Tivoli Audio Music System+ und System Two+ – Kompakte „All-in-One“-Systeme mit ansprechender Akustik?

Tivoli Music System Plus Front Seitlich

Tivoli Music System Two Plus Front Seitlich2

In den vergangenen Monaten hatten wir bereits mehrere Tivoli Audio Geräte unter die Lupe genommen, bspw. das Model One BT oder das Albergo+. Kürzlich sind bei uns in der Redaktion das Music System+ und das Music System Two+, zwei „All-In-One High-Fidelity-Systeme“ aus der höheren Preisklasse des Tivoli-Angebots, eingetroffen, welche wir hier im Doppeltest untersuchen wollen. Beide Varianten bieten neben klassischen Funktionen wie Bedienung per AUX-Anschluss oder UKW-Radioempfang im Rahmen der „digitalen Revolution“ auch Bluetooth-Funktionalität und das digitale Radioformat DAB+, sollen aber mit dem beleuchteten Display und unkompliziert gehaltenen Knöpfen einfach zu bedienen sein. Den Unterschied zwischen den beiden macht der integrierte CD-Player im System+ aus, aufgrunddessen das System+ einen stolzen Preis von 899 EUR aufweist, das System Two+ ist dagegen für 699 EUR UVP zu erhalten. Wie elegant die Optik und Verarbeitung tatsächlich ist und ob die Systeme ihre Funktionen sowie ihre Klangdarbietung beherrschen, wollen wir im Test herausfinden.

Tivoli Music System Plus Front Seitlich

Die silberne Front des System+ mit Stereolautsprechern

Tivoli Music System Plus Disc Einschub

Der CD-Slot über dem Display

Tivoli Music System Plus Tieftoener

Tieftöner an der Unterseite

Wir packen also das System+ aus und uns fällt gleich das elegante Aussehen positiv auf. In unserem Fall ist die Oberfläche des Geräts in ansprechend glänzendem weiß gehalten, welches sich vor allem als stilvoll in unserer Redaktion beweist. Die silberne Vorderseite ist sauber ins Design eingepasst und so ergeben Piano White und Silber für die Front eine ausgezeichnete Kombination. Daneben gibt es das System+ noch in Walnut/Beige, Black Ash/Silver und Cherry/Metallic Taupe. Die mattsilberne Front ist etwas nach innen versetzt, was dem nahtlosen Übergang aber keinen Abbruch tut, außerdem sind die Kanten ganz leicht abgerundet, wodurch ein eleganter Look entsteht. Unten befinden sich neben dem mittigen Subwoofer zwei längliche Standfüße, die mit je zwei Gumminoppen versehen sind, um Rutschen zu verhindern, was ebenfalls hervorragend gelingt.

Tivoli Music System Plus Rueckseite Seitlich2

Rückseite des System+

Tivoli Music System Plus Anschluesse Rueckseite

Anschlüsse hinten mit Bassregler und Antenne

An der Rückseite finden wir die externe DAB/FM-Antenne, einen Schalter, um zwischen der internen und der externen Antenne zu wechseln, einen Rec-Out-Anschluss für Aufnahmegeräte, einen Mix In und Aux In für Abspielgeräte wie MP3-Player u.Ä. via 3,5mm Klinkenstecker und einen Drehregler für den Bass, welcher sich nicht zu leichtgängig, aber präzise, drehen lässt. Außerdem sehen wir links und rechts hinten je eine Bassreflexöffnung.

Tivoli Music System Plus Display Bedienelemente

Bedienelemente vorne

Tivoli Music System Plus Bedienelement Oberseite

Der große Mute-Knopf an der Oberseite

Vorne sehen wir zunächst im linken unteren Eck einen Kopfhöreranschluss sowie links und rechts, die von einem separaten Verstärker betriebenen, 3-Zoll-Stereolautsprecher mit sauber eingepasstem Gitter und mittig das Display, dessen Helligkeit sich, mittels eines Sensors gemessen, an der Raumhelligkeit anpasst, was stets für eine klare Informationsdarstellung am Display sorgt. Darüber befindet sich der CD-Slot, in den sich die CD ohne Probleme einschieben lässt. Damit können gewöhnliche Audio-CDs, aber auch MP3 und WMA-Dateien wiedergegeben werden. Unter dem Display sind die Bedienelemente zum Steuern der Wiedergabe angebracht, also die Source-Taste, Vor-/Zurückspulen, Play, Stop, Power und die Zahlentasten, die mit Radiosendern belegt werden können. Außerdem die Audio-Taste zum Aktivieren von drei Equalizern, darunter dem Audio Wide SP Mode, der für besondere Räumlichkeit sorgen soll. Alle diese haben einen leichten und angenehmen Druckpunkt, einige der Tasten klicken allerdings etwas lauter als andere, was zwar nicht zwingend störend ist, an der Stelle aber genannt werden sollte. Der Drehregler in der Mitte zum Einstellen der Lautstärke bzw. bei einmaligen Druck zum Steuern der Höhen lässt sich ebenfalls präzise bedienen und läuft rund, wirkt aber beim Drehen selbst etwas instabil und wackelt ganz leicht.

