TEST: Onkyo Mini-Hifi-Anlage CS-555DAB

14.06.2012 (cr/sw)

Die kompakte, schicke Onkyo Mini-HiFi-Anlage CS-555DAB kommt auf 499 EUR und ist ab September verfügbar

CS-555DAB

Zwei Regallautsprecher (Abmessungen B x H x T 154 x 245 x 258 mm, pro Stück 3,6 kg) D-055 im Lieferumfang

Einführung

Auch kleine Micro-HiFi-Systeme können technisch sehr hochwertig sein: Onkyo möchte mit dem Komplett-Set CS-555DAB inklusive zwei Regallautsprechern für 499 EUR ab September den Beweis antreten. Wir hatten die edel anmutende Anlage jetzt schon in der Redaktion. Lieferbar ist das System in der DAB-Version in silberner und schwarzer Variante, die Lautsprecher sind immer schwarz. Die für 449 EUR ebenfalls ab September angebotene Version ohne DAB-Tuner ist zudem wahlweise mit holzfarbenen Lautsprechern erhältlich. Kernstück der hochwertigen verbauten Technik ist die dreistufige Verstärkerschaltung, die auch in den klangstarken Onkyo AV-Receivern zum Einsatz kommt. Das eingehende Signal wird in einzelnen Stufen verstärkt, dies reduziert Verzerrungen und steigert Natürlichkeit sowie Detailtreue. Zusätzlich sind linker und rechter Kanal symmetrisch angeordnet, die Signalwege sind enorm kurz. Auch dies ist eine Maßnahme, die der klanglichen Reinheit zu Gute kommt. Auch neu bei der Microanlage ist das Phase-Matching Bass Boost System. Phase-Shifting kann besonders im mittleren Frequenzbereich zu hörbaren Klangeinbußen führen. Zum Ausstattungsumfang gehört auch das z.B. aus den AV-Receivern des Hauses bekannte VLSC (Vector Linear Shaping Technology) für besonders geringes Rauschen. Onkyos neues System bewahrt die Klarheit der enorm wichtigen Mitten, gerade die vokale Wiedergabe, aber auch große Züge der instrumentalen Darstellung spielen sich in den Mitten ab. Zudem ist das menschliche Gehör eben aus diesem Grunde auch darauf trainiert, im Präsenztonbereich besonders sensibel anzusprechen - somit wird Onkyos Neuentwicklung einen beträchtlichen klanglichen Nutzen haben. Die im Lieferumfang enthaltenen Lautsprecher sind mit New Onkyo Fiber Membranen (N-OMF) ausgestattet, die aus mehreren Lagen Aramid und leichter, nicht gewebter Baumwolle gefertigt sind. 

Verarbeitung und Technik 

Hochwertige Fernbedienung, wie bei den großen Onkyo HiFi-Komponenten im klassischen Rastermaß

Sehr gute Verarbeitung der Frontblende

Keine Verarbeitungsschwächen auf der Rückseite

Nicht überzeugend: Windig wirkende CD-Lade mit Kunststoff- anstatt Alu-Blende vorn

