TEST: Ultrasone Pyco – Inbegriff mobiler Klangqualität?

Ultrasone Pyco In-Ears für 169 EUR

Das Produkt

In drei verschiedenen Farben präsentiert die bayerische Kopfhörermanufaktur ihre aktuellen Pyco In-Ear-Lautsprecher. Die Ohrhörer möchten sich als idealer Wegbegleiter für Smartphone, Tablet oder Notebook etablieren und sollen besonders im mobilen Einsatz exzellente Performance bieten.

Aluminium-Gehäuse

Gravierte Aluminiumplatte an der Außenseite

Solide Box zum Verstauen der Kopfhörer

Trotz des Fokus auf Mobilität steht bei den Pyco Kopfhörern die Klangqualität im Vordergrund. Die Basis dafür bietet ein 6,5 mm dynamischer Schallwandler. Hinzu kommt ein hoher Wirkungsgrad von 96 dB, der für den Einsatz an mobilen Geräten notwendig ist. Der UVP der Pyco liegt bei 169 EUR. Nicht gerade günstig, bedenkt man, dass mobile Quellgeräte nicht unbedingt die beste Voraussetzungen für audiophile Performance bieten – sieht man mal von Geräten wie dem Astell & Kern AK100 ab. Für den Preis erhält man aber auch 2 Paar ComplyFoam Innenohrpolster sowie 5 Paar Silikonpolster, eine schicke und robuste Kompaktbox im Lederdesign und einen Flug- und OMTP-Adapter.

ComplyFoam – Ohrpolster

Die ComplyFoam Innenohrpolster sorgen für besonders hohen Tragekomfort und passen sich exakt den Windungen des individuellen Gehörgangs an. Ein weiterer Vorteil ist der sichere Halt im Ohr, der selbst bei flotteren Bewegungen kaum negativ beeinflusst wird. Auch bei längeren Hör-Sessions bis hin zu mehreren Stunden behalten die ComplyFoam-Polster ihr gutes Tragegefühl. Angenehm, äußere Geräuscheinflüsse werden deutlich reduziert.

Die Gehäuse der In-Ears sind aus Aluminium gefertigt, wirken robust und hochwertig. Wir haben die Pyco in Satin-Schwarz ergattert, sie sind aber auch in Satin-Weiß und Ultra-Orange erhältlich. Auch die Außenseite der In-Ears ist mit einer gravierten Aluminiumplatte versehen, was den hochwertigen Eindruck noch erhöht.

Klinkenstecker

Fernbedienung mit integriertem Mikrofon

Am 1,2m langen Kabel ist die Fernbedienung mit Mikrofon integriert. In Kombination mit der Android-App können die Funktionen der Fernbedienungen individualisiert werden – eine iOS-App gibt es allerdings nicht. Aber auch ohne App können die Pyco In-Ears problemlos als Headset verwendet werden, die App stellt lediglich weitere Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zudem können Android-Audioplayer (andless, Winamp, etc.) gesteuert sowie die digitale Lautstärke kontrolliert werden.

Übersicht der Einstellungsmöglichkeiten

Gewünschte Aktion bei einem Dreifach-Klick einstellen

Lautstärke-Einstellung bei Anschluss festlegen

Sämtliche Lautstärkeeinstellungen

Wie bereits erwähnt kommen Android-Nutzer in den Genuß einer Smartphone-Applikation, während iOS-User aktuell leer ausgehen. Die App bietet umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten: Zum einen kann festgelegt werden, wie die Kabelfernbedienung auf Einfach, Doppel- oder Dreifachklick reagiert, zum anderen gibt es eine Reihe von Lautstärkeeinstellungen, die auf den jeweiligen Einsatzzweck abgestimmt werden können. So kann z.B. eine voreingestellte Lautstärke gesetzt werden, sobald der Pyco ans Gerät angesteckt wird.

Technische Daten:

  • Treiber: Dynamisch – 6,5 mm
  • Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
  • Impedanz: 16 Ohm
  • Empfindlichkeit (@1 kHz) SPL bei 0,1V: 96 dB
  • Gewicht: 6 g
  • Innenohrpolster: 2 Paar ComplyFoam™ T-100 (M/L), 5 Paar Silikon (S/M/L/M lang/L lang)
  • Kabel: 1,2 m Kabel mit Mikro und Fernbedienung
  • Hochwertige Transportbox
  • 1 Flug Adapter, 1 OMTP Adapter
Klang

Wir beginnen unsere Eindrücke in Kombination mit einem iPhone 5 und Spotify mit maximaler Bitrate (MP3 320 kbps). Bevor wir über die klanglichen Eigenschaften berichten müssen wir ein Wort über den Tragekomfort verlieren. Die ComplyFoam-Ohrpolster passen sich sehr gut dem eigenen Gehörgang an und sitzen auch bei etwas flotteren Bewegungen sehr fest. Tatsächlich ist der „Noise Cancelling“-Effekt sofort nachvollziehbar. Damit wirklich keine äußeren Einflüße mehr hörbar sind, sollte aber schon Musik laufen.

Trotz der akustisch nicht unbedingt sehr hochwertig einzustufenden Quelle wird in Kombination mit den Pyco In-Ears eine räumliche Bühne geboten. Bei Cotton Fields von Creedence Clearwater Revival gelingt die Differenzierung der einzelnen Instrumente ausgezeichnet, sehr gut kommen die Stahlseiten beim Solo nach etwa zwei Minuten zur Geltung. Die Höhen wirken aber insgesamt nie schneidend, der Pyco geht nicht ganz die Richtung kristallklare, scharfe höhen wie es zum Beispiel beim deutlich teureren Ultrasone IQ der Fall ist. Er wirkt harmonischer und bei extremen Pegeln dadurch angenehmer. Bei „I put a spell on you“ der gleichen Band kommt diese Ausprägung auch zur Geltung. Der Pyco spielt locker flockig dahin, ausgedehnte Hör-Sessions sind hier kein Problem. Das Fundament legt der In-Ear souverän und trägt für den feingeistigen Hörer vielleicht sogar etwas zu dick auf. Ds bedeutet aber nicht, dass er die Präzision verliert, sogar feinere Strukturen werden auch in den tieferen Bereichen herausgearbeitet. Überragend empfinden wir die Stimmwiedergabe, die etwas rauhe Vokalstimme erscheint facettiert und detailreich. Selbst wenn alle Instrumente und Stimme gleichzeitig agieren, kommt der Pyco mit der Komplexität problemlos zurecht.

Auch „In the Cold, Cold Night“ ist ein gefundenes Fressen für den Pyco. Exzellent präsentiert er die Stimme von Meg White, während der extrem tiefe, absichtlich etwas rauschbehaftete, Bass sauber wiedergegeben wird. Auch das leicht dumpfe der Orgel kommt klar heraus, dann der komplette Gegensatz wenn 30 Sekunden vor Schluss die Stahlsaiten der Gitarre zum Einsatz kommen.

Beim Wechsel auf ein Notebook mit konventioneller Soundkarte darf sich der Pyco an „Triotonic“ von Markus Schulz‘ Scream-Album wagen. Der Pyco agiert flink und präzise, ein wenig vermissen wir hier aber einen kraftvollen Antritt, der das Gesamtbild etwas schwungvoller ausgestaltet. Sehr gut hingegen gelingt die Integration der vielen Synthesizer-Effekte, nichts gerät in den Hintergrund auch bei komplexem Klanggeschehen. Bei „Soul Seeking“ beweist der In-Ear seine tolle Performance im Tieftonbereich erneut. Gegen Ende des Liedes gesellt sich zum Kickbass ein voluminöser, sehr tiefer Bass, der räumlich an den Hörer getragen wird.

