Test: Onkyo D-302E

15.08.2005 (cr) 

Einführung

Gern sagt man japanischen AV- und HiFi-Anbietern nach, dass sie zwar sehr gute Verstärker, DVD- oder CD-Player bauen können, sich bei der Konstruktion exzellent klingender Lautsprecher aber sehr schwer tun. Mit diesem beinahe schon traditionellen Vorurteil möchte Onyko mit dem neuen Regallautsprecher D-302E nun endgültig aufräumen - und zwar nicht in irgendeiner unbezahlbaren Highend-Preisliga, sondern in durchaus finanziell erträglichen Bereichen: Mit 749 € pro Stück, das macht knappe 1.500 € fürs Paar, ist man dabei. Hiermit ist sie allerdings rund 200 € (bezogen auf den Paarpreis) teurer als die kraftvoll aufspielende Polk Audio LSi-9 (Paarpreis 1.299 €),  liegt aber knapp unter der KEF XQ Three  (799 €). Nicht verschweigen sollte man, dass man für weniger Geld, nämlich für rd. 650 € pro Stück (rd. 1.300 €/Paar), mit der Monitor Audio Silver RS-8 bereits eine brillante Box erhält, die vielen teureren Konkurrenten das Leben sehr schwer macht, und mit der lediglich 445 € kostenden Nubert nuWave 85 meldet sich ebenfalls ein harter Konkurrent zu Wort.  Die Aufgabe, zu überzeugen, wird also alles andere als einfach für Onkyos neuen Versuch, sich als Anbieter sehr hochwertiger Schallwandler zu etablieren. 

Onkyos D-302E trifft auf sehr harte Konkurrenz

Verarbeitung

Die Verarbeitung der D-302E ist exzellent. Das holzfurnierte MDF-Gehäuse, welches laut Onkyo auch einem sehr vollen Klang zuträglich sein soll, gefällt durch sehr sorgfältiges Finish auch im Detail. Der Ringhochtöner und der Bass-Woofer sind sehr präzise eingepasst. Alle verwendeten Materialien wirken hochwertig und langlebig - die D-302E ist eine richtige kleine Nobel-Box, die sich mit ihrer schlicht-eleganten, zeitlosen Ausstrahlung und den gerundeten Ecken auch sehr gut z.B. in einem klassisch eingerichteten Musikzimmer oder in einer Bibliothek macht. Die Abdeckgitter sind ebenfalls tadellos verarbeitet, wenngleich wir die D-302E als optisch attraktiver empfinden, wenn sie ohne Gitter auftritt. Wie so oft, fehlt dem stoffbezogenen Abdeckgitter etwas der stilistische Pfiff. Die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals sind selbstverständlich vergoldet, fallen jedoch etwas schlicht aus. Eine Bi-Amping-Möglichkeit gibt es nicht, es ist nur ein LS-Kabel-Anschluss vorhanden. 

Eine sehr hochwertige Kantenverarbeitung prägt die D-302E

Attraktives und edles Erscheinungsbild. Hochtöner und Tieftöner sind äußerst akkurat eingepasst.

Vergoldete Terminals, aber kein Bi-Amping möglich

Bewertung
Einsatzmöglichkeiten/grundsätzliche Daten

Dass man mit einer 08/15-Konstruktion, die nur durch ihre hohe optische Gefälligkeit und eine edle Anfassqualität begeistert, keinen Blumentopf gewinnen kann, war den Onkyo-Entwicklern offensichtlich klar, denn sie legten sich bei der Konstruktion der D-302E mit einer Vehemenz "ins Zeug", dass man einigen Platz braucht, um die ganzen "Special Features" aufzuzählen und zu erklären:

Fangen wir mit dem Basslautsprecher, dem "Woofer", an. Dieser glänzt mit einer A-OMF-Membran, wobei "OMF" für "Onkyo Micro Fiber" steht. A-OMF ist nun eine Weiterentwicklung, wie sich am Bild oben erkennen lässt.  Bei der A-OMF Werkstoffkombination unterdrückt ein Baumwollgewebe unerwünschte Resonanzen und ist zusätzlich noch 3,5 mal stabiler als das alte Material. Die Stabilität und Festigkeit von A-OMF ist die Folge einer geschickten Werkstoffkombination aus einer Schicht PEN (Polyethylen-Naphtalat) und einem flexiblen Baumwollgewebe. Dadurch wird die Konstruktion einer gleichzeitig dünnen und steifen Membran möglich - was akustisch einer extrem schnellen und zugleich präzisen Impulswiedergabe zugute kommt. Der Klang, so Onkyo, wird natürlicher, frischer und im Mitteltonbereich feiner durchzeichnet. 

