TEST: Motorola Moto X – Solides Mittelklasse-Smartphone ohne Schwächen?

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Das noch in Zusammenarbeit mit Google entwickelte Smartphone-Projekt sieht wie zwar wie ein „normaler“ Android-Vertreter aus, weist aber in der zweiten Generation ein paar ungewöhnliche Software-Extras aus.

Motorola war Martin Cooper, der bereits 1973 (!) das erste richtige Mobiltelefon entwickelte. Motorola war ein TK-Unternehmen, das stets Technik-Trends setze. Motorola war die Stilikone RAZR… Mittlerweile ist Motorola leider ein Schatten seiner ruhmreichen Historie, das über Google-Umweg an Lenovo regelrecht verschachert wurden. Dieser Deal könnte sich allerdings für das Traditionsunternehmen auszahlen, denn das chinesische Superunternehmen ist bärenstark aufgestellt und wird von vielen Fachleuten daher auch als der logische Samsung-Nachfolger gehandelt. Lenovo-Smartphones wird es dennoch nicht auf absehbare Zeit geben, denn in Germanien setzen die Chinesen auf das bekannte Brand Motorola.

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Seitenansicht Moto X

Das wahlweise in Schwarz oder Weiß erhältliche Smartphone macht wie das namensgleiche Vorgängermodell auf Anhieb einen sehr robusten Eindruck. Hier knarzt nichts, Spaltmaße ist ein Fremdwort und selbst massiver Fingerdruck auf das Display steckt der Korpus locker weg. Das Design selbst ist puristisch, denn sämtliche Tasten sind dezent gehalten und der Touchscreen nutzt die Frontseite großzügig aus. Der Akkublock ist übrigens nicht austauschbar und der US-Boy freundet sich nur mit NanoSIM-Karten an – scheint immer mehr Standard zu werden.

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Gewölbte Rückseite und Kamera mit Ringblitz

Die stark gewölbte Rückseite weist hingegen ein paar Designfinessen auf. Die Kameralinse ist auffällig groß und unterhalb davon wurde noch größer das Motorola-Logo eingefasst. Schöner Nebeneffekt: Diese Wölbung ist praktisch, denn an dieser Stelle kann man bequem den Finger beim Telefonieren „parken“. Das Smartphone hat dadurch einen sicheren Halt, was auch am gummierten Material liegt – Haptik 1A!

Der Touchscreen ist hingegen nicht sonderlich spektakulär: 5,2 Zoll (vormals waren es nur 4,7 Zoll) groß und 720 x 1.280 Pixel (Pixeldichte 316 ppi) sind nach heutigen Maßstäben „nur“ zeitgemäß“. Aber dank AMOLED-Technologie mit RGB-Matrix gibt das Smartphone in puncto Farbwiedergabe und Kontrast mächtig Gas. Für einen AMOLED-Vertreter ist die Helligkeit zudem überdurchschnittlich gut, stößt aber im Vergleich zu den LCD-Displays auch an technische Restriktionen.

Fangen wir mit den Basics an: Bei den Datenbahnen sind bis auf die Infrarotschnittstelle alle Kanäle besetzt:  GSM, GPRS/EDGE, UMTS/HSPA+, schnelles LTE, Bluetooth 4.0, flottes WLAN a/g/b/n/ac sowie NFC. Beim Speicherplatz  sieht es hingegen anders aus, denn Flexibilität durch einen microSD-Karten-Slot wird nicht geboten. Zwar sind 16 GB nicht gerade wenig, doch ab Werk stehen dem Nutzer „nur“ ca. 11 GB zur freien Verfügung.  Als Ausgleich gibt es immerhin kostenlos zwei Jahre lang 50 GB Speicher in der Cloud. Danach wird man aber zur Kasse gebeten.

Motorola moto x Foto

Foto bei mäßigen Lichtverhältnissen

Das Rätsel um das auffällig große Kameraobjektiv ist schnell gelöst, denn der Knipser ist mit einem Ringblitz ausgestattet, um eine optimalere Ausleuchtung zu erzielen. Die Kamera löst mit bis zu13 Megapixeln auf, liefert 4K-Videos (sollte man angesichts der eingeschränkten Speicherkapazitäten vermeiden) und arbeitet auffallend schnell. Soviel zu den Eckdaten. In der Praxis überzeugt der Ringblitz tatsächlich durch eine für Smartphone-Verhältnisse potente Ausleuchtung, sodass auch bei Kneipenlicht vernünftige Schnappschüsse gelingen. Ab einer gewissen Distanz gelingen aber auch mit dieser Kamera keine Wunder. Insgesamt gefällt der bequeme und flotte Umgang mit der Kamera, wobei es aber im Bereich Schärfe bessere Vertreter gibt. Dennoch: Als Nachtmotiv-Spezialist hat dieser Knipser durchaus seine markante Stärke. Weiteres Plus: Die Frontkamera macht Fotos und Videos in Full HD.

