XXL-PREVIEW: Marantz AV-Netzwerk-Receiver SR7013 - Neun Endstufen, 11.2-Kanal-Vorstufe

Der 9.2-Kanal AV-Receiver Marantz SR7013 mit Apple AirPlay 2, IMAX Enhanced-Zertifizierung (per Update) und Heos-Modul, der auf Marktpreise von 1.599 EUR kommt und wahlweise in silbergoldener oder schwarzer Variante lieferbar ist, muss sich nun in der Redaktion bewähren. Bedingt durch die 11.2 Vorverstärkersektion, kann der SR7013, nimmt man eine zusätzliche Zweikanal-Endstufe zur Hand, auch ein noch größeres LS-Setup versorgen. 

Charakteristisch ist das "Bullauge"

Quellwahl

Lautstärke-Drehregler

Bedienelemente und Display hinter einer Klappe

Der SR7013 kommt in typischer Marantz-Optik zum Kunden. Was nach wie vor stört: Nur der mittlere Teil der Frontblende ist aus Aluminium, die Seitenteile bestehen aus Kunststoff. Die Spaltmaße fallen gleichmäßig und relativ gering aus. Die Front wirkt sehr aufgeräumt, links und rechts befinden sich zwei Drehregler für Quellwahl und Lautstärke. Weitere Bedienungselemente haben die Japaner unter einer gut, aber nicht überdurchschnittlich hochwertig verarbeiteten Klappe untergebracht. Dort gibt es auch ein großes, zweizeiliges Punktmatrix-Display, zusätzlich zum bekannten "Bullauge" zwischen den beiden Drehreglern. Unter dem SR7013 befinden sich große, solide Gerätestandfüße. Hier die Leistungsdaten:

  • Ausgangsleistung (8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,05 % Klirrfaktor, 2 Kanäle: 125 W
  • Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr, 2 Kanäle: 165 W
  • Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 kHz, 1 % Klirr, 1 Kanal): 200 W

Gesamtübersicht innen

Innen zeigt sich der Mehrkanal-Receiver als sauber aufgebaut.  Das optisch und technisch hinlänglich bekannte Audyssey-Einmessmikrofon und eine aus qualitativer Sicht ordentliche, aber nicht sensationelle Tastenfernbedienung liefert Marantz mit. 

Für hohe Klangqualität und enorme Leistungsstärke setzt Marantz beim SR7013 auf die Current Feedback- und HDAM-Technologie. Für jeden Kanal finden sich separate DACs, was auf einen reinen, präzisen Klang hoffen lässt.

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Akustisch herrscht kein Mangel an 3D-Sound-Decodern. Alle drei 3D-Soundformate sind ab Werk vorhanden, also Auro 3D, Dolby Atmos und DTS:X mit DTS Virtual:X. Hinzu kommt die bereits weiter oben angesprochene IMAX Enhanced-Zertifizierung (über kostenloses Firmware-Update; voraussichtlich im Verlauf des Januar 2019). Der SR7013 setzt, wie bei Marantz & Denon schon traditionell, auf ein Lautsprecher-Einmesssystem nebst Room EQ aus dem Hause Audyssey. MultEQ XT32, Dynamic Volume und Dynamic EQ sind vorhanden, und das Audyssey-System ist, wie wir es bereits kennen,  kompatibel zur optionalen Audyssey MultEQ Editor-App, die man sich in den jeweiligen App Stores kaufen kann.

Musikstreaming haben wir bereits angesprochen, was ist konkret möglich? Natürlich werden übliche Hi-Res-Audio-Formate wie Flac wiedergegeben. Auch DSD wird unterstützt bis 5,6 MHz (kein DSD 11,2 MHz/Quad-DSP), bei Heos kommen Musikdienste wie  Deezer, Spotify Connect, Amazon Music, Tidal und auch eine Internetradio-Plattform dazu. WLAN ist integriert mit 2,4 GHz/5 GHz, die Dual Band-Unterstützung steht für verbesserte Netzwerkstabilität, insbesondere bei hoher WLAN-Dichte.