Wir bleiben bei elektronischer Musik, schalten aber bezüglich der Geschwindigkeit mit „Get Lucky“ von Daft Punk einen Schritt zurück. Die FLAC-Datei überzeugt mit exzellenter Stimmwiedergabe, insgesamt begeistert uns wieder die lockere und angenehme Spielweise des Ultrasone-Kopfhörer. Die Höhen sind klar und ausdrucksstark, werden aber nicht scharf. Das Geschehen wirkt insgesamt noch differenzierter als bei der MP3-Wiedergabe, auch feindynamische Unterschiede werden hier recht sauber herausgearbeitet. Das bestätigt sich bei Diana Kralls „Stop this World“. Sowohl Piano als auch Kontrabass stellen hier hohe Anforderungen an den Pyco, beide meistert der In-Ear mit Bravour. Der Kontrabass drängt sich nicht in den Vordergrund, sorgt aber für ein solides Fundament, dass der Pyco mit ausgezeichneter Räumlichkeit und sattem Volumen hinterlegt. Selbst das Klaviersolo in der Songmitte findet unseren Gefallen, leicht warm klingen die Saiten und selbst der Anschlag kann erahnt werden.

In Kombination mit einer externen, hochwertigen Soundkarte kann man dem Ultrasone Pyco natürlich noch etwas klarere Feindynamik und Transparenz entlocken, allerdings schlägt sich der neue In-Ear-Lautsprecher auch mit den eher mäßigen Quellen exzellent. Dies schafft er hauptsächlich dadurch, dass er nicht versucht, mehr zu sein als er ist. Das Potential dazu hätte er durchaus, dafür ist der Kopfhörer aber gar nicht gemacht – er ist bewusst für exzellente Klangqualität im mobilen Einsatz ausgelegt. Brilliante, kristallklare Höhen nimmt er gar nicht in Angriff sondern überzeugt mit einer angenehmen Wärme und Harmonie, die zu länger andauernden Hör-Sessions einlädt. Auch legt er dem klassischen Feingeist untenrum minimal dicker auf. Bedenkt man aber, dass die Bitrate-schwachen MP3s zumeist etwas schlank erscheinen, ist auch dieser Umstand durchdacht und sinnvoll. Zudem leidet der Pyco keinesfalls an Präzision, Agilität oder wird gar schwammig in den Mitten und Tiefen. Struktur ist hier durchaus, und in sehr gutem Umfang, vorhanden. Bezüglich Genres ist er prinzipiell überall zuhause, fühlt sich aber besonders wohl bei etwas flotterer elektronischer Musik und klassischem Rock, gerade bei letzterem kommt das durchhörbare Klangbild und die tolle Bühne am besten zur Geltung.

Fazit

Wer häufig unterwegs ist und hohen Wert auf ausgezeichnete akustische Performance auch mit mobilen Geräten legt, ist mit den Ultrasone Pyco In-Ear-Kopfhörern exzellent beraten. Der Kopfhörer glänzt mit lockerer, angenehmer Spielweise und bietet hervorragende Vokaleigenschaften. Besonders die räumliche Bühne und feine Differenzierung sind positiv zu werten. Harmonisch und angenehm lädt der Pyco zu lang andauernden Hör-Sessions ein, ohne jemals aufdringlich oder anstrengend zu werden. Das elegant und wertig wirkende Aluminium-Gehäuse ist recht robust, zudem können die In-Ears beim Transport in der schicken Kompaktbox sicher verstaut werden. Sehr gut gefallen uns auch die beiden beiliegenden ComplyFoam-Ohrpolster. Diese sitzen deutlich bequemer als die konventionellen Silikonpolster, bieten auch bei Bewegungen festen Halt und filtern zusätzlich noch störende Außengeräusche aus. Auch Headset-Qualitäten hat der Pyco inne, die Sprachverständlichkeit ist gut und mit der Fernbedienung lassen sich essentielle Funktionen wie die Anrufentgegennahme problemlos steuern. Android-Nutzer können die Funktionen sogar weitgehend nach ihren Wünschen justieren, eine iOS-App gibt es leider nicht.

Unterwegs exzellent hören – das ermöglicht der Ultrasone Pyco zum fairen Kaufpreis

In-Ear Kopfhörer
10. Oktober 2013

+ Exzellente Bühne
+ Konzertähnliche Räumlichkeit
+ Angenehme, lockere Spielweise
+ Struktur im Tieftonbereich
+ Solide Verarbeitung
+ ComplyFoam-Ohrpolster
+ Flugzeug- und OMTP-Adapter + Transportbox im Lieferumfang

– keine iOS-App

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
datum: 10. Oktober 2013




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