Test: Yamaha RX-V457 (2/2)
Bedienung

Die Fernbedienung hat durch das Breite-/Länge-Verhältnis eine etwas ungünstige Form

Drehregler zur Eingangswahl

Durch eine "Quick Setup"-Funktion ist es möglich, den RX-V457 auch für unerfahrene Anwender schnell in Bezug auf die gröbsten Parameter zu konfigurieren. Die Konfigurationsarbeit wird durch das große Punktmatrixdisplay deutlich erleichtert, und auch die Ablesbarkeit während des Betriebs bewegt sich auf hohem Level. 

Yamaha-Kennzeichen: Bernsteinfarbenes Display mit hoher Auflösung und praxisgerechter Größe

Die mitgelieferte Fernbedienung ist nicht ausschließlich ein Quell reinster Freude, denn dadurch, dass sie recht breit geraten ist, liegt sie nicht optimal in der Hand. Die einzelnen Funktionstasten sind teilweise etwas klein, zudem liegt das Navigationskreuz sehr weit unten. Nicht besonders praktisch ist auch der Drehregler für die Eingangswahl auf der Gerätefront (einzelne Tasten für jeden Eingang sind praxisgerechter), ansonsten sind die Bedienelemente vorn auf dem Hauptgerät sehr übersichtlich und griffgünstig. Der RX-V457 verfügt ansonsten über eine spezielle "Quick Setup" Funktion und ein erstklassiges, sehr gut ablesbares Display mit tadellosem Kontrast. 

Bewertung
Testequipment:
Klang

Die Buerteilung der Klangqualität ist stets ein heikles Thema - vor allem, wenn man die riesigen Preisspannen betrachtet, innerhalb der wir AV-Receiver und - Verstärker unter die akustische Lupe nehmen. Doch da man jeder Zielgruppe versuchen muss, gerecht zu werden, kann man nicht gewisse Teile des Marktangebots völlig außer acht lassen, und gerade günstigere Modelle erfreuen sich großer Beliebtheit, wobei das Wort "günstig" ebenfalls relativiert werden muss, zieht man in Betracht, dass man mittlerweile für rund 150 € bereits DVD-Receiver zusammen mit einem Multikanal-Lautsprecher-Set einkaufen kann. Vergleich man z.B. unseren Test-Yamaha mit solchen Offerten, ist er mit 299 € - und DVD-Spieler und Lautsprecher kommen noch dazu - preislich schon in einer ganz anderen Liga.

Aber auch klanglich - denn mit einem Gerät vom Schlage des RX-V457 lässt sich schon eine Beschallungssituation realisieren, die für "Otto Normalverbraucher" schön  höchst beachtlich ist und selbst manchen Hörer mit etwas gesteigertem Anspruch aufhorchen lässt. Denndass sich der Yamaha im Vergleich mit billigen DVD-Receiver-Paketen gut schlägt, ist nichts besonderes, dass er im Vergleich zu anderen, teilweise teureren AV-Receiver-Kollegen jedoch so gut abschneidet,  das muss man lobend erwähnen.

Besonders auffällig am 457 ist sein kräftiges Klangbild. Der inhomogene, etwas dünne und an den Lautsprechern wie Blei hängende Klang, den viele kostengünstige AV-Receiver nur aufbieten können, ist dem Yamaha fremd. Er legt sich richtig ins Zeug und ist auch bei gehobenem Pegel nicht gleich an seiner Leistungsgrenze  - im Gegenteil: Auch längere Passagen bei größerer Lautstärke legt der RX-V457 gelassen zurück. Natürlich, wer ein echter Pegeltreiber ist und außerdem den kleinen Sechskanal-Receiver noch im großen Hörraum einsetzt, der wird schon merken, dass sich ab einem bestimmten Pegelbereich der 457 beginnt, etwas zu quälen. Das Klangbild wirkt dann angestrengt, die Dynamik des Soundtracks wird nur noch mit hörbaren Einschränkungen im Hochton- und Tieftonbereich übertragen. Man merkt es auch an der Qualität der Stimmwiedergabe, Stimmanteile werden zu ungenau, zu hektisch und akustisch nicht präzise platziert wiedergegeben.

Doch, Hand aufs Herz: Wer sich für rund 300 € einen AV-Receiver kauft, wird diesen kaum in einen eigenen Heimkinoraum stellen und ein Upperclass-Boxensystem daran betreiben. Nein, viele werden den 457 entweder im Wohnzimmer aufbauen, oder der Sohn kann den schmucken Receiver stolz im Jugendzimmer präsentieren. Eine weitere Verwendungsmöglichkeit für den Yamaha ist die Nutzung als AV-Zentrale in der Zweitanlage, z.B. im Schlafzimmer oder im Home Office. Wer z.B. als nachmittägliche Entspannung die Star Wars Episode II "Angriff der Klonkrieger" anhören möchte, kann mit dem 457 durchaus glücklich werden. Denn gerade bei in der Praxis gebräuchlichen Lautstärken spielt der Sechskanalreceiver homogen und nachdrücklich auf. Der Hochtonbereich ist leicht gedämpft, was für leichte Einbußen bei Transparenz und Detailfreude sorgt, dafür aber ist der Klang sehr ausgeglichen, nicht zu spitz und nicht zu scharf, auch wenn man es mal lauter angehen lässt. Dass man bei einem so preiswerten Modell so viel Feintuning betreiben kann, dass er feinsinnig und brillant im Hochtonbereich klingt, und gleichzeitig höchst ausgewogen, das kann man nicht erwarten. Hier sind eben die Eingeständnisse zu spüren, die der Käufer machen muss. Gut hat uns gefallen, dass der RX-V457 kaum rauscht, und auch die Trennung der Stimmen vom Rest des Geschehens ist beachtlich gut. Schwer tut sich das Gerät erwartungsgemäß dann, wenn es darum geht, mehrere kleinere Effekte, die im Hintergrund laufen, auseinander zu halten. Darum eignen sich solche preiswerten AV-Receiver generell nicht für Heimkinoliebhaber, die stets genau hinhören, die auf Feinheiten im Soundtrack achten. Doch gerade viele Menschen, die einfach zur Entspannung eine DVD einlegen und ohne große Hintergedanken den Film genießen möchten, liegen hier richtig. Prima funktionieren die Cinema DSP-Programme, wir haben die erwähnte Star Wars Episode mit dem "Sci-Fi"-Programm gehört und waren beeindruckt von der weitläufigen räumlichen Darstellung, die für diese Preisklasse enorm ist - schon im normalen Betrieb ist die Raumwirkung tadellos, mit dem Sci-Fi-Programm kann man bei mancher Science Fiction-DVD noch etwas mehr Weitläufigkeit herausholen. Mit der sehr nachdrücklichen Effektdarstellung gefällt auch "Spectacle", gerade für Western und Abenteuerfilme mit toller musikalischer Untermalung ist auch "Adventure" sehr zu empfehlen. Globalisieren, für welche Art von Film welches DSP das beste ist, kann man nicht, hier hängt zuviel von der Quelle, dem Geschmack des Hörers, den Lautsprechern und nicht zuletzt von der Hörraumakustik ab. Wir können nur raten, zu testen. 

Dass die gebotene Raumwirkung bereits im "normalen" Betrieb sehr gut ist, beweist der Yamaha bei der Mehrkanal-Musik-DVD "Jarre in China" von Jean-Michel Jarre. Das Live-Konzert in der Verbotenen Stadt kommt so räumlich ausgezeichnet zur Geltung. Der 457 geht auch hier kräftig zu Werke und kann durchaus mit gehobener Lautstärke betrieben werden. Insgesamt merkt man wiederum an den Faktoren Hochtonbereich und Detaileinarbeitung, dass der 457 einer günstigeren Preisklasse angehört - aber, das kann man nicht deutlich genug betonen: Für sein Geld bietet der 457 auch im Mehrkanal-Musikbetrieb eine Menge. Es gibt teurere Modelle, die mit weniger Schmiss und Entschlossenheit ans Werk gehen und auch kein so harmonisches Klangbild offerieren können. 

