AREA DVD Standlautsprecher-Mastertest Frühjahr 2007

28. März 2007 (cr/hsh)

 

Einleitung

Es ist mal wieder an der Zeit, den Markt anspruchsvoller Standlautsprecher genau zu durchleuchten  - sechs besonders interessante Offerten haben wir uns herausgegriffen und vergleichen diese nun im AREA DVD Standlautsprecher-Mastertest. Ziel dieses Vergleichs ist es nicht, nur Modelle einer Preisklasse gegeneinander zu testen. Vielmehr decken unsere Kandidaten einen Rahmen (Paarpreise) von 1.490 € bis 2.798  € ab. Natürlich wird bei allen Bewertungen die jeweilige Preisklasse hinlänglich berücksichtigt, Hauptvorteil dieser Art von Vergleich ist es allerdings, genaue Anwenderprofile zu erstellen - es gibt bestimmt Anwender, für die sich aufgrund ihrer Präferenzen die Anschaffung eines teureren Modells lohnt, aber es gibt auch potentielle Kunden, die bereits mit einem günstigen Lautsprecher, der für seinen Preis eine sehr löbliche Gesamtperformance bietet, glücklich werden, Für diese Gruppe würde sich das Investment in einen teureren Schallwandler gar nicht lohnen. Unser Ziel ist es daher, zu jedem Lautsprecher ein umfangreiches Anwenderprofil mitzugeben, damit man so, je nach eigener Fokussierung, seinen Wunschkandidaten ausfindig machen kann. Selbstverständlich haben wir jede Box an verschiedenen Zuspielerketten getestet.

Von links nach rechts: Opera Seconda, Canton Vento 809 CD, Piega Twen, Elac FS207.2, Focal Chorus 826V, Mission Elegante e82

  • Mit 1.570 € (Paarpreis in silbern) ist die Elac FS207.2 die preisgünstigste Box im Testfeld. Bislang haben wir den schlanken Lautsprecher im Test des 5.1 Sets, estehend aus FS 207.2/BS 203.2/CC 201.2/Sub 211.2 ESP kennen gelernt. Nun muss sich der Schallwandler im großen Stereo-Vergleichstest bewähren. 
  • Die Focal Chorus 826V hat "berühmte" Verwandtschaft, sowohl die Chorus 816V als auch die Chorus 836V haben erstklassige Testergebnisse eingefahren. Der Paarpreis des modern aussehenden französischen Schallwandler liegt bei 1.650 €. 
  • Die Opera Seconda hält in unserem Vergleichstest die italienischen Fahnen hoch. Für einen Paarpreis von gerade einmal 2.200 € wirkt der Schallwandler ausgesprochen edel. Ob die Seconda für die berühmten "italienischen Momente" voller Emotion sorgen kann, werden Sie im Verlauf des Textes erfahren.
  • Die Canton Vento 809 erhält ihre "zweite Chance" - vor zwei Jahren konnte sie im damaligen Mastertest weniger begeistern. Wir haben eine ganz frische Box des Modelljahrs 2007 ausgepackt und werden überprüfen, wie sie sich diesmal schlägt. In Ahorn oder Kirsche kostet das Paar 2.440 €, in der von uns bestellten Ausführung Klavierlack Hochglänzend 2.780 €. Zum identischen Preis ist die Box auch in silbern lieferbar. 
  • Schweizer Highend in Optik und Technik: Die titanfarbene Piega Twen sieht mit ihrer extravaganten Form sehr edel aus. Mit Bändchenhochtöner ausgestattet, kann man auf die akustischen Leistungen sehr gespannt sein. Das limitierte Sondermodell zum 20-jährigen Firmenjubiläum kommt auf einen Paarpreis von 2.500 €. 
  • Auf einen Paarpreis von 2.798 € vervollständigt die schlicht, aber formal eigenwillig auftretende Mission e82 unser Testfeld. Sie ist optisch sehr schlank und eher klein geraten, was aber in Bezug auf ihre klangliche Leistungsfähigkeit nichts heißen muss. 
Verarbeitung:

Hier die Beurteilungen der einzelnen Kandidaten:

