TEST: Quadral Chromium Style 8 - Dynamischer Feingeist mit Bändchen-Hochtöner?

Die Quadral Chromium Style 8 kommen auf einen Paarpreis von rund 2.000 EUR und stellen die Spitze im Chromium Style-Sortiment dar. Wahlweise erhältlich in hochglänzendem Weiß oder hochglänzendem Schwarz, erhalten sie durch die Treiber-Bestückung direkt unsere volle Aufmerksamkeit. Denn der 3-Wege-Bassreflex-Lautsprecher ist mit einem Aluminium-Bändchenhochtöner ausgestattet, der bis auf 55 kHz hoch spielt und somit auch idealer Partner für die Darstellung von High Resolution Audio-Material ist.

Style 8 von hinten

Ein 155 mm messender Mitteltöner mit Titanium-Polypropylen-Membran und zwei 180 mm Tieftöner, ebenfalls mit Titanium-Polypropylen-Membran, ergänzen das Sortiment. Dank der guten Bestückung im Bassbereich wird eine untere Grenzfrequenz von 32 Hz erzielt.

Bändchen-Hochtöner

Mitteltöner

Einer der beiden Tieftöner

Der Hannoveraner Lautsprecher weist eine Nennbelastbarkeit von 140 und eine Musikbelastbarkeit von 200 Watt auf. Den Wirkungsgrad gibt der Hersteller mit ordentlichen 89 dB (1W/1m) an. Die Chromium Style 8 ist 100,6 cm hoch, 20,85 cm breit und 34,35 cm tief, das Gewicht liegt bei 22,14 kg pro Stück.

Saubere Verarbeitung im Detail, hier die schwarze Box

Keine Beanstandungen auch beim weißen Lautsprecher. Das Hochglanz-Finish ist sehr gut gemacht

Die Verarbeitung der Style 8 hat uns überzeugt. Die mit Stoff bespannten Schutzgitter werden für die weiße Variante auch perfekt passend in weißer Version beigefügt. Sie halten magnetisch an der Lautsprechervorderseite.  Die Chromium Style 8 verfügt über ein schickes Unibody-Gehäuse mit sorgfältig gerundeten Ecken und über leichtgängige Lautsprecherkabel-Schraubterminals. Die Oberflächenqualität ist bei beiden Farbvarianten (wir hatten jeweils eine schwarze und eine weiße Box zum Test) überzeugend.

Bassreflex-Öffnung hinten, daher sollte man schon rund 30 cm Abstand von der Wand einkalkulieren

Anschlussterminals, kein Bi-Wiring

Unverwechselbare Formgebung

Der Hochglanz-Lack erzeugt eine ausgeprägte räumliche Tiefe. Die attraktive Gehäuseform sorgt für einen entsprechenden Wiedererkennungswert. Etwas schlicht geraten ist der Sockel, auf dem die Style 8 ruht. Sicher, vom Design her passt er sehr gut zum Lautsprecher, aber eine etwas "aufsehenerregendere" Konstruktion, z.B. mit hochwertigen Metall-Traversen, hätte uns persönlich noch besser gefallen. Und da wir gerade bei den Kritikpunkten sind: Dass man die Schrauben rund um die Treiber sieht, ist gerade bei einer auf optische Eleganz getrimmten Box auch nicht das sprichwörtliche "Gelbe vom Ei". Trotz dieser kleinen Kritikpunkt, bilanzierend hinterlässt die Chromium Style 8 einen gediegenen Eindruck, und wir sind gespannt, mit welchen Qualitäten sie aus klanglicher Sicht nun aufwarten kann.

Klang

Wir starten mit "Feels Like Home" in der Adaption von Diana Krall /Flac, 48kHz/24-Bit). Und gleich zu Beginn setzt sich der Aluminium-Bändchenhochtöner überzeugend in Szene. Sehr fein und lebendig kleidet er die Wiedergabe aus, und beachtlich ist der nahtlose Übergang in den Mitteltonbereich. Das Klavier bereitet den Chromium Style wenig Probleme: Fundiert, mit exakten Konturen und einer sauberen Trennung von den vokalen Elementen kann man hier kaum Kritik üben.

Wir hören mit "I'm Not In Love" noch einen zweiten Titel von Diana Kralls Wallflower-Album und freuen uns hier auch über den kräftigen, zugleich präzisen Bassbereich. Aber zuvor, gleich zu Beginn des Songs, gefällt die Chromium Style 8 wieder durch die sensible Darstellung des Pianos und die gekonnte Loslösung der Stimme von den Lautsprecher-Chassis. Das kultivierte, harmonische akustische Erscheinungsbild der eleganten Box empfiehlt den Hannoveraner Lautsprecher ohne Zweifel für Klassik-, Jazz- und auch Pop-Liebhaber, die gern homogen, feinfühlig und doch mit einer soliden Dynamik hören möchten.