Zu erwähnen ist des weiteren die Amazon Alexa-Sprachsteuerung (Amazon Echo-Gerät erforderlich) über den Heos Home Entertainment Skill.  Hinzu kommen die Apple AirPlay 2-Audiostreaming-Funktion inklusive Siri-Sprachsteuerung.

Rückseite komplett

Wie gewohnt bei Marantz und Denon lässt die Anschlussbestückung kaum Wünsche offen. Es finden sich insgesamt acht HDMI-Eingänge mit voller HDCP 2.2 Unterstützung, sieben davon hinten und einer vorn. 4K/60 Hz Full-Rate-Passthrough, 4:4:4 Farbauflösung, HDR, BT.2020, Dolby Vision und Hybrid Log Gamma (HLG) sind 2018 nicht neu, das gab es bereits früher. Der Vollständigkeit halber zählen wir es trotzdem auf. Hinzu kommen drei HDMI-Ausgänge. Auf der Frontseite findet sich ein USB-Audioeingang, und Bluetooth fehlt natürlich auch nicht. Die Anschlussbestückung umfasst zudem auch einen Moving-Magnet- (MM) Phonoeingang. 

Auch die Video-Merkmale sind typisch für Marantz- und Denon-AVRs: Eine Analog zu HDMI-Konvertierung und ein Upscaling herkömmlicher SD/HD-Videoquellen auf 4K mit voller Bildrate. 

Fernbedienung

Unterer Bereich 

Oberer Bereich

Steuern kann man den SR7013 mittels der mitgelieferten, übersichtlichen Fernbedienung oder über die Marantz Remote App, fürs Heos-Modul und dessen Funktionen steht selbstverständlich die Heos-App bereit, die Hand in Hand mit der Remote App für die AV-Receiver-Funktionen arbeitet. 

Der SR7013 kann auch aus der Ferne über eine webbasierte Benutzeroberfläche gesteuert werden. Zu den weiteren benutzerdefinierten Installationsmöglichkeiten zählen Smart Remote Management, Domotz- und Ihiji-Unterstützung. HDMI Diagnostics analysiert und optimiert die Synchronisation zwischen der Quelle und dem Receiver.

Wie schon hinlänglich bekannt, findet sich ein Assistent, der mit Grafiken und Hilfe-Texten bei der Erstinstallation unterstützt. Dies hat bei uns wieder problemlos funktioniert, die Audyssey-Einmessung und die Netzwerk-Einbindung sind ebenfalls in den Einrichtungsassistenten integriert. 

Hier haben wir einige Screenshots vorbereitet:

Sprachwahl

Lautsprecher-Einstellungen

Vorhandene Lautsprecher in der Übersicht

Anschluss des Mess-Mikrofons

Einrichtung des Netzwerks, wahlweise drahtlos oder kabelgebunden

Der Marantz SR7103 präsentiert sich als optisch unverwechselbar-elegant und als opulent ausgestattet. Nun werden wir überprüfen, wie er sich aus akustischer Sicht schlägt. 

Klang a-ha, The Final Concert, DTS-HD Master Audio, plus DTS Neural:X/Auromatic

Wir hören in DTS-HD plus DTS Neural-X für die Mit-Einbeziehung der Top Firing-Module, die wir in den ersten Testreihen vorn auf den Standboxen aufgestellt haben. "The Sun Always Shines On TV" von a-ha (Blu-ray "a-ha - The Final Concert") startet, und gleich fällt akustisch auf, dass der SR7103 runder, angenehmer klingt als seine Vorgänger. Gleichzeitig wird der aktive Subwoofer, der bei uns nur selten zum Einsatz kommt (vorn Canton Reference 5 K auf "groß" eingestellt) präzise angesteuert, die Bassanteile, die von den Reference 5 K übernommen werden, klingen ebenfalls sehr präzise und sind wohl dosiert. Das ist gerade bei dieser Blu-ray nicht immer gegeben, öfters nehmen wir einen dünnen, wenig aussagekräftigen Bassbereich wahr.