Exzellente Oberflächenqualität bei der Elac

Sehr präzise Chassiseinpassungen, hochwertige Materialqualität

Die Anschlussterminals der FS207.2 sind leichtgängig und sehr gut verarbeitet

  • Elac FS207.2: Die Verarbeitungsgüte der Elac liegt auf einem für die Preisklasse atypisch hohen Level. Die exzellente Oberflächenqualität mit perfekter Lackierung, die hervorragenden Passungen und die edlen verwendeten Materialien lassen keinen Raum für Kritik. Auch die Lautsprecherkabel-Schraubterminals können rundherum überzeugen, sind leichtgängig und hochwertig. Der massive, optisch gefällige Standfuß vervollständigt unseren Eindruck. 

Solider, hochwertiger Standfuß der Chorus

Attraktive Optik der französischen Dreiwege-Box

Im letzten Detail nicht ganz perfektes Finish

Die Chassis sind sauber eingepasst

Die Anschlussterminals sind zu schlicht

  • Focal Chorus 826V: Ohne Zweifel sieht die Chorus sehr gut aus - man könnte sie ihrer optischen Erscheinung nach durchaus für doppelt so teuer halten. Allerdings fehlt es beim allerletzten Detail an Feinschliff. So sind die Spaltmaße der zusammengefügten Gehäuseteile nicht absolut gleichmäßig, an der scharfkantigen Einfassung des Hochtöners kann man sich verletzten und die nicht Bi-Wiring-geeigneten Anschlussterminals wirken recht einfach. Fürs Preisniveau perfekt tritt der mitgelieferte Sockel auf. 

Die Seconda demonstriert Hochwertigkeit im Detail

Die Lautsprecher-Oberseite ist mit echtem Leder verkleidet. Mit ihrem Mix aus dem weichen, kunstlederartigen Material und den hochglänzenden Seitenwangen verströmt die Seconda das Flair eines edlen Auto-Cockpits

Die hervorragenden Bi-Wiring-Terminals passen ins Gesamtbild

  • Opera Seconda: Der Materialmix aus glänzend schwarzem Lack an den Seitenteilen und der Echtleder-Bespannung auf der Lautsprecherober- und Vorderseite können aus optischen Beweggründen heraus Geschmackssache sein - die hohe handwerkliche Fertigungsqualität ist hingegen ganz objektiv zu loben. Die elegant integrierten Füße sorgen zusammen mit der leicht nach hinten geneigten Front für einen individuellen Auftritt. Alle verwendeten Materialen wirken hochwertig, auch die Anschlussterminals weisen keine Schwächen auf. 

Die Piega besticht durch ihre extravagante Formensprache

Perfektes Finish - alle Spaltmaße sind gleichmäßig, zudem ist die Materialqualität erstklassig ohne jede Einschränkung

Die leichtgängigen und edlen Piega-Terminals sind leider nur ein einfacher Ausführung vorhanden

  • Piega Twen: Der Verarbeitungsmeister kommt aus der Schweiz - eine Box, im wahrsten Sinne "aus dem Vollen" gefräst, nämlich aus einem kompletten Alublock. Perfekte Spaltmaße, eine optimale Oberflächenqualität, überragende Anschlussterminals  (allerdings kein Bi-Wiring möglich). Da kommt wahrhaftig Freude auch beim genauen Betrachten auf. 

Die klavierlackschwarze Lackierung der Vento ist handwerklich meisterlich aufgebracht

Der Sockel der Canton-Box

Die Anschlussterminals der Vento sind als gut zu bezeichnen

  • Canton Vento 809: Auch die Vento überzeugt mit ihrem hohen Fertigungsstandard. Die klavierlackschwarze Lackierung des Gehäuses wirkt tief und satt, keine störenden Einschüsse sind im Lack zu verzeichnen. Alle Chassis sind sehr akkurat eingepasst. An den Anschlussterminals gibt es auch nichts auszusetzen. 

