TEST: Stereo-Lautsprecher Klipsch Reference RF-63 - leistungsstarkes Universaltalent

12. Januar 2009 (cr)

 

Einführung

Mit einem Stückpreis von 1.150 EUR befindet sich die Klipsch Reference IV RF-63 in einer ausgesprochen interessanten Preisklasse – denn diesen Betrag dürfte der anspruchsvollere Stereoliebhaber ebenso wie der Mehrkanal-Freund, der leistungsstarke Frontboxen sucht, bereit sein, zu investieren. Für den fairen Kaufpreis bekommt man eine wahlweise in schwarz oder Kirsche lieferbare Bassreflex-Standbox, die mit Belastungswerten von bis zu 700 Watt (kurzzeitig) eindrucksvolle Daten vorweisen kann. Der 36,8 kg wiegende Lautsprecher mit Hornvorsatz vor dem Hochtöner besticht zudem mit einem exzellenten Wirkungsgrad von 99 dB (2,83 V @ 1 m). Dies sorgt dafür, dass auch weniger leistungsstarke Endstufeneinheiten problemlos mit der rund 117 cm hohen Box zurecht kommen. Ob die RF-63 im Praxistest brillieren konnte, können Sie dem folgenden Bericht entnehmen. 

Technische Daten

Hochton-Konstruktion

Drei Bassreflexöffnungen auf der Rückseite

Die Klipsch Reference RF-63 ist ein Standlautsprecher in Bassreflexbauweise, die drei Bassreflexöffnungen zur Steigerung des Wirkungsgrades im Bassbereich befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses. Klipsch-typisch ist das Hochtonhorn. Die speziellen Tractrix® Hörner waren schon immer wichtige Komponenten von Klipschs Reference-Serie. Bei den aktuellen Modellen wurde diese Technologie weiter verfeinert und umfasst eine verbesserte Hornhalsgeometrie, die einen authentischen Sound ermöglicht. Hinter dem Horn befindet sich ein 3,2-cm-Titanhochtöner – dies soll Klarheit und Dynamik förderlich sein. 


Der RF-63 besitzt eine Treiberanordnung mit drei 16,5-cm-Tieftönern mit großen Motorstrukturen. Dadurch bietet der Lautsprecher ein solides tieffrequentes Fundament und eine tadellose Impulstreue. Die Tieftöner aus Cerametallic™ mit umgekehrten Kupferabdeckungen sind enorm leicht, gleichzeitig extrem steif und weisen ein besonders gutes Dämpfungsverhalten auf. 

Das verwindungssteife Gehäuse des RF-63 bietet spezielle innere Verstrebungen, um störende Vibrationen zu minimiere. Eine verstärkte Schallwand-Rippenversteifung im unteren Bereich und um das Horn herum führt zu hörbar verbesserter Akustik über den gesamten Schallbereich hinweg. Der RF-63 verwendet nur ausgesuche, hochwertige Komponenten und eine von Klipsch entwickelte innere Verdrahtung, um hohe Signalreinheit und eine optimale Komponenten-Integration zu gewährleisten. Mit 99 dB (2,83 V @ 1 m) fällt der Wirkungsgrad ausgezeichnet aus. Die Box wiegt 36,8 kg und weist Abmessungen von 117,1 (Höhe mit Füßen) x 21,6 cm (Breite) x 49,5 cm (Tiefe) auf. Lieferbar ist sie in schwarzem oder kirschefarbenen Holzfurnier.  Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut - ausgezeichnet. 

Verarbeitung

Saubere Detailverarbeitung

Einfache, aber gute Verarbeitung

Holzfurnier in Kirsche

Die Lautsprecher-Abdeckgitter sind von durchschnittlicher Qualität und werden magnetisch befestigt

Bi-Wiring-Terminals

Die Kanten sind nur leicht gerundet

Sockel

Die Verarbeitung der RF-63 ist solide, es scheinen nirgendwo ernste Schwächen durch. Enorme Noblesse darf man jedoch nicht erwarten. Die Ecken sind nicht sorgfältig abgerundet, und die Schallwand besteht aus Kunststoff. Der Sockel, auf dem die Box ruht, gefällt uns sehr gut, ebenso die sauber eingepassten Chassis, die in schickem Bronze-Farbton auch noch tadellos aussehen – obwohl hier die Form der Funktion folgt. Die Bi-Wiring-Rerminals bieten keinen Anlass zur Klage. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut – ausgezeichnet.