Die A-OMF-Membran des Woofers besteht aus drei Werkstoffen. Diese Mischung soll eine hohe Stabilität, verbunden mit Resonanzarmut, realisieren

Sehr hochwertiges Alu-Chassis

Schwingspule mit 65 mm Durchmesser im Tieftonchassis

Leistungsstarke Magneten mit hohem Durchmesser

Auch den Chassis widmete man größte Aufmerksamkeit. Das in der D-302E verbaute Tieftonchassis bringt Schwingspulen mit 65 mm Durchmesser und ein Magnetsystem mit 140 mm Durchmesser zum Einsatz. Die gesamte Mimik wiegt 1.090 Gramm - üppig bemessen.  Die Schwingspule ist das wesentliche Bauteil, welches den Lautsprecher antreibt - hier muss man für einen möglichst geringen Verlust sorgen, was Onkyo auch gemacht hat. Der Korb ist aus Aluminium-Druckguss und 6 mm dick, was der Verhinderung von Vibrationen entgegen kommt. 

V-förmige Sicke für präzisen und klaren Klang

Auch im Detail wurde optimiert. Um dem rauen, unpräzisen Klang, der durch Auslenkungen einer S-förmigen Sicke entstehen kann, vorzubeugen, verwendet Onkyo eine komplett andere Bauform. Die V-förmige Sicke im Tieftonchassis verhindert wirkungsvoll Schwingungen, die sich negativ auf die Klangqualität auswirken, effektiv. 

Im Bild links ist der Onkyo-Ringradiator-Hochtöner

Als Hochtöner setzt Onkyo auf einen Ringradiator-Hochtöner, der mit seinem hohen Wirkungsgrad für eine besonders effektive Hochtonwiedergabe sorgen soll. 

Aero Acoustic Drive

Auch Detailarbeit wurde an der Bassreflex-Bauweise betrieben. Onkyo setzt hier auf den "Aero Acoustic Drive", der wirkungsvoll Töne tiefer und hoher Frequenzen trennt und dadurch einen natürlichen und zugleich kräftigen Klang realisieren soll. Der akustischen Präzision zuträglich ist auch eine aufwändig aufgebaute Frequenzweiche.

Die Daten der D-302E können sich sehen lassen: Mit einer maximalen Belastbarkeit von 200 Watt ist sie auch für leistungsstarke Verstärker geeignet. In Anbetracht eines Wirkungsgrades von gerade einmal 83,5 dB wird ein sehr kraftvoller Verstärker aber auch benötigt. Mit einem Frequenzgang von 34 Hz bis 100.000 Hz werden ausgezeichnete Werte erreicht. Aufgrund der sehr optimistisch erscheinenden unteren Grenzfrequenz waren wir zunächst sehr skeptisch, unsere Klangtestreihen zeigten aber, dass auch so tiefe Frequenzen von der aufwändig konstruierten D-302E wiedergegeben werden können. Mit 100.000 Hz oberer Grenzfrequenz ist die Zweiwege-Bassreflexbox auch für DVD-Audio und SACD-Software geeignet. 

Bewertung
Klang

Im höchsten Maße pegelfest: Der Basslautsprecher der D-302E stellt die Konkurrenz vor schwere Aufgaben

Onkyo macht Ernst: Mit der überragenden Pegelfestigkeit schlägt die kompakte Regalbox sogar anerkannt gute Standlautsprecher! Zunächst waren wir bei sehr kleiner Lautstärke nicht überdurchschnittlich angetan von der tieffrequenten Performance. Wir dachten an den hohen konstruktiven Aufwand und erwarteten ein echtes Feuerwerk, das aber, genau wie bei einem Turbodiesel-Motor kurz über der Leerlaufdrehzahl, komplett ausblieb. Gut, es war schon Bass vorhanden, aber lange nicht so raumfüllend und kraftvoll, wie wir es uns gedacht hätten. Dann aber schlug die D-302E gnandenlos zu. Angetrieben von der großen Power unserer Restek Extract Mono-Endblöcke drangen die D-302E in Pegelbereiche vor, die für eine solche Box eigentlich gesundheitsschädlich sein sollten. Doch die relativ harte Aufhängung der Box in Verbindung mit dem großen Hub, den der Tieftöner mitmacht und dem dicken Magneten sowie der aufwändigen Schwingspule sorgen dafür, dass es die D-302E in Pegelregionen vorstoßen kann, die sonst nur deutlich größeren Standlautsprechern vorbehalten bleiben.  Bei Gigi d'Agostinos "L' Amour toujours II" ging auf der zweiten CD massiv "die Post ab":  Besonders bei "Summer of Energy" (Track 2) und bei "Marcetta Percorrendo" (Track 3) brachten die Onkyo-Lautsprecher höchst Erstaunliches zustande. Neben der bei kräftigem Pegel exzellenten Bassperformance überzeugt auch die herausragende Klarheit. Hier müssen sich selbst anerkannt gute Konkurrenten geschlagen geben: Die KEF XQ Three wirkt bei Lautstärken schon hörbar gequält, bei denen die D-302E noch munter voran marschiert. Die KEF mit ihrem sensiblen Wesen ist eher für Feingeister gedacht, die begeistert sind von der glasklaren Auflösung und die Auffassung vertreten, dass heftige Pegeltreibereien nur Spielchen jugendlicher Hörer sind, die man nicht mehr nötig hat. Die Polk Audio LSi-9 definiert sich als absolute Spaßbox, sie ist sehr pegelfest, keine Frage, die Onkyo jedoch schafft es, viele Elemente aus dem KEF Universum und der Polk Galaxie miteinander zu verbinden. Bei entsprechendem Quellmaterial bietet die D-302E einen sehr nachdrücklichen Bassbereich, vor allem bei großer Lautstärke kommt der Bass mit deutlich spürbarer Kraft zur Geltung.  

Eines wollen wir jedoch keinesfalls verheimlichen: Ein kräftiger Verstärker ist zum Antrieb der D-302E absolut Pflicht. Man darf nicht zurückschrecken und in Anbetracht der Tatsache, dass es sich "nur" um einen recht kompakten Regallautsprecher handelt, zu einem normal dimensionierten Verstärker greifen. Die D-302E hat einen Wirkungsgrad von lediglich 83 dB (1 W @ 1 m), was nach einem leistungsstarken Verstärker verlangt. Wer entsprechend dimensionierte Leistungsendstufen einsetzt, wird sich über die klanglichen Fähigkeiten der D-302E freuen.

Klar, spritzig, transparent: Im Hochtonbereich ist die D-302 ebenfalls vollauf gelungen

Die D-302E sorgt noch mit anderen Tugenden für Aufruhr: Die sehr feine Auflösung zu Beginn von "Gigi's Way" auf L'Amour toujours II zeigt, dass die Onkyo-Box einer seriösen Hörerschaft mit viel Hörerfahrung genau das bietet, was diese Klientel möchte: Eine äußerst ansprechende Auflösung, verbunden mit einem präzisen Bühnenaufbau. Wem nun das von uns gewählte Beispiel nicht schmeckt - da Gigi D'Agostino schließlich DJ ist und kein großer Komponist - den verweisen wir gern auf die Ergebnisse anderer Hörtestreihen. Sei es Ludwig van Beethovens "Pastorale" oder berühmte Strauss-Walzer wie der "Kaiserwalzer" oder "An der schönen blauen Donau" und "Wienerblut" - stets verblüffen die D-302E mit sehr viel Esprit, Schwung und einer für Lautsprecher dieser Preisliga beinahe schon mustergültig guten Detailarbeit.  

Was vielen potentiellen Käufern sehr gut gefallen dürfte: Die D-302E ist eine sehr ehrliche Box. Zu dickes Auftragen ist nicht ihr Fall. Sie bietet nicht den sehr voluminösen, massiven Bass einer Polk Audio LSi-9, die immer nach vorn strebt und mit ihrer schier überbordenden Dynamik vielleicht manchem Hörer zu auffällig spielt. Die Polk kennt keinen halben Schub, kein Innehalten, keine stark in die detailreiche Tiefe gehende Charakteristik. Sie gibt immer Vollgas, was dafür sorgt, dass menschen, die diese Art zu Hören lieben und der LSi-9 verfallen sind, keinen anderen Lautsprecher mehr hören möchten. Die D-302E  ist da deutlich neutraler, ihr Kennzeichen ist der sehr leichtfüßige, nie zu dicke oder schwere Sound. Die D-302E macht es dem Hörer leicht - man kann sie für die Hintergrundbeschallung ebenso nutzen wie fürs anspruchsvolle, konzentrierte Hören, bei dem auf viele Details geachtet wird. Die D-302E fordert wenig, aber gibt viel - das macht sie so interessant. Mit ihrer stets lebendigen Wiedergabe kann man ihr stundenlang zuhören. Wem diese Beschreibung zu blumig erscheint, dem liefern wir die nüchterne Beschreibung gern nach: Die schnelle und zugleich exakte Impulswiedergabe erfreut ebenso wie die präzise Staffelung vom Hochton- bis zum Tieftonbereich. Die Übergänge zwischen den Frequenzbereichen sind angenehm sanft, fließend, in sich ist jeder Frequenzbereich sehr präziser gestaffelt. Die räumliche Abbildung ist hervorragend, die D-302E schafft eine ausgezeichente Kombination aus Präzision und räumlicher Weite. Nie entsteht der Eindruck eines zwar präzisen, aber räumlich beengten Wiedergabefeldes, ebenfalls nie sorgt die D-302E dafür, dass man sich in einem zwar weitläufigen, aber unpräzisen Soundfeld eingeschlossen fühlt.  

Viele dieser Eindrücke konnte wir bei der sehr gut aufgenommenen Audio-CD des DVD/CD-Sets "Jarré in China" von Jean-Michel Jarré sammeln - diese CD mit ihren vielschichtigen und vielfältigen Effekten gibt genau Gelegenheit, sich auch damit auseinander zu setzen, wie gut die D-302E einzelne Effekte voneinander trennen kann - und auch hier waren wir sehr überrascht. Es gibt praktisch keine Differenzierungsprobleme, die beiden Onkyo Schallwandler gehen gleichermaßen treffsicher wie schnell vor und präsentieren ein sehr sauberes, klares und dynamisches Klangbild, das sehr nah beim Original bleibt und die interpretarischen Absichten nur in Maßen, aber sehr gekonnt ins Spiel bringt: Im Hochtonbereich ertönt alles überdurchschnittlich spritzig, wie man z.B. am Anfang von "Aerozone" merken kann. Die Klassiker "Oxygene 2" und "Oxygene 4" werden ebenfalls sehr treffend wiedergegeben. Am Anfang von Oxygene 2 merkt man, gerade bei höheren Pegeln, dass die D-302E nicht nur einen kräftigen Bass produzieren, sondern auch einen tadellosen Tiefgang ermöglichen. Sehr schön werden die einzelnen Instrumente voneinander getrennt, gleichzeitig aber ein homogenes, schlüssiges Gesamtklangbild geschaffen. Durch den direkten Zugang zur Musik wirkt das Ganze sehr authentisch und atmosphärisch dicht. Die krassen Gegensätze zwischen tiefem Bass und den Streicher-Klängen im Hochtonbereich stellen die D-302E sehr gut dar. Der Übergang zum eigentlichen "Oxygene"  (ab ca. Laufzeit 2.30) mit den Synthie-Klängen und dem Aufbau eines imposanten elektronischen Klanggebildes managen die Onkyo-Boxen so souverän, dass man spontan an deutlich größere Standlautsprecher denkt. Das Unvollkommene, Abschneidende, Eingrenzende, das leider Kennzeichen vieler kompakten Lautsprecher ist, lässt dieses Ausnahmetalent nicht einmal ansatzweise durchscheinen.  Das zeigt sich auch zu Beginn von "Oxygene 4", das Klingen der Glocken wird ebenso eindrucksvoll dargestellt wie das Geräusch eines kräftigen Windes. Sehr klar, prägnant, aber nicht künstlich in den Vordergrund gestellt startet dann das eigentliche Lied durch. Es macht unglaublichen Spaß, gerade diese CD mit einem hochwertigen System (bei uns das Restek Stereo-Set Editor/Extract/Epos) und der D-302E zu hören. Die im Vergleich preisgünstige Onkyo Box zeigte keinerlei Berührungsängste mit der edlen Restek-Lösung, vielmehr herrschte eine eindrucksvolle Harmonie des mit minimalem, sehr angenehmen warmen Einschlag aufspielenden, gleichzeitig aber sehr dynamischen Restek-Ensembles und den Onkyo Stereolautsprechern. Eine klanglich stimmige Kombination, auch wenn dies viele sehr verwundern dürfte, stehen japanische Lautsprecher doch oft in dem Ruf, gerade europäischen Anforderungsprofilen nicht gerecht zu werden. 

Wie sieht das Standing der D-302E im Vergleich zur gesamten Konkurrenz aus? Die Onkyo-Box befindet sich in einer Preisregion, in der starke Alternativen alles andere als Mangelware sind. Fangen wir an:

  • Bereits für 445 € pro Stück gibt es die Nubert nuWave 85. Diese kompakte Standbox spielt sehr dynamisch und angenehm. Diese schon beinahe kristallklare Reinheit wie die D-302E bietet sie nicht, dafür aber schon bei recht geringen Lautstärken einen sehr fundierten Bass. Im Finish kommt die nuWave 85 nicht an die D-302E heran. Wer viel Wert auf Dynamik und Kraft legt und weniger auf eine gediegene Optik, macht mit der nuWave 85 garantiert keinen Fehlkauf. Für ihr Geld ist diese Box kaum zu schlagen.

  • Mit rund 650 € pro Stück ist die Monitor Audio Silver RS-8 sehr günstig. Sie klingt außerordentlich kraftvoll und überzeugt mit einer sehr guten räumlichen Abbildung. Die Verarbeitung ist brillant. Wer den Platz zur Aufstellung von Standlautsprechern hat, sollte sich diese Spitzen-Box im Vergleich zur D-302E auf jeden Fall anhören. Durch ihre feinsinnig-sensible Wiedergabe dürfte die D-302E für Klassik und Jazz-Liebhaber, die nur wenig Stellraum zur Verfügung haben, erste Wahl sein, wer mit der immer noch ausgezeichneten Detaillierung der Silver leben kann und dafür ihre stets spürbare Antrittskraft haben möchte und die Stellfläche für eine Standbox hat, greift zur RS-8, die es selbst manchem doppelt so teuren Konkurrenten sehr schwer macht. 

  • Fürs gleiche Geld wie die Silver RS-8 gibt es auch die Polk Audio LSi-9. Wer bei einem Regallautsprecher maximalen Spaß sucht, liegt hier goldrichtig. Die LSi-9 strebt stets mit Macht nach vorn, baut eine beeindruckende Räumlichkeit und einen höchst beachtlichen Bassdruck auf. Pegelfestigkeit und Verarbeitung liegen auf Top-Niveau. Detaileinarbeitung und feinsinnige Brillanz im Hochtonbereich jedoch gehören nicht zu den Paradedisziplinen der LSi-9.

  • Hochpräzise, detailverliebt und akzentuiert im Hochtonbereich tritt die KEF XQ Three an. Sie ist zudem optisch sehr attraktiv, aber es fehlen ihr, salopp gesagt, die Zähne: Sie hat nicht den nötigen Nachdruck, um für Freude einer kräftigen Wiedergabe höchst interessant zu sein. Die Pegelfestigkeit ist gut, aber nicht überragend. Hohe Pegel, das merkt man, sind nicht das bevorzugte Metier der XQ Three. 

Was macht nun die D-302E so stark? Es ist eine Kombination verschiedener Faktoren, die dafür sorgt, dass die D-302E als Volltreffer bezeichnet werden kann.

  1. Ihre Pegelfestigkeit. Die D-302E blüht bei hohen Lautstärken richtig auf. Obwohl sie nur wenig Platz braucht, also sehr kompakt ist, macht sie in Bezug auf die erreichbaren Pegel vielen Standlautsprechern das Leben schwer.

  2. Ihre sehr brillante, schwungvolle Wiedergabe. Die D-302E kommt ungeheuer leichtfüßig daher - aber sie wirkt trotzdem nie überhastet, sondern arbeitet jedes Detail sorgsam ein.

  3. Die sehr stimmige Basswiedergabe. Die D-302E geht einen Mittelweg, der viele Hörer ansprechen dürfte. Sie macht keinen discomäßig "dicken" Bass, der das Wohn- oder Musikzimmer schon bei Zimmerlautstärke in den Grundfesten erbeben lässt, sondern bleibt immer ehrlich und liefert einen präzisen, knackigen Bass. Aber: Bei entsprechendem Quellmaterial und bei hohen Pegeln liefert die Onkyo-Box einen exzellenten Bassdruck - völlig souverän, ohne erkennbare Anstrengung.

  4. Die homogene Gesamt-Klangcharakteristik. Wir kennen kaum einen Lautsprecher, der so harmonisch klingt. Keine Ecke oder Kante stört die Wiedergabe, alle Übergänge verlaufen unmerklich, fließend. 

  5. Die D-302E fordert nicht - gibt aber viel. Wahlweise kann sie unauffällig im Hintergrund laufen oder aber man hört ihr konzentriert zu. 

Bilanz: So klein und so stark - die D-302E wirkt wie ein italienischer Expresse. Ihr Verhältnis von Abmessungen und Performance ist nur schwer zu schlagen. Klarer Fall: Die D-302E wird unsere erste Regallautsprecher-Referenz.

Bewertung
Fazit

Onkyos großer Wurf: Die D-302E setzt sich an die Spitze aller bislang bei uns getesteten Regallautsprecher

Spitzenklasse: Auf so einen Regallautsprecher wie den D-302E haben wir gewartet. Mit ihrer grundehrlichen, höchst natürlichen Spielweise passt sie hervorragend selbst zu sehr hochwertigen Stereosystemen, die preislich eigentlich deutlich über der Regalbox aus dem Hause Onkyo liegen. Zu der detaillierten, frischen Wiedergabe passt die extrem hohe Pegelfestigkeit vorzüglich, so kann man auch bei Konzertlautstärke noch problemlos jede musikalische Feinheit heraushören, gleichzeitig jedoch macht die D-302E hohe Pegel durch den sehr nachdrücklichen, dabei stets sehr sauberen Bass zu einem Erlebnis.. Das exzellent verarbeitete Gehäuse und die zeitlos-schlichte, gleichzeitig zurückhaltend-elegant passt haargenau zum Marken-Image von Onkyo als Anbieter langlebiger, seriöser, klanglich über jeden Zweifel erhabenen Komponenten. Einziger kleiner Kritikpunkt sind die einfach ausgeführten Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse mit fehlender Bi-Amping-Option. 

Eindrucksvoll widerlegt die D-302E das Vorurteil, japanische Hersteller könnten keine Boxen bauen - die D-302E wird unsere erste Regallautsprecher-Referenz!

Preisklassenreferenz Regallautsprecher bis 1.000 €
Test 13.08.2005
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Extrem detaillierte Wiedergabe

  • Sehr transparenter, angenehm klarer Hochtonbereich

  • Sehr feinfühlige räumliche Auflösung

  • Exzellente Instrumentaltrennung

  • Ausgezeichnet für Klassik und Jazz geeignet

  • Herausragende Pegelfestigkeit

  • Sehr edle Gehäuseverarbeitung

  • Für die Leistungen absolut fairer Kaufpreis

Contra:
  • Sehr schlichte Anschlussterminals

  • Leistungsstarke Endstufen sind Pflicht

Technische Daten und Features
  • 2-Wege Bassreflexlautsprecher

  • Tieftöner: 16 cm Durchmesser, A-OMF Membran

  • Hochtöner: 4 cm Ringradiator-Hochtöner

  • Frequenzgang: 34 bis 100.000 Hz

  • Übernahmefrequenz: 2 kHz

  • Empfindlichkeit/Wirkungsgrad: 83 dB (1 W @ 1 m)

  • Maximale Belastbarkeit: 200 W

  • Nominalimpedanz: 4 Ohm

  • Gehäusevolumen: 15,2 Liter

  • Abmessungen (B x H x T in mm): 210 x 347 x 363)

  • Gewicht: 10,8 kg

  • Stückpreis: 749 €

Test: Carsten Rampacher

15. August 2005

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