Die Oberflächengüte der Mission e82 ist vom Niveau der Canton Vento weit entfernt

Der Standfuß der Mission ist sehr zu loben

Die Anschlusssektion der e82

Optisch gefällige Rundungen der e82

  • Mission Elegante e82: Die teuerste Box hinterlässt hinsichtlich der Verarbeitungsqualität keinen restlos überzeugenden Eindruck. Anstatt, was in diesen Preisregionen eigentlich selbstverständlich sein sollte, eine aufwändige Mehrschicht-Lackierung in hochglänzendem Schwarz anzubieten, wird - zumindest sieht es so aus - auf eine weitaus kostengünstigere Herstellung mit Acryllack zurückgegriffen. Im Vergleich zur perfekt lackierten Canton wirkt die Mission stumpf, der Oberfläche fehlt es an Billanz und Tiefe. Die ordentlichen, aber nicht überdurchschnittlichen Anschlussterminals und der schicke Sockel, auf dem der Schallwandler ruht, können letztendlich auch die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen, weil die Mission einfach zu teuer fürs gezeigte Niveau ist.
Kurze technische Beschreibung:

Elac-Kennzeichen: JET-Hochtöner

  • Die Elac FS 207.2 präsentiert sich als schlanker 2,5 Wege-Bassreflex-Lautsprecher. Mit Abmessungen von 100,7 x 430 x 350 (H x B x T) mm kann sie in Anbetracht des formschönen Designs noch als wohnraumtauglich ohne große Einschränkung angesehen werden. 15 kg bringt die Box, die für den Anschluss an Verstärker mit einer Impedanz von 4 bis 8 Ohm ausgelegt ist, auf die Waage. Als empfohlene Verstärkerleistung nennt Elac 30 bis 250 Watt pro Kanal. Die Nennbelastbarkeit beziffert Elac mit 120, die Impuls- (oder auch Musik-) Belastbarkeit mit 160 Watt. Als Tieftöner kommen 2 x 150 mm AS Konusse zum Einsatz, für die Hochtonwiedergabe ist der legendäre JET-Hochtöner in der Ausbaustufe III zuständig. Als Empfindlichkeit werden 86 dB (1 W @ 1m) ermittelt. Die Minimalimpedanz beträgt 3,4 Ohm bei 220 Hz. Der Übertragungsbereich geht von 36 bis 50.000 Hz.

Focal ist für den Bau ausgezeichneter Hochtöner bekannt

  • Die Focal Chorus 826V ist eine Dreiwege-Bassreflexkonstruktion mit Abmessungen, die man noch als wohnraumkompatibel bezeichnen kann: 103 cm hoch 28,2 cm breit und 37,5 cm tief. Der Frequenzgang der 8 Ohm-Box reicht von 45 bis 28.000 Hz, der Wirkungsgrad (1 W @ 1m) liegt beu 88,5 dB. Mit 26 kg ist die Focal für ihre Preisklasse recht schwer. Die Bestückung besteht aus zwei 16,5 cm-Tieftönern, einem 16,5 cm-Mitteltöner und einem 25 mm Hochtöner. Die Nennbelastbarkeit beträgt 150 Watt, die Musikbelastbarkeit 220 Watt. Besonderheit der Chorus ist die doppelte Bassreflexausführung: Eine direkt abstrahlende Bassreflexöffnung auf der Front und eine auf den Boden abstrahlende Bassreflexöffnung auf der Boxenunterseite sollen eine runde, raumfüllende Bassdarstellung sichern. 
  • Die Opera Seconda tritt als 2,5 Wege-Box an, die nach dem geschlossenen Prinzip konstruiert ist - gut für die akustische Reinheit (keine durch die Bassreflexbauweise verursachten Störgeräusche), nicht unbedingt gut für den Wirkungsgrad. Der Frequenzgang des 25 kg-Schallwandlers wird zurückhaltend angegeben und soll von 32 bis 20.000 Hz reichen. Die Bestückung besteht aus einem 25 mm Hochtöner und zwei 17,5 cm Tieftönern. Die Empfindlichkeit wird hier mit 89 dB (allerdings 1 W @ 1m) angegeben. Die Seconda ist für das Zusammenspiel mit Verstärkern mit Leistungen zwischen 10 und 140 Watt ausgelegt. Die Nominalimpedanz liegt bei 4 Ohm. Die Opera ist 102,5 cm hoch, 24 cm breit und 31,5 cm tief. 
  • Cantons Vento 809 DC ist, sieht man von den darüber angesiedelten "Reference" Modellen ab, die größte Lautsprecherbox der Vento-Baureihe. Sie ist mit einer Höhe von 112 cm, einer Breite von 25 cm und einer Tiefe von 35 cm als recht ausladend zu bezeichnen, was durch die harmonische Formensprache geschickt kaschiert wird. Die Vento wiegt 28,6 kg und hat einen Wirkungsgrad (1 W @ 1 m) von 88,5 dB. Die Nennbelastbarkeit liegt bei 180, die Musikbelastbarkeit bei üppigen 340 Watt. Der Übertragungsbereich reicht von 20 bis 40.000 Hz. Die Impedanz beträgt 4 bis 8 Ohm. Bestückt ist die Vento 809 DC mit zwei 20 cm Bässen, einem 18 cm Mitteltöner und einem 25 mm Hochtöner. 

