TEST: Nubert nuPro A-600 – Standlautsprecher-Performance im „Kompakt“-Format?

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Der Drei-Wege-Lautsprecher nuPro A-600 ist der jüngste Neuzugang der erfolgreichen Aktivlautsprecherserie des schwäbischen Herstellers, deren weitere Modelle wir bereits schon im Einzelnen ausführlich beleuchtet haben. Die A-600 wird als das neue Flaggschiff von Nuberts Kompaktboxen bezeichnet – ob man die doch vergleichsweise großzügigen Abmessungen der A-600 noch als kompakt bezeichnen möchte, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Klar ist dennoch, dass in den aktiven Lautsprechern wieder die geballte nuPro-Technik der Serie inklusive voll digitaler Verarbeitung steckt, eine zwischenzeitliche analoge Umwandlung findet nicht statt. Moderne DSP-Technik und eine Gesamtleistung von 340 Watt versprechen eine exzellente Musikreproduktion selbst bei hohem audiophilen Anspruch. Dabei sollen die A-600 ebenso als Referenzmonitor sowie als HiFi-Schallwandler perfekt agieren. Die nuPro A-600 ist direkt bei Nubert zum Stückpreis von 985 Euro erhältlich.

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Rückseite

Nubert-nuPro-A600-Verarbeitung

Sehr solide Verarbeitungsqualität

Mi Abmessungen von 60 cm x 26,4 cm x 32 cm (HxBxT) will die nuPro A-600 die Klangperformance eines Standlautsprechers in platzsparendere Dimensionen bringen. Dass dafür auch geballte Technik und hochwertige Materialien notwendig sind, zeigen die 16,5 kg Gewicht pro Schallwandler.

Die A-600 wirken auf uns wie eine Zwischengröße zwischen Standlautsprecher und Regalbox – für eine Aufstellung direkt am Boden sind sie eigentlich nicht geeignet, aber auch im Regal wird man nur schwer Platz finden. Am ehesten fühlen sich die Aktivlautsprecher wohl auf einem Lowboard zuhause, dieses muss aber auch schon eine solide Größe mitbringen. Oder eben man setzt doch auf Boxenstative, dann wird man aber inklusive A-600 wohl auch bei 120cm Höhe angelangen.

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Neuer Hochtöner

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Mitteltöner des Drei-Wege-Lautsprechers

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Tieftöner

Bezüglich der Lautsprecher-Chassis haben wir es mit einem neu entwickelten Hochtöner zu tun, bei der eine Seidengewebekalotte mit 25mm Durchmesser die erste Geige spielt und einem Schwingspulendurchmesser von ebenfalls 25mm sowie einer speziell bedämpften Rückkammer versehen ist. Im Mitteltonbereich kommen bewährte 12 cm Polypropylen-Membranen mit inverser Staubschutzkalotte zum Einsatz. Das Chassis sitz in einem Aluminiumdruckguss-Korb. Untenrum rundet ein 22 cm Basstreiber, ebenfalls aus Polypropylen, ab – die untere Grenzfrequenz liegt trotz des vergleichsweise geringen Gehäusevolumens bei 30 Hz (-3 dB).

Nubert-nuPro-A600-Innenleben

Rückseite geöffnet

 

In den A-600 sitzen drei leistungsfähige Digitalverstärker, 2 x 90 Watt Musikleistung sind für den Hoch- und Mitteltonbereich, 1 x 250 Watt für den Tieftonbereich zuständig. Das Signal durchläuft zunächst die aktive DSP-Weiche zur Aufteilung der Frequenzen und wird dann in digitaler Form an die Endstufen geschickt.

Das Gehäuse besteht aus massivem MDF-Material und bietet, wie alle anderen nuPro-Komponenten, eine exzellente Verarbeitungsqualität rundum. Die abgerundeten Kanten wirken nicht nur optisch sehr schick, sondern sorgen auch für eine weitgehende Eliminierung der Schallzerstreuung. Die zwei Bassreflexöffnungen sitzen auf der Rückseite und sind hervorragend eingepasst.

Wie eingangs erwähnt, sind die A-600 in mattem Schleiflack in Schwarz oder Weiß erhältlich. Die Lackierung ist nicht zu beanstanden und wirkt tief sitzend. Die Nubert Aktivlautsprecherserie gefällt uns ohne Lautsprechergitter besonders gut. Wer aber lieber die Stoffabdeckgitter einsetzt, freut sich über magnetische Befestigung. Die Abdeckungen liegen nur in einer schwarzen Ausführung vor.

Die nuPro A-600 gibt Frequenzen von 30 bis 22.000 Hz wieder und bietet eine Gesamtausgangs-Nennleistung von 340 Watt (2 x 70W für Hoch- und Mittelton, 200 Watt für Bass).

Nubert-nuPro-A600-Display

Display

Nubert-nuPro-A600-Bedienelemente

Bedienelemente direkt an der A-600

Nubert-nuPro-A600-Fernbedienung

Beiliegende Fernbedienung

Die Steuerung der nuPro A-600 erfolgt mit den üblichen kreuzartig Bedienelementen oder der kompakten Fernbedienung. Neben Lautstärkeregelung und Quellenwahl lässt sich der Hochton-/Mitten- und Tieftonbereich individuell justieren. Die Fernbedienung liegt sehr gut in der Hand und wirkt solide verarbeitet. Das Display ist auch bei starkem Lichteinfall exzellent ablesbar und bietet für die Einstellungen der nuPro-Lautsprecher ausreichend Platz für Informationen.

Das Display ist auch hervorragend in das Gehäuse eingepasst, die Menüführung ist identisch zu den anderen nuPro-Komponenten. Zur Verbindung der beiden nuPro-Lautsprecher für ein Stereo-Setup ist ein Koaxialkabel notwendig, das auch im Lieferumfang enthalten ist. Zudem muss im Menü der Wert „Single“ auf den Wert „Pair“ gesetzt werden.

Auch die nuPro A-600 kann mit dem nuFunk EU-1 Funkübertragungsempfänger ausgestattet werden. Das Modul wird direkt an der Rückseite angeschlossen und über den USB-Slot des Lautsprechers mit Strom versorgt. (Test zu Nubert nuFunk S-2 und EU-1 in Kombination mit der nuPro A-300).

Klang

Die nuPro A-600 liefert eine enorm räumliche Klangkulisse und begeistert besonders im Tieftonbereich mit einem sehr satten und voluminösen Fundament, das auch mit einem beeindruckenden Tiefgang einhergeht. Kein Wunder, denn trotz des Regallautsprecher-Formats bietet der Aktivlautsprecher ein stattliches Gehäusevolumen, dass jenes von der schlanken Standsäule nuPro A-500 übertrifft. Enorm tief und dabei präzise und trocken erklingen die kräftigen Bass-Attacken bei Feders „Goodbye (feat. Lyse), die die A-600 dem Zuhörer mit absolut solider Pegelfestigkeit und Maximalkraft entgegenschleudern. Trotz der Massivität und dem sehr guten subsonischen Anteil wird die Präzision nicht leichtfertig verspielt, die Monitore kommen stets klar auf den Punkt und gefallen mit hervorragender Geschwindigkeit. Die höheren Frequenzbereiche sind exzellent in das Gesamtbild integriert und modellieren das Geschehen zu einem sehr harmonischen Gesamtbild. Auch bei „kurz vor Anschlag“ bleiben die Nuberts souverän, obenrum zeigt sich Brillianz und Klarheit, ohne sonderliche Aggressivität auszuprägen.

Bei den minimalistischen Elektro-Klängen von „Closest“ von Feder und NIKUID kann die A-600 ihr wahres Gesicht bezüglich des Tiefgangs und der Kraft in den untersten Bereichen demonstrieren. Hier gibt es heftige Magen-Punches, dennoch schlagen die Woofer auch bei hohem Pegel nie durch, sondern bilden die Bass-Tiraden exakt ab. Die räumliche Weite und atmosphärische Tiefe des Ambient-Sounds wird von den Nubert-Lautsprechern eindringlich und klar strukturiert reproduziert. Die gesamte Klangkulisse wirkt enorm dicht, der Zuhörer scheint im dichten Nebel des Sounds zu versinken, wird dann aber von den kräftigen Punches im nächsten Moment wach gerüttelt. Die A-600 spielen klar und fordern den Zuhörer zum aktiven Hören auf, in irgendeiner Form anstrengend werden sie aber nie.

Mit den Truckfighters und ihrem Album „Gravity X“ geht es etwas rockiger, aber nicht weniger massiv im Auftritt, zu. Die A-600 bleibt völlig unbeeindruckt und liefert auch bei hohem Pegel ein absolut sauberes, unverzerrtes Klangbild. Man merkt den Aktivlautsprechern ihre Monitorcharakteristik schon an, das bedeutet aber längst nicht, dass sie nicht mitreißend und spektakulär aufspielen. Mit exzellenter Stereobühne, dynamischen Riffs und stets schnell agierenden, massiven Bässen lädt die schwedische Band mit den nuPros zum mitgrooven ein. Für den Schreibtisch halten wir die A-600 aber dann doch etwas überdimensioniert, eine etwas freiere Aufstellung tut der offenbarten Räumlichkeit der Schallwandler sehr gut. Prinzipiell lässt sich wohl ohnehin über diese „Zwischengröße“ streiten – wo sollen die A-600 hin? Auf den Boden? Auf ein Stativ? Die Lowboard-Alternative, die von Nubert selbst genannt wird, ist wohl definitiv am sinnvollsten. Und zu klein sollte der Raum auch nicht gewählt sein, damit die Dimensionen der an die 70er erinnernden Lautsprecher den Raum nicht sprengen. Ist ein geeigneter Ort gefunden, sind wir uns aber absolut sicher, dass ausschließlich Gefallen an der akustischen Performance der A-600 gefunden wird. Verzerrungsfrei und mit noch mehr Bassgewalt als eine schlanke A-500 wird der Skeptiker überzeugt. NuPro 3-Wege? Klares Ja!

Mit Mark Knopfler lassen wir es etwas gemütlicher angehen, auch bei „River Towns“ zeigt uns das nuPro A-600 Pärchen aber ihr ganzes Können. Sehr charakteristisch wird das Zupfen der Gitarrenseiten und spätere Akkordspiel abgebildet. Die Bühne gefällt mit hoher Authentizität, das gesamte Geschehen ist gut strukturiert, feine Einzelheiten werden sauber herausgearbeitet. Der Bläser, der etwa zur Mitte des Tracks einsteigt, begeistert mit angenehmer Wärme und komplettiert die Kulisse harmonisch, ist aber dennoch absolut sauber von den Saitenklängen abgegrenzt. Wieder bleiben die Aktivmonitore unabhängig der Lautstärke wieder souverän und liefern eine durchweg homogene Kulisse, die von einer präzisen Abbildung einzelner Elemente geprägt ist.

Von exzellenter Dynamik ist die Interpretation von California Dreamin‘ von Diana Krall auf ihrem „Wallflower Deluxe“-Album geprägt. Die nuPro A-600 setzen dies auch ausnahmslos gut um und integrieren leiseste Geräusche akzentvoll im Gesamtgeschehen. Hervorragend wieder der kraftvolle Bass-Punch, der aber nie zu stark betont wirkt und die feinen Gesangsklänge der kanadischen Jazz-Ikone negativ beeinflusst. Hier zeigt sich auch sehr schön, wie sauber die Aktivlautsprecher die Piano-Klänge reproduziert. Charakteristisches Timbre, leichte Wärme bei den tieferen Tönen und saubere Brillianz obenrum, stets mit souveräner Pegelfestigkeit, ohne Clipping oder Verzerrungen. Exzellente Durchhörbarkeit, präsent zentrale Stimme mit hervorragender Feindynamik wiedergegeben, klare Mitten und ein beeindruckender Tieftonbereich, ein hervorragender Gesamteindruck.

Einen Vergleich zur Konkurrenz zu ziehen ist schwierig, da die nuPro A-600 aufgrund ihres doch sehr speziellen Formates und sehr großzügig dimensionierten Gehäusevolumens in Regallautsprecherform keinen wirklich direkten Kontrahenten gegenüber stehen. Im eigenen Hause müssen sich die A-600 den schlanken Standlautsprechersäulen nuPro A-500 stellen, die insgesamt auch günstiger als die „Kompakt“-Lautsprecher sind. Ausstattung, Material- und Verarbeitungsqualität sind auf identisch exzellentem Niveau. Auch die tonale Ausprägung lässt natürlich die Familie erkennen, die A-600 geht noch etwas tiefer und zeigt mehr Massivität und Dichte untenrum. Insgesamt sind sich die beiden internen Konkurrenten aber sehr nahe, auch bezüglich der Pegelfestigkeit zeigt keiner Blöße. Letztendlich wird es hier auf den eigenen Geschmack hinauslaufen: Schlanke Säule vs. übergroßer Regallautsprecher.

Fazit

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Die nuPro A-600 sind ein spezieller Fall. Nicht bezüglich ihrer akustischen Leistungsfähigkeiten, denn der Neuzugang als 3-Wege-Konstruktion wartet mit sämtlichen Tugenden der nuPro-Serie auf und begeistert mit einer unbändigen Tieftonperformance, enormer Pegelfestigkeit und Souveränität. Auch der audiophile HiFi-Enthusiast wird von den klaren Mitten und dem brillianten sowie gleichzeitig unaufdringlichen Hochtonbereich schnell begeistert. Die Ausstattung ist ebenso nuPro-typisch und wir wollen unsere Kritik eines fehlenden Highres-USB DACs und Bluetooth nicht nocheinmal ausführlich aufrollen, denn was hier an Digitaltechnik geboten wird, bleibt dennoch auf höchstem Niveau. Nein, schwer könnte sich die A-600 tun, da sie eine – zwar interessante, aber dennoch spezielle – Zwischengröße ist. Die A-600 ist kein Standlautsprecher, aber auch keine wirkliche „Kompaktbox“. Manch einer wird sich vielleicht doch eher einen attraktiven, schlanken Standlautsprecher wie eine A-500 holen, anstatt erst einmal den richtigen Platz für eine A-600 zu finden. Dennoch ist es durchaus möglich, dass es eine Nische für die „Flaggschiff-Kompaktbox“ der Schwaben gibt. Das akustische „Zeug“ dazu, hat sie in jedem Fall!

Akustisch hervorragender Aktivlautsprecher mit satter Bassgewalt
ueberragend
01.02.2017

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 01.02.2017




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