TEST: Teufel System 4 mit THX Compact Speaker System-Lizenz

Das Produkt

THX und Teufel – das passt, und zwar schon seit langer Zeit. In den 90er Jahren bauten sich Teufels THX-Mehrkanal-Lautsprecherensembles bei Heimkinofans in Deutschland einen legendären Ruf auf, der weit über die Landesgrenzen hinaus ging. Während andere Hersteller das Thema THX nicht konsequent weiter verfolgt haben, hat Teufel sein THX-Portfolio weiter ausgebaut. Neueste Erweiterung ist das System 4 THX, in schwarz-weißer Ausführung in 5.1 Konfiguration für knapp 1000 EUR zu haben. Das System 4 ist das weltweit erste Lautsprechersystem mit THX Compact Speaker System-Lizenz.

Teufel sieht, so ist es auf der Website zu lesen, den Haupteinsatzzweck des Systems 4 in kleineren bis mittelgroßen Hörräumen. Teufel spricht maximal von 35 Quadratmeter – also durchaus ein „großer mittelgroßer“ Hörraum. Tonale Ausgewogenheit über den gesamten Übertragungsbereich und zwei für Teufels Heimkinosysteme typische Dipole für den Surroundeinsatz sind weitere Kennzeichen.

Teufel möchte im kompakten Set alle für bestmöglichem Mehrkanalgenuss wichtigen THX-Grundsätze auf hohem Niveau integriert sehen. Daher die Dipole, die drei identischen Frontlautsprecher und der bärenstarke Subwoofer, alle Garanten für hochwertigen Mehrkanalgenuss.

Drei identische Frontlautsprecher S 400 FCR

Nun stellen wir die einzelnen Komponenten ausführlich vor und beginnen mit den drei völlig identischen Frontlautsprechern. Diese sollten idealerweise auch in der exakt gleichen Höhe befestigt werden. Dann hat der Hörer eine völlig homogene, in sich geschlossene, tonal komplett identische Front-Klangkulisse. Geräusche, die von links nach rechts zu hören sind wie z.B. ein Flugzeug, das den Bildschirm überquert, kommen auf diese Art und Weise mit exzellenter Einbindung und überdurchschnittlicher tonaler Harmonie heraus.  Besonderes Kennzeichen der drei identischen 2-Wege Front-Satelliten S 400 FCR sind die Hightech-Flachmembranen aus beschichteter Zellulose, die in den 2 x 100 mm Tief-/Mitteltönern zum Einsatz kommen. Sie ermöglichen nicht nur eine flache, kompakte Bauweise des gesamten Lautsprechers (nur 13,5 cm tief, 29 cm breit, 19 cm hoch), sondern auch eine kraftvoll-authentische Akustik mit weitem Abstrahlwinkel. Ein 25 mm Hochtöner mit belastbarer Seidenkalotte ergänzt das Chassis-Sortiment.

Flachmembranen für den Mittel- und Tieftonbereich

25 mm Hochtöner mit Seidenkalotte

100 Watt Dauerbelastbarkeit und 130 Watt kurzzeitige Maximalbelastbarkeit sprechen für einen so kleinen Lautsprecher eine recht deutliche Sprache. Lediglich 3,8 Liter Innenvolumen zeigen auch auf, dass die Satelliten aufgrund des geringen Platzbedarfs nahezu überall Platz finden. Gern werden solche Satelliten auch an der Wand befestigt, was Teufel bei den kleinen THX-Meistern auch voll und ganz berücksichtigt hat. Anstatt sich unschöne akustische Artefakte einzufangen, wie sie bei Bassreflex-Öffnungen im direkten Wandkontakt gern geschehen, hat Teufel die S 400 FCR gleich geschlossen konstruiert.  Die Kompakt-THX-Lautsprecher mit 4 bis 8 Ohm Impedanz geben Frequenzen zwischen 120 und 22.000 Hz wieder und erzeugen einen maximalen Schalldruck von 102 dB/1m – ganz schön heftig. Der Wirkungsgrad (2,83 V/1m) fällt mit 87 dB nicht besonders üppig, aber auch keinesfalls enorm schlecht aus. Die von Teufel empfohlene Mindest-Verstärkerleistung von 20 Watt/Kanal klingt nach so wenig – aber in der Praxis ist es so, dass viele Mittelklasse-AVs keinesfalls mehr Leistung produzieren, da die enormen Leistungen (7 x 150 Watt etc.) sich bei genauerem Hinsehen als unbrauchbar erweisen, um die tatsächlich vorhandene Kraft für praktische Alltagsaufgaben zu ermitteln. Die utopischen Wattangaben resultieren aus der Aussteuerung lediglich eines Kanals bei 1 kHz – also nicht zwischen 20 Hz und 20 kHz und mit sieben oder zumindest 5 ausgesteuerten Kanälen.

