Test: AV-Receiver Kenwood KRF-X9060D

06. August 2002 (cr)

Ausstattung

Die neuen Kenwood-AV-Receiver sind ein voller Erfolg: Mit attraktiver Optik, sehr guter Ausstattung, einem ausgewogenen, dynamischen Klangbild und fairen Kaufpreisen treffen sie den Geschmack einer breiten Käuferschicht, und auch unsere Testberichte vom KRF-V5060D und vom KRF-V7060D zeigten das erstaunliche Potential. Wir wollten nun wissen, ob das 729 EUR kostende Topmodell der neuen Baureihe, der KRF-X9060D, ein würdiges "Oberhaupt" ist - der Kenwood trat zum Praxistest an. Viel geboten bekommt der Kunde auf jeden Fall für sein Geld, denn es handelt sich hier um einen absolut voll ausgestatteten AV-Receiver zum Mittelklassepreis, der praktisch alle Features mitbringt, die für einen Heimkino- und Mehrkanalmusik-Betrieb mit sehr guter Performance notwendig sind. Angefangen von den sechs eingebauten Endstufen, die jeweils 100 Watt stark sind, über die THX Select Zertifizierung und die Dolby Digital 5.1 EX- DTS ES Discrete/Matrix 6.1-Decodierung bis zur großen Auswahl an Surround-Aufpolierern (Dolby ProLogic II in Vollversion, DTS Neo:6 und Smart Circle Surround II) ist alles mit an Bord. Die Anschlussbestückung ist ebenfalls lobenswert: So gibt es insgesamt vier Digitaleingänge und einen Digitalausgang, für die Video-Fraktion stehen unter anderem zwei Komponenteneingänge und ein Komponentenausgang zur Verfügung. 

 

Wer sein System nach THX Surround EX Anforderungen mit zwei Lautsprechern für die Back Surround-Konfiguration aufbauen möchte, kann dies ebenfalls tun: So kann via Pre-Out eine zusätzliche Endstufe angeschlossen werden, die dann die beiden Back Surround Kanäle anstatt der einen Back Surround-Endstufe, die integriert und für den Betrieb mit einem Back Surround-Lautsprecher ausgelegt ist, befeuert.  Diesen Aufbau (Endstufe: KMF-X9000) wählten wir auch für den Testbetrieb, Zuspieler war unser Top-Player Denon DVD-A1, als Lautsprechersystem kam das testerprobte und von der Klangcharakteristik her überzeugende Teufel System 5 in EX-Konfiguration zum Einsatz, welches wir während des längeren Testbetriebs kennen und schätzen gelernt haben. Und diese Wahl entpuppte sich als äußerst glücklich, denn, wie unsere ersten Testreihen zeigen, harmoniert das wohlklingende Teufel-System bestens mit dem dynamisch antretenden Kenwood.  Alternativ betrieben wir den Kenwood auch mit unserer Mirage-Boxenbestükcung, auch hier konnte das Klangbild überzeugen. Herausragend klang das System vor allem in Verbindung mit dem Acoustic Research Chronos W38, der wiederum eindrucksvoll zeigte, zu welchen Kraftausbrüchen er, als wäre es nichts, fähig ist. Ganz gleich, mit welchen Lautsprechern er betrieben wurde: Erstaunlich war und ist auf jeden Fall, was im Musikbetrieb mit dem ausgezeichneten CS II und den sonstigen Zusatzfunktionen des KRF-X9060D alles möglich ist - hier kommt ein Überblick über die reichhaltige Ausstattung des KRF-V9060D:

Die Bassunterstützung "TruBass" im CS II-Betrieb und ihre Wahlmöglichkeiten für die verbesserte Bassausgabe: 

  • TruBass OFF
  • TruBass SW (nur wirksam auf Subwoofer)
  • TruBass L/R (nur wirksam auf den linken und den rechten Frontlautsprecher)
  • TruBass SW + L/R (TruBass wirksam auf den Subwoofer und den linken und den rechten Frontkanal)

Bei allen TruBass-Ausgabearten kann der Pegel zwischen 0 ( = "off") und 10 eingestellt werden, wobei sich Werte von 2 bis 7, je nach Geschmack und Boxenequipment, in der Praxis empfehlen. 

So funktioniert TruBass:

Bezüglich der Basswiedergabe arbeitet das System folgendermaßen: Wenn nach der TruBass-Theorie 2 Frequenzen zum menschlichen Ohr gelangen, z.B. 150 Hz und 100 Hz, werden folgende Frequenzen registriert: 

  • 100 Hz
  • 150 Hz
  • 150+100 Hz=250 Hz
  • 150 Hz-100 Hz=50 Hz

Die tatsächlich gehörten tiefen Frequenzen kommen jedoch nicht direkt vom Lautsprecher. TruBass generiert daher, um diesen Effekt zu erreichen und tiefe Frequenzanteile aus dem Signal zu gewinnen, Differenzsignale, die vom menschlichen Gehirn als Tiefbass registriert werden. Die TruBass zugrunde liegende Technologie ist daher kein Equalizing-Effekt, sondern psychoakustischen Ursprungs.  Arbeitsweise: Ein 80 Hz-Frequenzanteil beispielsweise hat bei 160 und 240 Hz seine harmonischen Vielfachen, die von fast allen Lautsprechern wiedergegeben werden können. TruBass filtert nun die 80 Hz-Grundwelle heraus und nutzt die Oberwellen 1. und 2. Ordnung. Zwei Dinge ermöglichen diese Vorgehensweise: Zum einen das nichtlinear arbeitende menschliche Gehör, zum anderen die Tatsache, dass das Gehirn aus den beiden harmonischen Vielfachen die Differenz bildet, die der ursprünglichen Grundwelle, also den genannten 80 Hz, entspricht. Dies klingt kompliziert, in der Praxis aber ergeben sich laut Kenwood und SRS folgende Vorteile: Geringere Anforderungen an die Verstärkerleistung ermöglichet kleinere Geräteabmessungen, auch geht von den Tiefbasssignalen, die mittels TruBass erzeugt wurden, kein Körperschall aus. Die unerwünschte Bassübertragung in Nebenräume wird ebenfalls reduziert. Gleichzeitig verbaut Kenwood noch zwei weitere "Special Features: 

Zusätzlich zu TruBass kommen mit Speaker EQ und Active EQ zwei Systeme hinzu, die sich die Vorteile der TruBass-Funktion für ihre ihre Arbeitsweise zunutze machen. Im Fokus bei beiden Features liegt die Verbesserung der Wiedergabequalität beim Betrieb von Subwoofer-/Satellitensystemen zusammen mit AV-Receivern. In dem Preissegment, in dem der KRF-X9060D vertreten ist, verwenden nicht wenige potentielle Käufer hochwertige Subwoofer-/Satellitensysteme, sei es aus Platz- oder aus Kostengründen oder wegen der Flexibilität bei der räumlichen Integration. Selbst unser exzellentes Teufel-System hat recht kompakt bauende Hauptlautsprecher, im Musikbetrieb konnten bezüglich des Klangbildes im CS II Betrieb nochmals Verbesserungen realisiert werden, die zwar nicht revolutionäre, aber doch hörbare Ausmaße hatten. Aufgabe von "Speaker EQ" ist es, den bisher nicht wegzudiskutierenden Nachteilen wie beispielsweise der nicht voll befriedigenden Dynamik, dem "Klangloch" zwischen der unteren Grenzfrequenz der Satelliten und der Übernahmefrequenz des Subwoofers, entgegen zu wirken, wobei hier die Aufgabe beim Teufel-System, das sowieso praktisch mit einem sehr runden Klangbild ohne Klanglöcher gefiel, sehr einfach ausfiel. 

Speaker EQ für Subwoofer/Satellitensysteme unterschiedlicher Größen:

  •  Equalization der Satellitenlautsprecher zur Frequenzganganpassung (Small/Middle/Large, wobei sich die Größenmaße auf die Abmessungen von Satellitenlautsprechern beziehen. So ist "small" die richtige Einstellung bei einem System mit sehr kleinen Satelliten wie z.B. dem JBL SCS138, "middle" ist bei etwas größeren System wie beispielsweise dem Quadral 3100 aktiv angemessen, und die "large"-Justierung verbessert sogar bei Boxensets wie dem Teufel System 5, das eigentlich der üblichen "Satelliten-Größe" schon entwachsen ist, die Wiedergabegüte in Richtung eines sehr harmonischen Klangbilds)
  • "Bass Track" soll ein Clippen des Subwoofers (bei Sub/Sat-Systemen oftmals sehr kritisch, gerade bei günstigen Systemen mit wenig leistungsstarken Subwoofern) verhindern. Der Level kann im Setup des AV-Receivers eingestellt werden
  • Speaker EQ linearisiert den Frequenzgang

Zuätzlich gibt es die Funktion Active EQ mit folgenden Aktionsfeldern:

  • Active EQ Music: Active EQ  kompensiert im Zusammenspiel mit Speaker EQ noch effizienter  die "Lücke" im Frequenzgang (bei Sub/Sat-Systemen) als bei alleiniger Aktivierung von Speaker EQ. Beide Funktionen in Kombination stellen somit die Realisierung eines gefälligeren, runderen Klangbilds sicher.
  • Active EQ Cinema: Hier wird eine Dynamikerhöhung vorgenommen, um ein lebendigeres Klangbild zu erreichen
  • Active EQ TV: Hier wird der Sprachfrequenzbereich angehoben, um die Sprachverständlichkeit zu optimieren

Aufgabe von Active EQ:

  • Harmonisierung des Frequenzgangs über den gesamten Wiedergabe-Frequenzbereich bei aktivierter Speaker EQ Schaltung
  • Perfekte Integration von TruBass
  • Verbessert die Grundtonwiedergabe bei Satellitenlautsprechern
  • Soll auch bei Standlautsprechern eine Klangverbesserung mit Tieftonbereich sicherstellen

Weitere Einstellmöglichkeiten im CS II-Betrieb:

  • Center Focus: Auch wenn die Beschreibung der Bedienungsanleitung hier nicht allzu genau ist: Im Grunde handelt es sich hier um die Funktion, die unter dem Namen "Center Width Control" bei Dolby PLII Music anwählbar ist. Man kann den Wirkungsbereich des Centers von "Off" (nur Signalausgabe über die Hauptlautsprecher) bis zu "+ 10" einstellen (in dieser Position übernimmt der Center einen großen Klanganteil, zu empfehlen ist ein Wert von 3 bis 7, je nach der Qualität des Centers und dem persönlichen Hörempfinden)
  • Rear Delay: Für eine optimierte Wiedergabe über die Surroundlautsprecher kann hier die Delayzeit zwischen 0 und 25 ms variiert werden. 
  • CS II Gain: Anhebung des Eingangspegels in einem Einstellbereich zwischen 0 und 18.

Diese ganze Funktionsvielfalt ist nicht nur in der Theorie imposant, sondern bringt auch in der Praxis verschiedene Vorteile, vor allem im Musikbetrieb:

  • Auch weniger hochwertige Medien, wie z.B. MP3-CDs mit MP3-Files in unterschiedlicher Qualität, klingen erstaunlich voluminös. So steigt die Gesamtharmonie des Klangbilds ebenso wie die Güte der Basswiedergabe. Hier sollte allerdings beachtet werden, dass eine maßvolle TruBass-Einstellung ein deutlich verbessertes Klangbild bringt, eine überzogene Einstellung jedoch gnadenlos die Schwächen der Tracks offen legt und einen viel zu dominanten, hohl klingenden Bass erzeugt. besonders krass ist dieser Effekt, wenn die TruBass Einstellung "SW" (= Subwoofer) gewählt ist und dann der Sub viel zu dominant und unpräzise durch den Hörraum dröhnt. Wer praktisch vollwertige, nur von den Ausmaßen her sehr kompakte Hauptlautsprecher verwendet wie unsere Teufel-Boxen des Systems 5, der fährt mit der Einstellung "L/R +  SW" am besten, das Klangbild ist so angenehm voluminös, rund und Raum füllend, ohne unangenehme "Nebenwirkungen" wie Dröhnen oder eine unpassende Überbetonung. 
  • In diesem Zusammenhang können auch weniger hochwertige Medien mit höherem Pegel als in der Normaleinstellung gehört werden
  • Auch bei sehr guter Software gibt es positive Nebeneffekte: So ist die Wiedergabe sehr klar und homogen, auch hier sind die ohne Störungen oder Verzerrungen realisierbaren Pegel hoch. Der gesamte Bassbereich wirkt harmonisch und wie aus einem Guss. 
  • Dem Klangbild wird Aggressivität entzogen. Eine zu dominante Hochtonwiedergabe weicht einer angenehmeren, trotzdem transparenten und klaren Darbietung

Zusätzliche Ausstattungsmerkmale:

Eine exzellente Basswiedergabe scheint den Kenwood-Entwicklern sehr wichtig zu sein: Eine spezielle "Bass Boost"-Schaltung (nur im Stereobetrieb, analog oder digital) hebt den Bass von der Einstellung "0" direkt auf die Maximal-Einstellung "10", was mit dem entsprechenden restlichen Equipment und der entsprechenden Software für Bass-Fans durchaus eine positive Erfahrung sein kann, bei weniger basskräftigen Lautsprechern und/oder schlecht aufgenommener oder musikalisch nicht passender (Klassik/Jazz) Software macht sich die "Bass Boost"-Schaltung durch Dröhnen und einer unpassenden Überbetonung des tieffrequenten Bereichs eher nachteilig bemerkbar. Aber als Hilfsmittel, um Klassik- und Jazz-Aufnahmen den richtigen Glanz zu verleihen, sieht man den Bass Boost bei Kenwood auch keinesfalls an. Und für den Trance- und Techno-Fan ist er auf jeden Fall sehr gut geeignet. Zusätzlich bringt der KRF-X9060D auch noch eine (ebenfalls für den analogen/digitalen Stereobetrieb gedacht) Loudness-Reglung mit. Weiteres Feature: Mittels der "Surround Mix"-Funktion im Setup läuft die Back Surround Matrix immer mit, auch im Dolby PLII-Betrieb.

Zusammen mit der exzellenten Ausstattung mit Surround-Aufpolierern und der überdurchschnittlich hohen Wertanmutung des gesamten Geräts verdient sich der KRF-X9060D sechs Sterne in der ersten Disziplin.

Bewertung
Bedienung

Der KRF-V9060 wird mit einer zwar etwas zu groß geratenen, aber trotzdem praktischen, weil gut aufgeteilten Fernbedienung ausgeliefert. Die Anzahl der vorhandenen Tasten ist zwar immens, durch die sinnvolle Abgrenzung der einzelnen Funktionsgruppen voneinander ist aber das Ziel einer noch befriedigenden Übersichtlichkeit erreicht.  Praktisch ist die Navigationseinheit kurz unterhalb der Mitte des IR-Controllers. Kleiner Unterschied als Bonus für das Topmodell der Baureihe: Im Gegensatz zum ansonsten identischen IR-Commander des KRF-V7060D gibt es beim 9060er ein kleines LC-Display, das das gerade angewählte Gerät anzeigt (Multi-Brand-FB, also wird z.B. "DVD" oder "TV" angezeigt). Wichtig: Soll etwas am KRF-X9060D eingestellt werden, muss das Display ""REV" (für "Receiver") anzeigen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass die gesamte Funktionsvielfalt nur mittels des sehr schön auflösenden Gerätedisplays eingestellt werden kann. Hier wäre ein On Screen Display ein Verbesserungsvorschlag für den Nachfolger. Die hochwertigen Funktionstasten am Gerät inklusive des edlen Metall-Lautstärkereglers gefallen sehr gut, ebenfalls die einfache Wahl des zu aktivierenden Eingangs mittels einer Funktionstaste pro Eingang auf der Gerätefront. Der Drehregler für den "Listen Mode" erweist sich auch als praxisgerecht, denn nacheinander folgen Dolby Pro Logic II Music, Dolby Pro Logic II Movie, CS II Cinema, CS II Mono, CS II Music usw., so muss man, möchte man beispielsweise eine CD in Dolby PLI Music anhören, nicht noch irgendwo nach einem Umschalter zwischen Movie- und Music-Mode suchen, sondern kann komfortabel am Drehrad eine Position weiter drehen. Somit ist insgesamt ein guter Bedienkomfort gegeben, wobei man sich bei Kenwood in der Bedienungsanleitung zu manchen Funktionen durchaus noch etwas ausführlicher und fundierter äußern könnte, damit vor allem Heimkino-Novizen in der Lage sind, die Funktionsvielfalt des KRF-X9060D auch zu verstehen. Manches ist zu knapp gehalten, so wird der Sinn einer bestimmten Funktion nicht in allen Fällen vollkommen klar. Die etwas schlechtere Note im Bedienungskapitel gegenüber dem KRF-XV7060D resultiert aus dem fehlenden OSD, welches in der Preisklasse des 7060ers noch nicht unbedingt, in der Preisklasse des 9060ers aber auf jeden Fall dazu gehören sollte. 

Bewertung
 
 
Ton

 

Film und Musik

Bei den Soundtests konnte sich der KRF-X9060D erwartungsgemäß gut in Szene setzen. Schon der Start mit der THX Ultimate Demo DVD zeigt, dass der 9060er, wie auch schon der 7060er, große Kraftreserven besitzt, die auch unter mehrstündiger Dauerbelastung kaum hörbar nachlassen. Beim KRF-X9060D hat man einen insgesamt noch etwas souveräneren Gesamteindruck, problemlos kann selbst ein 40 Quadratmeter-Raum in ein kraftvolles Heimkino verwandelt werden. Dabei fällt auch bei hohen Pegeln das sehr dynamische Antreten des Kenwood auf, der Receiver zeigt, was er kann, ein eher zurückhaltendes, schlankeres  Klangbild entspricht nicht seiner Auslegung - er beweist sich lieber als "Power-Engine" und liefert eine gewaltige, dabei klanglich stets klare und facettenreiche Surround-Klangkulisse . Dies dürfte der Action- und Sci-Fi-Fraktion besonders gut gefallen, zusätzlich kommt noch die durch das Re-Equalizing (THX Select Postprocessing) die sehr harmonische Hochtonwiedergabe hinzu, somit kann man auch locker 80 Prozent des maximal möglichen Pegels fahren, ohne dass aggressive, hochtönergefährdende Höhen das Vergnügen schmälern. Hervorragend: Selbst ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer bringt es der Kenwood auf eine beachtliche Bassperformance. Natürlich ist die Bassgewalt nicht so enorm wie beim Einsatz eines zusätzlichen aktiven Basslautsprechers, aber das Ergebnis überzeugt noch immer, wie sich bei "ID 4" zeigt: Die berühmt-berüchtigte Anfangssequenz übt selbst ohne aktiven Subwoofer eine erstaunliche Faszination aus. Wer Heimkino der Effekt-Extraklasse erleben möchte, muss sich nur den KRF-X9060D anschaffen und ihn dann mit einem exzellenten aktiven Subwoofer betreiben: Zugegeben, auch vom Verhältnis der Preisklassen her ist unser Referenz-Subwoofer Acoustic Research Chronos W38 ziemlich üppig dimensioniert, aber ein Hörerlebnis ist es allemal, wenn diese Kombi bei "ID 4" für einen nachhaltig im Gedächtnis zurückbleibenden Eindruck sorgt. So erbebt wiederum in der Anfangssequenz der Hörraum, dabei ist der Bassbereich sauber und verzerrungsfrei, was das imposante Auftreten noch verstärkt. Kenwood und AR Chronos arbeiten sehr gut zusammen, da der AR ein Bassgigant ist und der Kenwood im Bassbereich sehr gelungen agiert. Doch auch eine auf hohem Niveau liegende Stimmwiedergabe kann der KRF-X9060D bieten: So arbeitet der Kenwood geschickt das Charakteristikum einer jeden Stimme heraus. Sein Feingefühl dabei ist gut, hier bieten natürlich aber teurere AV-Boliden nochmals mehr. Nur sehr teure AV-Receiver und -Verstärker schaffen den Spagat zwischen einer kraftstrotzenden Effektwiedergabe und einer liebevollen Detaileinarbeitung. Wem die Kombination dieser beiden Eigenschaften elementar wichtig ist, der kann sich schon auf eine Investitionen im Bereich der Bolidenklasse (ab knapp 2800 EUR aufwärts) gefasst machen - denn diese Universaltalente können heimcineastisch (fast) alles. Nun, aber für viele, auch sehr engagierte Heimkinofans ist das Leistungsprofil des KRF-X9060D schon mehr als ausreichend, denn für sein Geld erweist sich der Kenwood als echter Könner. Dies war auch unser Eindruck bei "Mission To Mars" (DTS ES Discrete 6.1), wo der AV-Receiver es sehr gut verstand, den Music Score weitläufig und tadellos zum Film passend akustisch darzustellen. Doch auch die Effektwiedergabe, wie schnell und antrittsstark der Kenwood hier reagiert, passt ins Bild eines gelungenen Heimkino-AV-Receivers. Das Zusammenspiel mit dem Teufel-System 5 erwies sich im Filmbetrieb als außerordentlich gelungen, in Verbindung mit der Endstufe KMF-X9000 im THX Surround EX-Betrieb begeistert die raumfüllende, komplette Surround-Klangkulisse. Natürlich ist diese ausgezeichnete Endstufe eigentlich für den Einsatz als "Treiber" für den Surround Back-Bereich überdimensioniert, aber wer zusätzlich noch Musikliebhaber ist und etwas "Umverkablungsarbeit" nicht scheut, kann mit der Anschaffung der 619 EUR teuren THX Ultra-zertifizierten Endstufe zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen ist es möglich, die Anlage in kompletter 7.1 Konfiguration zu betreiben, zum anderen kann man im Stereobetrieb die edle Endstufe "umspannen" und (der KRF-X9060D hat Pre-Outs für alle Kanäle) an die Vorverstärkerausgänge für den Stereobetrieb hängen.

Einen sehr guten Eindruck hinterlässt der KRF-X9060D bei der Wiedergabe des Stücks "Lamentatio" vom DTS-Sampler "Music Experience". Auch wenn die darauf abgelegten Stücke der Experimental-Combo "Studio Voodoo" akustisch stark gewöhnungsbedürftig sind, so liegen sie doch in einer exzellenten Qualität in DTS ES Discrete 6.1 vor, und der Kenwood versteht es, der Surround-Klangkulisse durch seine räumliche, klare und mit viel Esprit gesegnete Wiedergabe den nötigen Nachdruck zu verleihen. Auffällig vor allem im Kombinationsbetrieb mit der KMF-X9000-Endstufe ist die Leichtigkeit, mit der eine druckvolle Surround-Klangkulisse von ungeheurer räumlicher Dichte zur Verfügung gestellt wird, eine harmonische Basis räumlichen Volumens ist stets vorhanden, so dass auch die Wirkung, die die subtil eingearbeiteten Choralstimmen bei diesem Stück haben, nicht verfehlt wird. Des Kenwoods Talente machen sich auch beim nächsten Stück auf dieser DVD, "Straight >From The Heart" bemerkbar, wo der Kenwood wiederum mit seiner gelungen Effektkulisse auftrumpfen kann, die Volumen mit einwandfreier Ortung verbindet.

Wem diese Art von Experimentalmusik weniger liegt, der kann sich anhören, was der KRF-X9060D beispielsweise aus Johann Sebastian Bachs Violinenkonzert, Bachwerkeverzeichnis 1042, enthalten auf einer Naxos "Musical Journey" DTS 5.1/DD 5.1-DVD, macht. Man muss aber vorausschicken, dass man ein Freund einer kraftvollen, sehr dynamischen und leicht warmen Wiedergabe sein muss, damit man richtig mitgerissen wird. Ist dies der Fall, dann managt der Kenwood auch diesen Part extrem souverän - besonders gut: Wenn man die beiden Back Surround-Lautsprecher mitlaufen lässt (was mittels der "Surround Mix"-Funktion in der Schalterposition "On" auch problemlos möglich ist), dann nimmt der Kenwood der Musik kaum an präziser Ortbarkeit, ergänzt den Raumeindruck aber um ein beträchtliches Maß an Weitläufigkeit und einer insgesamt höheren Klangdichte. Hier zeigt sich auch, dass hochwertige, tadellos abgestimmte Dipole für den, der es mag, durchaus auch im Musikbetrieb eine Daseinsberechtigung haben - Globalisieren sollte man also keinesfalls, welche Lautsprecher man nun verwenden sollte und welche nicht. Gerade bei Lautsprechern hängt sehr viel von den räumlichen Gegebenheiten und vom Geschmack des Hörers ab. Daher ist es bei der Wahl des richtigen Lautsprechersystems elementar wichtig, sehr ausgiebig Probe zu hören. Interessant ist es in diesem Zusammenhang, wie gut der KRF-X9060D auch mit hochwertigen Sub/Sat-Systemen klingt. Hervorragende Offerten finden sich beispielsweise bei Teufel oder bei Quadral. Klar und deutlich die Stimmwiedergabe, hervorragend herausgearbeitet der Live-Effekt mit dem klatschenden Publikum  auf den Rängen - so macht der Kenwood das Anhören des Eagles-Stpcks "New York Minute Man" auf der dritten DTS Demo-DVD zu einem Vergnügen. Stimmig ertönt das Keyboard, sehr gut eingearbeitet ist das Schlagzeug. Insgesamt beweist der Kenwood auch hier mit seinem energiegeladenen Klangbild, dass er ein besonderes Talent bezüglich einer effektvollen Darstellung mitbringt. 

Hervorragend agiert der Kenwood KRF-X9060D im Zusammenspiel mit Circle Surround II Und Dolby PL II. Besonders die Musik-Modi beider Surround-Aufpolierer überzeugen durch eine weiträumige Darstellung und eine solide Basswiedergabe. Gerade bei CS II sollte man aber a) der richtigen Einstellung die nötige Zeit widmen und b) die Einstellungen der gerade verwendeten Software anpassen. Welche Möglichkeiten es dazu gibt, ist bereits weiter oben im Test ausführlich beschrieben. Mit der richtigen Einstellung ermöglicht CS II eine nochmals minimal präzisere Darstellung als Dolby PLII, letzteres zeichnet sich dafür durch einen noch runderen Bassbereich aus. Zwar kann man prinzipiell mittels CS II beim Ausnutzen aller Einstellparameter eine heftigere Basswiedergabe realisieren als bei Dolby PLII, doch sollte man hier auch auf die Gesamthomogenität des Klangbilds achten, die durch zuviel Bass aus den Fugen gerät. Akkurat eingestellt, schwingt sich CS II Music jedoch zu beachtlichen Leistungen auf. Wie rund und harmonisch, präzise und klar Felix Mendelssohn-Bartholdys erste Symphonie erklingt, verdient höchste Achtung: Mit einer so hohen Qualität werden Surround-Aufpolierer auch für eingefleischte Stereohörer zu einer ernst zu nehmenden Alternative. Hier klingt Dolby PLII im direkten Vergleich etwas weniger brillant, zwar wird ein sehr voluminöser Bassbereich geboten, aber dieses Maß an Lebendigkeit, welches bei CS II Music herauszuhören war, kann nicht ganz geboten werden. Besonders gut in Dolby PLII Music klang dafür "Un-Break My Heart" von Toni Braxton, wo sich der sehr gut abgestimmte Bassbereich sehr positiv bemerkbar machte, der für ein solides akustisches Grundfundament sorgte, ohne die gesamte Charakteristik zu basslastig werden zu lassen. 