John Coltranes "But Not For Me" (Flac, 96 kHz/24-Bit) präsentiert uns die Style 8 erneut in gediegener Art und Weise, mit seiner gut auflösenden Darstellung des Saxophons und besonders des Klaviers - letzteres Instrumenten scheint den schlanken Säulen besonders zu liegen. Dass der Bändchen-Hochtöner bis auf 55 kHz hinauf spielen kann, prädestiniert den Lautsprecher für die Wiedergabe von Hi-Res-Audio-Material - doch eine Fähigkeit in der Theorie sagt noch nichts über die tatsächliche Qualität in der Praxis aus. Doch wir können feststellen, dass das Feine, Facettenreiche bei der Hochtonwiedergabe auch bei allen Hörbeispielen und hier ganz besonders herauszuhören ist. Man hat den Eindruck, ein umfassendes Hörerlebnis genießen zu dürfen, in dem gerade die für anspruchsvolle Hörer wichtigen "kleinen Zwischentöne" sorgfältig berücksichtigt werden.

Weiter geht es mit Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in A-Dur, Köchelverzeichnis 219, 1. Allegro Aperto: Sehr dynamisch kommen die Orchestereinsätze heraus, sehr feinfühlig, mit tollem Auflösungsvermögen, wird bei den Violinen-Soli agiert. Hier muss die Style 8 keinen Konkurrenten fürchten: So fein und so gefühlvoll, wie sie hier wiedergibt, werden Klassik-Liebhaber, die bei ihren Lautsprechern ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis fokussieren, begeistert sein. Dynamiksprünge werden impulstreu wiedergegeben, die Wechsel der Tempi managt die Chromium Style 8 sehr souverän. Die verschiedenen Ebenen innerhalb des Orchesters arbeitet der Schallwandler mit erstaunlicher Akribie heraus: das würde man von einem Standlautsprecher der 1.000 EUR-Liga nicht ohne Weiteres erwarten.

"Diamante" (96 kHz/24-Bit, Flac) von Sandra und Tony Alessi beweist uns, dass auch "nüchterne norddeutsche Boxen" feuriges italienisches Flair vermitteln können. Klingt vielleicht etwas abgedroschen, trifft aber genau ins Schwarze. Bedingt durch das wiederum exzellente Auflösungsvermögen in allen Frequenzbereichen empfängt den Zuhörer ein sauber gestuftes, lebendiges Klangbild. Auch bei gehobenen Lautstärken driften die beiden Lautsprecher nicht ins Schrille, Metallische ab, sondern bieten eine ausgezeichnete Brillanz bei gleichzeitig tadelloser akustischer Harmonie. Erst bei enorm hohen Pegeln (Denon AVR-X8500H im Steroebetrieb bei mehr als 80 Prozent Maximallautstärke) wird es dann etwas zu harsch. Das sind aber Pegel-Regionen, die man im Alltag, selbst, wenn mal die Familie außer Haus ist und alle Nachbarn in Urlaub sind, kaum aufsucht. Demnach kann man mit der Pegelfestigkeit und der Homogenität der klanglichen Auslegung bei hoher Lautstärke absolut zufrieden sein.

"Basil" (Flac, 192 kHz/24-Bit) von Mark Knopfler ist mit dem leicht melancholischen Einschlag erneut bestens für die Style 8 geeignet. Die Gitarre, die vokalen Konturen - all das wird mit viel Feinarbeit herausgearbeitet. Die Stimme Marks löst sich hervorragend von den Lautsprecher-Chassis und verteilt sich gleichmäßig im Hörraum. Das präzise, allzeit spürbare Fundament im tiefen Frequenzbereich bietet eine gelungene Basis für eine emotional tief gehende Präsentation.

Von Tidal kommt Elton Johns Klassiker "I'm Still Standing" zur Quadral Chromium Style 8. Vehement, mit exakt dosiertem Basseinsatz und einer überraschend lebendigen Stimmwiedergabe ohne die bei anderen Lautsprechern mit weniger harmonischer Gesamtauslegung spürbaren Überhöhung im Bereich der oberen Mittel (bezogen auf diesen Titel) hinterlässt die Style 8 ein weiteres Mal einen kultivierten, gleichzeitig schwungvollen Gesamteindruck. Auch die Background-Vocals kommen prima heraus, die Einsätze der E-Gitarre wirken dynamisch und entschlossen. Insgesamt überzeugt uns die Style 8 hier ohne Einschränkung, eine der besten Leistungen im Test.

