TEST: Onkyo AV-Receiver TX-SR507 - Dolby TrueHD/DTS-HD-Decoding für 399 EUR 

03. April 2009 (cr/lm)

Bedienung

Recht kleine Eingangswahltesten mit gutem Druckpunkt

Übersichtliche Fernbedienung, die gut in der Hand liegt

Großer Lautstärkeregler

Der TX-SR507 bringt kein OSD mit, so dass die Bedienung des Gerätes ausschließlich über das Gerätedisplay möglich ist. Aufgrund des nicht allzu großen Funktionsumfangs ist es aber problemlos möglich, alle relevanten Einstellungen auch auf diese Weise durchzuführen. Hilfreich dabei ist die gut in der Hand liegende Fernbedienung, deren gummierte Tasten eine haptisch angenehme Ausprägung aufweisen. Der große Lautstärkedrehregler ist nicht gerastert und eiert ein wenig, liegt aber sicher in der Hand. Die relativ kleinen Drucktasten für die Anwahl der Eingänge haben einen ausreichend großen Abstand voneinander, so dass auch motorisch weniger geschickte Zeitgenossen keine Schwierigkeiten haben, den richtigen Eingang anzuwählen. Gesamtnote: Ausgezeichnet. 

Testequipment

Der TX-SR507 setzte sich in den Klangtestreihen überraschend stark in Szene

Klang

Batman Dark Knight, DTS-HD Master Audio, Kapitel 1 direkt nach Intro, Szene Banküberfall: Die Bassschläge direkt nach dem  Intro gibt der 507 etwas zaghaft und mit nicht allzu viel Nachdruck wieder, aber preisklassenbezogen geht die Leistung in Ordnung. Der AV-Receiver agiert im Bassbereich recht präzise und trocken, was bei einem 400 EUR-Gerät eher selten ist. Beim  Überfall auf die Bank erscheint die Explosion der Fensterscheibe durch Abfeuern des Enterhakens etwas fade, denn die Glassplitter fliegen mit wenig Brillanz und werden nicht exakt herausmodelliert. Dafür  wird die ansteigende Musikeinspielung beim Szenenwechsel auf Joker am Straßenrand gut kontrolliert und gut ausbalanciert erfasst. Der bremsende Wagen wird erstaunlich präzise herausgearbeitet und geht nicht in der Musik unter. Die insgesamt gebotene Klangtransparenz liegt für die Klasse auf einem sehr gutem Niveau. Die Unterhaltung der 3 maskierten Männer im Jeep auf der kurzen Fahrt zur Bank fördert eine überraschend gute Sprachwiedergabe zu Tage. Dem Onkyo gelingt eine körperhafte Ausleuchtung der jeweiligen Protagonisten mit hoher Differenzierungsgabe, ohne dabei an Sprachverständlichkeit und Klarheit in einem Maße einzubüßen, wie es in dieser Klasse sonst meist der Fall ist. So eine gelungene Stimmerfassung haben wir in diesen preislichen Regionen selbst von Onkyo oder Denon bislang kaum erleben dürfen. Beim Sturm auf die Bank werden die feinen Umgebungsgeräusche (Echos beim Schießen/Sprechen) ansprechend herausgearbeitet, wobei hier die feindynamische Differenzierung nicht enorm hoch ausgeprägt ist - der erfahrene Anwender merkt hier doch, dass er es mit einem günstigen AV-Receiver zu tun hat. Was hingegen wirklich überzeugend gelingt, ist das Loslösen des Klangs von den Lautsprechern, so dass man einen sehr guten Raumeindruck erhält. Die Tonalität ist grundsätzlich recht homogen ausgefallen, wobei dennoch eine recht milde, leicht zurückhaltende Hochtonwiedergabe mit angenehmer Luftigkeit zu hören ist. Im unteren Bassbereich weicht der Receiver etwas auf und klingt dadurch im Frequenzkeller bei hohen Pegeln etwas dünner, so dass eine leichte Fokussierung im Grundton-/Mitteltonbereich eintritt. Unsere weiteren Eindrücke: Beim verzweifelten Versuch eines Bankangestellten, mit einer Pumpgun für Recht und Ordnung zu sorgen, beweist der Onkyo eine temperamentvolle Spielweise. Gegenüber den anfänglichen Bassschlägen (hauptsächlich auf Fronts) bedient sich dieser Effekt mehr am LFE-Kanal und schickt auf die Satelliten hauptsächlich Mittel/Hochtonanteile. Dies erklärt, warum die Grobdynamik in Abhängigkeit zur angehörten Szene bezüglich ihrer Peformance schwankt.