Im Stereobetrieb konnte der KTF-X9060D mit tadellosen Resultaten erfreuen. Bei Toni Braxtons "Un-Break My Heart" vom Album "Secrets" zeigte das insgesamt erwachsen wirkende Klangbild ohne erkennbare Schwächen in einem Teilbereich, dass auch günstigere AV-Receiver inzwischen zu brauchbaren Leistungen im Stereobetrieb fähig sind. Allerdings bleibt sich der Kenwood auch bei der Stereowiedergabe treu, das heißt: Seine Stärke ist ein kräftiges, bassgewaltiges Klangbild mit einem angenehmen Einschlag. Die Detailtreue ist gut, aber nicht überragend. Sehr schön versteht es der Kenwood, Stimmen sehr gut eingearbeitet wiederzugeben, so dass der Gesamteindruck einer klaren und homogenen Charakteristik vorherrscht, die durch ihr Volumen besticht. Auch hier gilt wieder: Auf jeden Fall vor dem Kauf ausgiebig Probe hören, denn ob dieses Klangbild einem liegt, hört man am besten mit den eigenen Ohren. Auf jeden Fall verdient der Kenwood eine besondere Empfehlung auch für den guten Stereoklang, wenn man ein Freund eines räumlich sehr guten, voluminösen Klangbilds ist, das eine runde Wiedergabe vor die Einarbeitung des letzten kleinen Details stellt. Diese Auslegung wurde auch bei der Wiedergabe von Felix Mendellsohn Bartholdys 1. Symphonie deutlich, wo sich der Kenwood zum einen mit einer ordentlichen Dynamik und zum anderen mit einem sehr runden Klangbild in Szene setzen konnte, lediglich die Transparenz und das Feingefühl im Hochtonbereich stellen Faktoren dar, wo sich gerade der Klassik- oder der Jazzfreund noch mehr Feinarbeit wünscht. Für diese Klientel aber ist es ohnehin ratsam, soll es ein Surroundreceiver dieser Preisklassen sein, den bisher betriebenen Stereoverstärker auch weiterhin zu verwenden - es sei denn, man scheut etwas Arbeit nicht und schließt für den Stereoeinsatz die erstklassige KMF-X9000 an die Front Pre-Outs anstatt an die Back Surround Pre-Outs an, dann zeigt sich zweierlei: Erstens sorgt die kräftige Endstufe für souveränen, kultivierten Schub, und zweitens ist die Vorverstärkereinheit des KRF-X9060D offensichtlich von sehr guter Qualität: Auf jeden Fall gefällt der Klang durch ein tadelloses Maß an Plastizität und Lebendigkeit. So kann das Ergebnis im Stereobetrieb dann auch anspruchsvolle Hörer glücklich machen, denn in den Punkten Klarheit, Plastizität und kraftvoller Antritt werden hervorragende Leistungen erbracht. Hier klingt das Kenwood-Duo besser als mancher AV-Receiver oder - Verstärker, der noch mehr als diese Kombination (729 EUR KRF-X9060D, 619 EUR KMF-X9000) kostet. Anzumerken wäre hier noch, dass aber auch die eingebauten Endstufen im Stereobetrieb einen guten Eindruck hinterlassen.  

Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Dolby PLII/CS II
Bewertung Klang Stereo

 

