TEST: Sony High Resolution HDD-Audioplayer HAP-Z1ES – Superstar der HiRes-Szene?

Sony HAP-Z1ES Front Seitlich3

Für eine unverbindliche Preisempfehlung von 1.999 EUR ist der Sony High Resolution-Netzwerkplayer HAP-Z1ES in edlem Champagner-Silbern erhältlich. In das edel auftretende Gerät ist eine sehr große Festplatte mit 1 TB Fassungsvermögen integriert. Die Verarbeitung des HAP-Z1ES weiß nahezu ohne Abstriche zu gefallen. Nahezu ohne Abstriche, das heißt, irgendein Detail ist nicht perfekt – und so ist es in der Tat. „Übeltäter“ ist die viel zu einfach gestaltete Fernbedienung. Die Optik suggeriert eigentlich, dass das riegelförmige Teil aus Metall besteht. Doch Gewicht und Haptik entlarven das verwendete Material als Kunststoff – einem 2.000 EUR HDD-HiRes-Player in Nobel-Ausführung nicht würdig. Ansonsten herrscht eitel Sonnenschein. Die Bedienelemente auf der Gerätefront sind akkurat eingepasst, das Drehrad liegt angenehm in der Hand. Unter dem Gerät sitzen hochwertige Standfüße. 

Sony HAP-Z1ES Rueckseite Seitlich

Rückseite

Sony HAP-Z1ES Anschluesse Rueckseite2

IR Remote, Netzwerkschnittstelle, Anschluss für externe USB-Speichererweiterung

Sony HAP-Z1ES Anschluesse Rueckseite1

Asymmetrische und symmetrische Stereoausgänge

Im Inneren präsentiert sich der HAP-Z1ES sauber verarbeitet. Allerdings hätten wir uns Ringkerntrafos als weiteres hochwertiges Merkmal gewünscht, und das Chassis macht auch einen zu einfachen Eindruck. Zusätzliche Verstrebungen fehlen beispielsweise. Sehr akkurat ist die Verkabelung, und es gibt 2 Trafos zur Stromversorgung. 

Sony HAP-Z1ES Innenleben Gesamt

Innenansicht komplett

Sony HAP-Z1ES Innenleben1

Im Detail

Sony HAP-Z1ES Innenleben2

2 Trafos

Das 4,3 Zoll messende LC-Display löst ansprechend auf und ist sehr gut ablesbar. 

Sony HAP-Z1ES Display

4,3 Zoll-Display mit guter Auflösung

Sony HAP-Z1ES Fernbedienung

Nicht besonders hochwertig wirkt die mitgelieferte Fernbedienung

Der HAP-Z1ES gibt folgende Dateiformate wieder:

  • DSDIFF (DSD), DSF, WAV (LPCM), AIFF (LPCM), WMA, FLAC, ALAC, MP3, AAC, ATRAC (keine DRM-Dateien)

Der HAP-Z1ES unterstützt die unterbrechungsfreie Wiedergabe (Gapless) und zieht sich Titel, Album-Cover etc. von Gracenote. Integriert ist auch eine Internet Radio-Funktion. Der HAP-Z1ES bringt keine Bluetooth-Schnittstelle mit, was wir als Defizit sehen, wird Sony als bewussten Minimalismus hinsichtlich des konsequent auf Hochwertigkeit ausgelegten HDD-Players sehen: Ein qualitativ nicht besonders hochwertiger Standard wie Bluetooth hat bei einem solchen HiRes-Player nichts an Bord zu suchen. Dafür kann man mit dem HAP-Z1ES einschlafen: Ein Sleep Timer (120/90/60/30 Minuten) ist Bestandteil der Ausstattung. Nach 20 Minuten aktiviert sich der Standby-Modus, in dem 0,3 Watt verbraucht werden. Bei aktiver Ethernet- oder WiFi-Verbindung sind es 2,3 Watt. 

Um bestmögliche Klangqualität zu garantieren, finden sich verschiedene Schaltungen an Bord. So die „DSD Re-Mastering Engine“. Dieses Feature wandelt andere digitale Musikformate in DSD-Audiodateien um. Auch DSEE (Digital Sound Enhancement Engine) gehört zur Ausstattung. Die Aufgabe von DSEE besteht ebenfalls darin, konventionelle Dateien, allerdings ohne Umwandlung in DSD, aufzupolieren und akustisch zu verbessern. 

Bindet man den HDD-Player drahtlos ins Netzwerk ein, ist es wichtig, welche Drahtlosnetzwerke unterstützt werden: IEEE802.11b/g/n werden supportet, der neueste Standard ac fehlt. 

Der HDD-Player lässt sich natürlich auch mittels einer für iOS- und Android-Smartphones/Tablets erhältlichen App steuern. Sinnigerweise wird meist auf der Sony-Website nur von „App“ gesprochen und nicht vom konkreten Namen der App. Dies wäre durchaus wünschenswert, denn es gibt zahlreiche Sony Network-Apps auf Google Play und im Apple-Store, da sucht es sich leichter, wenn man den Namen kennt: „HDD Audio Remote“ ist die richtige App, die korrekt funktioniert und den HAP-Z1ES sofort erkennt. 

Sony HAP-Z1ES App1

Direkt wird der HAP-Z1ES erkannt

Sony HAP-Z1ES App2

Hübsches Design der App

Sony HAP-Z1ES App3

DSEE sowie DSD Re-Mastering sind auch über die „HDD Audio Remote“ zu steuern

Die Bedienlogik bei der Bedienung am Gerät überzeugt nicht gänzlich. Anstatt neben das Drehrad einen separaten „Enter“ Knopf zu platzieren, wäre es sinnvoller gewesen, die Drück-Funktion gleich mit ins Drehrad zu integrieren. Überhaupt ist es um die Funktionsvielfalt und die generelle Usability nicht zum Besten bestellt. Beispiele gefällig? Man kann nicht einfach einen USB-Stick mit HiRes-Dateien und komprimierten Dateiinhalten hinten an den USB-Slot hängen. So wird das Medium nicht erkannt, der HAP-Z1ES verlangt nach einer Formatierung. Demnach sieht es also so aus, dass extern angeschlossene USB-Medien nur als externe Vergrößerung des 1 TB fassenden internen Speichers verwendet werden können. Auch ist es nicht einfach möglich, mittels Netzwerk direkt auf NAS-HDD-Systeme, PCs und Home Server zuzugreifen. Das funktioniert bei Sony etwas anders. Man installiert, je nach System für PC oder Mac, den „HAP Music Transfer“. Dieser organisiert dann eine Übertragung des gewünschten oder der gewünschten Musik-Ordner von PC und/oder NAS-HDD beziehungsweise Home Server. Das Kopieren der Dateien beim ersten Mal (1.777 Stück bei uns, Verhöltnis Hires/LowRes 1:3) benötigt leider viel zu viel Zeit. Nach 1,5 Stunden waren gerade 600 Titel kopiert. Zudem wird dem PC jede Menge Performance während der Übertragung entzogen. Hier besteht demnach noch Verbesserungspotential. Auch, dass sich das Device während des Abrufens der Inhalte über das PC-Programm nicht verwenden lässt, ist verbesserungswürdig. 

Sony HAP-Z1ES PC_Anwendung1

Dateiübertragung vom PC auf den HAP-Z1ES

Sony HAP-Z1ES PC_Anwendung2

Festlegen der zu überwachenden Ordner. Kommt neue Musik in diesen Ordnern hinzu, wird diese automatisch übertragen

Sony HAP-Z1ES PC_Anwendung3

Gleich beginnt die Übertragung

Sony HAP-Z1ES PC_Anwendung4

Übertragung der Dateien

Pro & Contra:

+ Edle Optik
+ XLR-Terminals
+ Sehr gutes 4,3 Zoll Farbdisplay
+ DSD Re-Mastering und DSEE an Bord
+ 2 Trafos innen
+ Einfach zu bedienende App
+ Einfacher Transfer von Musikdateien mittels PC-Programm auf HAP-Z1ES
+ Kompatibel zu allen relevanten HiRes-Formaten

– Dateitransfer von Musik auf HAP-Z1ES dauert zu lange
– Kein direkter Zugriff auf Server/PCs/NAS-Systeme im Netzwerk
– Kein Spotify/Tidal etc.
– Fernbedienung wirkt zu einfach
– USB-Terminal nur für entsprechend formatierte externe Speichererweiterungen

Klang
Testequipment:

Wir starten „Low-Res-mäßig“ mit Duran Durans „A View To A Kill“ aus dem gleichnamigen 007-Film. Und der Player bietet gleich eine wirksame Behandlung mit DSEE: Der AAC 256 kbps-Track wirkt frischer, detailreicher und fundierter. Mit klarer Stimmwiedergabe und einem kraftvollen Bass wird die neutral aufspielende Nubert-Vor-Endstufen-Kombination bedient. Lebendigkeit, Feindynamik und Räumlichkeit sind ausgezeichnet. 

Der Klassiker „The Final Countdown“ von Europe, nur in AAC 128 kbps vorliegend, untermauert eindrucksvoll, was der edle HAP-Z1ES auch aus schlechtem Quellmaterial hervorzaubert: Ein angenehm sauberer, fundierter Bass sowie eine gut eingearbeitete Stimmwiedergabe. Der Track klingt deutlich frischer, lebhafter und räumlich dichter nach DSEE-Bearbeitung. 

Die Maxi-Version des a-ha-Klassikers aus den 80er Jahren „The Sun Always Shine On TV“ folgt in AAC 256 kbps. Auch hier sichert der HAP-Z1ES eine frische, klare Wiedergabe, der Bassbereich ist nicht mehr so schlapp und undefiniert, wie wir es sonst oft gehört haben. Der Sony-Player bietet demnach auch für niedrig auflösendes Quellmaterial eine ideale Basis, um dieses optimiert zu präsentieren. Stimmwiedergabe sowie die Trennung von Stimmen und Instrumenten zeigen sich in richtig guter Verfassung. 

Hochauflösend ist das legendäre „Hotel California“ der Eagles. In Flac 192 kHz/24-Bit liegt dieses Stück vor. Die Gitarre kommt vielschichtig heraus, und der Bass präsentiert sich gleichermaßen straff wie kräftig – er schiebt sich allerdings nie zu weit in den Vordergrund. Die Vocals nimmt sich der HAP-Z1ES sehr gründlich vor. Mit feiner Struktur und einer charismatischen Gesamtwiedergabe werden souverän enorm hohe Ansprüche erfüllt. 

In 96/24 hören wir uns aus Guiseppe Verdis „Rigoletto“ das 3. Duett „Figlia! Mio Padre!“ rein instrumental nur mit Streicher/Orchester an. Schon das Streicher-Intro und der orchestrale Einsatz überzeugen durch Homogenität und wohldosierte Brillanz. Der Esprit und der Schwung werden beinahe optimal vom HAP-1ES umgesetzt. Wir hatten an unserer leistungsstarken Nubert-Kombi noch nie ein so facettenreich und dabei so angenehm aufspielendes Quellgerät. Wie harmonisch, aber gleichzeitig wie dynamisch und detailreich der Player agiert, verdient viel Lob.

Hier bewegt sich was – und zwar in DSD 2,8 MHz: „Never Too Much“ von Luther Vandross sorgt für Furore. Kräftig und präzise ertönt der Bass, Luthers Stimme ist nahtlos eingearbeitet, wird aber gleichzeitig hervorragend von den Instrumenten getrennt. Das akustische Ganze erscheint ungemein stimmig, kultiviert und doch mitreißend durch die enorme Dynamik. Die Feindynamik und das Herausarbeiten von Details gelingt dem HAP-Z1ES erstklassig.

Santanas „Black Magic Woman/Gypsy Queen“, wiederum in DSD 2,8 MHz punktet bereits mit dem sehr vielschichtigen Beginn. Kleine dynamische Differenzen werden ebenso gut wiedergegeben wie die E-Gitarre mit all ihren Konturen. Der harmonische und gleichzeitig sehr fein auflösende Hochtonbereich gefällt uns von Stück zu Stück besser. Nie schrill oder aggressiv, wirkt der HAP-Z1ES schlichtweg extrem souverän, das beweist auch die ein weiteres Mal exzellente, weil enorm präzise strukturierte Stimmwiedergabe. Die Nubert Vor-/Endstufenkombination erweist sich überdies als idealer „Vollstrecker“ für die Talente des Sony HDD-Players.

Herbie Hancocks „Watermelon Man“ mit dem etwas ungewöhnlichen Intro liegt ebenfalls in DSD 2,8 MHz vor. Man mag das Stück oder man mag es auch nicht, auf jeden Fall beeindruckt, der Facettenreichtum, mit dem uns der HAP-Z1ES beschenkt. Auch der straffe, sehr gut integrierte und genau den Punkt treffende Bass macht glücklich: Viel Struktur, ein passendes Volumen und ein toller Tiefgang sind hervorzuheben. 

Fazit

Sony HAP-Z1ES Front Seitlich2

Mit exzellentem Klang und edler Optik verwöhnt uns der HAP-Z1ES. Die Aufpolierer bzw. Aufpolierer/Formatumwandler DSEE und DSD Re-Master arbeiten absolut überzeugend. Die App ermöglicht eine komfortable Steuerung des HAP-Z1ES, und der Transfer von Musikdateien mit einem PC als „Mittelsmann“ funktioniert sehr einfach und zuverlässig, wenn auch relativ langsam. Die Ausstattung mit XLR-Anschlüssen ist ebenfalls erfreulich. Wenig gut gefällt uns, dass keine USB-Speichermedien mit HiRes- und LowRes-Dateien einfach an den USB-Slot angeschlossen werden können. Dieser dient nur der externen Speichererweiterung. Angeschlossene USB-Sticks und HDDs müssen demnach zunächst formatiert werden. Auch, dass man nicht einfach direkt auf im selben Netzwerk befindliche NAS-Systeme, Home Server und PCs mit Musikdateien zugegriffen werden kann, findet nicht unsere Zustimmung. Musikdienste wie Spotify oder Tidal bzw. auch einer von Sonys eigenen Diensten fehlen. Die mitgelieferte Fernbedienung ist zu einfach gestaltet, während das scharfe, klare 4,3 Zoll-Display sehr positiv auffällt.  Bilanzierend empfiehlt sich der HAP-Z1ES für den akustisch enorm anspruchsvollen Musikliebhaber, der weniger Wert legt auf eine extrem üppige Ausstattung als auf beste Behandlung der HiRes- und sogar LowRes-Audio-Sammlung. 

Überragend klingender, edler HDD Music-Player mit leider partiell lückenhafter Ausstattung
ausgezeichnet
High Resolution Music Player Oberklasse
Test 31. Mai 2016

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 31. Mai 2016

 




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