Pat Metheny Group , DTS-HD Master Audio:  Das Xylophon Intro geht ein wenig unter, sobald die anderen Instrumente einsetzen. Ansonsten bietet der TX-NR507 eine gute Herausarbeitung der Details speziell im Hochtonbereich (Hi-Hats, E-Gitarre). Das Klangbild ist geschlossener und spielt weitaus weniger punktuell als bei anderen Mitstreitern dieser Klasse. Bei der Lokalisationsschärfe auf den einzelnen Kanälen reiht sich das Gerät hingegen im oberen Mittelfeld ein. Applaus vom Publikum wird auf den Rears recht kultiviert und angenehm wiedergegeben und ist damit deutlich besser, als die typisch "überspitzte" Wiedergabe bei vergleichbaren Geräten. Allerdings merkt der versierte Hörer auch ganz klar, dass bei Auflösung und Durchzeichnungsgeschwindigkeit noch viel Luft noch oben ist. 

Spiderman 3 (Dolby TrueHD und normale Dolby Digital Tonspur): Auch hier kann sich der Onkyo, zieht man alle relevanten Faktoren zusammen, tadellos in Szene setzen. Ein präziser Bass, wenn auch nicht ganz so kräftig, aber sehr schön pointiert, ist ebenso herauszuhören wie die überdurchschittlich gute Grobdynamik. Die gebotene Feindynamik befindet sich auf Preisklassenniveau, bei großen Effekten wird der Effektkörper sehr gut abgebildet, aber es fehlt an Auskleidungsvermögen im Detail. Der weiche und seidige, sehr harmonische und angenehme Hochtonbereich gefällt mit einer guten Auflösung. Der Hochtonbereich bleibt stets akustisch auf der sicheren Seite und offeriert lieber Homogenität als Strahlkraft und Brillanz, welche sich bei erhöhtem Pegel in eine zu spitze und aggressive Darstellung umwandeln könnte. Die Stimmwiedergabe ist sehr gut, enorm charismatisch. gerade Männerstimmen werden ausgezeichnet erfasst. Frauenstimmen könnten noch etwas Feinzeichnung im Hochtonbereich vertragen. Bilanzierend überzeugen die Mitten mit souveräner, klarer Darstellung, was zum entspannten Hören beiträgt.  Auch "Spiderman" macht wieder deutlich: Der Onkyo 507 bietet eine für die Preisklasse hervorragende Räumlichkeit, er löst den Sound tadellos von den Lautsprechern. Allerdings ist die Lokalisierungsschärfe bei Effekten zwar als gut zu bezeichnen, hier aber ist noch deutliches Potential noch oben vorhanden. Im direkten Vergleich arbeitet der 507 in Kombination mit einem entsprechend hochwertigen LS-Setup die Vorzüge von TrueHD gut heraus. Der Hochtonbereich erscheint luftiger als bei DD und löst besser auf. Zudem erscheint der Bass konturierter, fester und Dynamikdifferenzen werden sehr gut erkannt. Natürlich kann ein 399 EUR-AV-Receiver die klanglichen Benefits der neuen HD Tonformate nicht in allem Glanz darstellen - für ein so preiswertes Gerät macht der 507 aber einen ausgezeichneten Job. 

