TEST: Smartwatch TAG Heuer Carrera Connected – Moderner schweizer Uhren-Luxus oder überteuertes Gimmick?

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Das Thema „Smartwatch“ ist mittlerweile so weit verbreitet, dass sich auch Schweizer Luxusuhren-Hersteller darüber nicht nur Gedanken machen, sondern in Form der seit kurzem erhältlichen auf Android Wear (Version 5.1.1) basierenden TAG Heuer Carrera Connected auch entsprechende Produkte auf den Markt bringen. Mit 1.350 EUR ist die TAG Heuer Connected durchaus als kostspielig zu bezeichnen. Allerdings steht sie nicht allein da mit diesem recht hohen Kaufpreis. Die eckige Apple-Watch in der edlen Hermès-Edition kostet mit 1.350 EUR (Single Tour 42 mm, Single Tour 38 mm 1.300 EUR) exakt genauso viel. Zufall? Wer es richtig „krachen“ lassen möchte, kann sich die „Apple Watch Hermés Cuff 42 mm“ mit Barenia Lederarmband (besonders breit, besonders aufwändig gefertigt) für 1.750 EUR gönnen. 

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TAG Heuer steigt ins Smartwatch-Business ein – mit Erfolg: Die nur über die TAG Heuer Boutiquen angebotene Connected ist ständig ausverkauft

Optisch macht die TAG Heuer, Barenia hin oder her, allerdings eindeutig mehr her, mit attraktivem, klassisch-rundem 46 mm Gehäuse wirkt sie maskuliner als die Apple Watch, die auch in der Hermes-Edition nur maximal 42 mm Gehäusedurchmesser (für Damen empfiehlt sich die 38 mm Apple Watch) aufweist. Das kann bei großen Männern mit starken Handgelenken unterdimensioniert wirken.

Aber der Reihe nach – in welcher Form verpackt kommt die TAG Heuer Connected mit kratzresistentem Saphirglas und 1,5 Zoll 360×360 Pixel-Display (240 dpi) denn überhaupt zum Kunden?

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Umverpackung

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Darunter noch ein Karton

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Die eigentliche Box aus blauem Kunststoff

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Marken-Emblem

TAG Heuer liefert die Connected in einer blauen Kunststoff-Box aus. Die Uhr selber sitzt auf einem schwarzen Gummiball – trendy und chic, das geht alles in Ordnung. Etwas Skepsis kommt auf, als wir den gesamten Packungsinhalt begutachten.

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Lade-Dongle

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Pins

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Micro USB-Terminal

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Aufladeprozess. Während diesem leuchten Teile des Zifferblatts grün, im oberen Chrono-Element wird die Zeit angezeigt, die man noch zum Aufladen bis auf 100 % braucht

Warum war es für die Ingenieure von TAG Heuer nicht möglich, schlicht einen Micro USB-Port an die Uhr zu bauen? Anscheinend hat es sich noch nicht bis in die Schweiz herumgesprochen, dass man kein unpraktisches und zusätzliche Kosten verursachendes Dongle (wenn man z.B, ein Dongle zu Hause und eines unterwegs nutzen möchte) braucht, um die Uhr zu laden. Einige andere Smartwatch-Anbieter (z.B. Huawei) machen es aber auch nicht besser und liefern ebenfalls ein Dongle mit. 

Sehr gut hingegen ist, dass der 410 mAh-Akku bereits nach einer Stunde von wenigen Prozent bis auf 100 Prozent aufgeladen ist. Weniger gut ist, dass der Akku, obwohl für eine Smartwatch nicht zu klein dimensioniert, nur rund 16,5 Stunden durchhält – und zwar bei normalem Nutzungsverhalten, das heißt: Die Option „Display immer an“ ist im Menü deaktiviert, die Connected ist demnach schwarz normalerweise. Erst, wenn man das Handgelenk langsam zu sich bewegt, wird sie aktiv (auch diese Funktion kann man im Menü einstellen). Die Helligkeit hatten wir ebenfalls nur auf unterster Stufe (Stufe 1, was aber meist auch reicht). Wenn man die Connected nur sehr wenig benutzt, dann sind auch mehr als 20 Stunden Akkulaufzeit drin. Trotzdem:  Der Akku und seine Laufzeit ist definitiv kein Ruhmesblatt für unseren Schweizer Smartwatch-Freund.