Und der RX-V457 kann noch weitere Pluspunkte sammeln. Yamaha ist bekannt dafür, dass die PLII- und PLIIx-Integrationen stets äußerst gelungen sind, auch unser preiswertes Testgerät zeigt bei der Gigi d'Agostino-CD "L' Amour toujours II" eine erfreuliche Leistung. Der kräftige, raumfüllende Sound, dem unnatürliche Hallkomponenten fast völlig abgehen, sorgt gerade bei dieser Art von Musik für Zufriedenheit. Für die langsameren Tracks z.B. zu Beginn der ersten CD ist PLIIx besonders gut, die schwungvollen Nummern mit kräftigem Beat kommen auch mit Yamahas Disco-DSP gut zur Geltung. Überhaupt zeichnet den 457 aus, dass er ein konkurrenzloses Angebot an brauchbaren DSP-Nachbearbeitungsmöglichkeiten hat, auch die HiFi-DSPs "Hall in Vienna" und "Roxy Theatre" kann man als gelungen bezeichnen. Verzichten kann man beim 457 auf die Neo:6-Integration. Hier klingt der Yamaha zurückhaltender und entfaltet weniger Nachdruck.

Bleibt der Stereoklang - hier müssen wir wieder unsere übliche "Vorwarnung" mitschicken, dass man kein engagierter Zweikanal-Kenner sein sollte, wenn man mit dem Gedanken spielt, einen preiswerten AV-Receiver für die Stereowiedergabe einzusetzen.  Das heißt nicht, dass der 457 schlecht klingt, ganz im Gegenteil: Für 299 € sind seine Zweikanal-Qualitäten sogar ausgesprochen gut. Auch im Stereobetrieb schafft es der Yamaha, ein ordentliches Raumgefühl aufzubauen, der Klang ist ausgewogen und überzeugt mit kräftigem Bassfundament. Keine erhöhten Ansprüche dürfen an Transparenz und Detaillierung sowie an eine überbordende Dynamik gestellt werden. 

Wie steht der Yamaha Sechskanal-Receiver nun im Vergleich zur Konkurrenz dar? Hier kann man praktisch nur lobende Worte für den RX-V457 finden. Er weist die günstigeren 5.1 Kontrahenten Pioneer VSX-415 und Kenwood KRF-V5090D akustisch hörbar in de Schranken, weil er kräftiger und nachdrücklicher klingt und räumlich mehr Weite offeriert. Durch seinen angenehmen Klang hinterlässt er auch bei gehobenem Pegel einen erwachseneren, gelasseneren Eindruck. Mit dieser Auslegung wird er einem Konkurrenten aus dem "gleichen Stall" sehr gefährlich: Wer auf Multiroom-Optionen, einen Videonormwandler, eine Alu-Front sowie auf 5 Watt Ausgangsleistung pro Kanal verzichten kann, fährt mit dem 100 € günstigeren 457 ebenso gut wie mit dem RX-V557, der akustisch nicht entschieden mehr bieten kann. Der Pioneer VSX-915 ist ebenfalls 100 €teurer als der 457, aber ein echtes 7.1-Gerät, zudem ist die Pegelfestigkeit des 915 höher. Im Stereobetrieb liegt der günstigere Yamaha jedoch gleichauf mit dem 915, ebenfalls bietet der Yamaha sogar die bessere PLIIx-Integration. Der Kenwood KRF-V7090D liefert eine akustisch bessere Performance als der 457 - was sich in der freieren, für den Preis von 379 € ausgezeichnet gelungenen Hochtonbereich wiederspiegelt. Doch der Yamaha ist auch fast 100 €preiswerter und dafür deutlich hochwertiger verarbeitet. Also auch hier schlägt sich unser Testgerät beachtlich. Der Onkyo TX-SR503E für 399 € ist momentan ein besonders gutes Angebot, mit sehr guter Verarbeitung und fürs Geld hervorragenden Sound. Er bietet noch mehr Nachdruck als der Yamaha und etwas bessere Detailarbeit, er agiert hörbar dynamischer, zudem ist er ein vollwertiger 7.1 Receiver. Der von den Abmessungen her eindrucksvoller daherkommende 457 wirft aber mit dem günstigeren Preis, der Audio Delay-Funktion (beim Onyko nicht dabei) und der sehr guten DSP-Sektion auch gewichtige Argumente in die Waagschale. 

