AREA DVD-TEST: Sony Reader - Die Zukunft des Buches?

16.04.2009 Autor: Karsten Serck

Das Gerät

eBooks sind eigentlich ein alter Hut, denn bereits seit Jahren gibt es die Möglichkeit, Texte (und somit auch Bücher) auf tragbaren elektronischen Geräten zu lesen. Das klappte bereits auf den ersten PDAs wie z.B. dem "Palm Pilot" recht gut und einige Firmen bieten speziell für Bücher gedachte elektronische Lesegeräte seit einiger Zeit an. Bislang fehlte es allerdings eines größeren Ansatzes der Industrie, dem Kunden ein integriertes System aus Lesegerät und Inhalten zu bieten, der das Ganze auch massentauglich macht. Denn wie Beispiel "iPod" zeigt, war Apple keineswegs der erste Anbieter eines MP3-Players aber die erste Firma, die es ermöglichte, auf relativ einfachem Wege auch die Musik zu verkaufen.

Ähnlich soll es nach den Vorstellungen von Sony und dem deutschen Buchhandel jetzt auch mit dem "Reader" geschehen. Sony liefert mit dem rund 300 EUR teuren PRS-505 ein Lesegerät und über www.thalia.de und www.libri.de können die digitalen Bücher im "EPUB"-Format erworben werden. Das Buchangebot umfast bislang in erster Linie Mainstream-Bestseller. Schaut man in spezielleren Genres, so findet man zwar z.B. eine größere Auswahl an Fantasy-Literatur aber gerade einmal eine Handvoll Science Fiction-Romane. Auch für eBooks gilt nach Auffassung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels die Buchpreisbindung, so dass neue Bücher auch bei verschiedenen Anbietern zu gleichen Preisen verkauft werden. Im Vergleich zum "echten" Buch aus Papier spart man beim Kauf aber immerhin zwischen 1 bis 2 EUR. Allerdings orientieren sich die Verlage bei der Preisfeststellung oft an den Preisen für Hardcover, so dass viele eBooks auch 15 EUR und mehr kosten können. Dennoch gibt es durchaus auch ein Angebot zu Preisen unter 10 EUR. Während man nach dem Lesen ein echtes Buch welches ursprünglich 20 EUR kostete, aber ohne Probleme bei guter Behandlung noch für 15 EUR weiterverkaufen kann, funktioniert dies mit den eBooks nicht, weil hier kein Eigentum am greifbaren Buch sondern lediglich ein Nutzungsrecht verkauft wird. Auch der eigentliche Kauf gestaltet sich etwas kompliziert, weil ein DRM-System verwendet wird, welches die Verwendung der Datei für das Lesegerät autorisiert. Hierzu muss die Software "Adobe Digital Editions" installiert werden. Für Windows-Rechner liefert Sony eine eigene Verwaltungssoftware mit.

Doch neben von Thalia und Libri angebotenen eBooks lassen sich auf dem Sony Reader auch andere Texte lesen. Das klappt wesentlich einfacher, weil der Reader neben dem internen 384 MB-Speicher auch Memory-Sticks und SD-Karten lesen kann. Neben "EPUB"-eBooks kann der Reader außerdem Bücher in den Formaten PDF, RTF und TXT darstellen. In das Gerät ist ein einfacher MP3/AAC-Player mit recht guter Klangqualität integriert, der (optional) für das Musikprogramm während des Lesens sorgt. Außerdem lassen sich auch Bilder darstellen - aufgrund des Schwarz-Weiss-Displays aber nicht in Farbe.

Aufgeladen wird der Sony Reader über den USB-Anschluss, der gleichzeitig Zugriff auf den internen Speicher verschafft. Beim Anschluss an einen PC, Mac oder Linux-Rechner wird der Reader als Massenspeicherlaufwerk erkannt. Ein 5.2 V-Anschluss für Netzteile ist ebenfalls vorhanden.

Display

Damit nicht in der Hälfte des Romans der Akku schlappt macht, wurde der Reader ebenso wie der bislang noch nicht in Deutschland erhältliche Kindle von Amazon mit einer relativ neuen Display-Technik ausgestattet, die nur dann, wenn eine neue Seite aufgebaut wird, Strom verbrauchen soll. Ähnlich funktionierte z.B. bereits des Display des Billig-Handys Motorola F3. Das "digitale Papier" benötigt keine Hintergrundbeleuchtung, die ansonsten bei elektronischen Displays ein Großteil des Stroms verbraucht. Man ist daher auf Licht angewiesen. Im Dunkeln kann man mit dem Sony Reader nichts lesen. 

