Premiere HD im Detail: Technik und Programme

10.02.2006 Autor: Karsten Serck

Die Programme von Premiere HD

Premiere HD ist am 3. Dezember 2005 mit drei Programmen gestartet. Bis zum 28. Januar befand sich das Angebot noch in einem "Feldtest" mit einem sich wiederholenden Programm-Mix auf den drei Kanälen. Seitdem wird das Angebot kontinuierlich ausgebaut.

"HD Sport" zeigt Sportübertragungen in HDTV. Der Schwerpunkt liegt derzeit vor allem auf Fußball. "HD Film" zeigt Spielfilme und später auch TV-Serien in HDTV. Zu den bekanntesten Filmen gehören z.B. "Harry Potter", "Oceans Twelve", "Underworld", "Open Range" und "Out of Time". Auffällig ist der derzeit hohe Anteil an deutschen Produktionen in HDTV. Dazu gehören z.B. "Der Bergkristall" und "Der Wixxer".

"Discovery HD" ist eine eingedeutschte HDTV-Version des amerikanischen Discovery Channels, der bereits seit langer Zeit in der PAL-Version von Premiere vermarktet wird. Der amerikanische Sender hat in den letzten Jahren ein großes Archiv an Dokumentationen in HDTV aus zahlreichen Wissensgebieten der Naturwissenschaft und Technik aufgebaut, aus dem das Programmangebot von "Discovery HD" gespeist wird.

Alle drei Programme werden in 1080i mit 50 Hz ausgestrahlt. Als Tonformat steht häufig Dolby Digital 5.1 zur Verfügung. Neben der deutschen Synchronfassung in Dolby Digital 5.1 werden die meisten Filme parallel dazu in der Originalfassung gezeigt, die sich über die Options-Taste des Receivers anwählen lässt. Die Originalfassung gibt es allerdings nicht in Dolby Digital 5.1, sondern nur als Stereo-Signal, welches sich aber im Zusammenspiel mit einem Dolby Pro Logic-Decorder auch mit Raumklang wiedergeben lässt. 

Dolby Digital 5.1 wird auch für "Discovery HD" eingesetzt. Die Dokumentationen auf diesem Sender wurden für den deutschen Sprachraum überarbeitet und bieten neben einem deutschen Sprecher-Ton auch deutschsprachige Texteinblendungen. Die englische Originalfassung der Discovery Channel-Dokumentationen steht nicht als Ton-Option zur Auswahl. 

Auch HD Sport wird teilweise mit Dolby Digital 5.1-Ton ausgestrahlt, sofern der jeweilige Broadcaster ein 5.1-Signal zur Verfügung stellt. Während bei HD Sport und Discovery HD Senderlogos angezeigt werden, werden die Filme auf HD Film ohne Senderlogo ausgestrahlt.

Die Kosten von Premiere HD

Premiere vermarktet Premiere HD nicht als Einzel-Angebot parallel zu den bereits vorhandenen Premiere-Paketen. Die drei HDTV-Sender sind ausschließlich als Zusatz-Abo in Verbindung mit den entsprechenden Premiere Standardabonnements oder deren Kombinationen erhältlich. (Einzelpreise/Monat: Premiere Film 24,90 EUR, Premiere Sport oder Premiere Thema 19,90 EUR).

Abonnenten von PREMIERE FILM können beispielsweise PREMIERE HD FILM abonnieren. Wer PREMIERE FILM und PREMIERE THEMA abonniert hat, kann dazu im Paket PREMIERE HD FILM und PREMIERE HD THEMA abonnieren. Das HD-Einzelabo kostet zusätzlich zum jeweiligen Standardabonnement 14,90 Euro. Die Kombination aus zwei HD-Abonnements kostet ebenfalls 14,90 Euro. 

Alle drei Abonnements gibt es in Verbindung mit PREMIERE KOMPLETT (44,90 EUR/Monat) im Paket zum Preis von 12 Euro. Selbst wer nur ein einziges der HDTV-Programme sehen möchte, zahlt dafür also monatlich mindestens 34,80 EUR.