An der Oberseite leicht zu erkennen ist der große Mute/Snooze-Knopf, der damit leicht zu erreichen und sofort erkennbar ist. Das System+ wiegt im Übrigen 6kg und hat laut Herstellerseite Abmessungen von 13,34 x 35,88 x 24,13 cm, außerdem sind im Lieferumfang zwei AA-Batterien enthalten.

Tivoli Music System Plus Fernbedienung

Die Fernbedienung des System+

Einen eher weniger edlen Eindruck macht aus unserer Sicht die Fernbedienung, die sehr flach und leicht ist und sich farblich in etwas tristem grau zeigt. Sie bietet dafür eine ausreichende Reihe an Drucktasten, welche sich auch ordentlich bedienen lassen. Die Fernbedienung ist also bezüglich ihrer Verarbeitung nicht auf dem Niveau des eigentlichen System+, erfüllt aber ihren Zweck.

Tivoli Music System Two Plus Front Seitlich

Die Front des System Two+ in Beige

Tivoli Music System Two Plus Bedienelemente Display

Bedienelemente vorne

Tivoli Music System Two Plus Bedienelement Oberseite

Wiederum der Mute-Knopf an der Oberseite

Tivoli Music System Two Rueckseite Seitlich

Rückseite

Tivoli Music System Two Plus Anschluesse Batteriefach

Anschlüsse hinten sind identisch zum System+

Tivoli Music System Two Plus Tieftoener

Subwoofer an der Unterseite

Tivoli Music System Two Plus Fernbedienung

Fernbedienung des System Two+ identisch zu der des System+

Nun wenden wir uns dem etwas günstigeren Modell der beiden Testobjekte zu, dem System Two+. Hier können wir vergleichsweise kurzen Prozess machen, da sich die Anschlüsse vorne und hinten nahezu zu 100% decken. Der einzige Unterschied besteht darin, dass dem Two+ logischerweise die Tasten zur Bedienung des CD-Players fehlen, da dieser wie bereits gesagt nicht vorhanden ist. Ansonsten können wir vom Rest, wie schon beim System+, nahezu nur Positives berichten. In diesem Fall wurde uns die Walnut/Beige Farbvariante zugeschickt (Alternativen sind identisch zum System+), welche mit Echtholzgehäuse auffährt und so eine sehr stilvolle Figur in der Redaktion macht. In diesem Fall sind die Kanten allerdings nicht mehr abgerundet, um den klassischen Look des Holzgehäuses zu wahren. Dennoch ist der Übergang an den Kanten sehr solide verarbeitet worden. Die Tasten und der Drehregler an der Vorderseite lassen sich wieder sehr einfach bedienen und klicken sogar etwas leiser als beim großen Bruder. Einzig der Mute-Button oben wirkt etwas instabil und wackelt, wobei er links einen leichteren Druckpunkt hat als rechts. Möglicherweise ist das aber exemplarspezifisch, beim System+ war dies schließlich nicht der Fall.

Die Bluetooth-Verbindung ist bei beiden Produkten schnell und einfach erledigt. An den Tivoli Systems wird die Bluetooth-Funktion ganz einfach aktiviert, indem man die Source-Taste drückt, bis „Bluetooth“ am Display erscheint (beim System Two+ gibt es sogar einen dedizierten Knopf für Bluetooth dafür) und sucht mit dem Smartphone nach verfügbaren Bluetooth-Geräten in der Umgebung und wählt anschließend „Tivoli Bluetooth“ aus. Bei manchen Geräten kann es laut Anweisung vorkommen, dass nach einem Passwort gefragt wird (0000), was bei uns allerdings nicht der Fall war. Nun kann man seine Musik, sei es via Spotify oder direkt vom Handy, problemlos am gewählten System abspielen. Die „Tivoli Remote“-App ist bei unseren beiden Kandidaten leider nicht verfügbar, sodass wir das Smartphone nicht als Fernbedienung verwenden können.

Insgesamt können wir bei beiden Geräten von einer exzellenten Verarbeitung sprechen. Tolles Design im klassischen Stil mit verschiedenen Optionen und Varianten, auch die Anschlussausstattung kann sich sehen lassen.