Bewertung Pegelfestigkeit
Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Surround-Aufpolierer
Bewertung Klang Stereo
Fazit

Gerade AV-Einsteiger jüngeren Semesters müssen meist mit spitzer Feder kalkulieren, sollen neue Komponenten angeschafft werden. Umso erfreulicher ist es, dass Yamaha ein Herz für investitionsschwächere Heimkino-Fans hat: Der RX-V457 ist für 299 € ein momentan beinahe konkurrenzloses Angebot. Er spielt kräftig und homogen, die Pegelfestigkeit ist fürs investierte Geld hervorragend. Und das Allerbeste: Der 457 sieht auch noch richtig klasse aus. Keine Spur von günstigem Einsteigermodell, bereits die Abmessungen signalisieren deutlich, dass hier ein vollwertiger, erwachsener Sechskanal-Receiver daherkommt. Seine für die Klasse überdurchschnittliche Qualität zeigt der Yamaha auch an Details wie dem beispielhaften Display und den hochwertigen Gerätestandfüßen. Die Fernbedienung ist durch die kleinen Knöpfe etwas fummelig, aber das waren eigentlich schon die wirklichen Nachteile. Insgesamt kann man den RX-V457 dem AV-Einsteiger mit beschränktem Budget nur empfehlen, und wer eine gelungene AV-Zentrale für die Zweitanlage im Hobbyraum sucht, wird bei diesem außerordentlich guten Modell ebenfalls fündig. 

Der RX-V457 kokettiert mit vielen Reizen : Er sieht verdammt gut aus, hat eine kräftige Wiedergabe, eine praxisgerechte Ausstattung - und ist ein Vollblut-Schnäppchen

Preisklasse bis 400 €
Test 27.08.2005
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Angenehmer, nachdrücklicher Klang

  • Effektive Cinema DSP-Programme

  • Beispielhaftes Display

  • Überraschend erwachsene Anmutung

Contra:
  • Etwas kleine Tasten auf der Fernbedienung

Datenblatt:
  • AV-Receiver

  • 6 x 130 Watt (DIN)

  • Decoder für: Dolby Pro-Logic IIx, Dolby Digital 5.1/5.1 EX, DTS 5.1/ES Matrix/Discrete 6.1, DTS Neo:6, DTS 96/24

  • SILENT CINEMA 

  • Virtual CINEMA DSP 

  • Night Listening Modus 

  • Quad-Field CINEMA DSP 

  • DSP-Programme: 10 

  • Surround Programme: 14 

  • 192 kHz/24-Bit-D/A-Wandler 

  • Audio Delay (0 bis 160 ms einstellbar)

  • Night Listening Enhancer 

  • Prozessor-Direkt-Schalter: Direkt Stereo 

  • Center GEQ mit 5 Bändern 

  • Lautsprecherumschaltung: A, B, A+B

  • Komponenten-Video Anschluss: 2 Eingänge / 1 Ausgänge 

  • Ausgänge: 1x Audio, 1 A/V 

  • Subwoofer-Ausgang 

  • 6-Kanal-Eingang für externe Decoder 

  • Eingangsanschluss Vorderseite: 1x Audio, 1x FBAS Video 

  • Sonstige Eingänge: 2x Audio, 4x A/V, Digital 2x optisch, 1x koaxial

  • Automatischer Senderspeicher 

  • DIN-Ausgangsleistung (4Ohm, 1kHz, 0,7%THD): 6x130W

  •  Ausgangsleistung (8Ohm, 20-20.000Hz): 6x85 W 

  • Lineare Dämpfung 

  • Dämpfungsfaktor (8 Ohm,20-20.000 Hz): 120 

  • Frequenzgang: 20 Hz - 15 kHz, +0,5, -2dB 

  • Geräuschspannungsabstand (CD): 100 dB

  • Klirranteil: 0,06% 

  • Trennfrequenz: 40, 60, 80, 90, 100, 110, 120, 160, 200Hz 

  • Aufnahmeleistung: 360W 

  • Aufnahmeleistung: Standby: 0,1W 

  • RDS (Radio-Daten-System) 

  • Senderspeicher: 40 

  • UKW-Trennschärfe: 70dB 

  • UKW-Geräuschspannungsabstand: 100dB 

  • UKW-nutzbare Empfindlichkeit: 1,0µV 

  • Fernbedienung: Vorprogrammiert 

  • Lieferbare Farben: Schwarz, Titan 

  • Zubehör: Fernbedienung, Bedienungsanweisung, AM-Antenne, FM-Antenne 

  • Abmessungen (B x H x T): 435 x 161 x 416 mm 

  • Gewicht: 11kg 

Test: Karl-Heinz Pöppl, Carsten Rampacher
Redaktion: Carsten Rampacher

27. August 2005

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