Voraussetzungen für den Empfang

Premiere HD ist derzeit ausschließlich via Satellit (Astra 19.2° Ost) zu empfangen. Das neue Modulationsverfahren DVB-S2 setzt lediglich einen dafür geeigneten Receiver wie den Pace DS810 KP oder den Humax PR-HD1000 voraus. Veränderungen an der Sat-Anlage sind nicht erforderlich. Es können vorhandene LNBs und Multischalter verwendet werden. Selbst mit kleinen 35 cm-Antennen lassen sich die Premiere HD-Programme ohne Probleme in Deutschland empfangen. Die Kabel-Einspeisung von Premiere HD in die meisten Kabelnetze ist bis zur Fußball-WM 2006 geplant. Bis dahin soll es auch HDTV-Kabelreceiver geben.

Die HDTV-Receiver geben ihre Bilder in HDTV wahlweise über einen YUV-Komponentenausgang oder eine HDMI-Schnittstelle aus. Um alle Sender sehen zu können, ist unbedingt ein Display/Projektor erforderlich, der die "HD ready"-Kriterien erfüllt. Dies hängt insbesondere mit dem Kopierschutz HDCP zusammen, der auf der HDMI-Schnittstelle aktiviert wird. Ohne HDMI-Schnittstelle oder DVI-Eingang mit HDCP-Unterstützung bleibt der Bildschirm bei Spielfilmen dunkel. Premiere kann via Satellit dem Sat-Receiver Anweisung erteilen, ob der HDCP-Kopierschutz aktiviert werden soll. In diesem Fall erfolgt eine HDTV-Bildausgabe nur noch über den HDMI-Ausgang und der Komponentenausgang wird deaktiviert.

Premiere strahlt derzeit nur den Filmkanal "Premiere HD Film" mit HDCP-Verschlüsselung über Satellit aus. Der Sportkanal "Premiere HD Sport" und der Doku-Kanal "Premiere HD Thema" werden bislang noch nicht mit HDCP verschlüsselt. Damit lassen sich die beiden Programme auch über DVI ohne HDCP oder YUV-Eingänge in HDTV darstellen. Premiere will nach eigenen Angaben die HDCP-Verschlüsselung nur dann einsetzen, wenn dies nicht anders möglich ist. Obligatorisch ist HDCP nach Aussage von Premiere  aufgrund der Vorgaben der Hollywood-Studios bislang nur bei dem Filmkanal "Premiere HD Film".

Die HDMI-Verbindung bereitet mit den ersten Sat-Receivern noch teilweise Probleme. Der Sat-Empfänger gibt über HDMI mit aktiviertem HDCP erst dann ein Bild aus, wenn er vom angeschlossenen Display eine Rückmeldung erhalten hat, dass dieses ebenfalls die HDCP-Verschlüsselung unterstützt. Bei verschiedenen Displays klappt dieser "Handshake" nicht richtig, weswegen das Bild dann dunkel bleibt oder gestört wird. Dieses Problem tritt sehr häufig auch auf, wenn als Schaltzentrale ein AV-Receiver mit HDMI-Anschlüssen genutzt wird. Die Sat-Receiver bieten aber zum Glück die Möglichkeit, ihre Firmware via Satellit aktualisieren zu lassen, weswegen die Hersteller die Möglichkeit haben, solche Probleme via Software-Update zu beseitigen.