DTS Neural:X arbeitet sehr gelungen und bindet die Top Firing-Module nahtlos ein. Nun wählen wir als 3D-Audio-Ergänzung Auromatic - und noch rundere, sehr feinfühlige Übergänge und eine geschlossene, glaubwürdige Überkopf-Audioebene belegen, dass Auromatic definitiv eine Bereicherung ist, allein schon dafür lohnt die gesamte Auro 3D-Elektronik an Bord. Was kann der SR7013 ansonsten? Er arbeitet Stimmen ausgezeichnet ein, in Verbindung mit einem hochwertigen Center lösen sie sich überzeugend von der Box und verteilen sich sehr gut im Raum. Das zeigt sich beim beim zweiten a-ha-Titel, "We're Looking For The Whales". Schon die Beifalls-Bekundungen der Konzertbesucher bring der Marantz enorm räumlich zur Geltung, dann geht der Song los.

Der kräftige und zugleich exakte Bassbereich schmückt den 9.2-Kanal-Receiver ebenso wie die wiederum hervorragende Stimmwiedergabe. Die Trennung der Stimme von Morten Harket von den Instrumenten gelingt ausgezeichnet. Was aber den SR7013 zu einem besonders überzeugenden Angebot werden lässt, ist zweifelsohne der harmonische, homogene Klang. Marantz hat hier einige Änderungen an der Abstimmung vorgenommen, das zuvor herausgehörte, zwar enorm Dynamische, aber bei hohem Pegel auf Dauer Anstregende, ist praktisch zur Gänze verschwunden. Nach wie vor gibt sich der SR7013 dynamisch, verbindet dies aber geschickt mit einem auch für lange Hörsessions absolut geeigneten, angenehmen Klang.

Klang Mission Impossible, Rogue Nation, Dolby Atmos (Blu-ray)

Nun starten wir durch mit "Mission Impossible - Rogue Nation" in Dolby Atmos und hören uns hier das Wien-Kapitel an, welches mit der nächtlichen Skyline der österreichischen Hauptstadt startet. Eine kurze Kamerafahrt, verbunden mit mächtiger, klassischer Musik: Akustisch meistert der SR7013 diese Sequenz mit Bravour. Wucht und Räumlichkeit sowie eine sehr gute Auflösung kann er als Pluspunkte in die Waagschale werfen. Dann befinden wir uns in einer U-Bahn-Station gegenüber der Wiener Oper. Hier gibt der SR7103 den herausfahrenden Zug hervorragend wieder, ebenfalls den Spannung erzeugenden Music Score. Der Dialog zwischen Ethan und Benjamin kommt klar heraus, ohne dass die Umgebungsgeräusche nicht mehr zu hören wären.

Die Bedrohlichkeit, die vom Music Score bewusst ausgeht, um immer weiter Spannung aufzubauen, wird vom Marantz praktisch ohne Filter in den Hörraum übertragen. Der SR7103 schafft mühelos auch deutlich gehobene Pegel, und die Leistung der eingebauten ELKOs reicht offensichtlich aus, um auch bei enormer Grundlautstärke noch plötzlich auftauchende Dynamikspitzen sauber zu übertragen. Das Blitzlichtgewitter vor der Oper, als der österreichische Bundeskanzler ankommt, wirkt sehr realistisch, auch das Gemurmel der Menge.

Nun geht es im legendären Opernhaus weiter. Die Kontrolle der Musiker mit ihren Instrumenten gelingt, obwohl es hier nur sehr kleine Effekte gibt, sehr überzeugend, da der SR7013 gerade auch bei der Einarbeitung kleiner akustischer Einzelheiten optimiert wurde. Das Auflösungsvermögen ist über den gesamten Frequenzbereich hervorragend. Hier ist wirklich erstaunlich, was möglich ist. Auch die Dreidimensionalität der Klangkulisse beeindruckt, die Einbindung der Top Firing Module sorgt für eine weite, dichte, praktisch überall vorhandene Klangkulisse. Die Klänge der Puccini-Oper "Turandot" meistert der 7013 exzellent. Zwar wird er bei den Gesangseinlagen, abweichend seiner ansonsten nach wie vor harmonischen Auslegungen, etwas schärfer, bleibt aber noch auf der "sicheren Seite". Die Streicher modelliert er mit guter Brillanz und homogener Gesamtcharakteristik heraus.

