XXL-Test: 11-Kanal-AV-Receiver Denon AVR-X6400H – gelungener Feinschliff, üppige Ausstattung

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Wer ein 7.2.4-Setup betreiben möchte, ist auf einen AV-Receiver mit elf Endstufen angewiesen. Schon seit letzem Jahr liefert Denon eine verheißungsvolle Alternative in dieser Liga, der mit analogen Endstufen ausgestattete Denon AVR-X6300H erfreut sich, nicht zuletzt wegen seines attraktiven Marktpreises, immer noch großer Beliebtheit. Der Nachfolger AVR-X6400H, Gegenstand dieses Testberichts, steht für 2.499 EUR wahlweise in Premium-Silber oder in klassisch schwarzer Ausführung schon bereit, um den Vorgänger zu übertrumpfen. Gelingt diese Mission? Wir haben uns den AVR-X6400H genau angeschaut und vor allem angehört. 

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AVR-X6400H – Rückseite

Zunächst gibt es Neuigkeiten hinsichtlich der Serienausstattung, Neben dts:X und Dolby Atmos ist nun Auro-3D als drittes objektbasiertes Audioformat ohne Aufpreis in der ohnehin schon üppigen Ausstattungliste. 205 Watt pro Kanal stehen bereit, wie schon beim Vorgänger hat der AVR-X6400H ein monolithisches Endstufen-Layout. Speziell entwickelte Denon-Transistoren ermöglichen hohe Belastbarkeit sowie eine präzise Wiedergabe. Flexible Möglichkeiten bei der Suche nach maximaler akustischer Performance garantieren die Denon Link HD-Schnittstelle (Voraussetzung für die Verwendung ist ein kompatibler Zuspieler) und Denons AL32 Processing. 

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Einmessmikrofon

Als Lautsprechereinmess- und Room EQ System kommt wie gewohnt Audyssey zum Einsatz, natürlich in derzeit maximaler Ausbaustufe. Hier die Merkmale:

  • Audyssey MultEQ XT32 als leistungsstärkstes System
  • Audyssey Dynamic Volume gleicht Lautstärkeunterschiede aus
  • Audyssey Dynamic EQ sorgt bei jeder Lautstärke für vollen Klang
  • Sub EQ HT für perfekte Einmessung des Subwoofers
  • Optional gibt es die Audyssey MultEQ Editor App für iOS und Android. Sehr versierte Anwender bekommen hier noch umfangreiche Nachbearbeitungsmöglichkeiten. 

Weitere Ausstattungsmerkmale: 

  • Der AVR-X6400H wurde laut Hersteller auch hinsichtlich der Netzwerk-Stabilität optimiert. Ganz besonders bemerkbar soll sich dies bei hoher WLAN-Dichte machen. Nach wie vor ist ein WLAN-Modul mit Dual Band (2,4/5 GHz) Unterstützung an Bord. Natürlich ist auch Bluetooth integriert.

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HDMI-Anschlüsse hinten

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Hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

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Denon Link HD (benötigt wird ein Denon Zuspieler für die Verwendung), 11.2 Pre-Out, konventionelle digitale und analoge Audioeingänge, YUV und FBAS

  • Eine vollwertige Videosektion ist bei Denon immer noch ein Thema. Eine Analog-zu-HDMI-Konvertierung, sowie 4K-Upscaling sind an Bord. Der AVR-X6400H bietet acht HDMI-Eingänge (1 davon vorn) mit voller HDCD 2.2 Unterstützung. Wie üblich bei den großen Modellen offeriert auch der AVR-X6400H gleich drei HDMI-Ausgänge. Die HDMI-Terminals sind zu HDR10, Dolby Vision, HLG, eARC und BT.2020 kompatibel. Hochwertige Schraubanschlüsse für die Lautsprecher gibt es ebenfalls auf der Rückseite, auch findet sich dort ein kompletter Pre-Out für den Anschluss externer Endstufen. 
  • Der AVR-X6400H bietet hochauflösende Audio-Decodierung für verschiedene verlustfreie Dateiformate wie ALAC, FLAC und WAV, mit bis zu 24-bit/192 kHz, sowie Kompatibilität mit 2.8/5.6 MHz-DSD-Dateien (DSD ist das Audio-Verschlüsselungs-Format von SACD).