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Armband mit solider Schließe

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Von  unten

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Lade-Pins

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Krone

Schon eher die Verarbeitung. Der Autor dieser Zeilen hat sich bislang keine Smartwatch gekauft, da die meisten nicht sonderlich edel ausschauen und die gut verarbeitete Apple Watch a) eckig und b) zu klein ist. Also hieß es warten – bis dann die Connected kam, die bestens ins Konzept passte. Das Kautschukband ist sehr hochwertig, die Titanelemente sind es ebenfalls. Trotz 46 mm Gehäuse und 12,8 mm Dicke wiegt die Connected lediglich 52 Gramm (82 Gramm mit Armband). Daher stört sie auch nie durch zu hohes Gewicht. Auch die Krone macht einen sehr noblen Eindruck. Leider gilt dies nicht für die Kunststoff-Unterseite, in die auch die Lade-Pins fürs Dongle integriert sind. Fazit der Verarbeitung ist trotzdem: Es gibt derzeit kaum eine noblere und schönere Smartwatch, sucht man ein ausgewachsenes Exemplar mit einer gewissen Wirkung. Und: Nach zwei Jahren und einer Zusatzzahlung von weiteren 1.350 EUR kann man die TAG Heuer Connected in eine echte, mechanische Carrera-Uhr umtauschen. Diese soll, so TAG Heuer, aussehen wie die Connected, für jeden Käufer der Smartwatch ist eine mechanische Uhr vorgesehen. 

Zudem ist die Smartwatch immerhin IP76 zertifiziert. Das heißt: 30 Minuten unter Wasser bei einer maximalen Tiefe von 1 Meter hält sie aus. Man muss, sucht man eine Smartwatch zum Schwimmen, allerdings nicht einmal 200 EUR ausgeben, um etwas passendes mit Wasserdichtigkeit bis zu 50 Metern – also deutlich mehr – zu finden: Die Pebble Steel kommt auf 190 EUR und hat zudem einen extrem starken Akku. Konkurrent für die Connected? Niemals, denn so billig wie der Kaufpreis sind auch die anderen Features: E-Ink-Display spart zwar Strom, ist aber sonst nicht der „Brüller“, siehe die schlechte Auflösung. Mini-Speicherplatz für nur wenige Apps zeigt auch: Sicherlich nett für 190 EUR, aber keine Oberklasse. 

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App auf dem iPhone

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Einstellungen

Die TAG Heuer Connected setzt, wie man am Logo im Screen bereits beim Hochfahren erkennt, auf einen Intel-Chip, und zwar eine Dual Core-Unit mit maximal 1,6 GHz. Sehr gut gefällt uns der 1 GB Arbeitsspeicher. Man merkt das auch beim Agieren mit der Uhr, man kann hintereinander verschiedene Anwendungen öffnen, ohne dass die Uhr „Luft holen“ muss. 4 GB sind an internem Speicher verbaut, das ist ausreichend, stellt aber keine Besonderheit dar. Viel günstigere Smartwatches haben auch nicht weniger Speicher. Das Koppeln mit dem Smartphone, in unserem Falle einem Apple iPhone 6s Plus, funktioniert sehr einfach. Zuvor muss auf dem iPhone die im App-Store erhältliche Android Wear-App installiert sein, Bluetooth ist zu aktivieren. Via Bluetooth 4.1 koppelt sich dann die TAG Heuer Connected mit dem iPhone. Das Ganze funktioniert ab Android-Version 4.3 und ab iOS 8.3 (Apple iPhone). Wahlweise ist auch WLAN 2,4 GHz, 802.11 /B/G/N integriert. 

