TEST: Yamaha TV-Soundstage SRT-1000: Der erste aktive TV-Lautsprecher der DSP-Experten

Yamaha SRT-1000 Front Seitlich3

 

Keine Sorge, der AREA DVD-Testmarathon mit aktiven TV-Lautsprechern ist nach diesem Test für die nächste Zeit beendet – aber Yamahas erstes Device dieser derzeit erfolgreichen Gerätegattung erschien uns so interessant, dass wir noch einen Bericht „drauflegen“ mussten. Bei der Preisklasse zielt das „TV-Soundstage SRT-1000“ genannte Produkt voll auf die Konkurrenz: 499 EUR werden aufgerufen, damit sind Magnat, Canton, Nubert und Teufel, die ihre Produkten in der Preisklasse von 500 bis 600 EUR anbieten, voll im Fokus. Natürlich gibt es auch „Emporkömmlinge“ aus günstigeren Preisligen, so von Sony oder Panasonic, die sich um die 350 EUR bewegen. Harte Konkurrenz also, und da muss sich Yamaha schon einiges einfallen lassen, um hier bestehen zu können.

Bestätigt sich bereits bei der Anschlussbestückung, dass Yamaha besonders viel bietet? Nicht unbedingt – hier die Auflistung: 

Yamaha SRT-1000 Anschluesse Rueckseite

 Anschlussbestückung

Es finden sich ein Bluetooth-Modul (Version 2.1 plus EDR), ein analoger 2-Kanal-Stereo-Cinchanschluss, zwei optische Digitaleingänge, ein koaxialer Digitaleingang und ein Pre-Out für den Anschluss eines externen aktiven Subwoofers. HDMI fehlt gänzlich, und als USB-DAC kann man die SRT-1000 auch nicht verwenden. 

Yamaha SRT-1000 Bedienelemente Front

Bedienelemente direkt am Gerät 

In Bezug auf andere Punkte ist es allerdings zweifellos geschehen, dass Yamahas Beitrag sich von der Konkurrenz absetzt, und wir führen einige der Punkte auf, die das SRT-1000 Device besonders machen:

  • Steuerung mittels der HT Controller App von Yamaha. Voraussetzung für die Nutzung: SRT-1000 ist mittels Bluetooth mit dem Smartphone oder Tablet verbunden. Yamahas App ist keine Music Streaming-App, sondern wird tatsächlich für die Steuerung und Verwaltung der Gerätefunktionen verwendet. 
  • Verschiedene Yamaha-eigene DSPs für Movie, Music, Game, News und TV Program 
  • Digitale Sound Projector-Technologie mit Beam-Lautsprechern. Die SRT-1000 erzeugt echten Surroundklang und arbeitet nicht nur mit Algorithmen, die auf psychoakustischen Grundlagen basieren. Für die Umsetzung verwendet Yamaha sogenannte Beam-Lautsprecher, die ihre Schallwellen an die Raumwände lenken. Vorzug dieser Technik ist ein authentischeres Surround-Gefühl, weil es auf reale Weise erzeugt wird.
  • Mittels App oder auch mittels drei Positionstasten auf der mitgelieferten Fernbedienung kann die richtige Sound-Beam-Einstellung gefunden werden, je nach dem, wie man vor dem SRT-1000 sitzt. 
  • Yamaha verbaut auch einen Pre-Out zum direkten Anschluss eines aktiven Subwoofers. Wem die Basskraft nicht ausreicht, der kann gleich nachbessern. Canton offeriert dies übrigens beispielsweise auch. 
  • Uni-Volume gleicht Lautstärkeunterschiede, wie sie z.B. zwischen Film und dazwischen geschalteten Werbeblöcken auftreten können, aus. Auch dies ein Feature, das längst nicht jeder aktive TV-Lautsprecher aufweisen kann. 

Yamaha SRT-1000 Tieftoener

Subwoofer auf der Gehäuse-Unterseite 

Yamaha SRT-1000 Unterseite

Unterseite komplett

Yamaha SRT-1000 Rueckseite Seitlich2

Rückseite komplett 

Yamaha SRT-1000 Bassreflexrohr

 Bassreflexöffnung

Das extrem stabile und formschöne Gehäuse aus MDF baut relativ flach, die Oberseite ist im angesagten, eleganten Hairline-Finish gehalten. Die Seitenteile und die Frontblende sind aus hochglänzschwarzem Kunststoff, wobei bei der Front lediglich der Rahmen aus diesem Material besteht, der Rest ist eine schwarze Metallabdeckung für die darunter liegenden Chassis. 

Die TV-Soundstage tritt im 5.1 Kanal-Layout an und bringt 136 Watt Gesamtleistung mit, was in der Theorie im Vergleich zu manchen Konkurrenten nicht enorm viel ist. 8 x 2 Watt haben die 2,8 cm Beam-Lautsprecher, die für ein realistisches Reflexionsverhalten und ein daraus resultierendes authentisches Raumgefühl zuständig. Die 4 x 10 cm Mitteltöner bekommen 2 x 30 Watt angeliefert und ebenfalls 2 x 30 Watt gehen an die unterseitig montierten 8,5 cm Subwoofer.Im Standby-Betrieb verbraucht Yamahas SRT-1000 nur 0,2 Watt, wenn BT Standby de-aktiviert ist.

780 mm Breite, 77 mm Höhe und 370 mm Tiefe deuten an, dass sich auch größere Flachbildschirme oben auf Yamahas TV-Soundstage wohlfühlen. 8,8 kg wiegt SRT-1000. 

Nun kommen wir zur App, natürlich haben wir entsprechende Screenshots vorbereitet. Das Ansprechverhalten bei der Funktionsübermittelung ist tadellos, überdies ist die HT Controller App grafisch attraktiv gemacht, das beweisen uns Details wie die Leder simulierende Oberfläche der Buttons.

ht_controller_funktionen

App: Funktionsübersicht

ht_controller_eingang

Eingangswahl

ht_controller_dsp

DSP-Programme sowie Stereo-Betriebsart

ht_controller_sound

Einstellungen im Menüpunkt „Sound“

ht_controller_position

Drei grundlegende Soundstrahl-Einstellungen per FB abrufbar, per App kann man genauer justieren

ht_controller_position_1

Detail-Einstellungen

Die Detail-Positionseinstellungen sind zu kommentieren. Der Anwender kann das Viereck, welches den Hörraum darstellen soll, hinsichtlich Breite, Länge und im Wandabstand zum Zuhörer frei einstellen, und zwar einfach, indem er das Dreieck mittels Daumen und Zeigefinger verschiebt. Unten ist ein Button „Testton“, bei uns steht im Screenshot „Center“ – das liegt daran, dass der Testton gerade lief, als wir den Screenshot machten, und gerade der Center an der Reihe war. Beim Testton lassen sich paarweise Front, Surround und einzeln der Center anpassen. 

Yamaha SRT-1000 Fernbedienung

Fernbedienung

Auf der Fernbedienung finden sich oben Tasten für die direkte Quellwahl, darunter kommen ebenfalls Direktanwahltasten für die DSPs

Nach der einfachen und schnellen Bluetooth-Kopplung hören wir uns „Hide And Seek“ (Children 2014) von DJ Shog im Remix von DDei&Estate an. Wir haben die Betriebsarten Stereo und DSP-Modus Music miteinander verglichen. Präziser ist die Zuordnung einzelner akustischer Elemente im Stereo-Modus, aber der DSP-Modus Music ist die Betriebsart, auf die unsere Wahl fällt: Mehr Raum, mehr Ausdruckskraft, mehr klangliche Ebenen. Lange bleibt die Wiedergabe räumlich dicht, durchaus nachdrücklich und angenehm, erst, wenn man normal gebräuchliche Pegelregionen verlässt, wirkt der Bass hohl und die Chassis schlagen an.

