TEST: Raspberry Pi 2 mit Quad Core-CPU & 1 GB RAM

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Mit dem Raspberry Pi 2 wird der ursprünglich für Forschungszwecke entwickelte Mini-Rechner zum Kleinst-PC für Jedermann. Dank VideoCore IV 3D-GPU für 1080p HD-Video waren bereits frühere auf dem Broadcom BCM2835 „System on Chip“ basierende Versionen mit dem Kodi/XBMC-Media-Center nutzbar, welches sich neben vielen detaillierten Konfigurationsmöglichkeiten vor allem durch die Abspielbarkeit fast aller verfügbaren Medienformate und viele Add-Ons für Internet-Angebote auszeichnete.

Das auf dem Broadcom BCM2836-Systemprozessor basierende Raspberry Pi 2-Modell mit 900 MHz Quad Core ARM Cortex-A7 CPU soll die sechsfache Performance gegenüber dem vorherigen Modell bieten. Ausserdem wurde der RAM-Speicher auf 1 GB verdoppelt. Der Raspberry Pi 2 soll zum unveränderten Preis von 35 USD (ca. 31 EUR) angeboten werden. Derzeit bezahlt man bei deutschen Händlern aber meist noch etwas mehr.

Ein Upgrade auf USB 3.0 und Gigabit-LAN wurde mit der neuen Version nicht vollzogen: Die weiteren Hardware-Komponenten bleiben gegenüber dem bisherigen B+ Modell des Raspberry Pi unverändert.

  • microSD-Slot zur Installation des Betriebssystems
  • 4 x USB 2.0
  • HDMI 1.4
  • 10/100 Mbit LAN
  • Micro USB-Anschluss zur Stromversorgung
  • 3,5 mm Klinkenstecker für analogen Ton
  • Composite Videoausgang

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Ausserdem benötigt man für den Raspberry Pi ein USB-Netzteil mit möglichst 2 Ampere Stromausgabe und eine microSD-Karte für das Betriebssystem. Zur Installation ist eine USB-Tastatur erforderlich und eine USB-Maus hilfreich. Der Raspberry Pi wird als nackte Platine in einer Pappschachtel ausgeliefert. Für ein paar EUR bekommt man aber verschiedene Gehäuse als Zubehör und zur Not findet man im Internet auch Schablonen für ein simples Gehäuse aus Pappe. Die Abmessungen sind mit dem früheren Modell identisch.

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Für den Raspberry Pi gibt es viele verschiedene Betriebssysteme. Am einfachsten ist die Installation via NOOBS. Nach der Installation auf einer SD-Karte stehen in einem Menü verschiedene Betriebssysteme zur Auswahl, was das Ausprobieren vereinfacht und eine schnelle Neuinstallation ermöglicht, falls man sich das System zerschossen hat. Wer den Raspberry Pi 2 als richtigen Arbeitsrechner nutzen will, hat u.a. Raspbian zur Auswahl, das auf der Debian-Distribution basiert und im Verlauf des Jahres soll auch Windows 10 für den Raspberry Pi veröffentlicht werden. Weil die ganze Installation auf einer microSD-Speicherkarte Platz findet, kann man auch ohne NOOBS durch Kartentausch sehr schnell zwischen verschiedenen Systemen wechseln.

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Kodi Media-Center mit OpenELEC und Raspbmc/OSMC

Uns interessiert vor allem die Verwendung als Media-Center-Rechner. Kodi/XBMC ist nicht nur ein sehr weit entwickeltes Media-Center mit vielen Funktionen. Es überzeugt vor allem durch die breite Formatunterstützung. Es gibt kaum eine Audio/Video-Datei, die sich nicht mit Kodi abspielen lässt. H.264-Dateien werden dank dediziertem Grafikprozessor tadellos abgespielt. Für MPEG2 oder WMV/VC-1-Dateien benötigt man für das Hardware-Decoding an die Seriennummer gebundene Lizenzschlüssel, die im Raspberry Pi Store für 2,40 GBP bzw. 1,20 GBP erworben werden können.

Das Kodi-Mediacenter gibt es sowohl als OpenELEC als auch als Raspbmc-Distribution, die sich in kleinen Details unterscheiden. Solange NOOBS noch nicht beide Kodi-Versionen für die Quad Core-Version des Raspberry Pi anbietet, hilft nur der direkte Download auf den Entwickler-Seiten. Selbst mit einfachen Computer-Kenntnissen stellt das aber keine große Hürde dar.