Hochwertige Technik im Kleinformat

Bekannt aus größeren Onkyo Komponenten, nun erstmals im Microformat

Elkos

Innenleben Gesamtübersicht

Innenleben im Detail

Das 4,8 kg wiegende Hauptgerät mit Abmessungen von 215 mm Breite, 119 mm Höhe und 331 mm Tiefe ist ausgezeichnet verarbeitet, die Alufrontblende ist präzise eingepasst. Das große Display sorgt ebenso für einen überzeugenden Eindruck wie die tadellos eingepassten Bedienelemente. Der Lautstärkedrehregler liegt sehr gut in der Hand. Unter dem kompakten Gerät finden sich "richtige" kleine Standfüße, die sicheren Halt garantieren. Nicht hat uns die etwas klapprig wirkende CD-Lade gefallen, auch die silberne Blende wirkt wenig hochwertig und ist nicht wie die gesamte Frontblende aus Aluminium, sondern aus Kunststoff. Wenigstens liest das Laufwerk auch leicht zerkratzte CDs ohne Probleme und mit relativ zurückhaltender Geräuschkulisse in vertretbarer Zeit ein. Das Innenleben ist für eine kompakte Mini-HiFi-Anlage absolut überzeugend, mit akkuratem Aufbau und hochwertigen Baugruppen. An der Qualität der Fernbedienung gibt es für die Preisklasse nichts auszusetzen. Die beiden 2-Wege-Bassreflex-Regallautsprecher sind vorn und hinten mit gerundeten Gehäuseecken ausgestattet und weisen ordentliche Schraubterminals für die Verbindung zum Hauptgerät auf. 

2,5 mm Soft Dome-Hochtöner

Tief-/Mitteltöner (12 cm)

Schön gemachte Anschlüsse bei den Lautsprechern

Aufnahme für das Lautsprecher-Schutzgitter

Rückwärtige Bassreflex-Öffnung

Anschlüsse

Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse, 2 x Cinch-Stereo-Eingang/1 x Ausgang, 3,5 mm Auxiliary-In, RI Remote-Control (Onkyo-spezifisch) Anschluss, optischer und koaxialer Digitaleingang Praktische Besonderheit ist der Pre-Out für den aktiven Subwoofer

DAB/FM-Anschluss

Vorn: USB- und Kopfhörerbuchse (3,5 mm Miniklinke)

An Anschlüssen wird eine normalen Ansprüchen genügende Auswahl angeboten (2 x Stereo-Cinch-Eingang, 1 x Ausgang, koaxialer sowie optischer Digitaleingang). Besonderheiten finden sich bis auf den Subwoofer Pre-Out keine. Die Onkyo-Anlage ist entgegen dem aktuellen Trend zumindest in der hier getesteten Version nicht netzwerkfähig. Klar im Vordergrund sollen keine Features, sondern eine herausragende Klangqualität stehen. Damit auch die Zuleitung der elektrischen Signale zu den Schallwandlern in einwandfreier Form funktioniert, gibt es keine billigen Klemmverschlüsse, sondern Schraubverschlüsse für den LS-Kabel-Anschluss, die auch für Bananenstecker geeignet sind. Vorn finden sich USB-Buchse und 3,5 mm Kopfhörerausgang. Daneben ist der On-/Standbyschalter, es findet sich kein Netzschalter. Für geringen Stromverbrauch im Standby-Betrieb gibt es einen extra Trafo. Vorn findet sich noch ein USB-Anschluss für Flash-Medien oder iPod/iPhone. 

Bedienung

Großes, gut ablesbares Display

Griffgünstiger Lautstärkedrehregler, nicht gerastert, eiert leicht

Übersichtliche und sauber verarbeitete Bedienelemente direkt am Gerät

Die Bedienung ist einfach und leicht verständlich. Wer iPod oder iPhone anschließt, kann sich zwar freuen, weil das Device über den USB-Port geladen wird,  man kann die Wiedergabe auch rudimentär über das kleine Drehelement direkt am Mainunit oder über die Titelsprungtasten auf der Fernbedienung steuern. Mit der "Return"-Taste an Gerät und Fernbedienung kommt man immer eine Ebene zurück. In der Praxis funktioniert es z.B. gut, wenn man eine Wiedergabeliste direkt am iPod oder iPhone auswählt und dann innerhalb der Wiedergabeliste, wenn gewünscht, zu bestimmten Titeln navigiert, entweder direkt am CR-555DAB oder mittels der Fernbedienung. Das große Display stellt einzeitig in guter Auflösung dar und ist aufgrund von Größe und Kontrast auch aus der Distanz problemlos abzulesen. Die Fernbedienung weist ein übersichtliches Layout auf und ist mit den recht wenigen Tasten und dem guten Kontrast Fernbedienungsgehäuse/Tasten leicht zu bedienen. Eine Beleuchtung ist nicht vorhanden. Der Quellwechsel ist über die Fernbedienung oder über das Gerät selber (Taste "Input") schnell möglich, dann kann man auch den DAB-Tuner verwenden. Im Menü einstellbar ist die Aktivierung der "Phase Matching Bass Boost" Funktion. "Sleep Charge" kann im Menü ebenfalls aktiviert oder deaktiviert werden. 

