XXL-TEST: Denon 9.2-Kanal AV-Netzwerk-Receiver AVR-X4500H - die neue Referenz in der Liga bis 1.500 EUR?

Weist der 9.2-Kanal-AV-Netzwerk-Receiver Denon AVR-X4500H (Vorstufe sogar 11.2-Kanal-fähig) mit Decodern für Dolby Atmos, DTS:X, DTS Virtual:X, Auro-3D sowie mit einem für Anfang 2019 geplanten Upgrade für die neue Sound-Betriebsart IMAX Enhanced die Konkurrenz in die Schranken? Dieser Frage wollen wir im nun folgenden Test nachgehen.

Zunächst möchten wir kurz auf die IMAX Enhanced-Funktion eingehen, weil sie eine echte Neuerung darstellt, auch wenn die IMAX-Betriebsarten voraussichtlich erst ab Anfang 2019 verfügbar sind. Angelehnt an den IMAX-Standard im Kino werden drei Arten von Signalen definiert:

  • 5.1 DTS-Signal (IMAX DTS)
  • 5.1 DTS:X-Signal mit Center Height object (IMAX DTS:X)
  • 7.1.4 DTS:X-Signal mit Center Height object (IMAX DTS:X)

Die spezielle IMAX-Software wird dann eine Kennung im Signal haben und so vom AVR identifiziert. IMAX DTS oder IMAX DTS:X kann in Verbindung mit einem DTS Upmixer verwendet werden. IMAX DTS mit Neural:X oder Virtual:X und IMAX DTS:X mit Virtual:X, je nach Lautsprecher-Konfiguration. Wir werden natürlich entsprechende Klangtests vornehmen, sobald das Update zur Verfügung steht.

Endstufenlayout

Der AVR-X4500H mobilisiert mit seinen analogen Endstufen 200W/Kanal (1 kHz, 6 Ohm, 1 Kanal ausgesteuert), die Endstufe soll durch ihren hochwertigen Aufbau mit diskreten Leistungstransistoren überzeugen. Beim Einsatz des Auto-Eco-Modus wird die Ausgangsleistung automatisch an den Lautstärkepegel angepasst. So ist ein beachtliches Einsparpotential ohne Verlust an akustischer Performance möglich. Nettes Gimmick: über eine Eco-Parameteranzeige auf dem Display kann man die Energieeinsparungen in Echtzeit verfolgen.

Lieferbar ist der AV-Receiver wahlweise in Schwarz oder in Premium-Silber wie unser Testsample. Wer sein Gerät bei Denon registriert, bekommt zudem drei volle Jahre Garantie auf seinen AVR-X4500H.

Audyssey Einmessmikrofon

Des Weiteren an Bord sind das automatische Lautsprecher-Einmesssystem mit Room EQ Audyssey MultEQ XT32 inklusive der Audyssey-Technoligien Dynamic Volume/Dynamic EQ und eine vollwertige Videosektion, die eingehende analoge oder digitale Videosignale auf bis zu 4K hochrechnet.

Der AVR-X4500H ist von der Imaging Science Foundation zertifiziert und mit allen Steuerungsoptionen für die Videokalibrierung ausgestattet, auch ISF-Day und ISF-Night Modi sind an Bord.

DSP-Power gibt es ebenfalls zuhauf. Das DSP-Audioverarbeitungssystem nutzt vier SHARC-DSP-Prozessoren der vierten Generation, die eine kontinuierliche Verarbeitungskapazität von 10 GFlops, also 10 Milliarden Fließkommaberechnungen pro Sekunde, realisieren.

Auf die Signalverarbeitung wird grundsätzlich enorm Wert gelegt. Für die Wandlung sind 32-Bit D/A-Wandler von AKM an Bord. Außerdem stecken natürlich auch Denon-eigene Audio-Technologien im Gerät. Unter anderem das AL32 Mehrkanal-Processing für die Filterung und präzise Abstimmung hochauflösender digitaler Audiodaten für eine verbesserte Abbildung. Auch die Bass Sync-Technologie, die Verözgerungen bei Inhalten, die mehrkanalig aufgenommen wurden, korrigiert. Dateiformate wie ALAC, FLAC ud WAV werden bis zu 192 kHz/24-Bit unterstützt, auch DSD-Kompatibilität (2,8/5,6 MHz) ist gegeben.

