Doppeltest: Infinity TSS-750 gegen Harman Kardon HKTS-7

13.04.2005 (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER für das Bereitstellen der Hörräume

Wer ein preisgünstiges Subwoofer-/Satellitensystem kaufen möchte, hat bei Harman International die Qual der Wahl, denn mit gleich drei Labeln - Infinity, JBL und Harman Kardon - ist man auf dem Markt präsent. Wir haben uns bewusst zwei preislich unterschiedliche Offerten herausgegriffen: Das Harman Kardon HKTS-7 zu einem Preis von 499 € fürs komplette 5.1-Set und das Infinity TSS-750 für 699 €. Die Frage, die uns brennend interessiert, ist, ob das TSS-750 die 200 € Aufpreis, in diesen Preisregionen durchaus von großer Bedeutung, Wert ist. Lesen Sie die Antwort darauf in unserem Doppeltest.

Der Harman Kardon-Subwoofer ist als Downfire ausgelegt

Der Infinity-Basslautsprecher strahlt zur Seite ab

Wer sich die technischen Daten anschaut, kann auf jeden Fall diverse Vorteile fürs teurere Infinity-Set ausmachen. So stemmt die Endstufe des TSS-750-Aktivsubwoofers mit 150 Watt (RMS) glatte 50 Watt mehr als der mit 100 Watt angegebene HKTS-7-Basslautsprecher - eine beträchtliche Menge, die dafür sorgt, dass das TSS-750 durchaus auch schon in Hörräumen um die 25 Quadratmeter noch für ein entsprechendes Bassfundament sorgen kann. Einigkeit herrscht bei den Subwoofer bei der Größe des Basschassis: Hier und dort finden sich 250 mm Treiber, allerdings strahlt der Infinity-Sub nach der Seite ab, der HK-Woofer ist als Downfire ausgelegt, was es erforderlich macht, ihn am besten nicht auf Parkett oder Marmorboden und nicht direkt in die Raumecke zu platzieren. Trotz der höheren Leistung wiegt der Infinity-Woofer mit 12,7 kg weniger als der HK-Sub (15 kg), der zudem Sinn fürs Praktische beweist: Wer ihn umdreht, entdeckt gleich  einen eingearbeiteten Sockel, der für die nötige Distanz zwischen der nach unten abstrahlenden Lautsprechermembran und dem Boden sorgt. Der Infinity-Woofer verfügt über Gummifüße, die zwar nicht die Krönung der Hochwertigkeit darstellen, dafür aber praxisgerecht sind, denn ein Verkratzen des Bodenbelags (wichtig bei Parkett, Laminat o.ä.) wird so effektiv verhindert. Kleiner Nachteil ist der fehlende Regler für die Übernahmefrequenz beim HKTS-7-Subwoofer. So viel Sparsamkeit sollte eigentlich auch bei günstigen Offerten nicht sein, wobei man auch ehrlich sagen muss, dass, wenn man den LFE-Eingtang ansteuert, die Übernahmefrequenz sowieso mittels des AV-Receivers regeln lässt. Werden andere Eingänge am Sub angesteuert, so ist die interne Übernahmefrequenz fix bei 120 Hz (nahe der unteren Grenzfrequenz der Satelliten) eingestellt. 

Aufgeräumte, sauber verarbeitete Rückseite des Infinity-Subwoofers 

Zwar eigener LFE-Eingang, aber fehlender Regler für die Übernahmefrequenz beim Sub des HKTS-7

Die Satelliten sind sich in Bezug auf die Nennimpedanz einig - 8 Ohm werden angegeben. Die Infinity-Boxen weisen den größeren Wirkungsgrad auf (89 zu 86 dB, 2,83 V @ 1m) und werden gleichzeitig auch für leistungsstärkere Verstärker empfohlen: Von 10 bis 125 W liegt hier die empfohlene Verstärkerleistung, während sich die HKTS-7-Verantwortlichen mit 10 bis 80 Watt lieber ans AV-Receiver-Einsteigersegment halten. Wer jedoch auch aus leistungsschwächeren Verstärkereinheiten wirklich alles herausholen möchte, sollte sich, zumindest der Theorie nach, eher ans vom Wirkungsgrad bessere TSS-750-Ensemble halten. 

