Test: Bowers&Wilkins Subwoofer-/Satellitenlautsprechersystem VM-1 



Derjenige, der bei der Einrichtung seiner eigenen vier Wände auf ein modernes und elegantes Design viel Wert legt, wird großes Interesse daran haben, auch beim Heimkino-Lautsprechersystem etwas Besonderes zu verwenden, das unter optischen Gesichtspunkten hohen Ansprüchen gerecht wird. Trotzdem sollte natürlich auch die akustische Seite nicht zu kurz kommen, denn was nützt die attraktivste Optik ohne erfreuliche klangliche Eigenschaften. Genau diesen potentiellen Käuferkreis, der eine gelungene Kombination aus schöner Optik und gutem Klang sucht, möchte B&W mit dem etwa 1650 EUR (komplett) kostenden Subwoofer/Satellitensystem VM-1 bedienen. Doch nicht nur die Soundexperten von Bowers&Wilkins haben dieses Feld entdeckt: Mit dem bereits getesteten, sehr überzeugenden Celestion Subwoofer- /Satellitenlautsprechersystem AVP-305  für 1699 EUR gibt es eine weitere Interpretation dieses Themas, und mit dem eleganten und hochwertigen Infinity-Set "Modulus", das in Kürze bei uns getestet wird, kommt noch ein vielversprechender Konkurrent dazu. Nach dem Auspacken ist man zunächst geneigt, den nicht gerade geringen Preis des englischen Lautsprechersets als gerechtfertigt anzusehen: Denn die sehr formschönen, eleganten Säulen, die in identischer Bauform als Frontlautsprecher, als Centerspeaker und als Surroundbox eingesetzt werden, wirken schon aufgrund ihrer beachtlichen Größe vertrauenserweckend. Der aktive Subwoofer fällt dafür recht kompakt aus. Die Verarbeitung des Sets ist auf hohem Niveau, mitgeliefert werden auch Wandhalterungen und Ständer (optional sind auch noch, siehe Bild oben, lange Standhalterungen erhältlich), wenn man die Lautsprechersäulen auf dem Boden oder auf einem Sideboard o.ä. unterbringen. Die Ständer an sich begeistern durch ihre hochwertige Ausführung. Möchte man die schweren Ständer auf der Rückseite der Lautsprecher anbringen, fallen zwei Dinge auf: Zum einen ist das Befestigungsverfahren prinzipiell sehr einfach und damit sehr praxisgerecht. Problem ist aber, dass die Schienen, in die die Ständer zwecks Befestigung eingeführt werden sollen, nicht allzu "standhaft" wirken. Wer also die komplett aus Metall bestehenden Ständer in die Schiene versucht, einzupassen und sich dabei etwas ungeschickt anstellt, riskiert, dass die Schiene ausbricht.  Sind die Ständer aber erst einmal an den Satellitenlautsprechern, wirkt das ganze System sehr stabil. Aber: Obwohl die Celestion-Satelliten viel kleiner sind, ist in Bezug auf die Verarbeitung festzustellen, dass hier ein nochmals höherer Standard geboten wird - doch summa summarum lässt auch das Bowers&Wilkins-Set schon den Großteil der Konkurrenz bezüglich der Verarbeitungsgüte hinter sich. Analog verhält es sich beim Basslautsprecher: Der aktive Subwoofer des B&W-Sytems ist zwar von guter Verarbeitungsqualität, muss sich allerdings dem überragenden Celestion-Subwoofer geschlagen geben. Gerade die Geräterückseite offenbart beim B&W-System im Vergleich Schwächen: So gibt es anstatt einer Anschlussmöglichkeit für einen Kaltgerätestecker lediglich einen fest im Gerät verankerten Stecker, zudem ist das Lautsprecheranschlussterminal, möchte man den B&W-Woofer zwischen die Frontlautsprecher einschleifen (und nicht via Pre-Out am AV-Receiver verbinden), wenig hochwertig ausgeführt. Hier ist es im Vergleich immer wieder eine Freude, den perfekt verarbeiteten Celestion-Woofer anzuschauen, bei dem zudem die Regler zur Einstellung von Übernahmefrequenz und Level qualitativ noch mehr überzeugen können. Am B&W-Woofer fehlt ein Phasenregler, dafür gibt es die Möglichkeit, mittels eines etwas wackeligen Schalters zwischen "Music" und "Movie" umzuschalten, das Beste daran ist, dass die Schaltung, wie unser Hörcheck zeigt, auch wirklich mit Erfolg arbeitet und im Musikbetrieb einen zwar etwas weniger voluminösen, dafür aber hörbar präziseren Klang bereit stellt. Sehr bedauerlich ist, dass der aktive Subwoofer nicht über eine einstellbare Übernahmefrequenz verfügt. Privilegiert sind dann diejenigen, die eine Einstellmöglichkeit am AV-Receiver haben, wie wir beispielsweise an unserem zum Test eingesetzten Harman/Kardon AVR-5500. Aber noch lange nicht jeder AV-Receiver (wenn es auch immer mehr Modelle gibt) hat eine wählbare Übernahmefrequenz, Denon geht hier einen sehr lobenswerten Weg und bietet mittlerweile bei allen Modellen eine einstellbare Übernahmefrequenz ein. Wer keine Einstellmöglichkeit am AV-Receiver hat, muss sich eben mit der festen Übernahmefrequenz begnügen, die beim B&W-Set intern eingestellt ist.