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Zifferblatt-Auswahl in der App

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Zifferblatt-Auswahl auf der Connected

Im Betrieb läuft die TAG Heuer sehr zuverlässig. Druck auf die Krone aktiviert die Uhr ebenso wie das Drehen des Handgelenks, wenn diese Option in den Einstellungen zuvor aktiviert wurde. Hier liegt aber auch ein kleines Manko hinsichtlich der Betriebssicherheit: Dass die Uhr beim Drehen des Handgelenks aktiviert wird, funktioniert meistens – aber nicht immer. TAG Heuer stellt sehr attraktive Zifferblätter zur Verfügung, die man durch längeres Drücken auf den Touchscreen oder in der TAG Heuer optimierten Android Wear-App aussuchen kann. Integriert sind Bewegungssensor für den Schrittzähler und auch ein Neigungssensor, um z.B. die Funktion „bei Drehen des Handgelenkes aktivieren“ möglich macht. Wie sieht es mit Nachrichten aus, die die Connected empfangen und darstellen kann? Wir haben einiges mit dem iPhone versucht – und vieles geht:

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Anzeige des Versandes von Bestellungen

  • Eingehende Anrufe und SMS werden auf dem Smartwatch-Display gemeldet, SMS können gelesen werden
  • Auch vom Kalender in Apple iOS-Devices werden Ereignisse auf dem Display der Connected angezeigt
  • Facebook Messenger-Nachrichten werden gemeldet und können auch gelesen werden
  • Whatsapp-Nachrichten werden gemeldet
  • Wer die n-tv App nutzt, bekommt Breaking News angezeigt
  • Wer die Amazon-App verwendet und über Amazon Bestellungen getätigt hat, bekommt anzeigt, wenn Teile der Bestellung verwendet wurden

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Schrittzähler

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Wettervorhersage 

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Google-Funktionen

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Nicht zu viel Helligkeit – das zieht Akkuleistung

 Das können alles andere Smartwatches auch – es ging nur darum, dass bis vor kurzem noch nicht viel ging mit der Connected, wenn man kein Android-Smartphone hatte. Anscheinend hat sich das mittlerweile geändert. Integriert sind auch z.B. Schrittzähler (aber kein Pulsmesser und leider auch kein GPS), Wettervorhersage (Basis weather.com), Taschenlampe (hier leuchtet schlichtweg das Display weiß), eine Alarmfunktion, die Google Sprachfunktion (Mikrofon ist in die Uhr integriert), Terminkalender (kann alles mit vorhandenem Google-Konto synchronisiert werden), Timer-Funktion sowie Vibrationsalarm, der von der Intensität her durchaus wahrgenommen wird und somit Sinn macht. Ein „Kino-Modus“ ist noch zu aktivieren, dann bleibt das Display immer Schwarz, erst, wenn man gezielt auf die Krone drückt, aktiviert sich die Connected wieder. 

In verschiedenen Tech-Foren und auch bei Testern war schon über die TAG Heuer Connected gespottet worden, es gibt aber auch schon faire sowie kompetente Tests online. Die wenig überzeugende Akkulaufzeit wird auch von anderen Testern als Hauptmängel festgehalten, auch, dass die Connected nur wenig Fitness-Funktionen hat, obwohl sie sich mit der robusten Verarbeitung, dem Kautschuk-Band und dem geringen Gewicht sehr gut für sportliche Aktivitäten eignen würde. Oftmals werden die Smartwatch-Artikel aber auch von „Tech-Gurus“ geschrieben, die extrem kompetent und tief in der Materie sind, aber keinen Sinn für Schweizer Luxusuhren haben. Das Flair, das TAG Heuer Produkte versprühen, spielt keine Rolle. Ist auch verständlich – es ist immer wichtig, alles von zwei Seiten zu beleuchten, und sicherlich braucht beileibe nicht jeder „Smartwatcher“ eine TAG Heuer Connected. Wer aber auch beim Tragen der Smartwatch etwas Luxus-Feeling verspüren möchte, liegt goldrichtig bei dieser Uhr. 