Schlichte Optik, unauffällig zu integrieren: Die TSS-750-Satelliten

Schickes, zeitgemäßes Design: Die Satelliten des HKTS-7

Optisch wirkt das TSS-750 sehr zurückhaltend und dezent. Niemand würde den sehr kleinen Lautsprechern akustische Großdaten zutrauen, dann schon eher den schicken Harman-Satelliten, die designorientierte Käufer mehr ansprechen dürften. Geht es um "Liebe auf den zweiten Blick", schlägt jedoch die große Stunde des TSS-750, denn die Gehäuseseitenteile sind hier aus Alu (Front- und Unterseite jedoch aus Kunststoff) und wirken daher deutlich hochwertiger als die komplett aus Kunststoff  bestehenden HKTS-7-Gehäuse. Wer hochwertigeres Lautsprecher-Kabel an die Harman Kardon-Satelliten anschließen möchte, kämpft ebenfalls auf recht verlorenem Posten, denn die einfachen Klemmanschlüsse auf der Unterseite der Satelliten sind für größere Kabelquerschnitte nicht geeignet. Macht nichts, durch die Anbringung der LS-Anschlüsse auf der Unterseite und eines flachen Tunnels zur Hinausführung des Kabels im Boden der Lautsprecher würden richtig dicke Kabel sowieso nur dafür sorgen, dass die Box wackelt, wenn man sie z.B. auf einem Regal direkt aufstellt, ohne zusätzliche Halterungen oder Ständer. Die TSS-750 zeigen hingegen eine absolut ansprechende Qualität auch beim Thema Anschlüsse, hier gibt es große Schraubanschlüsse, die nach dem Entfernen der aus Sicherheitsgründen vorgeschriebenen Plastikstifte sogar große Bananenstecker aufnehmen. 

Einsteigerklasse: Klemmanschlüsse beim HKTS-7

Ansprechendes Niveau: Schraubanschlüsse des TSS-750-Satelliten

Testequipment:

Klang

Das Infinity  TSS-750 konnte sich in allen Klangwertungen sehr gut in Szene setzen - hervorzuheben sind die tadellose Eigenschaften als System für die Filmtonwiedergabe: Ein kräftiges, solides Bassfundament wird vom Subwoofer geboten, nur bei trockenen, durchschlagenden Bässen ist er am Ende und schlägt an (Minority Report, Sequenz auf DTS Demo 7, Schusswaffen). Dafür entschädigt er mit einem erstaunlichen Tiefgang und einer sehr guten Raumwirkung (Behind Enemy Lines, Bourne Identity, DTS Demo-DVD Nr. 7), in beiden Disziplinen erreicht er bessere Werte als manch teurerer Konkurrent, selbst bei 1.000 €-Systemen ist ein so kräftig durchgreifender Subwoofer nicht selbstverständlich. Die Pegelfestigkeit ist tadellos, auch bei gehobenen Lautstärken ist das Leistungsgefühl noch gut, wenngleich hier dann doch deutlich wird, dass richtige Pegeltreiber generell eher zu größeren oder noch besser zu großen Subwoofern greifen sollten, besonders dann, wenn er Hörraum über 25 Quadratmeter misst. Dies ist jedoch kein Nachteil des TSS-750, sondern prinzipiell bei den kompakten Basslautsprechern von Sub-/Sat-Systemen so. 

Auch die Satelliten machen ihren Job ausgesprochen überzeugend, man denkt gar nicht, dass hier ein preislich eher schmal kalkuliertes System aufspielt, so komplett und erwachsen ist der Höreindruck. Gerade bei effektreichen Filmen oder bei effektreicher zeitgenössischer Musik (Trance, House,Hip Hop) werden sehr gute Resultate erzielt.  Selbst, wenn man ab und zu mal ein klassisches Konzert hören möchte, ist das TSS-750 ein schlechter Partner, sondern kann auch hier wieder durch die Dynamik punkten. Gut zu merken ist dies, wenn z.B. nach einem instrumentalen Solo plötzlich wieder das gesamte Orchester aufspielt: Wo viele Konkurrenten, auch teurerer Natur, dann mit einem zu langsamen Antritt  das unmittelbare Gefühl von Kraft und Lebendigkeit deutlich schmälern, ist das Infinity-Set sofort zur Stelle und macht auch durch den Hochtonbereich deutlich, dass es selbst für Klassisches nicht ungeeignet ist: Keine Spur von blecherner Belegtheit, eine klare und auch recht präzise Struktur sorgen für Zufriedenheit.

