TEST: XTZ Spirit 4 - Preisgünstige Kompaktlautsprecher par excellence?

Die kürzlich in einem Special angepriesenen Spirit 4 Kompaktlautsprecher sind bereits bei uns in der Redaktion eingetroffen und müssen sich unserem Testprozedere stellen. Uns wurden die Modelle, die wahlweise in schwarzem oder weißem Schleiflack erhältlich sind, in weißer Ausführung zur Verfügung gestellt. Auch das Frontgitter ist in dieser Variante in weiß gehalten. Preislich finden sich die XTZ-Speaker bei 480 Euro pro Paar ein und wollen, neben einer ausgezeichneten akustischen Performance, mit Flexibilität überzeugen. Die Komponenten sollen sich im Stereo-Setup ebenso wohl fühlen wie als Teil eines leistungsstarken Heimkino-Systems. XTZ hält dafür in der Spirit-Serie weitere Schallwandler, vom Standlautsprecher über zwei Center-Versionen bis zum Subwoofer, alles notwendige bereit. Wir begnügen uns in diesem Testbericht allerdings mit einer 2.0-Konfiguration. Erhältlich sind die XTZ Spirit 4 seit dem 13. November 2018.

XTZ Spirit 4

Hochtöner mit gummiertem Aluminium-Waveguide

Tiefmitteltöner

Sehr schick: der Schleiflack in mattweiß

Die Spirit 4 erben den Hochtöner sowie den Tiefmitteltöner der deutlich größeren Spirit 11 Standlautsprecher und damit exzellent aufeinander abgestimmte Chassis. Es handelt sich dabei um einen 25mm Seiden-Kalottenhochtöner mit Waveguide, der bis auf 22 kHz spielt und höchste Impulstreue bieten möchte. Die Kühlung erfolgt über ein niedrigviskoses Ferrofluid und der Schwingspule aus einer Aluminium-Kupfer-Legierung. Ein über den gesamten Bereich gleichmäßig breites Abstrahlverhalten unterstützt der spezielle Waveguide, der auch eine niedrige Übergangsfrequenz zwischen Hochtöner und Tieftöner ermöglicht. Die Front des Hochtöners besteht aus Aluminium, dass mit Gummi überzogen wurde, die Verbindung zum Lautsprechergehäuse ist so sehr steif. Eine Besonderheit ist auch der Eigenschutz des Hochtöners. Bei Beschädigungen, wie z.B. leichtem Eindrücken, findet die Kalotte wieder zu ihrer ursprünglichen Form zurück.

Der Tiefmitteltöner besteht aus Acrylnitril-Butadien-Styrol und einer Langfaserzellstoffmischung in Sandwich-Anordnung für hohe Steifigkeit. Er entstammt dem eigenen Forschungslabor und wurde ebenfalls perfekt für die Spirit-Serie konzeptioniert und produziert. Durch die geringe Dichte der Konstruktion weist die Membran laut Hersteller ein exzellentes Steifigkeits-Gewichtsverhältnis auf, durch die Sandwich-Anordnung werden Membranresonanzen unterdrückt. Ein starkes Magnetsystem sowie eine exzellente Linearität und hohe Präzision über den gesamten Auslenkungsbereich gehören ebenfalls zur Feature-Liste des Tiefmitteltöners. Die Sicke ist aus einem eigens dafür entwickelten Butylkautschuck gefertigt, um Partialschwingungen weiter zu minimieren. Das Gesamtsystem ist mit 200 Watt maximal belastbar.

Seitliche Ansicht und Rückseite

Die Bassreflexöffnung kann mit einem "Stopfen" verschlossen werden

Absolut sauberer Aufbau der Frequenzweiche mit wenig Bauteilen

Spirit 4 auf dem XTZ Lautsprecherständer

Die Spirit 4 bringen für die optimale akustische Anpassung an den jeweiligen Raum verschiedene Möglichkeiten mit. Zum einen gehört ein Stopfen zum Lieferumfang, mit dem das rückseitige Bassreflexrohr verschlossen werden kann. So wird die grundsätzliche Charakteristik des Lautsprechers beeinflusst, besonders empfiehlt sich dies auch bei einer wandnahen Aufstellung der Boxen. Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich oberhalb des Anschlussterminals eine Steckbrücke. Entfernt man diese, senkt man die Lautstärke des oberen Frequenzbereichs um 3 dB ab. Bei hellhörigen Räumen kann dies durchaus sinnvoll sein.

Wer möchte, kann die Spirit 4 Kompaktlautsprecher übrigens auch auf passenden Lautsprecherständern platzieren. Dieser wird allerdings ausschließlich in Schwarz angeboten.

XTZ Spirit 4 Paar ohne Lautsprecher-Abdeckungen

Die LS-Gitter werden einfach aufgesteckt

Hier werden die Kunststoffstifte befestigt

Das Gehäuse wirkt sehr solide verarbeitet, auch der Schleiflack macht einen exzellenten Eindruck. Besonders wenn man die günstige Preisklasse von lediglich 240 Euro pro Lautsprecher bedenkt, wird der schicke Schleiflack zum Alleinstellungsmerkmal.  Die Frontwand aus MDF ist 25mm dick, die Seitenwände 18mm. So kommen die Spirit 4 trotz der kompakten Abmessungen auf satte 10 kg Gewicht. Wie eingangs erwähnt ist die Stoffabdeckung in der jeweiligen Farbe des Gehäuses gehalten. Eine absolut saubere Schallwand konnte man zu dem günstigen Preis nicht mehr realisieren, das Lautsprechergitter wird mit kleinen Kunststoffstiften am Lautsprecher befestigt. Dafür gibt es an den integrierten Chassis keinerlei sichtbare Schrauben und so wirkt die Schallwand sehr wertig, der ganze Lautsprecher wirkt wie aus einem Guss. Die Stoffbespannung auf der Holzkonstruktion macht ebenfalls einen robusten Eindruck, das XTZ-Logo auf der Vorderseite ist magnetisch angebracht. Möchte man Kritik üben, so kann man erwähnen, dass bei der Integration des Hochtöners und Tiefmitteltöners sowie des Bassreflexrohres auf der Rückseite die Spirit 4 ein wenig ihre Preisklasse verraten. Diese sind nicht absolut akkurat und plan integriert, was allerdings wirklich nur bei genauem Hinsehen auffällt.

Solide Lautsprecher-Terminals

Die Lautsprecher-Anschlüsse machen einen sehr hochwertigen Eindruck und sind als Schraubterminals ausgeführt, die sowohl für Bananenstecker als auch etwas größere Kabelquerschnitte geeignet sind. Direkt darüber, auch gut im Bild zu sehen, ist die installierte Steckbrücke. Entfernt man diese, wird der Pegel des Hochtöners leicht abgesenkt.

Klang

Wir beginnen unsere Klangbeispiele mit den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Die XTZ Spirit 4-Lautsprecher dürfen sich also zunächst am klassischen Violinkonzert in E-Dur (op. 8 Nr. 1 RV 269) versuchen. Dabei realisieren sie bereits während der ersten Sekunden eine sehr authentisch wirkende, breite Bühne mit klarer Staffelung der Instrumente. Exzellent gefällt uns, wie klar und sauber die Streichinstrumente abgebildet werden, ohne ihre samtige Wärme zu verlieren. Mit hoher Detaillierung gelingen die mittleren und oberen Frequenzbereiche und werden auch bei höherem Pegel nicht unangenehm oder aggressiv. Selbst feindynamische Differenzen werden von den Spirit 4 sehr gut herausgearbeitet, auch mit hoher Geschwindigkeit haben die kompakten Boxen keinerlei Probleme und trumpfen besonders bei den flotten Stellen des zweiten Titels "Largo" mit flinkem Reaktionsverhalten auf. Eine hohe Präzision weisen die Spirit 4 ebenfalls auf, und dass auch in konventioneller Form mit offenem Bassreflexrohr. Die Kraft untenrum vermögen wir hier in den ersten Minuten des klassischen Genres noch nicht endgültig zu beurteilen. Wird hier aber gefordert, sind die Spirit 4 schnell und schlagkräftig zur Stelle. Auch die Räumlichkeit kann absolut überzeugen, die weitläufige Bühne wirkt dreidimensional, klar ortbare Instrumente vervollkommnen den authentischen Eindruck. Pegelfest sind sie ebenfalls, wir können hier im Maximalbereich kaum eine Veränderung warhnehmen, sehr souverän bleiben die Regalboxen und lassen sich die zweifellos großen Auslenkungen nicht anmerken.

Als zweites Beispiel laden wir eine "alte Bekannte" auf die Bühne: Celine Dions Auftritt in Las Vegas wird von den XTZ Spirit 4 mit hoher Natürlichkeit und mit authentischer Breite und Tiefe abgebildet. Sehr fein ziseliert startet das Konzert, die Glasscheibe zerspringt in alle Richtungen, kurz bevor Celine die Bühne betritt. Wiederum fällt die feine Detaillierung und die hohe Aufmerksamkeit bei der Feindynamik auf. Die Stimme der gebürtigen Kanadierin könnte sich noch etwas besser von den Schallwandlern lösen, begeistert aber mit hoher Authentizität und viel Feingefühl. Die begleitenden Instrumente und auch der unterstützende Chor rücken natürlich gegenüber Celine Dion etwas in den Hintergrund, sind aber ebenfalls sehr gut nachvollziehbar und sauber gestaffelt. Besonders im Hochtonbereich, aber auch bei den Mitten beweisen die XTZ Spirit 4 absolute Stärke und lassen den Zuschauer in das damalige Konzert eintauchen.

Damit die Spirit 4 auch untenrum ihr volles Potential entfalten können, wechseln wir auf das elektronische Genre. DJ Tiesto ist in Kopenhagen zu Gast und präsentiert die "Elements of Life"-Tour vor großem Publikum. Bei "Traffic" lassen die kompakten Schallwandler auch direkt die Muskeln spielen und versprühen mit einem sehr kräftigen Kickbass durchaus Club-Atmosphäre. Natürlich spielen größere Lautsprecher noch tiefer und bieten mehr Volumen, die Spirit 4 können sich aber trotz der relativ geringen Gehäuseabmessungen absolut behaupten und beweisen satten Punch und soliden Tiefgang. Trotz der kräftigen Bass-Tiraden geraten die übrigen akustischen Elemente nicht in den Hintergrund, sondern werden präzise in der Kulisse platziert und räumlich verteilt. Schnell wird bei den Synthesizer-Einlagen agiert und auch die übrigen Percussion-Elemente gelingen mit hoher Authentizität. Auch hier beweisen die Vertreter von XTZ exzellente Pegelfestigkeit. Scheinbar mühelos liefern sie bei hoher Belastung ab und lassen sich nichts anmerken. Natürlich verlangt man als Bass-Fanatiker noch etwas mehr Kraft, als die kompakten Spirit 4 zu leisten vermögen, eine Veränderung der Tonalität oder gar eine aggresivere Gesamtdarstellung stellt sich allerdings zu keinem Zeitpunkt ein. Auch beim nächsten Track, als Teagan und Saras Gesangstimme hinzukommen und das Geschehen insgesamt komplexer wird, bleiben die Spirit 4 auf Linie und versehen die Vocals trotz steter Bass-Punches mit feinen Details. Wieder können wir die sehr gute Räumlichkeit erwähnen, auch in größeren Räumen liefern die Spirit 4 mit entsprechendem Antrieb eine ausgezeichnete Performance ab und knicken dank der beeindruckenden Pegelfestigkeit nicht ein.

Wir kehren zu etwas gemächlicherem zurück und lassen Diana Krall mit "Stop this World" die Bühne betreten. Hier glänzen die Spirit 4 nochmal richtig und liefern einen ebenso kräftigen Tieftonbereich wie überragende Stimmwiedergabe. Das leichte Hauchen der Jazzpianistin und Sängern ist nachvollziehbar und auch die feinen Details am Schlagzeug, wie z.B. das Streichen des Besens, werden berücksichtigt. Das Klavier wird toll integriert und zeigt eine saubere Anschlagdynamik. Das gesamte Zusammenspiel wirkt sehr harmonisch und ausgewogen, die Spirit 4 klingen hier kultiviert und erwachsen, präsentieren aber im Bedarfsfall sofort ihr schnelles Reaktionsverhalten.

Auch bei den verzerrten Klängen der Truckfighters machen die XTZ-Lautsprecher eine exzellente Figur und präsentieren den "fetten" Sound sehr authentisch. Dass es sich nur um Regallautsprecher handelt, fällt hier nur geringfügig auf, da größere Komponenten hier noch etwas mehr Volumen und mehr atmosphärische Dichte liefern können. Der harsche Gesang des Frontmannes wird in die komplexe Kulisse exzellent integriert, auch kann das Gesamtgeschehen mit einer sauberen Staffelung überzeugen. Die einzelnen Instrumente lassen sich trotz der starken Verzerrung gut differenzieren. Auch hier gefällt das sehr harmonische Gesamtergebnis. Die flinken Wechsel sind erwartungsgemäß kein Problem für die Lautsprecher, der Bass gelingt mit sattem Punch und für die Größe absolut soliden Tiefgang.

Die Konkurrenz zu den Kompaktlautsprechern von XTZ ist facettenreich. Nochmal deutlich günstiger mit lediglich 300 Euro Paarpreis wollen die ELAC Debut 2.0 B5.2 überzeugen und gefallen ebenfalls mit einem präzisen Tieftonbereich und guter Auflösung. Die Spirit 4 sind dennoch überlegen und beweisen enorme Feingeistigkeit und Detaillierung in Höhen und Mitten, darüber hinaus ist die Verarbeitungsqualität kaum vergleichbar: Während die Kieler Schallwandler auf einfaches Holzfurnier setzen, präsentieren sich die Spirit 4 mit aufwändigem Schleiflack, auch bei Anpassungsfähigkeit und Flexibilität zahlt sich der Mehrpreis der XTZ aus. Ganz neu kommen die Oberon On-Wall von Dali daher und warten ebenfalls mit einer exzellenten und kultivierten akustischen Performance auf. Preislich liegen die Dänen bei 250 Euro pro Stück. Der Unterschied ist bereits beim Konzept ersichtlich, da die Oberon On-Wall deutlich flacher bauen und sich ideal für die Kombination mit einem zusätzlichen Subwoofer eignen. Eine tolle Amtosphäre und charismatische Stimmwiedergabe bieten beide Komponenten. Lackiert ist bei den Oberon-Lautsprechern lediglich die Schallwand, der Rest des Gehäuses ist wahlweise in Esche Schwarz, Nussbaum Hell oder Weiß laminiert. Etwas teurer sind die Bowers & Wilkins 606, der Stückpreis liegt bei 350 Euro. Auch diese Schallwandler überzeugen mit sehr feinem Auflösungsvermögen, lebendigen Mitten und einen ebenso präzisen wie kraftvollen Tieftonbereich. An den schicken Schleiflack der XTZ Spirit 4 kommen sie allerdings nicht heran. Nicht im Unibody-Gehäuse sondern in klassischer Gehäuse-/Schallwand-Konstruktion kommen die 606 mit furnierten Seitenwänden und Rückseite daher. Dafür ist die Schallwand absolut clean und zeigt weder sichtbare Schrauben noch Befestigungsöffnungen des Lautsprechergitters.

Fazit

Die XTZ Spirit 4 bieten für den aufgerufenen Preis von 480 Euro für beide Lautsprecher ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis. Besonders die gebotene Verarbeitungsqualität mit der sauber aufgebrachten Lackierung mit mattem Schleiflack ist innerhalb des preislichen Rahmens überragend. Ebenso ausgezeichnet gefällt uns die Flexibilität der Kompaktlautsprecher. Mittels einer Steckbrücke lässt sich der Hochtonbereich anpassen und die Bassreflexöffnung kann dank des mitgelieferten Stopfens effektiv geschlossen werden. Auch die Möglichkeit die Lautsprecher auf einen schicken Ständer zu platzieren gefällt. Akustisch lösen sie insbesondere durch die exzellente Detaillierung und Strukturierung der Mitten und Höhen Begeisterung aus, aber auch untenrum spielen sie kräftig auf. Ein flinkes Reaktionsverhalten und die tolle Pegelfestigkeit runden den hervorragenden Eindruck ab.

Kompaktlautsprecher mit exzellentem Preis-/Leistungsverhältnis, hoher Flexibilität und überdurchschnittlich guter Verarbeitungsqualität

14.11.2018

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 14.11.2018

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