Restek-Vorstufe angemessen sind, auch aktive Lautsprecher einbinden. Gerade bei den hochwertigen Aktivlautsprecher (Adam, Klein&Hummel) dürfte es hier durchaus angemessene Alternativen geben. Wir jedoch fahren fort mit Aufbau und Technik der Restek-Vorstufe.

Der geringe Ausgangswiderstand von 50 Ohm und der maximale Strom von bis zu 200 mA ermöglicht einerseits eine korrekte Leitungsanpassung und anderseits auch die Verwendung von manchmal unvermeidbar langen Verbindungskabeln zwischen Vor- und Endverstärker,ohne dass die Signalqualität durch die Kabellänge negativ beeinträchtigt wird. Alle Teile der Elektronik des Editor sind gleichspannungsgekoppelt, wodurch es möglich ist, auch tiefste Frequenzen zu übertragen, und dies phasenstarr und verzerrungsfrei. Im Signalweg befinden sich weder Kondensatoren noch Elkos, die eine Signalverfälschung zur Folge hätten, und zwar eine unerwünschte Signalverfälschung durch störende Baugruppen. Rauschen und Übersprechen der Kanäle, verspricht Restek, sind aufgrund dieses technischen Aufwandes nur noch an der Messgrenze wahrnehmbar. 

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