Auffällig sind beim Komfort die netten Spielereien. Per Animation wird man quasi ohne Vorwarnung auf ein witziges Gimmick hinweisen, indem gelegentlich ein App-Symbol über den Screen fliegt. Bei „Windy Day“ blickt man via Kamera beispielsweise in eine Fantasiewelt, deren Ausschnitt man per Bewegung selbst bestimmen kann – herrlich nutzlos.

Auffällig ist zudem, dass das Moto x gerne aufs Wort hört, was den Umgang durchaus erleichtern kann. Doch dazu später mehr. Ärgerlich: Es gibt keine Widget mit Wetterfunktion.

Motorola moto x Startscreen

Home-Screen

Beim Bedienungskonzept griffen die Macher tiefer in Software-Trickkiste als gewohnt. So gibt es mit „Moto Regeln“ intelligente Profile, die sich individuellen Situationen anpassen. Hinterlegt der Nutzer beispielsweise im Terminkalender den Begriff „Meeting“ schaltet sich das Gerät automatisch stumm, während im Auto-Modus eingehende Nachrichten umgehend vorgelesen werden. Apropos „vorlesen“, die Sprachsteuerung spielt bei diesem Smartphone eine zentrale Rolle. Sobald man „Okay  Google“ sagt, wird diese umgehen aktiviert und kann in Siri-Manier genutzt werden. Diese Funktion lädt zum Spielen ein und überzeugt durch eine hohe Präzision und Vielseitigkeit. Durch die TalkBack-Funktion werden dadurch sogar Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit unterstützt.

Schön auch, dass der schwarze Standby-Modus clever genutzt wird. Die Funktion „Active Display“ versorgt den Nutzer mit kleinen Icons, was gerade passiert (eingehende Nachrichten, Facebook oder verpasste Anrufe) und mit einem entsprechenden Fingerfisch, lässt sich diese Aktionen auch direkt aufrufen.

Ansonsten bietet der Funker Android in Reinkultur, wobei „überraschenderweise“ die Google-Dienste im Vordergrund stehen. Facebook muss daher erst einmal installiert werden und zum Start stehen nur zwei Homescreens zur Auswahl. Weitere müssen erst angelegt werden – ungewohnt.

Motorola moto x Einstellungen

App-Übersicht

Bei der zweiten Auflage wird Technik neuester Stand geboten. Der Qualcomm Snapdragon-Prozessor 801 mit vier Kernen und einer Taktfrequenz von bis zu 2,5 Gigahertz wird durch die Adreno-320-Grafikeinheit  und 2 GB Arbeitsspeicher sekundiert. Zusammen mit Googles Android-Know-How ist somit dafür gesorgt, dass das Zusammenspiel aus Soft- und Hardware im Alltag optimal verläuft. Mal abgesehen von betont aufwändigen Multitasking-Aufgaben und besonders anspruchsvollen 3D-Games stößt das moto X nie an seine Grenzen.

Im Bereich Akkuleistung betonen die Hersteller Marathonqualitäten beim Smartphone, doch so gut ist es mit dem Atem auch nicht bestellt. Im reinen Telefonie-Betrieb sind zwar bis zu fünf volle Tage drin, doch sobald Multimedia-Aufgaben dazukommen, schwindet die Rufbereitschaft merklich schnell. Für Intensivnutzer ist stets nächtliches Aufladen somit zwingend notwendig.

Im Bereich Sprachqualität kann man dem moto X eine solide 3 als Schulnote bescheinigen. Im Zeitraum des Testes gab es nur selten das Gefühl von Festnetzqualität, noch unangenehme Ausfälle oder größere Nebengeräusche – glatter Durchschnitt halt.

Der Mono-Lautsprecher auf der Frontseite sorgt dafür für eine angenehm klare Freisprecherleistung, selbst bei höchster Lautstärke. Das gleiche Soundbild auch bei Musikwiedergabe: gut vorgetragene Höhen, gestaffelter Mittenbereich und eine kleine aber feine Basswiedergabe. Schade nur, dass der gegenüberliegende Lautsprecher nur beim Telefonieren zum Einsatz kommt.

Fazit

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Mal abgesehen von der eingeschränkten Speicherkapazität präsentiert sich das moto x als rundum gutes Mittelklasse-Smartphone, das keine gravierenden Schwächen aufweist. Durch die lange Zusammenarbeit mit Google weist es zudem ein paar interessante Software-Extras auf, die zum Teil sogar für Überraschungsmomente sorgen. Über den Nutzwert lässt sich allerding manchmal eifrig diskutieren. Dennoch genießt Motorola weiterhin auf dem Smartphone-Parkett eher einen Exoten-Status. Das war mal ganz anders.

Gutes Smartphone mit einigen interessanten Ideen aus der Google-Schmiede
areadvd_gut
Mobiltelefone
17.12.2014

+ Sehr robust
+ Leistungsstarker Blitz
+ Ausgeklügelte Sprachsteuerung

– Kein microSD-Slot
– nanoSIM-Karte
– Akkublock nicht auswechselbar

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 17.12.2014




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