Test: Celestion Subwoofer-/Satellitenlautsprechersystem AVP-305 

Nicht jeder verfügt in den eigenen vier Wänden über den Platz, ein ausgewachsenes Lautsprechersystem für den Heimkino- und Mehrkanal-Musikeinsatz aufzubauen, und selbst wenn genug Raum vorhanden ist, dann stört es doch das ästhetische Empfinden nicht weniger Familienmitglieder oder sogar das des Heimcineasten selber, wenn die allzu massiven Lautsprechergehäuse anstatt dem schönen Biedermeier-Schränkchen die dann teilweise verwunderten Blicke der Besucher auf sich ziehen. So wird dann der Kauf eines Subwoofer/Satellitenlautsprecher-Systems in Erwägung gezogen - doch wenn der auch akustisch und nicht nur optisch anspruchsvolle Liebhaber gepflegter Mehrkanaltonwiedergabe sich dann live von den öfters nicht gerade begeisternden klanglichen Darbietungen selbst teurer Sub/Sat-Systeme überzeugen musste, gerät er in eine echte Zwickmühle. Doch es schimmert Licht am Ende des Tunnels, dem britischen Lautsprecherexperten Celestion sei Dank: Für den zugegebenermaßen nicht geringen Betrag von 1699 EUR wird ein Sub/Sat-System, das auf den Namen AVP-305 hört, offeriert. Und besagtes System soll beide Welten zusammen führen - die der Wohnraum-Ästheten und die der Freude des "guten Tons". Ob dies nun auch tatsächlich gelingt, soll unser Praxistest klären. Nach dem Auspacken kommt zunächst einmal Freude auf: Denn was da dem Betrachter ins Auge springt, sind hervorragend verarbeitete Satellitenlautsprecher - vier identische (Front links/rechts, Surround links/rechts) und der etwas größer dimensionierte, magnetisch abgeschirmte Center. Alle bestehen nicht aus Plastik, das so aussehen soll wie edles Leichtmetall, sondern aus echtem Aluminium. Wer einmal ein solches Teil in den Händen hielt, weiß, merkt schon am Gewicht: Hier handelt es sich um ein vollwertiges Lautsprechersystem und nicht um eine akustische Behelfslösung. Und der aktive, 200 Watt (Maximalleistung) starke aktive Subwoofer macht da keine Ausnahme: Der nach dem Downfire-Prinzip arbeitende Basslautsprecher glänzt mit einer schönen und hochwertigen Optik. Perfekt verarbeitet ist das Anschlussterminal, stufenlos regelbar ist die Übernahmefrequenz. Auch einen Regler zur Phasenverschiebung gibt es. Von den Dimensionen des aktiven Subwoofers und der Satelliten empfiehlt sich das Celestion-System bei forcierteren Pegeln für Räume bis ca. 25 Quadratmeter, wer es von den Pegeln humaner angeht, mag auch einen 30 Quadratmeter-Raum mit dem AVP-305 versorgen können, wobei sich der sehr kompakte Subwoofer dann schon mehr abmühen muss. Lautsprecherkabel mit allzu großem Querschnitt einzuführen (was bei Subwoofer/Satellitensystemen aber auch nicht unbedingt sein muss), gestaltet sich etwas schwierig, da man anstatt Schraubverschlüssen Klemmverschlüsse verwendet, die in ihrer Ausführung aber ebenfalls durch größtmögliche Hochwertigkeit positiv auffallen.

 



Bezüglich der Klangeigenschaften enttäuscht das edle System nicht. Um einen billigen AV-Receiver anzuschließen, dazu ist das Celestion-System viel zu schade, daher verwendeten wir zum Check der Qualitäten des Celestkion-Systems unseren Harman Kardon AVR-5500 - in seiner Preisklasse eins der mit Abstand besten Geräte mit viel Kraft, aber ebenso einer brillanten Detailwiedergabe und lobenswerten Stereoqualitäten. Doch zunächst zur Filmtonwiedergabe: Besonders fiel im Heimkino-Betrieb die sehr klare Darstellung auf - vom für nicht wenige Sub/Sat-Systeme typischen, muffigen Gesamteindruck, der vor allem von der zu ausgeprägten Mittenbetonung und dem zu ausdrucksschwachen Hochtonbereich beeinflusst wird, ist beim AVP-305 wenig zu spüren. Dies wird beispielsweise schon zu Beginn des (noch) neuesten 007-Streifens "The World Is Not Enough" deutlich: Klar und akkurat meistert das System die Stimmwiedergabe, erstaunlich komplett und facettenreich ist die Surround-Soundkulisse. Die Bootsverfolgungsjagd wird so ein echtes Erlebnis - und nicht nur eine wenig gefällige, mittenbetonte und blechern klingende Pflichtübung, wie sie leider von manchen Sub/Sat-Systemen geboten wird. Der Bassbereich gefällt durch Präzision und ausreichend Kraft, energiegeladen schießen die dahinrasenden Boote durch den Hörraum. Die Effektortbarkeit ist tadellos, der Music Score präsentiert sich gut eingearbeitet, lediglich im Oberbassbereich ist das Ergebnis etwas zu dünn. Ganz lässt es sich eben doch nicht verleugnen, dass es sich um ein Sub/Sat-System bei unserem Testkandidaten handelt. Bei "Independence Day" konnte das Celestion-Set gleich zu Beginn des Alien-Spektakels für glänzende Augen sorgen, denn auch wenn der kompakte Subwoofer natürlich nicht den ultimativen Tiefgang bieten kann - dies verhindert einfach das zu geringe Volumen - so ist der Basseindruck gerade in Hörräumen um die 20 Quadratmeter (wie unser Testraum) wirklich gut. Auch am Anfang des achten Kapitels auf der DVD, als das Mutterschiff die immer noch riesigen Tochterschiffe aus dem gigantischen Inneren entlässt, gefällt das Celestion-System mit einer erstaunlich differenzierten Wiedergabe. Der klassische THX Broadway Trailer auf der THX Ultimate Demo DVD bringen die kompakten Lautsprecher und der klein bauende Sub prima zur Geltung - noch besser aber schlagen sich die Celestion-Boxen beim in exzellenter Tonqualität auf der DVD abgelegten "Pod Race" (aus Star Wars Episode 1 - The Phantom Menace). Hier brillieren die ohne Schwierigkeiten fahrbaren Maximalpegel ebenso wie die kräftige Effektkulisse, die ein ganz erstaunliches Volumen an den Tag legt - das kennt man von derartigen Systemen in dieser Güte kaum. Donnernd fegen die Pod Racer durch die unwirtliche Wüste, krachend und mit Wucht explodieren die Teilnehmer, die aus unterschiedlichen Gründen die Streckenführung abrupt verließen.

 



Mit einer guten Transparenz kann das System selbst bei mehrkanaliger Musik aufwarten - vorausgesetzt, man hört nicht mit ganz extremen Pegeln. Selbst bei forcierten Lautstärken aber ist das Ergebnis brauchbar: Die ohne hörbare Verzerrungen und andere Störungen realisierbaren Lautstärken liegen für ein Sub/Sat-System auf einem sehr hohen Niveau, wie sich bei Johann Sebastian Bachs Violinenkonzert, Bachwerkeverzeichnis 1042, heraushören lässt. Auch wenn die Wiedergabe der hochfrequenten Anteile bei den Streichern gerade bei höheren Pegeln systembedingt nicht die Güte brauchbarer Standlautsprecher erreicht, so überragt das Celestion System jedoch die meisten anderen Sub/Sat-Systeme dieser Preisklasse, denn das Gebotene ist für solche kleinen Lautsprecher schlichtweg herausragend und sucht seinesgleichen: Klar und nicht zu aggressiv, mit einer pointierten Betonung erklingen die Streicher. Doch dies ist noch nicht alles: Die Homogenität, und das überraschte uns wirklich, ist auf einem tadellosen Level. So macht das Hören denn auch wirklich Spaß.

Etwas schlank war der Bassbereich lediglich, als wir uns das eigentlich bassintensive Stück "Un-Break My Heart" von Toni Braxtons CD "Secrets" anhörten - und zwar im hervorragenden "Logic 7"-Modus des HK AVR-5500. Dafür war der Raumeindruck natürlich, der Hochtonbereich ertönte klar und sauber. Besser war das Ergebnis in Bezug auf die Basswiedergabe im herkömmlichen Stereobetrieb, hier war das Volumen ebenso in Ordnung wie die sehr lobenswerte Präzision. Apropos Stereobetrieb: Auch wenn viele Sub/Sat-Systeme hier mehr oder minder versagen, zaubert das Celestion-System ein prima Klangbild aus dem Ärmel, welches sich mit akkurater Plastizität ebenso hervortut wie mit einer guten Homogenität. Selbst anspruchsvolle klassische Musik wie Peter Tschaikowskys "Hamlet"-Fantasie-Ouvertüre gab das Set überraschend komplett wieder. Keine Anzeichen größerer Klanglöcher und eine kaum verfärbte Wiedergabe waren zu hören, hier kann man den Celestion-Technikern nur Respekt zollen.