Sauber aufgebaute Frequenzweiche bei der S 400 FCR. Enorme Bauteil-Opulenz darf man in dieser Preisklasse natürlich nicht erwarten

Das gefällt: Hochwertige acrylummantelte Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

Prima Verarbeitung, kompakte Abmessungen, gefällige Optik: Was will man mehr?

Die Verarbeitung ist für den Kaufpreis prima. Wie auch die anderen Komponenten des Ensembles besitzen die S 400 FCR ein solides MDF-Gehäuse, das mit mattem Schleiflack plus Folie recht akkurat bedeckt wird.  Das schörkellose Design und die gute Materialqualität lässt den S 400 FCR viel teurer wirken, als er tatsächlich ist. Teufel hat hier unserer Meinung nach voll ins Schwarze getroffen.

S 400 D

Dipol – Hochtöner

Wandhalterung der Dipole

Der S 400 D Dipol kommt für den Rear-Bereich zum Einsatz. Es handelt sich hier um einen geschlossenen 2-Wege-Lautsprecher mit doppelter Chassis-Bestückung und einem maximalen Schalldruck von 100 dB/1m. Die Empfindlichkeit gibt der Hersteller mit 86 dB (2,83 V/1m) an. Die empfohlene Verstärkerleistung liegt auch beim S 400 D bei mindenstens 20 Watt. Pro Seite bestückt sind die Dipole mit einem 25 mm Hochtöner mit Seidenkalotte und einem 100 mm Tief-/Mitteltöner. Das Netto-Innenvolumen liegt bei 2,3 Liter, was beweist, dass auch die S 400 D ausgesprochen kompakt sind: 17 cm tief, 15 cm breit und 23 cm hoch. Sie wiegen pro Stück 3,5 kg und sind somit leichter als die S 400 FCR, die mit 5,5 kg 2 kg mehr wiegen.  Eine Möglichkeit zur Wandbefestigung ist gleich in den S 400 D integriert. Frequenzen von 120 Hz bis 22.000 Hz werden wiedergegeben.

Die Dipole sind äußerst kompakt und lassen sich daher gut integrieren

Die ebenfalls sauber verarbeiteten Dipole haben zur Aufgabe, eine diffuse, weitläufige Klangkulisse auf den Surroundkanälen zu erzeugen. Gerade bei atmosphärischen Geräuschen wie pfeifendem Wind, Wellenbewegung des Wassers oder Regenplätschern schaffen Dipole eine enorm dichte, lebendige und echte Klangkulisse im Surroundbereich. Die Gehäuse der Dipole bestehen ebenfalls aus MDF und sind mit mattem Schleiflack und Folie bedeckt.