OpenELEC bietet ab der Version 5.0.1 eigene Images für die Quad Core-Versionen zum Download an. Die Images müssen zunächst entpackt und dann mit Software wie z.B. dem „Win 32 Disk Imager“ auf eine microSD-Karte geschrieben werden.

Das ursprüngliche Raspbmc-Projekt läuft jetzt unter dem Namen OSMC als Mediacenter für verschiedene Plattformen weiter. Die Installation auf der microSD-Karte ist einfacher als bei OpenELEC, da es einen eigenen Installer für Windows, Max OS X und Linux zum Download gibt, der das aktuelle Image korrekt auf der microSD-Karte installiert. Bei der Installation wird man auch gefragt, ob man die Version für den Raspberry Pi oder den Raspberry Pi 2 installieren möchte. OSMC benutzt ein eigene Benutzeroberfläche in Flat-Optik, lässt sich aber auch auf den Kodi-Standard „Confluence“ umstellen oder mit anderen Menü-Skins nutzen.

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Bereits der ursprüngliche Raspberry Pi bot bei der Video-Wiedergabe eine tadellose Performance. Defizite zeigten sich vor allem bei der Navigation durch die Menüs, das Laden von Netzwerkverzeichnissen, Wartezeiten bis zum Abspielen oder der Installation von Add-Ons, die selbst mit leichter Übertaktung etwas träge wirkten.

Beim Raspberry Pi 2 läuft Kodi hingegen so schnell wie man es vom PC oder auch Android-Tablet gewohnt ist. Selbst wenn das neue Modell mit den Standardeinstellungen läuft, wirkt er schneller als ein auf 1000 MHz hochgetakteter Raspberry Pi. Für den Bootvorgang bis zum Kodi-Hauptbildschirm braucht der Raspberry Pi 2 gerade einmal 13 Sekunden – im Vergleich zu mehr als 30 Sekunden beim Single Core-Raspberry. In den Menüs läuft alles flott und auch Hintergrundaktualisierungen bremsen das System nicht aus. Add-Ons werden innerhalb weniger Sekunden installiert und beim Zugriff auf Videos vom heimischen DLNA-Mediaserver startet die Wiedergabe nicht mehr verzögert sondern nahezu unmittelbar. Auch bei der Nutzung von Internet-Videos ist der Startvorgang spürbar schneller.

Im Vergleich mit einem Android-basierten Kodi-Mediacenter auf der amazon Fire TV-Box zeigt sich der Raspberry Pi 2 noch einen kleinen Tick flinker. Während auf dem Fire TV bei einzelnen Videos gerade beim Start kürzere Puffer-Wartezeiten auftreten, gelingt dies mit dem Raspberry Pi 2 selbst via WLAN meist innerhalb von 1-2 Sekunden ohne Verzögerung.

An seine Grenzen stößt aber auch der Raspberry Pi 2, wenn man z.B. 720p oder 1080p-Videos mit dem neuen HEVC/H.265-Codec abspielt, für die es kein Hardware-Decoding gibt und mit denen die Vierkern-CPU nur stark stockende Bilder produziert.

OpenELEC scheint derzeit besser für den Raspberry Pi 2 optimiert zu sein als das noch im Alpha-Stadium befindliche OSMC, welches bei unseren Beobachtungen teilweise Aussetzer produzierte und in der Handhabung auch nicht ganz so flott wie OpenELEC wirkte.

Fazit

Wer bislang noch keinen Raspberry Pi als Mediacenter nutzte, weil das Ganze den Charme von Notlösung und Bastelei ausstrahlte, kann beim Raspberry Pi 2 getrost zugreifen. Der Mini-Rechner bietet bei der Wiedergabe von HDTV-Videos eine Performance, die sich vor keinem Smart TV verstecken braucht und wer als bisheriger Raspberry Pi-Besitzer einmal das neue Modell erlebt hat, wird kaum noch einmal zum Klassiker zurückkehren wollen. Schade ist nur, dass ausser dem Systemchip mit Quad Core-Prozessor die restliche Hardware nicht aktualisiert wurde. Mit USB 3.0 und Gigabit-LAN wäre der Raspberry Pi 2 sicherlich noch vielseitiger einsetzbar, zumal Microsoft in diesem Jahr auch noch ein kostenloses Windows 10 in einer Raspberry Pi 2-Version veröffentlichen will.


Test: 14. Februar 2015

+ Flotte HD-Wiedergabe und viele Einstellmöglichkeiten
+ Spürbar schnellere Systemperformance mit Kodi-Mediacenter

– Weiterhin nur USB 2.0 und 100 Mbit LAN
– Mehrkosten für Gehäuse, USB-Netzteil, microSD-Karte

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