TEST: Magnat Hybrid-Stereoverstärker RV4 für 2.999 EUR

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Magnat hat zur High End 2017 den Stereo-Hybrid-Vollverstärker RV4 für 2.999 EUR erstmals präsentiert – nun, passend zum Herbstbeginn, hat sich der hochwertige Zweikanal-Experte bei uns im Testraum eingefunden. 

Optisch tritt der RV4 edel auf. Die hohe Materialqualität ist zu loben, überall dickes Aluminium – das sieht man heute nicht mehr oft. Die Front wird vom großen, silbernen Lautstärkedrehregler beherrscht. Von vorn gesehen links ist ein kleines rundes Display, das sehr gut auflöst. Die Anschlüsse auf der Rückseite sind präzise eingepasst, zu diesen Eindrücken gesellt sich die Vollmetall-Fernbedienung, die sich im Lieferumfang befindet. 

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Hochwertigkeit im Detail, aber: „Form follows Function“. Hier wird Technik sichtbar gemacht

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Gebürstete 8mm dicke Aluminium-Frontblende

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Aus dem Vollen gefräst: der große Lautstärke-Drehregler besteht wie auch die anderen Bedienelemente aus Aluminium

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Griffsympathischer Drehregler für die Balance

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Rundes, attraktives und gut auflösendes Display

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Vollmetall-Fernbedienung 

Zu den Daten der Vorverstärkereinheit:

  • In 60 Stunden eingebrannte Röhren in „SQ“ (Special Quality, besonders hoher Standard, der für Radioübertragungen und für militärische Zwecke genutzt wurde) Ausführung
  • spezielle Relaisschaltungen beim Wechsel des Eingangs
  • Phono-Vorverstärker mit separaten MC/MM Eingängen, Operationsverstärker mit äußerst geringem Rauschen und Subsonic-Filter
  • Digitale Eingangs-Einheit mit optischem sowie koaxialem Digitaleingang, die Digitaleingänge nehmen bis zu 192 kHz/24-Bit entgegen
  • Lautstärkeregelung mittels motorisch betriebenem ALPS-Potentiometer mit höchster Präzision
  • Erstklassige WIMA Audio-Kondensatoren im Signalweg

Zu den Daten der Verstärkereinheit:

  • Diskreter Hochleistungsverstärker mit Sanken-Qualitätstransistoren aus Japan
  • 2 x 150 Watt (20 Hz bis 20 kHz, THD < 1,0 Prozent, an 4 Ohm
  • 2 x 110 Watt (20 Hz bis 20 kHz, THD < 1,0 Prozent, an 8 Ohm
  • Peak-Leistung 1 kHz, 4 Ohm: 250 Watt
  • Aufwändige Stromversorgung, separat aufgebaut für die unterschiedliche Schaltkreise
  • Großer Ringkerntransformator für höchste Stromlieferfähigkeit
  • Zwei solide Kühlkörper und eine solide Aluminium-Abdeckung für den Transformator und für die ELKOs

Weitere Ausstattungsmerkmale:

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Sehr hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

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Cinch-Eingänge

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Optischer und koaxialer Digitaleingang, Bluetooth-Antenne

  • Vier Hochpegeleingänge
  • Main In Power Amplifier-Eingang für die Integration in Heimkino-Setups
  • Pre-Amplifier-Ausgang zum direkten Anschluss aktiver Subwoofer
  • Fixed-Level-Recording-Ausgang
  • Organic LED-Display mit hohem Kontrast
  • Bluetooth 4.0 mit Qualcomm aptx
  • Edle Metallfernbedienung
  • Kopfhörerausgang mit besonders hochwertiger 6,3 mm Buchse
  • 18,5 kg Gewicht
  • 434 mm breit, 157 mm hoch und 360 mm tief, mit allen Bedienelementen und Buchsen wächst die Tiefe auf 410 mm an

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Rückseite komplett

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Röhre der Vorstufe

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Große Kühlrippen

Der RV4 bringt hochwertige Röhren und solide Leistungswerte mit – er vereint die Vorzüge von Röhren- und Transistortechnik auf lobenswerte Art und Weise. Die Anschlussbestückung ist sehr gut, es fehlen weder optische noch digitale Anschlüsse. Hinzu kommt, dass selbst Bluetooth inklusive aptX an Bord ist. 

Klang

Starten wir mit 16-Bit/44,1 kHz-Stücken, wir greifen auf den Duran Duran-Klassiker „A View To A Kill“ zurück. Das Stück nervte auf manchen Devices mit etwas schneidender Wiedergabe des oberen Mitteltonbereiches, davon ist beim RV4 nichts zu spüren. Klar, differenziert, angenehm und kraftvoll agiert der Hybrid-Verstärker an unseren Canton Reference 5 K. Die Pegelfestigkeit erweist sich überdies als sehr gut, wir drehen deutlich über Mitte (Lautstärke-Drehregler, der sich sehr präzise justieren lässt) auf und sind beeindruckt, wie nachdrücklich und verzerrungsfrei der RV4 weiter nach vorn schiebt.

Bei „The World Is Not Enough“ von Garbage übernimmt der Magnat Hybridverstärker wieder die Rolle des souveränen und gelassenen Leistungslieferanten. Er arbeitet auch hintere akustische Ebenen sauber heraus und schafft insgesamt ein einheitliches, lückenloses Klangbild, das von einer ausgeprägt authentischen Räumlichkeit wesentlich mitbestimmt wird. Nochmal 007, zum Dritten: „We Have All The Time In The World“, aus „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ mit George Lazenby. Lous Armstrongs charakteristische Stimme erfasst der RV4 gekonnt, die Detailarbeit des knapp 3.000 EUR kostenden Edel-Verstärkers entspricht voll und ganz der Preisklasse.

„I’m Not InLove“ – dieses Motto der Diana-Krall-Adaption des Klassikers, nun in Hi-Res (Flac, 48 kHz/24-Bit) entspricht nicht den Gedanken des Test-Schreibers über den Magnat RV4. Mit dem könnte man durchaus eine klangliche Liebesbeziehung eingehen, so feinfühlig, aber doch kräftig und fundiert, trägt er das Stück vor. Die rauchige Stimme Dianas arbeitet er glaubwürdig heraus und garniert alles, wie schon zuvor, mit dichter Räumlichkeit. „Feels Like Home“, ebenfalls von Dianas Album „Wallflower“, bringt der Vollverstärker mit einem angenehmen Schuss Wärme – der Röhren-Vorstufe sei Dank – in den Hörraum. Das Klavier gibt der RV4 exzellent wieder, auch die Anschlagdynamik der Tasten ist deutlich herauszuhören. Der Anfang von „Don’t Dream, It’s Over“ mit der Harfe und dem Klavier wird oftmals unzureichend präsentiert. Der RV4 macht eine lobenswerte Ausnahme und beeindruckt insbesondere mit der feinfühligen und räumlich echten Einarbeitung der Harfe. 

Till Broenners „Sweet Lorraine“ (96 kHz/24-Bit) beweist, wie gut das Detaillierungsvermögen des RV4 ist: Die Stimme, das Schlagwerk, das Klavier – alles beeindruckt durch die feine Akzentuierung, zugleich gefällt das Gefühl echter Weitläufigkeit. Der Rhythmus kommt sehr präzise heraus, die Impulstreue ist tadellos. Der RV4 arbeitet so gut mit unseren edlen Canton Reference 5 K zusammen, als gäbt es nichts Einfacheres. Sorry, Magnat und Heco – aber der RV4 und die Reference 5 K sind ein tolles Team. Das merkt man auch bei der hervorragenden Darstellung des Saxophons, die Dosierung ist genau ausbalanciert, und die komplexen Zwischentöne werden vom RV4 stimmig herausgeholt 

In 96 kHz/24-Bit liegt „Nessun Dorma“, gesungen von Jonas Kaufmann, vor. Der RV4 müht sich hier nicht, wie viele selbst teure Kontrahenten, redlich ab und erzielt gute Ergebnisse – nein, er trägt das Stück vor, wie es sein sollte. Die Stimme von Kaufmann beeindruckt durch deutlich erkennbare Konturen, und der Chor ist ebenfalls auf akustische Natürlichkeit getrimmt. Die Streicher haben wieder einen harmonisch-warmen Einfluss, brillieren aber gleichzeitig durch die hohe Auflösung, die einen auch im Hochtonbereich räumlich dichten Klang sicherstellt. 

Von anderer Natur ist „Diamante“ von Sandra und Tony Alessi. In Flac 96 kHz/24-Bit vorliegend, stellt dieses Stück, das eint es mit dem vorherigen, deutlich gehobene Ansprüche an den Verstärker. Der RV4 stellt sich diesen Anforderungen gelassen und schafft es, die weibliche und die männliche Stimme mit hoher Klarheit und stimmigem Timbre zu präsentieren. Die Trennung der instrumentalen von den vokalen Elementen gelingt auch hier sehr gut.

Was kann der Magnat RV4 aus akustischer Sicht? 3.000 EUR Kaufpreis sind schon eine Ansage, aber fürs investierte Geld sichert sich der Hybrid-Vollverstärker trotzdem viele Punkte. Nicht nur die enorm hohe Materialqualität, auch der Klang ist erstklassig. Der RV4 schafft es, Nuancen sehr treffend herauszuarbeiten, aber gleichzeitig eine insgesamt enorme Homogenität im Klangbild zu offerieren. Er ist dynamisch, bringt aber trotzdem einen Schuss angenehme (Röhren-)Wärme in die Akustik. Die maximal erzielbaren Pegel reichen auch für den gehobenen Anspruch, aber Pegeltreiberei ist nicht das, für was der RV4 eigentlich geschaffen ist. Er ist wie prädestiniert für den kultivierten, umfassenden Musikgenuss, auch bei etwas gehobener Lautstärke. Aber schon bei Zimmerlautstärke entfaltet er ein grandioses klangliches Aroma, das durch Reichhaltigkeit und Finesse positiv auffällt. 

Fazit

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Der Magnat RV4 verkörpert in einem Gerät Tradition und Moderne. Auf der einen Seite eine klassische Röhren-Vorstufe, auf der anderen Seite leistungsstarke Transistor-Endstufen und sogar ein eingebautes Bluetooth-Modul. Klar und mit angenehmer Wärme sowie dichter Räumlichkeit versehen, weiß der edel verarbeitete Vollverstärker auf ganzer Linie zu imponieren. Er ist enorm kultiviert und beeindruckt durch die hohe akustische Souveränität. 

Erlesene Verarbeitung und hohe akustische Leistungsfähigkeit ergänzen sich beim Magnat RV4 zu einem Gesamtkunstwerk
ueberragend
Stereo-Vollverstärker Oberklasse
Test 29. September 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 29.09.2017




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