TEST: Standlautsprecher Dali Oberon 7 - Klangqualität der gehobenen Mittelklasse für 499 EUR pro Stück?

Die Dali Oberon 7 ist ein Zweiwege-Standlautsprecher, der für einen Stückpreis von 499 EUR offeriert wird. Dafür gibt es unter anderem einen neu entwickelten 29 mm Hochtöner und Tief-/Mitteltöner, deren Polstück beim Magneten aus dem von Dali patentierten SMC-Material. Das Polstück besteht aus einer Kombination aus Eisen und dem von Dali patentierten SMC-Magnetmaterial. Durch diese Materialien ist es möglich, die Verzerrungen dritter Ordnung massiv zu reduzieren, das wiederum führt zu entspanntem Langzeit-Hören: Die Mitten sind präzise, drängen sich dem Zuhörer aber nicht auf, zugleich ist das Detaillierungsvermögen laut Dali sehr ausgeprägt.

Doppelbass-Bestückung

Die Oberon 7 gibt Frequenzen von 36 Hz bis 26 kHz wieder, weist eine Empfindlichkeit von 88,5 dB auf und bringt 6 Ohm Nennimpedanz mit. Der 2-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher erzeugt 110 dB maximalen Schalldruck. Die von Dali empfohlene Verstärkerleistung liegt bei 30 bis 180 Watt. Die Oberon 7 ist 1015 mm hoch, 200 mm breit und 340 mm tief. Das Gewicht: 14,8 kg.

Neu entwickelter 29 mm Hochtöner mit breitem Abstrahlverhalten

Tiefmitteltöner mit Holzfasermembran

Material im Detail

Typisch für Dali: Die beiden 180 mm Tief-/Mitteltöner mit Holzfasermembran. Die Membranen bestehen aus einer Mischung aus einem durch die Beigabe von Holzfasern verstärkten, feinkörnigen Papierbrei. Klingt komisch, ergibt als Resultat aber eine besonders steife Struktur mit geringem Gewicht. Heißt: Hohe Belastbarkeit und ebenso hohe Impulstreue. In Kombination mit extrem verlustarmen Sicken und Zentrierspinnen können auch Klarheit und Detailreichtum überzeugen.

Eleganter Sockel, der für sicheren Stand sorgt

Bassreflex-Öffnung hinten

Frequenzweiche

Anschlussterminals

Die Oberon 7 ist sorgfältig mit, in unserem Falle schwarzer, Vinylfolie bezogen und ruht auf einem formschönen Sockel, der sicheren Stand gibt. Der Lautsprecher hat eine separate Schallwand, die hochglänzend ausgeführt ist, während die Folierung des Gehäuses in matter Optik vorgenommen wurde. Die Chassis sind präzise eingepasst, die Schrauben sind sichtbar und nicht verdeckt. Gut gefallen uns das hochwertige sowie schicke Lautsprecher-Schutzgitter und die großen Anschlussterminals, die auch Bananenstecker ohne Schwierigkeiten aufnehmen Die Ecken des Gehäuses sind allesamt ordentlich verarbeitet, so dass insgesamt für die Preisklasse ein gutes Zeugnis für das Finish ausgestellt werden kann.

Klang

Wir beginnen mit dem Song "Gone Away" von Five Finger Death Punch. Die Oberon kommt hervorragend mit der markanten Stimme von Sänger Ivan „Ghost“ Moody klar und überzeugt uns durch die akkurate Loslösung der Stimme von den Chassis. Zudem ist die vokale Präsentation überraschend charismatisch. Schließt man die Augen, eröffnet sich einem ein sehr großes, dennoch klar gestaffeltes Bühnenbild, das stets sehr authentisch erscheint. Da der Song ein breites musikalisches Spektrum von langsamen Ballade bis zum harten Basseinsatz mitbringt, ist das für manchen Lautsprecher eine große Herausforderung. Die Oberon 7 meistert diese Herausforderung aber mit Bravour und präsentiert auch kleinere akustische Einzelheiten impulstreu. Der Tiefgang ist für die Preisklasse als tadellos zu bezeichnen.

Als nächstes Stück hören wir den Song "One More Light" von Linkin Park. Die Oberon 7 kann auch hier überzeugen. Da die Stimme von Chester Bennington  sehr speziell ist, neigen manche Lautsprecher hier dazu, zu spitz zu klingen, oft mischen sich bei höherem Pegel auch Verzerrungen hinzu. Die Oberon 7 schlägt sich für rund 500 EUR/Stückpreis richtig gut: Chesters Organ gibt die Oberon 7 auch bei höheren Pegel sauber und differenziert wieder. Da es sich bei "One More Light" um einen langsameren Song mit teils wuchtiger Basswiedergabe handelt, ist hier der Basseinsatz sehr beachtlich, da die Basswiedergabe ein solides Fundament hat und zudem sehr tief hinunter geht.

Nach zwei Rocknummern wenden wir uns jetzt der Clubmusik zu. Wir starten mit "In My Mind" von Dynoro, Gigi D'Agostino und wir sind sehr erstaunt, wie unmittelbar und kraftvoll die Oberon 7 anschiebt. Die Oberon startet mit einem sehr kräftigen, zugleich präzisen Bass und auch der mangels Differenzierungsvermögen oft eher kritische Gesang wird klar und mit ausgezeichneter Auflösung dargestellt, ohne dabei schrill oder metallisch zu wirken. Auch hier zeigt uns der Einstieglautsprecher, was man für vergleichsweise wenig Geld bekommen kann. Das Bühnenbild wirkt auch bei diesem Song wieder sehr groß und gut gestaffelt.

Wir legen mit "Sheep" (Alan Walker Relift) von LAY nun einen Hip Hop-Track nach. Hart, satt, kraftvoll - die Basswiedergabe wäre selbst für eine Box mit einem Stückpreis von 700 bis 800 EUR noch exzellent. Ermüdungserscheinungen bei hohem Pegel? Keine! Die Oberon 7 kommt auch mit Wechseln bei Rythmus oder Effekten sehr gut zurecht, trennt alle Elemente inklusive der Vocals auch bei enormer Lautstärke noch sauber voneinander. Durch das hervorragende Volumen verbreitet die Oberon 7 auch im größeren Hörraum dichten, kraftvollen Sound. Das zeigt sich auch bei Calvos "Need U": Mit sattem Bass schiebt die Oberon 7 souverän an. Die Schnelligkeit aller Treiber führt zu einem äußerst dynamischen Klangbild, das zudem stets durch präzise Strukturen begeistert.

"On The Line" (Julien Peretta, HUGEL Remix) stellt die Bass-Qualitäten der Oberon 7 erneut sehr gut heraus: Satt, klar, souverän, auch bei deutlich gehobenem Pegel, lässt sich die Oberon 7 auch von zahlreichen deutlich teureren Schallwandlern nichts vormachen. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt überragend, das Klangbild erweist sich bis in hohe Pegelregionen als ausgewogen und satt im Bassbereich.

Trotzdem überlagert der Bass keine vokalen Klanganteile. Hörbare Verzerrungen gesellen sich erst bei extrem hohen Lautstärken hinzu (Denon AVC-X8500H im Stereo-Betrieb bei über 80 Prozent Maximalpegel), das ist für das bürgerliche Preisniveau der Oberon 7 ohne Abstriche hervorragend. Die Box erweist sich zudem als wenig aufstellungskritisch und punktet mit ihrem breiten Abstrahlwinkel. Daher ist keinesfalls zwingend ein klassisches Stereo-Dreieck notwendig, um der dänischen Standbox ihr volles Potential zu entlocken. Bedingt durch Souveränität und Pegelfestigkeit kann man auch einen Raum von gut 25 Quadratmeter problemlos beschallen.

Komplett andere Tugenden sind bei "California Dreamin" in der Cover-Version von Diana Krall gefragt. Hier zählen vor allem Detailtreue, fein dosierte Räumlichkeit und die Bereitstellung einer hervorragenden vokalen Präsenz. All dies managt die Oberon 7 zuverlässig und in ausgezeichneter Qualität. Der homogene, kultivierte Klang, geprägt von einem soliden, nachdrücklichen Fundament, das aber nie übertrieben erscheint, qualifiziert die Box durchaus auch für die Aufnahme der Arbeit bei anspruchsvollen Anwendern.

Das hören wir auch bei "Time To say Goodbye" von Andrea Bocelli und Sarah Brightman: Fein und natürlich erfolgt die Stimmwiedergabe bei Sarahs und bei Andreas Stimme, die Trennung vom instrumentalen Teil der Darbietung gelingt überragend. Man hat den Eindruck, tief ins akustische Geschehen eintauchen zu können, und aufgrund der akkuraten Detaillierung kann man auch ruhig genauer hinhören. So erwachsen und so komplett, wie die Oberon 7 aufspielt, ist sie eine echte Bereicherung ihres Marktsegments.

Konkurrenzvergleich

Klipsch R-610F

Magnat Tempus 77

Was lernen wir aus der Leistung der Oberon 7? Es gibt viele sehr gute Lautsprecher, die teilweise sogar noch preiswerter sind als die Oberon 7. So denken wir hier an die Klipsch R-610F, die auf 349 EUR Stückpreis kommt, oder an die Magnat Tempus 77. Hier kann man für wirklich wenig Geld, gerade im Falle Klipsch, exzellente Lautsprecher kaufen, die für den Normalverbraucher mit etwas gehobenem Anspruch akustisch kaum Wünsche offen lassen.

Dali Spektor 6

Auch Dali ist mit der Spektor 6 für 299 EUR in sehr günstigen Preisklassen erfolgreich vertreten: Homogen und lebendig klingend, hat uns die Spektor 6 im damaligen Test sehr gut gefallen.

Uni-Fi FS U5

Teufel Definion 3

Dann finden sich Schallwandler der Klasse bis 1.500 EUR wie die sehr gut verarbeitete Elac Uni-Fi FS U5, die uns ebenfalls mit sehr sauberem, feinem Klang verwöhnt. Oder die Teufel Definion 3 (derzeit knapp 1.500 EUR), ebenso wie die Elac mit Hightech-Koaxial-Chassis für Hoch- und Mitteltonbereich.

Erstklassige Qualität zum kleinen Preis setzt demnach die Oberon 7 von unten unter Druck, ausgefeilter Hightech mit geschliffener Verarbeitung von oben. Doch die Oberon 7 hält alledem gelassen Stand. Denn es ist der äußerst angenehme, kultivierte, souveräne Sound, der die Oberon 7 zu dem macht, was sie ist: Eine erstklassige Alternative. Da noch etwas mehr authentisches Volumen im Vergleich zur absoluten Einsteigerklasse, hier noch etwas mehr Auflösungsvermögen. Auf der anderen Seite, trotz einfacherer Konstruktion, kaum schlechtere Feindynamik als Boxen der 1.500 EUR (Paarpreis) Liga und auch kaum weniger Pegelfestigkeit.

Die Dali Oberon 7 bleibt bezahlbar, gibt sich aber auch schon klar als ernsthafte Alternative für den erfahrenen Musikliebhaber mit Fokus auf ein besonders gutes Preis-/Leistungsverhältnis zu erkennen. Natürlich möchten wir an dieser Stelle nicht verschweigen, dass aufs Ganze, also die ganze Kette und deren klangliche Leistungsfähigkeit, noch deutlich mehr geht. Für jeden Anwender sind preiswerte Lösungen nicht geeignet, trotz der Feststellung, wie gut sie geworden sind. Nochmals größere Schritte hinsichtlich Feindynamik, Bass-Strukturen, Loslösung der Stimmen oder Pegelfestigkeit sind bei deutlich teureren Ketten und Lautsprechern kennzeichnend.

Fazit

Dalis Oberon 7 glänzt mit untadeliger Ausgewogenheit und akustischer Souveränität. Der Standlautsprecher eignet sich für praktisch alle Musikstile durch seine unaufdringliche, gleichzeitig aber trotzdem lebhafte und kraftvolle Wiedergabe. Man kann durchaus einen leistungsfähigen Verstärker einsetzen, dank der hervorragenden Pegelfestigkeit bringt die Oberon 7 so schnell nichts aus der Ruhe. Die Box präsentiert sich in guter Verarbeitungsqualität, dank des optisch schicken Standfußes steht der Schallwandler überall stabil.

Komplett aufspielender, pegelfester Standlautsprecher zum äußerst fairen Kaufpreis

Standlautsprecher bis 1.000 EUR/Stück
Test 24. Oktober 2018

Test: Sven Wunderlich, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 24. Oktober 2018

 

Tags:




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK