TEST: ZTE Blade S6 – Neues Smartphone-Flaggschiff aus China für nur 250 EUR?

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Die chinesische Manufaktur  möchte mit dem neuen Smartphone-Flaggschiff beweisen, dass sie mehr können als nur preisaggressiv sein.

Schon gewusst? ZTE ist tatsächlich die Abkürzung für „Zhong Xing Telecommunication Equipment Company Limited“ und ein Unternehmen, das bereits 1985 in Shenzhen gegründet wurde. Erst seit 1996 expandiert die ZTE Corporation erfolgreich in ausländische Märkte. Zu den Kunden von ZTE zählen mittlerweile über 500 Netzbetreiber in mehr als 140 Ländern. Nach deutschen Maßstäben ist diese Firma somit noch ein stiller Gigant, was sich aber sukzessive ändern soll, denn in der weltweiten Top 5 bezüglich der Marktanteile hat sich ZTE bereits einen Platz erarbeitet.

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Seitliche Ansicht mit doppeltem nanoSIM-Slot

Selten türmte sich solch ein großes Fragezeichen über den Kopf des Testers auf, als er versuchte, das ZTE Blade S6 betriebsbereit zu machen. Grund: Weder der eine, noch der andere Slot akzeptiert ein gängiges SIM-Karten-Format. Des Rätsels Lösung:  Erstmals in der Historie bietet ein Smartphone einen doppelten nanoSIM-Karten-Slot, bei denen die Karten nicht längs, sondern quer eingelegt werden. Diese exotische Architektur ist aber sehr platzsparend und könnte daher bei Dual-SIM-Smartphones durchaus schule machen.

Bei einem Straßenpreis von ca. 250 Euro darf man keine edlen Materialen erwarten, wobei dieser Chinese aber auf den ersten Blick eine Rückseite aus gebürstetem Aluminium vorweist. Doch bereits die erste Berührung „entlarvt“ den kompletten Korpus als reines Plastikbomber, der allerdings durch eine robuste Vollverglasung der Frontseite nicht billig wirkt, zumal die Verarbeitungsqualität stimmt. Vorbildlich: Das Display steckt auch stärkeren Druck gut weg.

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Rückseite

Ansonsten weist das Design nur ein Merkmal auf: Es orientiert sich stark an das iPhone 6.
Geht man von den technischen Eckdaten aus, ist das 5 Zoll Display kein Spitzenvertreter, denn die HD-Auflösung von 720 x 1280 Pixel ist nach heutigen Maßstäben nur noch Mittelklasse. Die Macher kitzelten aus der LCD-Technologie aber beachtliche Ergebnisse im Bereich Kontrast, Farbsättigung, Weißdarstellung und Helligkeit. Die Ablesbarkeit ist dadurch auf jeden Fall gut bis sehr gut.

Der Chinese zeigt gleich, was er alles bietet, denn alle vorinstallierten Apps sind bereits auf den Startbildschirmen verteilt. Ungewöhnlich, aber warum auch nicht. Ansonsten bietet es aber das reine Standardprogramm, wenn mal von der cleveren Dual SIM Lösung für die beiden Nano-Karten abseht. Der Parallelbetrieb funktioniert übrigens sehr gut.
Für ein Smartphone dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist die Unterstützung des LTE-Kanals, wenngleich er nur CAT 4 unterstützt – und NFC ist auch nicht an Bord.

ZTE Blade S6 Foto

Foto mit Blade S6 aufgenommen

Auch eine Hauptkamera mit 13-Megapixel ist bei rund 250 Euro sicherlich kein Standard. Im Praxistext zeigt sich allerdings, dass der Knipser ein reiner Schönwetter-Spezialist ist. In dieser Disziplin schlägt sich die Kamera aber sehr gut, gerade in den Disziplinen Tiefenschärfe und Ausleuchtung bis zum Bildrand. Sobald aber Dunkelheit oder Kunstlicht ins Spiel kommt baut die Kamera rapide ab. Für Selfies steht dafür aber eine ordentliche 5-Megapixel-Kamera sowie ein FullHD-Camcorder für kreative Momente zur Verfügung – da kann man schwerlich meckern.

Auch nicht über den internen Speicherplatz, denn von den 16 GB beim Testgerät ab Werk stehen immerhin knapp 8 GB zur freien Verfügung – und obendrein ein microSD-Karten-Slot.

Für den vergleichsweise geringen Preis gibt es nicht nur relativ viel Ausstattung, sondern auch das topaktuelle Android 5.0.2. Darüber wurde das hauseigene User Interface gestülpt, das sich durch ein Plus an Farbigkeit und vielen Extras auszeichnet. So gibt es beispielsweise gleich eine ganze Riege an Gesten- und Bewegungs-Befehle, um beispielsweise die Kamera oder die Taschenlampe aus dem Standby-Modus zu aktiveren.

ZTE Blade S6 Menü

Benutzeroberfläche

Auffällig ist außerdem das zweifache unterteilte Pull-Down-Menü, um unter anderem schnell zu allen wichtigen Grundeinstellungen zu gelangen. Via Pull Up Menü gelangt man hingegen zu einem Theme Manager für eine personalisierte Farbpalette. Durchdacht: Verändert man via Wippe die Lautstärke kann man festlegen, welche Zielgruppe die Anpassung betreffen soll.
Alle diese Handhabungskniffe sind gut erklärt, allerdings nicht immer sinnvoll, da einige Motion-Befehle schnell ungewollte Anrufe auslösen können.

Einziger Kritikpunkt ist der kleine An/Aus-Schalter auf der rechten Seite, denn nur dieser Knopf weckt das Smartphone aus dem Tiefschlaf. Gerade dieser wichtige Punkt wurde von den Entwicklern komplett außer Acht gelassen.

Die vielleicht größte Überraschung für ein knapp günstiges 250-Euro-Smartphone ist sicherlich der OctaCore-Prozessor Qualcomm Snapdragon 615 mit 1,7 MHz und 2 GB Arbeitsspeicher. Nach etwas Vergleichbares in dieser Preisklasse muss man lange suchen. Und das Beste: Das Arbeitstempo ist wirklich entsprechend flott. Nur bei einigen HighEnd-Games gibt mal es gelegentlich ein leichtes Ruckeln. Die restlichen Messwerte sind hingegen klar unterdurchschnittlich. So liegt die Rufbereitschaft selbst bei gedrosselter Nutzungsintensität bei gerade einmal drei Tagen. Das ist Anno 2015 schlichtweg zu wenig!

Die Sprachqualität ist ebenfalls keine Offenbarung. Viel zu häufig klingt der Gesprächspartner in beide Senderichtungen nuschelig und unnatürlich. Das wirkt sich entsprechend nachteilig auf den Freisprecher aus, sodass man mitunter eine Fantasie entwickeln muss, um zu erraten, was der Gesprächspartner gerade sagte.

Immerhin ist der rückseitige Mono-Lautsprecher bei Musikwiedergabe kein Totalausfall, denn der Klang hat durchaus eine Leichtigkeit und ein dezentes Bassfundament. Bei höherer Lautstärke verwischt der Sound allerdings und es wird leicht hallend.

Fazit

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Ein Flaggschiff-Smartphone für rund 250 Euro?! Ein klareres Statement zu der Produktphilosophie von ZTE gibt es wohl nicht – preisaggressiv sein ist das A und O der Chinesen.  Ist es damit auch billig? Jein. Im Bereich Ausstattung, Performance und Handhabung kann das ZTE Blade S6 durchaus in der oberen Liga mitspielen, zumal es zu den cleversten Dual-SIM-Smartphones auf dem Markt gehört. In den anderen Disziplinen, wie Design, Messwerte oder Materialwahl merkt man hingegen, wo der Rotstift angesetzt wurde. Unter dem Strich haben die Fernöstler aber für den schmalen Euro ein vernünftiges Smartphone gebaut, das aber keine Begeisterungsstürme auslöst. Durch den doppelten SIM-Karten-Slot wird das ZTE Blade S6 aller Voraussicht aber nur im freien Handel erhältlich sein. Angesichts des geringen Preises ist das aber kein Beinbruch.

Einige pfiffigen Ideen, aber von den Messwerten eher schwach aufgestellt
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01.06.2015

+ Zwei nanoSIM-Karten Parallelbetrieb
+ Gute Performance
+ Android 5.02 mit innovativer UI

– Mäßige Akkuleistung
– Geringer interner Speicherplatz
– Nur HD-Displayauflösung

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 01.06.2015




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