Ein großer Vorteil: Im Unterschied zu den meisten elektronischen Displays lässt sich der Reader auch bei direkter Sonneneinstrahlung nutzen und ist in der Darstellung vollkommen blickwinkelunabhängig. Farben kann das Display aber nicht darstellen. Die Textqualität ist sehr gut. Ähnlich wie bei Tageszeitungen ist das "Papier" nicht richtig weiß sondern zeigt einen leichten Grauschimmer. Bei zu kleinen Schriften lässt sich die Schriftgröße erhöhen. Eine Änderung der Schriftart ist aber nicht möglich. Für einen Seitenwechsel benötigt der Reader knapp eine Sekunde. Dabei wird das Bild bei jedem Wechsel vor kurz in negativer Darstellung gezeigt, um sämtliche vorherigen Textelemente zu löschen. Das wirkt anfangs etwas ungewöhnlich, man gewöhnt sich aber recht schnell daran.

Bedienung

Der Sony Reader wird ausschließlich über Tasten gesteuert. Zur Auswahl im Hauptmenü stehen zehn Zifferntasten zur Verfügung, mit denen sich ein Menüpunkt direkt aufrufen lässt. Zum Wechseln der Seiten stehen zwei kleine Tasten auf der rechten Seite sowie ein größeres Tastenfeld links unten zur Auswahl. Bei letzteren ist der Druckpunkt etwas schwer und die Tasten auf der rechten Seite sind nicht sonderlich griffig. Die wesentlich benutzerfreundlichen Zehnernavigationstasten lassen sich nicht für den einfachen Seitenwechsel nutzen sondern dienen für den Seiten-Direktzugriff. Zur Aufbereitung von Texten, die nicht speziell für die Darstellung auf dem Reader bestimmt sind, benötigt das Gerät beim ersten Aufruf immer etwas Zeit - bei einem 500 Seiten-Wälzer rund eine halbe Minute. Vergrößert man die Schrift, ist ebenso eine Neuformatierung erforderlich, die aber nicht ganz so lange dauert. Längere Ladezeiten gibt es auch bei PDF-Dateien. Lädt man z.B. eine Zeitschriftenseite, wird diese vom Reader bei Vergrößerung in einzelnen Spalten dargestellt. Nicht immer klappt das so perfekt, dass die Texte wirklich leserfreundlich sind, aber zumindest bleiben sie auch bei ungewöhnlichen Formatierungen lesbar. Der Reader merkt sich beim Beenden eines Buchs automatisch die Seite und bietet beim erneuten Aufruf die Möglichkeit, an der gleichen Stelle das Lesen fortzusetzen. Optional lassen sich auch Lesezeichen setzen.

In der Handhabung fällt der Sony Reader positiv durch den geringen Stromverbrauch auf. Nutzt man den Reader nur für die Textdarstellung und lässt keine Musik im Hintergrund laufen, verbraucht der Reader so gut wie keinen Strom. Der Stromverbrauch richtet sich in erster Linie nach der Anzahl der Seiten, die gelesen werden. Selbst bei vergrößerter Schrift, die einen häufigeren Seitenwechsel erfordert, gelang es uns problemlos, drei Bücher mit einem Umfang von jeweils rund 500 Seiten durchzulesen. Das ermöglicht es, den Reader auch im Urlaub mit einer einzigen Akkuladung einzusetzen. Für den Strandeinsatz wirkt der schicke Reader allerdings doch ein wenig empfindlich.

 

Fazit

Der Sony Reader sieht nicht nur optisch gut aus sondern gefällt auch durch die Möglichkeiten, die das Gerät Viellesern bietet. Dem offiziellen Angebot des deutschen Buchhandels fehlt es derzeit noch an Attraktivität. Da der Reader aber für viele Textformate offen ist, lässt er sich auch für viele andere Texte nutzen und das Lesen gestaltet sich im Hochkantformat auch angenehmer als auf einem Notebook.

Die Darstellungsqualität der Texte ist sehr gut und wenn die Schriften zu klein sind, lassen sie sich auch vergrößern. In der Handhabung ist das Gerät teilweise räge und auch die Ergonomie der Tasten lässt etwas zu wünschen übrig. Der größte Pluspunkt ist der minimale Stromverbrauch, der es ermöglicht, auch viele lange Texte lesen zu können, ohne den Akku neu aufladen zu müssen.

Für 300 EUR kann man sich bereits eine Menge Bücher kaufen. Das macht die Hürde für den Einstieg recht hoch. Andererseits sind die eBook-Lesegeräte der Konkurrenz derzeit auch noch meist deutlich teurer. Wer (ob privat oder beruflich bedingt) viele Texte liest, dürfte den Reader schnell zu schätzen wissen, da er diese ohne viel Platzbedarf zur Verfügung stellt.

Preis-/Leistung:
Pro
  • Sehr gute Lesequalität
  • Minimaler Stromverbrauch
  • Unterstützung zahlreicher Textformate
Contra
  • Etwas langsamer Seitenwechsel
  • Keine Schriftauswahl
  • Zu harter Druckpunkt der Gerätetasten - Seitenwechseltasten schlecht angebracht
Technische Daten:

www.sony.de/reader