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Heute üblich: Zunächst wird einmal die Software auf den neusten Stand gebracht. Funktionierte bei uns ohne Probleme

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Highresaudio-Dateien

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Heos bietet eine Vielzahl an Quellen

  • Dank des HEOS-Moduls verfügt der 6400H über umfangreiche Streaming-Möglichkeiten und kann überdies komfortabel in HEOS-basierte Multiroom Audio-Systeme eingebunden werden. Spotify, SoundCloud, TIDAL, Deezer, JUKE!, Napster, Mood:Mix und TuneIn Internet-Radio stehen zur Auswahl, das garantiert eine zeitgemäße Flexibilität. In allen Testreihen funktionierte die Bedienung des HEOS-Moduls sowohl per App als auch in der Kombination Fernbedienung/On Screen-Menü völlig problemlos. Die Betriebssicherheit ist untadelig hoch, die Handhabung durchdacht. 

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Großer und griffgünstiger, leider nicht gerasterter Lautstärke-Drehregler

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Drehrad für die Quellwahl. Gut auf diesem Bild erkennbar: Die Oberfläche der Aluminium-Frontblende

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Anschlüsse unter der Frontklappe

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Zweizeiliges Display

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Fernbedienung. Wahlweise Steuerung per App

Der AVR-X6400H leistet sich keine Extravaganzen hinsichtlich der optischen Gestaltung. Jeder wird den AV-Receiver direkt als Denon-Familienmitglied ausmachen können. Die Frontblende besteht aus hochwertigem Aluminium, in der Mitte der Front prangt ein großes, zweizeiliges Punktmatrixdisplay. Unter der recht soliden, aber nicht perfekten (besteht nicht ganz aus Metall) Klappe befinden sich weitere Bedienelemente sowie Anschlüsse, z.B. ein weiterer HDMI-Eingang und der Anschluss fürs mitgelieferte Audyssey-Einmess-Mikrofon. Die beiden Drehregler für Quellwahl und Lautstärke gefallen uns besser als beim kürzlich untersuchten Marantz SR7012.

Die Rückseite, sehr umfangreich mit Anschlüssen bestückt, ist ebenfalls tadellos verarbeitet. Unter dem AVR-X6400H gibt es solide Gerätestandfüße. Und wie sieht es innen aus?

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Übersicht innen. Der Kühlkörper scheint nicht enorm groß zu sein, das stellten wir schon beim AVR-X6300H 2016 fest

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Endstufen-Layout im Detail

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Kein Ringkern-Transformator

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Platinen-Design

Der innere Aufbau zeigt, dass der AVR-X6400H identische Arbeitsbedingungen für alle Endstufen bietet. Der Transformator ist groß dimensioniert, aber kein Ringkern-Trafo. Das Platinenlayout wirkt sauber. 

Gut, aber nicht überdurchschnittlich: Die Qualität der mitgelieferten Fernbedienung. Alternativ kann man den AVR-X6400H auch mit der Denon AVR 2016 App bedienen, was sehr gut funktioniert. Natürlich haben wir einige Screenshots der App gemacht:

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Hauptmenü der App

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Verwendung der App als Fernbedienung

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Surround-Parameter

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Auro-Matic (Audio-Upscaler von Auro-3D) mit einstellbarer Effektstärke

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Auro-Matic: Auswahl bei den Modi

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Grafischer EQ. Man kann ihn wahlweise per App oder mittles On Screen Display einstellen

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Main Zone – Übersicht

Der Denon AVR-X6400H verfügt über den bekannten Assistenten, der den Anwender bei der ersten Einrichtung unterstützt. Dieser funktioniert mittels OSD und der mitgelieferten Fernbedienung. Hier einige Screenshots:

Denon AVR-X6400H Screenshot 2

Beginn des Einrichtungsassistenten mit der Wahl der Sprache

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Lautsprechereinstellungen

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Wahl des Dolby Atnos/Top Firing-Lautsprecher-Setups. Für Auro-3D werden oberhalb der Front- und Rear-Boxen Regallautsprecher aufgehangen