Bei rund 100 bis 120 Hz sollte sich die Übernahmefrequenz des Subwoofers  einpendeln - ein guter Kompromiss. Nimmt man einen niedrigeren Wert, lässt sich der Subwoofer zwar schwerer orten, dafür aber nimmt man ein hörbares Klangloch zwischen der unteren Frequenzgrenze der Satelliten und der Übernahmefrequenz des Subwoofers in Kauf, was den Eindruck eines inhomogenen, nicht kompletten Klangbilds hervorruft. Ein ebenfalls nicht ausgewogenes Klangbild ist die Folge, wenn man die Übernahmefrequenz des Subwoofers zu hoch einstellt - dann wird der Woofer ortbar, und übernimmt zu hohe Frequenzanteile. Wer über eine Einstellung der Subwoofer-Übernahmefrequenz am AV-Receiver verfügt, kann diese auch dort einstellen und den Subwoofer des Celestion nach Bedarf zusätzlich regulieren, was die Flankensteilheit beeinflusst: Wer z.B. auch am Celestion die Übernahmefrequenz auf den selben Wert einstellt, verdoppelt die Flankensteilheit bei der Übernahmefrequenz. 

Kurzer Exkurs: Flankensteilheit

Wichtig ist die Flankensteilheit grundsätzlich im Zusammenhang mit der Frequenzweiche und deren Verhalten rund um eine bestimmte Grenzfrequenz - hier in unserem Beispiel dreht es sich also um die Übernahmefrequenz des aktiven Subwoofers. Beim Erreichen ihrer Grenzfrequenz dämpft die Frequenzweiche die Signalanteile, die nicht mehr durch sie geschleust werden sollen, ab. Wie stark diese Dämpfung ist, hängt von der jeweiligen Filterauslegung ab. Jeder Hoch- oder Tiefpassfilter besteht aus verschiedenen Baugruppen, deren Anzahl die Ordnung und die Stärke der Signaldämpfung, die Flankensteilheit, festlegt. Jedes sogenannte komplexe Bauelement (Induktivitäten, Kapazitäten) verstärkt die Dämpfung um 6 dB pro Oktave, das heißt ein Filter 1. Ordnung (ohne vorgeschaltetes anderes Bauelement) besitzt eine Flankensteilheit von 6 dB pro Oktave, ein Filter 2. Ordnung dann folgerichtig eine Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave. Damit ist auch erklärt, wieso ein Festlegen der Übernahmefrequenz auf 100 Hz sowohl im Setup des Harman Kardon AVR-5500 als auch beim Übernahmefrequenz-Regler des Celestion-Subwoofers die Flankensteilheit verdoppelt. In der Praxis probiert man die am besten geeignete  Einstellung am besten selber aus. Was besser klingt, hängt von der Charakteristik der Hauptlautsprecher ab, wie diese sich von der Kurve des Frequenzgangs her um die unterste Grenzfrequenz herum verhalten, ob sie beispielsweise sehr abrupt oder eher sanft abfallen

Zurück zum Celestion Set.  Erstaunlich ist, was die Satelliten leisten. Natürlich sind sie nicht zu einer richtigen Basswiedergabe fähig, die für so kleine Lautsprecher recht niedrige Übergangsfrequenz, die ohne größere störende Klanglöcher realisierbar ist, erstaunt aber doch. Der aktive Subwoofer selber erfreut mit einer erstaunlich guten Präzision, man kann ihn ohne größere Bedenken bis knapp über die Mittelstellung aufdrehen. Dreht man den Sub weiter auf und zieht zusätzlich noch den Gesamtlautstärke-Pegel des AV-Receivers nach oben, dann kann der kompakt bauende Aktivwoofer seine geringen Ausmaße und seine eher für normale bis leicht forcierte Pegel geeignete Gesamtauslegung nicht verleugnen - ein hörbares Dröhnen und anschließendes Durchschlagen kündigen an, dass man lieber wieder einen Gang zurückschaltet. Auch bei Celestion kann man nicht zaubern, ein kompakter Sub liefert eben nicht die Pegel und den Tiefgang wie ein ausgewachsener Basslautsprecher. Fest steht aber, dass der Aktivsubwoofer für seine kleinen Abmessungen ein erstaunlich gutes Volumen zustande bringt.

Fazit

Mit dem AVP-305 ist Celestion ein hervorragendes Subwoofer/Satellitensystem gelungen, das in vielen Disziplinen Glanzpunkte setzen kann: Zunächst erstaunt die sehr gut aufgebaute Effektkulisse im Heimkinobetrieb. Weiter stellt man fest, dass das kompakte System eine erstaunlich differenzierte Stimmwiedergabe und eine harmonische Integration des Music Score ermöglicht. Der aktive Subwoofer ist mit einer äußerst kräftigen und antrittsstarken Endstufe versehen - lediglich bei Szenen mit sehr tiefen Frequenzen wird deutlich, dass der Tiefgang doch beschränkt ist. Aber Ultratiefbass-Fanatiker stellen auch nicht die Zielgruppe dar, die Celestion mit diesem Angebot bedienen möchte. Im Mehrkanal-Musikbetrieb offenbart sich, dass auch der Musikfreund mit geringem Platzangebot zur Installation eines kompletten 5.1-Systems im AVP-305 einen Platz sparenden, aber trotzdem klangstarken Partner findet: Beeindruckend ist die wirklich ordentliche, weil klare und differenzierte Hochtonwiedergabe. Keine Spur vom oftmals gehörten blechernen, emotionsarmen Klang, der kennzeichnend für viele, auch teurere Subwoofer/Satellitensysteme ist. Noch eins drauf setzt das Celestion-Set mit der gelungenen Stereowiedergabe und der in jeder Hinsicht Maßstäbe setzenden Verarbeitung. So gibt es letztendlich auch am Preis von 1799 EUR in Anbetracht dieser hervorragenden Performance nichts auszusetzen - es bleibt nur noch zu sagen, dass das AVP-305 für den Mehrkanal-Freund mit Platzproblemen, aber auch für den designorientierten Heimcineasten eine sehr gute Wahl darstellt. Auch wenn sich die systembedingten Nachteile nicht völlig wegdiskutieren lassen, konnte sie Celestion jedoch so weit abbauen, dass sie kaum noch störend heraushörbar sind. Der sehr anspruchsvolle, detailverliebte  Musikliebhaber mit Sinn für eine sehr klare und ungemein differenzierte Darstellung oder der kompromisslose Heimkinofreund, der mit sehr kräftigen Pegeln und auch einer sehr voluminösen, tief reichenden Basswiedergabe Filmton genießen möchte , sollte aber nach wie vor zu einem ausgewachsenen Lautsprechersystem greifen - ebenso derjenige, der größere Hörraume über 25 - 30 Quadratmeter effektiv zu beschallen hat. 

Celestions Siegertyp: Für ein Sub/Sat-System leistet das AVP-305 weit Überdurchschnittliches

Obere Mittelklasse
Test 26.08.2002
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Musikalische Qualitäten auf beachtlichem Level

  • Prima Heimkinosound mit kompletter Effektkulisse

  • Subwoofer mit kräftiger Endstufe

  • Verarbeitung auf Top-Niveau

Contra:
  • Aktiver Subwoofer mit etwas wenig Gehäusevolumen

 

Technische Daten
  • Satellitenlautsprecher Main/Surround: 2-Wege-Lautsprecher, Frequenzgang 60 Hz bis 22 kHz, empfohlene Verstärkerleistung von 20 bis 80 Watt, Impedanz 8 Ohm, Gewicht 1,7 kg, Maße (B x H x T in mm): 210 x 120 x 150, Farbe: Silbern

  • Center: 2-Wege-Lautsprecher, Frequenzgang 60 Hz bis 22 kHz, empfohlene Verstärkerleistung von 20 bis 80 Watt, Impedanz 8 Ohm, Gewicht 1,85 kg, Maße (B x H x T in mm): 128 x 287 x 150, Farbe: Silbern

  • Aktiver Subwoofer: 2oo Watt-Endstufe, Frequenzgang 25 Hz bis 130 Hz, stufenlos regelbare Übernahmefrequenz, Gewicht 14,5 kg, Maße (B x H x T in mm): 370 x 320 x 320, Farbe: Silbern/Anthrazit

  • Preis: 1699 EUR

Test: Carsten Rampacher

26. August 2002