Test: DVD-Player JVC XV-SA72

12.11.2001 (cr)

Finish, Features und Laufwerk

Zur Zeit kann man sich wahrlich nicht über das Angebot an interessanten Geräten auf dem deutschen DVD-Player-Markt beschweren. Ein weiteres Beispiel für eine sehr gute Offerte ist der DVD Audio/Video-Player JVC XV-SA72. der zu einem Preis von 1171,54 DM (599 €) angeboten wird. Trotz dem für einen Universalplayer fairen Preis wird der JVC mit großzügiger Ausstattung ausgeliefert: So können CD-Rs, CD-RWs und MP3-CDs wiedergegeben werden, der von JVC entwickelte 1-Bit P.E.M.- D.D.-Audio D/A-Wandler soll auch bei normalen CDs eine brillante Wiedergabe garantieren. Integriert ist ein DD/DTS-Decoder, der bei JVC "Video Fine Processor" (VFP) genannte Video-Equalizer ist in 7 Parametern einstellbar. RGB-Bildausgabe via Scart (1 Scartbuchse vorhanden) ist selbstverständlich ebenso dabei wie ein optischer und ein koaxialer Digitalausgang.  

Auffällig am JVC ist direkt nach dem Auspacken das sehr elegante, Hochwertigkeit ausstrahlende Design. Die Frontplatte, deren unterer Teil komplett verspiegelt ist, sieht edel aus, obwohl sie aus Plastik besteht. Gleiches gilt für die schmale Laufwerkslade, sehr prompt und leise kommt diese außerdem auf Knopfdruck herausgefahren, so dass der erste gute Eindruck nachhaltig unterstützt wird. Mit dazu bei trägt ebenso das fein auflösende DOT-Matrix-Display. Auch die neue, beleuchtete Fernbedienung macht einen guten Eindruck und ist der Geräteklasse von ihrer optischen Anmutung her vollkommen angemessen. Ausgestattet ist der JVC mit vorprogrammierten Bildfeldern und einem sehr guten Video-Equalizer:

Werks-Voreinstellungen:

  • Normal

  • Kino

Unter "Benutzer 1" und "Benutzer 2" können selbst erstellte Bildeinstell-Felder gespeichert werden. Individuell zu justieren (mittels der "VFP"-Taste auf der Fernbedienung) sind:

  • Helligkeit

  • Kontrast

  • Farbe

  • Farbton

  • Schärfe

  • Y-Delay

  • Gammakorrektur

Interessant ist, dass die Schärfe in der "Normal"-Werkseinstellung auf dem Maximalwert steht, wer also beispielsweise bei weniger guter Software ein harmonischeres Bild erzielen möchte, muss sich dafür eine eigene Benutzer-Einstellung anlegen. Im vorprogrammierten Bildfeld "Kino" ist die Schärfe ebenfalls auf Maximum, Bildhelligkeit und Kontrast aber unter der Mitteleinstellung (bei "Normal" exakt in Mitteleinstellung). Dazu ist im "Kino"-Modus die Gammakorrektur etwas aufgedreht. 

Der JVC ist mit einem sehr ausführlichen Decoder-Setup (wahlweise Modi "Einsteiger" oder "Experte") versehen, das eine Besonderheit bietet: Eine schaltbare DTS Bass-Steuerung. Ist diese Basssteuerung deaktiviert, werden alle "Klein"-Einstellungen im Menü der Lautsprecher-Einstellungen ignoriert, das heißt an alle Lautsprecher werden Vollfrequenzsignale ausgesandt. Aktiviert man die Funktion, sind auch bei der Wiedergabe von DTS-Software die im Lautsprecher-Setup getroffenen Eigenschaften aktiv. 

Aber auch die multimedialen Talente können sich sehen lassen, denn die MP3-Wiedergabe ist sehr gut gelungen: Völlig ohne Aussetzer und in tadelloser Qualität spielt der XV-SA72 MP3-CDs ab. JVC gibt in der Anleitung zum Player auch gleich Tipps fürs Erstellen einer MP3-CD, die der Player einliest:

  • ISO9660 als Disc-Format wählen

  • Nicht die Aufnahmeoption "Multisession" wählen

Unsere mit Nero 5 gebrannten Test-MP3-Sampler mit Stücken aller kbps-Raten spielte der DVD-Spieler zur vollen Zufriedenheit des Testers ab. Der JVC unterstützt bis zu 100 Spuren pro Gruppe, bis zu 100 Gruppen pro Gruppenebenen und bis zu 10 Gruppenebenen. Enthält eine MP3-CD mehr Spuren, Gruppen oder Gruppenebenen, erkennt der XV-SA72 die über den Grenzen liegenden Einheiten nicht.  Eine Besonderheit leistet sich der JVC-Player gegenüber anderen DVD-Playern mit MP3-Unterstützung: Das MP3-Signal kann nicht über den optischen oder koaxialen Digitalausgang, sondern nur in analoger Form ausgegeben werden.  Das MP3-Menü ist sehr übersichtlich, maximal 32 Zeichen des Dateinamens können dargestellt werden, weiterführende MP3-Infos über Song/Interpreten verarbeitet der XV-SA72 nicht. SVCDs hingegen ohne Probleme: Nach einem kurzen "Anfangsruckler" gab der JVC unsere nach dem vcdhelp-Muster erstellte SVCD tadellos wieder.

Das Laufwerk gefällt: Beim Skippen und beim Einlesen ist es unheimlich schnell, selbst MP3CDs oder SVCDs werden innerhalb einer beachtlich kurzen Zeit eingelesen. Dazu ist es vorbildlich leise, hier markiert der JVC zweifellos die Klassenspitze.  Das Laufwerk schlägt sich ordentlich beim Abspielen unserer Fehlerkorrektur-Check-DVD und kommt bis Track 19. Damit erreicht der XV-SA72 ein befriedigendes Ergebnis, wenngleich es einige Kontrahenten gibt, die es noch besser können. Dafür ist der XV-SA72 das leiseste Gerät seiner Klasse, und die Einlesegeschwindigkeit des Laufwerks ist ebenfalls top. 

Bewertung Fehlerkorrektur/Laufwerk 

Ein fairer Preis, eine sehr gute Ausstattung und eine tadellose Verarbeitung sichern dem XA-SV72 die volle Punktzahl in der Finish&Features-Wertung. Wünschenswert für die Zukunft wäre allenfalls noch eine zweite Scartbuchse. 

Bewertung Finish/Features

 

Bedienung

Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, wichtige Funktionselemente leuchten in der Dunkelheit, leider aber nicht alle wichtigen: So fehlt das Navigationskreuz, das zudem zu weit unten auf dem IR-Controller platziert ist. Der Druckpunkt der Tasten ist ohne Fehl und Tadel, zusammen mit den grafisch schönen und leicht zu bedienenden On Screen-Menüs wird die Bedienung insgesamt einfach. Ein paar kleine "Spezialitäten" hat aber auch dieser JVC-Player bedienungstechnisch immer noch: Hinten am Gerät befindet sich ein "Y/C - Comp."-Umschalter. Soll die Scartbuchse S-Video ausgeben, so ist dieser Schalter auf "Y/C" zu stellen, soll sie Composite ausgeben, muss der Schalter auf "Comp" gestellt werden. Automatisch erkennt der JVC, wenn der Schalter auf "Comp" steht, eine RGB-taugliche Scartbuchse am TV und schaltet dann in den RGB-Modus.  Hier wäre eine Ausgabe-Reglung für das Bildsignal via OSD weitaus eleganter. Anstatt "Setup" nennt JVC die Taste auf der Fernbedienung "Choice", mit der man ins Setup-Menü kommt, und unser Testgerät konnte (nur Standy-Schalter vorhanden) nur via IR-Controller an- oder ausgeschaltet werden

Das Display des XV-SA72 verfügt über einen sehr guten Kontrast, die feine DOT-Matrix-Auflösung gefällt ebenso wie der klar definierte Druckpunkt der Tasten an der Gerätefrontplatte. Spontan fährt nach dem Drücken des Open-Knopfes die DVD-Lade heraus. So ergibt sich trotz der kleinen Eigenheiten ein gutes Ergebnis für den JVC im Bedienungskapitel. 

Bewertung

 

Bild

Visuell konnte der JVC mit einem farblich angenehmen, sehr homogenen Bild aufwarten. Bei den 16:9-Real-Testbildern auf der DVD-Discovery zeigte der XV-SA72 eine ausgezeichnete Leistung, die Detailtreue ist sehr gut, die Plastizität des Bildes erfüllt auch gehobene Ansprüche problemlos. So stellt der XV-SA72 das Testbild mit den Goldmünzen plastisch, detailreich und homogen dar, ebenso die geöffneten Kiwis. Die gebotene Bildschärfe ist hoch, allerdings verzichtet JVC zugunsten eines außerordentlich gefälligen, stimmigen Bildes auf ein extrem scharfes Bild. Dies führt dazu, dass es andere Geräte gibt, die bei sehr scharfem Ausgangsmaterial mit einer noch präziseren Darstellung beispielsweise von Objekträndern aufwarten können, der XV-SA72 bietet dafür bei praktisch jeder DVD ein im Rahmen der Softwarebedingungen hervorragendes Bild, und überall kann die Farbwiedergabe begeistern: In einer harmonischen, natürlichen Farbgebung stellt der XV-SA72 so das Testbild mit dem Sonnenuntergang dar, die Farbverläufe sind ebenso sauber wie die Farbdekompression: Dies fällt bei allen Test-DVDs positiv auf, immer ist das vom JVC bereitgestellte Bild sehr sauber und homogen, mittels einer leichten Zurücknahme der Bildschärfe kann man auch bei weniger guter Software noch ein erstaunlich harmonisches Bild erzielen - dies ist auch deshalb möglicht, weil der DVD-Spieler störende Artefakte, die von einer nicht allzu guten Komprimierung oder von Schwächen im Ausgangsmaterial herrühren, effektiv abzuschwächen versteht. Exzellent ist die tiefe Schwarzwiedergabe, der JVC hat ohne Zweifel zusammen mit den Sony-Playern DVP-NS900V und DVP-NS700V die beste Schwarzwiedergabe seiner Klasse (wie er auch bei der Wiedergabe von "The Rock - Special Edition eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte), minimal zurück liegt der ebenfalls in dieser Disziplin hervorragende Panasonic DVD-RA71. Damit erreicht der XV-SA72 in der Bildwertung ein erstklassiges Ergebnis: Zusammen mit den schon im Text erwähnten Sony- und Panasonic-Playern markiert der DVD-Spieler die Klassenspitze. Damit ist der XA-72 genauso wie die anderen genannten Modelle besonders für die Besitzer hochwertiger 16:9-TVs geeignet, da keine progressive Bildsignalausgabe, die die Player auch für die Eigner von Videoprojektoren besonders interessant machen würden,  möglich ist. Mit seiner hohen Gesamtbildharmonie könnte der JVC aber auch bei Projektorenbesitzern, denen die "normale" Interlaced-Bildausgabe reicht, viele Freunde finden. Auch beim Layerwechsel tanzt der XV-SA72 nicht aus der Reihe: Sicherlich, er ist noch gut sichtbar, aber der kurze Aussetzer ist bei weitem nicht so störend wie die längere Unterbrechung vieler Konkurrenzmodelle.

Bewertung

 

Ton

Musikliebhaber, die gern in hoher Qualität DVD Audio-Discs und CDs anhören wollen, sollten sich den XV-SA72 auf jeden Fall auch einmal anhören, wenn sie zu einem fairen Preis Musik in beachtlicher Qualität genießen wollen. Sowohl im DVD Audio-Betrieb als auch beim Abspielen einer DTS 5.1-CD sowie bei herkömmlichen Audio-CDs konnte der DVD-Player mit hoher klanglicher Harmonie, einer sehr angenehmen, leicht warmen Darstellung und einer ordentlichen Herausmodellierung feinerer Nuancen gefallen. Tadellos kommt der JVC auch mit kräftigen Dynamiksprüngen zurecht.  Bei Beethovens 3. Symphonie (96 kHz/24-Bit Sechskanal) erfreut der Player mit einem sehr differenzierten Hochtonbereich. Wer hier noch mehr Details hören möchte, muss gleich mehrere Preisklassen überspringen. Dazu gesellt sich eine große tonale Gesamtharmonie, wenngleich der JVC sich hier minimal dem deutlich teureren, aber in dieser Disziplin überragenden Yamaha DVD-S1200 geschlagen geben muss, der noch besser ein höchst harmonisches tonales Gesamtgefüge, das trotzdem jedes Instrument in seiner eigenen Charakteristik berücksichtigte, zu schaffen. Was der JVC für seinen Kaufpreis jedoch bietet, ist wirklich überraschend gut, zudem ist seine Darbietung von einer Lebendigkeit geprägt, die den Zuhörer förmlich die Spielfreude der Musiker spüren lässt. Tadellos die klanglichen Leistungen bei der 192 kHz/24-Bit-Aufnahme "Incognito - Deep Waters" vom Jazzport Festival 1999: Die Stimmwiedergabe ist gut, lediglich weitaus teurere Player verleihen der Stimme noch mehr Esprit und Charisma.  Fast optimal arrangiert der JVC das Zusammenspiel zwischen Stimme und Instrumenten, ein homogenes, gefälliges Hörerlebnis ist die Folge.  Hervorragend die Leistungen des XV-SA72 bei der Wiedergabe von Peter Tschaikowskys "1812 Ouvertüre" (Audio-CD): Sauber und transparent erklingen die Streicher, mit Kraft und Klarheit erfolgt der Orchestereinsatz. Exzellent abgestimmt ist der Oberbassbereich und der Übergang Mitten/Höhen. Hier sind keinerlei störende Klanglöcher festzustellen. Auch anspruchsvolle Musikliebhaber, die einige Erfahrung im exakten Anhören von Aufnahmen klassischer Musik mitbringen, werden erstaunt sein, welche tadellosen Leistungen der preislich günstige JVC realisiert. 