Zahlreiche Musik-Streaming-Optionen

Natürlich fehlt auch ein Heos-Modul nicht, das die komfortable Einbindung in Heos Multiroom-Systeme ermöglicht und zudem bequem per Heos App zu steuern ist. Von Heos unterstützt werden Spotify, Amazon Music, Soundcloud, TIDAL, Deezer, JUKE!, Napster, Mood:Mix und TuneIn Internetradio. Die Netzwerk-Verbindung erfolgt über die Ethernet-Schnittstelle oder per WLAN, zwei Antennen sorgen für eine stabile Verbindung.

Weitere multimediale Merkmale umfassen Apple AirPlay2, Bluetooth, Netzwerk-Audio-Streaming und umfangreiche Hi-Res-Wiedergabe: DSD (2,8/5,6MHz), FLAC, ALAC und WAV Unterstützung, auch mit Gapless-Wiedergabe. DSD 11,2 MHz wird nicht unterstützt.

Die Denon AVR-Remote steht für die Bedienung der AV-Receiver-Funktionen, alternativ zur übersichtlichen mitgelieferten Fernbedienung, bereit. Ein Skill für Amazon Alexa ist, um in Verbindung mit einem Amazon Gerät den 4500H per Sprache zu steuern, ebenfalls vorhanden.

Großer Lautstärkedrehregler

2-zeiliges Punktmatrixdisplay

Exzellente Verarbeitung bei der Alu-Frontblende

Audyssey-Mikrofon

Fernbedienung

Innenleben

Transformator

Platinenlayout

Optisch präsentiert sich der AVR-X4500H im aktuellen, schlicht-eleganten Denon-Design, das sich an das Topmodell, den 13-Kanal-AV-Verstärker AVC-X8500H, anlehnt. Ein großer Lautstärkedrehregler und ein kleinerer für die Quellwahl sind auf der Frontblende vorhanden. Das zweizeilige Display löst gut auf und ist prima ablesbar. Unter dem Denon gibt es schwarze, hochwertige und massive Geräte-Standfüße, Das typische Audyssey-Mikrofon gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Die schon erwähnte Systemfernbedienung geht aus qualitativer Sicht in Ordnung. Die Rückseite ist einwandfrei verarbeitet, alle Terminals sitzen fest. Im Inneren des 4500H herrscht, typisch Denon, Ordnung. Hochwertige Baugruppen treffen hier auf eine ordentliche Verkabelung.

HDMI-Terminals hinten

FBAS, Mehrkanal-Pre-Out, Cinch für Zone2/Zone3

2x optisch-digital, 2 x koaxial-digital, Denon Link HD, 2 x Trigger, RS-232C, dedizierter Phono-Eingang

Eine der beiden Antennen

Gesamte Rückseite

Weitere Anschlüsse befinden sich vorn unter der soliden Klappe

Bei den acht HDMI-Schnittstellen (sieben hinten, eine vorne) handelt es sich um HDMI 2.0a - HDR10, HLG und Dolby Vision wird unterstützt. Ein Update für den "enhanced Audio Return Channel" soll im Oktober 2018 erfolgen. Darüber hinaus soll auch Eco Modus überarbeitet worden sein und noch mehr Sparpotential bieten.

Der AVR-X4500H bringt natürlich für eine komfortable Erstinstallation den für Denon & Marantz Komponenten typischen Erstinstallations-Assistenten mit, der Unterstützung durch Grafiken und Hilfetexte anbietet. So gelingt auch weniger versierten Anwendern die Inbetriebnahme problemlos.

Wahl der OSD-Sprache

Erklärung, wie wichtig eine korrekte Erstkonfiguration ist

Alles vorhanden?