Die Piega Twen kommt mit Bändchenhochtöner

Bezüglich der Chassisdurchmesser ist die Piega eher schmal bestückt

  • Piegas Twen ist eine 2,5-Wege-Transmissionline-Box, die mit zwei 10 cm Basschassis und einem LDR-Bändchenhochtöner ausgestattet ist. Der Frequenzgang geht von 45 bis 50.000 Hz, die Impedanz wird mit 4 Ohm beziffert. Durch die sehr massive Bauweise bringt es der Swiss Made-Schallwandler auf üppige 18 kg. Die Abmessungen: 101 cm hoch, 25 cm breit und schmale 12 cm tief. Der Wirkungsgrad (1 W @ 1 m) beträgt 90 dB. Die empfohlene Verstärkerleistung wird mit 20 bis 150 Watt angegeben. 
  • Die Mission Elegante e82 ist eine Dreiwege-Bassreflexbox mit einem Wirkungsgrad (1 W @ 1 m) von 87 dB. Ihr Frequenzgang reicht von 48 bis 30.000 Hz. Mit einer Höhe von 95,6 cm, einer Breite von 30 cm und einer Tiefe von 33,4 cm ist sie sehr zurückhaltend bezüglich der Abmessungen. Der Widerstand liegt bei 8 Ohm. Über das Gewicht schweigt Mission sich vornehm aus. 
Klang

Nun sind wir gespannt - wie schlagen sich die sechs Schallwandler in den Klangtestreihen?

Unsere zahlreichen Zuspieler

Für die möglichst präzise akustische Bewertung ist es wichtig, eine möglichst neutral aufspielende Zuspielerkette einzusetzen. Natürlich haben wir alle Lautsprecher auch noch an anderer Elektronik gehört, aber der Großteil der Testreihen wurde mit unserer Rotel RC1090/RB1090 Vor-/Endstufenkombination durchgeführt. Als CD-Player fungierte der Denon DVD-3930. Weitere Elektronikkomponenten, die zum Einsatz kamen, waren die NAD C162/C272, die Audio Analogue "Maestro"-Serie und die Harman Kardon HK 970/HD 970 stereolegend Komponenten.

Hier die Beurteilungen der einzelnen Kandidaten:

  • Elac FS207.2: Die preisgünstigste Box im Testfeld beeindruckt mit enormer Grob- und Feindynamik. Sie baut ein ausgesprochen facettenreiches Klangbild vom obersten Hochton- bis in den unteren Mitteltonbereich auf. Sie spielt für die Preisliga extrem präzise und schafft eine überragende Stimm- und Instrumentaltrennung. Stimmen kann die FS207.2 sehr vielschichtig und charismatisch darstellen. Leider steht diesen sehr positiven Eigenschaften ein gravierender Nachteil gegenüber: Die massive Bassschwäche sorgt letztendlich für Unausgewogenheit im Klangbild. Für großteilig vokale Präsentationen oder für Kammermusik beziehungsweise verschiedene Jazzstücke ist diese Problematik zu verschmerzen. Wer aber gern klassische Orchestermusik, Opern, Rock/Popmusik oder Techno- und Dance-Stücke in vollem Umfang hören möchte, sollte sich zur Elac dringend einen aktiven Subwoofer anschaffen. Wir können zu einer 2.2 Lösung mit zwei der exzellenten  Nubert nuLine AW-560 raten, wer nur einen aktiven Subwoofer aufstellen möchte, der kann sich als klanglich sehr gute tieffrequente Ergänzung den SVS SB12-Plus anschaffen. Was die zuspielende Elektronik angeht, kann man die Elac, je nach Geschmack, mit einer neutralen bis leicht warmen Verstärkereinheit kombinieren. Sehr schlank und Hochton-dominant abgestimmte Elektronik sorgt für ein zu spitzes Klangbild, da die Elac aufgrund ihres JET Hochtöners sowieso schon viel Brillanz und Strahlkraft mitbringt. Zu warme Verstärker agieren zu träge und nehmen daher viel der möglichen Maximaldynamik, die die flinken Elac Säulen ermöglichen. Zu schwach sollte die zuspielende Elektronik nicht sein, denn der Wirkungsgrad der Elacs ist nur durchschnittlich.
  • Focal Chorus 826V: Der ganz große Erfolg, den die beiden Schwestermodelle Chorus 816V und Chorus 836V in unseren Testreihen einfahren konnten, bleibt der Chorus 826V leider vergönnt. Mit kräftigem Bass und sehr guter Dynamik haben wir ohne Zweifel einen empfehlenswerten Lautsprecher vor uns, das enorm ausgewogene Gesamtkonzept der anderen beiden Standlautsprecher allerdings bietet die 826 nicht auf. Der Bass neigt in manchen Situationen, besonders bei hohem Pegel, leicht zum Dröhnen, und die Mitteltonwiedergabe ist etwas zu zurückversetzt. Insgesamt aber macht die 826 durchaus Spaß, sie bietet eine ansprechende räumliche Darstellung und einen sehr guten Wirkungsgrad. Daher ist es problemlos möglich, sie auch an leistungsschwächeren Verstärkereinheiten einzusetzen. Im Bassbereich ist der mögliche Tiefgang zu loben.
  • Opera Seconda: Die große Sensation schafft der Lautsprecher des kleinen italienischen Herstellers Opera, der hierzulande weitestgehend unbekannt ist, denn die Seconda erzielt mit beeindruckender Souveränität den Testsieg. Nachdem sie bereits in der Verarbeitungswertung punkten konnte, landet sie auch aus akustischer Sicht einen Volltreffer: Grob- und Feindynamik nochmals über Elac-Niveau, dazu eine schon beinahe sensationelle Ausgewogenheit bei der Betonung aller Frequenzbereiche. Die akustische Balance der Seconda setzt Maßstäbe. Perfekt arrangiert ist das Group Delay, es kommen wirklich alle Klanganteile zu exakt der gleichen Zeit an. Überragende Resultate erzielt die Opera-Box auch bei der Bassdarstellung. Es fehlt zwar minimal an maximalem Tiefgang, aber ansonsten bietet der Bassbereich viele Reize: Präzise, straff, sehr dynamisch und schnell, und dazu ist das gebotene Volumen auch noch hervorragend. Die Seconda spielt ungemein charismatisch und schwungvoll - sensibles Sounding at it's best. Gern kann man übrigens auch lauter hören: Bezüglich der Pegelfestigkeit wird zwar kein Canton-Niveau erreicht, aber die gebotenen Leistungen sind als sehr gut zu bezeichnen. Mit fein vorgetragener Brillanz im Hochtonbereich, die auf einer sauberen, erstklassig akzentuierten Mitteltonwiedergabe und auf einem soliden Bassfundament fußt, ist die italienische Box ein absoluter Preis-/Leistungsgeheimtipp für Audio-Gourmets. Tipp: Die zuspielende Elektronik sollte aufgrund des nur durchschnittlichen Wirkungsgrades der Seconda (geschlossene Konstruktion) einigermaßen leistungsstark sein.