Bedienelemente und Anschlüsse hinten: Line-In, Lautstärke, Hochpass, Tiefpass, Automatik-Modus, THX/User-Betriebsart, 0/180 Grad Phasenumschaltung

Komplette Rückseite

Der S 4000 SW passt perfekt zum Rest des Systems. Dominiert wird die Frontansicht von den drei 130 mm Tieftönern

Der aktive Subwoofer S 4000 SW ist gleich mit drei 130 mm Tieftöner aus beschichteter Zellulose bestückt und verfolgt damit das Prinzip, eine hohe Gesamtmembranfläche mit dem Vorteil der drei jeweils kleinen 130 mm Treiber zu verbinden: Die kleinen Basschassis sind schnell und sichern so eine impulstreue Wiedergabe auch kleiner Basseffekte. Frequenzen von 35 Hz bis 200 Hz werden wiedergegeben, das solide, gut verarbeitete MDF-Gehäuse sichert eine reine, kraftvolle Basswiedergabe ohne störende Gehäuseresonanzen. Im Gegensatz zu den passiven Komponenten ist der aktive Subwoofer als Bassreflex-Konstruktion ausgeführt. Damit keine Strömungsgeräusche stören, besitzt der S 4000 SW die Teufel-eigene DPU-Reflextechnik für bestmögliche Bassreinheit und zur effektiven Verhinderung von Strömungsgeräuschen.

Class D-Endstufe

Sauberer Aufbau

Netzteil

Platinen-Verschraubung und Verkabelung in der Übersicht

Satter Bass ohne unschöne Nebenwirkungen steht ohnehin im Mittelpunkt bei der Entwicklung des S 4000 SW. Ein regelbarer Hochpassfilter verhindert gefürchtetes Bass-Dröhnen in kleinen Räumen. Der Subwoofer besitzt einen speziellen THX-Modus, oder aber er läuft im User-Modus. Der eingebaute Class D-Endstufe bringt 250 Watt Maximal- und 200 Watt Sinus-Leistung. Im Standby-Betrieb gibt sich der S 4000 SW dafür mit lediglich 0,4 Watt zufrieden. Qualität beim Subwoofer-DSP – hier kommt ein Chip des renommierten Anbieters Analog Devices zum Einsatz.

Testequipment
Klang

Zunächst haben wir uns den Filmtonqualitäten des Systems 4 gewidmet. Die englische DTS-HD Master Audio-Tonspur des 007-Streifens „Ein Quantum Trost“ kennen wir sehr gut und nehmen den actiongeladenen Anfang als Einstieg. Den Aufbau des Spannungsbogens mit unterschwelligen Basseffekten bekommt der aktive Subwoofer sehr gelungen hin und zeigt uns, dass er einiges an Reserven bereit hält. Dann kommt ein großer Dynamiksprung, und man ist inmitten einer harten Verfolgungsjagd rund um den oberitalienischen Gardasee. James Bond hat einen wichtigen Gefangenen im Kofferraum, und darum wird er erbittert von Killern in schwarzen Alfa Romeo 159 gejagt. Das Hochschalten des Zwölfzylinders in Bonds Aston Martin DBS, das Aufheulen des starken Motors und die Salven aus den automatischen Waffen der Killer beweisen uns: Das preiswerte Lautsprecherensemble baut richtiges Kinoflair auf. Und zwar nicht nur oberflächlich, sondern auf ganzer Linie. Der Music Score wird weitläufig eingearbeitet, und als einer der Alfas in einen entgegenkommenden LKW rast, spritzen Trümmerteile nach allen Seiten weg. Die beiden Dipole hinten realisieren eine weite, den Zuhörer umgebende Surroundklangkulisse. Vorn ist eine absolut gleichmäßige Darstellung aller Effekte als Vorteil herauszuhören. Die drei identischen Front-LS beweisen, dass THX-Prinzipien alles andere als „out“ sind, nur weil es kaum noch Hersteller von Lautsprechern mit THX-Lizenz gibt: Dynamisch, räumlich und atmosphärisch dicht, macht es viel Freude, zuzuhören. Der aktive Subwoofer packt erbarmungslos und impulstreu zu. Dass er drei recht kleine Basschassis mitbringt, ist hinsichtlich Bass-Präzision und Bass-Schnelligkeit ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die eingebaute Endstufe hat ordentlich Kraft, dass größere Hörräume ebenfalls unter tieffrequenten Druck gesetzt werden können, beweist sie zweifelsfrei.

Als dann das Titellied nach Bonds Einfahrt in Siena erklingt, beweisen uns die Berliner THX-Schallwandler, dass sie auch durchaus musikalische Qualitäten besitzen: Mit guter Auflösung und tadelloser Stimmwiedergabe macht auch hier das Hören viel Freude. Räumlich ist die Wirkung überzeugend, die gesamte Klangkulisse erscheint wie aus einem Guss.

Im nun folgenden Kapitel wird Bonds Gefangener unterirdisch verhört. Hier präsentiert sich das System 4 als Könner bei der Stimmwiedergabe. Dass eine gute Stimmverständlichkeit garantiert ist, sollte selbstverständlich sein. Allerdings sind die Stimmen auch sauber akzentuiert und tadellos ins tonale Gesamtgefüge eingearbeitet. Schritte oder das Verrücken eines Stuhls auf dem Boden bilden die System 4 Komponenten genau ab. Für die 1.000 EUR-Liga ist die Präzision überdurchschnittlich ausgeprägt. Als Ms Leibwächter den Gefangenen tötet und auch auf die anderen Anwesenden das Feuer eröffnet, beginnt eine Verfolgungsjagd – 007 hetzt dem flüchtenden Mitchell hinterher.

Das Zuklappen von Metall-Gittertüren, der Lärm oberirdisch – gerade findet ein Reiter-Spektakel in Siena statt – bringt das System 4 gelungen in Form. Tonal neutral abgestimmt, nehmen Schärfe oder Aggressivität auch bei hohem Pegel nicht über Gebühr zu. Sanft oder samtig ist die Abstimmung der Höhen aber nicht, hier setzt Teufel schon auf Klarheit und Frische. Sensible Zeitgenossen könnten daher etwas zurückschrecken, wenn einem die Effekte mit sehr guter Präzision „um die Ohren“ fliegen.

Immer akkurat eingearbeitet ist der Music Score, alle Arten von Effekten werden trotzdem nicht akustisch verdeckt. Als Bond auf dem Dach des Bus landet, hat dieser Effekt durchaus Durchsetzungsvermögen, ebenso wie kurz darauf das kräftige, räumliche Läuten der Kirchenglocken. Der Zuhörer duckt sich, als die Bretter vom Baugerüst stürzen, so lebhaft wird dieser Effekt wiedergegeben.  Wir sind erstaunt – obwohl die Lautsprecher des Systems 4 ausgesprochen kompakt sind und auch der aktive Subwoofer im Gegensatz zu manchem anderen Teufel-Set nicht gigantisch ausladend ist, wird hier der erwachsene und souveräne Klang großer Heimkinosystem geboten.

Das nächste Kapitel spielt in London. Räumlich prasselt der Regen nieder, der bassstarke Music Score wird weitläufig übertragen. M und 007 untersuchen die Wohnung des zum Gegner übergelaufenen Leibwächters. Die entschlossenen Schritte Ms arbeiten die Front-Lautsprecher sehr gut heraus – auch kleinere Ereignisse werden somit sorgfältig behandelt. Das Gespräch zwischen M und ihrem Mitarbeiter im weitläufigen Gebäude beweist dies genauso, da sich die Stimmdarstellung genau an die räumlichen Gegebenheiten hält und einen leichten Hall berücksichtigt, der auf die speziellen Verhältnisse im Gebäude hinweist.

Als James Bond kurze Zeit später mit dem Koffer in der Hand das heruntergekommene Hotel in Port-Au-Prince auf Haiti verlässt, kommt der Straßenlärm sehr intensiv heraus, das gilt auch, als 007 ins Auto steigt. Kurze Zeit später geht es schon wieder rund, und 007 nimmt die Verfolgung der Flüchtenden mit einem Geländemotorrad auf. Der Zweizylindermotor der Enduro klingt genauso, wie man es auch aus Motocross-Rennen kennt – erneut überrascht uns das System 4 mit enormem Willen zur exakten Darstellung.

Und auch bei der großen Schlacht im Popcornkino-Actionfilm „Avengers“ bewährt sich das System 4. In dieser Schlacht geht es ziemlich vehement zu, erst recht, als die gepanzerten Riesenechsen aus dem All auf die Erde niederdonnern. Das ohrenbetäubende Geschrei, die Spur der Verwüstung durch das Hinwegfegen über die Häuser – all dies fordert die Lautsprecher ungemein. Die Teufel-Speakers  nehmen die Herausforderung hingegen gelassen an und liefern eine ordentliche Strukturierung der großen Effekte. Als die erste gepanzerte Echse erledigt wird und die Trümmer nach unten fallen, schafft das System 4 erneut auch bei hohem Pegel eine kraftvolle Wiedergabe. Oftmals hört es sich bei günstigeren Systemen dann doch so an, als wären sie überfordert – der Ton erscheint dann nicht mehr dynamisch, nur noch Dröhnen und Verzerrungen sind zu hören, und der Bass weicht auf. Sicherlich kann man auch das System 4 überfordern, schließlich ist es kein System 10. Aber dazu muss man Pegel fahren, die in der Praxis nur äußerst selten an der Tagesordnung liegen dürfen.

Auch bei „Avengers“ ist darüber hinaus der Music Score tadellos integriert, und die Weitläufigkeit im Verlauf der großen Schlacht ist gerade über die Surroundkanäle sehr intensiv. Genauso gefallen die Übergänge zwischen Front- und Surroundlautsprecher. Insgesamt hat der Hörer den Eindruck, förmlich vom Klang umgeben zu sein, klangliche Lücken oder ein Nachlassen der räumlichen Intensität war nicht herauszuhören.

Wie sieht es mit der Güte des Systems 4 bei der Musikwiedergabe aus? Hier haben wir sensibell begonnen: Mit der „Vivere – Live in Tuscany“ BD in PCM 5.1 des berühmten Tenors Andrea Bocelli. „Canto della Terra“ bringt von Haus aus viel Flair mit, das von einem entsprechend untalentierten Lautsprechersystem allerdings auch nachhaltig zerstört werden kann. Das System 4 macht seine Sache – so ganz überrascht uns das nach den vorher präsentierten Leistungen auch nicht mehr – wirklich gut und lässt sogar in manchem musikalischen Augenblick vermissen, dass es sich um ein so günstiges Lautsprecherset handelt. Orchestereinsätze haben Ausdruckskraft und Nachdruck, impulstreu wird der Dynamiksprung beim Einsatz des Orchesters umgesetzt. Andreas Stimme, und auch die Sarah Brightmans kommen klar und verständlich heraus. Musik-Kenner werden natürlich bemängeln, dass sich der Ergebnis oberflächlich ganz gut anhört, im Detail aber Schliff und Transparenz fehlen. Das sehen wir ganz genauso – aber das System 4 kostet 1000 EUR und weniger als ein Paar Standboxen der angehenden Mittelklasse. Da sollte man schon andere Maßstäbe anlegen.

Elektronische Klänge aus der deutschen Hauptstadt – damit sind nicht die Geräusche aus den Abhörgeräten beim Belauschen der Handy-Gespräche von Angela Merkels gemeint, sondern die Vorführung 2010, die der Star-DJ Paul Kalkbrenner in Berlin gegeben hat. Beim „Alten Karmuffel“ dreht er im wahrsten Sinne des Wortes richtig auf und ist sich nicht zu schade, mit derben Verzerrungen ebenso zu arbeiten wie mit massiven Bass-Attacken. Wir hören eifrig – wie steht das System 4 zu Kalkbrenners spezieller Interpretation elektronischer Tonleitern? Antwort: Prima. Hart und knackig gibt der Subwoofer den Kickbass wieder. Das darunter liegende Bass-Gefüge wird tadellos erkannt, jeder elektronische Effekt, der hinzu kommt, wird präzise und impulstreu wiedergegeben. Anscheinend ist dies genau die Musikrichtung, die dem System 4 bestens liegt: Der Aufbau auch diffiziler Effekt-Kombinationen gelingt ausgezeichnet und mit hoher Raumwirkung. Paul Kalkbrenner und Teufel System 4 – eine Kombination, die tadellos passt.