Klang

Bei "The Drum" von Cosmic Gate waren wir überrascht, wie nachdrücklich sich die kleine Anlage ans Werk macht. Wer sich über systembedingt fehlenden Tiefbass beschwert, kann zusätzlich einen aktiven Subwoofer an den dafür vorgesehenen Vorverstärkerausgang auf der Rückseite anschließen und in Betrieb nehmen. Fürs alltägliche Hören reicht aber auch das schon ohne Probleme aus, was im 2.0-Betrieb geboten wird. Der Klang ist sehr klar und außerordentlich dynamisch, verschiedene akustische Ebenen werden prima unterschieden. Sehr zu loben ist auch die räumliche Wirkung, um die verschiedenen Effekte herum wird ein tadellos wahrnehmbarer Raum aufgebaut. Klar dürfte sein, dass die CS-555DAB nicht in enorm großen Hörraumen eingesetzt werden sollte. Hörraumgrößen von rund 10 bis knapp über 20 Quadratmeter können effektiv beschallt werden. Dies gelingt auch aufgrund der überraschenden Pegelfestigkeit der eingebauten Endstufen. 

Nicht nur bei der klanglichen Reinheit, auch beim Handling hoher Lautstärken macht sich die hochwertige eingesetzte Technik positiv bemerkbar. Die laut Datenblatt vorhandenen 2 x 22 Watt (4 Ohm, 1 kHz, 0,4 % Klirrfaktor, 2 Kanäle ausgesteuert) verlieren sich nicht beim Übergang von der Theorie in die Praxis, sondern stehen auf Abruf jederzeit bereit. Auch beim 2008er DJ Claas Mix des Guru Josh-Klassikers "Infinity" schlägt sich die kompakte Anlage wacker. Der harte Bass sorgt zwar dafür, dass die beiden Regallautsprecher am Limit arbeiten, übles Durchschlagen nehmen wir aber selbst bei höherem Pegel nicht wahr. Der Aufbau des Tracks gelingt der CS-555DAB nahezu ohne Abstriche, besonders hervor sticht der frei und dynamisch aufspielende Hochtonbereich, der mit zum besten gehört, was wir in diesen Preisklassen bislang erleben dürften. Auch der Übergang vom Hochton- in den Mitteltonbereich erweist sich als sehr gelungen, das gesamte Klangbild ist damit aufgrund der fließenden Übergänge typisch für Onkyo. Oben herum gibt sich die kleine Anlage allerdings weniger samtig als klar und frisch. 

Dies zeigt sich auch bei dem "Extended Dance Mix" von "Great Commandment" (Camouflage): Mit enormer Lebendigkeit und einer tadellosen Detaillierung wird der Aufbau des Songs sehr gut nachvollziehbar präsentiert. Die Stimme des Sängers steht einerseits klar im Fokus, wird aber gleichzeitig so gut eingearbeitet, dass die instrumentalen Komponenten nicht in den Hintergrund rücken. Kleine dynamische Differenzen werden von der CS-555DAB sauber erkannt und schnell umgesetzt. "The Howling" von Within Temptation  mit dem kurzen, eher ruhigen Anfang und dann dem großen Dynamiksprung wird für eine so kleine Anlage exzellent wiedergegeben. Ohne Verzögerung gibt die CS-555DAB sofort Gas und stellt die Stimme der Sängerin mit überraschend hoher Ausdruckskraft dar. "Keep The Faith" von Bon Jovi macht ebenso Spaß auf der kleinen Onkyo-Anlage. Der Klang löst sich ordentlich von den kompakten Regallautsprechern, die Stimme Jon Bon Jovis wird charismatisch heraus gearbeitet. Auch bei diesem Beispiel gefällt die akkurate Trennung von Stimmen und Instrumenten.. 

Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" mit dem Frühling als Auftakt überzeugen ebenfalls, und das verdient höchsten Respekt: Was hier an Klarheit und Detaillierung geboten wird, klingt mehr nach "richtigem" Hi-Fi-System als nach Mini-Anlage. Gerade die Souveränität bei der Darstellung der Streicher ist zu loben. Und man kann sogar sagen, dass der CR-555 DAB-Receiver noch mehr kann, wenn man hochwertigere Regallautsprecher als die mitgelieferten verwendet. In Verbindung mit der Nubert nuVero 4 steigen Detaillierungsvermögen, Räumlichkeit und Gesamtdynamik immens - und man stellt fest: Auch bezüglich der erreichbaren Pegel geht noch mehr als mit den "serienmäßig" mitgelieferten Regallautsprechern, die natürlich deutlich einfacher konstruiert sind. Sehr deutlich merkt man die Vorzüge der edlen nuVeros auch bei bassstarker Musik. Bei der 2010er Version des Da Hool-Klassikers "Bora Bora" benötigt man keinen zusätzlichen aktiven Subwoofer. Problemlos werden bis zur Lautstärkeanzeige "33" im Display auch erhöhte Pegel mitgegangen, erst dann sind die Endstufen am Ende - eine ausgezeichnete Leistung für eine so kompakte Anlage! Zu bemerken ist, dass d

Fazit

Onkyo beweist gekonnt, wie hochwertig Mini-Anlagen sein können - wenn die technische Basis stimmt und entsprechend aufwändig gehalten ist. Anstatt wie andere Anbieter ein stark Feature-lastiges Produkt anzubieten, das aber bezüglich der technischen Konstruktion sehr einfach gehalten ist, geht Onkyo genau den umgekehrten Weg: Edle Verstärkertechnik und gediegene Verarbeitung werden mit einer zwar praxisgerechten, aber nicht enorm üppigen Ausstattung kombiniert. So kann zwar über USB ein iPod oder iPhone angeschlossen werden, die Steuerung muss aber über das Apple Device und kann nicht über die Fernbedienung der Onkyo Anlage erfolgen. Damit ist auch klar, wo Onkyo selbst die CS-555DAB sieht: Als vollwertige, kompakte Alternative zu einer "ausgewachsenen" HiFi-Anlage. Diese Rolle übernimmt die klar und detailreich aufspielende kleine Stereolösung souverän. Setzt man anstatt der schon guten mitgelieferten Regallautsprecher andere, teurere und hochwertigere Boxen ein, kann der Klanggenuss sogar nochmals gesteigert werden. Geht es nur um ein Mehr an Bass, kann sehr einfach Abhilfe geschafft werden: Der CR-555DAB Receiver verfügt sogar über einen Vorverstärkerausgang zum direkten Anschluss eines aktiven Subwoofers. Mit an Bord ist auch ein moderner DAB-Tuner. Die Formatvielfalt über USB ist relativ begrenzt, das Gängige wird eingelesen (MP3, WMA, AAC). Insgesamt stellt die CS-555DAB eine willkommene und sehr gelungene Bereichung des Angebots an ultrakompakten HiFi-Anlagen dar - und man bekommt diese hervorragende Qualität zudem zu einem überaus fairen Kaufpreis. 

Ultrakompakte, optisch edle Mini-HiFi-Anlage mit überdurchschnittlichen akustischen Eigenschaften

HiFi-Mini-Systeme Mittelklasse
Test 14. Juni 2012

+ Detailreicher und klarer Klang
+ Räumlich überzeugende Wiedergabe
+ Pegelfest
+ Hochwertige Optik und Verarbeitung
+ DAB+-Tuner
+ Einfache Bedienung
+ Fairer Kaufpreis

- Display gibt keine Informationen über den von iPod oder iPhone laufenden Titel wieder

Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Datum: 14.06.2012