TEST: Mirage 2.1 Set OS3FS + MM-8 - Klangliche Bestleistung bei geringem Platzbedarf

13.10.2010 (cr)

Einführung

Elegant, technisch aufwändig und klangstark – schafft das Mirage 2.1 Set, bestehend aus zwei Front-Lautsprechersäulen vom Typ OS3FS und einem aktiven Subwoofer MM-8, tatsächlich den komplexen Spagat? Eine überragende Räumlichkeit sollen die beiden Frontboxen dank des omnipolaren Abstrahlprinzips garantieren. Mit 1200 Watt steht der ultrakompakte MM-8 sehr gut im Futter. Ob Mirage mit diesem Ensemble, 1498 EUR kostend, eine Alternative zu den Offerten des Establishments gelungen ist, haben wir überprüft. 

Video-Overview

 

Verarbeitung und Technik

Schicker Standfuß.....

...gut integriert

Eine von insgesamt 5 Passivmembranen

Hochtöner mit Abdeckung

Ausgebauter Hochtöner

Anschlüsse am Hochtöner

Hochtöner im Detail

Magnet

Membran und Dustcap

Aufwändige Technik

Solide Verschraubung am Hochtöner....

...und am Gehäuse

Innenleben

Typisch für Mirage-Konstruktionen ist das ominpolare Abstrahlverhalten. Das Prinzip – ein Kalottenhochtöner strahlt direkt an einen Schallverteiler, der den Klang in einem bestimmten Verhältnis direkt und indirekt zum Zuhörer leitet. Laut Mirage birgt diese Technologie den Vorteil, eine enorme Räumlichkeit wahrnehmen zu können. Doch der Lautsprecher bringt noch mehr aus technischer Sicht interessante Details mit. Die mit Chassis bis an den Rand gefüllte Front sticht direkt ins Auge, fünf der insgesamt sieben Chassis sind allerdings in Passivform ausgeführt. Die passiven Konstruktionen sind von der Wirkung her eine Alternative zu einem Bassreflexrohr – sie bringen auch bei einer bestimmten Frequenz ein Mehr an Schalldruck – allerdings ohne die Strömungsgeräusche, die ein Bassreflexrohr verursacht. Nur wenige besonders clever konstruierte Bassreflexsysteme halten die Strömungsgeräusche auf einem sehr niedrigen Level. Die Auslenkung einer Passivmembran wird von der Luft gesteuert, somit muss man sich beim Auseinanderbauen der Box nicht wundern, dass die passiven Chassis nicht angeschlossen sind, ebenso wenig hängt natürlich ein Magnet daran. Dass es deutlich mehr passive als aktive Chassis im Inneren der OS3FS gibt, liegt daran, dass für optimale Wirksamkeit die Passivmembranen eine deutlich größere Fläche aufweisen sollten als die aktive. Da eine Passivmembran im Übrigen durch ihr Antriebsprinzip durch Luft nicht unbedingt einer akustischen Präzisionssteigerung zuträglich ist, ist es, wie auch bei der Miragebox, sinnvoller, mehrere kleine Chassis, die schneller reagieren, als ein großes, durch die gesteigerte Masse träger reagierendes Chassis zu verwenden. Aufgrund der Bauform der OS3FS ist es ohnehin nicht möglich, ein oder zwei größere Passivchassis unterzubringen. Der aktive Subwoofer MM-8 setzt im Übrigen auf das gleiche Prinzip. Auch hier findet sich keine Bassreflexkonstruktion – vielmehr wird der aktive Tieftöner von zwei passiven Radiatoren unterstützt. 

Ultrakompakter aktiver Subwoofer

Sub - Anschlüsse

Gesamte Rückseite

Gute Detailverarbeitung

Eher einfache Füße

Gute Oberflächenqualität

Die 4-8 Ohm-kompatiblen OS3FS sind für Verstärkerleistungen von bis zu 176 Watt geeignet und bringt einen Wirkungsgrad von 93 dB mit. Der Frequenzgang reicht von 52 Hz bis 20 kHz (+/- 3 dB). Die 2,5 Wege-Konstruktion weist insgesamt fünf jeweils 11,43 cm messende Passivmembranen und –inklusive dem Hochtöner – drei 11,43 cm messende Aktivmembranen auf. Die Lautsprecher bringen ein recht geringes Gewicht von 11,2 kg auf die Waage und sind mit einem optisch attraktiven Glasfuß versehen, der den schlanken Säulen guten Stand gibt. Mit einer Höhe von 106,4 cm, einer Breite von 14 und einer Tiefe von 15,6 cm ist der Schallwandler relativ einfach unterzubringen und besticht durch die elegante Erscheinung. Das Lautsprecherinnere ist ordentlich mit Dämmwolle ausgekleidet, die aktiven Chassis weisen einen recht üppig dimensionierten Magneten auf. Die Chassis sind solide mit der Schallwand verschraubt. Rückseitig gibt es ein vergoldetes und recht leichtgängig zu bedienendes Anschlussterminal. Nicht ganz unsere Zustimmung finden die zwar gut sitzenden, aber etwas billig wirkenden Stoffabdeckungen, auch die Haltebolzen für die Befestigung an der Schallwand bestehen komplett aus Kunststoff. Die Oberflächenqualität des Gehäuses ist gut. 

Der aktive Subwoofer mit 20 cm Basschassis plus 2 x 20 cm Passivmembranen wiegt zwar nur 7,6 kg und misst gerade einmal (H x B x T) 22,7 x 22,7 x 22,7 cm, hat es mit 1,2 kW Leistung aber faustdick hinter den Ohren. Der Frequenzgang reicht von 36 bis 200 Hz, integriert ist eine variable Phasenkontrolle (0 bis 360 Grad). Des Weiteren gibt es einen Automatikmodus und einen von 50 bis 200 Hz regelbaren Tiefbassfilter. Zwei Cincheingänge sind vorhanden, es fehlt aber ein Cinchausgang zum Kaskadieren von mehreren aktiven Subwoofern. Der maximal mögliche Schalldruck beträgt laut Hersteller 102,6 dB @ 30 Hz. Die Verarbeitung des Bass-Experten wirkt überzeugend auf uns. Die gute Oberflächenqualität mit sorgfältig gerundeten Ecken und solidem Anschlussterminal punktet ebenso wie die ordentlich ausgeführten Regler. Die insgesamt drei Chassis sind fest und sauber eingepasst. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend. 

Klang

CD, Tunnel Trance Force Volume 54, CD 1:  Beim 2010er Mix von Rhythm and Drums, mixed by Franky B, setzt sich unser Mirage 2.1 Ensemble sehr gut in Szene und bietet dank des ominpolaren Prinzips vor allem eine tolle, dichte Soundkulisse, die sich frei im Raum ausbreitet. Lebendig und kraftvoll gestaltet der MM-8 die Basswiedergabe und arbeitet ezellent mit den beiden OS3FS Frontlautsprechern zusammen. Beeindruckend ist, wie souverän der sehr kompakte Bassist den Schall im Raum verteilt, auch der erfahrene Hörer würde nicht auf einen so kleinen Baswürfel tippen, der diese massive Druckwelle freisetzt. Bei „Summerwave“ von Andy Jay Powell setzt sich die Erfolgsgeschichte des Mirage-Ensembles mit einer raumfüllenden, kräftigen und tonal ausgewogenen Wiedergabe fort. Sehr gut werden bei „Fly Away“ von der Dream Dance Alliance die Vocals präsentiert, die sich ausgezeichnet von der Box löst. Die Bässe sind hart und recht präzise, die kritische Anbindung des Hochtonbereiches an den Mitteltonbereich geht sehr gekonnt vonstatten – der Übergang erscheint flüssig, wie aus einem Guss. Nachdrücklich geht es auch bei „Stop in my Mind“ von Beat Camouflage voran. Sehr gut erscheint uns wiederum die Räumlichkeit, der Bass entfaltet ordentlich Druck, bleibt aber gleichzeitig präzise. Durch die viele Membranfläche (2 x passiv, 1 x aktiv) entsteht der Eindruck spielerischer Wiedergabe. Fürs kompakte Gehäuse ist der Tiefgang sehr beachtlich. Das exzellente Verhalten des aktiven Subwoofers im Kickbassbereich prädestiniert das Mirage-System für die Wiedergabe energiegeladener Techno- und Trance-Tracks. 