Zweikanalig kann man auch wirklich gut mit dem System 4 hören. Recht neutral, lebendig, mit solidem Bass und sehr guter Pegelfestigkeit erfüllt das Berliner Ensemble auch hier die Bedürfnisse zumindest normal gepolter Hörer. Dass ein solches Set nicht optimal für reinrassigen, bis ins Detail intensiven Stereo-Genuss ist, sollte in Anbetracht der Preisstruktur jedem klar sein.

Was treiben die Konkurrenten? Wen muss das System 4 fürchten? Wir zählen auf und beginnen sozusagen „in House“. Das Teufel Theater 100 kommt auf einen Kaufpreis von 700 EUR  und ist damit satte 300 EUR günstiger. Auch hier sind die Boxen sehr kompakt und der aktive Subwoofer leistungsstark. So schick wirkt das System ohne THX-Lizenz freilich nicht, und es spielt  nicht ganz so trocken, gelassen und präzise wie das System 4. Also ist gerade für denjenigen, der es authentisch, aber gleichzeitig souverän und kraftvoll mag, das System 4 die noch bessere Option. Hinzu kommt die elegantere Optik. Preis-/Leistungs-Freude können hingegen bedenkenlos zum günstigen Theater 100 greifen.

Ganz richtiges Kino – was ist das? Noch mehr Druck, Effektdichte, Gänsehaut-Feeling. Und was kostet die Eintrittskarte in den Multiplexsaal für zu Hause? Antwort kommt aus Berlin: 1.599,99 EUR. Exakt, auf den Punkt gebracht. Für dieses Geld kommt das System 5 THX Select 2 mit zwei großen aktiven Subwoofern ins Haus. Brachialer Tiefbass, enorme Präzision, auch für den 40 Quadratmeter-Raum geeignet, durch den homogene Basswellen pflügen. Kurzum, das System 5 ist zwar deutlich teurer als das System 4, aber in seiner Preisklasse auch ein Schnäppchen. Wer einen größeren Hörraum möglichst effektiv und kraftvoll beschallen möchte, gleichzeitig aber eine schicke Optik schätzt, wird hier absolut fündig.

Und nochmal Teufel, diesmal Cubycon. Das aus dem Vollen gefräste Alu-Sub/Sat-Set setzt auf fünf Alu-Doppelwürfel und einen Subwoofer, ebenfalls mit drei Tieftönern, mit MDF-Gehäuse und 150 Watt Sinus-Endstufe. Und was lernen wir aus einem Vergleich? Oh Liebhaber des schönen Wohnzimmers, höre zu – denn im Klang-Direktvergleich hängt das System 4 das Cubycon ab. Metallischer und harscher klingt das Cubycon, gefälliger, souveräner das System 4. Wer nicht beide Systeme kennt, wird mit dem schicken Cubycon sehr zufrieden sein – ohne Frage. Mit dem System 4 ist Teufel nach der Definion 5 Standbox der nächste richtig große Hit gelungen. Kein System, das einfach nur gut ist, sondern ein Set, das es schafft, Maßstäbe zu verschieben – nach oben.

Sehr schick ist ohne Zweifel das hervorragend verarbeitete Heco Music Colours Cinema 5.1A. Die Lackierung, die Gehäusequalität – all das verdient höchsten Respekt. Und auch in den Klangtestreihen konnte es überzeugen. Für Designliebhaber nach wie vor ein starkes Angebot. Akustisch tritt das System 4 noch direkter und kraftvoller an, besonders der Subwoofer liefert eine außerordentlich gelungene Vorstellung. Die beiden Dipole im Surroundbereich ind die drei komplett identischen Front-LS sind fürs geschlossene Klangbild und enorme Weitläufigkeit verantwortlich.

