INFO: Der praktische Nutzen der HD-Tonformate Dolby TrueHD/Digital Plus und DTS-HD High Resolution/Master Audio

01.09.2009 (cr)

Einführung

Inzwischen werden beinahe alle AV-Receiver und -Verstärker ca. ab der unteren Mittelklasse (Preise um die 400 EUR auf dem Markt) mit eingebauten Decodern für Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio ausgeliefert. Zusammen mit Dolby Digital Plus und DTS-HD High Resolution Audio stellen diese Tonformate die akustische Begleitung der HD-Ära dar. Neu hinzugekommen ist noch DTS-HD Master Audio Essential. In unserem Special erklären wir die Vorteile und den Nutzen der aktuellen HD-Tonformate und geben Tipps, wie man zu einem stimmigen klanglichen Ergebnis kommt. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Die HD-Tonformate - Akustisches Plus

Die insgesamt vier Tonformate - Dolby TruHD, Dolby Digital Plus, DTS-HD Master Audio und DTS-HD High Resolution - sind von unterschiedlicher Qualität. Während Dolby Digital Plus und DTS-HD High Resolution Audio noch verlustbehaftete Komprimierungsverfahren sind, arbeiten Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio als verlustfrei komprimierende Algorithmen. Das heißt: Das Signal kann theoretisch exakt in der Güte wiedergegeben werden, wie es der Toningenieur bei der Abmischung vorgesehen hat. Doch, wie man landläufig so schön sagt - "grau ist alle Theorie". Die Frage ist letztendlich, was als klanglich feststellbares Plus in der Praxis übrig bleibt - und das hängt stark von den Voraussetzungen ab, für die die Elektronikkette, der Hörraum und die Lautsprecher verantwortlich zeichnen. 

Die Vorteile der HD-Tonformate

Bei den beiden verlustbehaftet komprimierten HD-Tonformaten DTS-HD High Resolution Audio und Dolby Digital Plus ist der Bonuseffekt relativ gering im Vergleich zu den herkömmlichen Tonformaten Dolby Digital und DTS. Gerade dann, wenn die bislang verwendeten Tonformate in qualitativ guter Form auf dem Datenträger untergebracht wurden, bieten schon herkömmliche Tonformate eine sehr gute Dynamik, einen ordentlichen Facettenreichtum und viel Räumlichkeit. Vergleichen wir eine sehr gute herkömmliche Dolby Digital oder DTS-Tonspur mit den beiden aktuelleren Formaten DTS-HD HiRes und Dolby Digital Plus, so sind nur leichte klangliche Vorzüge auszumachen, welche sich in etwas mehr Dynamik bei massiven Effekten und etwas gestiegener Räumlichkeit verdeutlichen. 

Ganz anders sieht es bei den verlustfrei komprimierten HD-Tonformaten Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio aus. Beim Vergleich der zwei Formate kann man nicht sagen, welches "besser" und welches "schlechter" abschneidet. Vielmehr hängt es davon ab, welche Abmischung besser umgesetzt wurde. Vom systembedingten Rahmen her ist es in beiden Fällen möglich, eine beeindruckend realistische Tonspur zu erhalten. Wir führen die klanglichen Vorteile der verlustfrei komprimierten HD-Tonformate, meist in 5.1, selten in 7.1 auf der Blu-ray enthalten, nachstehend auf:

  • Mehr Gesamtdynamik. Durch den erweiterten Dynamikumfang wirkt der gesamte Laut-/Leise-Umfang realistischer, das heißt, das Verhältnis von leise flüsternden Stimmen und sanft wiegenden Blättern im Wind zu nachdrücklichen Auto-Verfolgungsjagden und massiven Explosionen wird absolut authentisch. 
  • Mehr Feindynamik. Kleine Dynamikunterschiede auch in komplexen Effektgefügen erscheinen greifbarer, plastischer und werden nicht einfach vernachlässigt. 
  • Mehr Hochtonbrillanz und erhöhte Detailtreue bei der Wiedergabe hoher Frequenzen. Durch die gesteigerte Samplingfrequenz und die erhöhte Bittiefe wird das analoge Signal noch sorgfältiger digitalisiert,  was auch zur Folge hat, dass keine Informationen im kritischen Hochtonbereich mehr verloren gehen. 
  • Mehr Prägnanz in den Mitten. Der höhere Informationsgehalt der HD-Tonspuren kommt auch einem noch feiner gegliederten Mitteltonbereich zur Geltung. Gerade vokale Charakteristika werden sensibler herausgeschält. 
  • Mehr Struktur im Bassbereich. Der Bassbereich zeigt Details, die dem versierten Hörer vorher nicht präsentiert wurden. Der Bass schafft es dadurch, mehr Substanz und Klarheit zu vermitteln. 
  • Insgesamt bessere Räumlichkeit. Die bei HD-Tracks gebotene Räumlichkeit ist nicht üppiger - sondern authentischer und feinsinniger verteilt.
Selektierte AV-Receiver und -Verstärker und ihre HD-Tonqualitäten im Überblick

Nun fragen Sie sich bestimmt, verehrte Leser, wie es um die pure Qualität bei der Darstellung der neuen HD-Tonformate bei den von uns getesteten AV-Receivern und -Verstärkern steht. Wir haben eine selektierte Auswahl aktueller Geräte für Sie vorbereitet, in dem wir genau auf diesen wichtigen Punkt eingehen. Klar dürfte sein, dass sich die preiswerteren Modelle im Vergleich zu Oberklassemodellen oder Boliden schwer tun, denn um alle Vorzüge der neuen Tonformate konsequent ausnutzen zu können, ist feine Technik notwendig, die man natürlich in günstigen Preisklassen nicht findet. Trotzdem vermitteln auch günstigere Geräte mittlerweile einen guten Eindruck der neuen unkomprimierten HD-Tonformate, wenngleich natürlich nicht jeder akustische Pluspunkt entsprechend im Klangprofil berücksichtigt werden kann. Hier nun kommt unsere Auswahl:

Onkyo TX-SR607

Onkyo TX-SR507 

Der Onkyo TX-SR607 vermittelt für Marktpreise um die 450 EUR bereits ein brauchbares HD-Feeling. Gerade die Gesamtdynamik ist auf einem erstaunlichen Niveau, die bessere Räumlichkeit und eine enorm gute Struktur im Bassbereich sind weitere Boni. Bei der Feindynamik und bei der Hochtonbrillanz lassen sich kaum Unterschiede zu normalen Tonspuren ausmachen. der nochmals deutlich günstigere TX-SR507  bietet erstaunlicherweise eine richtig gute Gesamtdynamik, und das ist wirklich als hervorragend zu bezeichnen. Viel mehr Benefits der neuen HD-Tonformate werde zwar nicht akustisch herausgearbeitet, aber das kann man bei 275 EUR Marktpreis auch kaum erwarten. 

Ähnlich erfreuliche Feststellungen können wir in Verbindung mit dem Yamaha RX-V765 treffen. Er arbeitet auch einen sensibler gestalteten Raum als bei den herkömmlichen HD-Tonformaten heraus. Während die Bassstruktur hier praktisch identisch zu den herkömmlichen Tonformaten ist, stellt der Yamaha vokale Details der HD-Tonformate sehr gekonnt dar. 

Es wird interessant: Der Yamaha RX-V3900 für 1.799 EUR (UVP) bringt die Vorzüge der neuen HD-Tonformate schon gekonnt zur Geltung. Die tadellose Feindynamik, etwas mehr Brillanz im Hochtonbereich, eine sehr vielschichtige Stimmwiedergabe und ein straffer, sehr geordneter Bass sind die hörbaren Benefits. Überragend ist der Tiefgang, der mit viel Struktur kombiniert wird.

Für den gleichen Preis kann man beim Händler des Vertrauens in Kürze auch einen brandneuen AV-Receiver Onkyo TX-NR3007 übernehmen. Dieser spielt nicht ganz so neutral wie der Yamaha RX-V3900, macht dafür einen besonders authentischen Raum und liegt mit seiner natürlich-dynamischen Auslegung immer noch nah an der tonalen Ausgewogenheit. Mit Stimmen und dem erhöhten Detailreichtum im Mitteltonbereich kann auch der TX-NR30076 blendend umgehen, hier steht der dem Yamaha RX-V3900 in Nichts nach. Der Tiefgang und die Darstellung subtiler subsonischer Strukturen erscheint beim Yamaha RX-V3900 noch etwas geordneter, dafür leuchtet der TX-NR3007 den Hochtonbereich noch eine Spur sensibler aus. 

Für etwas über 2.000 EUR (UVP) präsentiert sich der Pioneer SC-LX81 als Klassen-Meister der Grobdynamik. Er verdeutlicht akustisch sehr klar die Vorzüge der neuen HD-Tonformate, indem er gerade krasse Dynamiksprünge sehr glaubhaft und enorm impulstreu herausarbeitet. Der harte, sehr saubere Bass zeigt, dass die neuen HD-Tonspuren ein besseres Timing an den Tag legen und vielschichtiger sind. Die Mitten sind nicht so ganz die Domäne des Pioneer, hier lässt er großzügig dem TX-NR3007 und dem RX-V3900 den Vortritt. Die Räumlichkeit des recht dominanten Hochtonbereiches ist beim Pioneer überragend. 

Der klangstarke, kraftvoll und neutral auftretende Sony 7.1 AV-Receiver STR-DA6400ES öffnet weit die Tür zur "Champions League". Optisch unscheinbar, aber solide auftretend, holt der STR-DA6400ES einen Großteil der Vorzüge der unkomprimierten HD-Tonformate ans Licht. Er spielt sehr differenziert und bildet den erweiterten Dynamikbereich glaubhaft ab. Sehr schön stellt der Sony die gestiegene Facettenanzahl im Mitteltonbereich heraus und bietet ein echtes, feinfühliges Raumgefühl. Der Bass kommt klar auf den Punkt und bringt ein ausgezeichnetes Timing mit. 

Mit 5500 EUR UVP und einem deutlich günstigeren Marktpreis stellt der Yamaha DSP-Z11 in hochpreisigen Boliden-Regionen ein besonders interessantes, weil finanzierbares Angebot dar. Der sehr klare, prägnante Sound im oberen Mitteltonbereich und im Hochtonbereich zeigt klar die räumlichen Vorzüge der neuen Tonformate. Auch die sich sehr gut vom Lautsprecher lösende Gesamtwiedergabe erscheint sehr dynamisch, zudem werden kleine Dynamikdifferenzen sehr gut berücksichtigt. In Anbetracht der vollen Ausstattung und des sehr fairen Kaufpreises verdient sich der DSP-Z11 nach wie vor sehr gute Zensuren und eine dicke Kaufempfehlung. 

Der Denon AVC-A1HDA mit Denon Link 4th brilliert als HD-Tonmeister auf der ganzen Linie. Das 6499 EUR kostende Kraftpaket bringt feinste Nuancen und mächtige Dynamiksprünge exzellent zur Geltung. Selbst bei extremen Lautstärken behält der große Denon den Überblick und stellt die Vorzüge einer besseren Feindynamik, welche die aktuellen HD-Tonformate auszeichnen, sehr gut heraus. Der Bass entwickelt in fast perfekter Manier Druck und optimales Timing. Die Höhen sind fein dosiert und lassen kleine Dynamikdifferenzen plastisch durchscheinen. Es gibt derzeit kaum ein besseres Gerät, um die Vorteile der HD-Tonnormen zu untermauern. 