Aufstellung und Anschluss der Lautsprecher

Korrekter Anschluss

Alle erforderlichen Schritte für die Inbetriebnahme eines 3D-Audio-Lautsprechersetups

Wieviele Height/Top Firing-Lautsprecher kommen zum Einsatz?

Wir wählen "4 Lautsprecher" für ein 5.1.4-Setup. Dafür reichen die neun eingebauten Endstufen aus. Die Vorstufe würde sogar 11.2 schaffen

Wahl des Modus für die Top Firing-Module

Aktiver Subwoofer, ja oder nein? Die kräftigen Endstufen des AVR-X4500H kommen im Übrigen auch mit großen Standboxen (ohne zus. Sub) klar

Lautsprechereinstellungen

Überprüfung des korrekten Anschlusses der Boxen

Audyssey-Einmessung

Konfiguration

Exakte Tipps

Dynamic EQ - ja oder nein? Wer öfters leiser hört und auch hier einen vollen Klang wünscht, kann das System aktivieren

Netzwerkeinrichtung, wahlweise kabelgebunden oder wireless

Die Ersteinrichtung funktioniert problemlos. Verglichen mit früheren Versionen, zeigt sich der Assistent hinsichtlich des Aufbaus und der Qualität der Grafiken als leicht überarbeitet. Wir finden, nach wie vor ist das Denon&Marantz-System für eine einfache Erstinstallation das beste, was der Markt zu bieten hat.

Während des Betriebes kann man alle relevanten Optionen jederzeit über das Menü ändern.

Hauptmenü

Video-Menü

Menü "Eingänge"

Manuelle Lautsprecher-Konfiguration

Netzwerk-Menü

Netzwerk-Informationen

Menü "Allgemein"

Wichtig: Immer schauen, ob neue Firmware vorhanden ist

Internet Radio-Wiedergabe

Der AVR-X4500H ist üppig ausgestattet, edel aussehend, hervorragend verarbeitet und einfach zu installieren. Das Ganze gibt es zu einem sehr fairen Preis. Kann der 2018er Top-AVR aber auch klanglich Glanzpunkte setzen? Hier liegt die Messlatte sehr hoch, und durch günstige Marktpreise kann man für rund 1.500 EUR schon fast 2017er Topmodelle anderer Hersteller, z.B. Yamaha oder Onkyo, einkaufen. Wir sind nun gespannt auf die Klangtestreihen.

Klang Musik 2L: The Nordic Sound Blu-ray, DTS-HD Master Audio 5.1 – Marianne Thorsen und Trondheim Solistene, Violinkonzert no. 4 in D-Dur, KV 218

Früher waren Denons AV-Receiver zwar mit einer schon immer überragenden Räumlichkeit gesegnet, eine besondere Schnelligkeit im Antritt war aber nicht herauszuhören. Ganz anders der AVR-X4500H: Zu loben ist der schnelle Antrit - der 4500H wirkt direkt und impulstreu, aber zugleich Denon-typisch akustisch sehr angenehm. Hier wurde eine alte Tugend lückenlos mit einer neuen Stärke verbunden. Die Präsentation der Streicher gelingt dem 9.2-Kanal-AV-Receiver mit hoher Präzision und sehr guter Detaillierung, sie wirken samtig-sanft und umschmeicheln das Ohr, blumig ausgedrückt.

Insgesamt ist die Akustik sehr harmonisch, auch der Subwoofer wird tadellos integriert und maßt sich keine Überbetonung an - das hat ein kultiviertes, gleichzeitig aber dynamisches Hörerlebnis als direkte Folge. Die Kulisse wirkt geschlossen und authentisch, die Bühne gibt sich breit und räumlich, ohne "aufgeblasen" zu erscheinen. Der Tieftonbereich schließt sich nahtlos an den unteren Mitteltonbereich an, auch das stärkt die Geschlossenheit des Klangbildes im Gesamten.  Der Denon wirkt musikalisch und lebhaft, entfernt sich aber nicht zu sehr von einer authentischen und natürlichen Darbietung

Die Instrumente werden exzellent differenziert und präsentieren sich mit sauber dosierten feindynamischen Eigenschaften. Auch komplexes, flinkes Musikgeschehen stellt den AVR-X4500H vor keine Probleme, er differenziert weiterhin sauber und zeigt vor allem auch eine beachtliche räumliche Tiefe wie auch eine enorme räumliche Weite.  Der 4500H agiert immer sehr pegelfest, auch bei anspruchsvollen Lautsprechern knickt der AVR nicht ein, wir hatten hier Boxen in Preisregionen von rund 2.000 bis 3.500 EUR/Stück zu Vergleichzwecken als Front-Beschallung auch ohne Support durch einen aktiven Subwoofer im Einsatz.

Klang Film: Mad Max: Fury Road, Kapitel 3 – Verfolgungsjagd des Konvoys in der Wüste mit unterschiedlichen Motorengeräuschen, zahlreichen umherfliegenden Geschossen und treibendem Electro/Rock-Score:

Der AVR-X4500H begeistert durch dehr authentische, kraftvolle Motorengeräusche; die unterschiedlichen Leistungsklassen der Motoren (PKW, LKW mit Anhänger) kommen klar heraus. Hinsichtlich der möglichen Differenzierung ist der 4500H nochmals besser als die Vorgänger.

Bei Explosionen ist der Tieftonbereich blitzschnell und mit hoher Präzision zur Stelle, zudem auch mit Wucht, selbst im 30 Quadratmeter-Heimkino und nur mit großen Standboxen vorn ohne aktiven Subwoofer hat der AVR-X4500H genug Power. Die Basswiedergabe erfolgt stets trocken und gut strukturiert, "Wabern" oder "Nachschwingen", was früher bei D&M AVRs gern mal vorkam, ist nicht mehr zu vernehmen. Der Antritt des AVR-X4500H ist kraftvoll, zudem agiert der 9.2-Kanal-AVR äußerst flink. Hier hat sich nochmals einiges getan, das Impulsverhalten des 4500H präsentiert sich im Vergleich zu früheren Denon AVRs als weiter optimiert. Gerade auch bei kleinen Impulsen, aber auch bei großen Effekten. Das werden wir später auch in der Stereowiedergabe bemerken.

Komplexes Geschehen wird durch die Vielzahl an Effekten nicht hinsichtlich Struktur und Präzision beeinträchtigt; einzelne akustische Elemente können klar im Raum zugeordnet werden - demnach ist der 4500H immer "Herr der Lage" und hat auch bei 75 Prozent des Maximalpegels noch die volle Kontrolle.  Zu loben ist auch die sehr dichte Atmosphäre in der geschlossenen Surround-Kulisse, der 4500H zeigt klar die Vorzüge der Dolby Atmos-Tonspur des Films auf und bindet die Top Firing-Modelle hervorragend mit ein. Dank der atmosphärischen Dichte fühlt man sich als Zuschauer als Teilnehmer am Geschehen. Im Vergleich zu früheren Generationen mit Dolby Atmos erfolgt der Übergang in die Überkopf-Ebene aus akustischer Perspektive absolut nahtlos und fließend.

Der 4500H beweist stets seine hohe Pegelfestigkeit und zeigt auch bei dem sehr flinken Geschehen mit vielen Explosionen und Dynamiksprüngen keine Schwäche, natürlich erwärmen sich die analogen Endstufen spürbar, man sollte den AVR nicht in ein Rack "einpferchen", sondern ihm nach oben "Luft zum Atmen" geben.

Weiter gedreht haben, wie wir es schon zuvor festgestellt haben, die Denon-Ingenieure an der Qualität der Detailwiedergabe. Auch feine Einzelheiten, wie das Auffliegen von gröberen Sandkörnern und Steinen, kann man direktional nachvollziehen. Das Auflösungsvermögen in allen Frequenzbereichen präsentiert sich verbessert. Trotz der genauen Detaillierung lässt es der 4500H nie an Punch missen: Als die Protagonisten in den Sandsturm fahren, kann man die massive Kraft des Sturmes nachfühlen, raumfüllend und kraftvolle. Die Kombination von spektakulären Effekten und dem Music-Score gelingt hervorragend, eine saubere Trennung lässt die Ausarbeitung von vielen Details in beiden Bereichen zu; das Gesamtgeschehen wirkt dennoch wie aus einem Guss, so dass man sich als Zuschauer exzellent in die aktuelle Szene hinein versetzen kann.