Exzellent ist der eingebaute Decoder des JVC. Bei der Sequenz aus "Gladiator" auf der 5. DTS Demoi-DVD bietet er ein beeidruckendes Leistungsspektrum, das zeigt, wie gut interne Decoder sein können. Auch wenn der Decoder im JVC klanglich nicht an AV-Verstärker/Receiver der 1000 DM-Klasse herankommt - einige günstige Einstiegsgeräte müssen sich in Anbetracht der vom XV-SA72 gezeigten Leistungen warm anziehen, denn selbst der oftmals dünne und schwachbrüstige Bassbereich gefällt mit einem voll befriedigenden Volumen. Tadellos ist die Auflösung im Hochtonbereich und die Effektpositionierung, differenziert erklingt die Surround-Klangkulisse - besser geht es kaum noch. Diese eindrucksvolle Vorstellung findet bei "The Rock - Special Edition" ihre Fortsetzung: Auch hier zeigt der XV-SA72 eine tadellose Dynamik, die man vor einiger Zeit noch kaum einem DVD-Player mit integriertem Decoder zugetraut hätte. Selbst kleinere Umgebungsgeräusche sind ordentlich integriert, was den überdurchschnittlich guten Eindruck komplettiert.  Der hervorragende Eindruck wird vom glasklaren und störungsfreien Digitalton komplettiert.

Bewertung

 

Fazit

JVC ist mit dem XV-SA72 ein hervorragender Universalplayer gelungen. Zu einem sehr günstigen Kaufpreis bietet er Bild- und Tonqualität auf einem überraschend hohen Niveau. Nirgendwo scheint eine Schwäche durch, im Gegenteil: Das Bild gefällt mit hoher Harmonie und einer Top-Schwarzwiedergabe, im DVD Audio-Betrieb klingt der JVC detailliert und harmonisch, Gleiches gilt für die Wiedergabe herkömmlicher CDs. Dazu kommt ein sehr erfreulicher interner DD/DTS-Decoder, der mit einer homogenen Basswiedergabe ebenso auffällt wie mit einer sauberen Effektpositionierung. Abgesehen von einigen kleinen Eigenheiten ist die Bedienung einfach, die On Screen-Menüs sind aufwändig gestaltet und schön anzusehen. Tadellos sind die multimedialen Qualitäten des JVC, der MP3-CDs und SVCDs ohne jegliche Probleme und in tadelloser Qualität abspielt. Das Laufwerk gefällt mit einem extrem leisen Laufgeräusch und einer schnellen Einlesegeschwindigkeit. Zu all diesen Eigenschaften passt die elegante Optik und die tadellose Verarbeitung. 

Der XV-SA72 zeigt, was der Kunde heute schon für knapp 1200 DM erwarten kann

Obere Mittelklasse
Pro:
  • Sehr harmonisches, farblich exzellentes Bild

  • Hervorragende akustische Qualitäten

  • Exzellente MP3-Wiedergabe

  • Sehr gute Verarbeitung

  • Überragendes Preis-/Leistungsverhältnis

Contra:
  • Kleine Bedienmängel

  • Nur eine Scartbuchse

Technische Daten:
  • DVD Audio/Video-Player mit DD/DTS- und MP3-Decoder

  • 1-Bit P.E.M.- D.D.-Audio D/A-Wandler 

  • Videoausgänge: 1x SCART (Nr. 1 mit RGB), 1 x Hosiden (S-Video), 1 x Cinch (Composite)

  • Audioausgänge: Digital 1 x koaxial, 1 x optisch 
    analog:: 2 x Cinch 2-Kanal Downmix, 1 x Sechskanal-Ausgang

  • Videoequalizer mit 7 regelbaren Parametern

  • Maße (B x H x T): 435 x 73 x 267,5 mm

  • Gewicht: 2,6  kg

  • Preis: 1171,54 DM (599 €) (UVP)

 

12. November 2001
Test: Carsten Rampacher