TEST: Over-Ear-Kopfhörer Panasonic RP-HD5 – leistungsstarker Einstieg in die HiRes-Welt?

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Der Panasonic HD-RP5 Over-Ear-Kopfhörer hat sich auf die Fahnen geschrieben, mit hochauflösenden Audiodateien hervorragend umgehen zu können – und das für rund 90 EUR. Laut Panasonic wurde extra für den entsprechenden Genuss von HiRes-Material ein 40 mm HD-Wandler entwickelt. Der RP-HD5 gibt Frequenzen von 4 Hz bis 40 kHz wieder und eignet sich somit auch für die Präsentation des Oberwellenbereiches.

In aller Kürze gesagt, ein erwachsener Mensch mit normalem Gehör hört auf direktem Wege Frequenzen bis ca. 16 kHz, ein Kind noch bis rund 20 kHz. Alles, was darüber liegt, wird direkt nicht wahrgenommen, aber trotzdem merkt man durch die sogenannten Oberwellen, wenn zum Beispiel eine Violine oder ein Klavier besonders fein, charismatisch und gut klingt. Man nimmt also wahr, wenn es ein Steinway-Flügel oder eine echte Stradivari ist. Und genau diese Ausprägungen kommen bei hochauflösendem Audiomaterial sehr gut heraus, während sie auf der bei 20 kHz aufhörenden CD schlichtweg beschnitten sind. 

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Spezielle 40 mm HD-Treiber

Der RP-HD5 hat besonders kompakte und gleichzeitig leistungsstarke Neodym-Magneten eingebaut und weist eine Impedanz von 44 Ohm auf. Es gibt keine Kabelfernbedienung, keine Freisprecheinrichtung und auch sonst keinen „Schnickschnack“. Hören pur ist hier angesagt. Die Empfindlichkeit liegt bei 99 dB/mW (bei 500 kHz) und maximal ist der Kopfhörer nach IEC-Norm mit 1.000 mW belastbar. 

Ein 3,5 mm Miniklinkenstecker, vergoldet, stellt den Anschluss dar. Der RP-HD5 wiegt 228 Gramm ohne Kabel und sitzt sehr bequem auf dem Kopf. Das Anschlusskabel ist 1,2 Meter lang, von durchschnittlicher Qualität und leider nicht abnehmbar. Vorteil ist die einseitige Kabelführung. 

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Kopfband vielfältig in verschiedene Richtungen verstellbar

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Kopfband-Verstellmechanismus aus Metall

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Angenehm gepolsterte Ohrmuscheln

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Kopfband von oben

Für den Kaufpreis ist die Verarbeitung hervorragend. So ist der präzise arbeitete Verstellmechanismus für die Anpassung des Kopfbandes aus Metall und nicht, wie öfters in günstigen Preisklassen, aus Kunststoff. Das Kopfband selber ist ausgezeichnet gepolstert, was für einen hohen Tragekomfort auch über längere Zeiträume sorgt. Auch die Ohrmuscheln sind sehr gut gepolstert, das Material ist überdies angenehm und nicht zu schweißtreibend. Das relativ geringe Gewicht sorgt dafür, dass der Kopfhörer nicht zu schwer auf dem Kopf des Trägers lastet. Außen sind die Ohrmuscheln aus verschiedenen Materialien gefertigt. Der innere Kreis, auf dem das Panasonic-Logo untergebracht ist, besteht aus mattschwarzem Kunststoff. Um diesen Kreis ist ein silberfarbener Ring angebracht, der für etwas optischen Kontrast sorgt. Das Kopfband selber und die Einfassung der Ohrmuscheln sind aus hochglänzendem schwarzen Kunststoff. Ein schlichtes, aber recht elegantes Design, das den Vorteil der Zeitlosigkeit mit sich bringt. Der Kopfhörer lässt sich Platz sparend zusammenfalten, was den Transport erleichtert. 