„Skyfall“ von Adele wirkt ebenfalls aus räumlicher Sicht bei Verwendung des DSP „Music“ gelungen, zudem wird die Stimme Adeles recht präzise auf einer virtuellen Bühne platziert. Das Klavier kommt gut heraus, man kann von einem Gerät wie der TV-Soundstage aber nicht erwarten, dass die Anschlagdynamik überzeugend herausgearbeitet wird. Es ist wichtig, die SRT-1000 genau mittels App einzustellen, denn dann kommt es kaum zu unangenehmen Dröhn- und Störgeräuschen oder zu Problemen bei der Zuordnung einzelner klanglicher Elemente, die bei falscher Einpegelung und falscher Raumgröße durchaus entstehen können. Dies  ist keinesfalls „Schuld“ von Yamaha, sondern liegt darin begründet, dass die SRT-1000 Soundstage mit echten Reflexionen arbeitet – was schon bei der Zuführung von BT-Stereo-Signalen eine authentischer wirkende Räumlichkeit verdeutlicht. 

Mehrkanal-BDs liegen der Yamaha-Soundstage durchaus. Hier spielt sie auch den Vorzug aus, dass sowohl DTS- als auch Dolby Digital-Decoder an Bord sind. Bei „Boys Of Summer“ (BD „Farewell Tour, Eagles) wird eine großzügige Räumlichkeit geschaffen. Andere aktive TV-Lautsprecher öffnen den Raum keinesfalls so weit und das Klangfeld ist mehr auf den Nahbereich rund um den Lautsprecher beschränkt. Yamahas SRT-1000 hingegen schafft selbst im Raum, der knapp 25 Quadratmeter insgesamt misst und in dem man zur Soundstage rund 3,5 Meter Abstand hat, noch eine verlässliche Räumlichkeit, bei gleichzeitig recht stabilem Bühnenaufbau. Nicht ganz optimal – die Stimmwiedergabe, die leicht hallig und indifferent wirkt. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten lässt erst bei hohem Pegel etwas nach, ist sonst nicht zu kritisieren. Der Bassbereich ist durchaus wahrnehmbar, es fehlt aber verständlicherweise unten im Frequenzkeller, hier sind schlichtweg kein ausreichendes Gehäusevolumen und keine ausreichend großen Basstreiber vorhanden. 

Schafft es die TV-Soundstage, bei „Because You Loved Me“ von der Celine Dion-Blu-ray „A New Day“ Emotionen zu vermitteln? Dank des erneut überragenden Raumgefühls fällt es auf jeden Fall recht leicht, dem Ereignis beinahe wie „live“ beizuwohnen. Allerdings wird dies durch die teils etwas verschwommenen Übergänge zwischen einzelnen akustischen Anteilen etwas geschmälert – zaubern kann auch Yamaha nicht, und die exzellente Räumlichkeit wird durch eine lediglich befriedigende Ortungsschärfe erkauft. Wir finden dies nicht schlimm – denn akustisch nahezu identisch ausgelegte TV-Lautsprecher gibt es jede Menge, da fällt es dann immer schwer, zu differenzieren und ein eigenes Profil heraus zu arbeiten. Der Yamaha hat den Mut, hier ganz individuell aufzutreten, und wir prüfen, ob sich dies bei der Präsentation von Filmton bestätigt. 

Wir hören uns das 6. Kapitel des dritten Star Wars-Teils an, als Kanzler Palpatine von General Grievious‘ Schiff befreit wird  und Anakin das marode Raumschiff auf Coruscant notlandet. Wir ahnten es schon, die Raumwirkung ist auch dann richtig gut, weitläufig und auch von der räumlichen Tiefe her überzeugend, wenn man das Movie DSP verwendet. Die Stimmen sind gut verständlich, und haben auch kaum störende Hallanteile. Der Music Score ist tadellos eingearbeitet, und die heftige Landung des praktisch völlig zerstörten Raumschiffs kommt sehr gut heraus.

Durchaus mit Nachdruck und einer vielschichtigen Effektdarstellung wirkt das Gebotene tatsächlich wie „großes Kino“ – natürlich nur dann, wenn man mit anderen aktiven TV-Lautsprechern vergleicht. Auch Yamahas SRT-1000 kann kein echtes Mehrkanallautsprechersystem ersetzen, geht dank der Sound Projector Technologie aber einen Schritt weiter und kann bedingt durch echte Raumreflexionen mehr Räumlichkeit, die überdies glaubwürdig wirkt. Kleinere Effekte kommen auch richtig gut heraus, nur der richtige Tiefbassbereich fehlt verständlicherweise. 

Somit ist das Klangprofil der Yamaha TV-Soundstage vollständig:  Die gebotene Räumlichkeit und die Intensität des Raumgefühls setzen Maßstäbe – für denjenigen, der Kino-Feeling von einem aktiven TV-Lautsprecher erwartet, ist Yamahas SRT-1000 die richtige Empfehlung. Das absolute Gegenstück in der Auslegung markiert Nuberts nuPro AS-250. Bar jedes DSP-Programms stellt er die Alternative für die Liebhaber ehrlichen Stereo-Sounds dar. Pegelfest, kraftvoll und angenehm spielt er auf, gibt alles authentisch wieder – die Weitläufigkeit und die große räumliche Tiefe des SRT-1000 kann der AS-250 systembedingt nicht bieten – und das möchte die schwäbische Alternative auch nicht. Nur PCM verarbeitend und  ohne Bluetooth, dafür mit USB-DAC-Funktion – Nubert geht andere Wege, die uns aber nicht minder ansprechen. Mit 585 EUR ist die nuPro-Soundmaschine teurer als Yamahas SRT-1000 – beim AS-250 Stereoboard gibt es dafür ein ordentliches Display gratis mit dazu. 

Von Sony stößt der 2.1 TV-Lautsprecher HT-XT1 für schlappe 350 EUR zum erlesenen Kreis leistungsstarker System. Er kann einen Vorzug schon aufgrund seiner Ausstattung verbuchen – die komplette HDMI-Beschaltung, es gibt sogar vier Eingänge. Auch hinsichtlich der Decoderauswahl ist der HT-XT1 TV-Lautsprecher konkurrenzlos. Klanglich wird für 350 EUR viel geboten, der Sound ist relativ natürlich, gefällig und klar. Yamahas SRT-1000 kontert mit mehr Räumlichkeit und mehr Effektebenen – gerade für den Filmfreund deutliche Vorzüge. Wer hingegen einfach eine universell einsetzbare, schicke Möglichkeit sucht, den matten Klang des Flatscreens aufzubessern, kann zur eleganten Sony-Alternative greifen. 

Magnats Sounddeck 600 ist preislich identisch zur Yamaha-Alternative. Beide werden aber andere Kunden anlocken. Das Sounddeck 600 bietet im Klangbild etwas mehr Durchhörbarkeit und verleiht Vocals mehr Präsenz, während SRT-1000 bei der Filmtonwiedergabe mit mehr Raumgefühl und besserer Effektwiedergabe klar vorne liegt. 

Fazit

Yamaha SRT-1000 Front Seitlich2

Yamahas TV-Soundstage SRT-1000 wird vor allem denjenigen ansprechen, der mit nur einer Komponente Kino-artiges Raumgefühl genießen möchte. Dies verwirklicht kein anderer aktiver TV-Lautsprecher so überzeugend wie Yamahas Beitrag in diesem Marktsegment. Dank der Beam-Lautsprecher wird der Sound auch an die Wände des Hörraums geworfen, was dieses echte, lebendigte Raumgefühl erst möglich macht. Mit einfacher Bedienung, toller, Bluetooth-basierter App (Android und Apple iOS) zur Steuerung und solider Verarbeitung sammelt SRT-1000 ebenfalls „Likes“. Wer Musik möglichst „straight“ hören möchte, ist hier allerdings nicht perfekt bedient, im Stereobetrieb klingt die Soundstage etwas lustlos, der lebendige DSP-Modus „Music“ wird dem Stereo-Freund hingegen nicht präzise genug sein. Wer Hörspaß an vorderste Stelle setzt und damit nicht Detailtreue und Feindynamik meint, sondern Räumlichkeit und Volumen, der ist auch im Musikbetrieb mit der SRT-1000 gut bedient.

Meister der Filmtonwiedergabe im flach-eleganten Gewand
ueberragend
Aktive TV-Lautsprecher bis 500 EUR

+ Exzellente Räumlichkeit
+ Vielschichtiger Effektaufbau
+ Stabile Bluetooth-Verbindung
+ Praktische App zur Steuerung
+ Solide Verarbeitung
+ Decoder für DTS und Dolby Digital
+ Anpassung an den Raum per App möglich

– Keine HDMI-Beschaltung
– Kein Display

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 18. November 2014




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