Klang

Wir spielen zunächst dem System+ die Musik via Bluetooth zu. Dabei halten wir fest, dass bei Lautstärken über 20 ein Grundrauschen wahrzunehmen ist. Im Betrieb stört dieses nicht mehr, es sei aber dennoch erwähnt. Starten wir also durch mit dem Klangtest des System+ und so stellen wir gleich fest, dass sich die separaten Verstärker für die Lautsprecher und den Subwoofer lohnen. Gleich zu Beginn von Ferry Corstens „F# the Bullsh1t“gefällt uns die doch recht voluminöse Wiedergabe, mit der wir, um ehrlich zu sein, nicht gerechnet hätten. Der Tieftöner spielt von Anfang an richtig mit, weiß aber, die vielen verschiedenen Synthesizerklänge in diesem Stück nicht in den Hintergrund zu spielen. Hier sind wir mit der dynamischen Leistung sehr zufrieden. Sollte man zu viel Power wollen, kann es bei heftigem Bass allerdings durchaus zum Durchschlag kommen, was uns aber hinsichtlich dieses Tracks nicht wundert. Dennoch sind wir von der differenzierten und gleichzeitig kräftig-voluminösen Darstellung des Synthesizers sehr positiv gestimmt, so macht das System+ gleich von Anfang an richtig Laune.

Ähnliches stellen wir bei Andy Moors „Fight The Fire“ fest. Wiederum kräftiger Bass, der aber eine recht atmosphärische Inszenierung der übrigen Klangelemente zulässt (der SP Wide Mode Equalizer greift hier), bei dem auch bei höheren Lautstärken die Höhen nicht spitz oder unangenehm klingen. Man sollte sich aber gerade bei Trance, House etc. hin und wieder am Bassregler betätigen. Bei „Fight The Fire“ beispielsweise kam Sue McLarens Gesang teilweise nur leise zur Geltung und wurde nicht mehr vollends herausdifferenziert. An der Stelle aber eine solide Perfomance des System+ bislang mit ordentlichem Bass und nicht zu verachtendem Klangvolumen.

Bei Jamie Christophersons Soundtrack „It Has To Be This Way“ zum Spiel Metal Gear Rising fällt uns erneut auf, dass das Klangbild insgesamt dynamisch präsentiert wird. Die vielen und vor allem schnellen Instrumente bringen das System+ aber hin und wieder in Bedrängnis, weil wir doch feststellen müssen, dass es beispielsweise beim Schlagzeug so wirkt, als käme es nicht so ganz mit. So verschwinden etwa die Hi-Hats hinter dem schnellen Kick des restlichen Schlagzeugs, zumal dies in Kombination mit der E-Gitarre und dem Gesang gewiss kein Kinderspiel ist. Auch fällt uns auf, dass der Gesang, wie gerade bei „Fight The Fire“, sich nur verhältnismäßig leise zeigt und gelegentlich schwerer zu hören ist. Bei schnellen Stücken mit zu vielen Elementen können also hintergründig einige Klänge verloren gehen, was auch relativ deutlich wahrnehmbar ist, insgesamt finden wir aber, gerade weil das Intro, bevor der Gesang einsetzt, doch eindrucksvoll inszeniert ist, eine ordentliche Leistung.

Bei Nightwishs „Planet Hell“ klingt das Ganze wieder klarer und differenzierter. Die Vokal- und Instrumentaldifferenzierung ist zwar immer noch nicht perfekt, jedoch kommt Tarja Turunens Gesang schon deutlicher zur Geltung und das Gesamtklangbild ertönt, wenn auch hin und wieder holprig an anspruchsvollen Stellen – z.B. sind im Solo einige Instrumente im Hintergrund nicht so klar zuzuordnen – in sich stimmiger und vor allem ist wieder das kräftige Intro lobend zu erwähnen.

Am Anfang von Marlon Roudettes „When The Beat Drops Out“ zeigt das System+ einmal mehr, dass es sehr wohl imstande ist, Instrumente schön und wohlklingend in Szene zu setzen und diesmal funktioniert es auch mit dem Gesang. Marlons besondere Stimme klingt sehr sanft und angenehm und verschwindet diesmal auch keineswegs, im Gegenteil, sie ist hervorragend klar wahrzunehmen. Dabei vergisst das System+ auch nicht den Kickbass und kann gegen Ende, wo auch das Xylophon dazukommt, ein harmonisches und stimmiges Klangbild aufweisen.

Mit solch einem Radiohit fällt uns übrigens ein: Das System+ ist immer noch ein Radio. Und hier können wir Positives berichten. Nach Ausfahren der Antenne ist die Frequenzfindung kein Problem und die Klangqualität ist hervorragend, Stimmen in den Nachrichten sind problemlos zu verstehen und auch bei Musik stellen wir keinerlei Probleme fest.

