XXL-TEST: Quadral Aurum Vulkan 9 - Spitzenklasse bei den passiven Standlautsprechern?

Es muss nicht immer das absolute Top-Modell sein - also nicht zwingend die Quadral Aurum Titan 9. Auch die kleinere Quadral Aurum Vulkan 9 bietet, trotz geringerer Baugröße und weniger Gehäusevolumen, zahlreiche Reize. Die Vulkan 9 präsentiert sich als ein veritabler High-End-Standlautsprecher mit dem beim Hersteller in Hannover gebautem quSENSE-Hochtöner. Die Dreiwege-Druckkammer-Bassreflex-Konstruktion liegt preislich je nach Ausführung zwischen 5.000 EUR und 5.750 EUR pro Stück.

Enorme Belastbarkeit spricht auf jeden Fall für die Vulkan 9: 350 Watt langfristige und mit 600 Watt kurzzeitige maximale Belastung sind Werte, die zahlreiche Konkurrenten nicht erreichen. Dadurch empfiehlt sich die Vulkan 9 auch für den großen Hörraum bis über 40 Quadratmeter, vorausgesetzt, man hat einen entsprechend leistungsstarken Verstärker zur Hand.

Der Wirkungsgrad (1W/1m) liegt bei guten, aber nicht überdurchschnittlichen 88 dB. Die Impedanz wird mit 4 Ohm angegeben. Frequenzen zwischen 21 Hz und 65 kHz werden wiedergegeben. Bestückt ist die 54,9 kg wiegende Vulkan 9 mit dem quSENSE Bändchenhochtöner, zwei 155 mm messenden Mitteltönern mit Altima-Membran sowie zwei 235 mm Tieftönern mit Altima-Membran.

Wie sehen die konstruktiven Merkmale im Detail aus?

Die schon erwähnte, für Quadral typische Altima (Aluminium, Titan, Magnesium)-Membran nebst Lautsprecherkorb wurde damals 2016 für den Einsatz in den erneuerten Aurum-Modellen überarbeitet. So kam die homogene Fläche ohne Dustcap hinzu. Neu war die nochmals leistungsfähigere, extra große Schwingspule. Extrem kraftvolle Magnete besorgen den Antrieb.

Doppelbass-Bestückung

Der leichte, stabile und strömungsoptimierte Druckgusskorb und eine Zentrierspinne aus hochbelastbarer Aramidfaser sind weitere Merkmale. Abstrahlverhalten sowie Feindynamik der in der Vulkan 9 verbauten Altima-Chassis sollen besonders überzeugend sein. Die hoch belastbaren Tieftöner werden nun von einer nach vorn abstrahlenden Bassreflexöffnung ergänzt.

Das Aurum-typische Druckkammer/Bassreflexprinzip zeichnet nicht nur die Titan 9, sondern unter anderem auch die Vulkan 9 aus. Zwei große Tieftöner treffen vorne auf eine Druckkammer und hinten auf ein Bassreflexvolumen. Daraus resultieren zum einen ein toller Tiefgang und zum anderen ein präziser, harter Kickbass. Siehe unsere Testreihen, wir können das voll bestätigen.

D'Appolito-Anordnung der Treiber

Wie auch die Titan verfügt die Vulkan über eine D'Appolito Anordnung der Chassis (Hochtöner umgeben von 2 Mittelton-Chassis). So können laut Quadral die Belastungswerte optimiert und die Membranfläche optimal genutzt werden. Elegant sieht das neue trapezförmige Gehäuse aus. Es besteht aus MDF/HDF mit enormen Wandstärken und sichert so optimale Resonanzarmut und Stabilität. Im Inneren befinden sich massive Verstrebungen und gedämmte Flächen. Typisch für die Vulkan 9 sind die Lautsprecherchassis-Abdeckungen mit edlem Metallrahmen, die man auf unseren Bildern hier nicht sieht.

Schalter zur Anpassung im Bass/Mittelton/Hochtonbereich

Hinter dem Mitteltöner befindet sich bei der Vulkan übrigens ein Keil im Inneren des Gehäuses, der den Schall nach hinten absorbiert. Überdies ist zwischen den Metallplatten der Füße noch Dammmaterial untergebracht, um eine optimale Entkopplung vom Boden sicherzustellen. Alle aktuellen Aurum R9 Lautsprecher haben einen Hochtonwahlschalter auf der Rückseite, Titan und unsere hier getestete Vulkan zusätzlich Schalter zur Anpassung von Mittel- und Bassbereich.

quSENSE-Hochtöner

Der bereits erwähnte quSENSE Bändchenhochtöner wird direkt in Hannover hergestellt, um die geforderten extrem geringen Fertigungstoleranzen sicherzustellen. Das Geniale am selbst entwickelten und gefertigten Bändchen ist der extrem niedrige Klirrfaktor.

Chromspange mit Namensschriftzug, sorgfältige Gehäuseverarbeitung

Sockel der Vulkan 9

Unibody-Gehäuse

Die Quadral Aurum Vulkan 9 präsentiert sich in hervorragender Fertigungs- und Materialqualität, die Oberfläche, bei unserem Modell in hochglänzendem Weiß, begeistert mit enormer Tiefenwirkung. Die Verarbeitung aller Gehäuseecken ist als erstklassig zu bezeichnen. Kritik gibt es nur für die sichtbaren Schrauben rund um die Chassis, das kann man edler gestalten, indem man die Befestigung der Chassis an der Schallwand ohne Schrauben realisiert. Die hochwertigen Abdeckungen, hier nicht im Bilde, haften magnetisch. Nach der Theorie folgt nun die Praxis: Wie klingt die Quadral Aurum Vulkan 9?

Klang

Aurum-Elektronik

Wir konnten die Quadral Vulkan 9 an hauseigener Quadral Aurum-Elektronik hören, also eigentlich müssten die Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sein - das erwies sich in den Testreihen als absolut korrekt. Die neutrale Aurum-Elektronik gab dem Paar Vulkan 9 exzellente Entfaltungsmöglichkeiten.

Endstufe M10 innerer Aufbau. Kostenpunkt für das edle Stück Technik: 4.000 EUR

Die Vulkan 9 greift bei unseren Testreihen auf die sehr kraftvolle Aurum M10 Endstufe als Zuspieler zurück. Die P8 Vorstufe sorgt für eine höchst präzise Signalverarbeitung.

Setup

Die Aurum Vulkan 9 kann sich, wie wir schon fast erwartet haben, bei allen Testreihen hervorragend in Szene setzen. Wir möchten keinesfalls behaupten, dass die Titan 9 obsolet wäre, aber für die meisten Anwender dürfte schon das, was die Vulkan 9 an Performance bereit stellt, mehr als ausreichend sein. Besonderes Merkmal der Vulkan 9 ist die extreme Souveränität. So zum Beispiel bei Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert Nummer 4, KV218.

Das 1. Allegro ertönt sehr facettenreich und mit einer tollen Raumwirkung, auffällig vor allem auch im Hochtonbereich. Der quSENSE-Bändchenhochtöner mit seinem ultrageringen Gewicht für bestmögliche Impulswiedergabe hat daran natürlich auch enormen Anteil. Die Streicher klingen sehr fein, sehr kultiviert, und die Transparenz ist erstklassig. Man wundert sich immer wieder über die großartige Plastizität der Präsentation - dadurch wähnt sich der Zuhörer mitten im Geschehen.

Bei Diana Kralls Adaption von "California Dreamin" (Flac, 48 kHz/24-Bit) überzeugt uns die Vulkan 9 mit einer ungemein feinfühligen Stimmwiedergabe. Nicht nur, dass sich Dianas Stimme exzellent von den Chassis löst, auch die "feinen" Zwischentöne, die ungemein wichtig für eine komplette vokale Präsentation sind, liegen der Vulkan 9. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten gibt nie Anlass zur Klage, sie ist auch bei sehr hoher Lautstärke immer in vollem Umfang gegeben.

Diana Kralls "Don't Dream It's Over", ebenfalls in Flac, 48 kHz/24-Bit, wirkt sehr geschliffen und kultiviert, die Harfe direkt zu Beginn des Stücks kommt sensibel heraus. Das großzügige Raumgefühl, typisch für die Vulkan 9, ist auch bei diesem Titel deutlich zu bemerken. Dianas Stimme wird authentisch, mit viel Charisma, präsentiert, so wie wir es schon aus unserem ersten Beispiel kennen.

"River Towns" von Mark Knopfler (Flac, 192 kHz/24-Bit) beweist ein weiteres Mal, dass die Vulkan 9 mit dem quSENSE-Bändchen nahezu perfekt für die High Res Audio-Wiedergabe geeignet ist: Feine Zwischentöne der Gitarre kommen impulstreu heraus, dazu hat es Quadral geschafft, den bei einem Bändchen schwierigen Übergang in den Mitteltonbereich sehr harmonisch und nahtlos zu gestalten. Die beiden Mitteltöner mit ALTIMA-Membran geben sich allzeit gelassen und präzise.

"Love in Portofino" von Andrea Bocelli (16-Bit/44,1 kHz) wirkt mit der leicht bitteren Melancholie gleich zu Beginn des Stückes sehr emotional. Andreas faszinierende Stimme bereiten die beiden Vulkan 9 vielschichtig auf. Bemerkenswert ist, wie frei die Stimme im Hörraum steht, die Illusion einer virtuellen Bühne gelingt den beiden Vulkan überragend. Für eine klassische direkt nach vorn abstrahlende Box ist die zur Verfügung gestellte Räumlichkeit erstklassig. Nur aufwändig konstruierte Rundumstrahler können das toppen.

Aktuelle Hits wie "Anywhere" von Rita Ora oder "Riverside 2099" von Oliver Helden bereiten der Vulkan 9 keine Schwierigkeiten. Rita Ora Stimme kommt feingliedrig, klar und mit hoher Plastizität heraus, die enormen Bass-Attacken bei "Riverside 2099" pariert der Schallwandler gelassen und mit einer hervorragenden Grobdynamik.

Auch bei Techno-Klassikern aus den 90er Jahren katapultiert sich die Vulkan 9 mit Wucht nach vorne. Der harte, exakte Bass, zum Beispiel beim Westbam-Remix des Moby Klassikers "Feeling So Real" ist dafür ein gutes Beispiel. Impulstreu, mit Wucht und hoher Souveränität bleibt hier wenig Raum für Kritik. Den RMB-Klassiker "Redemption" schiebt die Vulkan 9  mit Nachdruck durch den Hörraum und hat mit der hohen Anzahl der Beats per Minute, kennzeichnend für die Rave-Ära der 90er Jahre, keinerlei Berührungsängste. Mit massivem Bass sorgt die Aurum-Box beim Future Breeze-Klassiker "Why Don't You Dance With Me" für Furore: Satt, massiv, aber gleichzeitig schnell und facettenreich, kann die Vulkan 9 auch bei hohem Pegel gekonnt alle Register ziehen.

Insgesamt also ein Lautsprecher, der besonders durch seine kultivierte, komplette Akustik begeistert. Ganz gleich, ob es um schiere Dynamik oder um kleine, feine Zwischentöne geht, die Aurum Vulkan 9 ist immer zur Stelle. Gerade in Kombination mit einer hochwertigen Zuspieler-Kette wie den Aurum Elektronik-Komponenten, die für unseren Test Verwendung fanden, kann sich der sorgfältig konstruierte Schallwandler praktisch formvollendet in Szene setzen.

Wie sieht es mit dem Konkurrenzumfeld aus?

Die Quadral Aurum Titan 9 ist nochmals deutlich teurer, ist noch belastbarer und ist hinsichtlich des maximal möglichen Tiefgangs kaum noch zu schlagen. Aber wer braucht das? Sicherlich gibt es extrem anspruchsvolle Anwender, die dieses "Mehr" an Performance noch nutzen. Aber es dürften nur wenige sein.

Die Nubert nuPyramide 717 ist und bleibt einer unserer absoluten Lieblingslautsprecher. Und die Vulkan 9 kann nicht an der schwäbischen Ausnahme-Konstruktion vorbeiziehen. Was Räumlichkeit und die Unabhängigkeit von der Position im Hörraum angeht, lässt sich die nuPyramide 717 von der Vulkan 9 nichts vormachen. Aber so einfach gibt die hochwertige Hannoveraner Standbox nicht auf: Am extrem hoch liegenden Auflösungsvermögen des quSENSE-Bändchens beißen sich die Hochtöner der nuPyramide 717 die Zähne aus. Gerade bei feinen, kleinen Impulsen wirkt die Darstellung noch filigraner, noch plastischer. Beide Boxen sind exzellent hinsichtlich der möglichen Belastungswerte, hier sollte man in beiden Fällen auf extrem starke Verstärker setzen. Für welche Box man sich demnach entscheidet, ist eine Frage der persönlichen Prioritäten, faszinierend sind beide Modelle ohne Zweifel.

Ein preisgünstiges Ausnahmetalent ist die Canton Reference 5. Sie kostet 3.500 EUR pro Stück und ist damit in dieser Liga schon fast ein Schnäppchen. Verarbeitet ist die hessische Box exzellent, und sie ist hier die "Schönheit" im Teilnehmerfeld: Die ästhetisch anspruchsvolle Ehefrau wird sich am ehesten von der Reference 7 becircen lassen. Sie spielt dynamisch und neutral, die sehr hochwertigen Treiber lösen fein auf. Was die Räumlichkeit angeht, bietet die teurere nuPyramide 717 mehr, was den Tiefgang angeht, Nubert und Quadral. An die Feinauflösung des quSENSE Bändchens kommt die hervorragende Canton-Kalotte nich ganz heran. Wer aber echtes akustisches und gesamtqualitatives High End zum sehr fairen Preis erleben möchte, liegt bei der Reference 5 exakt richtig.

Fazit

Die Quadral Aurum Vulkan 9 kann in allen Testreihen für Begeisterung sorgen. Sie ist eine ungeheuer druckvoll und zugleich sensibel aufspielende Box, die auch im großen Hörraum dank der exzellenten Pegelfestigkeit und der gebotenen Räumlichkeit sehr gut aufgehoben ist.

Die Abmessungen sind mit einer Höhe von 145 cm, einer Breite von 32 cm und einer Tiefe von 51 cm schon durchaus als imposant zu bezeichnen, der eindrucksvollen optischen Erscheinung folgt aber auch ein nicht minder eindrucksvoller Klang: Toller Tiefgang, vielschichtige Mitten und eine enorme Transparenz - ohne störende Aggressivität - in den Höhen machen die Vulkan 9 schon fast unerhört gut.

Hier stellt sich die ernsthafte Frage: Wer braucht noch mehr? Kaum jemand, wir nehmen die Antwort vorweg. Natürlich gibt es HiFi-Freunde, die schlichtweg immer das Größte und Beste des jeweiligen Herstellers brauchen. Im Falle Quadral Aurum wäre das die Titan 9. Doch die wesentlich preiswertere Vulkan 9 kann fast alles genauso gut, und trotz der erwähnten nicht eben kleinen Abmessungen ist sie doch kompakter als die Titan 9. Für uns ist die Vulkan 9 derzeit eine der besten Boxen überhaupt auf dem deutschen Markt.

Akustisches Ausnahmetalent mit Premium-Finish -und das zum äußerst fairen Preis

Standlautsprecher Luxusklasse
03. Oktober 2018

Test: Carsten Rampacher
Datum: 03. Oktober 2018

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