Und extravagant geht es weiter – mit dem Jamo S 35 HCS-System plus dem SUB 800. Satte 1.850 EUR werden hier fällig, dafür gibt es ominpolar abstrahlende Hightech-Satelliten mit räumlichen Top-Leistungen und feiner Verarbeitung sowie ein ultrakompaktes Kraftpaket als aktiven Subwoofer. Im Designer-Loft erste Wahl,  wer eine etwas konventionellere Optik schätzt, wird aus akustischer Sicht auch mit dem System 4 sehr glücklich, denn mit soliderem Grundtonbereich und noch mehr Weitläufigkeit im Surroundbereich offeriert das System 4 durchaus handfeste Vorzüge.

Style geht auch günstiger: Das Mirage MX-Set für 899 EUR ist zwar nicht ganz so nobel verarbeitet wie das zuvor erwähnte Jamo-Ensemble, weist aber auch nach dem omnipolaren Prinzip arbeitende Satelliten – alle fünf identisch – auf. Räumlich spielt das Set für die kleinen Abmessungen toll auf. Der aktive Bass hat gegen den Woofer des Systems 4 keine Chance, auch Pegelfestigkeit und Räumlichkeit sind beim System 4 deutlich ausgeprägter.

Fazit

Teufel erkennt mehr und mehr das wieder an, was die Berliner Direktvertreiber groß gemacht hat: Leistungsstarke, pegelfeste, räumlich und dynamisch aufspielende Heimkino-Lautsprechersysteme. Nicht jede Lücke muss besetzt werden, keine 20 verschiedenen Säulen-Lautsprecher-Sets werden gebraucht – sondern Angebote wie das System 4. Unter neuer Führung kehrt Teufel, so unser Eindruck, bewusst sowie gekonnt zu alten Wurzeln und damit auch zu alter Stärke zurück. Kein Set symbolisiert dies derzeit so deutlich wie das System 4. Dessen Entwicklung hat einiges an Zeit gebraucht, es ist aber auch etwas besonders Gutes dabei heraus gekommen. Die neuen Teufel-Verantwortlichen holen sich mit dem System 4 so etwas wie ihren Ritterschlag ab – es muss nicht ein besonders teures „Aushängeschild“ sein, das für eine echte Großtat verantwortlich ist, sondern es kann auch ein Lautsprecherset sein, das mit messerscharfer Präzision auf die Bedürfnisse des modernen Heimkino-Fans zugeschnitten ist: Kompakt, schick, lebendig aufspielend, pegelfest, enorm räumlich und selbst für den 2.1 Betrieb sehr gut geeignet. Bei der Preisgestaltung bleibt man sich treu und offeriert das System 4 für enorm günstige 1.000 EUR. Da bleibt nur zu sagen: Im Gegensatz zur schwierigen Regierungsbildung ist Berlin aus akustischer Sicht nicht nur wieder auf Kurs, sondern hat mit Offerten wie dem System 4 beste Chancen, mit stabiler akustischer Mehrheit im deutschen Wohnzimmer oder Heimkinoraum zu regieren.

Der Maßstab in der 1.000 EUR-Liga für komplette 5.1-Lautsprechersets heißt derzeit Teufel System 4
5.1 Sub-/Sat-Sets bis 1.000 EUR
Test 29. Oktober 2013

+ Homogene und in sich geschlossene Klangkulisse
+ Hervorragende Weitläufigkeit durch Dipole
+ Drei identische Front-LS
+ Bärenstarker aktiver Subwoofer mit hoher Impulstreue
+ Preiswert
+ Pegelfest
+ Gute Verarbeitung sowie moderne, schnörkellose Optik

– Keine Auswahl bei den Farben

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 29. Oktober 2013




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