TEST: Numan Octavox 702 Regallautsprecher – Klanglicher Kracher für unter 200 EUR/Paar?

Numan Octavox 702 Gruppenbild1

Numan, Ableger des Berliner Direktvertreibers Electronic Star, hat sich auf die Fahnen geschrieben, Hochwertigkeit und guten Klang für wenig Geld gekonnt miteinander zu vereinen. Ob diese Mission gelingen kann, müssen die Octavox 702 Regallautsprecher, zu einem Paarpreis von 179,99 EUR im Online-Shop von Electronic Star erhältlich, in unserem Praxistest unter Beweis stellen. Neben der von uns getesteten schwarzen Version gibt es die Octavox 702 auch noch in einer weißen Variante. 

Numan Octavox 702 Rueckseite Seitlich1

Gut verarbeitete Rückseite mit Bassreflexöffnung

Numan Octavox 702 Bassreflexrohr

Hier im Detail: Bassreflexöffnung und….

Numan Octavox 702 Anschluesse Rueckseite

…das für die günstige Preisklasse sehr gute Anschlussterminal, solide verschraubt

Die Zweiwege-Box Octavox 702 mit 100 Watt kurzzeitiger und 60 Watt dauerhafter Belastbarkeit ist gut verarbeitet, das spezielle Design sorgt für einen hohen Wiederkennungswert. Aufällig ist auch aufgesetzte Schallwand. Die Folierung weist keine sichtbaren Schwächen auf, auch nicht im Bereich der Gehäuseecken. Die Lautsprecher-Schutzgitter sitzen ordentlich, der Stoffbezug warf bei unseren Testmustern keine Falten. Volle Punktzahl gibt es für die großen, hochwertigen Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse, die auch keine Berührungsängste mit Bananensteckern haben. Das Terminal, auf dem die Schraubanschlüsse sitzen, ist silbern und solide mit dem Gehäuse verschraubt.

Numan Octavox 702 Hochtoener

Gewebe-Hochtöner

Numan Octavox 702 Tieftoener

Tiefmitteltöner

Der Gewebe-Hochtöner (ohne sichtbare Schrauben integriert) kommt mit Wave-Guide für ein klar definiertes Abstrahlverhalten und für einen guten Wirkungsgrad. Die Membran des Tiefmitteltöners (leider mit sichtbaren Schrauben befestigt – kann man aber in dieser Preisklasse auf jeden Fall verzeihen) besteht aus Glasfaser-Gewebe – laut Numan gut für kraftvolle Bässe und eine lebendige Mitteltonwiedergabe. Der darstellbare Frequenzgang reicht von 60 Hz bis 20 kHz (bei +/- 3 dB). Die Nominalimpedanz wird mit 4 Ohm angegeben. 

Numan Octavox 702 Front Seitlich2

Ohne Schutzgitter

Numan Octavox 702 Front Seitlich1

Mit Schutzgitter

Pro Stück wiegt die Octavox 702 ca. 6,3 kg, der Lautsprecher ist 21,5 cm breit, 33,5 cm hoch und 24,7 cm tief. Da es sich um einen Lautsprecher mit rückwärtiger Bassreflexöffnung handelt, rät der Hersteller zu einem Abstand von mindestens 30 cm zu allen Wänden – ein vernünftiger Tipp. Frei im Raum aufgestellt, können die Octavox 702 im Übrigen auch überzeugen, 

Klang

„Ein ausgewogenes, detailreiches Klangbild“ soll laut Shop-Website die Octavox 702 auszeichnen. Was liegt da näher, als genau das zu überprüfen? „California Dreamin'“ in Diana Kralls Cover-Version als 48 kHz/24-Bit FLAC-File kommt hier genau richtig. Und siehe, oder vielmehr höre da, die Octavox-Boxen stellen sich wahrhaftig nicht ungeschickt an. Besonders gut gefällt uns, dass es erfolgreich gelingt, die Stimme Dianas vom Lautsprecher-Gehäuse zu lösen. Auch der Bass verdient durchaus das Wort „fundiert“. Die Trennung der vokalen von den instrumentalen Anteilen gelingt selbst bei gehobenem Pegel sehr gut. Billig oder oberflächlich, das wird rasch klar, klingt die Octavox 702 nicht. Gleich schieben wir, wiederum die Variante von Diana Krall, „Operator“ hinterher. Und die Octavox 702 beeindruckt uns durch eine recht gute Einarbeitung des Klaviers. Natürlich merkt der erfahrene Hörer, dass hier keine Oberklasse-Box arbeitet – aber selbst Anwender mit gewissen empirischen Kenntnissen würden bestimmt nicht auf ein Boxenpaar tippen, das keine 200 EUR kostet. Hier scheint Numan wirklich eine rundherum gute Konstruktion für kleines Geld gelungen zu sein.

In 96 kHz/24-Bit folgt nun „Diamante“ von Sandra&Tony Alessi. Hier überzeugt uns der Lautsprecher nicht ganz so. Nicht, dass er etwas „falsch“ machen würde, aber es fehlt schlichtweg an Flair. Sandras Stimme wirkt leicht synthetisch, die von Tony wird prima herausgearbeitet. Aber die gesamte Dynamik ist nicht so umfassend, wie wir uns das vorstellen. Anstatt aufzugeben, gibt es eine noch schwerere Aufgabe: Jonas Kaufmann singt „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“ – genau dieses Stück hat übrigens in der Wien-Szene des Actionfilms „Mission Impossible – Rogue Nation“ auch eine beeindruckende Rolle übernommen. Zurück zu den Octavox 702. Die vermeintlich schwierige Aufgabe lässt die Boxen des Berliner Direktvertreibers zu deutlich besserer Form auflaufen als bei „Diamante“. Das 96/24-FLAC-File wird sogar richtig gut wiedergegeben – für nicht einmal 200 EUR blamieren sich die achteckigen Schallwandler keinesfalls bei der Präsentation der faszinierenden Stimme Kaufmanns. Klar, mitreißend, dynamisch: Die Octavox führen hier das fort, was sie bei Diana Krall begonnen haben. 

Emotional tief gehend, ruhig, mit viel Atmosphäre: Mark Knopflers „Heart Of An Oak“ vom Album „Tracker“ in FLAC 192 kHz/24-Bit wird von den Octavox-Lautsprechern gut präsentiert. Es fehlt verständlicherweise das letzte vokale und instrumentale Detail, aber dies merkt in erster Linie der erfahrene Hörer. Eine durchaus feine, natürliche Gesamtwiedergabe ist zu vernehmen, die für die Preisklasse ohne Zweifel tadellos gelungen ist. 

„Alone For You“ vom Jan Lundgren Trio (88,2 kHz/24-Bit) klingt tadellos: Der Basseinsatz ist nicht zu vehement, trotzdem gut spürbar, die Trennung der Instrumente gelingt ordentlich, und auch hier klingt das Klavier wieder richtig gut. Die Staffelung der ganzen Akustik und auch die Authentizität bei der räumlichen Integration der Instrumente gelingen gut, so dass man, erneut mit Fokus auf die günstige Preisklasse, kaum ernsthaft Kritik üben kann. 

Ganz andere Talente sind bei „Past Is Dead“ der Punk-Rocker von Bad Religion (FLAC 88,2 kHz/24-Bit) gefragt. Hier müssen die octavox 702 richtig „zünden“ und ein fetziges akustisches Ambiente generieren. Und was hören wir? Die bislang beste Vorstellungen der Octavox in diesen Testreihen! Grandios, wie die beiden preiswerten Schallwandler hier abgehen, sie liefern erstklassige Pegel für wenig Geld. Hier, das müssen wir klar sagen, müssen sich manche teurere Lautsprecher strecken, um nicht hinten anstehen zu müssen. Die beiden Regallautsprecher profitieren sehr, wenn man sie nicht zu tief positioniert. Sie dürfen sogar über Ohrhöhe stehen, dann können sie sich enorm wirkungsvoll entfalten. Hier geben sie ausgezeichnet die E-Gitarre wieder, agieren zudem impulstreu. 