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Audyssey MultEQ XT32 ist in den Assistenten integriert

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Audyssey misst gerade den Center ein

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Unsere Lautsprecher-Konfiguration für die ersten Testreihen

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Abstände der Lautsprecher vom Hörplatz

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Wahlweise kann der 6400H drahtlos oder kabelgebunden ins Netzwerk integriert werden

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Test der Netzwerkverbindung

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Hier wird der Anwender gleich auf die beiden Apps für die Steuerung der AV-Receiver-Funktionen und fürs HEOS-Modul aufmerksam gemacht

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Einrichtungsmenü

Der AVR-X6400H als Nachfolger des AVR-X6300H führt die Rolle als „Ausstattungswunder“ fort. Nun werden nicht nu dts:X und Dolby Atmos, sondern auch „serienmäßig“ noch Auro-3D unterstützt. Die hochmoderne HDMI- und Video-Sektion, der Endstufenblock mit identischen Arbeitsbedingungen für alle einzelnen Endstufenzüge und die einfache Erst-Einrichtung sprechen für den großen Denon. Audyssey MultEQ XT32 arbeitet problemlos und zuverlässig. Akustisch wird eine sehr gute Balance aus der Vermeidung störender Einflüsse des Hörraums und der klanglichen Beschneidung des angeschlossenen Lautsprecher-Setups getroffen. Hier kann man sehr zufrieden sein. Das gilt auch für das eingebaute HEOS-Modul für Multiroom-Audio und Streaming. Insgesamt eine bravouröse Vorstellung des 6400H  – doch nun muss er sich in den Klang-Testreihen beweisen. 

Klang: James Bond – Ein Quantum Trost, nativ in dts-HD. Vergleich der drei Audio-Upscaler dts Neural:X, Auro-Matic und Dolby Surround sowie Vergleich 5.2 Setup gegen 5.1.4 Lautsprecher-Setup

Wir haben uns intensiv mit der Wiedergabe der 007-Blu-ray „Ein Quantum Trost“ auseinander gesetzt. Gehört haben wir mit den drei Audio-Upscalern Auro-Matic, dts Neural:X und Dolby Surround sowie klassisch in einer 5.2 Lautsprecher-Konfiguration. Unsere beiden Lautsprecher-Systeme:

Wir machen zunächst ein Audio-Upscaling mittels Auromatic und hören uns den Beginn des 007-Titels „Ein Quantum Trost“ an. Und wird sind angetan. Schon der Marantz SR7012 konnte exakt bei diesem Film mit einem sehr exakt dosierten Auro-Upscaling punkten. Das gilt auch für den AVR-X6400H, der im Hörvergleich noch etwas massiver antritt. Der SR7012 gefiel uns durch die besonders hoch liegende räumliche Homogenität, hier legt der AVR-X6400H nicht nach, sondern hält das Niveau. Mit noch mehr Gesamtdynamik – so dynamisch klang noch nie ein Denon AVR – begeistert uns der 6400H aber trotzdem.

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Unser Nubert nuLine-Set ist fester Bestandteil unseres Equipments

Die erbitterte Verfolgungsjagd rund um den oberitalienischen Gardasee mit MP-Salven der schießwütigen Killer in den Alfa Romeo 159, die James Bond, im Aston Martin DBS unterwegs mit wertvollem Gefangenen, hinterherrasen, hinterlässt einen sehr intensiven Eindruck. Das spürt man z.B., als der Land Rover der Carabinieri den Hang herunterrollt und fast vor Bonds Sportwagen fliegt, oder als kurz zuvor der erste Alfa der Gangster mit einem LKW zusammenprallt.

Mit Substanz wird der Music Score, nach der cineastischen Einführung an der Reihe, präsentiert. Schnell, spontan, mit hartem Bass, exakt auf den Punkt getroffen, arbeitet sich der AVR-X6400H nach vorn. Die Stimme wird charismatisch dargestellt, die räumliche Weite und die räumliche Tiefe überzeugen. Nahtlos werden die Height-Lautsprecher vorn und hinten eingebunden, das akustische Ergebnis wirkt nie künstlich oder übertrieben. Aber es ist klar – der AVR-X6400 muss auch abliefern, sonst hätte er keine Daseinsberechtigung. 