Auch die Surroundklangkulisse ist in allen Betriebsarten keinesfalls kärglich, sondern vermittelt ein sehr gutes und realistisches Raumgefühl. Dynamiksprünge werden auch bei Filmmaterial souverän gemanagt (Behind Enemy Lines, DTS Demo DVD Nr. 7, Music Score setzt bedrohlich ein, anschließend Explosionsserie). Gefallen hat uns auch, dass bei großen Explosionen nicht einfach nur eine Menge Krach entsteht, sondern gleichzeitig auch die nach allen Seiten wegspritzenden Einzelteile prima wiedergegeben werden, was für eine gelungene Auflösung spricht. Mehr kann man von einem solchen Sub-/Sat-Set kaum noch erwarten. 

Auch, wenn praktisch ohne Unterbrechung viel gefordert wird, steht das TSS-750 parat. Als Beispiel diente hier die Sequenz aus "The Fast and the Furious" von der 7. DTS Demo-DVD. Durchgängig herrscht ein hoher Grundpegel vor, viele verschiedene Klanganteile ergänzen sich zu einem richtigen Effektfeuerwerk. Das Infinity-System lässt sich dadurch aber nicht beirren, sondern behält den Überblick. Die Strukturen sind akustisch gut zu erkennen die bellenden Schüsse aus der Schrotflinte des Truck-Fahrers werden ebenso tadellos wiedergegeben wie die quietschenden Reifen und die hochdrehenden Motoren der Verfolger-Fahrzeuge. 

Bei "Rush Hour 2" beweist das TSS-750 wiederum viele Talente: Zu Beginn in der Karaoke-Bar in Hong Kong werden auch kleinere Effekte herausgearbeitet, nur bieten teurere Systeme hier noch ein gefühlvolleres Händchen. Für die Preisklasse jedoch wartet das TSS-750 mit exzellenten Leistungen auf, gerade bei der Detaillierung lässt es auch das Harman Kardon HKTS-11 und auch das Teufel Concept S hinter sich. Insgesamt hat Infinity ein in jeder Hinsicht gelungenes Gesamtpaket geschnürt, wieder ein überzeugender Beweis dafür, dass guter Klang auch für relativ wenig Geld realisierbar ist. Natürlich sollte man schon mit dem richtigen Anforderungsprofil an die Sache herangehen - höchstes Fingerspitzengefühl und eine sehr hoch liegende klangliche Harmonie kann man auch von einem wirklich guten Set wie dem TSS-750 nicht erwarten. Gerade  bei Subwoofer-/Satellitensystemen mit sehr kompakten Abmessungen ist dies noch immer eher selten, und wenn sich ein solches Angebot findet, ist es deutlich über 1.000 € teuer.

Im direkten Hörvergleich kann das HKTS-7 dem TSS-750 nicht das Wasser reichen. Vom intensiven, klar aufgebauten Bass des Infinity-Subwoofers ist der HKTS-Woofer ein gutes Stück entfernt. In erster Linie merkt man dies bei  größeren Lautstärken,hier klingt er weniger satt, oberflächlicher und neigt zum Durchschlagen. Bei moderaten Pegen merkt man nur die geringer Präzision, das Volumen ist nicht ganz so ausgeprägt, es reicht aber immer noch, um das HKTS-7 gut aussehen zu lassen.  Die Konstruktion des Infinity-Woofers ist auch noch solider, so ist er praktisch völlig ruhig auch bei kräftigen Lautstärken, während der Harman-Woofer leichte Vibrationen erzeugt. Für den knapp bemessenen Kaufpreis ist die Leistung des HK-Subs aber sicher nicht schlecht, wenn man jedoch bedenkt, wie viel mehr Performance Infinity zum vertretbaren Aufpreis einschenkt, muss man gerade anspruchsvolleren Hörern raten, zum TSS-750 greifen. Wer jedoch ein schickes, preiswertes und für normale Ansprüche ausreichendes 5.1 Set zum kleinen Preis sucht, kann auch mit dem HKTS-7 glücklich werden.  Bei "Rush Hour 2" wirkt das ganze Geschehen im Vergleich zum TSS-750 etwas weniger facettenreich, die Stimmwiedergabe ist gut, aber nicht so natürlich und dynamisch.  Gut: Bei normalen bis etwas höheren Lautstärken erreicht das Harman Kardon-Set eine recht ausgeglichene, homogene Wiedergabe, die nie störend erscheint. Erfreulich beim HKTS-7 ist, genauso wie beim TSS-750, dass die Stimmen auch bei gehobenem Pegel noch prima zu verstehen sind und kein Kratzen und keine Verzerrungen stören. Nur, wenn es wirklich laut zugeht, verabschieden sich die Harman Kardon-Satelliten, während die für ihre kompakten Abmessungen erstaunlich belastbaren Infinity-Satelliten noch munter voran marschieren. 