Klang DTS:X, Beispiele von der 2018er DTS Demo Disc
  1. Battleship-Sequenz, DTS:X: Der AVR-X4500H tritt ungemein wuchtig an und erzeugt eine dichte, umfassende Räumlichkeit. Effekte, die quer durch den Hörraum schießen, gibt er mit untadliger Präzision und grandioser Dynamik wieder. Stimmen werden sauber ins tonale Gesamtgeschehen eingebunden, befinden sich aber, betrachtet man alles als eine klangliche Bühne, etwas zu weit hinten.
  2. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Part 2: Hier beweist der AVR-X4500H erneut seine Schnelligkeit - kurze, trockene Impulse setzt er hervorragend um. Stimmen kommen hier deutlich präsenter als beim ersten Beispiel heraus. Demnach könnte es zuvor auch an der Abmischung des Materials gelegen haben. Der 4500H baut die dritte Hör-Dimension überzeugt ein und erzeugt schon in einem einfachen 5.1.2 Setup eine erstklassige Räumlichkeit. Mit entsprechender Wucht behandelt der Denon nicht nur die Effekte, sondern packt auch eine enorme Ausdrucksstärke in den Music Score. Das Flügelschwingen des abfliegenden Drachen schallt quer durch den Hörraum - es ist diese imposante, allumfassende Wiedergabe, die den 4500H auszeichnet.
  3. Sequenz aus King Kong: Massiv, wuchtig, nachdrücklich: Der AV-Receiver weiß genau, wie man zeitgemäßes Actionkino zu präsentieren hat. Gleichzeitig aber kommen auch weniger gewaltige Effekte wie kleinere herabfallende Steine herausragend zur Geltung. Selbst das Laufen über felsigen Boden gibt der Denon tadellos wieder. Parallel stattfindende Action-Ereignisse differenziert er akkurat auseinander. Er verliert auch bei sehr deftigem Pegel die Kontrolle nicht und modelliert nach wie vor eine Vielzahl an Feinheiten aus dem Geschehen.
  4. Clemens Wirth, Kinsetsu: Eine Ansammlung von Effekten, gemischt mit Melodien: Das ist das akustische "Experiment" des Clemens Wirth. Felsbrocken, Eis, Meereswellen, Magnetismus werden mit enormer Wucht und einer extrem dichten Räumlichkeit zusammen mit passender Hintergrundmusik dargestellt. Die abnormale Betonung mancher Basseffekte lässt den Denon kalt, präzise steuert er die großen Frontboxen und den aktiven Subwoofer an.
  5. Roses and Revolutions, "The Pines": Toll fokussiert der AVR-X4500H die weibliche Gesangsstimme - Wahnsinn, wie sauber er diese selbst bei enormer Lautstärke vom kraftvollen, präzise zuschlagenden Bass trennen kann! Hier ist den Denon-Ingenieuren wahrhaftig ein großer Wurf gelungen.. Tonal sehr angenehm, trotzdem luftig, fein, transparent - hier wurde mit großer Sorgfalt abgestimmt. Den Aufbau des Tracks kann man allzeit exakt nachvollziehen, die Impulstreue ist großartig. Die Überkopf-Ebene des DTS:X-Stückes kommt hier weniger deutlich als bei den Film-Beispielen und als bei der Experimental-Musik von Clemens Wirth heraus.
Stereo

Hier haben wir verschiedene akustische Beispiele mit dem AVR-X4500H angehört, wir starten mit dem brandneuen "Classical 90s Dance Volume 2" Album, das Techno-Legende Alex Christensen zusammen mit dem Berlin Orchestra aufgenommen. Hier haben wir "Another Night" (featuring Anastacia) angehört. der AVR-X4500H schafft es, eine enorme Substanz ins Geschehen zu bringen, er harmoniert prächtig mit der leistungsfähigen Elac Vela FS 407 und bietet auf der einen Seite einen enormen Vortrieb im Bassbereich, aber auch eine sehr facettenreiche, detaillierte Stimmwiedergabe. Nie übertönt der Bass die Vocals, und der Rhythmus kommt mit untadeliger Impulstreue heraus.