Nun also der „kleine Bruder“, das System Two+. Wir stellen gleich zu Beginn mit Deadmau5‘ „Arguru“ eine ähnliche Power fest. Der heftige Kickbass wird vom kleinen aber feinen Kompaktradio kräftig in Szene gesetzt, allerdings wie schon beim System+ gilt auch hier, dass bei zu heftigen Tiefen bzw. zu hohem Pegel ein Durchschlagen einsetzt. Bei gewöhnlicher Lautstärke gefällt uns das Klangbild aber ausgezeichnet und vor allem den Synthesizer zeigt das System Two+ gekonnt auf. Zur Not kann man immer noch mit dem Bassregler nachjustieren. Gleiches hören wir bei „Make It Bun Dem“ von Skrillex. Die einzelnen Klangelemente, Rapgesang, Bass, Synthesizer, das rhythmische Klatschen usw. werden gut kombiniert präsentiert und so entsteht wiederum ein äußerst lebendiger und dynamischer Klang. Man muss wie gesagt nur etwas auf den Tieftöner aufpassen, dem an besonders herausfordernden Stellen schlichtweg die Puste ausgehen kann. Für solch eine Radioanlage dennoch eine äußerst zufriedenstellende Leistung.

Beim Klassiker „Hotel California“ von den Eagles hören wir wieder die Stärke unserer beiden Kandidaten. Auch das System Two+ kann bei akustisch nicht zu komplexem Geschehen, also wenn nicht zu viele Instrumente zu schnell auf einmal dargestellt werden müssen, eine klasse Leistung darlegen. Wir sind regelrecht beeindruckt von der präzisen Darstellung des Schlagzeugs. Als dann im Solo die E-Gitarre dazukommt, lässt sich das System auch nicht lumpen und präsentiert dieses sehr prominent, ohne das Detail beim Bass oder Schlagzeug missen zu lassen. Wir müssen nur anmerken, dass das Klangvolumen des System Two+ nicht mehr ganz so stark ist wie beim System+, wo man sich noch direkter im Geschehen fühlte. Dennoch wird durch die Differenzierung der einzelnen Instrumente ein tolles Klangbild erzielt und das Volumen ist keineswegs schlecht, der große Bruder war in dieser Beziehung schlichtweg einen Tick stärker.

Testen wir noch eben die Orchester-Fähigkeiten mit Howard Shores Soundtrack zu Herr der Ringe und dem Stück „Breaking of the Fellowship“. Hier können wir die Anmerkungen aus dem vorigen Absatz bestätigen. Die Streicher klingen äußerst angenehm und werden an keiner Stelle spitz und auch bei höherer Lautstärke legt das System Two+ eine wohlklingende Performance ab, was besonders deutlich wird, wenn später die Flöten und der sehr emotionale Gesang dazukommt, die alle problemlos ins Geschehen eingebunden und direkt anmutend in Szene gesetzt werden.

Tivoli Music System Plus Front Seitlich

Elegant wäre wohl das passendste Prädikat für das Tivoli Audio System+. Tolles Design, welches klasse verarbeitet wurde und selbst im Hifi-Rack eine gute Figur macht und außerdem sehr einfach zu bedienen ist. Aber auch beim Klang kann man mit dem System+ absolut zufrieden sein. Auch wenn bei hochkomplexen Bandarrangements, bspw. bei schnellerem Metal, das Radio nicht immer mitkommt, fällt die Differenzierung von einzelnen Instrumenten überraschend detailliert aus und auch die Gesangsdarstellung überzeugt. Dadurch entsteht ein sehr harmonischer Sound, der durch ein gutes Klangvolumen noch erweitert wird. So stellt das System+ einen weiteren soliden Eintrag in die Tivoli Audio-Produktreihe dar, wenngleich 899 EUR etwas kostspielig sind.

Elegante Radioanlage mit einfacher Bedienung und harmonischem Sound
ueberragend
All-In-One-Musiksysteme

Tivoli Music System Two Plus Front Seitlich2

Ebenfalls sehr klangstark, wenn auch unserem subjektivem Empfinden nach nicht ganz so kräftig, beweist sich das System Two+. Auch hier stellen wir bei humanem Pegel ein Detail fest, das wir so nicht erwartet hätten. Gerade bei langsameren Stücken wird ein angenehmer und harmonischer Klang erzeugt, der nicht nur beim „Nebenbeihören“ für gute Stimmung sorgt. Wie gewohnt finden wir auch hier eine hervorragende Verarbeitung vor. Sofern man keinen CD-Player benötigt, ist das System Two+ für 200 EUR weniger also auch eine Alternative, die man nicht so schnell außer Acht lassen sollte.

Hervorragend verarbeitetes System mit solider Akustik und ansprechender Optik
ausgezeichnet
All-In-One-Musiksysteme

 

Test: Michael Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15.01.2015




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