"Halt" - hört man den Pioneer AV-Verstärker Susano SC-LX90  laut rufen - "hier ist noch einer, der ist auch brillant als HD-Tonmeister!" Zurecht kommt diese "Beschwerde", denn auch das 7000 EUR kostende technische Meisterwerk mit digitalen Hochleistungsendstufen ist perfekt für die Umsetzung der neuen Tonformate geeignet, setzt aber mit schier unglaublicher Grobdynamik und etwas massiverer Auslegung andere Schwerpunkte. Der gestiegene Dynamikumfang wird perfekt verdeutlicht, Dynamiksprünge erscheinen so imposant wie bei keinem 2. AV-Receiver oder -Verstärker. Obwohl der kräftige Pioneer sehr wohl viel Ahnung von Feindynamik hat, fällt er bei der akustischen Sensibilität etwas hinter den perfekt austarierten Harmoniespender aus dem Hause Denon zurück. 

Und was ist mit PCM?

Hier kann gleich gesagt werden: Pulse Code Modulation ist das "digitale Urformat", das bei allen Medien (außer SACD) gleich nach der Konvertierung von der analogen in die digitale Ebene anliegt. Somit ist eine unkomprimierte lineare PCM (LPCM) Tonspur, die sich auf verschiedenen Blu-rays findet, immer eine hervorragende Lösung. Durch eine spezielle Anordnung beim Encoding verursachen die verlustfrei komprimierten Dateiformate Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio aber eine kleinere Datenmenge, obwohl die Anzahl der Daten eigentlich gleich ist. Gut zu vergleichen ist dies mit "WinZip", welches im PC-Sektor Dateien verlustfrei komprimiert. Nach dem "Entpacken" oder "Decodieren" stehen alle Informationen der ursprünglichen Datei wieder in vollem Umfang zur Verfügung. 

Digitale Umwandlung HD-Tonspur - PCM

Manche AV-Receiver verstehen aufgrund der fehlenden Decoder die neuen HD-Tonformate nicht, können aber LPCM in 5.1 oder sogar 7.1 wiedergeben. Daher verfügen verschiedene Blu-ray-Player über die Möglichkeit, intern eine Umwandlung in PCM vorzunehmen. Dann kann das Tonsignal in verständlicher Form zum AV-Receiver/Verstärker transportiert werden. Verluste bezüglich der Klangqualität sind kaum in Kauf zu nehmen, zumindest, was die Wandlung auf digitaler Ebene angeht. Was dann weiter mit dem Signal und seiner Qualität geschieht, hängt stark vom verwendeten AV-Receiver oder -Verstärker ab. 

Unsere Test-Blu-rays (Auszug)
  • Tiesto, Copenhagen, Elements of Life, DTS-HD Master Audio

  • Celine Dion, A New Day, Dolby TrueHD

  • Within Tempation, Black Symphony, LPCM Multichannel

  • Andrea Bocelli, Vivere, Live in Tuscany, LPCM Multichannel

  • Guiseppe Verdi, La Traviata, aufgenommen auf dem Salzburger Festival 2005, DTS-HD Master Audio

  • Baraka, DTS-HD Master Audio 

  • James Bond 007, Casino Royale, LPCM Multichannel

  • Stirb Langsam 4.0, DTS-HD Master Audio

  • Batman - The Dark Knight, Dolby TrueHD

  • Transporter 3, DTS-HD Master Audio

  • Im Fadenkreuz, DTS-HD Master Audio

  • Die Mumie, Teil 3: Das Grabmal des Drachenkaisers, DTS-HD Master Audio

Fazit

Schon preiswerte AV-Receiver sind in der Lage, einen Teil der Vorzüge der aktuellen HD-Tonformate glaubwürdig darzustellen. Besonders die bessere Räumlichkeit und die gestiegene Gesamtdynamik werden von Geräten der unteren Mittelklasse gut erfasst. Wer das volle HD-Programm akustisch umgesetzt haben möchte, muss allerdings bereit sein, deutlich tiefer in die Tasche greifen zu müssen. 

Text: Carsten Rampacher
01. September 2009