Als nächstes lassen wir es mit einem dritten Track vom selben Album ruhiger angehen und lauschen "Because I Love You", ursprünglich von Stevie B., nun in der Orchester-Version, gesungen von Pietro Lombardi. Der Denon, soviel wird hier deutlich, hat hinsichtlich seiner Stereo-Performance einen weiteren, erstaunlich deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Fein ausbalanciert, mit sehr guter Staffelung der Bühne, lässt er sich nichts vormachen.

Bei "Time To say Goodbye" von Andrea Bocelli und Sarah Brightman untermauert der AVR-X4500H sein Können hinsichtlich einer hervorragenden Stimmwiedergabe. Es sind genau diese feinen Zwischentöne, die der anspruchsvolle Stereohörer früher bei einem Mehrkanal-Receiver vermisst haben. Der 4500H beweist, dass er durchaus in der Lage ist, einen reinrassigen Mittelklasse-Stereo-Verstärker für 600 EUR zu ersetzen: Vor allem, wie spontan und dann mächtig die analogen Endstufen antreten, verdient höchsten Respekt. Jedes Instrument innerhalb des Orchesters ist darüber hinaus sauber zu orten.

Dass der Denon entschlossen "Gas geben" kann, haben wir bereits beim ersten Titel bemerkt. Bei "Land Of Confusion" in der Cover-Version von Disturbed legt sich der 4500H ein weiteres Mal mit Erfolg "ins Zeug": Die gewollte Aggressivität in der Stimme, der Schwung der E-Gitarre und der kraftvolle Rhythmus werden sorgfältig und dynamisch präsentiert. Die Räumlichkeit spricht ebenfalls für sich. Es lohnt sich also absolut, den Denon AVR-X4500H mit hochwertigen Standboxen für die Stereowiedergabe zu bestücken - der AV-Receiver brilliert im Stereo-Betrieb ohne Einschränkungen.

Videosektion

Der AVR-X4500H hat, wie bei Denon üblich, verschiedene Bild-Modi (Standard, Movie, Lebendig, Streaming, ISF Day, ISF Night, Benutzerdefiniert), die man aber nur dann verwenden sollte, wenn der TV keine überzeugenden Programme an Bord. Ansonsten wählt man besser die Einstellung "aus" bei Bildmodus. Es findet sich zudem noch ein kleiner Video-EQ  bei "Benutzerdefiniert": Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung, Konturenschärfe und eine Rauschunerdrückung.

Getestet haben wir mit dem brandneuen Samsung Q900 in 75 Zoll, und dem Panasonic Ultra HD-OLED-TV TX-65FZW954. Wir haben uns Star Wars, Das Erwachen der Macht, ab Kapitel 2, angeschaut. Zunächst betrachten wir die legendäre gelbe Laufschrift, die durchs All von vorn nach hinten durchgleitet. Der 4500H überzeugt hier durch Detailreichtum und sauberen Kontrast beim Upscaling, das Bild sieht sehr sauber aus, wenngleich es ab und zu während der Bewegung zu leichtem Ruckeln kommt. Der folgende Kameraschwenk nach unten wird sauber und geschmeidig ausgeführt, mit sehr guter Bewegungsschärfe.