Bei den Bassattacken in "Rush Hour II"  stellt sich wieder einmal heraus, dass mehr Leistung nie schaden kann, mehr Homecinema-Feeling vermittelt klar der TSS-750-Subwoofer, wobei man in Anbetracht des gebotenen Volumens und dem Nachdruck auch beim HKTS-7 nicht meckern kann. Wer ab und zu mal abends einen Film anhört und mit etwas gehobener Zimmerlautstärke der Musik lauscht, wird vom insgesamt recht gefälligen Sound des kleinen HK-Sets nicht enttäuscht sein. Die Satelliten bieten eine im Vergleich zum Infinity-Konkurrenten verhaltener wirkende Hochtonwiedergabe, so frisch klingen die Harman-Satelliten nicht, im Mitteltonbereich agieren sie, wie die Infinity-Pendants, gefällig. Die Struktur, die geboten wird, ist beim TSS-750 aber wiederum hörbar besser, das ganze Klangspektrum bringt mehr Tiefgang und mehr Natürlichkeit mit.   

Fazit

Die 200 € Aufpreis, die man für das Upgrade vom HKTS-7 auf das TSS-750 zu berappen hat, sind für anspruchsvollere Hörer sehr gut angelegtes Geld, denn in allen Hörtestreihen schien ein deutlicher Klassenunterschied durch. Der aktive Subwoofer des TSS-750 bietet ein ausgezeichnetes Leistungspotential, zu loben sind Tiefgang, Raumwirkung und Pegelfestigkeit. Die Satelliten erfreuen mit gelungener Abstimmung, bestehend aus frischem Hochtonbereich und angenehmer Mittenwiedergabe. Die Verarbeitung des TSS-750 überzeugt ebenfalls, so dass man insgesamt feststellen kann, dass hier für den fairen Kaufpreis überdurchschnittlich viel geboten wird. Das HKTS-7 von Harman Kardon ist für Hörer mit normalen Ansprüchen, die ein schickes Lautsprechersystem für den gemütlichen Filmeabend mit Freunden und fürs gemäßigte Musikhören suchen, aber trotzdem ein preislich interessantes Angebot, denn schwach agiert es in keiner Disziplin. Dadurch, dass es auch viele deutlich teurere Konkurrenten bis zur 1.000 €-Liga in arge Bedrängnis bringen kann, ist das besonders gut gelungene, ausgewogene TSS-750 aber summa summarum klarer Sieger im Duell, trotz des Mehrpreises von 200 €. 

Infinity TSS-750

Pro:
  • Leistungsfähiger, pegelfester aktiver Subwoofer

  • Sehr gute Dynamik

  • Frischer Hochtonbereich

  • Für Mehrkanal-Musik und Filmton tadellos geeignet

  • Ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis

  • Prima Verarbeitung

Contra:
  • Sehr nüchterne Optik

"Maximum Output" fürs investierte Geld: Das optisch schlichte TSS-750 überzeugt ohne Abstriche

Mittelklasse
Test 13. April 2005
Preis-/Leistungsverhältnis

Harman Kardon HKTS-7

Pro:
  • Bei normalen bis leicht gehobenen Lautstärken gefälliger Klang

  • Gute Stimmwiedergabe

  • Subwoofer vermittelt ordentliches Raumgefühl

  • Schicke Optik

  • Günstiger Kaufpreis

Contra
  • Hochtonbereich der Satelliten vermittelt weniger Emotion

  • Subwoofer deutlich geringer belastbar als bei Infinity-Pendant

  • Billige Klemmanschlüsse bei den Satelliten

Elegant und erschwinglich: Das HKTS-7 präsentiert sich als gute Wahl für Einsteiger mit Faible für eine zeitgemäße Optik

Einsteigerklasse
Test 13. April 2005
Preis-/Leistungsverhältnis

 

Test: Carsten Rampacher
13. April 2005