Schließlich muss er ein schwierigeres Erbe antreten: Der AVR-X6300H ist nach wie vor ein hervorragender 11-Kanal-AV-Receiver, der überdies gerade zu höchst interessanten, weil günstigen Marktpreisen zu haben ist. Nur noch rund 1.650 EUR wechseln bei seriösen Anbietern den Besitzer, ein Schnäppchen für die Power-Maschine. Da muss sich der brandneue 6400H, 2.499 EUR kostend, schon besser präsentieren – die Tatsache, dass Auro-3D nun ohne Aufpreis mit an Bord ist, richtet es alleine nicht.

Die Endstufeneinheit, wie beim 6300H im monolithischen Design, scheint wirkungsvoll überarbeitet worden zu sein. Der ältere 6300H konnte den Pioneer und Onkyo Mehrkanal-Receivern mit 11 Kanälen nicht ganz das Wasser reichen. Obwohl Denon auch beim 6400H auf analoge Endstufen setzt, wächst aber die Pegelfestigkeit weiter an, das neue Gerät erscheint bei hoher Lautstärke, ab ca. 65 bis 70 Prozent des maximal möglichen Pegels, souveräner und gelassener, der Bass bleibt strukturierter und härter. 

Was der AVR-X6400H kann, beweist er im weiteren Verlauf des Filmes. Wir schalten etwas hin und her bei den Audio-Upscalern und stellen fest, dass nicht nur Auro-Matic ausgezeichnet arbeitet, sondern auch dts Neural:X hinsichtlich Bass-Strukturen, Bass-Tiefgang und der Auflösung über den gesamten Frequenzbereich optimiert wurde. Dolby Surround wirkt etwas fülliger, aber die Tiefen-Strukturen sind nicht so stark ausgeprägt.

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Kino-Lautsprecher-Set in 5.2-Konfiguration: Teufel Systme 6 THX

Natürlich haben wir auch in klassischer 5.1- oder besser 5.2 Konfiguration gehört, um zahlreiche Eindrücke zu sammeln. Und zwar mit drei identischen kompakten Frontboxen, zwei Dipolen im Rear-Bereich und mit 2 starken aktiven Subwoofern. Das Teufel System 6 THX harmoniert sehr gut mit dem Denon, dass dieser keine THX-Lizenz hat, fällt nicht ins Gewicht. Beim 007-Film herrscht eine sehr dynamische, bis in hintere akustische Ebenen lebhafte Gesamtatmosphäre.

Wir hören uns die Tonspur von „Ein Quantum Trost“ weiter an und sind nun in Siena, wo unterirdisch das wichtig Syndikatsmitglied, das 007 festsetzen konnte, verhört wird. Oberirdisch findet das berühmte Pferderennen „Palio“ statt. Wir vergleichen: Der AVR-X6400H ist in der Lage, das Potential der Dipole beim System 6 THX bestens umzusetzen, gerade bei den „Palio“ Szenen herrscht auf den Surround-Kanälen viel räumliche Weite. Verwenden wir unser Nubert 5.1.4 Ensemble, ist es bemerkenswert, was in Verbindung mit Auro-Matic für eine realistische Atmosphäre hinsichtlich der Einarbeitung der Über-Kopf-Ebene herrscht. Die nahtlosen Übergänge zwischen Fronts/Rears und den Top Firing-Modulen ist zu loben. Hier legt der AVR-X6400H gegenüber seinem Vorgänger nochmals nach. 

Klang „Mission Impossible – Rogue Nation“, Dolby Atmos, Wien-Sequenz

Natives Dolby Atmos-Material präsentiert der AVR-X6400H sehr mitreißend. Die berühmte Wien-Sequenz aus „Mission Impossible – Rogue Nation“ macht deutlich, dass der 11-Kanal-Receiver sehr gut anspruchsvolle Musik – in diesem Falle Auszüge aus Puccinis „Turandot“ wiedergeben kann, parallele Handlungen aber nicht „stiefmütterlich“ behandelt. Als Ethan sich eine wilde Keilerei hoch oben über der Bühne mit seinem Widersacher liefert, liefert der AVR-X6400H ein tadelloses Handling der harten Faustschläge ab.