Der Sternzerstörer weist lediglich ein minimales Zittern an den Kanten auf, sieht ansonsten aber enorm detailreich und auch von der Gesamtschärfe her authentisch aus. Der 4500H beeinflusst die Farbwiedergabe in keinster Weise negativ. Die Plastizität vom Bild ist hoch, auch die Sequenzen bei Nacht auf der Oberfläche des Planeten zeigen wenig Rauschen und eine sehr gute Tiefenstaffelung. Das Rauschen, bedingt durchs Upscaling, hält sich in einem absolut tolerablen Rahmen. Wer einen älteren oder sehr preiswerten BD-Player/Ultra HD-TV verwendet, kann dem 4500H bedenkenlos das Upscaling überlassen.

Konkurrenzvergleich

  • 2016 war er unser "großer Meister" und kostete satte 2.999 EUR. Mittlerweile liegt der Onkyo TX-RZ3100 bei rund 1.700 EUR Marktpreis. Mit 11 Endstufen, THX-Lizenz und sehr umfangreichen Multimedia-Funktionen sowie einem detailreichen, authentischen Klang macht der große Onkyo immer noch viel Freude. Der AVR-X4500H kontert aber hart: Mit zusätzlichem Decoder für Auro-3D, einer vollwertigen Video-Sektion, und ab Anfang 2019 noch mit IMAX-Soundmodi. Zudem klingt der 4500H einfach genial. Man denkt nicht, dass sich noch wirklich Nennenswertes getan hat hinsichtlich der Akustik, aber mit viel Feingefühl, einer tollen Transparenz und einem im wahrsten Wortsinne schönen Klang setzt sich der 4500H bestens in Szene.

  • 2017 gefiel uns der Yamaha Aventage RX-A3070 besonders gut. Das Spitzenmodell der 2017er Aventage-Serie wurde kürzlich vom 2018er Modell RX-A3080 abgelöst. Dieser liegt bei 2.499 EUR und ist damit preislich weit weg vom Denon. Das 2017er Modell RX-A3070 aber bekommt man bereits als Auslaufmodell für rund 1.700 EUR. Für den Yamaha sprechen die erstklassigen DSP-Programme und der Cinema DSP HD3 Prozessor, der DAB-Radiotuner, und natürlich die neutrale, natürliche Abstimmung der analogen Endstufen. Nach wie vor ist der 3070 demnach eine ausgesprochen gute Wahl, wenngleich der Denon AVR-X4500H noch moderner ausgestattet ist und klanglich noch eine Idee feiner und zugleich räumlich dichter klingt.
Fazit

Der Denon AVR-X4500H brilliert über alle Maßen - er ist so gut, dass man sich fragt, ob sich Denon mit diesem Modell wirklich einen Gefallen getan hat. Warum? Wem neun Endstufen ausreichen, dem kann man kaum noch erklären, warum zu den größeren AV-Verstärker-Modellen AVC-X6500H oder AVC-X8500H gegriffen werden muss.

Klar, im Detail sind die teureren Modelle sicherlich noch eine Spur besser, so z.B. bei der 3D-Ausbreitung im Atmos- oder DTS:X-Betrieb oder vielleicht bei der Bühnenstruktur im Stereomodus. Aber es sind so kleine Nuancen, und der 4500H ist auch im 3D-Audio- und im Stereobetrieb schon eine Macht, die manchen Konkurrenten verzweifeln lassen.

Er tritt extrem stark auf und konnte gegenüber den gewiss leistungsstarken Vorläufern weiter verbessert werden: Noch mehr Pegelfestigkeit, Räumlichkeit und Dynamik sorgen dafür, dass man zwar bestimmt nicht vom 4400H auf den 4500H updaten muss, wer sich aber zwischen dem 4400H als Auslaufmodell und dem 4500H entscheiden möchte, sollte trotz dem deutlichen finanziellen Mehraufwand zum neuen Modell greifen. Perfekt ausgestattet und einfach bedienbar ist der Denon AVR-X4500H auch. Nur einen DAB+ Tuner vermissen wir.

Das "Supertalent" 2018 auf dem Gebiet der AV-Receiver - der AVR-X4500H lässt auch teurere Konkurrenten hinter sich

Gesamt-Referenz AV-Receiver Oberklasse
Test 19. November 2018

Test: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 19. November 2018

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