Fazit

Mit dem KRF-X9060D hat Kenwood für die neue erfolgreiche AV-Receiver-Baureihe ein exzellentes Topmodell im Programm, das durch viele Qualitäten überzeugen kann. Zunächst einmal wäre die hervorragende Eignung sowohl für den Heimkino- als auch den Mehrkanal-Musikbetrieb zu nennen. In beiden Disziplinen besticht der Kenwood durch seine außerordentlich gute Dynamik, die sich in einem spontanen Ansprechverhalten ebenso zeigt wie in der klar aufgebauten Effektkulisse, die auch durch ihre füllige Räumlichkeit positiv auffällt. Gerade für die Freude kraftvoller Darstellung ist der KRF-X9060D besonders empfehlenswert und läuft hier auch manchem deutlich teureren AV-Receiver mit seinem erstklassig und voluminös abgestimmten Bassbereich den Rang ab. Wer also ein Liebhaber von Action- und Sci-Fi-Filmen ist, findet im KRF-X9060D den passenden Spielpartner. Die verbauten Endstufen gefallen durch Kraft in jeder Lebenslage und zeigten auch nach mehrstündiger Dauerhatz praktisch keine Ermüdungserscheinungen. Beeindruckend: Selbst ohne angeschlossenen aktiven Subwoofer erbrachte der Kenwood im Bassbereich, aber auch bezüglich der maximal möglichen Dauerperformance eine sehr gute Leistung. Von der Auslegung her leugnet der KRF-X9060D die enge Verwandtschaft zum KRF-V7060D keinesfalls, auch beim "kleinen Bruder" konnten wir im Testbetrieb ähnliche Erfahrungen sammeln. Der KRF-X9060D aber bietet dank seiner DTS ES Discrete/Matrix 6.1-Decodiermöglichkeit noch einen erweiterten Einsatzbereich, zusammen mit gleich drei Surround-Aufpolierern ist der AV-Receiver praktisch für jeden Einsatzzweck ausgerüstet. Somit ist der 9060er ein AV-Receiver, bei dem es Kenwood wiederum geschafft hat, einen breiten potentiellen Käuferkreis anzusprechen. Nur der Musikliebhaber, dem Natürlichkeit und Feinfühligkeit über alles geht, dürfte sich vom KRF-X9060D nicht in dem Maße angesprochen fühlen. Aber auch dies ist nicht neu und wurde bereits im Test des 7060ers deutlich. Die hervorragende Verarbeitung und die durchdachte Anschlussbestückung gehören ebenfalls zu den Kennzeichen des KRF-X9060D, so dass man insgesamt den Eindruck gewinnt, für 729 EUR einen ausgewachsenen, bestens ausstaffierten AV-Receiver zu erwerben , der ein absolut komplettes, dynamisches Klangbild in den Mittelpunkt seiner Testdarbietung stellt.

Kenwood setzt auf Sieg: Mit kraftvoller Mehrkanalwiedergabe und erstklassiger Ausstattung sprintet der KRF-X9060D an die Klassenspitze

Obere Mittelklasse
Preis-/Leistung:

 

Pro:
  • Überragende Heimkino- und Mehrkanal-Musik-Performance

  • Leistungsstarke Endstufen mit hoher Dauerbelastbarkeit

  • Dolby PLII und SRS CS II mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

  • Große Auswahl an elektronischen Zusatzfeatures

  • Sinnvolle und reichhaltige Anschlussbestückung

  • Sehr guter Stereoklang

  • Tadellose Verarbeitung

Contra:
  • Kein On Screen Display

 

Technische Daten
  • AV-Receiver mit Dolby Digital EX und DTS ES Matrix/Discrete 6.1
  • Circle Surround II/Dolby ProLogic II Vollversion/DTS NEO:6
  • 6 x 100 W (RMS) mit Linear Trait Transistortechnik
  • THX Select Zertifikat, in 7.1 Konfiguration THX Surround EX Betrieb möglich
  • 6. Endstufe wahlweise für Back Surround oder Subwoofer nutzbar
  • Multiroom-Betrieb möglich
  • 32-Bit Melody DSP 
  • 5 DSP-Modi
  • Active EQ/Speaker EQ/Subwoofer Remix
  • Eingänge analog Audio: Tape /MD, CD/DVD, Phono MM, Video1, Video2, Video3,6-Kanal-Eingang (auch für DVD-Audio), Front A/V
  • Eingänge Video: Video1, Video2, Video3, Front A/V, DVD (FBAS und S-Video), 2 x YUV-Komponenteneingang 
  • Eingänge digital: 2 x optisch, 2 x koaxial (24 Bit, 96 kHz) 
  • Ausgänge analog Audio: Tape/MD, Monitor, Video1 
  • Ausgänge digital: 1 optischer Digitalausgang
  • AusgängeVideo: Video1 (FBAS und S-Video), Monitor (FBAS und S-Video und YUV-Komponentenausgang 
  • Pre-Outs für alle Kanäle inklusive Surround Back für Anschluss einer Endstufe für 2 Back Surround-Lautsprecher (THX Surround EXD-Betrieb)
  • DVD Audio-tauglicher Sechskanaleingang
  • RDS-Tuner mit 40 UKW/MW-Festsenderspeichern
  • Neue, vorprogrammierte und lernfähige Fernbedienung mit Joystick
  • Energiesparender Standby-Trafo  mit einem Stromverbrauch von < 1 W
  • Lieferbar in schwarzer oder silberner Ausführung
  • Abmessungen (B x H x T): 440 x 159 x 392 mm 
  • Gewicht: 9,8 kg
  • Metallfrontplatte
  • Kaufpreis 729 EUR

 

Test: Carsten Rampacher

06.08.2002 

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