Und als dann das Attentat auf den bei der Opernaufführung anwesenden österreichischen Bundeskanzler passiert, gibt der Denon-AVR die dramatischen Szenen mit Übersicht wieder, er bleibt bei hohem Pegel länger souverän als der 6300H – und er erhitzte sich zwar auch deutlich, aber in geringerem Umfang als der Vorgänger. Wir möchten dies nicht gleich verallgemeinern, sicherlich finden sich auch Differenzen zwischen Geräten der gleichen Baureihe, aber wir wollen unsere Erfahrungen doch in den Bericht mit aufnehmen.

Die Stimmen der Opernsängerinnen und Opernsänger auf der Bühne bereiten dem 6400H überhaupt keine Schwierigkeiten. Frisch, klar, mit exakter Ortungsmöglichkeit: Der 11-Kanal-Receiver zieht alle Register seines Könnens. Sehr gut gefällt uns die fließende, nahtlose Einarbeitung der vier Top Firing Module, anders als in unserer damaligen Test-Konfiguration arbeiten wir bei unserem nuLine-Set bei AV-Receivern mit mindestens 9 Kanälen immer mit vier Top Firing-Modulen, dies noch als Anmerkung. Die Überkopf-Dimension beeindruckt aber auch durch enorme Dichte und eine akkurate Tiefenstaffelung. 

Klang Musik in 5.1 und in 5.1.4, a-ha, The Final Concert, Paul Kalkbrenner, 2010, beide in dts-HD Master Audio:

Musik, die in 5.1 abgemischt ist, bereitet viel Freude, wenn wir sie in ihrer nativen Abmischung über den AVR-X6400H hören. So zum Beispiel die a-ha-Titel „The Sun Always Shines On TV“ und „The Blood That Moves the Body“. Die zugrunde liegende Blu-ray ist in dts-HD Master Audio abgemischt und beinhaltet ein Konzert der norwegischen Pop-Legenden in Oslo. Sehr schneller, gleichzeitig präziser Aufbau, wiederum eine sorgfältige Einarbeitung der Stimme und eine klare Charakterisierung jedes einzelnen Instruments sind hier zu erwähnen. 

Dass der AV-Receiver sehr leistungsstarke Endstufen hat, beweist er uns bei den Paul Kalkbrenner-Titeln „Altes Karmuffel“ und „Dockyard“, beide in dts-HD Master Audio abgemischt. Zünden wir bei den Elektronik-Tracks noch dts Neural:X, so ist man eingehüllt von Klang, in allen Ebenen – ohne, dass die Präzision wirklich leidet. Bei diesen beiden Stücken gefiel uns der dts Audio-Upscaler besonders gut, da auch die Bass-Strukturen sehr gut erhalten bleiben und nicht „aufgeweicht“ werden. 

Klang 2-Kanal Hi-Res

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Aufgrund der exzellenten Auflösung sehr gut geeignet für unsere Stereo-Hi-Res-Testreihen: Canton Reference 5 K

Zweikanal-Hi-Res-Audio-Dateien in Stereo gibt der AVR-X6400H homogen und mit sauberer Trennung einzelner Instrumente wieder. Auch Stimmen werden sehr gut erfasst. So bei „Desperado“ in 48 kHz/24-Bit in der Adaption von Diana Krall. Dianas rauchige Stimme klingt ungefiltert, der 6400H arbeitet Konturen noch eine Idee exakter heraus als der Vorgänger. Das zeigt sich auch bei „California Dreamin“, welches wir ebenfalls in Flac 48 kHz/24-Bit hören. Beide Songs stammen von Dianas Album „Wallflower“, auf diesem werden ihre Cover-Version legendärer Hits präsentiert.