Akustisch kann das VM-1 bei "Star Wars Episode I - The Phantom Menace" trotz gewisser Ausstattungsmängel des Subwoofers einen guten Eindruck hinterlassen. Überraschend für ein Subwoofer/Satellitensystem war vor allem die gelungene, sehr klare, voluminöse und harmonische Stimmwiedergabe. Hier bietet das B&W-System eine bessere Leistungs als das Celestion-Set, das hier durch die im Vergleich relativ kleinen Satelliten etwas gehandicapt ist. Auch die ordentlich aufgebaute Surround-Klangkulisse des VM-1 kann sehr gut gefallen, dies liegt auch hier an dem im Vergleich zu vielen Sub/Sat-Systemem höheren Volumen der eleganten Lautsprechersäulen. Die Effekte ertönen mit guter Klarheit und in beachtlicher Präzision. Hier aber schlagen sich die zierlichen Celestion-Satelliten im Vergleich erstaunlich wacker, gerade für den, der wirklich nur wenig Platz hat, sind sie daher eine nach wie vor sehr gute Wahl. 

Doch zurück zum VM-1. Trotz der beachtlichen Gehäuseausmaße sind die Lautsprechersäulen natürlich im tieffrequenten Bereich noch auf die Subwoofer-Unterstützung angewiesen. Dies klappt bei normalen Lautstärken auch gut, natürlich kann der kompakte Woofer auch dann nicht mit einem überragenden Tiefgang dienen, dies jedoch wissen die Käufer eines solchen Systems, aufgrund der baulichen Voraussetzungen (aktiver Subwoofer mit recht geringem Gehäusevolumen) ist es beim Celestion-System ähnlich. Dass der Celestion-Woofer mit seiner 200 Watt-Endstufe (der B&W-Woofer bringt es auf 85 Watt) mehr Pegelfestigkeit bietet, ist für denjenigen, der auch einmal Home Cinema in etwas höherer Lautstärke genießen möchte, durchaus ein Argument. Dem VM-1-Woofer geht dann schon einmal die Kraft aus, dem Bass fehlt dann der richtige Druck, um beispielsweise die heftigen Gefechte und Laserschwertkämpfe bei "Episode 1" in vollem Umfang wiederzugeben. Die sehr gute Surround-Klangkulisse des VM-1 fällt bei der Sequenz aus "Gladiator" von der 5. DTS Demo DVD wiederum auf und sorgt für einen sehr realistischen Klangeindruck. Die klare, frische Hochtonwiedergabe kann überzeugen, ebenso wie die auch hier wieder sehr natürliche Klangcharakteristik der Stimmen. Die quer durch den Hörraum schießenden Brandkugeln und -pfeile werden gut zur Geltung gebracht, dass die 5 identischen Lautsprecher hier offensichtlich einiges an Pegel vertragen können, erfreut - der aktive Subwoofer schlägt sich ebenfalls gut, nur bei zu hoher Sub-Lautstärke und zu hohem Gesamtpegel merkt man dann doch, dass man es nicht zu weit treiben sollte. Bei moderateren Pegeln agiert das VM-1 bei "Inspector Gadget" mit einer erstaunlich guten Homogenität, das Klangbild wirkt wie aus einem Guss. Ihren Beitrag liefern wiederum die gut abgestufte Effektkulisse und die fehlerfreie, harmonische Stimmwiedergabe.

Erstaunlich klar und sauber agiert das B&W-Set bei Mozarts 40. Symphonie (DTS 5.1, Naxos Musical Journey-DVD). Wir nahmen hier natürlich den "Music Mode" am aktiven Subwoofer, der sich durch eine etwas gesteigerte Präzision gegenüber dem "Movie Mode" auszeichnet. Dies hat zur Folge, dass sich der aktive Basslautsprecher bei "nachbarnverträglichen" Pegeln sehr gut in das gesamte Klangbild einfügt und nie störend in Erscheinung tritt. Diese Adaption ist den B&W-Entwicklern ohne Zweifel bestens gelungen. So kultiviert und akkurat, wie das VM-1 im Mehrkanal-Musikbetrieb klingt, ist es wirklich eine Freude, dem engagiert aufspielenden Ensemble zuzuhören. Gerade das gelungene Abklingen der Streicher, der dynamische, homogene Antritt des Orchesters und die hohe klangliche Ausgewogenheit insgesamt sind zu loben. Gerade auch in den leiseren Passagen lässt das VM-1 kein klangliches Element im akustischen Einheitsbrei versinken, sondern arbeitet auch kleine Details mit erstaunlicher Sorgfalt heraus. Die gefälligen musikalischen Darbietungen setzen sich selbst im Stereobetrieb fort, einer Disziplin, in der viele Sub/Sat-Lösungen nur sehr unbefriedigende Leistungen erbringen. Nicht aber alle - denn bereits unser Celestion-Set konnte hier eine lobenswerte Performance an den Tag legen. Natürlich setzen die größer volumigen B&W-Lautsprecher hier ihre Vorteile in einem nochmals kompletteren, homogeneren Klangbild um - der aktive Subwoofer gefällt zudem auch hier durch seine passende Integration. Trotzdem, in Anbetracht ihrer Kompaktheit ist nach wie vor überraschend, zu welchen Leistungen sich das klangstarke Celestion-Set aufschwingen konnte. Hier wäre ein Probe hören vor dem Kauf sehr angebracht, uns persönlich begeistern beide Systeme: Derjenige, der wenig Platz zuhause hat oder seine Boxen praktisch unsichtbar integrieren möchte, erhält mit dem Celestion AVP-305 ein selbst im Stereobetrieb gut klingendes System. Wer mehr Platz hat und zum VM-1 greift, bekommt den Beweis dafür, wie komplett ein Sub/Sat-System für 1800 EUR klingen kann - Respekt, denn echte Schwächen im Stereoeinsatz leistet sich das VM-1 nicht - so lohnt sich durchaus ein exzellenter AV-Receiver vom Schlage unseres zum Test verwendeten Harman Kardon AVR-5500. Bei der CD "Königin der Nacht - Cheryl Studer singt Mozart" bewies das VM-1 mit seiner sehr differenzierten, gut modellierten Stimmwiedergabe Klasse. Die Instrumente präsentierten sich mit ihrer feinfühligen, sauberen Wiedergabe ebenfalls in sehr guter Form.