Nach Hi-Res nun Low-Res: In CD-Qualität soll uns DJ Quicksilvers Version des Usura Trance-Krachers „Open Your Mind“ zeigen, ob die Octavox 702 auch bei kraftvollem 90er Jahre-Trance ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben kann. Und ja, es geht erneut vehement vorwärts. Der Kickbass kommt auch bei erhöhter Lautstärke sehr gut heraus, und die elektronischen Klangeffekte verteilen sich räumlich ausgewogen. Dynamisch und lebendig agiert die Octavox, und was uns besonders gefällt: Im Hochtonbereich weder spitz noch dumpf, sondern ausgewogen, klar und gefällig. Und wir bleiben grob beim Style und lauschen nun The Power Of American Natives“ in der Ur-Version von Dance2Trance. Und wieder managen die preiswerten Lautsprecher selbst den recht hohen, fiesen Kickbass gleich zu Beginn prima. Klar – man merkt hier schon die Preisklasse. Aber es gibt Lautsprecher, die kosten pro Stück das, was die Octavox 702 als Paar kostet und diese Lautsprecher versagen bei dem Stück gnadenlos. Nicht so die Numan-Schallwandler, die mit Pegelfestigkeit und Dynamik erneut viele Punkte sammeln können. So allmählich wird klar, dass Numan hier nicht nur das Establishment angreift, sondern sich mit an der Spitze der günstigen Schallwandler positionieren kann. Nochmal Trance, diesmal aber neuer: „Baujahr 2015“ ist „It’s In Your Heart“ von David Gravell. Und diesmal fehlt es dann doch etwas an Bass-Fundament, aber trotzdem geht es mit Schwung und Verve voran. Die Stimme wird auch bei beachtlicher Lautstärke noch sauber vom Rest getrennt. Bei hohem Pegel nimmt die gebotene Räumlichkeit dann etwas ab, aber nur marginal. Zurück bleibt auch hier ein guter Eindruck, der beweist: Die Octavox 702 ist ein richtig guter Lautsprecher.

Insgesamt darf man natürlich bei aller berechtigen Euphorie nicht vergessen, dass es sich um Lautsprecher für einen Paarpreis von unter 200 EUR handelt. Klar, dass die klanglichen Eigenschaften dafür richtig gut sind, so gut, dass manch teurerer Konkurrent auf der Strecke bleibt. Aber trotzdem muss man realistisch sein. Die Octavox 702 sind ein toller Einstieg ins qualitativ gute Hören, für den normalen Alltagseinsatz machen sie sogar dauerhaft glücklich. Mit „audiophilem Hören“ oder Ähnlichem haben solche Schallwander nichts zu tun, zaubern kann auch Numan nicht fürs Geld. Aber dies trifft auch auf viele Lautsprecher von viel gerühmten und allseits bekannten Marken zu. Deren Einstiegsmodelle kosten oft mehr Geld, liefern aber keine so gute Performance ab wie die Numan Octavox.

Fazit

Numan Octavox 702 Gruppenbild2

Die Numan Octavox 702 gefällt uns richtig gut, besser, weil ausgewogener sogar als die größere Standbox der Baureihe, die wir bereits im Test hatten. Hier stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis auf ganzer Linie. Der Klang ist klar, angenehm, Dynamik und Räumlichkeit verdienen sich sehr gute Zensuren. Zu loben ist auch, dass die Octavox 702 mit praktisch jedem Musikstil zurecht kommt und dabei auch weder vor Klassik noch vor Jazz Halt macht. Mit der ordentlichen Verarbeitung und dem guten Wirkungsgrad rundet die Octavox 702 das tadellose Testergebnis wirkungsvoll ab. 

Numan präsentiert mit dem Octavox 702 einen ausgewogenen, klanglich starken Regallautsprecher zum kleinen Kaufpreis
ueberragend
Regallautsprecher bis 300 EUR Paarpreis
Test 24. Mai 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 24. Mai 2016




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK