Der große Konsolen-Vergleich: Playstation 2, XBox oder Gamecube?
Einleitung

Mit dem Erscheinen des Gamecube kehrt zunächst erst einmal etwas Ruhe auf dem Markt der Spielekonsolen ein. Dann sind nämlich alle drei noch verbliebenen großen Namen der Game-Branche mit einer "Next Generation"-Konsole für Videogames auf dem Markt. Aber nun beginnt erst recht die Qual der Wahl: Welche soll man kaufen, sofern man noch keine hat? Für uns ein Grund, die Stärken und Schwächen der einzelnen Konsolen genauer unter die Lupe zu nehmen. Fernab der unter Konsolen-Besitzern gern ausgetragenen dogmatischen Grabenkämpfe zwischen den verschiedenen Systemen haben wir uns alle drei Konsolen angeschaut und listen die Vor- und Nachteile, die sie aus unserer Sicht bieten. Natürlich können wir letztendlich keine Entscheidung abnehmen, aber zumindest mit dieser Übersicht als Orientierungshilfe dienen. 

In einem Punkt sind zumindest alle drei Kandidaten ein Riesen-Ärgernis: Standardisierte Audio und Video-Verbindungen schätzt man in der Spielebranche generell nicht. SCART, S-Video oder VGA-Buchsen sucht man bei einer Spielekonsole vergeblich. Stattdessen kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, um zu hohen Preisen Adapter-Kabel für Bild und Ton verkaufen zu können. Wenigstens die Playstation 2 bietet zumindest die übliche TOSLINK-Buchse für den Digital-Ton, das war es aber auch schon. Ebenso verhält sich das Spielchen mit den Memory-Cards, die man braucht, um die Spielstände abzuspeichern und natürlich immer für jede Konsole individuell angeschafft werden müssen. Dieses leidige Problem hat Microsoft zumindest bei der XBox abgeschafft, bei der sich alle Spielstände auf der eingebauten Festplatte abspeichern lassen. Und Nintendo beabsichtigt, irgendwann auch einen Adapter anzubieten, mit dem es dann möglich sein soll, die Spielstände auf herkömmlichen SD Memory Cards abzuspeichern.

Neben der teuren Originalkabel und Speicherkarten gibt es auch von Fremdherstellern Kabel und sonstiges Zubehör zu meist günstigeren Preisen. Bevor man die Konsole direkt mit dem Zubehör kauft, was im Laden angeboten wird, sollte man sich daher einen Überblick verschaffen, zumal die Drittanbieter häufig auch sinnvolles Zubehör anbieten, welches vom Anbieter selbst nicht erhältlich ist. Allerdings sollte man da auch nicht nach der Devise Billig=Gut einkaufen gehen, da z.B. gerade bei Kabeln für RGB-Verbindungen die Signalqualität einiger Billigstrippen nicht optimal ist.

Die Integration in die Stereo-Anlage ist bei allen drei Konsolen ein Problem: Da es den Herstellern nicht immer zuletzt darum geht, ein möglichst einzigartiges (und meist ausgefallenes) Design zu schaffen, steht die Konsole im 45 cm-Rastermaß immer noch in den Sternen. Die klobige XBox kommt am ehesten an dieses Format heran, taugt aufgrund des leicht abgerundeten Designs aber auch nicht zur Integration in die Stereoanalge. Dem Gamecube muss man zumindest zugestehen, dass er aufgrund seiner kompakten Abmessungen auf jeden Fall irgendwo unterzukriegen ist. 

Sony Playstation 2

Die PS2 ist inzwischen der Oldie unter den neuen Spielekonsolen. Sie verdrängte schnell nach der Markteinführung 2000 die Sega Dreamcast vom Markt, obwohl viele ausgereifte Dreamcast-Spiele zu diesem Zeitpunkt der Playstation 2 technisch überlegen waren. Damals war die Kombination aus Spielekonsole und DVD-Player ein wichtiges Argument für die mit großen Hype eingeführte Playstation 2 und Sony konnte auf eine Heerschar treuer Playstation-User zurückgreifen, die auch die meisten ihrer alten Spiele auf der neuen Konsole abspielen können. Grafisch waren erste Spiele wie "Ridge Racer V" eine Enttäuschung und das Störendste an vielen Playstation 2-Spielen sind die teilweise heftigen Treppenmuster (Aliasing) und leichte Flimmer-Effekte. Inzwischen haben die Programmierer die Playstation 2 einigermaßen in den Griff bekommen und z.B. mit "Gran Turismo 3", "GTA 3" oder "Metal Gear Solid 2" gezeigt, was auf der PS2 möglich ist. An der Qualität neuerer Playstation 2-Spiele gibt es bis auf das vereinzelt immer noch auftretende Aliasing kaum etwas auszusetzen. Auf die Konsole optimierte Spiele wie "Gran Turismo" sind enorm scharf und detailreich. Beim Spielen mit der PS2 treten aufgrund des langsamen Laufwerks aber immer wieder längere Ladezeiten auf, während denen das Laufwerk auch ziemlich laut wird. Die große Stärke der PS2 liegt in dem mittlerweile umfangreichen Spieleangebot, welches sich so langsam ergeben hat.

Die Playstation 2 hat die Preise für Konsolenspiele deutlich in die Höhe getrieben. Bekam man für die Dreamcast noch neue Spiele zu Preisen um die 45 EURO, so kosten die meisten PS2-Spiele gleich rund 60 EURO. "Nice Price"-Aktionen für ältere Spiele gibt es bislang nur für einige ausgewählte Spiele wie "Gran Turismo 3", dass bereits für rund 30 EURO zu haben ist. Es müssen aber nicht immer gleich 60 EURO sein: Ältere PS2-Spiele bekommt man gebraucht bei Internet-Auktionen häufig schon für 20 EURO. Diese alternative Möglichkeit, günstiger an Spiele zu kommen, hat aber weniger mit der PS2 an sich, sondern mit der längeren Marktpräsenz zu tun und wird sich bei der XBox und dem Gamecube auch mit der Zeit ergeben.

Enttäuschend ist bei der Playstation 2 die geringe Anzahl der erhältlichen Spiele mit PAL 60-Modus, denn nicht immer ist es selbstverständlich, dass Spiele für PAL mit 50 Hz optimiert werden. Häufig werden dann einfach Frames ausgelassen und das Bild zusammengestaucht, um aus einem ursprünglich für NTSC mit 60 Hz eine PAL-Version mit 50 Hz zu machen. Die Folge: Die Spiele ruckeln oder sind langsamer als die NTSC-Version. Mit einem 60 Hz-Modus, der eine flüssige Bildwiedergabe gewährleistet, werden allerdings nur wenige Spiele ausgeliefert.

Die DVD-Wiedergabe der Playstation 2 sollte man in Zeiten, in denen DVD-Player ohnehin schon weit verbreitet sind, nicht mehr ganz so hoch bewerten. Wer bereits einen DVD-Player hat, braucht kaum noch einen zweiten in der Spielekonsole. Die Bildqualität des DVD-Players ist allerdings erstaunlich gut und braucht sich nicht vor preiswerten DVD-Playern versteckten (siehe Test). Mit der zusätzlich erhältlichen DVD-Fernbedienung von Sony, ergibt sich ein Bedienkomfort, der dem von Standalone DVD-Playern entspricht. Lediglich mit Display-Anzeigen hält sich die PS2 sehr zurück. Ein großes Ärgernis der PS2 war zunächst die fehlende RGB-Wiedergabemöglichkeit von DVDs: Denn die PS2 schaltet im Serienzustand bei der DVD-Wiedergabe von RGB auf YUV um. Inzwischen sind aber Umbauten weit verbreitet, die auch dieses Problem beheben. Weitaus störender ist gerade bei DVD-Wiedergabe das laute Lüftergeräusch der PS2, dass bei normaler Lautstärke immer präsent ist. Außerdem bietet das laute und langsame Laufwerk der Konsole nur wenig Komfort beim Kapitelwechsel und der Navigation. Und für den Layer-Wechsel braucht die Playstation 2 rund zwei Sekunden - das können selbst Billig-Player besser. Daher sollte man die DVD-Wiedergabe in erster Linie als Beiwerk verstehen. Video CDs oder SVCDs können übrigens auf der Playstation 2 nicht abgespielt werden.

5.1-Mehrkanalton wird von der Konsole bei Spielen nicht direkt unterstützt, sie besitzt zumindest keinen speziellen Encoder-Chip, der diesen Job erledigt. Einige Spiele wie z.B. "Metal Gear Solid 2" bieten Dolby Digital 5.1-Ton während Video-Zwischensequenzen. 5.1-Ton in Echtzeit während des Spiels gibt es aber bislang nur bei einigen Electronic Arts-Spielen wie z.B. "NHL 2002" oder "Sled Storm" - hier war allerdings DTS schneller und präsentierte eine Lösung, mit der sich digitaler Mehrkanalton über die Software realisieren lässt. Die Anzahl der Titel mit DTS-Ton ist bislang aber noch sehr gering. 

Die Bildausgabe-Möglichkeiten der Playstation 2 sind vergleichsweise lausig: Bot bereits Segas Dreamcast einen VGA-Adapter, der mit den meisten Spielen verwendet werden konnte, so ist es bislang nicht möglich, aus der Playstation 2 echte Progressive-Signale herauszuzaubern. Für die PAL-Konsole besteht die Auswahl zwischen Composite, S-Video, YUV und RGB, wobei bei RGB die bereits genannten Probleme bei der DVD-Wiedergabe auftreten.

Pro:
  • Große Auswahl an Spielen

  • Optischer Digitalausgang direkt am Gerät (TOSLINK)

  • Sehr gute DVD-Wiedergabequalität

Contra:
  • Treppenmuster-Effekte bei Spielen (Aliasing)

  • Bislang keine Progressive Scan-Wiedergabe möglich

  • Im Serienzustand keine RGB-Wiedergabe von DVDs

  • Lauter Lüfter

  • Lahmes und lautes Laufwerk

  • Dolby Digital 5.1 nur eingeschränkt unterstützt

  • wenige Spiele mit 60 Hz-Unterstützung.

Microsoft XBox

Die XBox hatte keinen sonderlich guten Start in Deutschland, was nicht zuletzt daran lag, dass sie mit zunächst 479 EURO die bislang teuerste Spielekonsole war. Mit der Preissenkung auf 299 EURO wird die XBox allerdings wieder interessant. Sie dürfte die klobigste Konsole sein, die bisher auf den Markt gekommen ist. Das liegt nicht zuletzt an der eingebauten 8 GB-Festplatte, die zum Abspeichern der Spielstände dient und für schnelle Ladezeiten ohne lange Wartepausen sorgt. Memory Cards braucht man somit prinzipiell nicht bei der XBox, sofern man nicht Spielstände auf anderen Konsolen nutzen möchte. Auf der Festplatte lassen sich auch Musikstücke abspeichern, die die XBox von CDs kopiert und dabei in das Windows Media Format (WMA) konvertiert. Wer ernsthaft ein Musikarchiv auf der XBox anlegen möchte, sollte pro CD allerdings eine längere Kaffeepause einplanen, da das Encoding einige Zeit für sich in Anspruch nimmt. Das populäre MP3-Format wird von der XBox nicht unterstützt. Ebenso wenig ist es möglich, CDs mit WMA-Files direkt abzuspielen. Neben DVDs können prinzipiell auch CD-Rs abgespielt werden, allerdings zeigt sich die XBox hier sehr pingelig: Mit vielen CD-Rs kommt sie nicht zurecht. Selbst bei CD-Rs des gleichen Typs kann es passieren, dass sie mal abgespielt werden und mal nicht. Beim Check mit einigen Typen kam die XBox z.B. mit den ALDI-Rohlingen TEVION CD-R80 zurecht, wobei auch hier die Erfolgsquote insgesamt recht niedrig war. Die XBox unterstützt auch keine VCDs oder SVCDs. Dafür gibt es bei Musik-CDs einen visuellen Analyzer wie man ihn auch z.B. von den Winamp-Plugins kennt. Um diesen nutzen zu können, muss man im Musik-Auswahl-Menü entweder auf der Fernbedienung INFO drücken oder auf dem Gamepad kurz hintereinander Y,X drücken. Die XBox bietet im Setup wie die anderen Konsolen auch, nur wenige Einstellmöglichkeiten an. Erwähnenswert ist die Auswahl eines 60 Hz-Modus direkt im Setup, so dass die Spiele automatisch mit 60 Hz laufen, sofern das Spiel einen entsprechenden Modus bietet.

Die XBox-Spiele sind etwas teuerer als die der Konkurrenz: Offiziell sollen XBox-Spiele 69 EURO kosten, im Handel bekommt man sie aber dennoch oft zu Preisen um die 60-65 EURO. Hier bleibt abzuwarten, ob sich dieses Preisniveau halten wird oder der Handel die Preise anzieht. Dass dürfte ganz entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg der XBox werden, denn es ist nicht davon auszugehen, dass jeder bereit ist, auf dem schon hohen Preisniveau von Konsolen-Spielen noch einmal 10 Euro pro Spiel im Vergleich zu PS2 und Gamecube draufzulegen.

Im Gegensatz zur Playstation 2 bietet die XBox kein DVD-Playback "Out Of The Box". Hierzu muss erst das DVD-Playback Kit für rund 50 EURO erworben werden, welches aus einem Infrarotempfänger und einer Fernbedienung besteht. Die Fernbedienung liegt zwar gut in der Hand, sieht aber eigentlich zu billig aus, um diesen Preis auch zu rechtfertigen. Wer auf die Idee kommt, ein amerikanisches DVD-Playback Kit auf einer europäischen Konsole zu verwenden, um auch US-DVDs abspielen zu können, sollte sich das gut überlegen: Denn beim ersten Mal, wenn man den Infrarotempfänger in einen der vier Controller-Ports steckt, wird der darauf gespeicherte Regionalcode dauerhaft auf der Festplatte gespeichert und ist danach nicht mehr veränderbar. Daher sollte man lieber abwarten bis sich für die Regionalcodes eine andere Lösung findet wie z.B. das bereits angekündigte DVD Region X.

Im praktischen Umgang gestaltet sich die XBox als DVD-Player recht komfortabel. Das eingebaute DVD-Laufwerk von Thomson ist flink bei der Sache und überzeugt durch rasante Zugriffszeiten. Ein Bildsuchlauf ist mit maximal 32-facher Geschwindigkeit möglich. Vollkommen unbemerkt vollzieht sich der Layer-Wechsel auf der X-Box, da diese als Quasi PC-Konsole auch über einen entsprechenden Bild-Zwischenspeicher verfügt, der den kurzzeitigen Wechsel überbrückt.

Die Bildqualität der XBox-DVD-Wiedergabe ist gut - genauer gesagt: Nur gut. Denn auch wenn man mit dem Bild leben kann und sowohl die Farb- als auch die Kontrastwerte stimmen, so gelingt es der XBox doch nicht, ein wirklich überzeugendes klares und scharfes Bild zu erzeugen. Selbst sehr detailreiche DVDs wie z.B. "Star Wars - Episode One" oder "Star Trek: First Contact" wirken bei der XBox etwas detailarm und verschwommen. Das Bild erscheint dann so wie bei einer DVD, der aufgrund einer zu niedrigen Videobitrate der letzte Schliff fehlt. In der Praxis fällt auch auf, dass Interferenzen und sonstige Störungen die einwandfreie Bildwiedergabe schnell behindern können. Daher spielt die Qualität der Kabel, die gegen solche Störungen immun sind, eine weitaus größere Rolle als bei anderen Spielekonsolen.

Ein paar Kleinigkeiten fallen bei der XBox auf, die in der Praxis das Handling geringfügig stören könnten: Zum einen wirkt sich die Spracheinstellung im Setup nur auf die Sprache und die Untertitel aus, die Menüsprache ist allerdings immer die Originalsprache. "Star Wars - Episode I" wird also immer mit englischen Menüs angezeigt. Außerdem geht die Fernbedienung mit der Menü-Taste etwas eigenartig rum: Normalerweise kann man während eines Films in die Menüs gehen, dort z.B. die Sprache ändern und dann durch erneuten Druck auf die Menü-Taste wieder zurück in den Film gehen. Die XBox stellt sich da aber stur und will, dass der Film neu gestartet wird.

Es ist durchaus sinnvoll, dass Microsoft die DVD-Wiedergabe nur optional anbietet. Wer in wirklich guter Qualität DVDs sehen will, sollte sich lieber einen separaten DVD-Player kaufen, zumal ebenso wie bereits bei der Playstation 2 die Lautstärke der Konsole eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Die XBox ist mit gleich zwei Lüftern ausgestattet, zu deren Geräusch sich das sonore Summen der Festplatte gesellt. Insgesamt ist die XBox etwas lauter als bereits die PS2, das Geräusch ist aber auch gleichzeitig niederfrequenter und geht daher in der Geräuschkulisse von Filmen eher unter. Zumindest während reiner Dialogsequenzen von Filmen lässt sich die XBox aber nicht überhören.

Bislang einzigartig im Spielebereich ist die Dolby Digital 5.1-Unterstützung der XBox. Denn Microsoft hat einen Encoder-Chip in die Konsole integriert, der Spieleherstellern eine einfache Dolby Digital 5.1-Umsetzung ermöglicht. Damit ist die XBox der Playstation 2 und dem Gamecube weit voraus. Natürlich obliegt es den Spielherstellern, was sie daraus machen, aber die hardwareseitige Unterstützung bietet den Programmierern einen einfacheren Weg, 5.1-Sound zu realisieren. Bei den Spielen fällt in der Praxis auf, dass von 5.1 aber nicht unbedingt die Rede sein kann, da der Center nur wenig Beachtung findet, was bei Spielen im Vergleich zu Filmen aber auch nur wenig stört. Wer aber z.B. "Halo" einmal mit 5.1-Ton gespielt hat, der wird feststellen, dass 5.1 beim Spielen nicht nur eine bessere Atmosphäre verschafft, sondern auch für das Spiel selbst nicht unbedeutend ist: So passiert es bei "Halo" häufig, dass man nach Gehör spielen muss, bevor man den nächsten Angreifer erkennt. Die Geräusche kommen recht präzise aus den einzelnen Ecken. Sehr eindrucksvoll ist es, wenn man sich direkt vor eine Geräuschquelle stellt und dann um die eigene Achse dreht und dann auch das Geräusch reihum durch den Raum mitläuft.

Bei der Bildqualität hat die XBox unter den derzeit erhältlichen Konsolen hauchdünn die Nase vorn. Zwar bietet auch die Playstation 2 inzwischen Spiele in ordentlicher Qualität, die XBox hat aber noch mehr Stärken bei der Darstellung von Texturen und Lichteffekten. Besonders eindrucksvoll als Grafik-Demo für die XBox eignet sich "Dead or Alive 3", dass einige Levels in fantasievolle Märchenlandschaften mit vielen Lichtreflexionen und Schatten verfrachtet, die wirklich atemberaubend sind. Wie bei jeder Konsole ist zu erwarten, dass hier auch noch etwas Luft nach oben offen ist und spätere Titel sogar noch etwas besser aussehen können. Erfreulich ist auch, dass bei der Xbox kaum Aliasing-Effekte auftreten. Bisweilen erscheinen einige Texturen allerdings etwas weichgezeichnet.

Im Gegensatz zur Playstation 2 ist an der Xbox kein direkter Anschluß für den Digital-Ton. Hierzu muss man das RGB AV-Pack von Microsoft erwerben, welches in einem kleinen separaten Kasten einen TOSLINK-Anschluss hat. Ärgerlich: Microsoft bietet kein AV-Pack mit Digital-Ton und S-Video-Anschluss für die XBox an. Hier kann man sich aber aus den USA für rund 20 Dollar das amerikanische "Advance AV-Pack" besorgen, welches auch problemlos an der PAL-Konsole läuft. Ein kleines Lob hat indessen der Microsoft Game-Controller verdient: Während die Controller von Sony und Nintendo primär für kleine Hände ausgelegt sind, liegen die klobigen und präzise steuerbaren Controller der XBox auch in großen Händen sehr gut. Außerdem ist der Microsoft-Controller der einzige, dessen Kabellänge sich nicht an der Größe japanischer Wohnungen orientiert, sondern auch ohne Verlängerungskabel ausreichend Distanz zum Fernseher schafft.

Die große Stärke der XBox ist die Möglichkeit der Progressive Scan-Wiedergabe von Spielen (nicht bei DVD) - auch wenn sich Microsoft in Deutschland ordentlich bemüht hat, dies überhaupt nicht an die große Glocke zu hängen und sich die Progressive-Wiedergabe auch auf 480p beschränkt. Die amerikanische XBox unterstützt gleich alle drei wichtigen HDTV-Auflösungen 480p, 720p und 1080i - sofern es eines Tages in den USA Spiele geben wird, die diese Auflösung auch unterstützen. Offiziell vertreibt Microsoft keine Kabel für HDTV-Unterstützung in Europa. Hier hilft eine spezielles Kabel, welche bei www.digital-x.de erhältlich ist und das Progressive-Signal in 480p über eine VGA-Buchse ausgibt. "Halo" z.B. sieht dann mit VGA-Auflösung noch etwas plastischer und detailreicher aus, als man es bereits mit Interlaced-Darstellung gewohnt ist. 

Pro:
  • Gute bis sehr gute Bildqualität bei Spielen

  • Kaum Aliasing

  • Eingebaute Festplatte zum Abspeichern der Spielstände

  • Dolby Digital 5.1-Ton für Spiele

  • Schnelle Zugriffszeiten

  • Sauberer Layer-Wechsel

  • Progressive Scan in 480p für Spiele (inoffiziell)

Contra:
  • DVD-Wiedergabe nur gut

  • Hohe Spiele-Preise

  • Lauter Lüfter

  • Probleme mit CD-Rs

  • Störanfälliger Videoausgang

Nintendo Gamecube

Am auffälligsten unterscheidet sich der Gamecube bereits durch die kompakten Abmessungen von den Mitwettbewerbern. Er ist wirklich fast ein Würfel mit den Abmessungen 15 x 11 x 16 cm und findet somit selbst in der kleinsten Hütte Platz. Der typische Gamecube hat zwar die Farbe Lila, für alle, denen das zu bunt ist, gibt es den Cube aber auch in Schwarz. Nintendo beschränkt sich bewusst aufs Wesentliche, nämlich die Spiele, und verzichtet auf jeglichen Multimedia-Schnickschnack, den man sich denken kann. DVDs lassen sich mit dem Gamecube daher auch nicht abspielen, obwohl im Gamecube ein modifiziertes DVD-Laufwerk steckt. Dieses schluckt aber nur "Mini-DVDs" mit 8 cm Größe. Gamecube-Spiele kosten rund 60 EURO und liegen damit preislich auf dem Niveau der Playstation 2. Das winzige Format erreicht der Gamecube nicht zuletzt dadurch, dass das Netzteil ausgelagert wurde. Dies hat zumindest den Vorteil, dass die Wärmeentwicklung überschaubar bleibt und der Gamecube auch nur einen kleinen Lüfter braucht, der deutlich leiser als der von Playstation 2 und XBox ist. Auch bei den Ladezeiten ist der Gamecube nicht nur der PS2 sondern auch der XBox überlegen und geht hier sehr geräuscharm zu Werke. Das billigere Toplader-Prinzip des Gamecubes hat allerdings den Nachteil, dass man ihn nicht einfach in ein Regal stellen kann, sondern immer noch genügend Freiraum vorhanden sein muss, um den Cube einschalten und öffnen zu können.

Auf der Rückseite des Gamecube befinden sich jeweils ein analoger und ein digitaler Multi AV-Port. Offiziell in Europa unterstützt wird bislang nur die analoge Ausführung, über die man das Bild in Composite oder RGB weiterleiten kann. S-Video wird von der PAL-Version des Gamecubes nicht unterstützt, so dass der Cube nicht via Hosiden-Kabel mit einem AV-Receiver verbunden werden kann und am Fernseher keine Alternative besteht, falls an der mit RGB beschalteten SCART-Buchse schon ein anderes Gerät hängt. Ein weiteres Manko des Gamecube: Nintendo bietet keine Möglichkeit, den Ton digital auszugeben. Die offiziell erhältlichen Kabel geben alle nur den Analog-Ton in Stereo aus. Für echten 5.1-Mehrkanalton fehlt dem Gamecube aber auch ein entsprechender Encoder-Chip. Diesem Manko will Nintendo auf anderem Wege begegnen: Allen Spieleentwicklern stellt Nintendo ein Entwicklungs-Tool zur Verfügung, welches Dolby Pro Logic II auf dem Gamecube realisieren soll. Um aus dem Stereo-Signal wieder 5.1-Ton zu bekommen, ist ein entsprechend mit Dolby Pro Logic II ausgestatter Receiver erforderlich. Das weltweit erste Computer-Spiel, welches Pro Logic II nutzt, ist "Star Wars Rogue Leader: Rogue Squadron 2", einer der Top-Starttitel für den Gamecube. Bei diesem Spiel gibt es einen kleinen Demo-Modus, in dem einer der Star Wars Tie-Fighter einen Rundumflug um die eigene Sitzposition startet und sehr präzise reihum von Lautsprecher zu Lautsprecher zieht. So ist es doch prinzipiell möglich, auf dem Gamecube 5.1-Ton zu realisieren, denn Pro Logic II besitzt eine hohe Kanaltrennung, die damit auch überzeugende direktionale Effekte möglich macht. Im Spiel selbst allerdings sorgt der Ton zwar für eine angenehme räumliche Kulisse, bietet aber zumindest in den ersten Levels vergleichsweise wenig ausgeklügelte Effekte.

Der digitale AV-Port des Gamecube wird in Europa ebenfalls nicht offiziell unterstützt. Für die japanische und die US-Version des Gamecube besteht hier die Möglichkeit, ein YUV-Komponentensignal abzugreifen, welches bei vielen Spielen sogar in Progressive Scan ausgegeben wird. Spezialkabel ermöglichen es auch, ein VGA-Signal auf diesem Wege aus dem Gamecube zu bekommen und prinzipiell sogar mit recht aufwendigen Erweiterungen Digital-Ton, wenn auch nur im Zweikanal-Format. Beim PAL-Gamecube hat Nintendo den Multi AV-Port aber praktisch nutzlos gemacht, denn er gibt weder 480p noch VGA direkt aus. Das entsprechende Setup der japanischen und amerikanischen Version, welches den VGA-Modus aktiviert, erscheint beim PAL-Gamecube nicht, anstelle dessen nur die 50/60 Hz-Abfrage.

Stattdesssen gibt es viele Spielereieren wie z.B. einen auf den Cube aufsetzbaren LCD-Monitor oder ein Link-Kabel für den Gameboy Advance. Obwohl sich der Gamecube prinzipiell überhaupt nicht verstecken braucht, ist doch nicht der Eindruck zu ignorieren, dass man gerade für Europa den Gamecube primär als Kinderkonsole betrachtet und nicht viel Wert auf die Technik legt und ohne triftigen Grund technische Features streicht.

Die grafische Qualität der Spiele entspricht ungefähr dem Niveau der Playstation 2. Zwischen diesen beiden Konsolen bestehen bei der Grafik geringe Unterschiede, wobei man ohnehin sagen muss, dass alle drei Konsolen auf einem hohen technischen Niveau sind, bei dem die Unterschiede nicht mehr so deutlich sind wie im Vergleich mit PS One oder N64. Bei einigen Spielen mag die PS2 zwar etwas detailreicher sein, dafür ist das Aliasing beim Gamecube deutlich geringer. Es ist beim Cube durchaus vorhanden, fällt aber meist nur bei ganz genauem Hinsehen auf. Die drei Spiele, die wir uns ausgewählt hatten (Burnout, Extreme G Racing und Star Wars - Rogue Leader), boten alle grafisch ordentliche Leistungen, wobei "Burnout" und "Rogue Leader" sogar einen 60 Hz-Modus bieten, der bei dem Gamecube nicht im Setup eingestellt, sondern nach Spielstart abgefragt wird. "Rogue Leader" stellt sogar die XBox ein wenig in den Schatten, denn dieses Star Wars-Spiel bietet eine lupenreine Bildqualität mit einer scharfen Auflösung, die fast schon Film-Niveau erreicht. Nicht nur die Raumschiffe sind sehr originalgetreu, sondern selbst kleine Gebäude auf dem Todesplaneten kann man klar erkennen, wenn man einen Angriff fliegt. 

Pro:
  • Gute, teilweise sehr gute Bildqualität bei Spielen

  • Kompakte Abmessungen

  • Sehr schnelle Zugriffszeiten

  • Leises Lüftergeräusch

Contra:
  • Kein Dolby Digital 5.1

  • Kein S-Video mit dem PAL-Gamecube

  • Digital AV beim PAL-Gamecube praktisch nutzlos

  • Kein direkter Anschluss für Digital-Ton

 

Fazit

Welche soll's nun sein? Am besten wären natürlich alle drei, sofern man rund 800 EURO investieren möchte, denn es wird immer Spiele geben, die nur exklusiv auf einer Spieleplattform veröffentlicht werden. 

Die XBox ist die Konsole für alle, die vor allem Wert auf technische Finessen legen. Neben der Möglichkeit, die XBox auch mit Progressive Scan zu nutzen, ist gerade der 5.1-Ton ein für Heimkino-Freunde hervorragendes Feature, welches nur diese Konsole bislang überzeugend bieten kann. Auch die eingebaute Festplatte macht das Abspeichern von Spielständen einfach und erfordert keine separaten Speicherkarten. Als DVD-Player kann man die XBox allerdings nicht unbedingt empfehlen, da gibt es bessere Möglichkeiten. Zudem sind die XBox-Spiele auch ein wenig teurer als die von Gamecube und PS2. 

Wer wirklich nur spielen möchte, der sollte zum Gamecube greifen. Das schnuckelige Ding verrichtet flink seine Arbeit, nimmt wenig Platz weg und ist ausgesprochen leise. Betrachtet man die Bildqualität, so lassen Spiele wie "Rogue Leader" darauf hoffen, dass der Cube noch eine Menge positiver Überraschungen bringen wird. Im Gamecube steckt zumindest das Potential, die PS2 zu überflügeln. Dass Nintendo auf echten 5.1-Ton verzichtet hat, ist ein großer Fehler, aber in Abhängigkeit vom Willen der Spielentwickler könnte der Gamecube zumindest in Pro Logic II auch für guten Surround-Klang sorgen.

Die Playstation 2 spielt ihre Trümpfe vor allem durch die gute DVD-Wiedergabe und das inzwischen umfangreiche Spieleangebot aus. Technisch bietet sie eine gute Qualität, die lediglich durch das stellenweise stark auftretende Zeilenflimmern gemindert wird. Zu dürftig ist auch immer noch das Angebot von Titeln mit 60 Hz-Option. Inwieweit die XBox und der Gamecube in dieser Hinsicht ein besseres Beispiel geben, wird sich allerdings auch erst mit der Zeit zeigen.

Verantwortlich für den Test: Karsten Serck

06.05.2002