Bildqualität

Die für Premiere HD genutzte MPEG4-Kompression arbeitet wesentlich feiner als das noch vom ersten europäischen HDTV-Sender Euro 1080 verwendete MPEG2-Verfahren. Blockrauschen in großen Flächen, wie man es selbst bei hohen Bitraten mit MPEG2 stellenweise erleben konnte, treten bei MPEG4 nicht mehr auf. Die drei HDTV-Programme teilen sich derzeit auf dem Astra-Transponder eine Bandbreite von 49 MBit. Genaue Informationen über die aktuelle Bitrate der einzelnen Sender zeigen die bislang erhältlichen Receiver von Pace und Humax nicht an. Die Bandbreite ist aber auf jeden Fall mehr als ausreichend. Das Bild ist absolut ruhig und zeigt praktisch keine Bildstörungen, die direkt als Merkmale der Kompression zu erkennen wären. Dies gilt insbesondere für HD Film und Discovery HD. Bei den Discovery HD-Dokumentationen fällt allerdings häufiger ein Bildruckeln auf, das die schönen Kameraschwenks der Discovery-Dokumentationen stört. HD Sport ist mit den häufig schnellen Bewegungen im Bild für die Technik die größte Herausforderung, zeigt sich aber auf einem sehr hohen Qualitätsniveau. Gerade bei Fußball-Spielen zieht der Blick häufig magisch auf den Rasen, der nicht einfach nur eine grüne, glatte Fläche ist, wie man es sonst beim Digital-Fernsehen gewohnt ist, sondern auch die Struktur des Grases haargenau erkennen lässt. Ab und zu zeigt der Rasen bei schnellen Schwenks leichte Unregelmäßigkeiten aber diese Störungen sind wirklich minimal.

Die Bildschärfe verhält sich recht unterschiedlich und ist stark abhängig vom vorliegenden Ausgangsmaterial. Gerade die Sportübertragungen bieten häufig das schärfste und detailreichste HDTV-Bild, welches Details auf dem Rasen und Sorgenfalten in den Gesichtern der Trainer deutlich sichtbar macht. Vor allem die Bilder von der Bundesliga bieten hier ein Referenz-Niveau. Die Wiederholungen des Confed Cups glänzen nicht ganz so deutlich und wirken etwas blasser. Bei den auf Premiere HD gezeigten Spielfilmen gibt es ebenfalls starke Qualitätsunterschiede. Von absolut grandioser Qualität wie bei "Shanghai Noon" bis zu Filmen wie "Out of Time", deren Bild nicht wesentlich besser als das einer sehr guten DVD erscheint, ist alles dabei. Eines der Aushängeschilder ist trotz seiner düsteren Farbgebung "Underworld". Das HDTV-Bild dieses Films ist so makellos und detailscharf, dass selbst die feine Körnigkeit des Filmmaterials sichtbar wird. Qualitätsunterschiede gibt es teilweise auch auf Discovery HD, wo einige Dokumentationen schon teilweise etwas älter sind. Insgesamt bietet Discovery HD aber ein überwiegend sehr scharfes und plastisches HDTV-Bild.

Nicht nur die Schärfe ist bei HDTV höher als bei normalem PAL, sondern auch die Farben wirken wesentlich satter als man es gerade aus dem analogen Fernsehen gewohnt ist. Die enorm üppige Farbsättigung macht sich meist besonders deutlich auf HD Sport oder den farbenprächtigen Dokumentationen auf Discovery HD bemerkbar.

Neben Premiere HD lassen sich mit auf Astra auch die Astra HDTV-Demos sowie Sat.1 HD und ProSieben HD empfangen. Überwiegend wird das Bild der beiden deutschen Sender aber einfach nur von PAL auf HDTV hochskaliert. Das Bildformat bleibt dabei 4:3, selbst PAL-Sendungen im 16:9-Format werden nicht auf der vollen Bildbreite dargestellt. Dennoch ist das Bild zumindest geringfügig besser als die parallele Ausstrahlung auf dem ProSiebenSat.1-Transponder, da die Bitrate wesentlich höher ist und somit das Bild nicht durch Blockrauschen gestört wird. Echte HDTV-Sendungen bei ProSieben HD und Sat.1 HD zu finden, gleicht einem Glücksspiel. Auskunft über die sporadischen HDTV-Sendungen auf Sat.1 HD gibt die Videotext-Seite 326.