Es gibt zwar auch andere Hersteller, die das Thema „Luxus“ für ihre Smartwatch entdeckt haben – aber eine Huawei Watch ist bei aller Attraktivität eben keine TAG Heuer. Auch, wenn die Huawei-Watch, die man übrigens für Android und für iOS verwenden kann, wirklich einen sehr gut verarbeiteten Eindruck hinterlässt. Ab 349 EUR (UVP für die Variante mit Lederarmband) kann man die chinesische Android  Wear 5.1.1 Smartwatch mit Bluetooth 4.1 + WLAN kaufen. IP67 gibt es auch hier, zudem ebenso 4 GB Speicher. Der Arbeitsspeicher ist mit 512 MB allerdings nur rund halb so groß wie bei der TAG Heuer Connected. Der Qualcomm Snapdragon 400 mit 2 x 1,2 MHz sorgt für Vortrieb. Mit 42 mm Gehäusedurchmesser ist Huaweis Beitrag kleiner bezüglich des Gehäusedurchmessers. Das 1,4 Zoll AMOLED-Display löst dafür mit 400×400 Pixel hoch auf. Obwohl nur 300 mAh Kapazität, hält der Akku 3 bis 4 Stunden länger als bei der Connected. Auch Huawei liefert im Übrigen ein Dock für die Uhr mit – unverständlich. Ebenso sind die Preise schon kurz nach Erscheinen im Sinkflug, Wertbeständigkeit darf bei der Huawei Watch nicht erwartet werden. 

Klar, dass auch Samsung mit der Gear S2 (IP68 zertifiziert) ab rund 350 EUR ein gewichtiges Wörtchen mitredet. Derzeit nur für Android-Smartphones geeignet, soll die Gear S2 auch für iOS tauglich gemacht werden im Laufe des Jahres. Nachteil der Samsung-Watch – rund 3 Stunden Zeit vergeht fürs Volladen (induktives Laden möglich), da ist die Connected deutlich flotter unterwegs. Dafür entschädigt die doppelt so lange Akkulaufzeit des 250 mAh-Akkus. Optisch ist die Gear S2 nett gemacht, hält aber, was in Anbetracht des Preisunterschiedes auch nur natürlich ist, nicht mit der Connected mit. Viele Fitness-Funktionen sprechen dafür für die Gear S2. Das 44 mm Gehäuse hat ein nahezu perfektes Mittelmaß. Die beiden Prozessorkerne des Samsung-eigenen Exynos-Prozessors  takten allerdings nur mit 1 Mhz. der Arbeitsspeicher fasst 512 MB, der Gerätespeicher 4 GB. Mit 360×360 Pixeln löst das Samsung-Display (1,2 Zoll) genauso hoch auf wie das Display der TAG Heuer. 

Fazit

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Für uns ist die TAG Heuer Connected bilanzierend zwar ein kostspieliges, aber auch ein ebenso begehrenswertes Objekt. Hochwertige Verarbeitung, hohe Betriebssicherheit und ein höchst attraktives Design werden hier gekonnt mit sehr guter Prozessorleistung vereint. Echte Minuspunkte bleiben für uns nur zwei, und das sind die Akkulaufzeit und das separate Dongle anstatt eines simplen Micro USB-Terminals an der Uhr. 

Schweizer Luxus-Smartwatch mit hervorragender Verarbeitung und tadelloser Prozessorleistung
ausgezeichnet
Smartwatches Luxusklasse
Test 10. Februar 2016

+ Gediegene, exklusive Optik
+ Hochwertige Verarbeitung
+ 1 GB Arbeitsspeicher
+ Flotter Prozessor
+ Hohe Betriebssicherheit
+ Für Android und Apple iOS
+ Recht schnell (1 Stunde) aufgeladen)
+ Nach 2 Jahren Tauschmöglichkeit für Zuzahlung von 1.350 EUR in mechanische Carrera

– Akkulaufzeit nur ausreichend
– Unpraktisches Dongle Pflicht zum Aufladen
– Kein GPS

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 11. Februar 2016




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