TEST: Pioneer Slim Netzwerk-Mehrkanal-Receiver VSX-S510

Das Produkt

“Slim ist in”: Nicht nur Menschen möchten schlank und schön aussehen, sondern auch AV-Receiver. Schon mehrmals in der AV-Receiver-Historie gab es Bestrebungen, besonders flache und elegante Geräte anzubieten. Nicht immer waren diese Projekte allerdings von Erfolg gekrönt, meist verschwanden die schlanken AV-Receiver wieder aus der Produktpalette.

Nun im Jahr 2013 startet Pioneer mit zwei neuen Modellen, die über digitale Endstufen verfügen, einen neuen „Slim-Line-Angriff“. Digitale Endstufen bieten sich aufgrund ihrer hohen Effizienz und der vergleichsweise geringen Wärmeentwicklung förmlich an, in den beengten Platzverhältnissen im inneren des Slim-Line-Receivers zuverlässig ihrer Arbeit nachzugehen. Pioneer schwört ohnehin auf Leistungsfähigkeit und Dynamik digitaler Endstufen, auch in den großen AV-Receivern des Hauses sind digitale Endstufen verbaut.


Rückansicht mit Schraubanschlüssen für die Lautsprecherkabel

Wenden wir uns nun dem VSX-S510, unserem 449 EUR kostenden Testgerät (alternativ zur silbernen auch in schwarzer Ausführung erhältlich) zu:

Gute Detailverarbeitung


Lasutstärkedrehregler und kleiner Drehregler für die Quellwahl


Standby-Schalter


Standfüße


Display

Schon direkt nach dem Auspacken sorgt der bei uns in silbern gehaltene kleine AV-Receiver für Zufriedenheit. Die Optik ist schlicht und elegant, die Frontblende wirkt aufgeräumt, eine große Aussparung ist mittig für das Display vorgesehen. Das Display löst befriedigend auf, sorgt aber nicht für Begeisterungsstürme. Auf der rechten Seite der Frontblende befinden sich der griffige Lautstärkeregler und der zu klein geratene Drehregler für die Eingangswahl. Ebenfalls auf der rechten Seite ist ein Front-HDMI-Anschluss (MHL-geeignet) und ein USB-Anschluss. Unter dem Gerät sind hochwertige Standfüße angebracht. Auch die Geräterückseite hat uns überzeugt, alle Anschlüsse sind sauber eingepasst, für das Lautsprecherkabel verfügt der Slim-Receiver sogar über Schraubterminals. Nur 85 mm hoch, ist die Integration des VSX-S510 recht einfach. Er ist überdies lediglich 316 mm tief.


Innenleben in der Gesamtübersicht


Platinenaufbau


Endstufenlayout

Sauberer innerer Aufbau

Öffnet man den Gehäusedeckel, blickt man auf ein aufgeräumtes Innenleben mit akkuratem Platinenlayout und ordentlicher Verkabelung.

Wenden wir uns den Hauptmerkmalen des VSX-S510 zu:

Es handelt sich um einen SV-Receiver in 6.2 Konfiguration mit sechs jeweils 110 Watt starken Endstufen und zwei Vorverstärkerausgängen für den Anschluss externer aktiver Subwoofer. Die sechste Endstufe kann sogar wahlweise für einen passiven Subwoofer Verwendung finden. Natürlich werden die aktuellen HT-Tonformate Dolby True-HT und DTS HT-Masteraudio dekodiert. Mit an Bord ist auch Pioneers automatisches Lautsprecher-Einmesssystem MCACC sowie eine Phasenkontrolle. Der Advanced-Sound-Retriever steht sogar für Bluetooth-Quellen zur Verfügung. Um allerdings Bluetooth nutzen zu können, muss man den optional erhältlichen Adapter ASBT-200 kaufen. Weiterhin bringt der Pioneer Receiver eine klassische Loudness-Funktion mit. Der Pioneer verfügt über einen ECO-Modus, der beim Energiesparen im Betrieb und im Standby-Modus hilft.


FLAC-Wiedergabe


PC-/Server-Übersicht


vTuner Internet Radio

Immer wichtiger werden umfangreiche Netzwerkfeatures. Hier bietet der VSX-S510 eine Vielzahl stark nachgefragter Merkmale: Apple AirPlay, HTC Connect, DLNA 1.5 und Windows 8 Streaming Client Funktionalität sowie die Wiedergabe von High-Resolution-Audio-Dateien.

An HiRes Audio-Datei-Formaten werden AIFF, WAV und FLAC mit bis zu 192 kHz 94 Bit unterstützt, sowie ALAC bis 96 kHz 24 Bit. Für all diese Formate wird die GAPLESS-Wiedergabe unterstützt. Mit an Bord sind auch Spotify Connect und die kostenlose Internet-Radio-Plattform vTuner.

AirPlay hat in unseren Testreihen auch problemlos mit IOS 7 und der neuesten PC iTunes Version funktioniert. Allerdings kann man bei der Airplay-Wiedergabe nicht auf den Advanced Sound Retriever zurückgreifen.

Bei der Wiedergabe von stark komprimierten Musikdateien vom USB-Medium oder von PC’s bzw. Servern aus dem Heimnetzwerk kann man im Menü „Tools“ (rechts vom Navigationskreuz auf der Fernbedienung) den Avanced Sound Retriever aktivieren. Wichtig ist, dass man zuerst die Taste „Receiver“ oben links auf der Fernbedienung drückt, damit man ins Tools Menü kommt. Mit aktiviertem Sound Retriever klingen z.B. MP3- Dateien lebendiger, detailreicher und kraftvoller.

Der Advanced Sound Retriever ist auch für die Spotify und vTuner-Wiedergabe verfügbar. Die kostenlose vTuner Internet-Radio-Platform lässt sich einfach bedienen, ab und zu sind die Reaktionszeiten etwas träge. Music-Streams werden kraftvoll und dynamisch, gerade bei aktivierten Sound Retriever aktiviert.

Problemlos gibt der VSX-S510 192 kHz, 24 Bit FLAC-Dateien wieder. Genauere Klangeindrücke hierzu schildern wir später.


Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse


5 HDMI-Eingänge hinten, 1 Ausgang und 1 HDMI-Eingang vorn

Der Pioneer verfügt über sechs HDMI-Eingänge und einen HDMI-Ausgang (HDMI-Version 1.4b, mit ARC, 3D, CEC) und kann 4K-Signale durchschleifen. Video-Bearbeitungsmöglichkeiten bringt der VSX-S510 nicht mit. Außer den bereits erwähnten HDMI-Anschlüssen hat der schlanke AV-Receiver noch Vorverstärkerausgänge für Surround back (links und rechts), für zwei aktive Subwoofer, sowie einen LAN-Anschluss, einen optischen Digitaleingang und einen coaxialen Digitaleingang. Hinzu kommen zwei Spezialanschlüsse, Adapterport, DC-Output for wireless LAN, einen Audio-Cinch-Analogeingang, einen USB-Eingang vorne, einen 3,5 mm Anschluss fürs Mikrofon, einen 3,5 mm Kopfhörerausgang vorne und hinten die Buchsen für den analogen Radiotuner.

Fernbedienung


Einmessmikrofon

Wie lässt sich der VSX-S510 bedienen ? Natürlich ist eine Fernbedienung im Lieferumfang enthalten, wahlweise kann man aber auch die Pioneer-Control-App verwenden, die für Apple iOS und Android erhältlich ist.


Control App


Details zu IP-Adresse etc.


Die zum Gerät passenden Daten lädt sich die App herunter, nachdem der VSX-S510 erkannt wurde


Grafisch schöne Gestaltung


Eingangswahl


AirPlay-Wiedergabe


Internet Radio


Verfügbare Media Server


Wiedergabe eines Titels vom Media Server

Diese App. ist übersichtlich aufgebaut, verfügt aber nicht über so viele Funktionen wie die Pioneer iControl AV-2 App., die für die größeren Pioneer AV-Receiver zur Verfügung steht.

Kompatibel ist der VSX-S510 überdies zur AirJam App. Die mitgelieferte Infrarot-Fernbedienung ist vorprogrammiert und liegt recht gut in der Hand. Im Vergleich zu früheren Pioneer Fernbedienungen, erscheint sie übersichtlicher, ein Musterbeispiel für perfekte Bedienbarkeit ist sie jedoch nicht.

Da wir gerade Kritik ausüben, das Home-Menü für die Basiseinstellungen sieht aus wie vor zehn Jahren, die grobe Auflösung und die schlichte Gesamtausführung sind nicht mehr zeitgemäss. Gerade Pioneer kann das besser, was man sogar am VSX-S510 nachvollziehen kann: Netzwerk und Internet-Radio-Menüs sehen modern und elegant aus.


Home Menü


MCACC – automatisches Lautsprecher-Einmesssystem


Manuelle Lautsprechereinrichtung


Lautsprecher-Größe


LS-Übernahmefrequenz


Testton

Kanalpegel


Distanz der einzelnen Lautsprecher zum Hörplatz

HDMI-Setup


Speaker System

Zurück zum Home-Menü: Hier finden sich die Unterpunkte:

  1. Auto MCACC (Automatischer Lautsprecher-Einmessvorgang)
  2. Manual SP Setup (Manuelle Konfiguration des angeschlossenen Lautsprechersystems: Lautsprechergröße, Übernahmefrequenz, Pegelangleich und Abstand des jeweiligen Lautsprechers vom Hörplatz in 0,1 m Schritten)
  3. Input Assign (Eingangszuweisung)
  4. Auto Power Down (Automatische Ausschaltfunktion 15, 30 oder 60 Min.)
  5. HDMI Setup (CEC, ARC und HDMI-Durchleitung im Standby aktivierbar)
  6. Network Standby (Off / On)
  7. MHL Setup (Auto Switching On / Off)
  8. Speaker System (entweder Speaker B, Normal oder Surround Back Single)
  9. OSD Setup ( On / Off)

Der VSC-S510 verfügt auch über verschiedene Advanced Surround DSP-Programme. Diese sind in der Abteilung „Listening Mode“ auf der Fernbedienung durch Druck auf die Taste ADV-Surround abrufbar. Zur Verfügung stehen ECO 1, ECO 2, Action, Drama, Advanced, Sports, Classical, Rock / Pop, Extended Stereo und ein virtuelles Surroundprogramm.

Testequipment
Klang

Indiana Jones – Königreich des Kristallschädels: In den Kapiteln 2 und 3 zeigt sich, dass der VSX-S510 ein echter Pioneer AV-Receiver ist. Er gibt beide Kapitel ausgesprochen dynamisch wieder und erweist sich darüber hinaus als sehr pegelfest. Stimmig wird der aktive Subwoofer angesteuert, gleichzeitig ertönt aus unseren Standboxen vorne auch noch ein kräftiges Fundament. Wir haben bei unserem Testsetup vorne und hinten Quadral Chromium Style 52 Standlautsprecher im Einsatz, die trotz voll wohnraumkompatibler Abmessungen kraftvoll und lebendig aufspielen können. Der Pioneer VSX-S510 beliefert die Boxen auch bei deutlich gehobener Lautstärke souverän. In den ersten beiden Kapiteln gibt es ruhige Sequenzen, die dialogorientiert sind. In diesen beweist uns der Pioneer, dass er in der Lage ist, auch feindynamisch gut zu agieren. Stimmen werden charismatisch wiedergegeben, die spezielle akustische Charakteristik in der große Halle kommt tadellos zum Ausdruck. Nachdrücklich und gut ausbalanciert arbeitet der VSX-S510 den Musicscore ein. Die verschiedenen großen Effekte im dritten Kapitel würzt der Pioneer durch seine nachdrückliche Darstellung. Ganz gleich ob Faustschläge, Schüsse oder aufeinanderprallende Fahrzeuge – alles kommt mit guter Struktur und hoher Ausdruckskraft zur Geltung.

Mission Impossible – Phantom Protokoll: Die in unserem ersten Filmbeispiel gewonnenen Eindrücke verstärken sich bei „Mission Impossible“ sogar weiter. In der Sequenz, die im Moskauer Gefängnis spielt, beeindruckt der VSX-S510 mit einer Spielweise, die im krassen Gegensatz zu seiner Optik steht. Tritt er optisch schlank und dezent auf, spielt er akustisch weitläufig und kraftvoll auf. Auch Einzelheiten, wie das Öffnen und Schließen der Sicherheitstüren oder das Tippen auf der Notebook-Tastatur werden sauber wiedergegeben. Die Massenschlägerei wird zu einem akustischen Spektakel, das man dem kleinen AV-Receiver nicht zugetraut hätte. Die Impulstreue ist ohne Fehl und Tadel, im Vergleich zu früheren Pioneer AV-Receivern erweist sich die Klangcharakteristik des VSX-S510 als äußerst angenehm. Seine Qualitäten stellt er auch in den Teilen des Films unter Beweis, die in Dubai spielen. Mit ausgezeichneter räumlicher Weite kommt der Music Score heraus, die Fahrgeräusche des Landrover und das Quietschen der Reifen beim Ausweichmanöver erscheinen authentisch. Die Dialogszenen auf der Suite im Burj Khalifa beweisen aufs Neue, dass der Slim Line Receiver Stimmen natürlich herausarbeiten kann.

Als kurze Zeit später Ethan Hunt sich daran macht, an der Fassade des höchsten Gebäudes der Welt zum Serverraum zu klettern, braust der Wind lebendig durch alle Kanäle, impulstreu ertönen überdies die Geräusche der Spezialhandschuhe. Der auf Dubai zurollende Sandsturm kommt mit beachtlicher akustischer Energie zum Ausdruck.

Andrea Bocelli – Vivere Live in Tuscany – Time to say goodbye: Auch wenn die Wiedergabe des weltbekannten Songs gut gelingt: So überzeugende Resultate wie bei der Filmtonwiedergabe erzielt der VSX-S510 hier nicht. Bei deutlich erhöhter Lautstärke verliert die weibliche Stimme von Sarah Brightman leicht an Kontur und Auflösung. Überdies wird die Klangcharakteristik dann leicht spitz. Bei etwas geringerem Pegel ist der Klang durchaus als eine gelungene Mischung aus Harmonie und lebendiger Gesamtcharakteristik zu bezeichnen. Der Bass hat Substanz, drängt sich aber nie zu sehr in den Vordergrund. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten gelingt gut, die gesamte akustische Balance wirkt realistisch. Die Beifallsbekundungen des Publikums ertönen weitläufig über die Surroundkanäle.

The Eagles – Farewell- Live from Melbourne – Tequila Sunrise, Love will keep us alive: Bei beiden Songs gefällt uns der VSX-S510 besser als bei “Time to say goodbye”. Die Stimmen der in beiden Songs unterschiedlichen Sänger werden sehr gefällig herausgearbeitet, auch gut gefällt uns die Darstellung der akustischen Gitarre. Als Hörer mit normalem bis leicht gehobenem Anspruch kann man sich tatsächlich die Frage stellen: Wozu noch einen ausladenden AV-Receiver kaufen ? Der VSX-S510 erfreut durch komplette Wiedergabe, die keinen Vergleich zu normal großen AV-Receivern scheuen braucht. Beim Eagles-Konzert beweist Pioneer auch, dass sich digitale Endstufen mittlerweile auch für die Wiedergabe von Musik prima eignen. Den früher oft herausgehörten synthetischen und glanzlosen Klang können wir hier nicht einmal im Ansatz heraushören.

Diana Krall – Stop this world: Bei der Wiedergabe von High-Resolution Audiofiles in Stereo können wir dem VSX-S510 ein gutes Zeugnis ausstellen. Der klare Klang überzeugt zusätzlich durch Räumlichkeit und eine präzise Stimmwiedergabe. Der Bass ist kraftvoll, gleichzeitig aber gut strukturiert. So gerüstet schafft es der Pioneer den Song gleichermassen kultiviert wie schwungvoll wiederzugeben.

Wolfgang Amadeus Mozart, Violinenkonzert Nr. 4, KV 218, 1. Allegro: Selbst mit klassischer Musik geht der schlanke AV-Receiver gut um. Sicherlich darf man bei der Stereowiedergabe des 1. Allegros keine Wunder bei Feindynamik und Detaillierung erwarten, der Klang jedoch überzeugt grobdynamisch ebenso wie aus räumlicher Sicht. Die Violine klingt in den Soli recht natürlich und nicht unangenehm aggressiv. Setzt das ganze Orchester ein, beweist der VSX-S510, wie gut er mit Dynamiksprüngen umgehen kann.

Fazit

Der Pioneer VSX-S510 ist lediglich aus optischer Sicht schlank, was Ausstattung und Klang angeht, kann man ihn eher mit dem Wort opulent umschreiben. An der Ausstattung wird nichts wesentliches vermisst, sieht man einmal vom Fehlen sämtlicher Videobearbeitung ab. Zaubern kann eben auch Pioneer für den Preis nicht, dafür sind viele stark nachgefragte Netzwerkfeatures mit an Bord.

Der kräftige, dynamische Klang gefällt ebenso wie die hochlegende Pegelfestigkeit. Pioneer liefert auch ein automatisches Lautsprecher-Einmesssystem mit, dass gut arbeitet und eine harmonische Klangbalance garantiert. Die Verarbeitung ist ebenfalls ohne Fehl und Tadel, die teils altbackenen Bildschirmmenüs finden nicht unsere Zustimmung.

Schicker Slim Mehrkanal-Receiver mit kräftigem Klang und flexiblen Netzwerkeigenschaften

Slim AV-Receiver Mittelklasse
Test 16. Oktober 2013

+ 6 Endstufen
+ Kräftiger Klang
+ Gute Netzwerk-Ausstattung
+ Zwei Subwoofer-Vorverstärkerausgänge
+ 6 x HDMI
+ Schicke Optik
+ tadellose Verarbeitung

– Teils altbackene OSDs
– Keine Video-Funktionalitäten

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
16. Oktober 2013




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