Die Schlägerei zwischen Ethan und dem Killer hoch oben über der Bühne beweist ein weiteres Mal, dass der SR7013 impulstreu und kraftvoll zupacken kann. Seine analogen Endstufen setzen mächtig Energie frei, der AV-Receiver erwärmt sich zudem auch kräftig. Lässt man ihm nach oben genug Platz, ist diese Erwärmung aber nicht weiter gravierend. Nur eng in ein Rack "einpferchen" sollte man den SR7013 nicht.

Videosektion

Der SR7103 verfügt über eine vollwertige Video-Sektion. Was kann er bei Upscaling auf 4K und Einsatz des Bildmodus "ISF Day"?  Wir betrachten die Wien-Sequenz aus "Mission Impossible" diesmal aus visueller Perspektive. Direkt zu Beginn gibt der SR7103 die kurze Kamerafahrt ohne Ruckeln wieder - das läuft deutlich besser als bei älteren Marantz-/Denon AVR-Generationen, als immer leiches Ruckeln störte.

Minimales Upscaling-Rauschen ist vorhanden, aber nicht in gravierender Form. Die Schärfe und die Detaillierung sind tadellos, das sieht man z.B. bei den Bodenfliesen in der U-Bahn-Station, als Benji seine Spezialbrille testet. Schriften (wie der Hinweis zum U-Bahn-Zug) erscheinen ab und zu etwas unscharf. Das mitten auf dem Screen erscheinende Smartphone-Display von Benji gibt der SR7103 scharf sowie klar wieder. Auch der Smoking nebst Hemd und Fliege des österreichischen Bundeskanzlers arbeitet der Marantz gut heraus. Die Regentropfen auf dem Dach seines Maybach sind zudem aus der Vogelperspektive prima zu erkennen, auch hier leistet die Videosektion des SR7103 tadellose Arbeit.

Selbst aus der Distanz arbeitet der AV-Receiver die Holzoberfläche der Violine gut sichtbar heraus - alle Achtung, das ist wirklich eine überraschende Performance. Nichts wirkt verschwommen, das Instrument erscheint bis ins Detail als scharf durchzeichnet. Der Bildmodus "ISF Day" eignet sich gut, wenn etwas Restlicht vorhanden ist. Der "Day" sollte aber nicht zu "sunny" sein, bei normalem Lichteinfall jedoch reicht die Helligkeit.

Der Boden der Opernbühne wird sehr gut präsentiert, die räumliche Wirkung überzeugt aus visueller Sicht ohne Zweifel. Wenn es komplett dunkel ist, empfiehlt sich "ISF Night", da dann weniger Rauschen im Bild ist und das Ganze nochmals augenfreundlicher ausfällt.

Erstes Fazit

Der Marantz SR7013 ist ein konsequent weiterentwickelter Mehrkanal-Receiver, der mit praktisch lückenloser Ausstattung ebenso  überzeugt wie mit hohem praktischen Nutzen. Dank des bewährten Einrichtungsassistenten ist er flott betriebsbereit, das Audyssey-Eimesssystem arbeitet zuverlässig. Allerdings muss man, z.B. was die grundsätzlich deutlich zu niedrig gewählten Pegel der angeschlossenen Lautsprecher angeht, manuell nachbessern. Klanglich begeistert uns der SR7103 mit einer tollen Mischung aus Homogenität, Auflösungsvermögen und Dynamik. Die sehr gute, vollwertige Videosektion ist ein weiterer großer Vorzug des Marantz AV-Receivers.

Preview: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22. Januar 2019

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