Testequipment
Klang

Bei der CD von Jean-Michael Jarre „Jarre in China“ entfaltet die Reference RF-63 eine ausgezeichnete Räumlichkeit und beweist exzellente Qualitäten im Bassbereich - auch sehr tiefe Frequenzen werden souverän in der Einleitungspassage erfasst. Bei „Aero“ erfolgt dann ein sehr schneller Aufbau der verschiedenen Effekte, die von einem fundierten, kraftvollen, aber nicht oberflächlich-matten Bass sehr schön ergänzt werden. Die Wiedergabe hoher Frequenzen gelingt der RF-63 sehr gut – war es früher Horn-Konstruktionen eigen, leicht grell und aggressiv zu spielen, so ist die Charakteristik unserer Test-Box sehr viel harmonischer. Die Strahlkraft im Hochtonbereich ist nach wie vor hoch, allerdings hält sich der Lautsprecher mit grellen, spitzen Einlagen praktisch komplett zurückt. Die RF-63 klingt überraschend natürlich, was man auch anhand des Glockengeläuts zu Beginn von „Oxygene 2“ heraushören kann. Den Song gibt der Schallwandler erneut mit extrem guter Dynamik wieder, die Impulstreue ist überdurchschnittlich. Die Klipsch ist auch in der Lage, verschiedene zeitgleich stattfindende akustische Ereignisse mit korrekter Hervorhebung zu verarbeiten. Der sehr klare, weit in den Raum hineinleuchtende Hochtonbereich ist auch bei diesem Titel eine wahre Freude. 

Mit effekt- und bassstarker Techno-/Trancemusik kommen die Klipsch-Boxen ebenfalls sehr gut zurecht. „Catch“ von Blank&Jones wird mit enormer Impulstreue und einer klaren Trennung von vokalen und instrumentalen Klanganteilen wiedergegeben. Der Bass neigt nicht zum unangenehmen Nachschwingen, sondern kommt schnell und präzise auf den Punkt. Überzeugend gelingt es der RF-63, eine klar definierte, weitläufige Bühne zu erzeugen, die aber auch in Bezug auf die Tiefenstaffelung überzeugt. Die Stimme ertönt mit sehr gut festgelegten Konturen und neigt nicht zum Verwischen. Bei „Voice from the Inside“ von M.I.K.E. begeistert der leistungsfähige Lautsprecher ebenfalls. Die enorme Nachdrücklichkeit dieses Tracks bereitet dem extrem pegelfesten Schallwandler keinerlei Schwierigkeiten, im Gegenteil: Doe RF-63 geht wie die sprichwörtliche Hölle. Man darf daher auch extrem leistungsstarke Endstufen wie unseren „Tower of Power“ aus dem Hause Rotel anschließen - bei enorm hohen Pegeln, die selbst couragierte Anwender eher selten fahren dürften, legen die beiden Boxen eine nahezu unerschütterliche Souveränität an den Tag. Klar werden immer noch verschiedene akustische Anteile voneinander getrennt, es kommt nicht zu dynamischen Einbrüchen. 

Den enormen Tiefbass zu Beginn von „Make it rain“ von „The KLF“ gibt die RF-63 ohne Abstriche wieder. Die Effektelemente kommen stimmig und passgenau zur Geltung. Die Gruppenlaufzeiten sind exakt aufeinander abgestimmt, dadurch entsteht der Eindruck eines homogenen, in sich geschlossenen Klangbildes. Bei „3 a.m. Eternal“, ebenfalls von „The KLF“, beweist die Reference durch Geschwindigkeit, Pegelfestigkeit und Raumfülle erneut, dass sie nicht nur eine angenehme Begleitung für den Alltag, sondern auch ein sehr gut geeignetes Instrument für die nächste Privatparty ist. 

„Nessun Dorma“ von Paul Potts – eigentlich nicht unbedingt ein Musikstück, das für Boxen, die extrem pegelfest sind und massiv sowie nachdrücklich zupacken können, bestens geeignet ist. Eigentlich wie geschaffen für Lautsprecher-„Feingeister“, die vokale Konturen bis ins Detail ausarbeiten und durch genau ausbalancierten Feinschliff beeindrucken. Die verhältnismäßig preiswerte Reference leistet sich aber auch bei „Nessun Dorma“ keinen Einbruch, sondern überrascht uns mit der exakten, sehr feinsinnigen Stimmwiedergabe. Nur die Streicher, die mit viel Elan übertragen werden, lassen es bezüglich der letzten akustischen Einzelheit an Transparenz missen. Der glaubwürdige Raum mit klar definierter Breite und Tiefe sorgt für große Zufriedenheit beim Testteam. Kein Einzelfall – denn bei „Time to say Goodbye“ in der Interpretation von Paul Potts fallen die eben herausgehörten Tugenden erneut auf. Die gefühlvolle Stimmwiedergabe hätten wir nicht erwartet, der Hochtonbereich gefällt durch Dynamik und gute räumliche Ausprägung – die Reference empfiehlt sich, so unsere Eindrücke, als echter Universalist. Nur der sehr anspruchsvolle Anwender, der auch in der dritten oder vierten klanglichen Ebene noch erwartet, Einzelheiten wie das Abklingen von Instrumenten vernehmen zu können, muss sich an anderen Modellen orientieren – diese bieten dann aber kaum die Grobdynamik und die Pegelfestigkeit der RF-63. 

Bei Tschaikowskys „1812 Ouvertüre“ schlägt sich die Klipsch-Box ebenfalls erstaunlich gut. Die Orchestereinsätze werden sehr spontan und mit großer, aber nicht aufgesetzt wirkender Kraft übertragen. Das Darstellen einzelner instrumentaler Strukturen gelingt der RF-63 sehr gut, mit Verve kommen vor allem die Blasinstrumente zur Geltung. Das Detaillierungsvermögen der Klipsch ist für die meisten potentiellen Käufer absolut ausreichend – außerdem werden Einzelheiten gekonnt in die akustischen Gesamtgefüge integriert. Die Streicher klingen nicht ausgeprägt genug, hier agiert der Klipsch-Schallwandler etwas zu sehr an der Oberfläche und leistet sich bei der Darstellung des Oberwellenbereiches eine kleine Schlappe. Allerdings ist dies in Anbetracht der sonstigen Qualitäten nur ein kleiner Fauxpas, dem sehr viele Vorzüge gegenüber stehen.

Die RF-63 überzeugt mit einem erstklassigen Wirkungsgrad. Dadurch kann man den stattlichen Lautsprecher auch problemlos mit Stereoverstärkern der 500 bis 600 EUR-Liga und mit Surroundreceivern ab der 800 EUR Liga betreiben. Die Box ist kaum aufstellungskritisch – aufgrund der drei Bassreflexöffnungen, welche die Rückseite des Lautsprechers zieren, macht es aber keinen Sinn, sie direkt an eine Wand zu stellen. Ein Abstand von mindestens 1 Meter sollte unbedingt eingehalten werden. Des weiteren sollte ein klanglich neutrales Lautsprecherkabel für die Ansteuerung gewählt werden – denn die Reference gibt alle Frequenzbereiche sehr gut wieder. Vorbei sind die Zeiten, in denen US-Boxen deutliche „Badewannen“ bezüglich des Frequenzverlaufs waren: Der Mitteltonbereich ist bei der RF-63 keinesfalls unpassend zurück versetzt, sondern durchaus präsent und sehr gut eingegliedert. Nur noch minimal sind die oberen und die unteren Frequenzen stärker vertreten, was aber eine sehr angenehme und keine störende Wirkung mit sich bringt. Tonal ist die Box angenehm neutral, Stimmen werden nicht spitz, die Darstellung vokaler Details erfolgt präzise. Die Hochtonwiedergabe ist strahlend und klar, die Mitten werden tonal neutral wiedergegeben. Der Bass begeistert durch Tiefgang und Substanz, gleichzeitig aber erfolgt die Wiedergabe impulstreu und schnell. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Hervorragend. 

Fazit

Preislich fair kalkuliert, profiliert sich die Klipsch Reference RF-63 als außergewöhnlich pegelfester und dynamischer Standlautsprecher mit echten Allround-Qualitäten. Er bietet einen überzeugenden Hochtonbereich, der Strahlkraft und Klarheit miteinander verbindet, ohne je aggressiv oder erdrückend zu wirken. Der Mitteltonbereich ist keinesfalls so zurückversetzt, wie man es amerikanischen Lautsprechern gern nachsagt, sondern er ist ausdrucksstark und gut aufgebaut. Im Bassbereich begeistern die RF-63 mit Nachdrücklichkeit, Fülle, Präzision und Tiefgang. Die Verarbeitung geht in Ordnung, setzt aber keine Glanzpunkte. Durch den enorm hohen Wirkungsgrad können die Klipsch Reference-Standlautsprecher auch problemlos zusammen mit Stereoverstärkern der Mittelklasse betrieben werden-

Extrem pegelfester Standlautsprecher, der mit seiner enormen Dynamik und seiner klaren Wiedergabecharakteristik bei nahezu jedem Musikstil für ein emotional fesselndes Klangbild sorgt

Stereo-Lautsprecher obere Mittelklasse
Test 12.01.2009
Preis-/Leistungsverhältnis

+ Maßstäbe setzende Pegelfestigkeit
+ Hervorragender Tiefgang
+ Exzellente Grobdynamik
+ Überraschend gute Feindynamik
+ Glaubhafte räumliche Darstellung
+ Hochtonbereich mit viel Strahlkraft
+ Sehr fairer Kaufpreis

- Eher einfaches Finish
- Wenig Farbauswahl bei den Gehäusefarben

Daten

  • Gehäusetyp Bassreflex über drei nach hinten gerichtete Öffnungen 
    Oberflächen Holzfurnier in Kirsche oder schwarzer Esche 
    Abmessungen 117,1 cm (mit Füßen) H x 21,6 cm B x 49,5 cm T 
    Gewicht 36,8 kg 
    Crossover-frequenz 1700 Hz 
    Frequenzgang 30 Hz - 21 kHz +/- 3 dB 
    Nennimpedanz 8 Ohm-kompatibel 
    Empfindlichkeit 99 dB bei 2,83 V / 1 m 
    Belastbarkeit 175 W RMS / 700 W Spitzenleistung 
    Treiberkomponenten 3,2 cm Titanmembran-Kompressionstreiber an 90x60 quadratischem Tractrix® Horn; 
    Drei Cerametallic™ Konuslautsprecher (16,5 cm) 

Test: Carsten Rampacher
12. Januar 2009