Dolby PLII7DTS Neo:6: Der Onkyo verleugnet seinen Grundcharakter auch bei der Nutzung der beiden verbauten Surroundaufpolierer nicht. Die gebotene Räumlichkeit ist gerade bei der Verwendung von PLII ausgezeichnet. Neo:6 fällt im direkten Vergleich etwas ab, gerade die Surround-Klangkulisse wirkt schmaler und eintöniger. Die Effektdynamik, die PLII zur Verfügung stellt, ist wahrhaftig lobenswert, auch komplexere Strukturen werden gut herausgearbeitet. Die Natürlichkeit ist bei beiden Systemen tadellos. Überflüssiger, unnatürlicher Hall ist praktisch nicht vorhanden. Die Front-Surround-Balance erscheint sehr ausgewogen, mit minimalen Vorteilen auf der Seite von PLII. Stimmen werden mit guter, aber nicht mit überdurchschnittlicher Lokalisierungsschärfe erfasst. Die relativ hohe tonale Ausgewogenheit wirft der Onkyo als großen Vorteil auch im DTS Neo:6/Dolby PLII-Betrieb in die Waagschale. 

Stereo/Stereo Pure Direct: Auch bei der reinen Zweikanalwiedergabe erzeugt der 507 einen guten, natürlich ausgeprägten Raumeindruck, aber Präzision der Bühnenstaffelung ist verbesserungsfähig. Erstaunlich gut ist der ordentlich detaillierte und modellierte Mittel-/Hochtonbereich, während die Bässe tendenziell etwas kräftiger und druckvoller sein dürften. Die Präzision im Bassbereich ist aber für die Klasse tadellos. Der Pure Audio Modus ist klanglich noch ausgewogener - hier wird der Hochtonbereich mit mehr Strahlkraft versehen, auch die Bassdarstellung legt in Bezug auf Fülligkeit und Volumen zu. Deswegen nimmt aber auch die Präzision minimal ab. 

Die Pegelfestigkeit im Mehrkanal- und im Stereobetrieb ist außerordentlich gut. Selbst extreme Pegel verdaut das Gerät klaglos. Mit zunehmenden Pegel werden die Bässe zwar immer mehr zurückgedrängt und verlieren an Präsenz. Dies ist aber besser als ein totales Aufweichen, was hier kaum zu verzeichnen ist. Oberhalb von 95db (mit dem Teufel System 9) neigt der HT-Bereich ein wenig zum Überschärfen, doch in Anbetracht der Geräteklasse ist dies absolut verzeihlich, denn das Ausmaß hält sich sehr in Grenzen. Dies lässt sich auch auf die Wärmeentwicklung übertragen, die sich im Rahmen befindet. Selbst nach 3 Stunden hochpegeligem Film-/Musikgenuss auf allen Kanälen bleiben die Gehäusetemperaturen im grünen Bereich (geschätzte 50 Grad). Selbst für ein 600 EUR AV-Receiver wäre die hier gezeigte Pegelfestigkeit aller Ehren Wert. 

Audyssey 2EQ, hier das mitgelieferte Mikrophon, liefert tadellose Ergebnisse und arbeitet zuverlässig

Audyssey 2 EQ/manueller EQ: Als Einmesssystem kommt Audyssey 2EQ mit folgenden Funktionen zum Einsatz: Ermittlung Anzahl der angeschlossenen LS, Bass-Management, Weichenfrequenz für Subwoofer, Abstand, Einpegelung sowie eine Frequenzgangkorrektur. Gemessen wird an 3 Stellen. Zuerst am Hörplatz, anschließend im rechten Bereich der Hörzone, danach das Gleich im linken Bereich. Der Abstand muss jeweils aber mindestens einen Meter voneinander entfernt sein. Die Messdauer inkl. Berechnung beträgt ca. 10 Minuten und funktioniert sehr einfach. Direkt nach anstecken des Mikrophons wird eine Meldung auf dem Display generiert, die den User (in englischer Sprache) über die nächsten Schritte informiert. Leider erfolgt keine Info über die vorgenommenen Frequenzänderungen nach dem Messungen, doch zumindest die Basisparamter werden angezeigt und sind korrekt gesetzt. Klanglich ist 2EQ gar nicht einmal schlecht: Das Zusammenspiel der verschiedenen LS eines 5.1-Systems erscheint klanglich sehr homogen, die Front-/Surroundübergänge erfolgen weich und fließend. Dem ohnehin eher sanften Hochtonbereich wird praktisch keine merkliche Strahlkraft zusätzlich geraubt. Die Aktivierung von Audyssey erfolgt leicht versteckt in der Lautsprechereinstellung (Menüpunkt 2.5.), indem der EQ-Wert global auf Audyssey gesetzt wird. Alternativ kann man hier auch manuelle Werte eingeben. Hierfür steht pro Kanal ein 5 Band EQ zur Verfügung, beim Subwoofer hat man ebenfalls 5 Frequenzen - diese sind sogar speziell im unteren Bereich angesiedelt (25/40/63/100/160) was in dieser Preisklasse eine sehr gute Lösung darstellt. Trennfrequenzen 40/50/60/80/100/120/150/200 Hz. Insgesamt ein für diese Preisklasse sehr erwachsenes, gelungenes System. 