Fazit

Für Freude einer eleganten und dennoch klanglich gefälligen Lösung empfiehlt sich das B&W-Set durchaus. Gerade im Mehrkanal-Musikbetrieb agieren die schicken Standlautsprecher sehr gelungen, der etwas zu schwache aktive Subwoofer ergänzt bei normalen und nicht allzu forcierten Pegeln den sehr homogenen Gesamteindruck durch sein kultiviertes und präzises Agieren. Für den Filmbetrieb eignet sich die B&W-Lösung ebenfalls, vor allem die Stimmwiedergabe und die gut aufgebaute Surround-Klangkulisse fallen positiv auf.  Ärgerlich sind bei einem so teueren System die Ausstattungsschwächen des aktiven Subwoofers, weder lässt sich die Übernahmefrequenz frei regeln, noch gibt es einen Phasenumkehr-Regler. Hier wird eindeutig zu wenig geboten. Wer viel Wert auf einen kraftvollen Subwoofereinsatz auch bei etwas höheren Pegeln legt, sollte sich vielleicht besser nach das Celestion AVP-305 ins Auge fassen, denn der 200 Watt-Subwoofer dieses Systems bringt eine erstaunliche Kraft. Natürlich sind, aufgrund der Gehäuseabmessungen, bei beiden Sets das maximale Volumen und der mögliche Tiefgang für wahre Tiefbassfanatiker zu gering, aber solche Kundenkreise möchten B&W und Celestion mit diesen Angeboten auch nicht ansprechen. Insgesamt bietet das Celestion-System noch etwas mehr Filmspass, während das B&W-System im Mehrkanal-Musikbetrieb Vorteile verbuchen kann. Im Stereoeinsatz zeigt das VM-1 eine äußerst erfreuliche Leistung, wenn die Pegel nicht zu hoch sind, ist dies das beste Resultat, das wir bislang von einem Sub/Sat-System hörten - dies ist nicht zuletzt eine Folge der ziemlich groß dimensionierten Satelliten. Die weitaus kleineren Celestion-Boxen können jedoch erstaunlich gut mithalten - und in der Verarbeitung setzt das AVP-305 nach wie vor den Maßstab. Obwohl das B&W-Set mit der insgesamt sehr guten Verarbeitung die meisten Konkurrenten auf Distanz halten kann, begeistert das Celestion-Set mit einer bis ins Detail perfekten Qualität: Vor allem der brillant verarbeitete aktive Subwoofer setzt sich mit Abstand an die Spitze seiner Klasse - hochwertiger ist keiner. So bekommt als Fazit das musikalische B&W-Set ein "sehr gut"  -ein besseres Testprädikat verhindert der nicht in allen Belangen völlig überzeugende aktive Subwoofer, vor allem dessen schmale Ausstattung entspricht nicht den Vorstellungen dieser Preisliga. Gerade für Musikliebhaber ist das Set aber eine sehr gute Wahl, wer zudem einen AV-Receiver mit einstellbarer Subwoofer-Übernahmefrequenz hat, wird auch hier kaum Probleme bekommen. Insgesamt aber ist das AVP-305 von Celestion noch immer die beste Wahl: Hochwertiger geht es kaum, Zudem begeistert der Filmklang, ohne dass das Celestion-Set in Bezug auf die musikalischen Eigenschaften nennenswert einbrechen würde. Die Ausstattung des aktiven Subwoofers ist zudem komplett. 

Ensemble für Musikfans: Der Klang im Mehrkanal-Musik-Betrieb kann gefallen

Obere Mittelklasse
Test 23.09.2002
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Hervorragender Mehrkanal-Musikklang

  • Exzellente Stimmwiedergabe

  • Stereoklang auf erstaunlichem Level

  • Formschöne Satelliten mit guter Verarbeitung

Contra:
  • Aktiver Subwoofer mit etwas wenig Kraft und Ausstattungsmängeln

 

Technische Daten
  • Satellitenlautsprecher Main/Surround/Center: 2-Wege-Lautsprecher, Frequenzgang 65 Hz bis 22 kHz (-6 dB), empfohlene Verstärkerleistung von 25 bis 100 Watt, Impedanz 8 Ohm, Gewicht 2,7 kg, Maße (B x H x T in mm): 124 x 522 x 93, Farbe: Silbern/Anthrazit

  • Aktiver Subwoofer: 85 Watt-Endstufe, Frequenzgang 27 Hz bis 100 Hz (-6 dB, Music/Movie-Modus), Music/Movie-Modus, keine regelbare Übernahmefrequenz, Gewicht 11,5 kg, Volumen 16,5 Liter,  Maße (B x H x T in mm): 250 x 378 x 385, Farbe: Silbern/Anthrazit

  • Preis: ca. 1650 EUR für das komplette Set

Test: Carsten Rampacher

23. September 2002