Der MM-8 bringt mehr als genug Kraft mit

CD, Sunshine Live, Volume 35, CD 1: Bei “Love Tonight” von den Disco Boys überzeugen uns die Mirage-Lautsprecher erneut mit ihrer exzellenten Räumlichkeit. Diese wird aber nicht durch einen störend muffigen und wenig brillanten Klang erkauft – im Gegenteil, der Sound ist klar, dynamisch und selbst die Präzision geht für die Preis- und Leistungsklasse voll in Ordnung. Der harte Beat kommt bei „Cantina“ (Starkillers“ ausgezeichnet zum Ausdruck. Die mexikanischen instrumentalen Einlagen wirken frisch, transparent und schwungvoll. Das System baut einen so intensiven Raum auf, dass man sich manchmal unvermittelt nach etwaigen Surroundlautsprechern umsieht. Der kleine aktive Subwoofer entpuppt sich als pegelfestes Kraftpaket, man mag kaum glauben, wie klein der Bassist ist. Für die Miniatur-Abmessungen ist der Tiefgang hervorragend, wenngleich hier dem ambitionierten Filmliebhaber schon etwas Substanz unten herum fehlen dürfte. Für Musik hingegen können wir dem kleinen Basslautsprecher ohne Abstriche ein erstklassiges Zeugnis ausstellen. Bei „Little More Tonight“ von Jesus Luz &Twice Nice wird erneut deutlich, dass Progressive House, House, Electro & typical Club Music diesem 2..1 Ensemble absolut liegt. Kraftvolle Beats treffen auf gelungene Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen – nie hätten wir von diesem Mirage 2.1 Set derartig überzeugende Leistungen erwartet, die auch bei „Changes“ von Wishes & Dreams ihre Fortsetzung finden. Es kommt selten der Wunsch nach mehr auf – die Mirage Komponenten bedienen mit ihrer geschickten Mischung aus Klarheit und Räumlichkeit auch den anspruchsvollen Hörer erstaunlich souverän. 

Doe OS3FS beeindruckt durch klaren, dynamischen Klang

CD, Miami Vice – Crockett’s Theme, Jan Hammer featuring TQ: Hier liefern die beiden OS3FS und der MM-8 ihr Meisterstück ab. Satt, hart, massiv, genau richtig vom Timing her – der MM-8 gibt den Bass in absolut überzeugender Manier aus. Durch das souveräne, sehr gut gestaffelte Bass-Klangbild wirkt das Gebotene leicht und locker, Durchschlagen wird erst bei enorm hohem Pegel hörbar. Die beiden Frontlautsprecher erzeugen passend dazu eine luftige, gleichzeitig aber klare Klangkulisse mit sehr guter Stimmwiedergabe. Die Trennung der Stimmen von den Instrumenten gelingt auch bei hohem Pegel ausgezeichnet. Durch die enorme Pegelfestigkeit verhungert der Klang auch in einem 30 Quadratmeter-Hörräum nicht. 

CD, Nightwish, Highest Hopes: Bei „The Poet and the Pendulum“ wird der subtile, sich fein aufbauende Beginn des kraftvollen Songs mit tadelloser Präzision erfasst. Alle akustischen Anteile werden sauber auseinander differenziert dargestellt. Der sich langsam entwickelnde Spannungsbogen wird geschickt in den Raum gestellt, der plötzliche Dynamiksprung, als die volle Maschinerie zu musizieren beginnt, überzeugt durch Energie und exzellentes Timing. Nur, als die Sängerin ansetzt, wirkt der Hintergrund etwas zu eindimensional. Hier bringen teurere Lautsprecher noch mehr Tiefe und Differenzierungsvermögen mit. Bei „Bye Bye Beautiful“ gefällt wieder die sehr gute Grobdynamik und die weitläufige Gesamtwiedergabe. Nur Details in den hinteren musikalischen Ebenen verschwimmen etwas, was aber in erster Linie dem versierten Kenner auffallen dürfte.

Generelle Merkmale und Eigenschaften: Die OS3FS sollten am besten frei im Raum positioniert werden, so können sie ihre speziellen Konstruktionsmerkmale am besten ausspielen und die Räumlichkeit wird besonders intensiv wahrgenommen. Aufgrund des nicht allzu großen Wirkungsgrades der beiden Säulen sollte man einen relativ kraftvollen Verstärker verwenden. Überhaupt – aufgrund ihrer Fähigkeiten ist es nicht ratsam, mit günstigen Verstärkern oder Receivern zu operieren. Diese können das enorme Potential der Mirage-Konstruktionen nicht ausschöpfen. Der kleine Subwoofer wird idealerweise zwischen den beiden Frontlautsprecher untergebracht. Die optimale Trennfrequenz liegt bei 80 Hz. Mit dem neutralen Charakter neigen die Mirage Lautsprechersäulen zu keiner Überbetonung gewisser Frequenzbereiche. Der Grundtonbereich ist für so schmale Säulen hervorragend. Klar aber muss sein, dass eine breitere, optisch klassisch gehaltene Standbox hier mehr Fundament mitbringt. 

Fazit Klang: Mirage sorgt für eine der größten Überraschungen des Jahres – die OS3FS und der MM-8 führen sich glänzend im Teststudio ein und stellen für das Establishment eine nicht zu unterschätzende Bedrohung dar. Kraftvoll, klar, enorm räumlich – Mirage sollte mit solchen Produkten eine weitaus wichtigere Marktposition möglich sein. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend. 