Fazit Klang: Alle Achtung, Onkyo, der preiswerte TX-SR507 hat uns überzeugt. Natürlich darf man die Meßlatte nicht zu hoch legen und den 507 mit ausgewachsenen AV-Receivern für die HD-Tonformate vergleichen. Aber was das kleine Gerät aus HD-Tonspuren und auch aus herkömmlichen Mehrkanaltonspuren heraus holt, ist aller Ehren Wert. Die klangliche Homogenität, die Grobdynamik, die Basspräzision und nicht zuletzt die Pegelfestigkeit sind deutlich vom Preisklassenniveau entfernt. Dass feindynamisch nicht jeder Aspekt berücksichtigt werden kann, verwundert kaum, ebenso ist es keine Überraschung, dass sich kein enormer druck im Tiefbassbereich aufbaut. Für knapp 400 EUR dürfte es aktuell aber schwierig sein, einen AV-Receiver zu finden, der bessere akustische Eigenschaften bietet.  Gesamtnote Klang unter Berücksichtigung der Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend.

Fazit

Leistungsfähig, sinnvoll ausgestattet und preiswert - wir küren den 507 zum "Volks-AV-Receiver"

Der Onkyo TX-SR507 konnte in unserem Test in allen wichtigen Belangen nahezu vollauf überzeugen. Was Onkyo hier an Qualität zum kleinen Preis liefert, ist vorbildlich. Die eingebauten Endstufeneinheiten messen sich bezüglich der Pegelfestigkeit problemlos mit Kontrahenten aus der 600 EUR-Liga. Die Grobdynamik, die Räumlichkeit und selbst die Präzision im Bassbereich sind sehr deutlich über Preisklassen-Niveau. Die tadellose Stimmwiedergabe und die erstaunlich gute Loslösung des Klangs von den Lautsprechern bringen dem 507 weitere Punkte aus Konto. Die Verarbeitung lässt preisklassenbezogen kaum Wünsche offen, die Ausstattung ist zwar bar jeder Video-Funktionalität, audioseitig aber recht üppig. Es fehlt weder an Decodern für die aktuellen HD-Tonformate noch an einem guten Einmesssystem sowie an weiteren modernen Features wie Dynamic EQ oder Dynamic Volume. Zudem stellt der TX-SR507 gleich vier HDMI-Eingänge zur Verfügung - mehr bringen viele Vertreter der 1.000 EUR-Liga auch nicht mit. Insgesamt also hat der neue Onkyo 5.1-AV-Receiver ohne Zweifel das Zeug zum Bestseller und wird die Onkyo Erfolgsstory um ein weiteres Kapitel bereichern.

Mit enormer Pegelfestigkeit und hervorragender Grobdynamik setzt der sinnvoll und praxisgerecht ausgestattete TX-SR507 neue Maßstäbe in der 400 EUR-Liga

AV-Receiver untere Mittelklasse
Test 03. April 2009
Preis-/Leistungsverhältnis

+ Enorme Pegelfestigkeit
+ Ausgezeichnete Grobdynamik
+ Sehr gut ausgeprägte Räumlichkeit
+ Präziser Bass
+ Sehr gute Stimmwiedergabe
+ Dolby TrueHD/DTS-HD-Decoder
+ 4 HDMI-Eingänge

- Keinerlei Videofunktionalität
- Fernbedienung vorprogrammiert, aber nicht lernfähig

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Test: Lars Mette, Carsten Rampacher
03.04.2009