Bei „Nessun Dorma“, gesungen von Jonas Kaufmann, arbeitet der AVR-X6400H Dynamik-Differenzen impulstreu heraus, Die Stimme des Tenors, während der die legendäre Arie aus Puccinis „Turandot“ singt, hat Substanz und erscheint natürlich sowie klar vom Rest der Akustik getrennt. Der Chor in der Arie wurde vom 6300H weniger präzise eingearbeitet, auch hier also zahlt sich der Feinschliff aus, den Denon am 6400H betrieben hat. 

Videosektion

Der AVR-X6400H wird von uns im sehr ausgewogenen ISF Day Modus an einem LG OLED55C7D betrieben, den wir im Standard-Modus belassen, um weitere Beeinflussungen auszuschließen. Wir schauen uns beim 007-Film „Ein Quantum Trost“ genau die Sequenz in Siena an. Hier sehen wir aus der Vogelperspektive Teile des Palio, eines legendären Pferderennens. Der sandige Boden besitzt auch von oben aus gesehen viel Struktur, die schnellen Bewegungen der Pferde setzt der AVR-X6400H gekonnt um.

Rauschen, das vom Upscaling kommt, ist kaum zu sehen. Das Material rauscht zwar, aber dies liegt an der Blu-ray. Der 6400H fügt kein weiteres Rauschen hinzu und agiert überdies im ISF-Modus farbecht und mit gut gestaffeltem Kontrastumfang. Die prächtigen historischen Uniformen der Protagonisten stellt der AV-Receiver in vielen Einzelheiten heraus. Die Menschenmenge, die als Zuschauer dem Rennen beiwohnt, gibt der AVR-X6400H ebenfalls detailreich wieder. Wie die Szenen, die parallel zum Pferderennen unterirdisch stattfinden, beweisen, strukturiert der Denon auch dunkle Szenen fein durch und produziert lediglich sehr geringes zusätzliches Rauschen.

Wir blicken in den unterirdischen Verhörraum und sehen die Struktur der Holzpfeiler und auch der Steine unter den Holzpfeilern in sehr klarer, aber nicht unschön überschärfer Form. Kleinere Schwächen kommen nur beim Holztisch heraus, der minimal zu weich hinsichtlich seiner Konturen wirkt. Aber „nobody is perfect“, die alte Faustregel gilt auch für sehr leistungsstarke Komponenten. Dafür punktet der AVR-X6400H wieder, als er die Stoffoberfläche der Anzüge von 007 und seinem Gegenspieler exakt wiedergibt. Insgesamt eine ausgezeichnete Leistung der Video-Sektion des 6400H. 

Konkurrenzvergleich

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Optisch gleicht der 6300H dem 6400H

Zum Vorgänger AVR-X6300H haben wir hier einen ausführlichen Vergleich gezogen: Denon AVR-X6400H gegen AVR-X6300H

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Der Onkyo TX-RZ3100 drängt sich noch als Konkurrent auf. Dank digitaler Endstufen liegt die maximal mögliche Pegelfestigkeit nochmals eine Idee höher als beim 6400H. Der 2017er Denon hat aber im Vergleich zum 6300H Boden gut machen können. Der Onkyo bietet einen sehr klaren Klang, mit toller Auflösung und einer feinfühligen Integration der Top Firing-Module. Das gelingt aber auch dem 6400H sehr gut, der noch eine etwas bessere Integration von dts Neural:X als Audio-Upscaler gegen den Onkyo punkten kann.

Trumpf des Denon ist der hervorragende Auro-Matic-Upscaler, den der Onkyo nicht mitbringt. Aber der TX-RZ3100 schlägt zurück: Bei der Stereo-Wiedergabe ist er detailreicher und authentischer ausgelegt als der AVR-X6400H, der mit seiner voll ausgestatteten Videosektion gegen den 3100 punkten kann. Mit extrem umfangreicher Multiroom- und Streaming-Ausstattung sowie mit exzellenten D/A-Konvertern fällt aber auch der Widerstand des Onkyo massiv aus. 