  • Canton Vento 809: Kein Vergleich zur früher getesteten Vento: Unsere Box, die diesmal an den Testreihen teilnahm, kann auf der ganzen Linie überzeugen. Die Canton weist einen sehr guten Wirkungsgrad auf, kann aber durch ihre enorme Pegelfestigkeit - die beste im Testfeld - auch mit sehr leistungsstarken Verstärkern betrieben werden. Die neutrale, klare Auslegung mit überragenden Fähigkeiten hinsichtlich des gebotenen Klangvolumens kann ohne Abstriche überzeugen. Die Vento bleibt bis in höchste Pegelregionen absolut souverän und wird nie aggressiv oder schrill. Insgesamt ist ihr Charakter eher nüchtern, teutonische Perfektion in Reinkultur. Sie ist der neutrale Klang-Überbringer und weniger der feurig- emotionale Schallwandler - was aber selbstverständlich kein Fehler ist. Kleine Schwächen: Der Bass ist minimal zu langsam im Vergleich zum Rest, und eine Dynamik-Königin ist die optisch imposante Canton-Box auch nicht.
  • Piega Twen: Es dürfte kaum einen anderen Lautsprecher auf dem deutschen Markt geben, der erstklassige Verarbeitung und eine mitreißende sowie kultivierte Akustik zu einem wirklich fairen Kaufpreis miteinander verbinden kann  - die Twen ist ein echter Siegertyp, die sich nur der Opera in unserem Testfeld geschlagen geben muss. Immer wieder verwundert der kräftige, raumfüllende Bass, den der kompakte und extravagante Schweizer Lautsprecher bereitstellt. Der sich sehr fein und gefällig ausbreitende Hochtonbereich ist Verdienst des aufwändigen Bändchenhochtöners. Natürlich sind, aufgrund der konstruktiven Rahmenbedingungen, der Pegelfestigkeit Grenzen gesetzt - aber für eine so Design-orientierte Box kann man mit dem Gebotenen ausgesprochen zufrieden sein. Durch das hochsteife Gehäuse sind unerwünschte akustische Nebeneffekte nahezu ausgeschlossen. Die Twen widmet sich schwungvoll und lebendig jeder akustischen Aufgabe, der Grundtonbereich ist klar umrissen, aber im Vergleich zu Hochton- und Bassanteilen minimal unterrepräsentiert. Je nach persönlichem akustischen Gusto muss dies aber nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. Was sehr gut gefällt: Die Piega macht richtig Laune und wird auch nach langem Hören nie lästig.  Der Wirkungsgrad ist nicht der beste - dies liegt auch in der Konstruktion begründet. Die zuspielende Elektronik sollte relativ neutral abgestimmt sein. 
  • Mission Elegante e82: Der teuerste Kaufpreis in diesem Testfeld ist keine Garantie für ein überzeugendes Abschneiden des Produktes. Diese Feststellung untermauert die e82 deutlich, denn für ihren relativ hohen Kaufpreis kann man ihr keine Empfehlung aussprechen. Schon in der Verarbeitungswertung haben wir feststellen müssen, dass der Kaufpreis durchs Finish nicht zu rechtfertigen ist, und klanglich werden ebenfalls keine Top-Noten erreicht. Prinzipiell ist die e82 kein schlechter Lautsprecher, für das kleinvolumige Gehäuse ist der Basseindruck ordentlich und auch die Raumwirkung ist als gut zu bezeichnen. Aber: Die e82 stellt gerade differenzierte Stimm- und Instrumentalanteile nicht absolut sauber dar. So klingt ein Piano eher wie das "Piano"-Programm eines Synthesizers, und bei hohem Pegel wirkt das Klangbild leicht verzerrt und die e82 hinterlässt einen etwas gequälten Eindruck. Insgesamt ist Missions Schallwandler für die gebotene Performance einfach deutlich zu teuer.
Fazit:

Die Opera Seconda (ganz links) kann den Sieg im Standlautsprecher-Mastertest Frühjahr 2007 einfahren

1. Platz: Opera Seconda

Ein ereignisreicher Test endet mit überraschendem Ausgang - souverän sichert sich die Opera Seconda den Testsieg und erhält völlig verdient unser Referenzprädikat. Mit der sehr ansprechenden Verarbeitung, der im höchsten Maße begeisternden Akustik und dem in Anbetracht des Leistungsprofils ausgesprochen günstigen Kaufpreis stellt der italienische Ausnahme-Lautsprecher eine große Empfehlung für den preis-/leistungsbewussten Akustik-Kenner dar. Auch für Surround-Liebhaber gibt es passende Erweiterungen  - mit der Prima steht ein geeigneter Rearspeaker zur Verfügung, und brandneu kommt der "Centrale" getaufte Centerlautsprecher für 799 € dazu, der in Kürze lieferbar sein wird. 


Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis

Standlautsprecher-Mastertest
Gesamtsieger
28. März 2007

2. Platz: Canton Vento 809, Piega Twen

Unsere beiden zweitplatzierten Kandidaten könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite die extravagante, munter aufspielende Piega Twen, auf der anderen Seite die optisch imposante Canton Vento, die mit ihrer enormen Pegelfestigkeit und der hohen Flexibilität bezüglich denkbarer Zuspieler Maßstäbe setzt. Ohne Zweifel sind beide Lautsprecher auch auch durch die makellose Verarbeitung Ausnahmeerscheinungen, die zusätzlich durch ihr tadelloses Preis-/Leistungsverhältnis punkten können. Die Canton ist nicht eben die Dynamik-Meisterin, während die Piega konzeptbedingt etwas wenig Volumen im Grundtonbereich aufweist.

Piega Twen:


Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis

Canton Vento:


Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis

3. Platz: Focal Chorus 826V und Elac FS207.2:

Den dritten Platz teilen sich unsere beiden günstigsten Kandidaten von Elac und Focal. Die Elac könnte noch deutlich weiter vorn landen, wenn der Bassbereich mehr Präsenz zeigen würde - dadurch, dass im unteren Teil des Frequenzspektrums nur wenig geht, ist für viele Betriebsarten beinahe zwingend ein zusätzlicher aktiver Subwoofer notwendig. Grob- und Feindynamik sowie die Präzision sind auf vorbildlichem Level. Hervorragend ohne Abstriche: Die Verarbeitung. Die Focal begeistert mit kraftvollem, nachdrücklichen Bass und sehr gutem Wirkungsgrad. Der nicht besonders präzise strukturierte Mitteltonbereich, der etwas zu deutlich unterrepräsentiert ist, vereitelt hier ein noch besseres Abschneiden. Die Focal sieht ausgesprochen gut aus, weist im letzten Verarbeitungsdetail aber Verbesserungspotential auf. Beide Lautsprecher allerdings beweisen, dass man auch für deutlich weniger Geld ansprechende Schallwandler einkaufen kann. Zudem sind Focal Chorus 826 V und Elac FS207.2 sehr gut als Basis für 5.1 oder 7.1 Setups geeignet. 

Focal Chorus 826V:


Standlautsprecher Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis

Elac FS207.2:


Standlautsprecher Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis

4. Platz: Mission Elegante e82

Die Mission Elegante e82 ist für die gebotene Leistung deutlich zu teuer. Sie kann in keiner Disziplin, weder akustisch, noch bezüglich ihrer Verarbeitung, Akzente setzen, kostet jedoch von allen Testkandidaten am meisten - damit legt der Hersteller für unseren Geschmack schon beinahe zu viel Selbstbewusstsein an den Tag. Für einen Preis für rund 1.000 € pro Lautsprecher wäre die e82 noch immer kein Überflieger, könnte sich mit der schlanken Bauform, der extravaganten Optik und dem für das geringe Gehäusevolumen ordentlichen Bassverhalten aber besser platzieren.


Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis

Test: Carsten Rampacher, Thomas Hermsen
Datum: 28. März 2007
Redaktion und Text: Carsten Rampacher
Testaufbauten: Thomas Hermsen
Pegeltest-Supervisor: Roland Klinke