Klang

Kann man für so wenig Geld tatsächlich einen geschliffenen Klang bei HiRes-Audiodateien erwarten? Wir beginnen umgehend damit, dies zu überprüfen und starten mit Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nummer 4 in D-Dur, KV 218, erstes Allegro.  Und siehe – oder besser höre – da: Der preiswerte Panasonic löst ausgezeichnet auf und bietet einen kultivierten sowie klaren Klang. Besonders beeindruckt uns, wie gut er die Violinen-Soli herausmodelliert. 90 EUR kostet der sehr bequem sitzende Hörer mit stimmigem Anpressdruck. Ein echtes Schnäppchen, bedenkt man, wie gut er mit dem 96 kHz/24-Bit FLAC-File zurecht kommt. Er stellt Dynamiksprünge, wie sie beim plötzlichen orchestralen Gesamteinsatz vorkommen, glaubwürdig dar, und schafft es, stets plastische und überraschend feine Konturen zu präsentieren. 

Auch „Desperado“ (48/24) in der Variante von Diana Karls Album „Wallflower Deluxe“ bereitet keinerlei Probleme. Wie gut der Panasonic Dianas Stimme in den virtuellen Raum stellt, verdient höchste Achtung. Lebendig und mit guter Staffelung erfolgt die Präsentation der vokalen Elemente. Der RP-HD5 beeindruckt uns aufgrund seiner aufgeräumten, kultivierten Spielweise. Er agiert sehr sicher, sehr souverän – das gibt es für diesen Kaufpreis nur selten. Sehr gut durchhörbar ist das Klavier zu Beginn der Diana Krall-Version von „Don’t Dream It’s Over“. Die Klarheit ist ausgeprägt, und die Trennung von Stimmen/Instrumenten gelingt überragend. Der Panasonic entpuppt sich als richtiger Experte für anspruchsvolle Musik, dafür muss man sonst deutlich mehr Geld investieren. Der Bass ist treffsicher, die Detaillierung tadellos. Sicherlich, absolut gesehen, ist viel Luft noch nach oben. Aber man muss bedenken, dass wir hier über einen Kopfhörer schreiben, der keine 100 EUR kostet, und in Anbetracht dessen ist die Leistung bei der Wiedergabe von HiRes-Dateien grandios. 

„Diamante“ von Sandra und Tony Alessi liegt in 96 kHz/24-Bit vor, und auch bei der Darstellung italienischer Emotionen leistet sich der RP-HD5 keine Schwäche. Zunächst fällt uns ein weiteres Mal auf, wie gut der Hörer sitzt.Er absorbiert Außengeräusche recht gut, so dass man sich prima auf die Musik konzentrieren kann. Mit weiblichen wie auch mit männlichen Gesangsstimmen kommt der Kopfhörer gleichermaßen gut zurecht. Er fällt auch positiv durch die angenehme Tonalität auf. Er spielt lebendig, wird aber nie, auch nicht bei höherem Pegel, aggressiv oder spitz. Er hinterlässt stets den Eindruck, dass er alles ohne jede Schwierigkeiten und mit viel Gelassenheit wiedergibt. Die Auflösung ist absolut gesehen voll befriedigend, in Relation zur Preisklasse sogar exzellent. 

„River Towns“ vom Mark Knopfler-Album „Tracker“ (192/24) bietet ebenfalls einen überraschenden Detailreichtum. Dies bemerkt man zu Beginn sehr gut bei der Wiedergabe der akustischen Gitarre. Aber auch Marks Stimme beweist, dass der RP-HD5 das Projekt „HiRes Audio-Wiedergabe“ durchaus sehr ernst nimmt. Alles wirkt exakt, gut ausbalanciert und feinfühlig. So viel akustische Atmosphäre kann mancher doppelt so teure Kopfhörer nicht verbreiten, gerade auch dann, wenn man genauer hinhört. 

Schwungvoll, mit Esprit – so gibt der Panasonic RP-HD5 „Freedom Every Day“ von Torsten Goods wieder. Er legt bei der Betonung der vokalen Konturen ein weiteres Mal ein erstaunliches Feingefühl an den Tag und liefert eine natürliche sowie frische Gesamtwiedergabe ab. Der Hochtonbereich bietet eine sehr gute Räumlichkeit, die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen gestaltet der RP-HD5 fließend. Man hat daher stets den Eindruck, ein komplettes und facettenreiches Klangbild „serviert“ zu bekommen. Das leicht Oberflächliche, Monotone, das manchen preiswerten Kopfhörern eigen ist, finden wir hier auch im Ansatz nicht. 

Kann der Panasonic auch anders? Wir checken in CD-Qualität „Feeling So Real“ (Mayday – The Complete Rave Generation, Westbam-Remix des Moby-Klassikers. Und hier erkennen wir – die Domäne des Panasonic ist einfach die authentische Wiedergabe. Ganz gleich, ob Klassik, Jazz oder Rave-Hits: Nie „bauscht“ er auf, nie übertreibt er, allerdings stellt er sich beim Rave-Song auch nicht zu ungeschickt an und bleibt zu zurückhaltend. Er liefert eine sehr ansprechende Dynamik und einen präzisen Bass, dem es allerdings unten herum etwas an Fundament fehlt. Vorwerfen lässt sich der RP-HD5 aber auch hier nichts. 

„Party Every Night“ (ebenfalls in CD-Qualität) von Matrix beweist uns ebenfalls – auf dem falschen Fuß lässt sich der RP-HD5 nicht erwischen. Er bietet auch bei diesem Club-Track eine ansprechende Dynamik und einen ehrlichen, sehr gut den richtigen Punkt treffenden Bass. Er neigt auch bei höherem Pegel (den man im Interesse der Gesundheit des Gehörs nicht längere Zeit belassen sollte) nicht zum Dröhnen oder Verzerren, die Belastbarkeit des RP-HD5 ist ausgezeichnet. 

Hören wir uns als weiteren Club-Track noch „Revolution Reloaded 2K13“ von Klubbingman featuring Beatrix Delgado an – und hier überzeugt uns der RP-HD5 am meisten: Enorm lebendig, mit der nötigen Portion Nachdruck, mit hervorragender Auflösung – dieser Kopfhörer ist derzeit Maßstab in seiner Preisliga, das macht er hier absolut deutlich. Wir haben wenig erwartet und viel bekommen – was er alles kann, beweist uns der RP-HD5 auch hier: Er holt aus gutem Ausgangsmaterial enorm viel heraus, bleibt immer sicher und souverän – was kann man für 90 EUR mehr erwarten?

Konkurrenzvergleich
  • Teufel Massive: Für rund 100 EUR entpuppt sich der solide verarbeitete Kopfhörer als echter Bass-Experte, der sich gerade für Hip-Hop-, Heavy Metal- oder auch Trance-Musik ausgezeichnet eignet. Er macht im Bassbereich mehr Druck als der RP-HD5, löst aber nicht so gut auf. Zudem absorbiert er Umgebungsgeräusche nicht so überzeugend. Prima ist der Tragekomfort. 
  • Auna BNC-10: Für 80 EUR kann man auch in eine ganz andere Richtung gehen. Der gut verarbeitete Aung-Kopfhörer kommt mit Bluetooth und aktivem Noise Cancelling. Beide Trend-Funktionen arbeiten sehr gut. Auch klanglich tritt der BNC-10 stark auf, löst aber nicht so fein auf und klingt nicht so klar wie der HiRes-Hörer RP-HD5.
Fazit

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Der Panasonic RP-HD5 überzeugt auf ganzer Linie. Zum sehr schmalen Preis bietet er eine gute Verarbeitung und einen hohen Tragekomfort. Richtig punkten kann der Kopfhörer dann, wenn es um die Klangqualität geht. Für den niedrigen Kaufpreis verblüffend sind Detailreichtum und Auflösungsvermögen. Panasonics Headphone ist nicht nur auf dem Papier für die HiRes-Wiedergabe geeignet, sondern trumpft in der Praxis durch seine komplette sowie geschliffene, authentische Akustik auf. 

Leistungsfähiger Kopfhörer mit fein auflösendem Klang zum sehr günstigen Kaufpreis
preisklassenreferenz
Kopfhörer bis 100 EUR
Test 19. Januar 2016

+ Erstaunlich fein auflösender Klang
+ Sehr authentische Räumlichkeit
+ Sehr gute Gesamtdynamik
+ Präziser Bass
+ Gute Verarbeitung
+ Sehr günstiger Kaufpreis

– Keine Kabelfernbedienung, keine Freisprecheinrichtung für mobilen Einsatz

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 19. Januar 2016 

 




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