Yamaha CX-A5100 MX-A5000 Gruppenbild2

Was passiert denn, wenn man einfach das Doppelte investiert und sich die Yamaha-Kombination aus dem AV-Prozessor CX-A5100 und der 11-Kanal-Endstufe MX-A5000, zusammen rund 5.300 EUR kostend, ins Haus holt? Man wird Herr über Leistung satt. Die MX-A5000 bringt analoge Endstufen mit, aber was für welche. Impulstreu, dynamisch, spritzig, und trotzdem angenehm. Die Vorstufe CX-A5100 mit Cinema DSP HD3 Prozessor bietet eine extrem große Anzahl an Möglichkeiten, mittels fein justierbarer DSP-Programme für Kino, TV-Ton und Musik die Akustik anzupassen.

Klar, das können auch die kleineren Yamaha Aventage AVRs sehr gut. Aber in Verbindung mit der sehr hochwertig aufgebauten Vor-/Endstufen-Kombination bekommt alles seinen letzten akustischen Schliff. Für die meisten Heimkino- und Mehrkanal-Fans wird schon der Denon AVR-X6400H ein Traumgerät sein, aber wer noch mehr will -und weder Lust noch Ressourcen hat, sich Highend-Vor-/Endstufen-Kombination kleinerer Hersteller für 10.000 EUR und mehr zu kaufen, findet in der Yamaha-Kombi, die auch eine hervorragende Videosektion mitbringt, den idealen Partner. Klar muss aber sein, dass auch Geld für ein entsprechend hochwertiges Mehrkanal-Lautsprecher-Set vorhanden sein sollte. 

Fazit

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Der Denon AVR-X6400H präsentiert sich im Test als Meister des Feinschliffs. Obwohl nur im Detail optimiert wurde, erscheint das 2017er Modell akustisch kultivierter, gleichzeitig dynamischer. Die gesamte Auslegung ist homogener. Die Pegelfestigkeit wurde optimiert, die Räumlichkeit wirkt in alle Betriebsarten atmosphärisch dichter. Die Videosektion zeigt sich in Bestform und beeindruckt mit solidem Bildstand, geringem Scalingrauschen und nochmals verbesserter Detailtreue in dunklen Filmsequenzen. Die Verarbeitung ist innen und außen gut, setzt aber keine neuen Maßstäbe – hier scheint der Vorgänger durch, man kann beide 11-Kanal-Receiver weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick voneinander unterscheiden. Da muss man schon auf den Schriftzug vorn rechts unten auf der Frontblende schauen. Die Ausstattung, schon beim AVR-X6300H sehr umfangreich, wurde noch um Auro-3D erweitert. Waren früher 150 EUR Aufpreis fällig, gibt es das dritte objektbasierte Audioformat mit dem hervorragenden Auro-Matic Audio-Upscaler nun gratis dazu.

Also ein voller Erfolg? Größtenteils auf jeden Fall, problematisch ist aber der Preisverfall beim Vorgänger AVR-X6300H. Nur noch rund 1.650 EUR werden hier, so die aktuellen Internet-Marktpreise von Ende Oktober 2017, aufgerufen. Und, Hand aufs Herz: Der 6300H ist nach wie vor ein überragender AV-Receiver, und wenn man mehr als 800 EUR sparen kann im Vergleich zum 6400H, der aktuell höchstens mal 50 EUR unter der unverbindlichen Preisempfehlung von 2.499 EUR zu haben ist, gerät man durchaus ins Grübeln.. Auf der anderen Seite setzt Konzernschwester Marantz oben zum Überholen kann. Mit dem SR8102, dem ersten 11-Kanal-Receiver von Marantz, steht für 2.999 EUR ein Modell mit sehr edlem inneren Aufbau bereit, noch mehr zu bieten. Unser Fazit ist trotz diese Einwände sehr positiv: Mit sehr gelungenem Feinschliff und enormer Performance ist der AVR-X6400H ohne Zweifel einer der derzeit besten Mehrkanal-Receiver auf dem deutschen Markt. 

Viel Feinschliff im Detail und eine nochmals verbesserte Ausstattung bringen den AVR-X6400H an die Spitze der AV-Receiver in der Oberklasse
preisklassenreferenz
AV-Receiver bis 3.000 EUR
Test 03. November 2017

 

 

Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 03. November 2017




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