Daredevil

Original

Daredevil

Studio

Regency Pictures / 2oth Century Fox (2003)

Anbieter

20th Century Fox Home Entertainment UK (2003)

Laufzeit

99:15 min.

Regie

Mark Steven Johnson

Darsteller

Ben Affleck, Jennifer Garner u.a.

DVD-Typ

2 x DVD-9

TV-Norm

PAL

Bitrate

7.35 Mbps (Video: ca. 5.6 Mbps)

Bildformat

2,35:1 (anamorph)

Audiokanäle

1. Englisch, Dolby Digital 5.1 (448 kbps)
2. Englisch, DTS 5.1 (754 kbps)
3. Englische Audiodeskription für Blinde (192 kbps)
4. Audio-Kommentar (192 kbps)

Untertitel

Englisch

Regionalcode

2

Verpackung

Rotes Amaray-Case

Preis

ca. 15 Britische Pfund
Film 

Er lebt in einer Welt der ewigen Finsternis – doch diese Finsternis ist erfüllt von Geräuschen, und Gerüchen, geschmacklichen Feinheiten und Oberflächenstrukturen, die die meisten Menschen nicht einmal wahrnehmen. Obwohl der Anwalt Matt Murdock nicht sehen kann, funktionieren seine anderen vier Sinne mit übermenschlicher Präzision. Tagsüber vertritt er die Unterdrückten. Nachts jedoch wird er zu Daredevil, dem maskierten Rächer, der die dunklen Straßen der Stadt als ruheloser Vertreter der Gerechtigkeit durchstreift. 

Nach "Superman", "Batman", den "X-Men" und "Spider-Man" erhielt auch "Daredevil" mit einiger Verzögerung seine Gelegenheit zum großen Leinwandauftritt. Von allen aufwendig inszenierten Comic-Realverfilmungen gehört "Daredevil" allerdings zu den schlechtesten Filmen dieser Sorte. In Hollywood scheint man ja inzwischen vielfach der Auffassung zu sein, dass ein interessantes Drehbuch gar nicht mehr nötig ist, wenn man seine Stars hat sowie viel Action und Special Effects bieten kann. Aber selbst unter bereits auf ein minimales Level reduzierten Erwartungen enttäuscht dieser Film vollends: "Daredevil" zieht sich mit abgedroschenen Klischees und einer gequält inszenierten Love-Story rund eine Stunde vor den Augen des Zuschauers dahin, bis er überhaupt einmal an einen Punkt gelangt, wo man erzählt bekommt, worum es denn jetzt nun im Kern genau gehen soll. Doch auch danach wird es nicht unbedingt spannender, weil die restliche Zeit einfach nur mit einem unendlich in die Länge gezogenen Action-Showdown mit diversen Kampfeinlagen vertan wird. Eine wirklich interessante Handlung wird hier erst gar nicht entwickelt. Für einen Comic-Film, der naturgemäß die Naturgesetze extrem überdehnt, erscheint Ben Affleck als "Daredevil" aber auch zu bierernst, auch wenn man berücksichtigen muss, dass "Daredevil" ein ziemlich zwielichtiger Charakter ist. Für ein wenig Spaß sorgt immerhin Colin Farell als Gegenspieler "Bullseye", der als Bösewicht am Ende zwar natürlich verlieren muss, auf seinem Weg in den Untergang aber wenigstens einigen Witz und Cleverness demonstriert. Ansonsten ist dieser Film allerdings totale Zeitverschwendung von der ersten bis zur letzten Minute. Es ist wirklich arm, wie wenig Grips man teilweise in Hollywood dem Publikum inzwischen zuzutrauen scheint und glaubt, mit ein wenig Action und Effekten schon einen richtigen Film auf die Beine stellen zu können. Dabei hätte gerade "Daredevil" als ein nicht ganz so aalglatter Comic-Held durchaus Potential für eine Verfilmung gehabt, die auch den Charakter der Figur etwas umfangreicher reflektiert. Bis auf die Einsicht am Ende, dass Selbstjustiz auch keine Lösung darstellt, wird der Held hier aber zu einseitig als tougher Kämpfer präsentiert. Mehr als einmal muss man "Daredevil" nicht gesehen haben.

 

Bild 

Die Macher von "Daredevil" folgten in ihrem Film dem Trend zur optischen Verfremdung, die dem Bild einen ausgeblichenen Look mit leicht überhöhten Kontrast gibt. Die geringfügig abgeschwächten Farben weisen eine leichte sepiafarbene Eintönung auf, welche in erster Linie bei den Tageslichtaufnahmen sichtbar wird, während die Aufnahmen in der Dunkelheit meist etwas blau eingetönt sind. Die Kantenschärfe ist gut, in der Detailwiedergabe weist die DVD aber noch leichte Defizite auf, weswegen die Schärfe insgesamt nicht vollkommen befriedigen kann. Das Master ist sehr sauber und weist keine auffälligen Störungen auf, wofür sich aufgrund der vielen dunklen Szenen auch nur wenig Gelegenheit ergibt. Ein leichtes Rauschen sollte als filmtypisch akzeptiert werden, dem auch mit Rauschfiltern nicht ohne andere Nebenwirkungen nachgeholfen werden kann, was Fox in diesem Fall offensichtlich auch nicht getan hat. Die Kompression macht sich mit ihrer für heutige Verhältnisse schon überdurchschnittlich hohen Videobitrate von rund 5.6 Mbps praktisch nicht bemerkbar.

 

Ton 

Unter den Blockbustern der letzten Monate sticht "Daredevil" tontechnisch aus der Masse heraus: Der Film bietet eine hervorragende Dynamik und eine geradezu dreidimensional klingende Surroundabmischung. Diese macht weitaus mehr als nur gewaltig Lärm. Effekte werden in großer Anzahl direktional so deutlich wiedergegeben, dass man sie meist sehr eindeutige direkt den einzelnen Kanälen zuordnen kann. Dabei überzeugen die Surroundeffekte sowohl durch eine erstaunlich hohe Dynamik aus den Surroundkanälen sowie eine ebenso befriedigende Präzision in den Höhen. Selbst in ruhigen Filmsequenzen bleibt die räumliche Kulisse meist weitgehend erhalten, da selbst einfache Umgebungsgeräusche sehr deutlich wiedergegeben werden. Inwieweit man sich mit dem weniger durch Score-Elemente als vielmehr über längere Strecken durch verschiedenste Rock-Songs dominierten Soundtrack anfreunden kann, ist allerdings Ansichtssache. Erfreulicherweise hat Fox bei dieser DVD auf User Prohibitions verzichtet, so dass man direkt zwischen den Tonspuren umschalten kann.

 

Special Features 

Auch wenn das FSK-Logo noch fehlt, so enthält zweite Disc bereits das Bonus-Material mit deutschen Menütexten und Untertiteln. Die Aufbereitung der Menüs ist allerdings eine Katastrophe: Lange Menü-Animationen, die auch nach Anwahl eines Features zunächst einen Übergang einfügen, nerven ebenso wie die bei hellerem Umgebungslicht kaum ablesbaren dunklen und verschwommenen Menütexte.

  • Enhanced Viewing Mode: Dieser optionale Abspielmodus ermöglicht während des Films den Zugriff auf kurze "Behind the Scenes"-Filmchen. die von Special Effects-Producer John Kilkenny kommentiert werden. Entsprechend liegt hier der Schwerpunkt auch nicht beim Inhalt sondern den visuellen Effekten des Films.

  • Audio-Kommentar des Regisseurs Mark Steven Johnson und Text-Kommentar mit Hintergrund-Infos

  • Jenseits von Hell's Kitchen - Making of (58:50 min.): Nach einer Einleitung, die die Geschichte von Mark Steven Johnsons über Jahre andauernden Bemühungen, "Daredevil" zu verfilmen, nacherzählt, geht es in diesem Making of vorwiegend um die Aspekte, die im Film selbst auch im Vordergrund stehen: Die Choreographie der Action-Szenen, die Entwicklung der Masken und Kostüme sowie die Special Effects, auf die vor allem in der letzten Viertelstunde eingegangen wird. Hier werden auch noch andere Aspekte der Postproduktion wie der Schnitt und die Komposition der Musik thematisiert. Auch dieses Making of wurde mit einem erweiterten Abspielmodus ausgestattet, der direkt aus dem Making of den Zugriff auf weitere Specials ermöglicht. Diese sechs Mini-Clips lassen sich aber auch separat aufrufen. Das Making of selbst wurde im anamorphen 16:9-Format produziert.

  • Jennifer Garner-Probeaufnahme (02:30 min.): In dürftiger VHS-Qualität kann man sich hier einen Casting-Clip mit Jennifer Garner ansehen.

  • Multi-Angle Dailies: Von zwei Acton-Szenen wurden hier die verschiedenen Takes von den Dreharbeiten gesammelt, welche sich als Multi-Angle-Clip betrachten lassen. Neben den verschiedenen Kameraperspektiven gibt es auch jeweils einen Modus zur Auswahl, bei dem die verschiedenen Perspektiven im Direktvergleich auf dem Bildschirm angezeigt werden.

  • Der Bösewicht: Kingpin (02:21 min.): Michael Clarke Duncan redet in diesem sehr knapp geratenen Feature über seine Rolle und die persönlichen Erfahrungen aus seiner Jugend, die er in den Film mit einbrachte.

  • Daredevil HBO First Look Special (24:48 min.): Jennifer Garner führt durch dieses sehr promolastige Making of, welches für den Pay TV-Sender HBO produziert wurde. Im Gegensatz zu den beiden längeren Making ofs gibt es dieses nur im 4:3-Format zu sehen.

  • Moving through space: Ein Tag mit Tom Sullivan (08:28 min.): Tom Sullivan war der "sight impaired consultant" von "Daredevil", was weniger politisch korrekt formuliert mit "Blindenberater" übersetzt werden kann. Sullivan ist selbst blind und assistierte bei den Dreharbeiten. Dieser mit DV-Kamera gedrehte Kurzfilm zeigt vornehmlich, wie Sullivan im Alltag bei Arbeit und Sport auch ohne fremde Hilfe klar kommt.

  • Daredevil-Teaser und zwei Trailer (alle Letterbox, Dolby Digital 2.0)

  • Musikvideos: Fuel "Won't back down", The Calling "For you" und "Evanescence: Bring me to live"

  • Fotogalerie: Fünf verschiedene Bilderserien mit Storyboards, Kostümen, Sets, Fotos von den Dreharbeiten und Requisiten

  • Männer ohne Furcht - Die Entstehung von Daredevil (59:15 min.): Diese rund eine Stunde lange Dokumentation befasst sich mit der Geschichte der Daredevil-Figur und geht dabei weit über das hinaus, was man im Film zu sehen bekommt. Stan Lee schildert hier die Geschichte der Entstehung von "Daredevil" und dessen Veränderung im Laufe der Zeit. Nebenbei erfährt man auch etwas über die Geschichte der Comic-Kultur an sich. Selbst wer mit der Verfilmung so seine Probleme hat, dürfte zumindest an dieser Dokumentation Gefallen finden, die komplett im anamorphen 16:9-Format präsentiert wird. Neben Stan Lee kommen hier auch noch viele andere Leute zu Wort, die mit "Daredevil" zu tun hatten, darunter auch Regisseur Kevin Smith, der als Autor für "Daredevil" tätig war und ebenso wie Stan Lee auch einen kleinen Gastauftritt im Film hat.

  • Reise durch die Schattenwelt (06:15 min.): Dieser Clip zeigt verschiedene Ausschnitte aus den Comics und dem Film, die Daredevils Fähigkeit, seine Umgebung mit den "Hypersinnen" wahrzunehmen, demonstrieren sollen.

  • Charakterprofile: Auf kompakten Texttafeln werden hier die verschiedenen Figuren aus "Daredevil" mit ihren Charaktereigenschaften vorgestellt.

Review von Karsten Serck

22.07.2003