Konkurrenzvergleich

Das von uns getestete Mirage-Ensemble muss sich innerhalb der Preisklasse keinesfalls verstecken, im Gegenteil. Durch das klare, souveräne Spiel, die sehr hohe Pegelfestigkeit und die enorme Räumlichkeit übernimmt es im Orchester der Klassenbesten eine der ersten Geigen. Vergleichen wir zunächst mit den überragenden Canton Chrono SL590DC, der Markt-Paarpreis liegt etwa auf dem Level der UVP des Mirage Sets: Natürlich kann aufgrund der Tatsache, dass kein aktiver Subwoofer mit am Start ist, selbst bei sehr kraftvoller Zuspielung nicht der Punch im Bassbereich erwartet werden, den das Mirage-Set dank des darin enthaltenen MM-8 offeriert. Dafür kontern die beiden Canton Lautsprecher mit dem fundierteren Grundtonbereich. Die enorme Räumlichkeit im Hochtonbereich, Kennzeichen der OS3FS, erreichen die SL590DC nicht ganz, dafür wirkt der Übergang Hochtonbereich in den Mitteltonbereich noch flüssiger. Kauft man für rund 700 EUR den aktiven Bass AS225SC dazu, bietet die Canton Lösung einen satten, kraftvollen und tief nach unten reichenden Bass mit exzellenten Übergängen. Doch das Mirage-Set lässt sich nicht beirren und kontert mit einer beinahe unglaublichen Pegelfestigkeit gerade des MM-8. Bei massiven Basseffekten und höchsten Lautstärken zieht der MM-8 unaufhaltsam davon. Aufgrund der feinen Zwischentöne, der überragenden Integration zwischen die beiden SL590DC ist der AS225SC der bessere Subwoofer für Jazz- und Klassikliebhaber. 

Nur etwas mehr als ein Drittel kostet ein Paar der brandneuen Teufel T 400. Für diesen Preis bieten die Berliner Stereoexperten eine Top-Leistung und verdienen sich eine große Kaufempfehlung. Was in höheren Preisklassen mehr geht, demonstriert unser Mirage-Set: Vor allem die großartige Räumlichkeit begeistert, die Loslösung des Klangs von den Lautsprechern gelingt vortrefflich. Lebendig spielen beide Konkurrenten, klar ist, dass das Subwoofer-befeuerte Mirage-System im Bassbereich durch mehr Druck und Weite davon ziehen kann. Fürs investierte Geld, so unser Fazit, dürfte es in beiden Fällen recht schwer sein, nochmals deutlich Besseres zu erwerben. 

Mit einem Paarpreis von rund 1800 EUR (Markpreis) stellt die Heco Celan XT 901 einen interessanten Gegenpol zum Mirage-Ensemble dar. Klanglich sanfter, milder, reichhaltig ausschmückend, samtig und sehr harmonisch, wird hier derjenige Klangliebhaber angesprochen, der gern große Konzerte und klassische Musik im Allgemeinen in sehr traditioneller, emotionaler Manier hören möchte. Die gediegene Akustik findet ihre Fortsetzung in der sehr gediegenen Optik. Pegelfest ist die bildschöne Heco im Übrigen auch – so kann das Concerto Grosso auch in Konzerthallen-tauglicher Lautstärke gehört werden. 

Gesamt-Fazit

Hervorragendes 2.1 Set zum fairen Preis

Mirage prescht vor – und beeindruckt mit einem erstklassigen Testergebnis des unter die Lupe genommenen 2.1 Sets, bestehend aus 2 x OS3FS und einem MM-8 Aktivsubwoofer. Alle Komponenten benötigen durch die schlanken beziehungsweise kompakten Abmessungen wenig Stellfläche – dafür aber hört man umso mehr von ihnen: Einen sehr lebendigen, transparenten, klaren, räumlich intensiven und kraftvollen Sound, der viele Anwender über alle Maßen begeistern dürfte. Echte Schwachpunkte sucht man vergeblich – gut, sehr sensible Anwender werden vielleicht mit den massiven Kraftausbrüchen des bärenstarken MM-8 etwas überfordert sein, weil sich dieser dadurch schon ab und zu in den Vordergrund schiebt. Wer aber einen dynamischen, weitläufigen, sehr gut gestaffelten Sound in Kombination mit gleichermaßen schicken wie Platz sparenden Lautsprechern, kann hier bedenkenlos zugreifen. 

Mirage schafft die Sensation – souverän und ohne Kompromisse sichert sich das Set aus OS3FS und MM-8 ein exzellentes Testergebnis

Stereo 2.1-Kombinationen Mittelklasse
Test 13. Oktober 2010

+ Elegante Optik
+ Hohe Pegelfestigkeit
+ Kompakte Abmessungen
+ Erstklassige Räumlichkeit
+ Klarer Klang

- Chassisabdeckungen etwas labil

Test: Carsten Rampacher
Datum: 13. Oktober 2010