Wir hören nun von Tidal in CD-Qualität "Be My Now" von Gestört aber Geil. Und auch mit dieser völlig anderen Art von Musik kommen die Style 8 glänzend zurecht. Der Aufbau des Tracks wird impulstreu wiedergegeben, der Bass hat durchaus Kraft und Ausdrucksstärke. Treffen harte Basseinsätze und vokale Einlagen zusammen, hat die Quadral-Box stets die Übersicht und differenziert die einzelnen akustischen Elemente akkurat auseinander. Das Hören solcher Musik macht definitiv auch Spaß mit der Style 8, wenngleich wir den Eindruck haben, dass etwas "sanftere" Musik die Güte der Style 8 noch besser herausstellen.

"Sheep" von LAY (Alan Walker Relift) zeigt einen harten, kräftigen Bass, ganz unten herum könnte es für unseren Geschmack noch etwas mehr Volumen geben. Wir müssen hier auf die sehr preiswerte Klipsch R-610F verweisen (700 EUR Paarpreis), die diesen Song beinahe schon sensationell gut wiedergegeben hat. Hier merken wir, dass die Style 8 doch eher die optimale Box für Jazz, Klassik und Pop ist. Bei diesem Track macht sie bestimmt nichts "falsch", aber so recht möchte der Funke hier nicht überspringen. Nicht, dass Quadral sowas nicht kann - wir denken z.B. an den Luxus-Lautsprecher Vulkan 9, der bei solchen Hip-Hop-Tracks zu großer Form aufläuft und eine Wiedergabe präsentiert, die höchsten Ansprüchen genügt.

deutlich besser gefällt uns die Style 8 bei "Need You" von Calvo, hier trifft der Bass sauber den richtigen Punkt und dynamisch wird das akustische Szenario aufgebaut. Hier hinterlässt die Style 8 wieder den souveränen, kraftvollen und homogenen Eindruck, den wir so schätzen gelernt haben während der Testreihen. Man kann entspannt auch mit höheren Pegeln hören, und kann immer noch einen vollen, räumlich dichten Klangeindruck genießen.

Konkurrenzvergleich

Quadral Chromium Style 6: Pro Stück 200 EUR günstiger, ist die kleinere Säule nicht so üppig mit Treibern bestückt und sieht ohne Zweifel eher "harmlos" aus. Ist sie aber nicht. Sie schiebt mehr, als man vermutet, liefert eine tolle Räumlichkeit und ist gerade in Räumlichkeiten zwischen knapp 15 und knapp 25 Quadratmeter eine gelungene Alternative zur "größeren Schwester". Auch, wenn man nur relativ wenig Fläche für die Aufstellung zur Verfügung hat, findet die Chromium Style ihren Platz. Den genialen Bändchenhochtöner hat auch die kleinere Style 6 an Bord.

PSB Imagine T: Der überraschende Nachdruck bei der akustischen Darstellung fällt bei der Imagine T (Stückpreis 1.100 EUR) besonders aus. Der Bassbereich überzeugt bei Volumen, Tiefgang und Staffelung absolut. Im Hochtonbereich zieht die Imagine T den Kürzeren gegenüber der Style 8, die auch noch edler verarbeitet ist.

Teufel Definion 3: Für rund 1.800 EUR Paarpreis erhält man mit der Definion 3 einen leistungsstarken Standlautsprecher mit Koaxial-Chassis für den Mittel-/Hochtonbereich sowie mit drei langhubigen Basschassis. Entsprechend kräftig ist der Antritt im Bassbereich. Doch auch präzise und schnell agiert die Definion 3. Die Feinauflösung im Hochtonbereich erreicht nicht ganz das Niveau der Style 8, dafür kontert die Berliner Alternative mit mehr Wucht im Bassbereich.

Fazit

Die Quadral Chromium Style 8 ist besonders für Liebhaber von klassischer Musik, von Jazzmusik und von Pop im Stil der 80er Jahre extrem gut geeignet. Ihr exzellentes Auflösungsvermögen, die Fähigkeit, Stimmen hervorragend von den Chassis zu lösen und auch komplexen Instrumenten wie dem Saxophon oder dem Klavier eine hohe Ausdruckskraft mit auf den Weg zu geben, zeichnen die Style 8 im Besonderen aus. Wer demnach einen feinen, erstklassig verarbeiteten und über alle Maßen kultivierten Standlautsprecher in der 1.000 EUR-Liga sucht, kann hier praktisch bedenkenlos zugreifen.

Extrem kultivierter Standlautsprecher mit hervorragendem Auflösungsvermögen

Standlautsprecher Mittelklasse
Test 08. Oktober 2018

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 08. Oktober 2018

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